Glaube und Ethos

Hans Urs von Balthasar: Der Ernstfall als Maßstab des Glaubens

Der Theologe Hans Urs von Balthasar veröffentlichte 1966 seine Schrift „Cordula oder der Ernstfall“. In ihr setzte er sich vor dem Hintergrund des kulturrevolutionären Geschehens der 1960er Jahre und dessen Eindringens in die Kirche in der Nachkonzilszeit mit der Frage auseinander, was der höchste Maßstab des Glaubens sei, mit dem man gute von schlechten religiösen Impulsen unterscheiden könne. Er kam zu dem Ergebnis, dass dieser Maßstab der Ernstfall und die eigene Bereitschaft zum Tod sei. […]

Dienstethos

Rolf Dobelli: Krisenerwartung als Voraussetzung wirklichkeitsgerechten Denkens

Christliche Weltanschauung rechnet grundsätzlich mit der Möglichkeit krisenhafter Verläufe des Weltgeschehens. Sie unterscheidet sich dabei deutlich vom Fortschrittsoptimismus säkularer Weltanschauungen. In einem Beitrag in der „Neuen Zürcher Zeitung“ erklärt der Philosoph Rolf Dobelli, der vor allem durch sein Werk „Die Kunst des klaren Denkens“ bekannt geworden ist, warum solche Krisenerwartung eine Voraussetzung wirklichkeitsgerechten Denkens und guter Entscheidungen ist. […]

Herausforderungen

Sabatina James: Europa verspielt sein christliches Erbe

Die Menschenrechtsaktivistin Sabatina James stammt aus Pakistan und wuchs in Österreich auf, wo sie sich als junge Frau vom Islam abwendete und für das Christentum entschied. Sie gründete später eine Hilfsorganisation für Frauen, die islambezogenen kulturellen Risiken ausgesetzt sind. In ihrer Dankesrede anlässlich der Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Preises warnte sie vor einigen Tagen, dass Europa sein christliches Erbe verspiele. […]

Herausforderungen

Paul Collier: Gemeinwohl, Solidarität und die Schwächen des Liberalismus

Der Ökonom Paul Collier lehrt Wirtschaftswissenschaften an der Universität Oxford. In einem in der Neuen Zürcher Zeitung erschienenen Aufsatz kritisiert er das Welt- und Menschenbild des Utilitarismus, der eine der weltanschaulichen Grundlagen des Liberalismus ist. Utilitaristisches Denken, das bestimmten Formen der Globalisierung sowie der Forderung nach offenen Grenzen zugrunde liege, führe tendenziell zur Entsolidarisierung mit der eigenen Gemeinschaft sowie zur Vernachlässigung ihrer Sorgen und Nöte und füge dem Gemeinwohl europäischer Gesellschaften dadurch großen Schaden zu. […]

Herausforderungen

Alexander Grau: Hypermoral und Humanitarismus als säkulare Ersatzreligion

Der Philosoph Alexander Grau hat heute in einem ausführlichen Gespräch mit dem Deutschlandfunk die wichtigsten Thesen und Argumente seines neuen Buches “Hypermoral – Die neue Lust an der Empörung” vorgestellt. Hypermoral und Humanitarismus seien Teil einer säkularen Ersatzreligion, die totalitäre Ansätze zeige, zunehmend auch in die Kirche eindringe und dort christliche Theologie und Weltanschauung verdränge. […]

Demographie

Demographie: Starker Anstieg des muslimischen Bevölkerungsanteils in Europa bis 2050

Das Pew Research Center hat frühere Prognosen zur religionsdemographischen Entwicklung in Europa aufgrund der seit 2015 anhaltenden Migrationswelle revidiert. Falls der derzeitige Trend anhalte, könne sich der Anteil der Muslime an den Bevölkerungen europäischer Staaten bis 2050 verdreifachen. In Schweden würden Muslime dann rund 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen, während sich der entsprechende Anteil in Deutschland, Österreich, Frankreich und Großbritannien um 20 Prozent bewegen würde. […]

Dienst

Viktor Frankl: Dienst und Opfer als Sinn des Lebens

Der jüdische Psychologe Viktor Frankl lehrte unter anderem an der Universität Wien und ist vor allem für seine Auseinandersetzung mit psychischen Herausforderungen in Extremsituationen bekannt geworden. In seinem Werk „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ beschreibt er seine Gedanken dazu, die auf persönlichen Erfahrungen im Konzentrationslager Auschwitz beruhen. Sein Werk stellt dabei keine Anleitung zum physischen, sondern zum seelischen Überleben dar. Er betont, dass der Mensch nur durch die Entscheidung zu Dienst und Opfer seine Würde auch unter extremen Bedingungen bewahren und dadurch zum Ziel seiner Existenz gelangen könne. […]

