Stand: 24.10.2018

Die hier vorgestellten Denker haben sich mit Fragen des schützenden und bewahrenden Dienstes bzw. mit der Frage der Bewahrung des europäischen Erbes auseinandergesetzt und zur Tradition des christlichen Konservatismus beigetragen.

Der christliche Konservatismus stützt sich dabei nicht nur auf die Werke christlicher Denker, sondern beruht auch auf Ansätzen heidnischer Philosophen der griechischen und römischen Antike, die seit der Spätantike von christlichen Denkern aufgegriffen und weiterentwickelt wurden. Auch die Werke einiger jüdischer Denker sowie von agnostischen oder atheistischen Denkern der Gegenwart wurden durch die Tradition des christlichen Konservatismus aufgegriffen und integriert.

1. Denker der Gegenwart

  • Patrick Deneen (geb. 1964): Der an der Universität Notre Dame in den USA lehrende Politikwissenschaftler hat sich vor allem mit destruktiven Auswirkungen liberaler Herrschaft und Kulturvorstellungen auf Gesellschaften auseinandergesetzt.
  • Jordan Peterson (geb. 1962): Der an der Universität von Toronto in Kanada lehrende Psychologe setzt sich vor allem mit der Berufung des Mannes auseinander. Er ist gegenwärtig ein Vordenker männlicher Spiritualität, wobei er seine Gedanken vor allem psychologisch begründet.
  • Martin Rhonheimer (geb. 1950): Der aus der Schweiz stammende Philosoph hat sich vor allem mit den christlichen Grundlagen des freiheitlichen Staates sowie mit der prinzipiellen Unvereinbarkeit islamischer und freiheitlicher Konzepte politischer Ordnung auseinandergesetzt.
  • Ryszard Legutko (geb. 1949): Der polnische Philosoph setzt sich unter anderem mit totalitären Tendenzen in modernen Ideologien auseinander, etwa in seinem Werk „The Demon in Democracy: Totalitarian Temptations in Free Societies“.
  • Robert Sarah (geb. 1945): Der Kardinal gilt als eine der wichtigsten Stimmen geistiger Erneuerung in der katholischen Kirche der Gegenwart. So betonte er etwa die Gefahren, die dem Christentum durch das Wirken utopischer Ideologien sowie islamistische Strömungen und Akteure drohen, und rief zu stärkerer Auseinandersetzung mit diesen auf. Papst Benedikt XVI. bezeichnete Sarah in einer seiner wenigen öffentlichen Äußerungen nach seiner Emeritierung als „geistlichen Lehrer“.
  • Roger Scruton (geb. 1944)
  • Charles Taylor (geb. 1931): Taylor ist einer der bedeutendsten Kritiker modernen Denkens der vergangenen Jahrzehnte. Die Moderne nehme die Wirklichkeit innerhalb eines verengten Rahmen wahr, der keinen Raum für das Vertikale oder das Transzentente lasse und dieses unzugänglich oder sogar undenkbar mache. Dadurch verzerre bzw. verstelle modernes Denken den Blick des Menschen auf Teile der Wirklichkeit und zerstöre die Teile der Kultur, die auf dem Blick auf das Transzendente beruhten.
  • Ernst-Wolfgang Böckenförde (geb. 1930): Der katholische Staats- und Verwaltungswissenschaftler und ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht formulierte das sog. Böckenförde-Diktum: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“
  • Allan Bloom (1930-1992): In seinem Hauptwerk „The Closing of the American Mind“ beschrieb der Politikwissenschaftler die Zerstörung des klassischen Bildungsideals an Universitäten durch die Folgen der Durchsetzung neomarxistischer und vor allem postmoderner Ideologie seit den spätern 1960er Jahren.
  • Alasdair MacIntyre (geb. 1929): Der Philosoph wurde vor allem durch seine moralphilosophische Kritik des Relativismus der Aufklärung und seine Gedanken über die Fortsetzung der abendländischen Tradition bekannt.
  • Leszek Kolakowski (1927-2009)
  • Robert Spaemann (geb. 1927): Der katholische Philosoph und Berater Benedikts XVI. betonte die Bedeutung des Christentums als Gegenpol zu totalitären Utopien. Zudem schrieb er über die für Europa und das Christentum identitätsstiftenden „heiligen Erzählungen“ des Christentums, zu denen auch der „tausendjährige Abwehrkampf der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus“ gehöre.
  • Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger, geb. 1927): Als Theologe war er einer der bedeutendsten Päpste in der Geschichte der Kirche. Der Historiker Peter Watson stellte ihn in eine Reihe mit Beethoven und Kant als einen Vertreter des „deutschen Genius“.

