Stand: 28.06.2018

Diese Seite behandelt Beiträge von Papst Franziskus, die sich mit der Bewahrung des christlichen Erbes und dem schützenden Dienst des Christentums befassen.

Papst Franziskus wird in der öffentlichen Diskussion zum Teil selektiv zitiert um ihn für eine progressive und liberale Agenda zu vereinnahmen, so dass seine Positionierung im Kontext des christlichen Konservatismus der katholischen Soziallehre in Teilen der Öffentlichkeit unbekannt ist. Tatsächlich ist Franziskus nicht nur ein entschiedener Kritiker liberaler Globalisierungsideologien, sondern auch progressiver Ideologien wie der Gender-Ideologie.

In seinen Äußerungen und Schriften bezieht sich Papst Franziskus häufig auf Romano Guardinis Schrift „Das Ende der Neuzeit“, die 1950 erschien und die Krise Europas als Folge des Wirkens moderner utopischer Ideologien beschrieb und eine weitere Zuspitzung dieser Krise voraussagte.

1. Papst Franziskus über die Krise Europas

Papst Franziskus sprach im Oktober 2017 im Rahmen des Diskussionsforums „(Re)Thinking Europeüber die Krise Europas. Dabei verglich er die gegenwärtige Lage in Europa mit der, „als die antike Zivilisation unterging und die Herrlichkeiten Roms zu jenen Ruinen wurden, die wir heute noch in der Stadt bewundern können, als die neuen Völker über die Grenzen des alten Reichs drängten“.

  • In dieser Lage sei der hl. Benedikt von Nursia hervorgetreten und habe sich der Krise seiner Zeit entgegengestellt. Auf der Grundlage christlicher Weltanschauung habe er im Chaos der Spätantike Klöster errichtet, „die über die Zeit zur Wiege der menschlichen, kulturellen und religiösen und auch wirtschaftlichen Renaissance des Kontinents“ wurden.
  • Zudem sollten Christen für Europa eintreten, indem sie auf Grundlage christlicher Weltanschauung Gemeinschaften bilden, kulturelle Substanz schaffen und Bindungen stärken. Dadurch sollten sie als „Gegengift“ zu individualistischen Ideologien wirken, die „losgelöst von jeder Bindung“ eine „entwurzelte Gesellschaft entwickelt“ hätten, „der der Sinn für die Zugehörigkeit und für das Erbe fehlt.“
  • Franziskus verurteilte zudem materialistische und tendenziell religionsfeindliche Ideologie, welche die Institutionen der Europäischen Union prägen würde, sowie die Tendenz, im „Gemeinwohl nicht mehr das primäre Ziel“ politischen Handelns zu sehen. Diese Tendenzen würden zentrifugale Kräfte freisetzen und Polarisierung in Europa verstärken.

Die Ursache der Krise Europas sei die Ablehnung des Eigenen durch die Menschen Europas. Diese führe zum demographischen und kulturellen Erlöschen Europas.

Seit den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist ein beispielloser Generationenkonflikt im Gang. Man kann übertreibend sagen, dass man bei der Weitergabe der Ideale, die das große Europa gebildet haben, dem Vermächtnis den Verrat vorgezogen hat. Auf die Ablehnung dessen, was von den Vätern kam, folgte so die Zeit einer dramatischen Unfruchtbarkeit und dies nicht nur weil in Europa wenig Kinder gezeugt werden – es ist unser demographischer Winter – und es allzu viele sind, die ihres Rechtes, geboren zu werden, beraubt worden sind, sondern auch weil man sich als unfähig erwiesen hat, den jungen Menschen die materiellen und kulturellen Werkzeuge zu übergeben, um sich der Zukunft zu stellen. Europa erlebt eine Art Gedächtnisverlust. Dazu zurückzukehren, eine solidarische Gemeinschaft zu sein, bedeutet, den Wert der eigenen Vergangenheit wiederzuentdecken, um die eigene Gegenwart zu bereichern und den nachfolgenden Generationen eine Zukunft der Hoffnung zu übergeben.

Wie der hl. Benedikt in der Zeit des untergehenden römischen Reiches sollten Christen den Kern einer Verfall und Niedergang entgegenwirkenden, intakten Gegenkultur bilden und dadurch „Europa wieder eine Seele“ geben.

Im Mai 2018 bezeichnete Franziskus die Postmoderne als eine mögliche letzte Etappe in der Geschichte des Westen. Sie erinnere an „eine Reise, die mit einem Schiffbruch endet“. Angesichts der laufenden kulturellen Entwicklung in Europa erscheine es ihm als immer weniger sinnvoll, die westliche Kultur mit dem Christentum gleichzusetzen.

