Glaube und Ethos

Charles Péguy: Das Christentum als Festung im Meer des Chaos

Der französische Schriftsteller Charles Péguy (1873-1914) veröffentlichte kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs einen weitsichtigen Aufsatz, in dem er „bisher ungekannte Prüfungen“ für das Christentum ankündigte. Angesichts der bevorstehenden Verwerfungen gleiche das Christentum einer „Festung im Meer“. Es werde künftig kein unverbindliches Christentum mehr geben können. Jeder Christ werde an der Grenze des Königreiches stehen und Soldat im Kampf gegen die Mächte des Bösen sein. […]

Kulturelle Kontinuität

Cassian Folsom: Europa als Erbe und Auftrag

Der Benediktinerpater Cassian Folsom ist Gründer und ehemaliger Prior des Klosters San Benedetto im italienischen Norcia, wo eine junge internationale Gemeinschaft katholischer Mönche aktiv ist. In einem kürzlich veröffentlichten Aufsatz mit dem Titel „Erbe und Auftrag“ setzt er sich mit der „entmutigenden, so düsteren Lage“ Europas auseinander und untersucht, was „die innere Identität Europas wieder beleben könnte“. Er entwirft ein Modell von Netzwerken von Gemeinschaften, die um geistliche Kerne herum entstehen und diese Aufgabe leisten könnten. […]

Kulturelle Kontinuität

Konrad Lorenz: Traditionsverlust und Kulturabbruch als Risiken für Europa

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903-1989) war Direktor des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie und erhielt 1973 für seine Arbeit den Nobelpreis. In seinem im gleichen Jahr erschienenen Werk „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“ setzte er sich mit Herausforderungen auseinander, die unsere Kultur mit Vernichtung bedrohen“. Zu diesen Herausforderungen zähle auch das drohende „Abreißen der Tradition“. Dieses könne dazu führen, dass die europäische Kultur ausgelöscht werde „wie eine Kerzenflamme“. […]

Glaube und Ethos

Josef Pieper: Der verborgene Dienst und das Geheime Deutschland

Der katholische Philosoph Josef Pieper (1904-1997) setzte sich in seinem 1955 erschienenen Aufsatz „Der Same bedarf des Erdreichs“ anlässlich des zehnten Jahrestags des 20. Juli 1944 aus einer christlichen Perspektive mit Grundfragen des schützenden und bewahrenden Dienstes am Gemeinwohl auseinander. Das Beispiel der Männer des 20. Juli 1944 zeige, dass das Gemeinwohl einen Dienst „verborgener Herkunft“ erfordere, der von „Schweigenden und Verborgenen“ im Hintergrund geleistet werde. […]

Kulturelle Kontinuität

Eric Voegelin: Die Apokalypse der modernen Zivilisation

Der Politikwissenschaftler Eric Voegelin (1901-1985) gilt als einer der wichtigsten christlich-konservativen Denker des 20. Jahrhunderts. Er lehrte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er das Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft gründete. In seinem 1952 erschienenen Werk mit dem Titel „Die Neue Wissenschaft der Politik“ setzte er sich mit der kulturellen Krise der westlichen Welt und ihren Ursachen sowie der bevorstehenden „Apokalypse der Zivilisation“ auseinander. […]

Herausforderungen

Douglas Rushkoff: Die Vernutzung der Welt und die bevorstehenden globalen Krisen

Der Medientheoretiker Douglas Rushkoff lehrt an der City University of New York und setzt sich vor allem mit den kulturellen Aspekten technologischer Entwicklungen auseinander. In einem Aufsatz in der „Süddeutschen Zeitung“ beschreibt er die Weltanschauung und die Zukunftserwartungen der von ihm beratenen Mitglieder globaler wirtschaftlicher Eliten. Diese würden davon ausgehen, dass in Folge ihres Handelns globale Krisen katastrophalen Ausmaßes bevorstehen könnten und darauf mit Versuchen antworten, sich selbst in Sicherheit zu bringen. […]

Herausforderungen

Bischof Rudolf Voderholzer: Islamisierung als Herausforderung für Europa

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat in einer Predigt in Altötting am vergangenen Sonntag vor Islamisierungstendenzen in Europa gewarnt. Diese seien vor allem im Zusammenhang mit Migration und demographischer Entwicklung zu beobachten. Er halte entsprechende Sorgen „nicht für ganz unberechtigt“. Der Islam sei in seinem theologischen Wesen außerdem „der Widerspruch zum Christentum“, weshalb allenfalls ein Nebeneinander der Kulturen und Religionen möglich sei. […]

Kulturelle Kontinuität

Michel Onfray: Aufstieg und Fall der abendländischen Kultur

Der atheistische Philosoph Michel Onfray setzt sich in seinem kürzlich in deutscher Übersetzung erschienenen Werk „Niedergang“ (frz. „Décadence“) mit dem Aufstieg und Fall der abendländischen Kultur auseinander. Europa habe den religiösen Kern seiner Identität verloren, weshalb seine Kultur sich „im Endstadium ihres Niedergangs“ befinde. Spät- und Postmoderne würden von den Resten christlicher Kultur leben und diese dabei verzehren. Ein Ausweg sei nicht in Sicht: „Das Schiff sinkt. Uns bleibt nur, möglichst elegant unterzugehen.“ […]

