Stand: 05.12.2017

Diese Portalseite enthält Beiträge zu Elementen der christlich-abendländischen Kultur des schützenden und bewahrenden Dienstes und des darauf beruhende wikkulturellen Erbes. Der Inhalt der Seite, von der sich Teile noch im Entwurfsstadium befinden, wird laufend aktualisiert.

Der katholische Philosoph Robert Spaemann schrieb im zweiten Band seiner „Meditationen eines Christen“, dass Identität durch „große Erzählungen“ und „heilige Geschichten“ gestiftet und weitergegeben werden. Christen hätten die Pflicht, die Tradition, in der sie stehen, auf diese Weise fortzusetzen.

Das weiterzugebende Erbe würde nicht nur Inhalte der Bibel umfassen, sondern alle Traditionsbestände der ersten zwei Jahrtausende christlicher Geschichte. Darunter befinde sich auch das Erbe des schützenden und bewahrenden Dienstes des Christentums, das eine Form der Nachfolge Christi vermittele.

In diese Geschichte gehört der tausendjährige Abwehrkampf der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus, die Erzählung von Karl Martell und der Schlacht von Tour und Poitiers, vom Sieg der Christen in der Seeschlacht von Lepanto mit Don Juan d’Austria, begleitet vom Rosenkranzgebet der ganzen Christenheit. Schließlich die Rettung Wiens durch den Prinzen Eugen und den König von Polen. Und so geht es weiter […].

Die „Aneignung der großen heiligen Erzählung“ durch Christen im Europa der Gegenwart bewertet Spaemann positiv. Dies „könnte Zeichen für eine Wende sein, in der die Christenheit ihre Identität zurückgewinnt“.

1. Heilige

Heilige sind nach katholischem Verständnis verehrungswürdige Menschen, die ein radikales, religiös vorbildliches Leben geführt haben. Es handelt sich bei ihnen um Menschen die große Taten auf einem besonderen Gebiet hervorbrachten, sich durch heroische Tugend auszeichneten oder besonders glaubensstark waren. Viele Heilige waren Märtyrer und Asketen.

1.1 Maria, die Hilfe der Christen

Sie entschied sich dazu, in den Dienst Gottes einzutreten, und führte gehorsam den wichtigsten Auftrag aus, den jemals ein Mensch erhalten wird. Das Reich des Sohnes, den sie gebar, wird kein Ende haben. Sie ist gesegnet unter den Frauen, und sie preisen selig alle Geschlechter, denn der Mächtige hat Großes an ihr getan. „Wer ist sie, die hervorglänzt wie das Morgenrot, schön wie der Mond, klar wie die Sonne, furchtgebietend wie Heerscharen mit Kriegsbannern?“ (Hoheslied 6,10)

Marienverehrung hat einen engen Bezug zur Spiritualität des schützenden Dienstes. Schon früh wurde Maria unter dem Titel „Hilfe der Christen“ angerufen. Das älteste bekannte Mariengebet, dessen Entstehung sich bis ins 3. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, zeigt Maria als Schutzfrau und Helferin der Gläubigen.

Marienverehrung spielte bei der Verteidigung des Christentums eine wichtige Rolle; insbesondere bei der Verteidigung des christlichen Europas gegen islamische bzw. arabische und osmanische Invasionen. So begann etwa die Reconquista auf der spanischen Halbinsel um das Jahr 722 am Marienheiligtum Covadonga, als der Heerführer Pelagius von Asturien dort um Beistand bat. Auch die erfolgreiche Abwehr osmanischer Invasionen, etwa im Rahmen entscheidender Ereignisse wie der Seeschlacht von Lepanto 1571 oder der Beendigung der Belagerung Wiens 1683, steht in einem engen Zusammenhang mit der Verehrung Marias.

1.2 Sonstige Heilige

Einen allgemeinen Bezug zum schützenden Dienst des Christen haben die folgenden katholischen Heiligen.

