Stand: 25.01.2018

Das katholische Christentum hat eine große Zahl von Heiligen hervorgebracht, die vielfältige Bezüge zur christlichen Spiritualität sowie zum christlichen Kulturerbe des schützenden und bewahrenden Dienstes aufweisen. Die Bandbreite reicht dabei von der Marienverehrung im Zusammenhang mit der Verteidigung des christlichen Europas bis zu zahllosen Märtyrern, die ihr Leben hingaben, weil sie auch im Angesicht von Verfolgung am Glauben festhielten.

Heilige sind nach katholischem Verständnis verehrungswürdige Menschen, die ein radikales, religiös vorbildliches Leben geführt haben. Es handelt sich bei ihnen um Menschen die große Taten auf einem besonderen Gebiet hervorbrachten, sich durch heroische Tugend auszeichneten oder besonders glaubensstark waren. Viele Heilige waren Märtyrer und Asketen.

1. Maria, die Hilfe der Christen

Sie entschied sich dazu, in den Dienst Gottes einzutreten, und führte gehorsam den wichtigsten Auftrag aus, den jemals ein Mensch erhalten wird. Das Reich des Sohnes, den sie gebar, wird kein Ende haben. Sie ist gesegnet unter den Frauen, und sie preisen selig alle Geschlechter, denn der Mächtige hat Großes an ihr getan. „Wer ist sie, die hervorglänzt wie das Morgenrot, schön wie der Mond, klar wie die Sonne, furchtgebietend wie Heerscharen mit Kriegsbannern?“ (Hoheslied 6,10)

Marienverehrung hat einen engen Bezug zur Spiritualität des schützenden Dienstes. Schon früh wurde Maria unter dem Titel „Hilfe der Christen“ angerufen. Das älteste bekannte Mariengebet, dessen Entstehung sich bis ins 3. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, zeigt Maria als Schutzfrau und Helferin der Gläubigen.

Marienverehrung spielte bei der Verteidigung des Christentums eine wichtige Rolle; insbesondere bei der Verteidigung des christlichen Europas gegen islamische bzw. arabische und osmanische Invasionen. So begann etwa die Reconquista auf der spanischen Halbinsel um das Jahr 722 am Marienheiligtum Covadonga, als der Heerführer Pelagius von Asturien dort um Beistand bat. Auch die erfolgreiche Abwehr osmanischer Invasionen, etwa im Rahmen entscheidender Ereignisse wie der Seeschlacht von Lepanto 1571 oder der Beendigung der Belagerung Wiens 1683, steht in einem engen Zusammenhang mit der Verehrung Marias.

2. Sonstige Heilige

Einen allgemeinen Bezug zum schützenden Dienst des Christen haben die folgenden katholischen Heiligen.

