Stand: 22.01.2018

Alles Handeln des Bundes Sankt Michael soll den Grundsätzen des Gehorsams gegenüber Gott, der Loyalität zur Kirche, des Dienstes am Nächsten und am Gemeinwesen, der Übernahme von Vernantwortung, der Solidarität, der Überparteilichkeit und  Unabhängigkeit sowie der Mäßigung folgen.

1. Gehorsam gegenüber Gott

Der Bund Sankt Michael folgt in seinem Handeln den für alle Christen geltenden Aufträgen und strebt zuerst nach dem Reich Gottes (Mt 6,33) sowie danach, das bewahrende „Salz der Erde“ (Mt 5,13) und das „Licht der Welt“ (Mt 5,14) zu sein.

Für den Bund gilt zudem die Forderung des hl. Apostels Paulus (Röm 12,2), sich nicht der Welt anpassen, sondern in ihr dem Auftrag Gottes gemäß zu wirken:

Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.

  • Im Zweifelsfall muß der Bund so wie der hl. Petrus und die Aposten „Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29) und sich den Widersprüchen zwischen den Forderungen einer materialistischen Welt und den Forderungen Gottes stellen.
  • Gott ist nichts anderem nachgeordnet und kein Mittel zu einem menschlichen Zweck. Romano Guardini warnte davor, „Schein-Absolutheiten“ einen sakralen Rang einzuräumen. Bei diesen könne es sich um Dinge handeln, die wertvoll sind, wenn sie auf Gott hingeordnet sind, aber entarten, wenn man sie zum Selbstzweck erklärt, etwa ein Staat, eine Nation oder eine Kultur.
  • Man kann aufgrund ihrer Abwendung von Gott scheiternden Kulturen und Gesellschaften zudem nicht helfen, wenn sich selbst von dem bestimmen lässt, was sie herabzieht. Ein Christentum, dass sich an Dinge bindet, die im Niedergang befindlich sind, wird mit ihnen scheitern.

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) hatte diesbezüglich gesagt:

So ist es verständlich, dass heute vielfach sehr eindringlich die Frage gestellt wird, ob man nicht die Kirche wieder in eine Überzeugungsgemeinschaft verwandeln sollte, um ihr so ihren großen Ernst wieder zu geben. Das würde bedeuten, dass man auf die noch vorhandenen weltlichen Positionen rigoros verzichtet, um einen Scheinbesitz abzubauen, der sich mehr und mehr als gefährlich erweist, weil er der Wahrheit im Wege steht.  Es wird der Kirche auf die Dauer nicht erspart bleiben, Stück um Stück von dem Schein ihrer Deckung mit der Welt abbauen zu müssen und wieder das zu werden, was sie ist: Gemeinschaft der Glaubenden. Tatsächlich wird ihre missionarische Kraft durch solche äußere Verluste nur wachsen können: Nur wenn sie aufhört, eine billige Selbstverständlichkeit zu sein, nur wenn sie anfängt, sich selber wieder als das darzustellen, was sie ist, wird sie das Ohr der neuen Heiden mit ihrer Botschaft wieder zu erreichen vermögen, die sich bisher noch in der Illusion gefallen können, als wären sie gar keine Heiden.

2. Loyalität zur Kirche

Das Handeln des Bundes Sankt Michael ist Dienst an der Kirche und ihrer Einheit in Vielfalt auf der Grundlage von Treue gegenüber ihrer Lehre.

Mit allen treu zur Lehre der Kirche stehenden Christen eint uns dabei ein Band, das stärker ist als weltanschauliche oder sonstige Unterschiede.

3. Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen

Personalität und Solidarität gehören zu den Grundsätzen der christlichen Soziallehre und des Bundes Sankt Michael. Alles Handeln des Bundes soll daher im eigenen Umfeld stattfinden und immer mit persönlichem Einsatz verbunden sein.

Eine Solidarität, die nur abseits des eigenen Umfeldes stattfände und dieses dabei vernachlässigte, oder eine Solidarität, die darin bestünde, dass sie von anderen oder einem Staat anstatt von sich selbst Einsatz und Opfer zu fordern, wäre keine christliche Solidarität.

Als Christen betrachten wir auch die Auseinandersetzung mit Gegnern und Gegenpositionen als eine Gelegenheit zum Dienst am Nächsten und führen diese im Geist der Achtung ihm gegenüber.

