Stand: 12.01.2018

Heilige Höhlen, Burgen und Befestigungsanlagen, Klöster und Reliquienschreine sowie Wehrkirchen und Kathedralen gehören zu den Erinnerungsorten des christlichen Erbes des schützenden und bewahrenden Dienstes.

1. Orte der Verteidigung Europas durch das Christentum

  • Santa Cueva de Covadonga: In der Felsenhöhle von Covadonga (vulgärlateinisch für „Höhle der Herrin“) in Asturien im Norden Spaniens befand sich bereits zur Zeit des Westgotenreichs ein Marienheiligtum. 722 fand dort die Schlacht von Covadonga statt, in der Pelagius von Asturien („Pelayo“) als Anführer einer christlichen Streitmacht einen Sieg über muslimische Truppen errang. Dieser Erfolg gilt als Beginn der Reconquista. Der Überlieferung zufolge habe Pelagius den Sieg auf das Wirken der Muttergottes zurückgeführt, zu der er vor der Schlacht in einer Höhle an einer Marienstatue für den Sieg gegen die Invasoren gebetet habe. König Alfons I. habe um das Jahr 750 in Anerkennung dessen ein Kloster und eine Kapelle an dem Ort, der Ziel einer Marien-Wallfahrt wurde, errichten lassen. Papst Johannes Paul II. besuchte den heute an dem Ort befindlichen Schrein während seines Pontifikats.
  • Basilika von Mariazell: Es handelt sich um den wichtigsten Wallfahrtsort in Österreich und einen der wichtigsten Europas. Das gotische Hauptportal zeigt im Tympanon eine der Gründungslegenden von Mariazell; den Sieg König Ludwigs I. von Ungarn über ein überlegenes osmanisches Heer. Aus Dank erbaute er die gotische Kirche und stiftete das ihm im Traum auf die Brust gelegte „Schatzkammerbild“.
  • Wallfahrtskirche Mariahilf in Passau: Als 1683 Wien durch die Türken belagert wurde, flüchtete Leopold I. nach Passau. Vor dem Gnadenbild der Wallfahrtskirche Mariahilf betete das Kaiserpaar täglich um Rettung aus der Türkengefahr. Als dann die christliche Allianz die Entsatzschlacht am Kahlenberg unter dem Kampfmotto „Maria hilf!“ gewann, wurde das Passauer Mariahilf-Gnadenbild zum Staatsgnadenbild der Habsburgermonarchie. Die bei der Schlacht erbeuteten Waffen der besiegten Türken sind im Beichtgang der Kirche zu besichtigen.
  • Befestigungsanlagen auf der Insel Malta: Diese wurden zwischen 1530 und 1798 durch den Johanniterorden zur Abwehr osmanischer Angriffe auf die für Europa strategisch wichtige Insel angelegt und gelten als eines der beeindruckendsten Werke militärischer Architektur weltweit. Die Festungsanlagen sind bis heute fast vollständig erhalten.
  • Kirche am Leopoldsberg (Wien-Kahlenbergerdorf): Am 12. September 1683 feierte der vor allem als bedeutender Prediger im Zusammenhang mit den Abwehrkämpfen gegen die Osmanen in Erscheinung getretene Marco d’Aviano vor der Entsatzschlacht zur Befreiung Wiens von der osmanischen Belagerung eine Heilige Messe in der Kirche. Das Ereignis spielt in der Erinnerungskultur im Zusammenhang mit der Befreiung Wiens und der Rolle d’Avianos eine wichtige Rolle.
  • Königliches Kloster Santa María de Guadalupe: Der Name des Ortes geht mutmaßlich auf den arabischen Begriff „Wad al-lubb“ („verborgener Fluß“) zurück. Das Kloster war rund vier Jahrhunderte lang das wichtigste Spaniens und hat seine Ursprünge im späten 13. Jahrhundert, als der Schäfer Gil Cordero am Ufer des Guadalupe eine Madonnenstatue fand, die mutmaßlich 714 von den Einwohnern der Gegend vor den maurischen Invasoren versteckt worden war. Am Fundort wurde daraufhin eine Kapelle errichtet. König Alfons XI. von Kastilien, der die Kapelle mehrfach besucht hatte, erbat die Hilfe Guadelupes vor der Schlacht am Salado (1340). Seinen Sieg schrieb er ihrem Beistand zu und erklärte die Kirche zu einem königlichen Heiligtum. Das mexikanische Guadalupe, der Ort einer bedeutenden Marienerscheinung, wurde wie viele Orte der Neuen Welt nach diesem Heiligtum benannt, in dem Christoph Kolumbus vor seiner Reise um Schutz und Beistand gebetet habe. In der axtekischen Sprache klingt Guadalupe ähnlich wie „Coatlallope“, was „die auf Schlangen tritt“ bedeutet und einen marianischen Bezug (1 Mose 3,13-15) hat. Die Marienerscheinung im mexikanischen Guadalupe löste die größte Konversionswelle in der Geschichte des Christentums aus.
  • Paulinerkloster auf dem Klarenberg und die Schwarze Madonna von Tschenstochau: Das Kloster auf dem Klarenberg (polnisch Jasna Góra) im Tschenstochau (Częstochowa) ist das größte Marienheiligtum Mitteleuropas und ein polnisches Nationalheiligtum. Hier befindet sich das Gnadenbild der Schwarzen Madonna von Tschenstochau, das in Polen als nationales Symbol verehrt wird, zugleich die heiligste Reliquie des Landes sowie ein bedeutendes Wallfahrtsziel darstellt. König Johann III. Sobieski betete hier 1683 für die Rettung Europas vor dem Islam, als er sich zusammen mit polnischen Kräften auf dem Weg zur Befreiung Wiens von der osmanischen Belagerung befand. Die ihm unterstellten Soldaten habe er nach dem Besuch angewiesen, im Namen Marias Gott um Hilfe zu bitten. Den unter seiner Führung erzielten entscheidenden Sieg in der Schlacht am Kahlenberg, der die islamische Bedrohung Mitteleuropas für lange Zeit beendete, führte er später auf das Wirken Marias zurück.
  • Wehrkirchen und Kirchenburgen: Kirchen, die so verstärkt sind, dass sie zur Abwehr von Angriffen sowie als Schutzbauten geeignet sind, bezeichnet man als Wehrkirchen. Ist eine Kirche von einer für Verteidigungszwecke geeigneten Mauer umgeben, die auch andere Wehrbauten umschließt, spricht man von Kirchenburgen. Sie finden sich vor allen an den früheren Kulturgrenzen Europas; insbesondere in Regionen, die islamischen Invasionen ausgesetzt waren wie etwa in Teilen Österreichs und Rumäniens. Dort dienten sie vor allem als Schutzbauten für die Bewohner ihrer Umgebung.

