Stand: 11.12.2018

Diese Seite stellt Motive, Symbole und Zeichen des schützenden Dienstes im Christentum vor.

Symbole ermöglichen die Beschreibung und das Erkennen von Sachverhalten, die der physischen Wahrnehmung des Menschen größtenteils entzogen sind, weil sie den nichtmateriellen Teilen der Wirklichkeit zugehörig sind. Sie sprechen die Wahrnehmung des Menschen über den Verstand hinaus an und helfen ihm bei der Betrachtung des Übernatürlichen.

Symbole drücken dabei komplexe Sachverhalte oder ganze Konzepte aus, während Zeichen einfachere Sachverhalte beschreiben. Durch die Kombination von Symbolen ist es möglich, auch umfassende Erzählungen wiederzugeben und auszudrücken. Häufig erschließen sich Symbole jedoch nicht ohne das Wissen um ihre Bedeutung.

1. Motive

Viele Motive, etwa die Schutzmantelmadonna oder die Maria vom Siege, haben einen Zusammenhang zur katholischen Marienverehrung mit wehrhaften Bezügen.

  • Die neun guten Helden: Ein seit dem 14. Jahrhundert in ganz Europa verbreitetes kunstgeschichtliches Motiv, das ritterliche Idealgestalten beschreibt
  • Sankt Michael der Drachentöter: Das Bild des Drachen als Feind des Menschen findet sich im christlichen Kontext im Alten Testament (etwa in Gen 3,1) sowie in der Offenbarung des Johannes (etwa in Offb 12), wo der heilige Erzengel Michael als Drachentöter beschrieben wird. Der Drache ist hier insbesondere der Feind Evas (in Gen 3,1) bzw. des Volk Gottes sowie der Feind der als Muttergottes gedeuteten apokalyptischen Frau und ihrer Nachkommen. Gelegentlich wird in der Kunst auch Jesus Christus als Drachentöter dargestellt.

2. Symbole

  • Das Kreuz
  • Der gute Hirte: „Guter Hirte“ ist im Christentum eine der ältesten und verbreitetsten Bezeichnungen für Jesus Christus. Bereits im Alten Testament ist das Hirtenbild verbreitet. Es wurden verheißene Führer des Volkes einerseits sowie verantwortungslose Könige und Richter andererseits als gute oder schlechte Hirten bezeichnet. Vielfach wird das Hirtenbild unmittelbar auf Gott bezogen. In einer der Gleichnisreden des Johannesevangeliums (Kap. 10,1–18) sagt Jesus von sich selbst: „Ich bin der gute Hirte“ (Joh 10,11-14) Bis zur Hingabe des eigenen Lebens setzt sich der gute Hirte im Gegensatz zum Lohnhüter für die Herde ein: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.“
  • Der Pelikan: Dieser ist ein Symbol selbstlosen Dienens. In der Antike war die Annahme verbreitet, dass der Pelikan seine Jungen mit Blut füttert. Grund dafür ist vermutlich, dass sich beim Krauskopfpelikan während der Brutzeit das Gefieder im Kehlenbereich rot färbt. In der christlichen Symbolik und Ikonographie gilt der Pelikan daher als Symbol für opferbereiten Dienst im Allgemeinen und für den Opertod Jesus Christi im Speziellen. Nach dem Physiologus, einem frühchristlichen Tierkompendium, öffnet sich der Pelikan mit dem Schnabel die eigene Brust, lässt sein Blut auf seine toten Jungen tropfen und holt sie so wieder ins Leben zurück. Dies wurde allegorisch in Bezug zum Opfertod Jesu Christi verstanden, wodurch der Pelikan zu einem in der christlichen Ikonographie häufig verwendeten Motiv wurde. Als Symbol für Christus und die Eucharistie findet er sich oft auch Abendmahlskelchen sowie an Altären und Tabernakeln. Im Matthäusevangelium heißt es: „Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Dante erwähnt in seiner Göttlichen Komödie den Pelikan als Symbol für Jesus Christus: „Er ruht am Busen unsers Pelikan; Ihn hat der Herr zur großen Pflicht erlesen, als er den Martertod am Kreuz empfah’n.“ Der hl. Thomas von Aquin dichtete im Hymnus „Adoro te devote“: „Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein. Wasch mit deinem Blute mich von Sünden rein. Schon ein kleiner Tropfen sühnet alles Schuld, bringt der ganzen Erde Heil und Huld.
  • Der Wolf: Während der Drache symbolisch für den geistigen, nichtmenschlichen Feind des Menschen steht, symbolisiert der Wolf in der Bildersprache der Bibel die menschlichen Gegner der Christen und des Christentums. Jesus Christus selbst verwendet das Bild des Wolfes, etwa in Joh 10, 11-13: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Auch die Apostelgeschichte kündigt „reißende Wölfe“ an,  welche die christliche „Herde nicht schonen“ werden (Apg 20, 29).
  • Der Drache: Drachen und Schlangen sind Symbole für das Böse, das alles Wertvolle sowie den Menschen und seine Seele bedroht, sowie für allgemeine Lebensbedrohung. Das Symbol des Drachen ist weltweit verbreitet und besitzt überall mit Ausnahme des ostasiatischen Raumes eine negative Bedeutung. Drachen symbolisieren dabei meist Bedrohungen für den Menschen und seine Welt. Wo von Drachen die Rede ist, gibt es jedoch meist auch einen Helden, der den Drachen im Kampf besiegt. Im Mythos findet ein Kampf zwischen Gott und einem Drachen auf kosmischer Ebene statt. In der Sage kämpft ein menschlicher Held gegen den Drachen, meist ein Königssohn, der den Drachen besiegt und eine Königstochter oder einen Schatz dadurch erlangt. In der Legende sind es Heilige wie Sankt Georg, die den Drachen bezwingen und dadurch das Land von ihm befreien.
  • Der Adler: In der Mythologie wird der Adler allgemein auch als Lichtsymbol verwendet, weil er besonders hoch fliegt. In Mythen kämpft häufig ein Adler als Symbol für das Licht und das Gute mit einer Schlange als Symbol für das Böse. In der Bibel wird er als Symbol für Stärke und Geschwindigkeit (Ez 17,3 f.; 2 Kö 1,23; Jer 4,13) sowie der fürsorgenden Liebe Gottes (Ex 19,4) verwendet. In der Antike und im Mittelalter wurde er zudem unter Bezug auf Ps 102,5 und Is 40,31 sowie auf die Fabel des Physiologus wegen des Motivs der Verjüngung durch das Bad im Jungbrunnen als Symbol für die Erneuerung durch Taufe und Auferstehung und des geistigen Aufstiegs zu Gott eingesetzt, wodurch der Adler ein Symbol für die Auferstehung Jesu Christi oder Jesus Christus selbst sein kann. Der Adler ist das Symbol des Evangelisten Johannes unter Bezug auf Offb 4,7. Seit dem 12. Jahrhundert werden gottesdienstliche Lesepulte in Form eines Adlers gestaltet, auf dessen ausgebreiteten Flügeln das Buch für liturgische Lesungen und Gesänge abgelegt wird. Dies soll zur Erhebung der Herzen zu Gott aufrufen.
  • Der Löwe: Das Symbol des Evangelisten Markus sowie für die Auferstehung Christi. In Offb 5,5 wird Jesus Christus als siegreicher Löwe beschrieben. Der Löwe kann allerdings auch ein Symbol für feindliche und destruktive Kräfte sein.
  • Das Schwert: Schwerter stehen in der christlichen Symbolik für die göttliche Allmacht und Gerechtigkeit sowie für den göttlichen Zorn. Schwerter waren zudem eines der Insignien der Herrschaft christlicher Könige. Otto I. soll sein Königsschwert laut Widukind von Corvey im Aachen Dom mit den Worten empfangen haben: „Empfange dieses Schwert, mit dem du hinaustreiben mögest die Widersacher Christi, die Barbaren und die schlechten Christen, da dir durch göttliche Autorität die volle Gewalt über das Imperium Francorum übertragen ist, zum sichersten Frieden aller Christen“.

