Stand: 12.01.2018

Muslime traten in der Geschichte nicht nur als Herausforderer des Christentums in Erscheinung. Insbesondere in Ost- und Südosteuropa wirkten Muslime in einigen Fällen auch unterstützend an der Verteidigung des christlichen Europas mit.

  • Die Lipka-Tataren: Bei den Lipka-Tataren handelt es sich um die Nachkommen von Angehörigen muslimischer Turkvölker, die sich ab dem Ende des 14. Jahrhunderts zunächst auf Einladung des litauischen Großfürsten Vytautas auf dem Gebiet des heutigen Litauen und Polen ansiedelten. Sie zeichneten sich sich durch besondere Leistungen bei der Verteidigung der christlichen Gemeinwesen aus, in denen sie lebten, wobei sie vor allem Kavallerie stellten. Ihr militärischer Beitrag spielte vor allem bei der Abwehr osmanischer Invasionen eine Rolle. So dienten etwa im deutsch-polnischen Entsatzheer, das 1683 in der Schlacht am Kahlenberg unter der Führung von König Johann III. Sobieski osmanische Vorstöße nach Mitteleuropa vor Wien dauerhaft zum Stehen brachte, mehrere Regimenter von Lipka-Tataren. Bis heute leben einige tausend weiterhin muslimische Lipka-Tataren in Polen, Litauen und Weißrussland, wo sie überwiegend die christlich-europäische Kultur der ihnen zur Heimat gewordenen Länder angenommen haben und als kulturell vollständig integriert gelten.
  • Der Schutzbrief des Mohammed: Der Überlieferung nach habe der islamische Prophet im Jahr 628 einen Schutzbrief an das griechisch-orthodoxe Katharinenkloster auf dem Sinai in Ägypten ausgestellt. Der Text des Briefes erwähnt einen Bund Mohammeds mit allen Christen und eine allgemeinen Zusage, dass er und seine Anhänger Christen und das Christentum als Verbündete betrachten und verteidigen würden. Das Schreiben endet mit dem Verweis, dass dieser Bund für alle Zeiten gelte. Die Authentizität des Schreibens, dessen mutmaßliches Original im Topkapi-Museum in Istanbul aufbewahrt wird, ist fraglich, auch weil dieses am Beginn der militärischen Expansion des frühen Islams im christlichen Kulturraum entstanden wäre,, was seinem Inhalt widerspricht. Zudem gibt es gegenläufig interpretierte Aussagen im Koran sowie die ebenfalls dem Inhalt entgegenstehende Praxis der Duldung von Christen ausschließlich im Rahmen eines Unterordnungsverhältnisses („Dhimma“). Auf das Katharinenkloster bezogen wurde sein Inhalt aber von Muslimen allgemein anerkannt, bis militante Islamisten das Kloster 2017 angriffen. Es gibt es islamische Ansätze, den Inhalt des Dokuments als Grundlage für ein nicht auf Gegnerschaft oder der Forderung nach Unterordnung beruhendes Verhältnis zum Christentum zu betrachten.