2. Orte mit herausgehobenem Bezug zum christlichen Rittertum

  • Krak des Chevaliers: Die vergleichsweise gut erhaltene Burg auf dem Gebiet des heutigen Syriens trug ursprünglich den Namen „Le Crat“ in Anlehnung an eine arabische Bezeichung des Ortes. Später wurde sie als „Crac de l’Ospital“ bezeichnet und war im 12. und 13. Jahrhundert ein wichtiger Verwaltungssitz sowie Stützpunkt christlicher Ritter in der damaligen Grafschaft Tripolis.
  • Die Marienburg
  • Burg Lahneck: Die Burg befindet sich in Lahnstein (Rheinland-Pfalz. Der Legende nach kämpften hier zwölf Tempelritter, die auch nach der Auflösung ihres Ordens 1312 an diesem festgehalten hätten, bis zum Tod gegen Soldaten, die sie töten oder festnehmen wollten.
  • Templerkirchen und -Kapellen: Es sind eine Reihe von Kirchen und Kapellen der christlichen Tempelritter in Deutschland erhalten geblieben, darunter St. Peter (Roth an der Our) und St. Remigius (Osthofen), Hof Iben (Fürfeld) sowie die Templerkapelle „Unser Lieben Frauen“ in Mücheln. Zudem sind entsprechende Kirchen und Kapellen in London, Metz und Laon erhalten geblieben.

