Stand: 29.05.2018

Die hier vorgestellten Denker haben sich mit Fragen des schützenden und bewahrenden Dienstes auseinandergesetzt und zur Tradition des christlichen Konservatismus beigetragen.

Der christliche Konservatismus stützt sich dabei nicht nur auf die Werke christlicher Denker, sondern beruht vor allem auf Ansätzen heidnischer Philosophen der griechischen und römischen Antike, die seit der Spätantike von christlichen Denkern aufgegriffen und weiterentwickelt wurden. Auch die Werke einiger jüdischer und muslimischer Denker wurden durch die Traditio des christlichen Konservatismus aufgegriffen und integriert.

1. Epochenübergreifend wirkende Denker

Das Denken der folgenden Männer hat die großen Debatten zu Fragen des schützenden und bewahrenden Dienstes über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg geprägt:

  • Thomas von Aquin (1225-1274): Der christliche Philosoph und Heilige der Katholischen Kirche trug unter anderem zur Entwicklung der Naturrechtslehre wesentlich bei, wobei er an antike griechische Philosophie anknüpfte.
  • Augustinus von Hippo (354-430)
  • Marcus Tullius Cicero (106-43 v-Chr.): Sein Werk beeinflusste das abendländische Denken nachhaltig. Augustinus wandte sich auch unter dem Eindruck der Werke Ciceros dem religiösen Denken und später dem Christentum zu. Thomas von Aquin griff viele der Gedanken Ciceros auf. Zum konservativen Denken haben vor allem seine Schriften „De officiis“ („Über die Pflichten“, eine Abhandlung über Tugendlehre) sowie „De legibus“ („Über die Gesetze“, eine Abhandlung über das Naturrecht) beigetragen.
  • Aristoteles (384-322 v.Chr.)
  • Platon (ca. 428-347 v. Chr.): 
  • Thukydides (ca. 460-395 v. Chr.)

2. Epochale Denker

Das Denken der folgenden Männer hat die großen Debatten zu Fragen des schützenden und bewahrenden Dienstes über mindestens ein Jahrhundert hinweg geprägt:

  • Oswald Spengler (1880-1936)
  • G.K. Chesterton (1874-1936)
  • Charles Péguy (1873-1914)
  • Papst Pius X. (1835-1914)
  • Jacob Burckhardt (1818-1897): Der Kulturhistoriker entwickelte eine Theorie historischer Krisen und betonte die zentrale Rolle der Religion als Treiber historischer Entwicklung.
  • Alexis de Tocqueville (1805 – 1859)
  • Juan Donoso Cortés (1809-1853)
  • Louis-Gabriel-Ambroise de Bonald (1754-1840)
  • Joseph de Maistre (1753-1821): Ein von den Gedanken Burkes geprägter Philosoph, der sich v.a. mit totalitären Tendenzen moderner Ideologien sowie deren Tendenz zur Auflösung der kulturellen Fundamente von Gesellschaften kritisch auseinandergesetzt hat
  • Edmund Burke (1729-1797): Staatsphilosoph, der nach der Französischen Revolution die totalitären Tendenzen moderner, utopischer Ideologien beschrieb