Katholische Soziallehre

Parviz Amoghli/Alexander Meschnig: Selbstbehauptung als Voraussetzung des Gemeinwohls

Die Autoren Parviz Amoghli und Alexander Meschnig analysieren in ihrem kürzlich erschienenen Buch mit dem Titel „Siegen“ den Verlust der Fähigkeit europäischer Gesellschaften zur Selbstbehauptung. Die Ursachen dafür seien vor allem geistig-kultureller Art. Gesellschaften, die sich nicht gegen Herausforderer verteidigen wollten, könnten nicht nachhaltig sein. […]

Glaube und Ethos

Heinrich David: Das Herrentum des dienenden Mannes

Der katholische Theologe Heinrich David beschrieb in seinem ursprünglich 1953 im Herder-Verlag erschienenen und kürzlich neu aufgelegten Werk mit dem Titel „Das Bild des christlichen Mannes“ das katholische Ideal der Männlichkeit. Der Mann sei nur dort ein Herr, wo er im Dienst stehe. „Christliches Herrentum“ fände „sein Wesen und seine Erfüllung im Dienst am Kleinen und Hilfsbedürftigen“. Weil er der christliche Mann Verantwortung für die Schwachen trage, dürfe er selbst nicht schwach sein. […]

Katholische Soziallehre

Wolfgang Streeck: Patriotismus als Voraussetzung des Gemeinwohls

Der Soziologe Wolfgang Streeck ist Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. In einem aktuellen Aufsatz in der Wochenzeitung „Die Zeit“ beschreibt er Patriotismus als eine Voraussetzung des Gemeinwohls. Kosmopolitische Universalisten seien nicht dazu in der Lage, politische Veranwortung für ein Gemeinwesen zu übernehmen. Es könne „keine gute Politik […] ohne Patriotismus, ohne ein Gefühl verpflichtender Zugehörigkeit zu einer politisch organisierten Gemeinschaft“ geben, „an deren laufender Verbesserung man sich zu beteiligen hat“. […]

Herausforderungen

Mouhanad Khorchide: Spannungen zwischen Muslimen und dem Westen waren „noch nie so stark wie heute“

Der Soziologe Mouhanad Khorchide lehrt islamische Religionspädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Bei einem Vortrag warnte er vor einigen Tagen, dass die Spannungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in Europa noch nie so stark gewesen seien wie in der Gegenwart. Junge Muslime würden sich häufig einem identitären Islam zuwenden, der sich vor allem über Feindbilder definiere. […]

Christliches Erbe

Christopher Dawson: Die Apostel des Abendlandes – Teil 2: Der Kampf um Europa

Christopher Dawson (1889-1970) lehrte an der Harvard University und gilt als einer der bedeutendsten christlichen Historiker des 20. Jahrhunderts. In seinen Werken „Die Religion im Aufbau der abendländischen Kultur“ und „Die Gestaltung des Abendlandes“ schildert er unter anderem den Überlebenskampf des christlichen Europas im neunten und zehnten Jahrhundert. Europa habe damals in Folge der Invasionen der Wikinger, der Ungarn und der Muslime sowie außer Kontrolle geratener Dekadenz innerhalb der Kirche zeitweise am Rand der Vernichtung gestanden. […]

Herausforderungen

Islamisierungsprozesse in westeuropäischen Städten: Neue soziologische Erkenntnisse

Der Soziologe und Integrationsforscher Maurice Crul beschrieb in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kürzlich demographisch getriebene kulturelle Veränderungsprozesse in westeuropäischen Großstädten, bei denen es sich faktisch um Islamisierungsprozesse handelt. Integration fände in Europa praktisch nicht mehr statt. Die Zeitung „Die Welt“ stellte außerdem Erkenntnisse des Soziologen Farhad Khosrokhavar über die von ihm als „dschihadogen“ beschriebenen Bedingungen in islamisierten Räumen in französischen Großstädten vor. […]

Herausforderungen

Ross Douthat: Die existenzielle Krise des westlichen Christentums

Ross Douthat ist Kolumnist der „New York Times“ und gilt als einer der führenden konservativen amerikanischen Beobachter von Entwicklungen im Christentum. In seinem kürzlich erschienenen Buch „To Change the Church – Pope Francis and the Future of Catholicism“ analysiert er die gegenwärtige Lage der katholischen Kirche. Vor allem in westlichen Gesellschaften befinde sich die Kirche in Folge des Wirkens liberaler Ideologien in ihrem Inneren im „Zusammenbruch“. Ihr würden hier einige sehr schwierige Jahrzehnte bevorstehen. Im westlichen Protestantismus sei die Lage nicht besser. […]

