Stand: 14.02.2018

Viele Aspekte katholischer Glaubenspraxis beziehen sich unmittelbar auf Taten des schützenden Dienstes.

1. Feste

  • Das Rosenkranzfest: Das ursprünglich „Maria vom Siege“ genannte Fest war der Dank der Kirche für die Rettung Europas durch den christlichen Sieg über die osmanische Flotte in der Seeschlacht von Lepanto 1571.
  • Das Fest Mariä Namen: Der Dank der Kirche für die Abwehr der zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683

2. Sonstiges

  • Die Maria-Hilf-Verehrung: In Zeiten der Not suchten Katholiken vor allem auch Hilfe bei der Muttergottes. Besonders ausgeprägt war dies im Zusammenhang mit der Bedrohung Europas durch die Osmanen zu beobachten. In vielen Kirchen im süddeutschen und österreichischen finden sich in diesem Zusammenhang Gnadenbilder der Muttergottes als Auxiliatrix Christianorum. Die Marienverehrung auf dem Passauer Mariahilfberg steht ebenfalls im Kontext dieser Bedrohung. Als 1683 Wien durch die Türken belagert wurde, flüchtete Leopold I. nach Passau. Vor dem Gnadenbild der Wallfahrtskirche Mariahilf betete das Kaiserpaar täglich um Rettung aus der Türkengefahr. Als dann die christliche Allianz die Entsatzschlacht am Kahlenberg unter dem Kampfmotto „Maria hilf!“ gewann, wurde das Passauer Mariahilf-Gnadenbild zum Staatsgnadenbild der Habsburgermonarchie. Die bei der Schlacht erbeuteten Waffen der besiegten Türken sind im Beichtgang der Kirche Mariahilf zu besichtigen. Die Maria-Hilf-Verehrung verbreitete sich zudem auch in Polen und Ungarn.
  • Der Jakobsweg: Pilgerfahrt zur Unterstützung der spanischen Recoquista
  • Das Mittagsläuten: Papst Calixtus III. (1378–1458) ordnete aus dem Anlass der damaligen Bedrohung Österreichs und Ungarns durch die Osmanen am 29. Juni 1456 an, dass Kirchenglocken mittags durch ihr Geläut die Gläubigen dazu aufrufen sollten, drei Vater Unser und drei Ave Maria beten. Das Heer Sultan Mehmeds II. wurde am 22. Juli 1456 nahe Belgrad trotz seiner Übermacht von einer Allianz aus ungarischen Truppen und einem bäuerlichen Kreuzfahrerheer geschlagen. Papst Calixtus III. erhielt erst am 6. August 1456 die Siegesnachricht. Aufgrund der zeitlichen Nähe der Ereignisse und der damaligen langen Kommunikationswege nahmen der Klerus und die Gläubigen an, dass fortan das kirchliche Mittagsgeläut zur Feier der erfolgreichen Abwehr der muslimischen Invasoren zu ertönen habe. Nachdem die Bedrohung des osmanischen Reiches gegenüber Europa trotz dieses Sieges für Jahrhunderte nicht gebannt war, wurde die päpstliche Anordnung fortgeführt und als Dankesbrauch für die Abwehr der Bedrohung bis heute beibehalten. Es ging als „Türkenläuten“ in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Die Praxis hatte Vorläufer. So hatte Erzbischof Wolfram von Prag schon 1399 verordnet, jeden Freitag solle um neun, der Todesstunde alle Glocken geläutet werden, um dem Sieg der Osmanen über die Christen zu gedenken. Dabei sollten die Menschen in ihren Tätigkeiten innezuhalten und mit gebeugtem Knie fünfmal das Gebet des Herrn zu sprechen. Seit dem 18. Jahrhundert wird das Mittagsläuten wieder vorwiegend als Gebetsläuten zum Angelus-Gebet verstanden.
