Stand: 11.12.2018

Diese Seite beschreibt Brauchtum, das im Zusammenhang mit dem christlichen Kulturerbe des schützenden und bewahrenden Dienstes steht.

1. Stil, Form und Brauchtum des christlichen Rittertums

Das Rittertum war ein Versuch zur Schaffung einer weltlichen Lebensform und Ethik die christliche Ideale von Dienst, Nächtenliebe und asketischem Leben mit Herrschaftsaufgaben und dem Auftrag der Verteidigung vereinen wollte. Das Rittertum ist dabei bis in die Gegenwart kulturprägend. Teile der Kultur des Rittertums gingen in der Kultur des europäischen Gentleman sowie in der Kultur des Offiziertums auf.

  • Ritterweihe: Diese kam nach der Jahrtausendwende auf und beinhaltete einen Schwertsegen, ein rituelles Bad, die Einkleidung und eine Nachtwache mit Fasten in einer Kirche.
  • Ritterschlag: Dieser war die unfeierliche Kurzform der Ritterweihe.
  • Rittergürtung: Diese war Teil der Ritterweihe und geht auf die Spätantike zurück, als der „Cingulum Militiae“ das Würdezeichen des Amtes in der Militia war. Im 11.-14. Jahrhundert wurden Ritter überwiegend gegürtet und nicht geschlagen.
  • Haar- und Barttracht: Der hl. Bernhard von Clairvaux stellte in seiner Schrift über das christliche Rittertum dem weltlichen Ritter, der langes Haar trug, den christlichen Ritter mit geschorenem Haar und kurzem Bart gegenüber.
  • Kleidung: Geistliche Ritterorden trugen uniformähnliche Ordenskleider, die aus Habit und Abzeichen bestanden. Beim Habit handelte es sich üblicherweise um einen schwarzen Mantel (dessen Farbe Demut symbolisiert) oder einen weißen Mantel (dessen Farbe Reinheit symbolisiert). Die Abzeichen in Form eines Kreuzes, die zu tragen Urban II. bei seinem Aufruf zum Ersten Kreuzzug gefordert, waren meist klein und wurden auf der linken Brustseite getragen. Der hl. Bernhard von Clairvaux hob in seiner Schrift über das christliche Rittertum die schlichte Beleidung der christlichen Ritter hervor, die auf überflüssige Verzierung verzichte.

Kritik an der Kultur des Rittertums

Die höfische Kultur des Rittertums und des Adels war nach Angaben von Historikern nicht ohne Fehler und Schwächen:

  • In ihr habe es auch effeminierte und degenerierte Züge gegeben, etwa einen Hang zu affektiertem Zeremoniell. Umgekehrt habe es in Teilen des Rittertums auch eine ausgeprägte Bildungsdistanz gegeben. So berichtete Ulrich von Hutten etwa, dass die Ritter seiner Zeit zu der Ansicht geneigt hätten, dass man durch Studium „weichlich und schlaff“ werde.
  • Es habe zudem eine Tendenz zu sexueller Freizügigkeit gegeben. Die Ehe sei häufig nicht als Sakrament, sondern als Zweckbündnis betrachtet und oft nur aus politischen Gründen eingegangen worden.
  • Das Turnierwesen habe sich zunehmend von seinem Zweck entfernt, der darin bestanden habe den Ritter auf den Kampf vorzubereiten, und sei zum Selbstzweck verkommen, der die Tauglichkeit des Ritters oft eher gefährdete.
  • Ehrversessenheit habe Fehden und Kriege ausgelöst, die großen Schaden für das Gemeinwohl mit sich gebracht hätten. Verarmte Ritter seien zudem als Raubritter in Erscheinung getreten.