3. Christliche Inseln der Ordnung und des Dienstes im Chaos des untergegangenen Römischen Reiches

  • Iona Abbey: Die 563 gegründete Abtei auf der Insel Iona vor der Westküste Schottlands ist einer der wenigen heute noch erhaltenen Orte im irisch-schottischen Raum, die in der Zeit nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches den chaotischen Bedingungen der damaligen Zeit weitgehend entzogen war und einen Rückzugsraum für christliche Mönche bildete. Diese bewahrten hier Teile des Wissens und der Kultur der Antike und bildeten Missionare aus, die das Christentum in weiten Teilen Europas verbreiteten und Inseln der Ordnung und der Kultur schufen.
  • Bangor Abbey: Die 558 in Nordirland gegründete, auch als „Light of the World“ bekannte Abtei bildete viele der Missionare aus, die das Christentum im Zusammenhang mit den oben beschriebenen Entwicklungen in West- und Nordeuropa verbreiteten. Von der ursprünglichen Anlage ist nur noch wenig erhalten.
  • Abtei Montecassino: Sie wurde im Jahre 529 durch den hl. Benedikt von Nursia errichtet, dessen Benediktinerorden später neben den irisch-schottischen Mönchen das Christentum in Europa verbreitete.
  • Kloster Vivarium: Das 554 von Cassiodor in Süditalien gegründete Kloster spielte eine zentrale Rolle für die Rettung des Wissens der Antike, was Cassiodors erklärtes Ziel war. Die Münche kopierten dazu die noch verfügbaren Schriften, gaben sie weiter und erhielten sie dadurch. Von den in ihrer Bibliothek enthaltenen Schriften konnte der Großteil bis in die Gegenwart überliefert werden. Reste bzw. Grundmauern des Klosters sind erhalten geblieben.

4. Orte der Verehrung von Heiligen des schützenden und bewahrenden Dienstes

  • Machabäerschrein in der Kirche St. Andreas in Köln: Der Schrein enthält der Überlieferung nach die Reliquien der makkabäischen Brüder und ihrer Mutter. Diese lebten vor dem Beginn des jüdischen Aufstands gegen die Fremdherrschaft der Seleukiden und wurden getötet, weil sie sich geweigert hatten, von der “Lebensart ihrer Väter abzufallen” und statt dessen ihr Leben für die “Gesetze unserer Väter” hingaben. Ihre Geschichte ist in 2 Makkabäer 7 überliefert. Ihre Reliquien seien durch Erzbischof Rainald um das Jahr 1164 mit den Reliquien der heiligen drei Könige nach Köln gebracht worden. Sie seien ein Geschenk des Kaisers Barbarossa gewesen. Sie wurden anschließend in der Kirche des Benediktinerinnenklosters zu den Heiligen Makkabäern am Eigelstein aufbewahrt und 1808 nach St. Andreas überführt worden. Der Schrein entstand in den Jahren 1520-1527.

5. Orte des Dienstes des Christentums an der Ordnung Europas

  • Aachener Dom: Ort des Karlskultes und von 936 bis 1531 Krönungsort römisch-deutscher Könige
  • Quedlinburger Dom
  • Kathedrale von Reims: Jahr­hunderte­lang wurden hier die französischen Könige gekrönt

6. Sonstige Orte des schützenden Dienstes des Christentums

  • Löwendenkmal in Luzern: Das Denkmal, das einen sterbenden Löwen zeigt, erinnert an die am 10.08.1792 beim Tuileriensturm in Paris gefallenen Schweizergardisten. Bei der Verteidigung des Tuilerienpalastes gegen angreifende Revolutionäre fielen damals 760 der rund 1000 eingesetzten Schweizergardisten. Das Denkmal wurde nach einem Entwurf des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen geschaffen. Auf ihm ist das Motto „Helvetiorum fidei ac virtuti“ („Der Treue und Tapferkeit der Schweizer“) zu lesen.