Stand: 01.02.2018

Das Rittertum war ein Versuch zur Schaffung einer weltlichen Lebensform und Ethik die christliche Ideale von Dienst, Nächtenliebe und asketischem Leben mit Herrschaftsaufgaben und dem Auftrag der Verteidigung vereinen wollte. Das Rittertum ist dabei bis in die Gegenwart kulturprägend.

Teile der Kultur des Rittertums gingen in der Kultur des europäischen Gentleman sowie in der Kultur des Offiziertums auf.

1. Stil und Form des christlichen Rittertums

  • Ritterweihe: Diese kam nach der Jahrtausendwende auf und beinhaltete einen Schwertsegen, ein rituelles Bad, die Einkleidung und eine Nachtwache mit Fasten in einer Kirche.
  • Ritterschlag: Dieser war die unfeierliche Kurzform der Ritterweihe.
  • Rittergürtung: Diese war Teil der Ritterweihe und geht auf die Spätantike zurück, als der „Cingulum Militiae“ das Würdezeichen des Amtes in der Militia war. Im 11.-14. Jahrhundert wurden Ritter überwiegend gegürtet und nicht geschlagen.
  • Haar- und Barttracht: Der hl. Bernhard von Clairvaux stellte in seiner Schrift über das christliche Rittertum dem weltlichen Ritter, der langes Haar trug, den christlichen Ritter mit geschorenem Haar und kurzem Bart gegenüber.
  • Kleidung: Geistliche Ritterorden trugen uniformähnliche Ordenskleider, die aus Habit und Abzeichen bestanden. Beim Habit handelte es sich üblicherweise um einen schwarzen Mantel (dessen Farbe Demut symbolisiert) oder einen weißen Mantel (dessen Farbe Reinheit symbolisiert). Die Abzeichen in Form eines Kreuzes, die zu tragen Urban II. bei seinem Aufruf zum Ersten Kreuzzug gefordert, waren meist klein und wurden auf der linken Brustseite getragen. Der hl. Bernhard von Clairvaux hob in seiner Schrift über das christliche Rittertum die schlichte Beleidung der christlichen Ritter hervor, die auf überflüssige Verzierung verzichte.

2. Kritik an der Kultur des Rittertums

Die höfische Kultur des Rittertums und des Adels war nach Angaben von Historikern nicht ohne Fehler und Schwächen:

  • In ihr habe es auch effeminierte und degenerierte Züge gegeben, etwa einen Hang zu affektiertem Zeremoniell. Umgekehrt habe es in Teilen des Rittertums auch eine ausgeprägte Bildungsdistanz gegeben. So berichtete Ulrich von Hutten etwa, dass die Ritter seiner Zeit zu der Ansicht geneigt hätten, dass man durch Studium „weichlich und schlaff“ werde.
  • Es habe zudem eine Tendenz zu sexueller Freizügigkeit gegeben. Die Ehe sei häufig nicht als Sakrament, sondern als Zweckbündnis betrachtet und oft nur aus politischen Gründen eingegangen worden.
  • Das Turnierwesen habe sich zunehmend von seinem Zweck entfernt, der darin bestanden habe den Ritter auf den Kampf vorzubereiten, und sei zum Selbstzweck verkommen, der die Tauglichkeit des Ritters oft eher gefährdete.
  • Ehrversessenheit habe Fehden und Kriege ausgelöst, die großen Schaden für das Gemeinwohl mit sich gebracht hätten. Verarmte Ritter seien zudem als Raubritter in Erscheinung getreten.