  • Johannes Paul II. (1920-2005): Geistiger Führer des Westens bei dessen Verteidigung gegen die Herausforderung durch die totalitären Ideologien der Moderne
  • Josemaría Escrivá (1902-1975): Vordenker einer männlichen Spiritualität des tätigen Dienstes und Gründer des Opus Dei
  • Die Märtyrer des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Deutschland (1933-1945): Das „Martyrologium Germanicum“ erfasst 415 katholische deutsche Märtyrer, die neben den vielen Märtyrern anderer Konfessionen und denen aus anderen Ländern Europas durch Nationalsozialisten wegen ihres Glaubens getötet wurden. Es enthält unter anderem Mitglieder der Weißen Rose und des Kreisauer Kreises. Zu den bislang heiliggesprochenen Märtyrern des Widerstands gehört u.a. Alfred Delp.
  • Maximilian Kolbe (1894-1941): Der unbesiegte Märtyrer von Auschwitz, der ursprünglich Soldat werden wollte und die Militia Immaculatae gründete, ist einer der bekanntesten katholischen Heiligen des 20. Jahrhunderts. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13)
  • Die Märtyrer des Widerstands gegen den Kommunismus in Spanien (1936-1939): Über 6.000 Bischöfe, Priester, Ordensleute und katholische Laien wurden im spanischen Bürgerkrieg von Kommunisten wegen ihres Glaubens getötet. Die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus haben bislang über eintausendsiebenhundert von ihnen selig- und elf heiliggesprochen. Bei weiteren zweitausend Märtyrern lief das Seligsprechungsverfahren 2017 noch. Die Seligsprechung von 522 der Märtyrer im Auftrag von Papst Franziskus im Oktober 2013 war die größte Seligsprechungsfeier in der Geschichte der katholischen Kirche. Von dem zum Zeitpunkt seines Todes jüngsten dieser Heiligen, Bartolomé Blanco, sind diese letzten Worte überliefert: „Wer für Jesus Christus stirbt, sollte dies mit dem Gesicht nach vorne und in aufrechter Haltung tun. Lang lebe Christus der König!“
  • José Sánchez del Río (1913-1928): Er kämpfte während der Guerra Cristera auf Seiten der Cristeros gegen das christenfeindliche Calles-Regime in Mexiko. Nach seiner Gefangennahme versuchte man, ihn durch Folter zur Verleugnung seines Glaubens zu zwingen, was nicht gelang.
  • Louis-Marie Grignion de Montfort (1673-1716): Vordenker einer agonalen marianischen Spiritualität
  • Juan de Ribera (1533-1611): Der Erzbischof von Valencia vermittelte als Missionar das Christentum den nach der Befreiung von der islamischen Besatzung in Spanien verbliebenen Muslimen und organisierte die Umsiedlung derjenigen, welche die Integration in das christliche Spanien verweigerten, nach Nordafrika in den Jahren ab 1609. Pius V. nannte ihn ein „Licht für ganz Spanien“. Er wurde 1960 heiliggesprochen, und sein Gedenktag ist der 6. Januar.
  • Pius V. (1504-1572): Er wurde 1712 heiliggesprochen, wofür auch der als wundersam angesehene Sieg der Heiligen Liga über das Osmanische Reich in der Seeschlacht von Lepanto vom 7. Oktober 1571 eine zentrale Rolle spielte. Dieser Sieg rettete das christliche Europa vor der osmanischen Bedrohung. Man führte diesen auf die Hilfe der Muttergottes, der „Mutter vom großen Sieg“, zurück. Pius V. hatte zu entsprechenden Gebeten aufgerufen und zudem die Heilige Liga europäischer Staaten zur Abwehr dieser Bedrohung ins Leben gerufen, was zuvor als politisch unmöglich gegolten hatte. G.K. Chesterton würdigte seinen Einsatz im Gedicht „Lepanto“.
  • Ignatius von Loyola (1491-1556): Ritter, Vordenker einer soldatisch-geprägten Spiritualität und Gründer des Jesuitenordens
  • Die Märtyrer von Otranto (1480): 800 Süditaliener, die sich nach der Eroberung ihrer Stadt durch Muslime weigerten, zum Islam zu konvertieren. Sie waren „gehorsam bis zum Tod“ (Phil 2,8) und wurden 2013 von Papst Franziskus heiliggesprochen.
  • Johannes von Capestrano (1386-1456): Der franziskanische Ordenspriester und Wanderprediger engagierte sich nach dem Fall Konstantinopels in besonderem Maße für die Mobilisierung von Verteidigung gegen die osmanische Bedrohung Europas. So führte er etwa den Reichsfürsten auf mehreren Reichstagen die drohende Gefahr vor Augen. Einer Predigt, welche die fast schon geschlagenen Verteidiger Belgrads im Jahre 1456 gestärkt habe, wird deren Sieg über die Angreifer und die damit verbundene Rettung Europas zugeschrieben.
  • Ludwig IX. von Frankreich (1214-1270): Er gilt als einer der bedeutenden europäischen Monarchen des Mittelalters, und die Zeit seiner Herrschaft blieb als „goldenes Zeitalter“ in Erinnerung. Er war ein Verteidiger des Glaubens und der Kirche u.a. während der Katharer-Krise, führte zwei Kreuzzüge an und galt unter den Königen Europas wegen seiner moralischen Integrität als primus inter pares sowie als „ungekrönter Kaiser des Abendlandes“. Unter seiner Führung wurden Kathedralen errichtet, Universitäten wie die Sorbonne gegründet, Verwaltung und Justiz reformiert und das Heilige Land befestigt. Sein Leben war von tiefer Frömmigkeit und strenger Askese gekennzeichnet, und er galt als Idealtyp des christlichen Königs, der Disziplin, Vernunft, Tapferkeit und ritterliche Haltung in sich vereinte.
  • Simone Martini – Die heilige Klara (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

