Stand: 30.12.2018

Das katholische Christentum hat eine große Zahl von Heiligen hervorgebracht, die vielfältige Bezüge zur christlichen Spiritualität sowie zum christlichen Kulturerbe des schützenden und bewahrenden Dienstes aufweisen. Die Bandbreite reicht dabei von der Marienverehrung im Zusammenhang mit der Verteidigung des christlichen Europas bis zu zahllosen Märtyrern, die ihr Leben hingaben, weil sie auch im Angesicht von Verfolgung am Glauben festhielten.

Heilige sind nach katholischem Verständnis verehrungswürdige Menschen, die ein radikales, religiös vorbildliches Leben geführt haben. Es handelt sich bei ihnen um Menschen die große Taten auf einem besonderen Gebiet hervorbrachten, sich durch heroische Tugend auszeichneten oder besonders glaubensstark waren. Viele Heilige waren Märtyrer und Asketen.

1. Katholische Heilige mit allgemeinem Bezug zum schützenden Dienst

Einen allgemeinen Bezug zum schützenden Dienst des Christen haben die folgenden katholischen Heiligen.

  • Johannes Paul II. (1920-2005): Geistiger Führer des Westens bei dessen Verteidigung gegen die Herausforderung durch die totalitären Ideologien der Moderne
  • Die Märtyrer des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Deutschland (1933-1945): Das „Martyrologium Germanicum“ erfasst 415 katholische deutsche Märtyrer, die neben den vielen Märtyrern anderer Konfessionen und denen aus anderen Ländern Europas durch Nationalsozialisten wegen ihres Glaubens getötet wurden. Es enthält unter anderem Mitglieder der Weißen Rose und des Kreisauer Kreises. Zu den bislang heiliggesprochenen Märtyrern des Widerstands gehört u.a. Alfred Delp.
  • Maximilian Kolbe (1894-1941): Der unbesiegte Märtyrer von Auschwitz, der ursprünglich Soldat werden wollte und die Militia Immaculatae gründete, ist einer der bekanntesten katholischen Heiligen des 20. Jahrhunderts. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13)
  • Die Märtyrer des Widerstands gegen den Kommunismus in Spanien (1936-1939): Über 6.000 Bischöfe, Priester, Ordensleute und katholische Laien wurden im spanischen Bürgerkrieg von Kommunisten wegen ihres Glaubens getötet. Die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus haben bislang über eintausendsiebenhundert von ihnen selig- und elf heiliggesprochen. Bei weiteren zweitausend Märtyrern lief das Seligsprechungsverfahren 2017 noch. Die Seligsprechung von 522 der Märtyrer im Auftrag von Papst Franziskus im Oktober 2013 war die größte Seligsprechungsfeier in der Geschichte der katholischen Kirche. Von dem zum Zeitpunkt seines Todes jüngsten dieser Heiligen, Bartolomé Blanco, sind diese letzten Worte überliefert: „Wer für Jesus Christus stirbt, sollte dies mit dem Gesicht nach vorne und in aufrechter Haltung tun. Lang lebe Christus der König!“
  • José Sánchez del Río (1913-1928): Er kämpfte während der Guerra Cristera auf Seiten der Cristeros gegen das christenfeindliche Calles-Regime in Mexiko. Nach seiner Gefangennahme versuchte man, ihn durch Folter zur Verleugnung seines Glaubens zu zwingen, was nicht gelang.
  • Louis-Marie Grignion de Montfort (1673-1716): Vordenker einer agonalen marianischen Spiritualität
  • Laurentius von Brindisi (1559-1619): Er unterstützte 1601 kaiserliche Truppen in Kämpfen gegen osmanische Kräfte bei Stuhlweißenburg
  • Juan de Ribera (1533-1611): Der Erzbischof von Valencia vermittelte als Missionar das Christentum den nach der Befreiung von der islamischen Besatzung in Spanien verbliebenen Muslimen und organisierte in den Jahren ab 1609 die Umsiedlung derjenigen, die am Islam festhielten, nach Nordafrika. Pius V. nannte ihn ein „Licht für ganz Spanien“. Er wurde 1960 heiliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 6. Januar.
  • Pius V. (1504-1572): Er wurde 1712 heiliggesprochen, wofür auch der als wundersam angesehene Sieg der Heiligen Liga über das Osmanische Reich in der Seeschlacht von Lepanto vom 7. Oktober 1571 eine zentrale Rolle spielte. Dieser Sieg rettete das christliche Europa vor der osmanischen Bedrohung. Man führte diesen auf die Hilfe der Muttergottes, der „Mutter vom großen Sieg“, zurück. Pius V. hatte zu entsprechenden Gebeten aufgerufen und zudem die Heilige Liga europäischer Staaten zur Abwehr dieser Bedrohung ins Leben gerufen, was zuvor als politisch unmöglich gegolten hatte. G.K. Chesterton würdigte seinen Einsatz im Gedicht „Lepanto“.