  • Johannes Paul II. (1920-2005): Geistiger Führer des Westens bei dessen Verteidigung gegen die Herausforderung durch die totalitären Ideologien der Moderne
  • Josemaría Escrivá (1902-1975): Vordenker einer männlichen Spiritualität des tätigen Dienstes und Gründer des Opus Dei
  • Die Märtyrer des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Deutschland (1933-1945): Das „Martyrologium Germanicum“ erfasst 415 katholische deutsche Märtyrer, die neben den vielen Märtyrern anderer Konfessionen und denen aus anderen Ländern Europas durch Nationalsozialisten wegen ihres Glaubens getötet wurden. Es enthält unter anderem Mitglieder der Weißen Rose und des Kreisauer Kreises. Zu den bislang heiliggesprochenen Märtyrern des Widerstands gehört u.a. Alfred Delp.
  • Maximilian Kolbe (1894-1941): Der unbesiegte Märtyrer von Auschwitz, der ursprünglich Soldat werden wollte und die Militia Immaculatae gründete, ist einer der bekanntesten katholischen Heiligen des 20. Jahrhunderts. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13)
  • Die Märtyrer des Widerstands gegen den Kommunismus in Spanien (1936-1939): Über 6.000 Bischöfe, Priester, Ordensleute und katholische Laien wurden im spanischen Bürgerkrieg von Kommunisten wegen ihres Glaubens getötet. Die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus haben bislang über eintausendsiebenhundert von ihnen selig- und elf heiliggesprochen. Bei weiteren zweitausend Märtyrern lief das Seligsprechungsverfahren 2017 noch. Die Seligsprechung von 522 der Märtyrer im Auftrag von Papst Franziskus im Oktober 2013 war die größte Seligsprechungsfeier in der Geschichte der katholischen Kirche. Von dem zum Zeitpunkt seines Todes jüngsten dieser Heiligen, Bartolomé Blanco, sind diese letzten Worte überliefert: „Wer für Jesus Christus stirbt, sollte dies mit dem Gesicht nach vorne und in aufrechter Haltung tun. Lang lebe Christus der König!“
  • José Sánchez del Río (1913-1928): Er kämpfte während der Guerra Cristera auf Seiten der Cristeros gegen das christenfeindliche Calles-Regime in Mexiko. Nach seiner Gefangennahme versuchte man, ihn durch Folter zur Verleugnung seines Glaubens zu zwingen, was nicht gelang.
  • Louis-Marie Grignion de Montfort (1673-1716): Vordenker einer agonalen marianischen Spiritualität
  • Papst Pius V. (1504-1572): Er wurde 1712 heiliggesprochen, wofür auch der als wundersam angesehene Sieg der Heiligen Liga über das Osmanische Reich in der Seeschlacht von Lepanto vom 7. Oktober 1571 eine zentrale Rolle spielte. Dieser Sieg rettete das christliche Europa vor der osmanischen Bedrohung. Man führte ihn auf die Hilfe der Muttergottes, der „Mutter vom großen Sieg“ zurück. Pius V. hatte zu entsprechenden Gebeten aufgerufen und zudem die Heilige Liga europäischer Staaten zur Abwehr dieser Bedrohung ins Leben gerufen, was zuvor als politisch unmöglich gegolten hatte. G.K. Chesterton würdigte seinen Einsatz in seinem Gedicht „Lepanto“.
  • Ignatius von Loyola (1491-1556): Ritter, Vordenker einer soldatisch-geprägten Spiritualität und Gründer des Jesuitenordens
  • Die Märtyrer von Otranto (1480): 800 Süditaliener, die sich nach der Eroberung ihrer Stadt durch Muslime weigerten, zum Islam zu konvertieren. Sie waren „gehorsam bis zum Tod“ (Phil 2,8) und wurden 2013 von Papst Franziskus heiliggesprochen.