  • Das „Türkengebet“ und die „Türkenpredigten“: Diese waren eine bis zum Ende der osmanischen Einfälle in Mitteleuropa im 17. Jahrhundert verbreitete Praxis. In diesen Gebeten stand die Auseinandersetzung mit den eigenen sittlichen Verfehlungen im Vordergrund, die als eigentliche Ursache der osmanischen Bedrohung betrachtet wurde. In Predigten wurden dabei auch Missstände angeprangert, welche die Erfolge der Osmanen begünstigten. Papst Calixtus III. ermahnte in diesem Sinne etwa in einer Bulle aus dem Jahr 1456 zu Gebet, Fasten und Buße sowie zu Bittprozessionen und Messen sowie Predigten. 1571 ordnete auch Papst Pius IV. entsprechende Gebete an, bei denen das Eingeständnis der eigenen Sünden und Unzulänglichkeiten im Vordergrund stand. Die Christenheit trage selbst Schuld an der osmanischen Bedrohung und habe diese durch sündige Lebensweise und Vernachlässigung des Betens heraufbeschworen. In entsprechenden Predigten, etwa des bekannten Augustiners Abraham a Sancta Clara, ging es dementsprechend neben dem Aufruf zum Kampf auch um innere Umkehr und Erneuerung. Zudem riefen entsprechende Gebete und Predigten zur konfessionellen und politischen Einheit bei der Abwehr dieser Bedrohung auf.
  • Der Gottesfrieden: Die „Treuga Dei“, der Gottesfriede, gebot am Donnerstag wegen der Einsetzung des Altarssakramentes, am Freitag wegen des Todes Christi, am Samstag wegen der Grabesruhe sowie am Sonntag den Frieden und verbot Kämpfe. Das gleiche galt für Festen, Feiern und Gedenktage.
  • „Türkenglocken“: Es handelt sich dabei um Kirchenglocken, die aus von geschlagenen osmanischen Angreifern zurückgelassenen Kanonen gegossen wurden. Sie finden sich vor allem in Österreich. Ein bekanntes Beispiel ist die Türkenglocke auf dem Grazer Schlossberg, die 1587 im Auftrag gegeben wurde und aus 101 osmanischen Kanonen gefertigt worden sei. Nach dem Sieg in der Schlacht um Wien bzw. in der Schlacht am Kahlenberg 1683 wurde die Glocke jeweils morgens, mittags und abends 101 Mal zum Dank an die Muttergottes und als Bitte für weiteren Schutz geläutet. Auch die „Pummerin“, die größte Glocke des Stephansdoms in Wien, wurde aus zurückgelassenen osmanischen Kanonen gegossen.
  • Beating the Bounds: Das „Beating the Bounds“ ist eine England, Irland, Wales und Schottland praktizierte Form der Bittprozession, bei der die Grenzen einer Kirchengemeinde abgeschritten werden. Sie sollte  ursprünglich Gemeindegrenzen im Bewusstsein der Bewohner eines Gebietes präsent halten, was die Grundlage ihres Schutzes u.a. gegen das Eindringen Fremder oder Versuche des heimlichen Versetzens von Grenzsteinen war. Außerdem wurde während der Prozessionen traditionell um Schutz und Segen für das Land gebetet. Sie findet traditionell während der Bitttage (englisch rogationtide) zwischen dem fünften Sonntag nach Ostern (Rogate) und Christi Himmelfahrt statt. Üblicherweise nehmen an der Prozession vor allem Jungen teil, was den Wunsch zum Ausdruck bringt, dass die Erinnerung an die Grenzen so lange wie möglich fortbestehen solle.
  • Waffensegnungen: Diese sind seit dem 10. Jhd. belegt und sollten unter anderem den Träger der Waffen darauf verpflichten, diese zum Schutz von „Kirchen, Witwen, Waisen und allen, die Gott dienen“ einzusetzen. Vor allem aufgrund von missbräuchlicher Verwendung für säkulare Zwecke im 20. Jahrhundert bzw. aufgrund der Segnung von Waffen, die für den Einsatz zu schlechten Zwecken gedacht waren, werden Waffensegnungen derzeit durch die Kirche nicht praktiziert.
  • Gebetswachen: Ein übliches Ritual vor dem Ritterschlag war eine nächtliche Gebetswache in Rüstung vor einer Figur der Muttergottes.

3. Gebete