Allgemeine Krisentendenzen

Jonathan Sacks: „Kultureller Klimawandel“ und Antworten auf die Krise westlicher Gesellschaften

Der Philosoph und jüdisch-orthodoxe Rabbiner Jonathan Sacks lehrt unter anderem am King’s College in London und ist Träger des Templeton-Preises, der als Äquivalent des Nobelpreises auf dem Gebiet der Religion gilt. In einem vor einigen Wochen erschienenen Aufsatz analysierte er kulturrevolutionäre Entwicklungen in westlichen Gesellschaften sowie deren absehbares Scheitern und beschrieb mögliche Antworten darauf. […]

Dienst

Papst Franziskus: Aufruf zum Widerstand gegen „ideologische Kolonisierung“ und Identitätsverlust

In einer heute gehaltenen Predigt über den im 2. Buch der Makkabäer beschriebenen Märtyrertod des Schriftgelehrten Eleasar sprach Papst Franziskus unter anderem über den Widerstand gegen Versuche, die kulturelle und religiöse Identität von Völkern durch „ideologische Kolonisierung“ zu zerstören. Eine Modernität, die Unterschiede einzuebnen versuche, komme kultureller Verfolgung gleich. […]

Allgemeine Krisentendenzen

Scott Atran: Die Selbstzerstörung des Liberalismus

Der Anthropologe Scott Atran ist Forschungsdirektor am französischen Centre National de la Recherche Scientifique (CRNS) und lehrt an der École Normale Supérieure. In Sicherheitskreisen ist er vor allem durch seine Forschung über die Motive islamistischer Selbstmordattentäter bekannt geworden. In einem aktuellen Aufsatz schreibt er über die mögliche Selbstzerstörung des Liberalismus im Zuge der durch ihn ausgelösten weltweiten sozialen und kulturellen Verwerfungen und seines Mangels an sinn- und identitätsstiftenden Narrativen. […]

Christliche Impulse

Romano Guardini: Das Europa der Nationen und das abendländische Dienstethos

Der Theologe Romano Guardini (1885-1968) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Disziplin der katholischen Weltanschauung im 20. Jahrhundert, dessen Werk unter anderem Hannah Arendt und Benedikt XVI. beeinflusste. In seinem Aufsatz „Europa – Wirklichkeit und Aufgabe“ untersuchte er die sittliche Bedeutung des Nationalstaates, dessen Rolle in Europa sowie die historische Berufung Europas. Diese sah er darin, das christlich-abendländische Dienstethos weiterzuentwickeln und zu verbreiten, das politische Macht in Abgrenzung zu totalitären Ideologien als „dienende Stärke“ verstehe. […]

Herausforderungen

Wolfgang Streeck: Postdemokratie und die Zerstörung der politischen Kultur Deutschlands

Der Soziologe Wolfgang Streeck ist Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. In einem heute in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erschienenen Aufsatz kritisiert er den seiner Ansicht nach nahezu totalen Verlust von Gemeinwohlorientierung und die Zerstörung der politischen Kultur in der „substanzentleerten und deshalb sentimentalisierungsbedürftigen deutschen Postdemokratie“. […]

Glaube und Ethos

Bischof Hans-Jürgen Abromeit: Christen müssen bereit sein, für ihren Glauben zu sterben

Der evangelisch-lutherische Bischof Hans-Jürgen Abromeit hat in einer im Rahmen des ökumenischen Kongresses „Christenverfolgung heute“ gehaltenen Predigt dazu aufgerufen, die Worte Jesu Christi zum Martyrium ernst zu nehmen. Das Christentum sei keine „Wohlfühlreligion“. Christen müssten dazu bereit sein, für ihren Glauben notfalls auch zu sterben. Im Ernstfall „muss ich um der Nachfolge Jesu willen bereit sein, auch diesen Weg zu gehen. […] Es ist schon ernst gemeint, wenn Jesus sagt: Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir, der ist meiner nicht wert.“ […]

Herausforderungen

Deutschland: Zunehmende Aktivitäten salafistischer Milizen

Die Aktivitäten milizartiger salafistischer Strukturen in Deutschland haben 2017 deutlich zugenommen. Solche Strukturen versuchen, die Regelungen islamischen Rechts in ihrem Umfeld gewaltsam oder durch die Androhung von Gewalt durchzusetzen. Ihr Handeln richtet sich derzeit vorwiegend gegen andere Muslime, zunehmend jedoch auch gegen christliche Migranten sowie gegen Christen an Schulen und gegen Homosexuelle. […]