  • Johannes von Capestrano (1386-1456): Der franziskanische Ordenspriester und Wanderprediger engagierte sich nach dem Fall Konstantinopels besonderem Maße bei der Mobilisierung von Verteidigung gegen die osmanischen Bedrohung Europas. So führte er etwa den Reichsfürsten auf mehreren Reichstagen die drohende Gefahr vor Augen. Einer Predigt, welche die fast schon geschlagenen Verteidiger Belgrads im Jahre 1456 gestärkt habe, wird deren Sieg über die Angreifer und die damit verbundene Rettung Europas zugeschrieben.
  • Bernhard von Clairvaux (1090-1153): Der aus dem burgundischen Hochadel stammende hl. Bernhard war Sohn des Ritters Tecelin und trat im Jahre 1112 trat er in das Kloster Cîteaux ein. Kurz darauf wurde er zum Vorsteher der Abtei von Clairvaux ernannt, die sich unter seiner Leitung zur bedeutendsten Abtei des Ordens entwickelte. Unter seiner Führung wurden über 300 neue Klöster des Ordens gegründet, dessen Leiter er schließlich wurde. In seinen Predigten setzte er sich vor dem Hintergrund der Herausforderung der Bedrohung durch den Islam auch mit den militärischen Aspekten des Christentums auseinander und war zudem ein Vordenker des ritterlichen Ideals und des christlichen Soldatentums.
  • Die Ebstorfer Märtyrer (880): 879 fielen heidnische Normannen im Zuge der Wikingerüberfälle in Niedersachsen ein und griffen die dort lebenden Christen an. Unter der Führung von Herzog Bruno von Sachsen und mehrerer Bischöfe stellte sich ihnen am 02. Februar 880 mutmaßlich im Raum Stade ein christliches Heer entgegen, das von den Normannen geschlagen wurde. Die Gefallenen wurden als Märtyrer heiligesprochen, darunter auch Bruno von Sachsen sowie die Bischöfe Theoderich und Markward. Insgesamt sind 32 der Heiligen namentlich bekannt. Um die Schlacht und die Märtyrer bildeten sich zahlreiche Legenden.
  • Benedikt von Nursia (ca. 480-547): Ordensgründer und „Vater Europas“, dessen Orden im Chaos nach dem Untergang des Römischen Reiches das „Licht der Welt“ (Mt 5,14) war.
  • Stephanus (ca. 1-36): Der erste Märtyrer des Christentums wurde getötet, nachdem er eine Verteidigungsrede zugunsten des Christentums gehalten hatte.
  • Joseph von Nazareth: Er führte ähnlich wie Maria ein dienendes Leben im Gehorsam gegenüber Gott und war der Beschützer zunächst Marias und später der Familie Jesu unter den gefährlichen Bedingungen (etwa der Verfolgung durch Herodes), die in den Evangelien beschrieben sind. Er war ein Mann der Tat, von dem kein einziges Wort überliefert ist, ohne dessen schützenden Dienst das wichtigste Geschehen in der Geschichte der Menschheit jedoch nicht möglich gewesen wäre.
  • Die makkabäischen Brüder und ihre Mutter (ca. 167 v. Chr.) Die sieben Brüder und ihre Mutter wurden der Überlieferung nach getötet, weil sie sich im Zuge der seleukidischen Anstrengungen zur Vernichtung der jüdischen Religion weigerten, von der “Lebensart ihrer Väter abzufallen”. Ihre Geschichte ist in 2 Makkabäer 7 überliefert. Sie hätten Leib und Leben für die “Gesetze unserer Väter” hingegeben, einander ermutigt, “in edler Haltung zu sterben” und dem fremden König Antiochus IV. angekündigt, dass ihr Volk nicht von Gott verlassen sei und er dessen “gewaltige Kraft spüren” werde, “wenn er dich und deine Nachkommen züchtigt”, denn er habe es  “gewagt, mit Gott zu kämpfen.” Im Anschluss daran wird der Beginn des Aufstands des Judas Makkabäus gegen die Seleukiden beschrieben. Die Brüder und ihre Mutter werden in der katholischen Kirche als Heilige bzw. als vorchristliche Märtyrer verehrt, deren Geschichte als Parallele zur Passion Christi und seiner Mutter Maria verstanden wird.

