Stand: 31.08.2018

Der Bund Sankt Michael betreibt christliches Laienapostolat, das auf den Grundlagen Dienst, Tradition und Gemeinschaft beruht. Die Grundsätze dieses Apostolates sind unter anderem der Gehorsam gegenüber Gott, die Loyalität zur Kirche, die Treue gegenüber Staat und Gesetz, der Dienst am Nächsten sowie Überparteilichkeit.

1. Das Laienapostolat

Der Bund und seine Mitglieder betreiben Laienapostolat, also einen Dienst am Nächsten in der Nachfolge Jesu Christi, der nicht an ein kirchliches Amt oder eine Ordensgemeinschaft gebunden ist. Alle Christen sind durch die Taufe zu diesem Dienst berufen.

1.1 Die christliche Auftrag zum Forschen nach den Zeichen der Zeit

Grundlage des Auftrags des Bundes ist die durch die katholische Kirche formulierte Pflicht, nach den „Zeichen der Zeit“ zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. Christen haben demnach den Auftrag, „die Welt, in der wir leben, ihre Erwartungen, Bestrebungen und ihren oft dramatischen Charakter zu erfassen und zu verstehen.“ (Gaudium et Spes 4)

Papst Johannes Paul II. hatte diesen Auftrag im Jahre 2003 bekräftigt:

Es ist eine ruhige kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen kulturellen Situation Europas nötig, welche die auftretenden Tendenzen und die bedeutendsten Ereignisse und Situationen unserer Zeit im Lichte der zentralen Stellung Christi und der christlichen Anthropologie bewertet.

Auch die Päpste Benedikt XVI. und Franziskus haben die Bedeutung dieses Auftrags betont. Der katholische Philosoph Robert Spaemann erklärte, dass es dabei darauf ankomme, „der gegenwärtigen Realität ins Auge zu sehen, sie mit allen rationalen Mitteln zu analysieren, um sie dann im Lichte der Offenbarung zu beurteilen“.

1.2 Der christliche Auftrag zur Übernahme von Verantwortung für die Welt

Frank Craig – La Pucelle (gemeinfrei)

Christen sind dazu aufgerufen, Verantwortung in der Welt und für die Welt zu übernehmen und sie zu gestalten (Gen 1,28). Sie haben einen Kulturauftrag, der die geistige Durchdringung der Welt sowie den Aufbau und die Vervollkommnung menschengemäßer Ordnung umfasst (Apostolicam actuositatem 7). Weiterhin umfasst dieser Auftrag die Belebung der weltlichen Ordnung mit christlichem Geist (CIC Can. 298).

Christen haben außerdem den Auftrag, sich der Nöte des Volkes Gottes anzunehmen, das „Leben in Familie, Beruf, Kultur und Gesellschaft“ glaubensmäßig zu durchdringen und es durch dienende Taten zu beleben (Apostolicam actuositatem, Punkt 16). Sie sollen ihre besonderen Fähigkeiten, ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen einsetzen, um in ihrem Umfeld und im öffentlichen Leben eine gottgemäße Regelung der zeitlichen Dinge zu fördern (Lumen gentium 31).

Papst Franziskus bekräftigte diesen Auftrag, als er erklärte, dass die Aufwertung des sozialen, politischen und wirtschaftlichen Lebens durch christliche Werte den Dienst der Laien erfordere (Evangelii gaudium 102).

1.3 Laienapostolat als tätige Antwort auf Herausforderungen für das Christentum

Die Idee des Laienapostolats bezieht sich insbesondere auf den Dienst in schwierigen Lagen, in denen „die Freiheit der Kirche schwer behindert ist“ sowie auf Situationen der Bedrängnis, in denen der Dienst der Laien „von größter und dringender Notwendigkeit“ ist (Apostolicam actuositatem 17).

Auch die Herausforderungen der zunehmend säkularisierten Welt werden als Anlass für organisiertes Laienapostolat hervorgehoben (Apostolicam actuositatem 18).

