Stand: 01.02.2018

Diese Seite beschreibt die Aufgaben, die der Bund Sankt Michael zur Erfüllung seines Auftrags durchführt.

1. Erkennen und Verstehen der Herausforderungen für das Christentum in Europa

Der Bund analysiert die Lage des Christentums in Europa sowie die Lage des Umfelds, in der sich das Christentum in Europa bewegt, um strategische Herausforderungen für es zu erkennen und zu verstehen.

Mein Volk kommt um, weil ihm die Erkenntnis fehlt.

Hosea 4,6

Der Bund leistet dies auf der Grundlage eines  Auftrags  des Zweiten Vatikanischen Konzils. Dieses betonte, die Kirche habe „die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten.“ Es gelte daher, „die Welt, in der wir leben, ihre Erwartungen, Bestrebungen und ihren oft dramatischen Charakter zu erfassen und zu verstehen.“ Johannes Paul II. hatte diesen Auftrag 2003 bekräftigt:

Es ist eine ruhige kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen kulturellen Situation Europas nötig, welche die auftretenden Tendenzen und die bedeutendsten Ereignisse und Situationen unserer Zeit im Lichte der zentralen Stellung Christi und der christlichen Anthropologie bewertet.

Michelangelo – Die delphische Sibylle (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Auch der katholische Philosoph Robert Spaemann erklärte in diesem Zusammenhang, dass es vor dem Hintergrund der Lage auch darauf ankomme, „der gegenwärtigen Realität ins Auge zu sehen, sie mit allen rationalen Mitteln zu analysieren, um sie dann im Lichte der Offenbarung zu beurteilen“.

  • Die in diesem Rahmen durch den Bund betrachteten Herausforderungen umfassen alle Bereiche des Lebens, etwa Kultur, Gesellschaft und Politik sowie Wirtschaft, Wissenschaft und Technik.
  • Dabei geht es vor allem darum zu erkennen und zu verstehen, wie sich die jeweiligen Herausforderungen gestalten, und was sie für das Christentum in Europa bedeuten. Den Schwerpunkt bilden dabei alle Faktoren, Entwicklungen und Akteure, die sich negativ auf die Kontinuität des Christentums in Europa auswirken können.
  • Der Bund untersucht zudem die Voraussetzungen kultureller Kontinuität des Christentums in Europa. Er nimmt dabei Impulse aus anderen Teilen der Kirche auf, etwa Erfahrungen der Christen des Nahen Ostens und Afrikas.

Die so gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für alles weitere Handeln des Bundes.

2. Aufbau einer Organisation zur Bewältigung der Herausforderungen

Der Bund baut zur Bewältigung der Herausforderungen für das Christentum in Europa eine an den Erfordernissen der Lage ausgerichtete Organisation auf und entwickelt diese laufend weiter.

Diese Organisation umfasst neben zentralen Funktionen lokale Gesprächskreise und Dienstgemeinschaften, die in ihrem Umfeld im Sinne des Auftrags des Bundes wirken.

Um Wirkung im Sinne des Auftrags zu erzielen, benötigt der Bund die Unterstützung fähiger und motivierter Menschen sowie Ressourcen.

2.1 Mitglieder und Mitwirkende

Der Bund richtet sich an jene, die im Sinne seines Auftrags zum dienenden Einsatz für das Christentum in Europa bereit sind und sich mit dem christlichen Erbe Europas identifizieren.

2.2 Die Gesprächskreise und Dienstgemeinschaften des Bundes

Der Bund fördert die Bildung von Gesprächskreisen und Dienstgemeinschaften und unterstützt diese. Benedikt XVI. hatte zur Bildung solcher Gemeinschaften aufgerufen:

Bildet Gemeinschaften aus dem Glauben heraus. […] Sucht Gemeinschaft im Glauben, Weggefährten, die gemeinsam die große Pilgerstraße weitergehen, die uns die Weisen aus dem Orient zuerst gezeigt haben.

Die Dienstgemeinschaften sind Orte der Zurüstung und Stützpunkte dienenden Wirkens. Sie haben den folgenden Auftrag:

  • Auseinandersetzung mit der Lage des Christentums in Europa;
  • Auseinandersetzung mit Frage der Spiritualität des schützenden und bewahrenden Dienstes;
  • Durchführung von Dienstvorhaben zur Förderung von Resilienz und Dienstfähigkeit der Kirche sowie zur kulturellen Erneuerung;
  • Gegenseitige Unterstützung der Mitglieder.

In ihrem persönlichen Umfeld bilden die Mitglieder der Gemeinschaften Kerne kultureller Erneuerung.

2.3 Die zentralen Funktionen des Bundes

Die zentralen Funktionen des Bundes haben den folgenden Auftrag:

  • Durchführung zentraler Aufgaben u.a. in den Bereichen Organisation, Recht, sowie Information und Kommunikation;
  • Entwurf von Dienstprogrammen und -Vorhaben sowie Sammlung und Auswertung von Erfahrungen;
  • Durchführung der zentralen Dienstvorhaben (Analyse, Strategie, Spiritualität etc.);
  • Unterstützung der Gesprächskreise und Dienstgemeinschaften;
  • Pflege von Netzwerken auf nationaler und internationaler Ebene;
  • Kontinuierliche Verbesserung und Weiterentwicklung des Bundes.

