Der Bund Sankt Michael ist ein christliches Netzwerk, das sich mit den strategischen Herausforderungen für das Christentum in Deutschland und Europa auseinandersetzt.

1. Auftrag und Aufgaben

Der Auftrag des Bundes ist es, einen Beitrag zur Bewältigung der strategischen Herausforderungen zu leisten, denen das Christentum in Deutschland und Europa gegenübersteht.

Dazu leistet der Bund die folgenden Aufgaben:

  1. Analyse der Lage des Christentums und seines Umfelds in Deutschland und Europa;
  2. Identifikation von Ansätzen zur Bewältigung der strategischen Herausforderungen für das Christentum in Deutschland und Europa;
  3. Praktische Umsetzung dieser Ansätze im Rahmen von eigenen Dienstvorhaben sowie im Zusammenwirken mit Partnern.

Es geht dem Bund vor allem darum, die Kräfte und Bestände in der Kirche in Deutschland zu stärken, die sie resilient für Zeiten verstärkter Herauforderungen machen, wie sie sie in ihrer langen Geschichte immer wieder durchlaufen hat und auch künftig wieder durchlaufen wird.

Dazu sammelt und ordnet der Bund die dazu erforderlichen geistigen und sonstigen Bestände. Er sammelt außerdem Männer und Frauen aller Konfessionen, welche die Ziele des Bundes unterstützen, und bildet aus ihnen eine belastbare Gemeinschaft des Dienstes zur Förderung der Kontinuität des Christentums in Deutschland.

2. Organisation

Der Bund Sankt Michael ist in der Rechtsform eines privaten Vereins organisiert und steht der katholischen Kirche nahe. In diesem Zusammenhang handelt er im Rahmen des kirchenrechtlichen Koalitionsrechts aller Gläubigen und unterstützt den Auftrag der Kirche durch Laienapostolat. Im Bund sind auch Christen anderer Konfessionen aktiv.

  • Die Fachgruppen sind die Denkfabrik des Bundes. Die Mitglieder verfügen über besondere Expertise auf einem der für die Arbeit des Bundes relevanten Gebiet. Von ihnen erstellte Beiträge werden auf dem Blog oder in einer der Publikationsreihen des Bundes veröffentlicht.
  • Die Projektgruppen des Bundes setzen bestimmte Dienstvorhaben in die Praxis um.
  • Die lokalen Gesprächskreise des Bundes dienen der Vernetzung und setzen sich mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinander.

Alle Mitwirkenden sind ehrenamtlich tätig.

3. Werte und Grundsätze

Der Bund handelt im Rahmen des von Jesus Christus erteilten Auftrags, in der Welt als „Salz der Erde“ und als „Licht der Welt“ (Mt 13-14) zu dienen.

Dieser Auftrag erfordert es, das Gute zu bewahren und den Werken der Auflösung und des Bösen auf der Grundlage christlicher Werte und Grundsätze entgegenwirken.

Die Werte des Bundes

Der Bund erfüllt seinen Auftrag auf der Grundlage der Werte Dienst, Tradition und Gemeinschaft.

  • Dienst: Die Mitglieder des Bundes stellen ihre Fähigkeiten in den stillen Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen und erweitern sie laufend. Sie übernehmen Verantwortung und leben für ihren christlichen Auftrag. Sie erkennen die Herausforderungen, denen das Christentum gegenübersteht, gehen auf sie zu und begegnen ihnen mit dienenden Taten. In Zeiten der Ruhe stärken sie sich für ihren Dienst. In Zeiten der Auflösung halten sie Stand. In schwierigen Zeiten sind sie ein Licht in der Dunkelheit für andere.
  • Tradition: Die Mitglieder des Bundes setzen die Tradition jener fort, die ein großes Erbe über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg geschaffen und weitergegeben haben. Sie formen sich im Geist dieses Erbes und streben danach, zu einem starken Glied in der Kette der Generationen zu werden, damit auch sie dieses Erbe weitergeben können.
  • Gemeinschaft: Die Mitglieder des Bundes erfüllen ihren Auftrag als dienende Gemeinschaft von Brüdern im Glauben, über die Benedikt XVI. sagte, dass sie in Notsituationen füreinander einstehen.

Die Grundsätze des Bundes

Die folgenden Grundsätze sind verbindlich für alle Aktivitäten des Bundes Sankt Michael.