  • Ignatius von Loyola (1491-1556): Ritter, Vordenker einer soldatisch-geprägten Spiritualität und Gründer des Jesuitenordens
  • Niklaus von Flüe (1417-1487): Der Schweizer Mystiker und Asket beteiligte sich vermutlich im Rang eines „Rottmeisters“, der für acht bis zwölf Soldaten verantwortlich war, an der Verteidigung seiner Heimat. In seinem Dienst verzichtete er auf damals übliche Plünderungen und Gräueltaten. 1460 schützte er das von Beginen betrieben Kloster St. Katharinental vor der Brandschatzung. 1481 gelang es durch seine Vermittlung, einen Bürgerkrieg und das Auseinanderbrechen der Eidgenossenschaft zu verhindern. Am 13.05.1940 beobachteten zahlreiche Augenzeugen unmittelbar nach Beginn des deutschen Vorgehens gegen die Benelux-Staaten und Frankreich im Raum Waldenburg eine leuchtende Hand am Himmel, die als die schützende Hand des später heiliggesprochenen Niklaus von Flüe gedeutet wurde.1. Er ist der Schutzpatron der Schweiz und der Schweizergarde.
  • Die Märtyrer von Otranto (1480): Die Märtyrer von Otranto werden in der katholischen Kirche als Heilige verehrt. Ihr Gedenktag in der Liturgie ist der 14. August. Zu Beginn des Otranto-Feldzuges landeten osmanische Streitkräfte unter dem Befehl von Gedik Ahmed Pascha am 28. Juli 1480 in Apulien. Dort zogen sie vor die Stadt Otranto und forderten deren Übergabe. Als die Bevölkerung die Kapitulation verweigerte und sich in die Zitadelle zurückzog, begann die Belagerung der Stadt, welche am 11. August 1480 mit ihrer Einnahme endete. Der städtische Klerus und einige hundert Menschen flüchteten sich in die Kathedrale von Otranto. Zu ihnen gehörte auch Erzbischof Stefano Pendinelli. Die Osmanen forderten sie auf, zum islamischen Glauben zu konvertieren, was von den eingeschlossenen Christen abgelehnt wurde. Daraufhin wurden sie in der Kathedrale ermordet. Dem Schneider Antonio Pezzulla war die Führung der Stadt übertragen worden. Als auch er den Befehl zum Glaubensübertritt verweigerte, wurde er am 14. August gemeinsam mit mindestens 800 weiteren Menschen hingerichtet. Bei seiner Enthauptung soll sich das Wunder ereignet haben, dass sein Körper nach der stehenden Enthauptung nicht zusammenbrach und es auch dem Henker nicht gelang, seinen leblosen Leib umzuwerfen. Die Massentötungen waren vermutlich ein Akt zur Einschüchterung der Bevölkerung Süditaliens, der das weitere Vordringen der Invasoren erleichtern sollte. Tatsächlich führte dieses Vorgehen jedoch zu einer Einigung des Widerstandes gegen sie.
  • Johannes von Capestrano (1386-1456): Der franziskanische Ordenspriester und Wanderprediger engagierte sich nach dem Fall Konstantinopels in besonderem Maße für die Mobilisierung von Verteidigung gegen die osmanische Bedrohung Europas. So führte er etwa den Reichsfürsten auf mehreren Reichstagen die drohende Gefahr vor Augen. Einer Predigt, welche die fast schon geschlagenen Verteidiger Belgrads im Jahre 1456 gestärkt habe, wird deren Sieg über die Angreifer und die damit verbundene Rettung Europas zugeschrieben.
  • Ludwig IX. von Frankreich (1214-1270): Er gilt als einer der bedeutenden europäischen Monarchen des Mittelalters, und die Zeit seiner Herrschaft blieb als „goldenes Zeitalter“ in Erinnerung. Er war ein Verteidiger des Glaubens und der Kirche u.a. während der Katharer-Krise, führte zwei Kreuzzüge an und galt unter den Königen Europas wegen seiner moralischen Integrität als primus inter pares sowie als „ungekrönter Kaiser des Abendlandes“. Unter seiner Führung wurden Kathedralen errichtet, Universitäten wie die Sorbonne gegründet, Verwaltung und Justiz reformiert und das Heilige Land befestigt. Sein Leben war von tiefer Frömmigkeit und strenger Askese gekennzeichnet, und er galt als Idealtyp des christlichen Königs, der Disziplin, Vernunft, Tapferkeit und ritterliche Haltung in sich vereinte.
