Stand: 13.12.2018

Von der Verteidigung Europas gegen die Wikingerüberfälle über die Abwehr arabischer und osmanischer Invasionen bis zum Widerstand gegen die totalitären Ideologien der Moderne hat das Christentum mehr als ein Jahrtausend lang die Gemeinwesen, die es kulturell prägte, geschützt und bewahrt.

1. Historische Taten und Leistungen

  • Der globale Kampf gegen den Islamismus (2001-heute): Die Angriffe militanter Islamisten richten sich auch gegen Christen und das Christentum. In Teilen des Nahen Ostens, Subsahara-Afrikas und Südostasiens führen militante Islamisten gegenwärtig eine der größten Christenverfolgungen in der Geschichte durch. Im von Papst Johannes Paul II. beauftragten Kompendium der Soziallehre der Kirche wird islamistischer Terrorismus als „Entweihung und Gotteslästerung“ eingestuft (Nr. 515). Versuche wie die der Islamisten, ganze Gruppen von Menschen aufgrund ihres christlichen Glaubens auszulöschen, werden als „Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit“ verurteilt (Nr. 506). Es sei die moralische Pflicht der Angegriffenen, notfalls „die Verteidigung auch mit Waffengewalt zu organisieren“ (Nr. 500). Zudem bestehe eine moralische Pflicht anderer dazu, zugunsten der Angegriffenen militärisch einzugreifen (Nr. 506).
  • Der katholische Widerstand gegen den Kommunismus (1917-1989): Die katholische Kirche spielte insbesondere unter Papst Johannes Paul II. eine entscheidende Rolle bei der Befreiung Osteuropas von kommunistischer Herrschaft.
  • Der christliche Widerstand gegen den Nationalsozialismus (1933-1945): Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus ging hauptsächlich von christlich-konservativen Kräften aus, die u.a. bestimmend für die Widerstandsbewegung im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 waren. Der Nationalsozialismus war seinem Wesen nach so wie der Kommunismus antichristlich ausgerichtet und plante für die Nachkriegszeit die vollständige Zerschlagung vor allem der katholischen Kirche in seinem Herrschaftsbereich. Die katholische Kirche hatte bereits in den späten zwanziger Jahren insbesondere die Rassenideologie und den Antisemitismus des Nationalsozialismus als unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild verurteilt. Der damalige Papst Pius XII. in Verbindung zum militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland und unterstützte diesen. Das „Martyrologium Germanicum“ erfasst 415 katholische deutsche Märtyrer, die neben den vielen Märtyrern anderer Konfessionen und denen aus anderen Ländern Europas durch Nationalsozialisten wegen ihres Glaubens getötet wurden. Es enthält unter anderem Mitglieder der Weißen Rose und des Kreisauer Kreises. Zu den bislang heiliggesprochenen Märtyrern des Widerstands gehört u.a. Alfred Delp.
  • Der Widerstand der Cristeros gegen die christenfeindliche Politik des Calles-Regimes in Mexiko (1926-1929)
  • Die Verteidigung des Kirchenstaates gegen italienische Nationalisten (1859-1870): Kirchenfeindliche italienische Nationalisten unter der Führung Giuseppe Garibaldis versuchten in den 1860er Jahren, den zu diesem Zeitpunkt ältesten Staat Europas, den Kirchenstaat, militärisch zu zerschlagen. Dieser wurden durch aus internationalen Freiwilligen bestehende Regimenter verteidigt, darunter auch das Infanterieregiment der „Päpstlichen Zuaven“.
  • Der Kampf gegen die muslimischen Piraten und Sklavenjäger Nordafrikas (ca. 1500-1844)
  • Die Türkenkriege und die Verteidigung Mitteleuropas gegen die Osmanen (1423-1799): Über mehrere Jahrhunderte griffen osmanische Invasoren das christliche Europa vor allem über den Balkan kommend an (siehe auch hier).
  • Der Widerstand in der Vendée und der Bretagne gegen den Terror der Französischen Revolution (1793-96 bzw. 1794-1804): Der nach einem ihrer Führer „Chouannerie“ benannte Widerstand in der Bretagne, der sich vor allem auch gegen Entchristianisierungsversuche der Revolutionäre richtete, ist weniger bekannt als der in der Vendée. Er erfasste auch benachbarte Regionen wie Anjou, Maine und die Normandie, wobei zum Höhepunkt der Bewegung rund 50.000 Widerstandskämpfer aktiv gewesen sein sollen.
  • Die Verteidigung Europas gegen die Mongolen- und Tatarenstürme (1206-1736)
  • Die Reconquista (ca. 711-1492): Auf der iberischen Halbinsel wäre das Christentum im Zuge der islamischen Expansion vermutlich ebenso ausgelöscht worden wie in Nordafrika, wenn es nicht gelungen wäre, diese Expansion durch die Reconquista rückgängig zu machen.
  • Die Verteidigung Europas gegen die Wikingerüberfälle (793-1066): Die Überfälle der heidnischen Wikinger beendeten die Hochphase der christlich-keltischen Kultur Nordwesteuropas, der weite Teile Europas ihre Christianisierung verdankten, und richteten auch in anderen Teilen Europas enorme Zerstörungen an. Dem Historiker Christopher Dawson zufolge waren die Ereignisse „für die Geschichte des Abendlandes von entscheidender Bedeutung. Es hat niemals einen Krieg gegeben, der die Existenz des abendländischen Christentums schlechthin so unmittelbar bedrohte. Der Widerstand der Christen könnte hier mit größerem Recht ein Kreuzzug genannt werden als die Kreuzzüge selbst. […] Der Krieg unterwarf die im Aufbau begriffene Ordnung des abendländischen Christentums einer furchtbaren Probe. Alles Schwache und Überflüssige wurde ausgemerzt, und nur die härtesten und widerstandsfähigsten Elemente, die sich als gegen Unsicherheit und Gewalt gewappnet erwiesen hatten, blieben übrig.“
  • Die Verteidigung Mitteleuropas gegen die Ungarneinfälle (899-955)