  • Gehorsam gegenüber Gott: Der Bund Sankt Michael folgt in seinem Handeln den für alle Christen geltenden Aufträgen und strebt zuerst nach dem Reich Gottes (Mt 6,33) sowie danach, das bewahrende „Salz der Erde“ (Mt 5,13) und das „Licht der Welt“ (Mt 5,14) zu sein. Für den Bund gilt zudem die Forderung des hl. Apostels Paulus, sich nicht der Welt anzupassen, sondern in ihr dem Auftrag Gottes gemäß zu wirken (Röm 12,2). Im Fall von Konflikten wird der Bund „Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29). Gott ist keiner anderen Sache nachgeordnet und kein Mittel zu einem menschlichen Zweck. Für den Bund ist der Wert aller Werke des Menschen und der Kultur davon abhängig, ob sie auf Gott hingeordnet sind
  • Loyalität zur Kirche: Das Handeln des Bundes Sankt Michael soll einen Dienst an der Kirche und ihrer Einheit in Vielfalt auf der Grundlage von Treue und Gehorsam gegenüber ihrer Lehre darstellen. Mit allen treu zu Jesus Christus stehenden Christen verbindet die Mitglieder des Bundes dabei ein Band, das stärker ist als alle weltanschaulichen, nationalen oder sonstigen Unterschiede.
  • Treue gegenüber Staat und Gesetz: Der Bund folgt der durch Jesus Christus geforderten (Mt 22,21) und durch die hl. Apostel Petrus (1. Petr. 2, 13-17) und Paulus (Röm 13, 1 ff.) bekräftigten Tradition der christlichen Treue gegenüber Staat und Gesetz. Der Bund Sankt Michael wirkt im Kontext der katholischen Soziallehre außerdem extremistischen, revolutionären und utopischen Ideologien entgegen.
  • Dienst am Nächsten: Der höchste Ausdruck christlicher Nächstenliebe ist der Dienst am Nächsten. Jesus Christus betonte, dass er gekommen sei, um zu dienen (Mk 10, 42-45; Lk 22,27), was er bis zur letzten Konsequenz tat. Hans Urs von Balthasar sagte, dass es für den Christen daher „nur einen einzigen wahren Einsatz“ gebe, nämlich „den für die Brüder“. Christen sollen außerdem dem Gemeinwohl dienen und „das Wohl der Stadt“ suchen, „denn in ihrem Wohl liegt unser Wohl“ (Jer 29,7). Säkulare, freiheitlich verfasste Staaten benötigen diesen Dienst in besonderem Maße, denn sie beruhen auf kulturellen und moralischen Grundlagen, die sie nicht selbst schaffen oder aufrechterhalten können.
  • Aktives Wirken in der Welt: Jesus Christus berief die Apostel, damit sie seine Botschaft unter hohen Risiken in feindliche Umfelder hineintragen. Er berief sie nicht, damit sie einen bestimmten Zustand konservieren, sich aus der Gesellschaft zurückziehen oder einen vergangenen Zustand wiederherstellen (Lk 21,12-19). Im Sinne der Spiritualität des hl. Ignatius von Loyola soll der Bund Sankt Michael daher „an die Grenzen gehen“ und den Herausforderungen für das Christentum in seinem Umfeld aktiv begegnen.
  • Überparteilichkeit: Das Handeln des Bundes Sankt Michael beruht auf der Überzeugung, dass zu große Nähe zu politischer Macht Kirche und Religion korrumpiert. Der Bund ist daher überparteilich und agiert unabhängig von politischen Parteien, begrüßt aber zugleich den Dienst seiner Mitglieder in Parteien und Politik.
  • Integrität: Integrität ist die Übereinstimmung von Taten und Worten. Christliche Integrität beruht auf den vier Kardinaltugenden. Die Klugheit äußert sich in nüchternem Wirklichkeitssinn und befähigt dazu, das Gute, die eigene Lage und die sich daraus ergebenden Folgerungen für das eigene Handeln zu erkennen. Die Gerechtigkeit befähigt dazu, das durch die Klugheit erkannte Gute auf angemessene Weise zu verwirklichen und im eigenen Handeln den Forderungen Gottes zu entsprechen. Die Tapferkeit befähigt dazu, beim Streben nach dem Guten Risiken einzugehen und Widerstände zu überwinden. Die Mäßigung äußert sich in Selbstkontrolle. Sie wirkt Extremen entgegen, die auch das beste Anliegen entstellen würden.