  • Klara von Assisi (1194-1253): Die aus einem adligen Elternhaus stammende Heilige entschloss sich, nachdem sie eine Predigt des hl. Franz von Assisi gehört hatte, im Alter von 18 Jahren zu einem Leben in radikaler Armut in der Nachfolge Christi. Im Jahre 1240 trat sie der Überlieferung nach muslimischen Invasoren, die auf ihren Plünderungszügen das Kloster San Damiano in Assisi angriffen, mit einer Monstranz entgegen, woraufhin diese ihren Angriff abgebrochen hätten. Zuvor habe sie das folgende Gebet gesprochen: „Ich bitte Dich, mein Herr, dass es Dir gefalle, dass diese Deine armen Dienerinnen, die Du, Herr, meiner Obhut anvertraut hast, mir weggenommen und nicht aus der Hand gerissen werden, damit sie nicht in die Hände und die Grausamkeit dieser Ungläubigen und Heiden gelangen; zudem bitte ich Dich, mein Herr, dass Du auf sie behütest, da ich sie ohne Dich nicht behüten kann, ganz besonders in diesem bitteren Moment.“ Die Stimme eines Kindes habe ihrem Gebet aus dem Tabernakel heraus geantwortet: “Ich werde euch immer beschützen”.
  • Franz von Assisi: (ca. 1181-1226): Dem Religionswissenschaftler Lawrence Cunningham zufolge habe der Heilige sich und seine Ordensbrüder als Ritter betrachtet, die einen geistlichen Kreuzzug führen würden. Er betrachtete zudem diejenigen, die im Kampf zur Verteidigung des Christentums getötet wurden, als Märtyrer. In seinem Orden war die Bereitschaft verbreitet, in Folge der geistlichen Herausforderungen des Islams zum Märtyrer zu werden. In diesem Zusammenhang beteiligte auch er sich als Missionar an den Kreuzzügen, wobei es ihm gelang, zum Führer der islamischen Armee in Ägypten, dem Sultan al-Kamil, vorzudringen. Durch die Bekehrung al-Kamils wollte er den Konflikt beenden.
  • Bernhard von Clairvaux (1090-1153): Der aus dem burgundischen Hochadel stammende hl. Bernhard war Sohn des Ritters Tecelin und trat im Jahre 1112 trat er in das Kloster Cîteaux ein. Kurz darauf wurde er zum Vorsteher der Abtei von Clairvaux ernannt, die sich unter seiner Leitung zur bedeutendsten Abtei des Ordens entwickelte. Unter seiner Führung wurden über 300 neue Klöster des Ordens gegründet, dessen Leiter er schließlich wurde. In seinen Predigten setzte er sich vor dem Hintergrund der Herausforderung der Bedrohung durch den Islam auch mit den militärischen Aspekten des Christentums auseinander und war zudem ein Vordenker des ritterlichen Ideals und des christlichen Soldatentums.
  • Stephan I. (1000-1038): Der erste König von Ungarn christianisierte die damals noch heidnischen Magyaren und beendete so die von ihren Invasionen ausgehende existenzielle Bedrohung für das Chistentum in Europa für immer.
  • Die Ebstorfer Märtyrer (880): 879 fielen heidnische Normannen im Zuge der Wikingerüberfälle in Niedersachsen ein und griffen die dort lebenden Christen an. Unter der Führung von Herzog Bruno von Sachsen und mehrerer Bischöfe stellte sich ihnen am 02. Februar 880 mutmaßlich im Raum Stade ein christliches Heer entgegen, das von den Normannen geschlagen wurde. Die Gefallenen wurden als Märtyrer heilig gesprochen, darunter auch Bruno von Sachsen sowie die Bischöfe Theoderich und Markward. Insgesamt sind 32 der Heiligen namentlich bekannt. Um die Schlacht und die Märtyrer bildeten sich zahlreiche Legenden.
  • Leonhard von Limoges (ca. 559-620): Er ist einer der traditionell am meisten verehrten Heiligen im Alpenraum. Er gilt als Löser feindlicher Ketten und Schutzpatron sowie Fürsprecher der Gefangenen. Die Legende besagt, es seien durch das Gebet des heiligen Leonhard oder auf seine Anrufung hin auf wundertätige Weise die Ketten zahlreicher Gefangener zersprungen.
  • Benedikt von Nursia (ca. 480-547):Der hl. Benedikt von Nursia ist eine der größten Gestalten der abendländischen Geschichte. Vom kulturellen und moralischen Verfall Roms abgestoßen schloss der hl. Benedikt sich zunächst einer asketischen Gemeinschaft an und zog sich dann in eine unbewohnte Gegend zurück. Um das Jahr 529 gründete er mit anderen Mönchen das heutige Kloster Montecassino, das aufgrund des guten Rufes des hl. Benedikt und der von Unsicherheit geprägten Zeit starken Zulauf erhielt. Um das Jahr 540 verfasste er seine Mönchsregel. Der dieser Regel folgende, von ihm begründete Benediktinerorden breitete sich von da an über das gesamte Abendland aus und inspirierte zahlreiche andere, ähnlichen Regeln und einer Frömmigkeit von Kontemplation und Aktivität folgende Orden. In einer von Auflösung und Verfall gezeichneten Zeit schufen die Orden Klöster, die Inseln der Sicherheit und der Kultur in einem sich ausbreitenden Meer des Chaos waren, und von denen aus sich der christliche Glaube im damals teilweise noch heidnischen Europa verbreitete. Papst Paul VI. erhob den hl. Benedikt 1964 zum Patron Europas.