2. Historische Ereignisse

Von der Schlacht von Covadonga (722) und dem Beginn der Reconquista auf der spanischen Halbinsel über die Schlacht auf dem Lechfeld (955) und der Abwehr der Einfälle der Magyaren in Mitteleuropa bis zur Schlacht am Kahlenberg (1683) und dem Ende der osmanischen Belagerung Wiens reicht die Reihe der Ereignisse, an die christliche Gedenkkultur sich im Zusammenhang mit schützenden Taten des Christentums ereinnert.

  • Der 11. September (2001): Das Ereignis steht für den Beginn einer neuen Offensive militanter Strömungen im Islam gegen das Christentum und die von ihm geprägten Gesellschaften nach rund zwei Jahrhunderten Unterbrechung.
  • Die Schlacht am Kahlenberg (1683): Die Schlacht am 12. September 1683 beendete die Zweite Wiener Türkenbelagerung. Ein deutsch-polnisches Entsatzheer unter der Führung des polnischen Königs Johann III. Sobieski schlug dabei die osmanische Armee unter dem Schlachtruf „Maria hilf“. Auf christlicher Seite kämpften Kräfte aus Österreich, Sachsen, Bayern, Baden und dem Kirchenstaat sowie polnische Husaren. J.R.R. Tolkien hat seine Beschreibung der fiktiven Schlacht auf dem Pelennor vor den Toren der Stadt Minas Tirith mutmaßlich auch an die Schlacht am Kahlenberg angelehnt.
  • Die Seeschlacht von Lepanto (1571): In der Sakristei der Asamkirche von Ingolstadt wird die sogenannte „Lepantomonstranz“ aufbewahrt, auf Einzelheiten der Seeschlacht von Lepanto dargestellt sind.
  • Die Verteidigung Maltas (1565): Zahlenmäßig deutlich unterlegenen Kräften des Malterserordens sowie anderen Verteidigern unter der Führung Jean Parisot de la Valettes gelang es, der zwischen Mai und September 1565 andauernden Belagerung der strategisch wichtigen Insel Malta durch die Osmanen standzuhalten. Die Insel wurde dabei zuletzt von nur noch rund 600 Mann gegen mehrere zehntausend Osmanen gehalten.
  • Der Fall Konstantinopels (1453): Am 28. Mai 1453 vernichteten die Osmanen mit der Einnahme Konstantinopels das Byzantinische Reich, das auf das Römische Reich zurückging und den islamischen Angriffen rund 800 Jahre lang standgehalten und dadurch Mitteleuropa geschützt hatte. Der letzte byzantinische Kaiser Konstantin XI. fiel bei der Verteidigung der Stadt, an der er sich persönlich beteiligt hatte.
  • Die Schlacht auf dem Amselfeld (1389): Auf dem Amselfeld im heutigen Kosovo stellte sich 1389 ein Heer unter der Führung des serbischen Fürsten Lazar den angreifenden Truppen des osmanischen Sultans Murad I. entgegen. Das kräftemäßig unterlegene Heer Lazars unterlag zwar den Angreifern, konnte diesen aber hohe Verluste zufügen. Das Ereignis spielt in der Erinnerungskultur der slawischen Balkanvölker eine wichtige Rolle als Symbol der Aufopferung für die christlichen Werte und des Kampfes gegen die osmanischen Invasionswellen.
  • Schlacht auf dem Kulikowo Pole (1380):  Unter der Führung des Großfürsten von Moskau, Dmitri Donskoi, besiegte ein christliches Heer überlegene Kräfte der monglischen Goldenen Horde. Der Sieg markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Abwehrkampfes gegen die Mongolen.
  • Die Schlacht bei Liegnitz (1241): Unter der Führung Heinrichs II., dem Herzog von Schlesien, gelang es einem von Templern, Deutschrittern und Johannitern unterstützten Heer, einen mongolischen Vorstoß in Richtung Mitteleuropa unter hohen Verlusten abzuwehren.
  • Die Schlacht auf dem Lechfeld (955): Am 10. August 955 gelang es einem kräftemäßig unterlegenen Heer unter der Führung von Otto I. auf dem Lechfeld bei Augsburg die heidnischen Magyaren so zu schlagen, dass diese ihre Einfälle nach Mitteleuropa dauerhaft einstellten. Otto I. zog seinen Truppen der Überlieferung zufolge mit der Heiligen Lanze und einem Banner voran, das den heiligen Erzengel Michael zeigte. Seitdem gilt dieser als der Schutzpatron Deutschlands.
  • Die Normannenschlacht bei Stade (880): Bei der Normannenschlacht im Februar 880 lieferte ein eindringendes heidnisches Wikingerheer dem christlich-sächsischen Gesamtaufgebot im heutigen nördlichen Niedersachsen eine für die Sachsen verlustreiche Schlacht. Die Gefallenen auf christlicher Seite, darunter Herzog Bruno von Sachsen und die Bischöfe Theoderich von Minden und Markward von Hildesheim, werden als die „Märtyrer von Ebstorf“ und als Heilige verehrt.
  • Die Schlacht von Tours und Poitiers (732)
  • Die Schlacht von Covadonga (ca. 722): Die Schlacht bzw. das Gefecht endete mit dem ersten Sieg christlicher Kräfte gegen die maurischen Invasoren in Spanien und markiert den Beginn der Reconquista, die erst rund 750 Jahre später abgeschlossen war.