Was die Lage des Christentums in Europa angehe, gebe es mehr Anlass zu Beunruhigung als zu Optimismus. In der Geschichte Europas habe es jedoch noch schwierigere Momente gegeben, in denen „leidenschaftliche Propheten der Wahrheit“ ihre Stimmen erhoben hätten. Deren Gedanken und Taten könnten auch für die Gegenwart als Kompass dienen.

2. Papst Franziskus über die Bewahrung des christlichen kulturellen Erbes

3. Papst Franziskus über Migration und islambezogene Herausforderungen

Papst Franziskus rief im Januar 2018 vor dem Hintergrund der laufenden Migrationswelle nach Europa Migranten dazu auf, die Identität der sie aufnehmenden Gesellschaften „unbedingt“ zu respektieren:

Wer aufgenommen wird, muss sich den Regeln des Landes, das ihn beherbergt, unbedingt anpassen und dessen Identitätsprinzipien respektieren.

Er warnte zudem vor den negativen Folgen von Migration. Man müsse anerkennen, dass unter den Migranten „nicht immer alle von den besten Absichten geleitet werden“. Außerdem forderte er von europäischen Regierungen einen „verantwortlichen Umgang“ mit der Migrationsproblematik und rief diese dazu auf, auch der Verantwortung gegenüber ihren eigenen Bevölkerungen gerecht zu werden:

Sie haben eine klare Verantwortung gegenüber der Bevölkerung in ihren Ländern, deren ordentliche Rechte und harmonische Entwicklung sie gewährleisten müssen, damit sie nicht wie der törichte Bauherr erscheinen, der falsche Berechnungen angestellt hat und nicht in der Lage war, den Turm fertigzustellen, dessen Bau er begonnen hatte.

Die Migrationsproblematik solle „Europa dazu anspornen, das eigene kulturelle und religiöse Erbe wiederzuentdecken.“ Nur wenn „es sich der Werte bewusst wird, auf die es erbaut wurde, dann mag es sowohl die eigenen Traditionen wachhalten als auch weiterhin ein gastfreundlicher Ort sein, der Frieden und Entwicklung verspricht.“ Zudem rief er zum verstärkten Schutz verfolgter Christen im Nahen Osten sowie zu verstärkten Anstrengungen auf, damit Flüchtlinge aus der Region „in ihre Heimat zurückkehren können.“

4. Papst Franziskus über die demographische Krise Europas

Im Dezember 2017 sagte Franziskus über den „demographischen Winter“ Europas, dass dieser eine Folge der zunehmenden Durchdringung seiner Kultur von Egoismus und Materialismus sei. Der Geburtenmangel in Europa sei Teil einer „bösen Krankheit“, die sich auf kultureller Ebene ausbreite. Während Gott das Leben wolle, entspreche Unfruchtbarkeit dem Willen Satans:

Er will, dass jeder von uns nicht  lebt, um anderen Leben zu geben, sei es körperlich oder geistlich. […] Der Egoismus, der Stolz, die Eitelkeit. Die eigene Seele mästen, ohne für die anderen zu leben. Der Teufel ist es, der das Unkraut des Egoismus wachsen lässt und nicht  zulässt, dass wir fruchtbar sind.

Wer für sich selbst lebe, könne Gott und dem Guten weder körperlich noch geistlich dienen. Fruchtbarkeit sei in diesem Zusammenhang einer der Aufträge Gottes an den Menschen.

5. Papst Franziskus über die Gender-Ideologie

Mehrfach verurteilte Franziskus die Gender-Ideologie. Es gebe einen „Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören“, in dem die Gender-Ideologie, die er als „Fehler des menschliches Geistes“ bezeichnete, eine der geistigen Waffen sei. Sie werde im Rahmen eines „ideologischen Kolonialismus“ gestützt auf die Ressourcen finanziell starker Institutionen und Staaten weltweit durchgesetzt.

6. Papst Franziskus über die Globalisierung

Franziskus ist ein Kritiker der moralisch relativistischen, globalistischen Postmoderne, welche Bindungen auflöse, Völker und Kulturen von ihren religiösen Wurzeln trenne und Menschen auf die Rolle als konsumierendes, ausschließlich nach Befriedigung seiner materiellen Bedürfnisse strebendes Individuum reduziere.

Im Januar 2018 kritisierte er die Auflösung von Völkern, Familien und Nationen sowie der Vorstellung intergenerationeller Solidarität.

7. Papst Franziskus über Lebensschutz

Im Juni 2018 übte Papst Franziskus deutliche Kritik an der vorgeburtlichen Tötung behinderter Kinder geübt und in dem Zusammenhang an die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnert:

Im vergangenen Jahrhundert hat sich die ganze Welt über das aufgeregt, was die Nationalsozialisten machten, heute tun wir das mit weißen Handschuhen.