2. Denker der Neuzeit

  • Philip Rieff (1922-2006): Der Soziologe schuf das Konzept der „Antikultur“ zur Beschreibung der auf die Auflösung gewachsener Tradition gerichteten weltanschaulichen Strömungen der Moderne und erklärte ihr Wirken psychologisch als Ausdruck eines kollektiven Todestriebs.
  • Thomas Molnar (1921-2010)
  • Walter Laqueur (1921-2018)
  • Alexander Solschenizyn (1918-2008): Der Schriftsteller verfasste u.a. das Werk „Der Archipel Gulag“, in dem er die Verbrechen des Kommunismus aufarbeitet, und trug als Dissident dazu bei, die Grundlagen für die kulturelle Erneuerung Russlands nach dem Ende des Kommunismus zu schaffen. In einer 1978 an der Universität Harvard gehaltenen Rede sagte er der westlichen Welt existentielle Krisen voraus, deren Ursache sei, dass sie ähnlich wie der Kommunismus auf dem fehlerhaften Welt- und Menschenbild der Moderne aufgebaut seien.
  • Russell Kirk (1918-1994): Der politische Philosoph setzte sich auf der Grundlage der katholischen Naturrechtslehre mit den Prinzipien guten politischen Handelns und den Voraussetzungen guter Gesellschaften auseinander.
  • Bernard Lewis (1916-2018): Der britisch-amerikanische Historiker ehrte zuletzt an der Princeton University und galt als einer der weltweit führenden Experten für die Geschichte des Nahen Ostens und des Islam. Bereits in den 1970er Jahren prognostizierte er das Erstarken des politischen Islam und einen daraus resultierenden „Clash of Civilizations“.
  • Robert Alexander Nisbet (1913-1996)
  • Nicolás Gómez Dávila (1913-1994): Der kolumbianische Philosoph und katholische Traditionalist, der sich selbst als „Reaktionär“ bezeichnete, ist vor allem für seine konsequente Kritik der Moderne sowie moderner Ideologien bekannt, die er vorwiegend in Form von Aphorismen vortrug.
  • Simone Weil (1909-1943)
  • Mircea Eliade (1907-1986): Er gehörte zu den Religionswissenschaftlern, die bei ihrer Erforschung religiöser Phänomene von der Möglichkeit ausgingen, dass religiöse Erfahrungen auf der Wahrnehmung eines nichtmateriellen Teiles der Wirklichkeit beruhen. In diesem Zusammenhang untersuchte er u.a. die von ihm als Erzählungen über das Helige verstandenen Mythen der Menschheit auf Gemeinsamkeiten.
  • Dietrich Bonhoeffer (1906-1945)
  • James Burnham (1905-1987): Der Philosoph und Soziologe untersuchte kulturelle Auflösungstendenzen in westlichen, liberalen Gesellschaften in seinen Werken „Begeht der Westen Selbstmord?“ und „Die Revolution der Manager“.
  • Josef Pieper (1904-1997): Der christliche Philosoph vermittelte in seinen Werken die Weisheitstradition des Abendlandes in klarer Sprache und zeigte ihre zeitlose Aktualität auf. Dabei berührte er auch Fragen der Spiritualität des schützenden Dienstes, etwa in seinen Werken über die Tugenden der Tapferkeit und der Disziplin.
  • Eric Voegelin (1901-1985): Der Politikwissenschaftler setzte sich auf Grundlage des christlichen Menschenbildes mit den geistigen Verfallserscheinungen der Moderne auseinander. Modernen Ideologien warf er vor, elementare Aspekte der Wirklichkeit auszublenden, was dazu führe, dass diese der Wirklichkeit nicht gerecht würden. Politikwissenschaft betrachtete er als die Wissenschaft der auf ein transzendentes Ziel ausgerichteten sozialen Ordnung der Welt. Mit der Trennung von diese Ziele löse sich auch die entsprechende Ordnung auf.
  • Leo Strauss (1899-1973)
  • C.S. Lewis (1898-1963): Der Philosoph und Schriftsteller war ein Verteidiger der christlichen Geistestradition gegen die von ihm kritisierte „Abschaffung des Menschen“ durch die Reduzierung der Wirklichkeit auf empirisch Fassbares seitens moderner Ideologien.
  • Henri de Lubac (1896-1991)
  • Hilaire Belloc (1896-1953): Der Historiker schrieb über die Bedeutung des Christentums für Europa: „Der Glaube ist Europa und Europa ist der Glaube.“ Er sah zudem bereits in den 1930er Jahren das Erstarken radikaler Strömungen im Islam voraus.
  • Arnold J. Toynbee (1889-1975): Er gilt als einer der wichtigsten Historiker des 20. Jahrhunderts. Die Ursachen der Krise der westlichen Kulturen sah er in ihrem Abfall von der Religion.
  • Christopher Dawson (1889-1970): Er gilt als bedeutendster katholischer Historiker des 20. Jahrhunderts und hat sich vor allem mit der Entstehung Europas bzw. des Abendlandes und seinen christlichen Wurzeln auseinandergesetzt.
  • Pitirim Sorokin (1889-1968)