3. Zeichen

  • Das Vexilium: Christliche Ritterorden verwendeten nach ihrem römischen Vorbild als „Vexilium“ bezeichnete Feldzeichen bzw. Kriegsbanner (frz. Gonfanon). In mittelalterlichen Schriften wurden diese personifiziert beschrieben. Sie dienten der Repräsentation sowie als Sammelzeichen, und das Schlachtfeld durfte nicht verlassen werden, solange sie aufgerichtet waren. Wurde es niedergeworfen, musste man sich bei einem anderen Banner sammeln. Das Banner im Stich zu lassen und zu fliehen, wurde mit Ausstoßung aus Orden bestraft. Auf Land, von dem man Besitz ergriff, wurde es aufgepflanzt. In einigen Orden gab es das Amt des Bannerherren. Die heutigen Kirchenfahnen sind ihrer Form nach an das Vexilium bzw. an das Gonfaron angelehnt.
  • Das Labarum – Die Heerfahne Kaiser Konstantins und römischer Armeen: Katholische Prozessionsfahnen beziehen sich bis heute auf das Labarum, die Heeresfahne der spätantiken römischen Armee seit der Zeit Kaiser Konstantins. Nach der Schilderung des christlichen Geschichtsschreibers Lactantius ließ Konstantin seine Soldaten vor der Schlacht an der Milvischen Brücke 312 ein Staurogramm auf ihre Schilde malen. Eusebius von Caesarea behauptet in seiner etwa 25 Jahre nach der Schlacht entstandenen Vita Constantini, der Kaiser habe dieses Zeichen damals auch auf die Hauptheeresfahne setzen lassen, doch dürfte dies ein Irrtum sein. Allgemein nimmt man an, dass das Labarum erst in den 320er Jahren vor der Auseinandersetzung mit Licinius entwickelt und eingesetzt wurde. Der Name des Feldzeichens ist weder lateinischer noch griechischer Herkunft, sondern geht auf vorrömische Feldzeichen aus dem mesopotamisch-babylonischen Umfeld zurück. Die Gestaltung ist von Epoche zu Epoche unterschiedlich. Das Labarum bestand aus einer langen goldenen Lanze mit einem Querbalken, von welchem ein purpurfarbener Schleier niederhing. An der Lanze darüber waren drei Bildnisse befestigt, das des Kaisers und seiner beiden ältesten Söhne (Dass zwei von diesen erst nach 312 geboren wurden, ist ein Beleg für die These von der späteren Entstehung des Feldzeichens). Am oberen Ende befand sich das von einem Kranz umrahmte Christusmonogramm: griechisch Χ (Chi) und Ρ (Rho) für CHRistos (ΧΡΙΣΤΟΣ oder Χριστός). Das Labarum versinnbildlichte damit auch den sakralen Hintergrund der kaiserlichen Herrschaft in der Spätantike. Feldzeichen waren bereits in vorchristlicher Zeit von großer Bedeutung für die römischen Soldaten gewesen und hatten oft kultische Verehrung genossen; die Bewachung des Labarum war fünfzig der tapfersten Krieger (labarii) anvertraut.
  • Siegel: Neben dem uniformähnlichen Ordenskleid und dem Feldzeichen waren Siegel eines der Identitätszeichen christlicher Ritterorden.