  • Leo I. (400-461): Er trat als Papst der Invasion der Hunnen persönlich entgegen. 452 reiste er dem angreifenen Attila entgegen und bewog ihn in Mantua zur Umkehr sowie zu einem Friedensversprechen.
  • Augustinus von Hippo (354-430): Der Philosoph und Theologe formulierte die christliche Lehre des gerechten Krieges
  • Barbara von Nikomedien (gest. ca. 300): Im Mittelalter galt sie als Schutzpatronin des Wehrstandes und war eine der beliebtesten Heiligen. Ihr Verhalten im Angesicht von Verfolgung und Tod gilt als Symbol der Wehr- und Standhaftigkeit im Glauben. Sie ist eine zudem eine Schutzheilige der Feuerwehr sowie weiterer Berufe, die diesen Gefahren ausgesetzt sind, selbst Waffen herstellen oder mit Feuer umgehen, darunter Feuerwerker, Sprengmeister, Büchsenmacher und Waffenschmiede. Im Zuge der Liturgiereformen des zweiten vatikanischen Konzils wurde die hl. Barbara aus dem römischen Generalkalender gestrichen, da ihre Existenz historisch nicht gesichert sei. Wegen der großen Verehrung, die sie im Volk genoss, blieb ihr Gedenktag jedoch in einigen Regionalkalendern erhalten.
  • Simon Petrus (gest. ca. 67): Der Apostel wurde von Jesus Christus berufen und erhielt später von diesem einen besonderen Auftrag („Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen […].“) Es gilt als Gründer und erster Leiter der christlichen Gemeinde in Rom, wo er vermutlich als Märtyrer starb. Dem Neuen Testament zufolge war er zu schwach, sein Versprechen bedingungsloser Gefolgschaft gegenüber Jesus Christus zu halten und verleugnete ihn drei Mal, doch bei dessen Gefangennahme im Garten Gethsemane versuchte er, Jesus Christus mit seinem Schwert zu verteidigen.
  • Stephanus (ca. 1-36): Der 26. Dezember ist der Stephanstag, an dem die Kirche das Fest des heiligen Stephanus feiert. Er war der erste Märtyrer in der Geschichte des Christentums und einer der sieben Diakone der Jerusalemer Urgemeinde sowie einer jener Männer „von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“, die im Auftrag der Gemeinde Dienstvorhaben durchführten. Er wurde um das Jahr 36 n. Chr. getötet, nachdem er eine Verteidigungsrede zugunsten des Christentums gehalten hatte. Seine Tötung gilt der Beginn der ersten Christenverfolgung, an der sich der spätere Apostel Paulus zunächst beteiligte. Der Stephanstag ist daher auch ein Tag des Gebets für verfolgte Christen. Er hat in den vergangenen Jahrzehnten angesichts der im 20. Jahrhundert begonnenen größten Welle von Christenverfolgung in der Geschichte der Menschheit besondere Bedeutung erlangt.
  • Judas Thaddäus: Er war einer der zwölf Apostel und starb der Überlieferung nach als Märtyrer, als er das Christentum im vorderasiatischen Raum verbreitete. Er wird vor allem in schwierigen und ausweglosen Situationen um Hilfe angerufen.
  • Joseph von Nazareth: Er führte ähnlich wie Maria ein dienendes Leben im Gehorsam gegenüber Gott und war der Beschützer zunächst Marias und später der Familie Jesu unter den gefährlichen Bedingungen (etwa der Verfolgung durch Herodes), die in den Evangelien beschrieben sind. Er war ein Mann der Tat, von dem kein einziges Wort überliefert ist, ohne dessen schützenden Dienst das wichtigste Geschehen in der Geschichte der Menschheit jedoch nicht möglich gewesen wäre (siehe auch unten).
  • Die makkabäischen Brüder und ihre Mutter (ca. 167 v. Chr.) Die sieben Brüder und ihre Mutter wurden der Überlieferung nach getötet, weil sie sich im Zuge der seleukidischen Anstrengungen zur Vernichtung der jüdischen Religion weigerten, von der “Lebensart ihrer Väter abzufallen”. Ihre Geschichte ist in 2 Makkabäer 7 überliefert. Sie hätten Leib und Leben für die “Gesetze unserer Väter” hingegeben, einander ermutigt, “in edler Haltung zu sterben” und dem fremden König Antiochus IV. angekündigt, dass ihr Volk nicht von Gott verlassen sei und er dessen “gewaltige Kraft spüren” werde, “wenn er dich und deine Nachkommen züchtigt”, denn er habe es  “gewagt, mit Gott zu kämpfen.” Im Anschluss daran wird der Beginn des Aufstands des Judas Makkabäus gegen die Seleukiden beschrieben. Die Brüder und ihre Mutter werden in der katholischen Kirche als Heilige bzw. als vorchristliche Märtyrer verehrt, deren Geschichte als Parallele zur Passion Christi und seiner Mutter Maria verstanden wird.