3. Stärkung von Resilienz und Dienstfähigkeit in der Kirche

Domenico Cetto – Ansicht der Stadt Wien (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Bund führt zentrale und dezentrale Dienstprogramme und -Vorhaben durch, um Resilienz und Dienstfähigkeit in der Kirche im Angesicht der erkannten Herausforderungen zu stärken.

Dabei geht es vor allem darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Kirche, also die Gemeinschaft der Christen, mögliche Verwerfungen möglichst gut bewältigen und ihren Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen auch unter schwierigen Bedingungen ausüben kann.

Die Absicht des Bundes ist es dabei, Resilienz und Dienstfähigkeit seiner Mitglieder und Mitwirkenden zu stärken, die diese Impulse dann in ihre Gemeinden und ihr Umfeld hineintragen.

Der hl. Johannes Paul II. hatte in diesem Zusammenhang dazu aufgerufen:

Es ist von grundlegender Bedeutung, „spezifische Berufungen zu wecken und zu fördern, die dem Gemeinwohl dienen: Menschen, die nach dem Beispiel und dem Stil der sogenannten ‚Väter Europas‘ fähig sind, Baumeister der europäischen Gesellschaft von morgen zu sein, und sie auf die soliden Fundamente des Geistes gründen.“

Der katholische Theologe Romano Guardini schrieb diesbezüglich, dass die Christen im künftigen Europa vor allem Tapferkeit benötigen würden, „die sich dem heraufdrohenden Chaos entgegenstellt“. Außerdem würden diese Christen entschlossen sein müssen:

Der christliche Glaube […] aber wird eine neue Entschiedenheit gewinnen müssen. Auch er muss aus den Säkularisationen, den Ähnlichkeiten, Halbheiten und Vermengungen hinaus.

Dienstvorhaben und -Programme

Die folgenden Vorhaben zur Stärkung von Resilienz und Dienstfähigkeit befinden sich derzeit in Vorbereitung:

  • Virtus-Programm: Christlicher Humanismus strebt die umfassende Entfaltung aller Fähigkeiten des Menschen an, damit er sein ganzes Potenzial zum Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen einsetzen kann. Das Virtus-Programm entwickelt ein Konzept, dass Christen für die Wahrnehmung von Aufgaben in Apostolaten des schützenden und bewahrenden Dienstes stärkt.
  • Custos-Programm: Ein Christ soll der „Hüter seines Bruders“ (1 Mo 4,9) sein. Auch in Europa sind Christen, insbesondere Konvertiten, in zunehmendem Maße Sicherheitsrisiken ausgesetzt. Das Custos-Programm entwickelt Sicherheitskonzepte für Christen und christliche Gemeinden, die besonderen Risiken ausgesetzt sind, und unterstützt ihre praktische Umsetzung.

4. Erneuerung Europas im Geist des Christentums

Das Christentum hat auch einen Auftrag zur Gestaltung der Welt. Das Dekret „Apostolicam Actuositatem“ des II. Vatikanischen Konzils formulierte 1965 den christlichen Auftrag zum „Aufbau der gesamten zeitlichen Ordnung“. Die Sendung der Kirche bestehe auch darin, „die zeitliche Ordnung mit dem Geist des Evangeliums zu durchdringen und zu vervollkommnen.“

Der katholische Theologe Romano Guardini sagte, dass Christen vor dem Hintergrund der kulturellen und sonstigen Entwicklungen in Europa mittelfristig ähnlich wie der hl. Benedikt von Nursia im Umfeld des zerfallenden Römischen Reiches „das Chaos zur neuen Gestalt bewältigen“ werden müssten.

Der hl. Johannes Paul II. rief Christen zu Anstrengungen auf, Europa im Geist des Christentums zu erneuern:

Die Christen sind also aufgerufen, einen Glauben zu kultivieren, der ihnen erlaubt, sich kritisch mit der gegenwärtigen Kultur auseinanderzusetzen und ihren Verführungen zu widerstehen; die Bereiche von Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik wirksam zu beeinflussen; deutlich zu machen, daß die Gemeinschaft der Mitglieder der katholischen Kirche untereinander und mit den anderen Christen stärker ist als jedes ethnische Band; den Glauben voll Freude an die jungen Generationen weiterzugeben; eine christliche Kultur aufzubauen, die in der Lage ist, die vielschichtige Kultur, in der wir leben, zu evangelisieren.

Der Aufbau eines neuen Europas erfordere ihm zufolge nach christlichen Werten erzogene Menschen, „die bereit sind, sich für die Verwirklichung des Gemeinwohls einzusetzen“, und die „in den verschiedenen Verantwortungsbereichen des zivilen Lebens, der Wirtschaft, der Kultur, des Gesundheitswesens, der Erziehung und der Politik so wirken sollen, daß sie dort die Werte des Reiches Gottes einfließen lassen können.“

Werde wach und stärke, was noch übrig ist, was schon im Sterben lag.

Offenbarung 3, 2

Deine Leute bauen die uralten Trümmerstätten wieder auf, die Grundmauern aus der Zeit vergangener Generationen stellst du wieder her. Man nennt dich den Maurer, der die Risse ausbessert, den, der die Ruinen wieder bewohnbar macht.

Jesaja 58,12

Bemüht euch um das Wohl der Stadt […] denn in ihrem Wohl liegt euer Wohl.

Jeremia 29, 7