Stand: 12.01.2018

  • Das Abendland: Das Abendland ist der kulturell durch das katholische Christentum geformte und durch die griechische und römische Antike sowie durch germanische und keltische Einflüsse geprägte Teil Europas. Es ist zugleich eine die Nationen vereinende und zugleich über sie hinausreichende geistig-religiöse Gemeinschaft.
  • Der Miles Christianus: Das Konzept beschreibt primär das Ideal des asketischen Christen, der einen inneren Kampf um das Heil seiner Seele führt, etwa im Rahmen des Mönchtums. Gregor VII. verwendete den Begriff des „Miles Christi“ erstmals zur Beschreibung christlicher Soldaten, die einen gerechten Krieg zur Verteidigung des Christentums führen. In diesem Zusammenhang beschreibt der Begriff im Rahmen des Konzepts des Rittertums das Ideal des Christen, welcher dem Christentum und der Kirche schützend und verteidigend dient und dafür ebenfalls asketische Tugend entwickeln muss. Der Begriff des „Miles Christi“ wurde ursprünglich zur Bezeichnung von Mönchen verwendet.
  • Das Rittertum: Das Rittertum ist das christliche Soldatentum. Seine Aufgabe war es, das Christentum, die Kirche und schutzbedürftige Menschen zu schützen und zu verteidigen, wie es die Zeremonie „ad benedicendum novum militem“ beschreibt. Das Tugend- und Haltungsideal des Rittertums ist dabei anders als die militärischen und politischen Formen seiner historischen Gestaltung zeitlos und wirkt bis in die Gegenwart nach. Dem Historiker Christopher Dawson zufolge habe das Christentum mit dem Rittertum einen „geistigen Urtyp“ geschaffen, der alte nordische Kriegertraditionen in spezifisch christliche Formen überführt habe. So sei etwas das Prinzip der Treue gegenüber einer Sippe oder im Rahmen eines persönlichen Gefolgschaftsverhältnisses in das Prinzip der Treue gegenüber Gott und der Christenheit überführt worden, was eine Art religiösen Patriotismus geschaffen habe. Erzbischof Turpin sagt im Rolandslied an Roland gerichtet, dass es beim Dienst des Ritters um den Kampf zur Erhaltung des Christentums gehe. Wer dabei falle, sei ein Märtyrer. Mit solchen Vorstellungen habe das Rittertum das kämpferische Ethos des Kriegers mit den Idealen des Christentumstums verbunden. Die Wurzeln des Rittertums liegen zudem vermutlich im sehr alten, in indoeuropäischen Kulturen entstandenen Konzept der trifunktionalen Gliederung von Gesellschaften in Geistliche, Kämpfer und Bauern.
  • Der Gottesfrieden: Im Mittelalter begann die Kirche angesichts des Versagens weltlicher Autoritäten in diesem Bereich vermutlich zunächst auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs damit, die Menschen, die sich nicht selbst vor Bewaffneten schützen konnten, unter ihren Schutz zu stellen. Dies betraf neben Geistlichen auch Bauern, Kaufleute und Frauen. Diejenigen, die Übergriffe gegen die begangen, belegte sie mit Kirchenstrafen. Zudem verpflichtete sie Bewaffnete darauf, ihre Waffen nur zu schützendem Dienst einzusetzen. Dem Historiker Alain Demurger zufolge habe das Christentum dadurch dem schlechten Krieg den Krieg erklärt.
  • Die Ökumene des Blutes: Das Konzept wurde 2016 in einer gemeinsamen Erklärung von Papst Franziskus und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill beschrieben. Demnach würden die Feinde des Christentums ihren Vernichtungswillen gegen das Christentum als solches richten und nicht zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen unterscheiden. Im Angesicht feindlicher Angriffe seien konfessionelle Streitigkeiten daher unangemessen. Papst Franziskus: „Wenn uns der Feind im Tod vereint, wie kommen wir dazu, uns im Leben zu trennen?
  • Die Kreuzzüge: Die im Zeitraum zwischen 1095 bis 1291 durchgeführten Kreuzzüge sind als der letztlich fehlgeschlagene Versuch, die islamischen Eroberungszüge in Richtung des christlichen Kulturraumes einzudämmen und zurückzudrängen, differenziert zu betrachten. Anlass waren Versuche der islamischen Eroberer zur Vernichtung der heiligen Stätten des Christentums in Jerusalem sowie zur Unterbindung von Pilgerfahrten. Darüber hinaus waren sie eine Antwort auf Christenverfolgungen und auf ein Unterstützungsuntersuchen des bedrängten Byzantinischen Reiches, was die Kreuzzüge zu einem Vorläufer der humanitären Interventionen der Gegenwart macht. Die Kreuzzüge waren dabei grundsätzlich defensiv angelegt. Der Historiker Egon Flaig sah 2006 in den Kreuzzügen trotz mancher in ihrem Rahmen beobachteten Fehlentwicklungen (etwa der Plünderung Konstantinopels entgegen des Befehls des Papstes im vierten Kreuzzug) insgesamt eine positiv zu bewertende Leistung, welche die islamische Expansionsbewegung in Richtung Europa über mehrere Jahrhunderte unterband und so dazu beitrug, das sich hier die abendländische Synthese aus antikem und christlichem Denken herausbilden konnte. Das moderne Europa verdanke den Kreuzzügen ähnlich viel wie den griechischen Abwehrkämpfen gegen die Perser. Johann Wolfgang von Goethe, der dem Christentum ansonsten distanziert gegenüberstand, würdigte die Kreuzzüge ausdrücklich als historische Leistung: “Indessen bleiben wir allen aufgeregten Wall- und Kreuzfahrern zu Dank verpflichtet, da wir ihrem religiösen Enthusiasmus, ihrem kräftigen, unermüdlichen Widerstreit gegen östliches Zudringen doch eigentlich Beschützung und Erhaltung der gebildeten europäischen Zustände schuldig geworden.” Dem Historiker Christopher Dawson zufolge habe der Beginn der Kreuzzüge einen Wendepunkt in der abendländischen Geschichte markiert: „In diesem Augenblick enden die langen Jahrhunderte der Schwäche, der Isolierung und der kulturellen Unterlegenheit, als die neuen Völker der westlichen Christenheit zu den alten Zentren der östlichen Mittelmeerkultur zurückkehren.“
  • Der „Athleta Christi“: Der Ehrentitel Athleta Christi (lateinisch für „Kämpfer Christi“) wurde im 15. Jahrhundert von den Päpsten an Personen verliehen, die sich besonders um die militärische Verteidigung des Christentums gegen das Osmanische Reich verdient gemacht hatten. Zu den Ausgezeichneten zählen u.a. Johann Hunyadi und Georg Kastriota.