1.3 Soldatenheilige

Carlos Múgica y Pérez – Der hl. Ferdinand III. (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Das katholische und das orthodoxe Christentum verehren Soldatenheilige, die ein soldatisch geprägtes, christliches Leben führten.

Während es sich bei den meisten der katholischen Soldatenheiligen primär um Märtyrer handelte, die wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt und getötet wurden, spielt im orthodoxen Christentum die Betonung schützenden Dienstes im Zusammenhang mit Soldatenheiligen eine größere Rolle.

Dies hat auch historische Gründe, da das orthodoxe Christentum aufgrund der geographischen Lage seines Verbreitungsraums historisch in größerem Umfang Ziel von militärischen Angriffen war.

Im katholischen Christentum sind im Zusammenhang mit schützendem Dienst vor allem die folgenden Soldatenheiligen zu nennen:

  • Johanna von Orléans (1412-1431): Die Rettung Frankreichs war unmittelbarer Gegenstand ihrer Berufung, der sie durch den Dienst als Soldatin folgte.
  • König Ferdinand III. von Kastilien (1199-1252): Er habe sich durch besondere Frömmigkeit ausgezeichnet und diente zunächst als Ritter. Als König vereinte er die spanischen Königreiche Kastilien, Léon, Asturien, Galicien und Kastilien und schuf dadurch eine der Voraussetzungen für die Befreiung der iberischen Halbinsel von der islamischen Herrschaft. Als militärischer Führer war er zudem in vielen Schlachten gegen muslimische Heere siegreich, befreite weite Teile der Halbinsel, veranlasste die Auswanderung der muslimischen Besatzer aus den befreiten Gebieten und ermöglichte die Wiederansiedlung von Christen dort. Bereits zu Lebzeiten wurde er als Heiliger verehrt. Sein unverwester Leichnam befindet sich in der Kathedrale von Sevilla. 1671 wurde er von Papst Klemens X. heiliggesprochen.
  • Herzog Bruno von Sachsen (ca. 830-880): Er fiel als Heerführer zusammen mit den als „Ebstorfer Märtyrer“ bekannten Adeligen und Kriegern in der Normannenschlacht in der Lüneburger Heide im Jahre 880 beim Versuch, eine Invasion heidnischer Normannen abzuwehren.

2. Biblische Personen

  • Hesekiel: Der Sohn eines Priesters ist einer der großen Propheten im Alten Testament. Er wurde der Überlieferung nach im 6. Jhd. v. Chr. von den Babyloniern ins Exil verschleppt. Das Buch Hesekiel beschreibt eine schützende Spiritualität, die auf einer Berufung zum Wächtertum beruht (Hesekiel 33,2-7). Im Buch Hesekiel ruft Gott dazu auf, sich zu rüsten und bereitzuhalten zur Abwehr der weltlichen Gegner, die das Volk Gottes angreifen wollen, damit dieses Volk in Sicherheit leben kann (Hesekiel 38,7-9). Gott beruft mit den Worten im Buch Hesekiel den zum Dienst bereiten Mann, damit er „eine Mauer baut oder für das Land in die Bresche springt“ (Hesekiel 22,30).
  • Der Hauptmann von Kafarnaum: Laut Mt 8,5-13 und Lk 7, 1-10 bittet ein römischer Zenturio, dessen Name nicht überliefert ist, Jesus Christus um Hilfe für einen ihm unterstellten Kranken. In seinem Gespräch mit Jesus Christus vergleicht er diesen mit einem Offizier, der wie er Befehlen gehorchen müsse und Soldaten führe. Weil der Hauptmann seine Macht erkennt, antwortete Jesus Christus ihm: „Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden.“ Einige der Worte des Hauptmanns sind in der heiligen Messe Teil des Gebets vor der Kommunion.
  • Nehemia
  • Judas Makkabäus: Bezüge auf die Makkkabäerbücher des Alten Testaments dominieren Schriften über das Rittertum in der mittelalterlichen Literatur.

3. Denker

Die hier vorgestellten Denker haben sich mit Herausforderungen für das Christentum und Antworten auf sie auseinandergesetzt.