2. Sonstiges wehrhaftes christliches Brauchtum

  • Schwerttänze: Diese sind eine Gruppe von Volkstänzen des christlich-europäischen Kulturraums. Sie schließen Schützentänze, Scheinschlachttänze und Duotänze oder Solotänze, wie beispielsweise traditionelle schottische Schwerttänze, ein. Auch der Messertanz, ein mittelalterlicher Zunfttanz, gehört zu den Schwerttänzen. Europäische Schwerttänze fanden besonders in einem Raum statt, der dem Heiligen Römischen Reich zwischen 1400 und 1500 entspricht. Die Schwerttänze des Baskenlandes, Andalusiens und Galiciens werden auch heute in ungebrochener Tradition aufgeführt. Scheinschlachtschwerttänze gehen mutmaßlich auf das römische Saltatio Armatum zurück. Einige europäische Schwerttänze haben Elemente sowohl der Ketten- als auch der Scheinschlachttänze, wie der Schwerttanz der Insel Korčula in Kroatien.
  • Fahnenweihen: Diese ist die feierliche Übergabe einer Fahne an eine Organisation im Zusammenhang mit ihrer Einsetzung während einer heiligen Messe. Die Praxis ist seit dem 10. Jahrhundert belegt und wird in katholisch geprägten Regionen wie Bayern, Österreich und Tirol auch heute noch gepflegt. Dort werden u.a. militärische Truppenfahnen sowie Fahnen von Brauchtumsvereinen, die auf die militärische Tradition der Bürgerwehren zurückgehen, aber auch Fahnen von Freiwilligen Feuerwehren, entsprechend eingesegnet. Vor dem kirchlichen Akt findet oft die feierliche Befestigung des Fahnentuches an der Fahnenstange statt. Die Fahne wird von sog.Fahnenjungfrauen oder „Ehrendamen“ zum Altar getragen. Traditionell fungiert dabei eine Frau als Fahnenpatin. Sie spendet meist auch das Fahnenband. Im Rahmen der heiligen Messe erfolgt die feierliche Einsegnung der Fahne. Die Fahne wird dazu am Altar aufgestellt. Bei der Konsekration und beim Segen wird sie als Zeichen der Verbundenheit mit dem christlichen Glauben gesenkt. Nach der Weihe übergibt die sog. Fahnenmutter die Fahne an einen damit besonders geehrten Fahnenträger der Körperschaft. Oft werden anlässlich der Fahnenweihe die ersten Fahnenbänder, insbesondere ein – oft von der Gemeinde gestiftetes – schwarzes Ehrenband für die Toten der Körperschaft und ein Fahnenband der Fahnenmutter sowie das Band eines befreundeten Patenvereines befestigt.
  • Totenschilde: Ein Totenschild ist ein Gedächtnismal für einen Verstorbenen, das normalerweise im Kirchenraum unabhängig vom Bestattungsort angebracht wird und das das Wappen des Toten sowie einen Todesvermerk zeigt. Sie gehen auf einen im 12. Jhd. entstandenen Brauch zurück, Schild und Helm über dem Grab eines Ritters aufzuhängen. Die ältesten Totenschilder hatten noch die Form eines Kampfschildes, während neuere rechteckige, runde oder polygonale Holztafeln sind. Diese zeigen mittig das Wappen sowie Namen, Todesdatum und einen Segenswunsch.1
  • Minnetrinken/Gesundheitstrinken: Dabei handelt es sich um einen christianisierten, ursprünglich in weiten Teilen Europas verbreiteten heidnischen Brauch, der auf die Praxis zurückgeht, Götter und Helden durch Zutrinken zu ehren. Beim Minnetrinken wird statt dessen Gott,  Jesus Christus, die heilige Dreifaltigkeit, die heilige Muttergottes oder ein Heiliger geehrt. In diesem Zusammenhang ist z.B. ein „Michaelistrunk“ bekannt, der den hl. Erzengel Michael ehrt. Vermutlich als Folge der früheren Verwendung fußloser Trinkhörner entstand die Sitte, das Trinkgefäß von einer Person zur anderen weiterzugeben. Sie wurde im 20. Jahrhundert noch in Form des „Grace Cups“ an den Universitäten Oxford und Cambridge praktiziert. Hier wird ein Becher links herumgereicht und mit einem Trinkspruch wie „I’ll pledge to you“ übergeben. Der britische „Toast“ entstand aus diesem Brauch, weil zeitweise eine geröstete Brotschnitte in den Becher geworfen wurde, die derjenige, der den Becher leerte, zu verzehren hatte. In Deutschland entstand der Brauch, die Gläser anzustoßen, im Zusammehang mit entsprechenden Trinkbräuchen.2
  • Rosen für künftige Ehefrauen (Katalonien): In Katalonien ist es ein Brauch, dass Männer der Frau, die sie heiraten wollen, am Georgstag am 23. April eine Rose schenken. Die bezieht sich auf die Legende des hl. Georgs, der zufolge aus dem Blut des von ihm getöteten Drachen Rosen sprossen und dass er eine davon der von ihm geretteten Prinzessin überreicht habe.
  • Der „Gute Montag“ (Münster): Es handelt sich um ein Traditionsfest der Bäcker- und Konditoreninnung von Münster in Westfalen. Es erinnert an die Beteiligung münsteraner Bäckergesellen an der Verteidigung Wiens gegen die osmanische Belagerung 1683.
  • Lewerbessern“, „Gmarischauen“, „Beating the Bounds“: Im österreichischen Raum ist das „Lewerbessern“ oder „Gmarischauen“ ein Abgehen der Gemeindegrenzen, die mit Erdhügeln oder Grenzsteinen markiert werden. Es handelt sich um einen Frühlingsbrauch, der häufig zum Georgsfest am 24.04. durchgeführt wurde. Männer nahmen dabei Jungen mit, die sich den Grenzverlauf einprägen sollten und dazu an den Ohren gezogen wurden, was das Erinnerungsvermögen stärken sollte.Das „Beating the Bounds“ ist eine England, Irland, Wales und Schottland praktizierte Form der Bittprozession, bei der die Grenzen einer Kirchengemeinde abgeschritten werden. Sie sollte  ursprünglich Gemeindegrenzen im Bewusstsein der Bewohner eines Gebietes präsent halten, was die Grundlage ihres Schutzes u.a. gegen das Eindringen Fremder oder Versuche des heimlichen Versetzens von Grenzsteinen war. Außerdem wurde während der Prozessionen traditionell um Schutz und Segen für das Land gebetet. Sie findet traditionell während der Bitttage (englisch rogationtide) zwischen dem fünften Sonntag nach Ostern (Rogate) und Christi Himmelfahrt statt. Üblicherweise nehmen an der Prozession vor allem Jungen teil, was den Wunsch zum Ausdruck bringt, dass die Erinnerung an die Grenzen so lange wie möglich fortbestehen solle.