Kulturelle Kontinuität

Studie: Christliche Identität in Westeuropa

Das „Pew Research Center“ hat eine Studie über christliche Identität in Westeuropa vorgelegt. Aus ihr geht hervor, dass praktizierende Christen noch rund 20 Prozent der Bevölkerung der Region ausmachen. Diese würden sich vom Rest der Bevölkerung nicht nur durch ihren Glauben an den Gott der Bibel unterscheiden, sondern auch durch stärkere Identifikation mit den Kulturen ihrer Länder sowie durch eine konservativere Einstellung in gesellschaftspolitischen Fragen und eine skeptischere Haltung gegenüber Migration. […]

Kulturelle Kontinuität

Jacob Burckhardts Krisentheorie: Die „Sturmlehre der Geschichte“

Anlässlich des 200. Geburtstags des Schweizer Kulturhistorikers Jacob Burckhardt (1818-1897) bezeichnete der Historiker Jürgen Osterhammel dessen Theorie historischer Krisen in der Tageszeitung „Die Welt“ als die „Sturmlehre der Geschichte“ und hob die Aktualität seiner Gedanken vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Lage in Europa hervor. Burckhardt habe zudem die geistig-kulturellen Kräfte, die historisches Geschehen bestimmten, zutreffend erkannt. […]

Herausforderungen

Papst Franziskus: Der drohende kulturelle Schiffbruch Europas

In einem Gespräch mit der italienischen Zeitung „L’Eco di Bergamo“ hat Papst Franziskus die Postmoderne als eine mögliche letzte Etappe in der Geschichte des Westens bezeichnet. Sie erinnere an „eine Reise, die mit einem Schiffbruch endet“. Angesichts der laufenden kulturellen Entwicklung in Europa erscheine es ihm als immer weniger sinnvoll, die westliche Kultur mit dem Christentum gleichzusetzen. […]

Glaube und Ethos

Ulrich Lehner: Die liberale Häresie der Weichheit

Der aus Bayern stammende Ulrich Lehner lehrt Religionsgeschichte und Theologie an der jesuitischen Marquette University in den USA. In seinem kürzlich erschienenen Buch „God Is Not Nice“ setzt er sich mit liberalen Verfallsformen des Christentums auseinander, die dessen maskuline sowie harte, ernste und fordernde Inhalte ausblenden und durch die Suche nach angenehmen Gefühlen ersetzen würden. Strömungen dieser Art würden die Kirche in allen westlichen Gesellschaften zunehmend prägen und stellten eine „tödliche Gefahr“ für das Christentum dar, weil sie seinen Kern aushöhlten. […]

Christlicher Dienst

Kardinal Sarah: Der Dienst des Christentums an einem sterbenden Europa

Robert Kardinal Sarah gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche der Gegenwart. In einer Predigt in der Kathedrale von Chartres hat er vor einigen Tagen Christen zum Dienst an einem sterbenden, von wahnhaften Ideologien geistig zerstörten Europa aufgerufen. Die gegenwärtige Lage erfordere von Christen einen totalen Einsatz. Nur Heilige und Märtyrer könnten Europa aus der Dunkelheit führen. […]

Herausforderungen

Bernard Lewis: Der politische Islam als existenzielle Herausforderung für Europa

Der britisch-amerikanische Historiker Bernard Lewis (1916-2018) lehrte zuletzt an der Princeton University und galt als einer der weltweit führenden Experten für die Geschichte des Nahen Ostens und des Islam. Bereits in den 1970er Jahren prognostizierte er das Erstarken des politischen Islam und einen daraus resultierenden „Clash of Civilizations“. Aus Anlass seines Todes am vergangenen Wochenende stellen wir seine wichtigsten Gedanken über islambezogene Herausforderungen für Europa vor. […]

Christliches Erbe

Christopher Dawson: Die Apostel des Abendlandes – Teil 1: Der lange Winter

Christopher Dawson (1889-1970) lehrte an der Harvard University und gilt als einer der bedeutendsten christlichen Historiker des 20. Jahrhunderts. Sein Werk beeinflusste unter anderem J.R.R. Tolkien und T.S. Eliot. In seinen Büchern „Die Religion im Aufbau der abendländischen Kultur“ und „Die Gestaltung des Abendlandes“ schildert er, wie christliche Mönche und Herrscher im Frühmittelalter inmitten der Trümmer des untergegangenen Römischen Reiches Europa schufen und in einem jahrhundertelangen Überlebenskampf verteidigten. […]

Katholische Soziallehre

Ludger Schwienhorst-Schönberger: Christentum, Gesinnungsethik und Migration

Ludger Schwienhorst-Schönberger lehrt katholische Theologie an der Universität Wien. In der Maiausgabe der jesuitischen Kulturzeitschrift „Stimmen der Zeit“ setzt er sich mit dem Problem gesinnungsethischer Tendenzen in der Kirche auseinander. Diese hätten die rationale Ethik der katholischen Soziallehre in Deutschland weitgehend verdrängt und in der Migrationspolitik zu falschen Entscheidungen beigetragen. […]