2. Der heilige Joseph: Der Beschützer Christi

Leben und Persönlichkeit des heiligen Josef

Der heilige Josef von Nazareth unterscheidet sich von anderen Heiligen der Kirche. Er war weder Märtyrer, Kirchenlehrer noch Ordensgründer. Im Vergleich zu vielen anderen Heiligen führte er ein wenig Aufsehen erregendes Leben, doch sein Dienst mit seinen scheinbar alltäglichen Taten war so wichtig war wie der kaum eines anderen Menschen. Im römischen Meßkanon als dem ewigen Erinnerungsbuch der Erlösung wird der Name des hl. Josef daher neben dem Marias vor den Namen der Apostel, der Päpste und der Märtyrer erwähnt.

  • Der hl. Josef führte ähnlich wie Maria ein Leben im Gehorsam gegenüber Gott und war der Beschützer und Versorger zunächst Marias und später der Familie Jesu unter den gefährlichen Bedingungen. Er brachte die Familie Gottes in Sicherheit, als Herodes Jesus töten wollte.2 Er war er auch derjenige, der Jesus Christus erzog und ausbildete.
  • Papst Johannes Paul II. schrieb 1989 in seinem apostolischen Schreiben „Redemptoris Custos“, dass Josef zum „Beschützer des Erlösers berufen“ gewesen sei. Gott habe ihm „den Schutz seiner kostbarsten Schätze anvertraut“ und ihn mit Maria zum „Hüter des Geheimnisses“ gemacht, dass der Erzengel Gabriel beiden in Ankündigung des Auftretens Jesu Christi mitteilte. Er habe „sein Leben zu einem Dienst, zu einem Opfer an das Geheimnis der Menschwerdung und an den damit verbundenen Erlösungsauftrag gemacht“. Sein Leben habe „völlige Übereignung seiner ganzen Existenz an die Erfordernisse des Kommens des Messias in sein Haus“ bedeutet.
  • Er war ein Mann der Tat, von dem kein einziges Wort überliefert ist, ohne dessen schützenden Dienst das wichtigste Geschehen in der Geschichte der Menschheit jedoch nicht möglich gewesen wäre. Der hl. Josef unterstreicht dadurch, dass es im Leben des Mannes vor allem auf Taten ankommt.