  • Das „Bollwerk der Christenheit“ (Antemurale Christianitatis): Der Begriff bezeichnet die europäischen Grenzgebiete des Christentums, die Angriffen nichtchristlicher Angreifer ausgesetzt waren. Leo X. bezeichnete mit diesem Begriff 1519 die Kroaten, die Invasionen des Osmanischen Reiches in Richtung Mitteleuropa über lange Zeiträume und unter großen Opfern. erfolgreich Widerstand leisteten. Das 16. und 17. Jahrhundert wurde wegen der fortgesetzten Angriffe der Osmanen nach einem 1703 erschienenen Gedicht Paul Ritter-Vitezovićs als Plorantis Croatiae saecula duo („die zwei traurigen Jahrhunderte Kroatiens“) bekannt. Pius II. hatte den Begriff zuvor zur Bezeichnung Albaniens verwendet, das unter Skanderbeg den Osmanen Widerstand leistete.
  • Das geheime Deutschland: Das Konzept beschreibt die Werke und Ideale deutscher Kultur christlich-abendländischen Geistes, die durch die Jahrhunderte hindurch entstanden, sich dabei aufeinander bezogen und aufeinander aufbauten und dadurch ein unsichtbares, geistiges Deutschland schufen. Es beschreibt auch seine Träger, die oft im Gegensatz zu den politischen und gesellschaftlichen Erscheinungen der Zeit und Umstände standen, in der sie lebten und wirkten. Das Konzept spielte dementsprechend im militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus eine wichtige Rolle. „Es ist die geheime Gemeinschaft der Dichter und Weisen, der Helden und Heiligen, der Opferer und Opfer, welche Deutschland hervorgebracht hat und die Deutschland sich dargebracht haben […]. Es ist […] ein Geisterreich wie der mittelalterliche Heiligen- und Engelsstaat, ist ein Menschenreich wie Dantes als ‚Humana civilitas‘ erschaute Jenseitswelt der drei Bezirke […] es ist die in Stufen und Ränge geordnete Heroenwelt des heutigen, des künftigen und des ewigen Deutschland.“ (Ernst Kantorowicz)
  • Das christliche Königtum: Im Mittelalter entstand die Vorstellung, dass politische Herrschaft sich durch ihre Einfügung in die Ordnung Gottes legitimiere. Könige würden ihre Legitimität von Gott erhalten, weshalb ihre Aufgaben auch die Verteidigung des Christentums und der Schutz des Friedens seien. Ihre Erhebung war mit kirchlichen Formen wie etwa bei Salbung und Krönung verbunden. Ihre Herrscherinsignien waren von christlicher Symbolik geprägt.
  • Die Reichsidee: Das Ideal einer völkerübergreifenden politischen Einheit auf Grundlage christlicher Ordnungsvorstellungen und Kultur entstand zur Karolingerzeit. Es geht auf den römischen Reichsgedanken zurück und lebt im christlich-konservativen Ideal der europäischen Einheit fort.
  • Das Grabmal des unbekannten Soldaten: Das Konzept ist im ganzen europäischen Kulturraum verbreitet und beruht auf christlichen Vorstellungen über den moralischen Rang des Dienstes unter Opfern. Die Grabstätten enthalten die Gebeine von Soldaten, deren Namen nicht bekannt bzw. nur Gott bekannt ist, wie auf vielen Inschriften vermerkt ist. Das entsprechende Grabmal steht somit symbolisch für alle Menschen, die im schützenden Dienst an einem Gemeinwesen den Tod fanden, weshalb ihnen besondere Achtung gebührt. In Großbritannien befindet sich das Grabmal des unbekannten Soldaten im Eingangsbereich der Westminster Abbey im Mittelgang, so dass jeder, auch die Mitglieder der königlichen Familie, bei offiziellen Anlässen um das Grab herumgehen und dem unbekannten Soldaten seine Ehre erweisen muss. In einigen Staaten wird dem Bestattetem posthum die höchste Tapferkeitsauszeichnung verliehen, während in anderen die Ehrenwache keine Dienstgradabzeichen trägt um anzuerkennen, dass diejenigen, die dienend ihr Leben gaben, grundsätzlich im Rang über anderen stehen.
  • Der Gentleman: Das im ganzen europäischen Kulturraum verbreitete Konzept geht auf Vorstellungen des Rittertums zurück