    Klara von Assisi (1194-1253): Die aus einem adligen Elternhaus stammende Heilige entschloss sich, nachdem sie eine Predigt des hl. Franz von Assisi gehört hatte, im Alter von 18 Jahren zu einem Leben in radikaler Armut in der Nachfolge Christi. Im Jahre 1240 trat sie der Überlieferung nach muslimischen Invasoren, die auf ihren Plünderungszügen das Kloster San Damiano in Assisi angriffen, mit einer Monstranz entgegen, woraufhin diese ihren Angriff abgebrochen hätten. Zuvor habe sie das folgende Gebet gesprochen: „Ich bitte Dich, mein Herr, dass es Dir gefalle, dass diese Deine armen Dienerinnen, die Du, Herr, meiner Obhut anvertraut hast, mir weggenommen und nicht aus der Hand gerissen werden, damit sie nicht in die Hände und die Grausamkeit dieser Ungläubigen und Heiden gelangen; zudem bitte ich Dich, mein Herr, dass Du auf sie behütest, da ich sie ohne Dich nicht behüten kann, ganz besonders in diesem bitteren Moment.“ Die Stimme eines Kindes habe ihrem Gebet aus dem Tabernakel heraus geantwortet: “Ich werde euch immer beschützen”.

  • Franz von Assisi: (ca. 1181-1226): Dem Religionswissenschaftler Lawrence Cunningham zufolge habe der Heilige sich und seine Ordensbrüder als Ritter betrachtet, die einen geistlichen Kreuzzug führen würden. Er betrachtete zudem diejenigen, die im Kampf zur Verteidigung des Christentums getötet wurden, als Märtyrer. In seinem Orden war die Bereitschaft verbreitet, in Folge der geistlichen Herausforderungen des Islams zum Märtyrer zu werden. In diesem Zusammenhang beteiligte auch er sich als Missionar an den Kreuzzügen, wobei es ihm gelang, zum Führer der islamischen Armee in Ägypten, dem Sultan al-Kamil, vorzudringen. Durch die Bekehrung al-Kamils wollte er den Konflikt beenden.
  • Bernhard von Clairvaux (1090-1153): Der aus dem burgundischen Hochadel stammende hl. Bernhard war Sohn des Ritters Tecelin und trat im Jahre 1112 trat er in das Kloster Cîteaux ein. Kurz darauf wurde er zum Vorsteher der Abtei von Clairvaux ernannt, die sich unter seiner Leitung zur bedeutendsten Abtei des Ordens entwickelte. Unter seiner Führung wurden über 300 neue Klöster des Ordens gegründet, dessen Leiter er schließlich wurde. In seinen Predigten setzte er sich vor dem Hintergrund der Herausforderung der Bedrohung durch den Islam auch mit den militärischen Aspekten des Christentums auseinander und war zudem ein Vordenker des ritterlichen Ideals und des christlichen Soldatentums.
  • Die Ebstorfer Märtyrer (880): 879 fielen heidnische Normannen im Zuge der Wikingerüberfälle in Niedersachsen ein und griffen die dort lebenden Christen an. Unter der Führung von Herzog Bruno von Sachsen und mehrerer Bischöfe stellte sich ihnen am 02. Februar 880 mutmaßlich im Raum Stade ein christliches Heer entgegen, das von den Normannen geschlagen wurde. Die Gefallenen wurden als Märtyrer heiligesprochen, darunter auch Bruno von Sachsen sowie die Bischöfe Theoderich und Markward. Insgesamt sind 32 der Heiligen namentlich bekannt. Um die Schlacht und die Märtyrer bildeten sich zahlreiche Legenden.
  • Benedikt von Nursia (ca. 480-547): Ordensgründer und „Vater Europas“, dessen Orden im Chaos nach dem Untergang des Römischen Reiches das „Licht der Welt“ (Mt 5,14) war.
  • Augustinus von Hippo (354-430): Der Philosoph und Theologe formulierte die christliche Lehre des gerechten Krieges
  • Simon Petrus (gest. ca. 67): Der Apostel wurde von Jesus Christus berufen und erhielt später von diesem einen besonderen Auftrag („Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen […].“) Es gilt als Gründer und erster Leiter der christlichen Gemeinde in Rom, wo er vermutlich als Märtyrer starb. Dem Neuen Testament zufolge war er zu schwach, sein Versprechen bedingungsloser Gefolgschaft gegenüber Jesus Christus zu halten und verleugnete ihn drei Mal, doch bei dessen Gefangennahme im Garten Gethsemane versuchte er, Jesus Christus mit seinem Schwert zu verteidigen.
  • Stephanus (ca. 1-36): Der erste Märtyrer des Christentums wurde getötet, nachdem er eine Verteidigungsrede zugunsten des Christentums gehalten hatte.
  • Joseph von Nazareth: Er führte ähnlich wie Maria ein dienendes Leben im Gehorsam gegenüber Gott und war der Beschützer zunächst Marias und später der Familie Jesu unter den gefährlichen Bedingungen (etwa der Verfolgung durch Herodes), die in den Evangelien beschrieben sind. Er war ein Mann der Tat, von dem kein einziges Wort überliefert ist, ohne dessen schützenden Dienst das wichtigste Geschehen in der Geschichte der Menschheit jedoch nicht möglich gewesen wäre.
  • Die makkabäischen Brüder und ihre Mutter (ca. 167 v. Chr.) Die sieben Brüder und ihre Mutter wurden der Überlieferung nach getötet, weil sie sich im Zuge der seleukidischen Anstrengungen zur Vernichtung der jüdischen Religion weigerten, von der “Lebensart ihrer Väter abzufallen”. Ihre Geschichte ist in 2 Makkabäer 7 überliefert. Sie hätten Leib und Leben für die “Gesetze unserer Väter” hingegeben, einander ermutigt, “in edler Haltung zu sterben” und dem fremden König Antiochus IV. angekündigt, dass ihr Volk nicht von Gott verlassen sei und er dessen “gewaltige Kraft spüren” werde, “wenn er dich und deine Nachkommen züchtigt”, denn er habe es  “gewagt, mit Gott zu kämpfen.” Im Anschluss daran wird der Beginn des Aufstands des Judas Makkabäus gegen die Seleukiden beschrieben. Die Brüder und ihre Mutter werden in der katholischen Kirche als Heilige bzw. als vorchristliche Märtyrer verehrt, deren Geschichte als Parallele zur Passion Christi und seiner Mutter Maria verstanden wird.