  • Martin Rhonheimer (geb. 1950): Der aus der Schweiz stammende Philosoph hat sich vor allem mit den christlichen Grundlagen des freiheitlichen Staates sowie mit der prinzipiellen Unvereinbarkeit islamischer und freiheitlicher Konzepte auseinandergesetzt.
  • Ryszard Legutko (geb. 1949): Der polnische Philosoph setzt sich unter anderem mit totalitären Tendenzen in modernen Ideologien auseinander, etwa in seinem Werk „The Demon in Democracy: Totalitarian Temptations in Free Societies“.
  • Robert Sarah (geb. 1945): Der Kardinal gilt als eine der wichtigsten Stimmen geistiger Erneuerung in der katholischen Kirche der Gegenwart. So betonte er etwa die Gefahren, die dem Christentum durch das Wirken utopischer Ideologien sowie islamistische Strömungen und Akteure drohen, und rief zu stärkerer Auseinandersetzung mit diesen auf. Papst Benedikt XVI. bezeichnete Sarah in einer seiner wenigen öffentlichen Äußerungen nach seiner Emeritierung als „geistlichen Lehrer“.
  • Roger Scruton (geb. 1944)
  • Papst Franziskus (geb. 1936): Franziskus hat sich bei vielen Anlässen im Rahmen einer Spiritualität des schützenden und bewahrenden Dienstes am Nächsten und am Gemeinwesen geäußert.
  • Alasdair MacIntyre (geb. 1929)
  • Leszek Kolakowski (1927-2009)
  • Robert Spaemann (geb. 1927): Der katholische Philosoph und Berater Benedikts XVI. betonte die Bedeutung des Christentums als Gegenpol zu totalitären Utopien. Zudem schrieb er über die für Europa und das Christentum identitätsstiftenden „heiligen Erzählungen“ des Christentums, zu denen auch der „tausendjährige Abwehrkampf der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus“ gehöre.
  • Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger, geb. 1927): Als Theologe war er einer der bedeutendsten Päpste in der Geschichte der Kirche. Der Historiker Peter Watson stellte ihn in eine Reihe mit Beethoven und Kant als einen Vertreter des „deutschen Genius“.
  • Gerd-Klaus Kaltenbrunner (1939-2011): Der katholische Schriftsteller und Philosoph trat vor allem als konservativer Publizist in Erscheinung, etwa als Herausgeber der Schriftenreihe „Initiative“ im Herder-Verlag zwischen 1974-1988. Nach einer Glaubenserfahrung in den 1990er Jahren sprach er über die  „bestürzenden Folgen der progressiven Entchristlichung Deutschlands“ und das  „Totschweigen, die gnadenlose Austilgung und Bannung weiter Bereiche des europäischen Geistes“. Nur der Katholizismus sei diesen Auflösungserscheinungen gewachsen.
  • Thomas Molnar (1921-2010)
  • Alexander Solschenizyn (1918-2008): Der Schriftsteller verfasste u.a. das Werk „Der Archipel Gulag“, in dem er die Verbrechen des Kommunismus aufarbeitet, und trug als Dissident dazu bei, die Grundlagen für die kulturelle Erneuerung Russlands nach dem Ende des Kommunismus zu schaffen. In einer 1978 an der Universität Harvard gehaltenen Rede sagte er der westlichen Welt existentielle Krisen voraus, deren Ursache sei, dass sie ähnlich wie der Kommunismus auf dem fehlerhaften Welt- und Menschenbild der Moderne aufgebaut seien.
  • Philip Rieff (1922-2006)
  • Erik von Kuehnelt-Leddihn (1909-1999): Der Staatswissenschaftler und Katholik verband in seinem Werk liberales und konservatives Denken miteinander und betonte deren Charakter als christlich-inspirierte, menschenwürdige Gegenpole zu atheistischen, utopischen und totalitären Ideologien. Er ging zudem davon aus, dass die Wurzeln der totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts bei allen Unterschieden in den politischen Ideen der Moderne, insbesondere in denen der französischen Revolution, zu finden seien. Mit großer Sympathie betrachtete er die ursprüngliche Verfassung der USA, wohin er 1937 emigrierte und dort als Autor erste Bekanntheit erlangte.