Dienst

Das Christentum als Erbe und Auftrag

Das Christentum ist die Verwirklichung des christlichen Glaubens im Leben der Menschen, in der Kultur und in der gesellschaftlichen Ordnung. Es entstand und wächst aus der Berührung des Menschen durch das Heilige, das über die Jahrhunderte hinweg das, was es in allen Kulturen und allen menschlichen Werken an Gutem vorfand, in seinen Dienst stellte, veredelte, formte, vollendete und zu einer Einheit verband. Seine Grundlage ist Jesus Christus und der Dienstgedanke, den er verkörpert, und der den Menschen über sich hinaus und zum Ziel seines Daseins führt. […]

Herausforderungen

Adrian Vermeule/R.R. Reno: Liberalismus als existenzielle Herausforderung für das Christentum

Der an der Harvard Law School lehrende Verfassungsrechtler Adrian Vermeule und der Religionswissenschaftler R.R. Reno analysieren in der aktuellen Ausgabe des Magazins „First Things“ den sich zuspitzenden Konflikt zwischen materialistischen Ideologien, die sie unter dem Begriff „Liberalismus“ zusammenfassen, und dem Christentum in westlichen Gesellschaften. Reno beobachtet in diesem Zusammenhang eine „Verbürgerlichung“ des Christentums, das sich diesen Ideologien aus Furcht vor weiterem Relevanzverlust laufend anpasse und dadurch zu einer anderen Religion zu werden drohe. […]

Allgemeine Krisentendenzen

James Davison Hunter: Kulturelle Auflösung und das bevorstehende Ende der liberalen Demokratie

Der Religionssoziologe James Davison Hunter lehrt an der University of Virginia. In einem aktuellen Aufsatz analysiert er das Scheitern des „Projektes der Aufklärung“ im Zuge der Abwendung westlicher Gesellschaften von ihren religiösen Wurzeln. Dies habe kulturelle Auflösungsprozesse in Gang gesetzt, die auch der liberalen Demokratie zunehmend ihre Grundlage entziehen würden und zu ihrem Zusammenbruch führen könnten. […]

Herausforderungen

Martin Rhonheimer: Der Islam als kultureller Fremdkörper in Europa

Martin Rhonheimer lehrt Ethik und politische Philosophie an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom. In seinem kürzlich in der dritten Auflage erschienenen Werk „Christentum und säkularer Staat“ untersucht er unter anderem die möglichen langfristigen Folgen von Islamisierungsprozessen für die säkularen Staaten Europas. Den Islam betrachtet er dabei in seiner real existierenden Form als einen überwiegend nicht assimilierbaren kulturellen „Fremdkörper“ und prognostiziert Europa in Folge dessen langfristig „epochale Herausforderungen“. […]

Dienst

Michel Houellebecq: Katholizismus und kulturelle Erneuerung in Frankreich

Im Magazin „Der Spiegel“ äußerte sich der französische Schriftsteller Michel Houellebecq über die von katholischen Akteuren ausgehenden Ansätze kultureller Erneuerung in Frankreich. Für den Autor, der in seinem dystopischen Roman „Unterwerfung“ ein satirisch zugespitztes Szenario der Islamisierung Frankreichs beschrieben hatte, ist die Rückkehr vieler Franzosen zu ihren kulturellen und religiösen Wurzeln „einer der interessantesten Momente in der jüngsten Geschichte“. […]

Christliche Impulse

Robert Spaemann: Die heilige Erzählung vom „tausendjährigen Abwehrkampf der christlichen Zivilisation“

Der katholische Philosoph Robert Spaemann ist ein Berater Benedikts XVI. und lehrte zuletzt an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im 2016 erschienenen zweiten Band seiner „Meditationen eines Christen“ schreibt er unter anderem über christliche Identität und ihre Weitergabe durch „heilige Erzählungen“. Dazu gehöre auch der „tausendjährige Abwehrkampf der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus“. […]

Herausforderungen

Studie: Islamische Religion als Grundlage islamistischer Radikalisierung

Unter der Leitung des Religionspädagogen Ednan Aslan und der Soziologin Evrim Ersan Akkilic haben Forscher der Universität Wien islamistische Radikalisierungsprozesse durch die Befragung inhaftierter Islamisten untersucht. Eines der Ergebnisse ihrer Studie ist, dass eine pauschale Trennung zwischen der Religion des Islam und dem Phänomen des Islamismus nicht sinnvoll sei. Islamisten […]

Allgemeine Krisentendenzen

Papst Franziskus: Europa am Vorabend der Krise

Papst Franziskus sprach am Wochenende im Rahmen des Diskussionsforums „(Re)Thinking Europe“ über die Krise Europas. Dabei verglich er die gegenwärtige Lage in Europa mit der, „als die antike Zivilisation unterging und die Herrlichkeiten Roms zu jenen Ruinen wurden, die wir heute noch in der Stadt bewundern können, als die neuen Völker über die Grenzen des alten Reichs drängten“. […]