3. Herausragende Einzeltaten des schützenden Dienstes durch Christen

3.1 21. Jahrhundert

In der Gegenwart gibt es gegenwärtig wie zu allen Zeiten Christen, die auf besondere Weise durch den schützenden und bewahrenden Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen hervortreten. Hier sammeln wir ohne Anspruch auf Vollständigkeit bekannte Beispiele dafür.

  • Das Opfer Oberst Arnaud Beltrames bei einer Geiselbefreiung in Frankreich 2018: Der bekennende Katholik Arnaud Beltrame war als Offizier der paramilitärischen französischen Gendarmerie Nationale am 23.03.2018 am Einsatz gegen einen islamistischen Terroristen im südfranzösischen Trèbes beteiligt. Nachdem der Terrorist in einem Supermarkt Geiseln genommen hatte, entschloss sich Beltrame dazu, sich als Austauschgeisel zur Verfügung zu stellen. Er wurde dabei durch den Terroristen, einem aus Marokko stammenden salafistischen Muslim, tödlich verwundet. Seine Tat trug jedoch dazu bei, dass die meisten Geiseln gerettet werden konnten.
  • Christliche Soldaten und ein Student verhindern Anschlag auf Zug in Frankreich 2015: Am 21.08.2015 überwältigten drei amerikanische Christen den salafistischen Muslim Ayoub El Khazzani, der in einem Schnellzug im belgisch-französischen Grenzgebiet mit einem Sturmgewehr das Feuer auf Passagiere eröffnen wollte. Es handelte sich um den Luftwaffensoldaten Spencer Stone, den in der Nationalgarde von Oregon dienenden Alexsander Skarlatos sowie den Studenten Anthony Sadler. Stone versorgte anschließend Verwundete, während Skarlatos mit dem Sturmgewehr des Entwaffneten den Zug durchsuchte, um ggf. weitere Terroristen zu bekämpfen.
  • Besondere Tapferkeit von Chief Petty Officer (Oberstabsfeldwebel) Edward Byers bei der Befreiung einer Geisel in Afghanistan 2012: Nachdem Taliban in Afghanistan den für eine Hilfsorganisation tätigen Arzt Dilip Joseph 2012 als Geisel genommen hatten, war Byers als Unteroffizier der amerikanischen Navy SEALs an seiner Befreiung beteiligt. Wegen seiner soldatischen Leistungen und weil er das Leben der Geisel rettete, indem er sie mit seinem Körper vor feindlichem Feuer schützte, wurde dem gläubigen Katholiken, der nach eigenen Worten den hl. Erzengel Michael in besonderer Weise verehrt, die höchste Tapferkeitsauszeichnung der USA verliehen.

3.2 16. Jahrhundert

  • Die Verteidigung des Papstes durch die Schweizergarde bei der Plünderung Roms (06.05.1527): Als eine Armee außer Kontrolle geratener, vorwiegend protestantischer Söldner Rom plünderte und dort von aufgehetzt von Predigten, die den Papst als „Antichrist“ darstellten, Greueltaten in großem Ausmaß verübten, fielen 147 von insgesamt 189 Soldaten der Schweizergarde unter der Führung von Kaspar Röist bei einem Gefecht auf dem Petersplatz.  Sie ermöglichten dadurch dem Papst, sich an einen sicheren Ort zu begeben. Die Schweizergarde gedenkt jedes Jahr bei ihrer Vereidigungszeremonie am 6. Mai dieser Tat.