  • Joseph Pieper (1904-1997): Der christliche Philosoph vermittelte in seinen Werken die Weisheitstradition des Abendlandes in klarer Sprache und zeigte ihre zeitlose Aktualität auf. Dabei berührte er auch Fragen der Spiritualität des schützenden Dienstes, etwa in seinen Werken über die Tugenden der Tapferkeit und der Disziplin.
  • Plinio Corrêa de Oliveira (1908-1995)
  • Nicolás Gómez Dávila (1913-1994): Der kolumbianische Philosoph und katholische Traditionalist, der sich selbst als „Reaktionär“ bezeichnete, ist vor allem für seine konsequente Kritik der Moderne sowie moderner Ideologien bekannt, die er vorwiegend in Form von Aphorismen vortrug.
  • Russell Kirk (1918-1994): Politischer Philosoph, der sich auf der Grundlage der katholischen Naturrechtslehre mit den Prinzipien guten politischen Handelns und den Voraussetzungen guter Gesellschaften auseinandersetzte
  • Henri de Lubac (1896-1991)
  • Hans Urs von Balthasar (1905-1988): Der Theologe des Ernstfalls
  • James Burnham (1905-1987): Der Philosoph und Soziologe untersuchte kulturelle Auflösungstendenzen in westlichen Gesellschaften in seinen Werken „Begeht der Westen Selbstmord?“ und „Die Revolution der Manager“.
  • Eric Voegelin (1901-1985): Der Politikwissenschaftler setzte sich auf Grundlage des christlichen Menschenbildes mit den geistigen Verfallserscheinungen der Moderne auseinander. Modernen Ideologien warf er vor, elementare Aspekte der Wirklichkeit auszublenden, was dazu führe, dass diese der Wirklichkeit nicht gerecht würden. Politikwissenschaft betrachtete er als die Wissenschaft der auf ein transzendentes Ziel ausgerichteten sozialen Ordnung der Welt. Mit der Trennung von diese Ziele löse sich auch die entsprechende Ordnung auf.
  • Christopher Dawson (1889-1970)
  • Romano Guardini (1885-1968): Der katholische Theologe beschrieb in seinem Werk „Das Ende der Neuzeit“ die besonderen spirituellen Herausforderungen, die mit der Krise Europas verbunden seien. Tapferkeit, „die sich dem heraufdrohenden Chaos entgegenstellt“, beschrieb er dabei als eine zentrale Eigenschaft einer dieser Lage gerecht werdenden Spiritualität. Sie habe gegen „den universellen Feind, das im Menschenwerk selbst aufsteigende Chaos zu bestehen“ und „die Öffentlichkeit, die in Parolen und Organisationen verdichtete Unwahrheit“ gegen sich.
  • Pitirim Sorokin (1889-1968)
  • T.S. Eliot (1888-1965)
  • C.S. Lewis (1898-1963): Der Philosoph und Schriftsteller war ein Verteidiger der christlichen Geistestradition gegen die von ihm kritisierte „Abschaffung des Menschen“ durch die Reduzierung der Wirklichkeit auf empirisch Fassbares seitens moderner Ideologien.
  • Hilaire Belloc (1896-1953): Der Historiker schrieb über die Bedeutung des Christentums für Europa: „Der Glaube ist Europa und Europa ist der Glaube.“ Er sah zudem bereits in den 1930er Jahren das Erstarken radikaler Strömungen im Islam voraus.
  • Nikolai Berdjajew (1874-1948): Philosoph und Künder eines „neuen Mittelalters“ im Sinne einer Renaissance der Religion und des Geistigen in Europa nach dem bevorstehenden Scheitern moderner Ideologien
  • Simone Weil (1909-1943)
  • G.K. Chesterton (1874-1936)
  • Charles Péguy (1873-1914)
  • Juan Donoso Cortés (1809-1853)
  • Joseph de Maistre (1753-1821): Ein von den Gedanken Burkes geprägter Philosoph, der sich v.a. mit totalitären Tendenzen moderner Ideologien sowie deren Tendenz zur Auflösung der kulturellen Fundamente von Gesellschaften kritisch auseinandergesetzt hat.
  • Edmund Burke (1729-1797): Staatsphilosoph, der nach der Französischen Revolution die totalitären Tendenzen moderner, utopischer Ideologien beschrieb

