Stand: 05.12.2017 – Version: 0.1

Diese Portalseite enthält Beiträge zur Formulierung einer Strategie für die Kontinuität des Christentums in Europa und zur Bewältigung der strategischen Herausforderungen, denen es gegenübersteht. Der Inhalt, der sich noch in einem frühen Entwurfsstadium befindet, wird laufend aktualisiert.

1. Grundlagen

Der Strategieentwurf wird auf Forschung des Historikers Shalom Salomon Wald über die Erfordernisse langfristiger kultureller Kontinuität aufbauen. Er wird zudem Impulse aus der „Pariser Erklärung“ berücksichtigen , die auf den Gedanken der christlich-konservativen Philosophen Robert Spaemann und Robert Scruton beruht und im Oktober 2017 veröffentlicht worden war. Außerdem wird er an Gedanken des katholischen Philosophen Alasdair MacIntyre anknüpfen, die dieser in seinem Werk „Der Verlust der Tugend“ beschrieben hatte:

Es ist immer gefährlich, zu enge Parallelen zwischen einer historischen Periode und einer anderen zu ziehen; und zu den irreführendsten dieser Parallelen gehören jene, die zwischen unserer eigenen Zeit in Europa und Nordamerika und der Epoche vom Niedergang des Römischen Reichs bis ins frühe Mittelalter gezogen worden sind. Dennoch gibt es gewisse Parallelen. […] Was in diesem Stadium zählt, ist die Schaffung lokaler Formen von Gemeinschaft, in denen die Zivilisation und das intellektuelle und moralische Leben über das neue finstere Zeitalter hinaus aufrechterhalten werden können, das bereits über uns gekommen ist. Und da die Tradition der Tugenden die Schrecken der letzten Finsternis überstanden hat, sind wir nicht ganz ohne Grund zur Hoffnung. Diesmal warten die Barbaren allerdings nicht jenseits der Grenzen; sie beherrschen uns schon seit einiger ganzen Weile. Und gerade das mangelnde Bewußtsein dessen macht einen Teil unserer mißlichen Lage aus. Wir warten nicht auf einen Godot, sondern auf einen anderen, zweifelohne völlig anderen Benedikt.

Papst Franziskus über den Auftrag der kulturellen Kontinuität

Fra Angelico – Der heilige Benedikt (gemeinfrei)

Papst Franziskus knüpfte in einer im Oktober 2017 gehaltenen Ansprache an MacIntyre an, als er die gegenwärtige Lage in Europa mit der verglich, „als die antike Zivilisation unterging und die Herrlichkeiten Roms zu jenen Ruinen wurden, die wir heute noch in der Stadt bewundern können, als die neuen Völker über die Grenzen des alten Reichs drängten“.

  • In dieser Lage sei der hl. Benedikt von Nursia hervorgetreten und habe sich der Krise seiner Zeit entgegengestellt. Auf der Grundlage christlicher Weltanschauung habe er im Chaos der Spätantike Klöster errichtet, „die über die Zeit zur Wiege der menschlichen, kulturellen und religiösen und auch wirtschaftlichen Renaissance des Kontinents“ wurden.
  • Christen sollten wie der hl. Benedikt für Europa eintreten, indem sie auf Grundlage christlicher Weltanschauung Gemeinschaft stiften, kulturelle Substanz schaffen und Bindungen stärken. Dadurch sollten sie als „Gegengift“ zu individualistischen Ideologien wirken, die „losgelöst von jeder Bindung“ eine „entwurzelte Gesellschaft entwickelt“ hätten, „welcher der Sinn für die Zugehörigkeit und für das Erbe fehlt.“
  • Wie der hl. Benedikt in der Zeit des untergehenden römischen Reiches sollten Christen den Kern einer Verfall und Niedergang entgegenwirkenden, intakten Gegenkultur bilden und dadurch „Europa wieder eine Seele“ geben.

Die „Benedict Option“: Strategien christlichen Lebens in post-christlichen Gesellschaften

Zudem stellen die Überlegungen des amerikanischen Publizisten Rod Dreher, die dieser im Rahmen seines Vorhabens „Benedict Option“ über Strategien christlichen Lebens in post-christlichen Gesellschaften formuliert hat und sich dabei auf MacIntyre bezog, eine wesentliche Inspiration für den Strategieentwurf dar.

2. Der Strategieentwurf

Der Strategieentwurf des Bundes Sankt Michael beschreibt einen möglichen Weg zur Sicherstellung der Kontinuität des Christentums in Europa.

Der Entwurf wird laufend weiterentwickelt und der Entwicklung Lage des Christentums in Europa angepasst werden.

Vernunft und Erfahrung beweisen, dass das Gute, das vereinzelt getan wird, spärlich, unsicher und von kurzer Dauer ist und dass selbst die hochherzigsten Bemühungen einzelner zu nichts Großem führen, wenn sie nicht vereint und auf ein gemeinsames Ziel hingeordnet sind.

Hl. Vincenzo Pallotti

2.1 Die Lage des Christentums in Europa

Die Lage des Christentums in Europa wird hier dargestellt und analysiert.