Im Neuen Testament wird darauf verwiesen, dass er ein Nachkomme König Davids sei (Mt 1,1).

Die Verehrung des heiligen Joseph

Der hl. Josef gilt seit dem I. Vatikanum als besonderer Schutzpatron der Kirche. Papst Leo XIII sagte dazu:

Die Gründe dafür, daß der heilige Josef als besonderer Patron der Kirche angesehen werden und die Kirche ihrerseits sich von seinem Schutz und Beistand sehr viel erwarten darf, rühren hauptsächlich daher, daß er der Mann Mariens und vermeintliche Vater Jesu ist […]. Josef war zu seiner Zeit rechtmäßiger und natürlicher Hüter, Haupt und Verteidiger der göttlichen Familie […]. Es ist daher für den heiligen Josef angebracht und seiner höchst würdig, daß er so, wie er einst die Familie von Nazaret in allen Belangen heiligmäßig zu beschützen gewohnt war, jetzt die Kirche Christi mit seinem himmlischen Beistand beschützt und verteidigt.

Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI. segneten am 5. Juli 2013 gemeinsam eine Statue und weihten den Vatikan dem hl. Josef und dem Erzengel Michael, der für Gott gegen den Teufel kämpft. Bereits Papst Pius IX. hatte den hl. Joseph 1870 zum Patron der gesamten katholischen Kirche erhoben. Papst Pius XI. (1922-1939) erklärte den hl. Josef 1937 zum Patron jener, die den Kommunismus bekämpfen.

Papst Franziskus rief Christen dazu auf, Beschützer zu sein und dem Vorbild des hl. Joseph zu folgen. Alle Dinge seien dem Menschen zu seinem Schutz überantwortet. Der Mensch sei dazu berufen, Beschützer der Gaben Gottes zu sein. Wo Menschen sich dieser Berufung verweigerten, werde der Weg zur Zerstörung geöffnet.3

Papst Piux X. hatte 1909 die Litanei vom hl. Josef approbiert, die ihn „Beschützer der Jungfrau“, „Verteidiger Christi“ und „Schutzherr der heiligen Kirche“ nennt. Der Gedenktag des hl. Josef ist der 19. März.

3. Katholische Soldatenheilige

Das katholische und das orthodoxe Christentum verehren Soldatenheilige, die ein soldatisch geprägtes, christliches Leben führten.

Während es sich bei den meisten der katholischen Soldatenheiligen primär um Märtyrer handelte, die wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt und getötet wurden, spielt im orthodoxen Christentum die Betonung schützenden Dienstes im Zusammenhang mit Soldatenheiligen eine größere Rolle.

Dies hat auch historische Gründe, da das orthodoxe Christentum aufgrund der geographischen Lage seines Verbreitungsraums historisch in größerem Umfang Ziel von militärischen Angriffen war.

Im katholischen Christentum sind im Zusammenhang mit schützendem Dienst vor allem die folgenden Soldatenheiligen zu nennen:

  • Johanna von Orléans (1412-1431): Die Rettung Frankreichs war unmittelbarer Gegenstand ihrer Berufung, der sie durch den Dienst als Soldatin folgte.
  • König Ferdinand III. von Kastilien (1199-1252): Er habe sich durch besondere Frömmigkeit ausgezeichnet und diente zunächst als Ritter. Als König vereinte er die spanischen Königreiche Kastilien, Léon, Asturien, Galicien und Kastilien und schuf dadurch eine der Voraussetzungen für die Befreiung der iberischen Halbinsel von der islamischen Herrschaft. Als militärischer Führer war er zudem in vielen Schlachten gegen muslimische Heere siegreich, befreite weite Teile der Halbinsel, veranlasste die Auswanderung der muslimischen Besatzer aus den befreiten Gebieten und ermöglichte die Wiederansiedlung von Christen dort. Bereits zu Lebzeiten wurde er als Heiliger verehrt. Sein unverwester Leichnam befindet sich in der Kathedrale von Sevilla. 1671 wurde er von Papst Klemens X. heiliggesprochen.
  • Herzog Bruno von Sachsen (ca. 830-880): Er fiel als Heerführer zusammen mit den als „Ebstorfer Märtyrer“ bekannten Adeligen und Kriegern in der Normannenschlacht in der Lüneburger Heide im Jahre 880 beim Versuch, eine Invasion heidnischer Normannen abzuwehren.