3. Denker der Gegenwart

  • Patrick Deneen (geb. 1964): Der an der Universität Notre Dame in den USA lehrende Politikwissenschaftler hat sich vor allem mit den destruktiven Tendenzen des Liberalismus auseinandergesetzt.
  • Jordan Peterson (geb. 1962): Der an der Universität von Toronto in Kanada lehrende Psychologe setzt sich vor allem mit der Berufung des Mannes auseinander. Er ist gegenwärtig einer der wesentlichen Vordenker männlicher Spiritualität, wobei er seine Gedanken vor allem psychologisch begründet.
  • Martin Rhonheimer (geb. 1950): Der aus der Schweiz stammende Philosoph hat sich vor allem mit den christlichen Grundlagen des freiheitlichen Staates sowie mit der prinzipiellen Unvereinbarkeit islamischer und freiheitlicher Konzepte politischer Ordnung auseinandergesetzt.
  • Ryszard Legutko (geb. 1949): Der polnische Philosoph setzt sich unter anderem mit totalitären Tendenzen in modernen Ideologien auseinander, etwa in seinem Werk „The Demon in Democracy: Totalitarian Temptations in Free Societies“.
  • Robert Sarah (geb. 1945): Der Kardinal gilt als eine der wichtigsten Stimmen geistiger Erneuerung in der katholischen Kirche der Gegenwart. So betonte er etwa die Gefahren, die dem Christentum durch das Wirken utopischer Ideologien sowie islamistische Strömungen und Akteure drohen, und rief zu stärkerer Auseinandersetzung mit diesen auf. Papst Benedikt XVI. bezeichnete Sarah in einer seiner wenigen öffentlichen Äußerungen nach seiner Emeritierung als „geistlichen Lehrer“.
  • Roger Scruton (geb. 1944)
  • Bassam Tibi (geb. 1944)
  • Papst Franziskus (geb. 1936): Franziskus hat sich bei vielen Anlässen im Rahmen einer Spiritualität des schützenden und bewahrenden Dienstes am Nächsten und am Gemeinwesen geäußert.
  • Ernst-Wolfgang Böckenförde (geb. 1930): Der katholische Staats- und Verwaltungswissenschaftler und ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht formulierte das sog. Böckenförde-Diktum: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“
  • Thomas Sowell (geb. 1930)
  • Alasdair MacIntyre (geb. 1929): Der Philosoph wurde vor allem durch seine moralphilosophische Kritik des Relativismus der Aufklärung und seine Gedanken über die Fortsetzung der abendländischen Tradition bekannt.
  • Leszek Kolakowski (1927-2009)
  • Robert Spaemann (geb. 1927): Der katholische Philosoph und Berater Benedikts XVI. betonte die Bedeutung des Christentums als Gegenpol zu totalitären Utopien. Zudem schrieb er über die für Europa und das Christentum identitätsstiftenden „heiligen Erzählungen“ des Christentums, zu denen auch der „tausendjährige Abwehrkampf der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus“ gehöre.
  • Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger, geb. 1927): Als Theologe war er einer der bedeutendsten Päpste in der Geschichte der Kirche. Der Historiker Peter Watson stellte ihn in eine Reihe mit Beethoven und Kant als einen Vertreter des „deutschen Genius“.
  • Thomas Molnar (1921-2010)
  • Alexander Solschenizyn (1918-2008): Der Schriftsteller verfasste u.a. das Werk „Der Archipel Gulag“, in dem er die Verbrechen des Kommunismus aufarbeitet, und trug als Dissident dazu bei, die Grundlagen für die kulturelle Erneuerung Russlands nach dem Ende des Kommunismus zu schaffen. In einer 1978 an der Universität Harvard gehaltenen Rede sagte er der westlichen Welt existentielle Krisen voraus, deren Ursache sei, dass sie ähnlich wie der Kommunismus auf dem fehlerhaften Welt- und Menschenbild der Moderne aufgebaut seien.
  • Philip Rieff (1922-2006): Der Soziologe schuf das Konzept der „Antikultur“ zur Beschreibung der auf die Auflösung gewachsener Tradition gerichteten weltanschaulichen Strömungen der Moderne und erklärte ihr Wirken psychologisch als Ausdruck eines kollektiven Todestriebs.
  • Bernard Lewis (1916-2018): Der britisch-amerikanische Historiker ehrte zuletzt an der Princeton University und galt als einer der weltweit führenden Experten für die Geschichte des Nahen Ostens und des Islam. Bereits in den 1970er Jahren prognostizierte er das Erstarken des politischen Islam und einen daraus resultierenden „Clash of Civilizations“.
  • Erik von Kuehnelt-Leddihn (1909-1999): Der Staatswissenschaftler und Katholik verband in seinem Werk liberales und konservatives Denken miteinander und betonte deren Charakter als christlich-inspirierte, menschenwürdige Gegenpole zu atheistischen, utopischen und totalitären Ideologien. Er ging zudem davon aus, dass die Wurzeln der totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts bei allen Unterschieden in den politischen Ideen der Moderne, insbesondere in denen der Französischen Revolution, zu finden seien. Mit großer Sympathie betrachtete er die ursprüngliche Verfassung der USA, wohin er 1937 emigrierte und dort als Autor erste Bekanntheit erlangte.