2.2 Strategische Annahmen

Der Strategieentwurf des Bundes beruht auf den folgenden strategischen Annahmen über die künftige Entwicklung des Umfelds, in dem sich das Christentum in Europa bewegt, sowie über die damit verbundenen Erfordernisse für das eigene Handeln.

  • Christen werden in Europa zu einer Minderheit werden: Aufgrund der demographischen Entwicklung, Migration und abnehmender Stärke religiöser Bindungen unter Christen werden diese in den kommenden Jahrzehnten zu einer Minderheit werden, die zunächst stetig kleiner werden wird.
  • Das Umfeld für das Christentum wird in Europa schwieriger werden: Als religiöse Minderheit werden Christen neben anderen religiösen und weltanschaulichen Gruppen leben, die Christen und dem Erbe des Christentums gegenüber nicht immer freundlich gesinnt sein werden. In der Wahrnehmung einer wachsenden Zahl von wird das Christentum wird das Christentum als fremdartig, unverständlich oder rückständig erscheinen. Diese Wahrnehmung wird von unzutreffenden Darstellungen über das Christentum, aber auch von Fehlentwicklungen innerhalb des Christentums geprägt sein.
  • Das allgemeine Krisenpotenzial in Europa nimmt zu: Zunehmende Verfalls- und Auflösungserscheinungen auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens werden dazu führen, dass die allgemeine Instabilität und das Krisenpotenzial in Europa stetig zunehmen. Die verbliebene kulturelle Substanz in Europa ist mittlerweile zu schwach geworden, um solche Entwicklungen noch abzuwenden. Auch politische Akteure und politisches Handeln können diese Entwicklung, die im Kern kulturelle Ursachen hat, nicht mehr abwenden, sondern allenfalls noch verzögern. Dies wird mittelfristig mit einer Serie konvergierender Krisen verbunden sein, die das Umfeld für Christen in Europa zusätzlich und möglicherweise über einen sehr langen Zeitrum anhaltend verschlechtern werden.
  • Unverbindliche Formen des Christentums werden im künftigen Umfeld nicht bestehen können: In einem für das Christentum zunehmend schwierigen Umfeld werden unverbindliche Formen des Christentums gegen den entstehenden sozialen und anderen Druck nicht bestehen können und sich auflösen, assimilieren oder zu allenfalls noch vordergründig christlich anmutenden Ausläufern säkularer Ideologien transformieren. Die verbliebenen Christen werden zunehmend diejenigen sein, die dem Druck des schwieriger werdenden Umfelds standhalten können, weil sie verbindlichere Formen praktizieren, über starke religiöse Bindungen verfügen und auf belastbare Solidarstrukturen zurückgreifen können.
  • Europa braucht den Dienst des Christentums: Unter den Bedingungen der bevorstehenden Verwerfungen werden immer mehr Menschen in Europa bereit sein anzuerkennen, dass die Ursache der Krise Europas die Trennung von seinen christlichen Wurzeln ist, und dass eine Überwindung dieser Krise die Wiederanbindung an diese Wurzeln voraussetzt. Unter diesen Bedingungen wird die Kirche dazu in der Lage sein müssen, den erforderlichen Dienst an Europa zu leisten und überzeugendere Erklärungen für das Geschehen sowie bessere Lösungen und Ansätze zur Bewältigung der Herausforderungen   anbieten zu können als es sein von Zerfall und Auflösung gekennzeichnetes Umfeld es kann.
  • Langfristiges Denken ist erforderlich: Sowohl die Sicherheitstellung der Kontinuität des Christentums in Europa als auch die Erneuerung Europas im Geist des Christentums sind langfristig orientierte Aufgaben, die über viele Generationen hinweg zu leisten sind. Sie zu erfüllen setzt voraus, in langen Zeiträumen zu denken und dazu bereit zu sein, die Wirkungen des eigenen Handelns selbst nicht mehr zu sehen.
  • Eliten sind die Träger kultureller Entwicklung: Kultureller Wandel geht stets von Eliten aus. Da die Bewältigung der Herausforderungen für die Kontinuität des Christentums in Europa langfristig vor allem eine Veränderung des kulturellen Umfelds erfordert, müssen Christen Teil der kulturellen und anderer Eliten sein, um auf diese Eliten wirken und sie für sich gewinnen zu können. Positive Veränderung kann in diesem Zusammenhang auch durch zahlenmäßig kleine, aber in hohem Maße fähige und dienstbereite Gruppen bewirkt werden.