Alles Handeln des Bundes Sankt Michael wird zudem vom christlichen Motiv des Dienstes am Gemeinwesen geleitet. Säkulare, freiheitlich verfasste Staaten benötigen solchen Dienst in besonderem Maße, denn sie beruhen auf kulturellen und moralischen Grundlagen, die sie nicht selbst schaffen können.

Der Bund dient dem Gemeinwesen, indem zur Stärkung von dessen Grundlagen durch die Schaffung und Pflege sozialer und kultureller Substanz beiträgt. Der Bund Sankt Michael wirkt zudem auf der Grundlage der christlichen Soziallehre extremistischen Strömungen und den revolutionären und utopische Ideologien, auf denen sie beruhen, entgegen.

In Gesellschaften, in denen Männer sich weigern, ihrer Berufung nachzukommen, Verantwortung zu übernehmen und Herausforderungen aktiv zu begegnen, entstehen zwangsläufig Notlagen. Im Sinne der Spiritualität des hl. Ignatius von Loyola soll der Bund in seinem Handeln „an die Grenzen gehen“ und sich den Herausforderungen für das Christentum in Europa aktiv stellen.

Papst Franziskus, der von dieser Spiritualität geprägt wurde, rief ebenfalls zu einer aktiven Konfrontation mit den Herausforderungen und Nöten der Welt auf. Er verglich die Kirche mit einem „Feldlazarett“, das aufgeschlagen werde, „wo die Kämpfe stattfinden“.

4. Erneuern, nicht konservieren

Es geht dem Bund um die Erneuerung Europas aus dem Geist des Christentums durch die Wiederanbindung an seine geistigen Wurzeln und nicht darum, einen gegenwärtigen Zustand zu konservieren oder einen vergangenen Zustand wiederherzustellen.

Es geht dem Bund daher vor allem um das Wirken in seinem Umfeld im Sinne seines Auftrags und nicht um den Rückzug aus diesem Umfeld.

5. Solidarität

Innerer Zusammenhalt ist die Voraussetzung dafür, dass eine Gemeinschaft auch unter Druck bestehen und wirken kann. In einer belastbaren Gemeinschaft muss sich jedes Mitglied darauf verlassen können, dass auch alle anderen Mitglieder sich als Stützen der Gemeinschaft verstehen und für deren Ziele sowie für einander einstehen.

6. Überparteilichkeit und Unabhängigkeit

Das Handeln des Bundes Sankt Michael beruht auf der Überzeugung, dass zu große Nähe zu politischer Macht Kirche und Glaube korrumpiert. Der Bund ist daher überparteilich und unabhängig von politischen Parteien und staatlichen Stellen.

Gleichzeitig tritt der Bund Sankt Michael für Religionsfreiheit und die Trennung von Kirche und Staat ein. Jegliche Bestrebungen zur Verletzung von Grundrechten in Form von Eingriffen in die Religionsfreiheit und die damit verbundenen Verletzungen des Prinzips der Trennung von Kirche und Staat lehnt der Bund daher grundsätzlich ab.

Dabei bejaht der Bund das Engagement von Christen in Staat und Politik und führt dieses selbst durch, solange dies nicht zu den genannten Abhängigkeiten führt. Dabei geht der Bund von der Annahme aus, dass die wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart nicht in erster Linie durch politisches Handeln angesprochen werden können, sondern nur durch persönliche Veränderung und Engagement im eigenen Umfeld.

7. Mäßigung

Mäßigung ist eine der christlichen Kardinaltugenden. Ihr sollen alle Aktivitäten des Bundes Sankt Michael folgen. Auch die besten Dinge können entstellt werden, wenn sie ins Extrem übertrieben werden.

Das konsequente Streben nach dem Gemeinwohl und das Bewahren einer angemessenen, von Selbstkontrolle geprägten Haltung steht für uns immer an erster Stelle. Als Christen lehnen wir den lautstarken polemischen Kampf der Meinungen und die selbstbezogene Zurschaustellung von Emotionen ab. Alle Mitglieder und Mitwirkenden des Bundes bewahren diese christliche Haltung auch und gerade dann, wenn die andere Seite es nicht tun sollte.