  • Joseph Pieper (1904-1997): Der christliche Philosoph vermittelte in seinen Werken die Weisheitstradition des Abendlandes in klarer Sprache und zeigte ihre zeitlose Aktualität auf. Dabei berührte er auch Fragen der Spiritualität des schützenden Dienstes, etwa in seinen Werken über die Tugenden der Tapferkeit und der Disziplin.
  • Robert Alexander Nisbet (1913-1996)
  • Plinio Corrêa de Oliveira (1908-1995)
  • Nicolás Gómez Dávila (1913-1994): Der kolumbianische Philosoph und katholische Traditionalist, der sich selbst als „Reaktionär“ bezeichnete, ist vor allem für seine konsequente Kritik der Moderne sowie moderner Ideologien bekannt, die er vorwiegend in Form von Aphorismen vortrug.
  • Russell Kirk (1918-1994): Der politische Philosoph setzte sich auf der Grundlage der katholischen Naturrechtslehre mit den Prinzipien guten politischen Handelns und den Voraussetzungen guter Gesellschaften auseinander.
  • Allan Bloom (1930-1992): In seinem Hauptwerk „The Closing of the American Mind“ beschrieb der Politikwissenschaftler die Zerstörung des klassischen Bildungsideals an Universitäten durch die Folgen der Durchsetzung neomarxistischer und vor allem postmoderner Ideologie seit den spätern 1960er Jahren.
  • Henri de Lubac (1896-1991)
  • Hans Urs von Balthasar (1905-1988)
  • James Burnham (1905-1987): Der Philosoph und Soziologe untersuchte kulturelle Auflösungstendenzen in westlichen, liberalen Gesellschaften in seinen Werken „Begeht der Westen Selbstmord?“ und „Die Revolution der Manager“.
  • Mircea Eliade (1907-1986): Er gehörte zu den Religionswissenschaftlern, die bei ihrer Erforschung religiöser Phänomene von der Möglichkeit ausgingen, dass religiöse Erfahrungen auf der Wahrnehmung eines nichtmateriellen Teiles der Wirklichkeit beruhen. In diesem Zusammenhang untersuchte er u.a. die Mythen der Menschheit auf Gemeinsamkeiten.
  • Eric Voegelin (1901-1985): Der Politikwissenschaftler setzte sich auf Grundlage des christlichen Menschenbildes mit den geistigen Verfallserscheinungen der Moderne auseinander. Modernen Ideologien warf er vor, elementare Aspekte der Wirklichkeit auszublenden, was dazu führe, dass diese der Wirklichkeit nicht gerecht würden. Politikwissenschaft betrachtete er als die Wissenschaft der auf ein transzendentes Ziel ausgerichteten sozialen Ordnung der Welt. Mit der Trennung von diese Ziele löse sich auch die entsprechende Ordnung auf.
  • Arnold J. Toynbee (1889-1975): Er gilt als einer der wichtigsten Historiker des 20. Jahrhunderts. Die Ursachen der Krise der westlichen Kulturen sah er in ihrem Abfall von der Religion.
  • Christopher Dawson (1889-1970): Er gilt als bedeutendster katholischer Historiker des 20. Jahrhunderts und hat sich vor allem mit der Entstehung Europas bzw. des Abendlandes und seinen christlichen Wurzeln auseinandergesetzt.
  • Romano Guardini (1885-1968): Der katholische Theologe beschrieb in seinem Werk „Das Ende der Neuzeit“ die besonderen spirituellen Herausforderungen, die mit der Krise Europas verbunden seien. Tapferkeit, „die sich dem heraufdrohenden Chaos entgegenstellt“, beschrieb er dabei als eine zentrale Eigenschaft einer dieser Lage gerecht werdenden Spiritualität. Sie habe gegen „den universellen Feind, das im Menschenwerk selbst aufsteigende Chaos zu bestehen“ und „die Öffentlichkeit, die in Parolen und Organisationen verdichtete Unwahrheit“ gegen sich.
  • Pitirim Sorokin (1889-1968)
  • T.S. Eliot (1888-1965)
  • C.S. Lewis (1898-1963): Der Philosoph und Schriftsteller war ein Verteidiger der christlichen Geistestradition gegen die von ihm kritisierte „Abschaffung des Menschen“ durch die Reduzierung der Wirklichkeit auf empirisch Fassbares seitens moderner Ideologien.
  • Hilaire Belloc (1896-1953): Der Historiker schrieb über die Bedeutung des Christentums für Europa: „Der Glaube ist Europa und Europa ist der Glaube.“ Er sah zudem bereits in den 1930er Jahren das Erstarken radikaler Strömungen im Islam voraus.
  • Nikolai Berdjajew (1874-1948): Philosoph und Künder eines „neuen Mittelalters“ im Sinne einer Renaissance der Religion und des Geistigen in Europa nach dem bevorstehenden Scheitern moderner Ideologien
  • Simone Weil (1909-1943)