3. Soldatenheilige

Carlos Múgica y Pérez – Der hl. Ferdinand III. (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Das katholische und das orthodoxe Christentum verehren Soldatenheilige, die ein soldatisch geprägtes, christliches Leben führten.

Während es sich bei den meisten der katholischen Soldatenheiligen primär um Märtyrer handelte, die wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt und getötet wurden, spielt im orthodoxen Christentum die Betonung schützenden Dienstes im Zusammenhang mit Soldatenheiligen eine größere Rolle.

Dies hat auch historische Gründe, da das orthodoxe Christentum aufgrund der geographischen Lage seines Verbreitungsraums historisch in größerem Umfang Ziel von militärischen Angriffen war.

Im katholischen Christentum sind im Zusammenhang mit schützendem Dienst vor allem die folgenden Soldatenheiligen zu nennen:

  • Johanna von Orléans (1412-1431): Die Rettung Frankreichs war unmittelbarer Gegenstand ihrer Berufung, der sie durch den Dienst als Soldatin folgte.
  • König Ferdinand III. von Kastilien (1199-1252): Er habe sich durch besondere Frömmigkeit ausgezeichnet und diente zunächst als Ritter. Als König vereinte er die spanischen Königreiche Kastilien, Léon, Asturien, Galicien und Kastilien und schuf dadurch eine der Voraussetzungen für die Befreiung der iberischen Halbinsel von der islamischen Herrschaft. Als militärischer Führer war er zudem in vielen Schlachten gegen muslimische Heere siegreich, befreite weite Teile der Halbinsel, veranlasste die Auswanderung der muslimischen Besatzer aus den befreiten Gebieten und ermöglichte die Wiederansiedlung von Christen dort. Bereits zu Lebzeiten wurde er als Heiliger verehrt. Sein unverwester Leichnam befindet sich in der Kathedrale von Sevilla. 1671 wurde er von Papst Klemens X. heiliggesprochen.
  • Herzog Bruno von Sachsen (ca. 830-880): Er fiel als Heerführer zusammen mit den als „Ebstorfer Märtyrer“ bekannten Adeligen und Kriegern in der Normannenschlacht in der Lüneburger Heide im Jahre 880 beim Versuch, eine Invasion heidnischer Normannen abzuwehren.