  • T.S. Eliot (1888-1965): Der christlich-konservative Autor, der 1948 den Nobelpreis für Literatur erhielt, kritisierte vor allem den moralischen und politischen Relativismus seiner Epoche. In seiner 1939 erschienenen Schrift „The Idea of a Christian Society“ zeichnete er einen christlich-abendländischen Gegenentwurf sowohl zu totalitären Ideologien als auch zum Liberalismus, den er für kulturelle Auflösungserscheinungen in westlichen Gesellschaften verantwortlich machte.
  • Romano Guardini (1885-1968): Der katholische Theologe beschrieb in seinem Werk „Das Ende der Neuzeit“ die besonderen spirituellen Herausforderungen, die mit der Krise Europas verbunden seien. Tapferkeit, „die sich dem heraufdrohenden Chaos entgegenstellt“, beschrieb er dabei als eine zentrale Eigenschaft einer dieser Lage gerecht werdenden Spiritualität. Sie habe gegen „den universellen Feind, das im Menschenwerk selbst aufsteigende Chaos zu bestehen“ und „die Öffentlichkeit, die in Parolen und Organisationen verdichtete Unwahrheit“ gegen sich.
  • José Ortega y Gasset (1883-1955): In seinem 1930 erschienenen Aufsatz „Der Aufstand der Massen“ beschreibt er Elite und Masse. Masse sei ein bindungs- und kulturloser geistiger Zustand, der keine große Aufgaben kennt und nur nach der Befriedigung materieller Grundbedürfnisse strebt und durch Demagogen verführbar ist, die utopische Zustände versprechen. Nationalsozialismus und Kommunismus seien typische Massenbewegungen. Eliten hingegen würden sich als Träger einer Idee oder einer historischen Aufgabe wahrnehmen, für die sich zur Selbstaufgabe bereit seien. Eliten müssten die Masse führen.
  • Nikolai Berdjajew (1874-1948): Philosoph und Künder eines „neuen Mittelalters“ im Sinne einer Renaissance der Religion und des Geistigen in Europa nach dem Scheitern moderner Ideologien
  • G.K. Chesterton (1874-1936): Der Autor gilt als einer der fähigsten Verteidiger des katholischen Glaubens im 21. Jahrhundert.
  • Charles Péguy (1873-1914)
  • Jacob Burckhardt (1818-1897): Der Kulturhistoriker entwickelte eine Theorie historischer Krisen und betonte die zentrale Rolle der Religion als Treiber historischer Entwicklung.
  • Juan Donoso Cortés (1809-1853): Der spanische Staatsmann und Geschichtsphilosoph betonte die Bedeutung der Religion als Grundlage der Kultur und der guten Politik. Zugleich war er ein Kritiker materialistischer Ideologien, etwa dem Liberalismus, dem Sozialismus und dem damals entstehenden Kommunismus. Gesellschaftliche Krisen verstand er als Folge des Abfalls von der Religion und den Gedanken, die sie beinhaltet. Um 1850 warnte er, dass Europa als Folge der Abwendung vom Christentum gravierende Verwerfungen bevorstehen würden. „Plebejer von satanischer Größe“ würden den Kontinent ins Chaos stürzen.
  • Alexis de Tocqueville (1805 – 1859)
  • Louis de Bonald (1754-1840): Er war einer der wichtigsten christlich-konservativen Kritiker der Aufklärung und der Französischen Revolution. Dabei kritisierte er insbesondere die Vorstellung, dass der Mensch autonom bzw. keiner über ihm stehenden unverfügbaren Ordnung unterworfen sei. Zugleich warnte er vor den Folgen der Ausblendung dieser Ordnung oder ihrer Verletzung.
  • Joseph de Maistre (1753-1821): Ein von den Gedanken Burkes geprägter Philosoph, der sich v.a. mit totalitären Tendenzen moderner Ideologien sowie deren Tendenz zur Auflösung der kulturellen Fundamente von Gesellschaften auseinandergesetzt hat
  • Edmund Burke (1729-1797): Staatsphilosoph, der nach der Französischen Revolution die totalitären Tendenzen moderner utopischer Ideologien beschrieb

3. Denker des Mittelalters

  • Thomas von Aquin (1225-1274): Der christliche Philosoph und Heilige der Katholischen Kirche trug unter anderem zur Entwicklung der Naturrechtslehre wesentlich bei, wobei er an antike griechische Philosophie anknüpfte.

4. Denker der Antike

  • Augustinus von Hippo (354-430)
  • Marcus Tullius Cicero (106-43 v-Chr.): Sein Werk beeinflusste das abendländische Denken nachhaltig. Augustinus wandte sich auch unter dem Eindruck der Werke Ciceros dem religiösen Denken und später dem Christentum zu. Thomas von Aquin griff viele der Gedanken Ciceros auf. Zum konservativen Denken haben vor allem seine Schriften „De officiis“ („Über die Pflichten“, eine Abhandlung über Tugendlehre) sowie „De legibus“ („Über die Gesetze“, eine Abhandlung über das Naturrecht) beigetragen.
  • Aristoteles (384-322 v.Chr.)
  • Platon (ca. 428-347 v. Chr.)
  • Thukydides (ca. 460-395 v. Chr.)