2.3 Risiken

  • Exklusivitätsdenken: Auf starken religiösen Bindungen beruhende Vorhaben neigen zu Exklusivitätsdenken, das potenzielle Unterstützer und Verbündete unnötig ausschließt. In der Kommunikation neigen solche Vorhaben z.B. dazu, eine Sprache zu verwenden, die nur von den eigenen Mitgliedern verstanden wird. Zudem gibt es in solchen Vorhaben die Tendenz, sich von der Umgebung zu isolieren, anstatt dem christlichen Auftrag zu folgen und in ihr zu wirken.
  • Innere Spaltungstendenzen: In solchen Vorhaben besteht ein erhöhtes Risiko von inneren Spaltungstendenzen, z.B. wenn unterschiedliche Strömungen einander mangelnde Glaubenstreue vorwerfen.
  • Verschwörungstheorien in der Außenwahrnehmung: Strategisch ausgerichteten religiösen Vorhaben wird erfahrungsgemäß von Teilen ihrer Umwelt mit großem Misstrauen begegnet, das häufig die Grundlage für irrationale Verschwörungsheorien bildet. Eine transparente Darstellung der eigenen Ziele und des eigenen Vorgehens kann dem entgegenwirken.
  • Intoleranz und Feindseligkeit: Akteure, die das Christentum grundsätzlich ablehnen, werden auch Versuche ablehnen, christliches Leben in einem postchristlichen Europa zu ermöglichen. Sie werden darauf wie in der Vergangenheit etwa im Herrschaftsbereich totalitärer Ideologienpotenziell allgemein praktiziert auch mit Versuchen der Rufschädigung, der sozialen Isolation und Angriffen auf die berufliche Existenz reagieren.

2.4 Angestrebter Zielzustand

Der angestrebte Zielzustand beschreibt die Bedingungen, die vorliegen müssen, damit das Ziel der Kontinuität des Christentums in Europa sichergestellt ist.

2.4.1 Innere Lage der Kirche

  • Alle Teile der Kirche stehen treu zu ihrer Lehre.
  • Unter den Christen Europas herrschen starke religiöse Bindungen und ein ausgeprägtes christliches Identitätsbewusstsein vor.
  • Die konfessionelle Spaltung ist überwunden, und neue Spaltungstendenzen sind nicht erkennbar.
  • Die Zahl der Christen in Europa sowie der christliche Bevölkerungsanteil des Kontinents nehmen stetig zu.
  • Die Kirche in Europa verfügt über in höchstem Maße fähiges, integeres und dienstbereites Führungspersonal auf allen Ebenen.
  • Die Kirche in Europa ist unabhängig von politischer, staatlicher und sonstiger Einflussnahme oder Abhängigkeiten.
  • Die Kirche in Europa erhält eine gesunde Spannung gegenüber den Gesellschaften, in denen sie wirkt, aufrecht. Anpassung an säkulare Weltanschauungen findet nicht statt.
  • Schädliche Entwicklungen und Phänomene innerhalb der Kirche sind überwunden, und wirksame Maßnahmen verhindern ihr erneutes Entstehen bereits im Ansatz.
  • Die Kirche in Europa ist ein belastbarer und verlässlicher Bestandteil des weltweiten Netzwerkes der Kirche.
  • Die Kirche in Europa kann aufgrund ihres hohen Maßes an Resilienz auch größere Krisen in ihrem Umfeld überstehen und ihren Dienst an den Menschen und Gemeinwesen Europas auch unter Krisenbedingungen fortsetzen.

2.4.2 Lage im Umfeld

  • Im europäischen Umfeld der Kirche herrscht uneingeschränkte, staatlicherseits wirksam garantierte Religionsfreiheit für Christen.
  • Christliches Leben ist in Europa ohne Einschränkungen oder Nachteile möglich.
  • Christenfeindliche Aktivitäten jeglicher Art sind auf ein Minimum beschränkt und werden durch die Staaten Europas wirksam bekämpft.
  • Christenfeindliche Strömungen sind gesellschaftlich isoliert und ohne relevanten Einfluss.

2.4.3 Der Dienst der Kirche

  • Christen leisten auf Grundlage ihrer überlegenen Qualifikation und Dienstbereitschaft wertvolle und unverzichtbare Beiträge auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens.
  • Christen dienen den Gemeinwesen, in denen sie leben, insbesondere durch eine starke Repräsentierung in den jeweiligen kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Eliten.
  • Christen tragen durch ihren Dienst aktiv dazu bei, dass sie zusammen mit anderen Menschen in Europa in einem sicheren und stabilen Umfeld leben können.
  • Christliche Impulse für alle Gebiete des Lebens sind von überlegener Qualität, werden auch von nicht-christlichen Menschen geschätzt, sind in immer stärkerem Maße gesellschaftlich prägend und neutralisieren zunehmend den Einfluss dysfunktionaler sowie korruptiver Lebensstile und Weltanschauungen.

2.5 Strategische Ziele

Die strategischen Ziele unterstützen die Erreichung des angestrebten Zielzustands und beziehen sich unmittelbar auf diesen. Jedes strategische Ziel behandelt dabei einen Auftrag, der zur Erreichung des Zielstands erforderlich ist. Details dazu folgen später.

2.6 Operative Ziele und Operationslinien

Operative Ziele unterstützen die Erreichung der strategischen Ziele und sind in Operationslinien zusammengefasst. Der Stand ihrer Erreichung ist anhand von Indikatoren überprüfbar. Details dazu folgen später.

2.7 Einzelaufträge

Einzelaufträge unterstützen die Erreichung der operativen Ziele. Details dazu folgen später.