  • Der hl. Papst Pius X. schrieb über die Anlass der Schaffung der Katholischen Aktion, die zu den Vorläufern des im Zweiten Vatikanischen Konzils formulierten Konzepts des Laienapostolats gehört, dass die Kirche „in der Welt bedrängt werden wird, dass ihre Apostel wie Schafe unter die Wölfe gesandt sind, dass ihre Anhänger mit Hass und Verachtung bedacht werden, wie ihr göttlicher Gründer mit Hass und Verachtung überhäuft wurde.“
  • Der Dienst der Laien müsse daher „die antichristliche Zivilisation bekämpfen“, von der diese Verfolgung ausgeht, und die von ihr verursachten Schäden beheben.

Die wichtigsten Vordenker des Laienapostolats lebten und dienten in schwierigen Umfeldern und prägten dieses mit ihren Erkenntnissen und Erfahrungen. Der hl. Vinzenz Pallotti etwa erlebte den Zusammenbruch der staatlichen und religiösen Ordnung in Folge der Besetzung des Kirchenstaats durch französische Truppen. Der hl. Josémaria Escriva wirkte zur Zeit des spanischen Bürgerkriegs, als Kommunisten tausende Geistliche und Ordensleute töteten.

2. Die Grundlagen des Bundes

Pacino di Buonaguida – Allegorie des Glaubens (gemeinfrei)

Wir handeln im Rahmen des von Jesus Christus erteilten Auftrags, in der Welt als „Salz der Erde“ und als „Licht der Welt“ (Mt 13-14) zu dienen. Dieser Auftrag erfordert es von uns, das Gute zu bewahren und den Werken der Auflösung und des Bösen entgegenwirken. Wir leisten dies im Rahmen eines Leitbilds, das auf den Grundlagen Dienst, Tradition und Gemeinschaft beruht.

  • Dienst: Wir stellen unsere Fähigkeiten in den stillen Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen und erweitern sie laufend. Wir übernehmen Verantwortung und leben für unseren christlichen Auftrag, nicht für uns selbst. Wir erkennen die Herausforderungen unserer Zeit, gehen auf sie zu und begegnen ihnen mit dienenden Taten. In Zeiten der Ruhe stärken wir uns für unseren Dienst. In Zeiten der Auflösung halten wir Stand. In schwierigen Zeiten sind wir ein Licht in der Dunkelheit für andere.
  • Tradition: Als Christen setzen wir die Tradition jener fort, die ein großes Erbe über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg geschaffen und weitergegeben haben. Wir formen uns im Geist dieses Erbes und streben danach, zu einem starken Glied in der Kette der Generationen zu werden, damit auch wir dieses Erbe weitergeben können.
  • Gemeinschaft: Wir erfüllen unseren Auftrag als Gemeinschaft des Dienstes von Brüdern im Glauben, über die Benedikt XVI. sagte, dass sie auch in Notsituationen aufeinander zählen könnten.

3. Die Grundsätze des Bundes

Die folgenden Grundsätze sind verbindlich für alle Aktivitäten des Bundes Sankt Michael.

3.1 Gehorsam gegenüber Gott

Der Bund Sankt Michael folgt in seinem Handeln den für alle Christen geltenden Aufträgen und strebt zuerst nach dem Reich Gottes (Mt 6,33) sowie danach, das bewahrende „Salz der Erde“ (Mt 5,13) und das „Licht der Welt“ (Mt 5,14) zu sein.

Für den Bund gilt zudem die Forderung des hl. Apostels Paulus, sich nicht der Welt anzupassen, sondern in ihr dem Auftrag Gottes gemäß zu wirken (Röm 12,2). Im Fall von Konflikten wird der Bund „Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29).

Gott ist keiner anderen Sache nachgeordnet und kein Mittel zu einem menschlichen Zweck. Für den Bund ist der Wert aller Werke des Menschen und der Kultur davon abhängig, ob sie auf Gott hingeordnet sind.