4. Das Laienapostolat und die Arbeit des Bundes

Der Bund Sankt Michael und seine Mitglieder betreiben Laienapostolat, also einen Dienst am Nächsten in der Nachfolge Jesu Christi, der nicht an ein kirchliches Amt oder eine Ordensgemeinschaft gebunden ist. Alle Christen sind durch die Taufe zu diesem Dienst berufen.

Erzbischof Georg Gänswein erklärte im September 2018, dass angesichts der Krise der Kirche und Christentums in der westlichen Welt „die Stunde der souveränen Laien geschlagen hat“.1

Der christliche Auftrag zum Forschen nach den Zeichen der Zeit

Grundlage des Auftrags des Bundes ist die durch die katholische Kirche formulierte Pflicht, nach den „Zeichen der Zeit“ zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. Christen haben demnach den Auftrag, „die Welt, in der wir leben, ihre Erwartungen, Bestrebungen und ihren oft dramatischen Charakter zu erfassen und zu verstehen“ (Gaudium et spes 4).

Der hl. Johannes Paul II. hatte diesen Auftrag bekräftigt:

Es ist eine ruhige kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen kulturellen Situation Europas nötig, welche die auftretenden Tendenzen und die bedeutendsten Ereignisse und Situationen unserer Zeit im Lichte der zentralen Stellung Christi und der christlichen Anthropologie bewertet.

Auch Benedikt XVI. hat die Bedeutung dieses Auftrags betont. Der katholische Philosoph Robert Spaemann erklärte, dass es dabei darauf ankomme, „der gegenwärtigen Realität ins Auge zu sehen, sie mit allen rationalen Mitteln zu analysieren, um sie dann im Lichte der Offenbarung zu beurteilen“.

Der christliche Auftrag zur Übernahme von Verantwortung für die Welt

Christen sind dazu aufgerufen, Verantwortung in der Welt und für die Welt zu übernehmen und sie zu gestalten (Gen 1,28). Sie haben einen Kulturauftrag, der die geistige Durchdringung der Welt sowie den Aufbau und die Vervollkommnung menschengemäßer Ordnung umfasst (Apostolicam actuositatem 7). Weiterhin umfasst dieser Auftrag die Belebung der weltlichen Ordnung mit christlichem Geist (CIC Can. 298).

Christen haben außerdem den Auftrag, sich der Nöte des Volkes Gottes anzunehmen, das „Leben in Familie, Beruf, Kultur und Gesellschaft“ glaubensmäßig zu durchdringen und es durch dienende Taten zu beleben (Apostolicam actuositatem 16). Sie sollen ihre besonderen Fähigkeiten, ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen einsetzen, um in ihrem Umfeld und im öffentlichen Leben eine gottgemäße Regelung der zeitlichen Dinge zu fördern (Lumen gentium 31).

Papst Franziskus bekräftigte diesen Auftrag, als er erklärte, dass die Aufwertung des sozialen, politischen und wirtschaftlichen Lebens durch christliche Werte den Dienst der Laien erfordere (Evangelii gaudium 102).

Laienapostolat als tätige Antwort auf Herausforderungen für das Christentum

Die Idee des Laienapostolats bezieht sich insbesondere auf den Dienst in schwierigen Lagen, in denen „die Freiheit der Kirche schwer behindert ist“ sowie auf Situationen der Bedrängnis, in denen der Dienst der Laien „von größter und dringender Notwendigkeit“ ist (Apostolicam actuositatem 17).

Auch die Herausforderungen der zunehmend säkularisierten Welt werden als Anlass für organisiertes Laienapostolat hervorgehoben (Apostolicam actuositatem 18).

  • Der hl. Pius X. schrieb über die Anlass der Schaffung der Katholischen Aktion, die zu den Vorläufern des im Zweiten Vatikanischen Konzils formulierten Konzepts des Laienapostolats gehört, dass die Kirche „in der Welt bedrängt werden wird, dass ihre Apostel wie Schafe unter die Wölfe gesandt sind, dass ihre Anhänger mit Hass und Verachtung bedacht werden, wie ihr göttlicher Gründer mit Hass und Verachtung überhäuft wurde.“
  • Der Dienst der Laien müsse daher „die antichristliche Zivilisation bekämpfen“, von der diese Verfolgung ausgeht, und die von ihr verursachten Schäden beheben.

Die wichtigsten Vordenker des Laienapostolats lebten und dienten in schwierigen Umfeldern, was dazu beitrug, dass sie eine praktische Spiritualität zur Bewältigung der entsprechenden Herausforderungen entwickeln konnten.