3.2 Loyalität zur Kirche

Das Handeln des Bundes Sankt Michael soll einen Dienst an der Kirche und ihrer Einheit in Vielfalt auf der Grundlage von Treue gegenüber ihrer Lehre darstellen.

Mit allen treu zu Jesus Christus stehenden Christen verbindet die Mitglieder des Bundes dabei ein Band, das stärker ist als alle weltanschaulichen, nationalen oder sonstigen Unterschiede.

3.3 Treue gegenüber Staat und Gesetz

Der Bund folgt der durch Jesus Christus geforderten (Mt 22,21) und durch die hl. Apostel Petrus (1. Petr. 2, 13-17) und Paulus (Röm 13, 1 ff.) bekräftigten Tradition der christlichen Treue gegenüber dem die Religionsfreiheit achtenden Staat und Gesetz.

Der Bund Sankt Michael wirkt im Kontext der katholischen Soziallehre außerdem extremistischen Strömungen und den revolutionären und utopischen Ideologien, auf denen sie beruhen, entgegen.

3.4 Dienst am Nächsten

Der höchste Ausdruck christlicher Nächstenliebe ist der Dienst am Nächsten. Das Wirken des Bundes Sankt Michael soll einen solchen Dienst darstellen.

Jesus Christus betonte immer wieder, dass er gekommen sei, um zu dienen (Mk 10, 42-45; Lk 22,27), was er bis zur letzten Konsequenz tat. Hans Urs von Balthasar sagte, dass es für den Christen daher „nur einen einzigen wahren Einsatz“ gebe, nämlich „den für die Brüder“.

Das Handeln des Bundes soll außerdem dem Gemeinwesen dienen, denn auch dies ist eine Anforderung der tätigen Nächstenliebe. Christen sollen nach dem Willen Gottes Patrioten jedes Gemeinwesens sein, in dem sie wirken und „das Wohl der Stadt“ unter allen Bedingungen suchen, „denn in ihrem Wohl liegt unser Wohl“ (Jer 29,7).

Säkulare, freiheitlich verfasste Staaten benötigen diesen Dienst in besonderem Maße, denn sie beruhen auf kulturellen und moralischen Grundlagen, die sie nicht selbst schaffen oder aufrechterhalten können.

Als Christen betrachten wir auch die Auseinandersetzung mit Gegenpositionen als eine Gelegenheit zum Dienst am Nächsten und führen diese stets im Geist der Achtung.

3.5 Aktives Wirken in der Welt

Jesus Christus berief die Apostel, damit sie seine Botschaft unter hohen Risiken in feindliche Umfelder hineintragen. Er berief sie nicht, damit sie einen bestimmten Zustand konservieren, sich aus der Gesellschaft zurückziehen oder einen vergangenen Zustand wiederherstellen (Lk 21,12-19).

Im Sinne der Spiritualität des hl. Ignatius von Loyola soll der Bund Sankt Michael daher „an die Grenzen gehen“ und den Herausforderungen für das Christentum in seinem Umfeld aktiv begegnen. Dies erfordert insbesondere die Tugend der Tapferkeit.

3.6 Überparteilichkeit

Das Handeln des Bundes Sankt Michael beruht auf der Überzeugung, dass zu große Nähe zu politischer Macht Kirche und Religion korrumpiert. Der Bund ist daher überparteilich und agiert unabhängig von politischen Parteien, begrüßt aber zugleich den Dienst seiner Mitglieder in Parteien und Politik.

3.7 Klugheit und Mäßigung

Klugheit und Mäßigung sind die christlichen Kardinaltugenden, die neben der erwähnten Tapferkeit das Wirken des Bundes in besonderem Maße bestimmen sollen.

Die Klugheit befähigt dazu, die eigene Lage und das Gute zu erkennen, und drückt sich in nüchternem Wirklichkeitssinn aus.

Die Mäßigung wirkt Extremen entgegen, die auch das beste Anliegen entstellen würden. Der Bund beteiligt sich im Sinne der Mäßigung außerdem nicht am polemischen Kampf der Meinungen.