4. Historische Persönlichkeiten

Alonso Sánchez Coello – Juan de Austria (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

In der Geschichte des Christentums gab es zahlreiche Personen von historischer Bedeutung, die sich in militärischem Dienst stehend, als militärische Führer oder durch andere militärische Taten schützend um das Christentum verdient gemacht haben.

  • Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944): Stauffenberg stammte aus einer Familie mit jahrhundertelanger Soldatentradition. Er war ein gläubiger Katholik, der durch sein Handeln dazu beitragen wollte Deutschland wieder an seine abendländischen geistigen Wurzeln anzubinden. Der Überlieferung nach waren seine letzten Worte „Es lebe das heilige Deutschland!“
  • Hermann von Kanzler (1822-1888): Der aus Baden stammende Soldat diente ursprünglich bei den Dragonern, quittierte aufgrund der kirchenfeindlichen Haltung der badischen Regierung jedoch zusammen mit seinem Vorgesetzten den Dienst und trat in die päpstliche Armee ein. Wegen besonderer Leistungen, die er als Offizier bei der Verteidigung des Kirchenstaates gezeigt hatte, wurde er zum General befördert und war später der letzte Oberkommandierende der Päpstlichen Armee im Kirchenstaat.
  • Andreas Hofer (1767-1810): Der gläubige Katholik war der Führer der Widerstandsbewegung in Tirol gegen die bayerische und französische Besetzung seiner Heimat. Ein Motiv des Widerstands war dabei auch die Ablehnung von Eingriffen der revolutionären Ideologien folgenden Besatzer in das religiöse Leben, etwa in Form des Verbotes von Prozessionen, Wallfahrten und des Rosenkranzgebets.
  • Jacques Cathelineau (1759-1793): Er war einer der Kommandeure des katholischen Widerstands gegen den Terror der Französischen Revolution in der Vendée. Wegen seiner besonderen Frömmigkeit wurde er im Volksmund auch als „der Heilige von Anjou“ bezeichnet. Das kirchliche Verfahren zu seiner Heiligsprechung wurde wegen des Verlustes der Unterlagen im Zweiten Weltkrieg abgebrochen.
  • Matthias Johann Graf von der Schulenburg (1661-1747): Er war Generalfeldmarschall im Dienste der Republik Venedig und begann seinen Dienst im Jahre 1687, als er als Freiwilliger mit den kaiserlichen Truppen in Ungarn gegen die Osmanen kämpfte. Die von ihm im Dienste Venedigs erfolgreich geleitete Verteidigung Korfus (vom 25.07.-20.08.1716) gegen die Osmanen  gilt als eine der größten militärischen Leistungen der neuzeitlichen Kriegsgeschichte. Sie wurde von Antonio Vivaldi im Oratorium Juditha Triumphans allegorisch gewürdigt. In späteren Jahren widmete er sich dem Ausbau von Festungen und der Defensivstreitkräfte Venedigs im Adriaraum.
  • Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736): Der im Dienst Österreichs stehende Feldherr befreite im Großen Türkenkrieg Ungarn und große Teile des Balkans von osmanischer Herrschaft. Der überzeugte Christ trug als Zeichen seiner Haltung ein Bild der Marienzeller Madonna über dem Herzen auf seinem Brustpanzer. In der Schlacht bei Zenta errangen die kaiserlichen Truppen unter seinem Oberbefehl am 11. September 1697 einen bedeutenden Sieg über die Osmanen. Dieser Sieg führte schließlich zum Frieden von Karlowitz, der den Großen Türkenkrieg (1683–1699) beendete.
  • Abraham a Sancta Clara (1644-1709): Er wurde unter dem Namen Johann Ulrich Megerle geboren und gilt als bedeutendster katholischer deutscher Prediger und Poet der Barockzeit. Während der türkischen Belagerung Wiens 1683 unterstützte er die Verteidigung der Südostflanke Europas durch öffentlich stark wahrgenommene Predigten, bis letztlich die vereinigten Streitkräfte unter Führung des polnischen Königs Johann III. Sobieski in der Schlacht am Kahlenberg die Stadt befreien konnten. Die Belagerung Wiens durch die Türken inspirierte Abraham zur Kampfschrift Auff, auff, ihr Christen! (1683), in der Darstellungen türkischer Geschichte und Kultur mit Aufforderungen zum Kampf, zur Einigkeit und zur Buße wechselten.
  • Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg (1638-1701): Er war Stadtkommandant von Wien während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung und hielt die Stadt gegen zahlmäßig stark überlegene osmanische Kräfte bis zum Eintreffen des Entsatzheeres unter der Führung König Johann III. Sobieskis. Durch einen Ausbruch aus der Stadt nach dem Eintreffen des Entsatzheeres setzten sie die Belagerer zusätzlich unter Druck, so dass diese schließlich besiegt werden konnten.
  • Marco d’Aviano (1631-1699): Der Kapuziner und Ordenspriester war u.a. päpstlicher Legat bei der zweiten osmanischen Belagerung Wiens 1683. Er überzeugte Karl V. von Lothringen , König Johann III. Sobieski den Oberbefehl des Entsatzheeres zu übergeben und dieses nach Wien zu ziehen. Während der entscheidenden Schlacht am Kahlenberg habe er die christlichen Soldaten durch Predigten motiviert und sei ihnen mit einem erhobenen Kreuz vorangegangen. Wegen seines Einsatzes gilt er als einer der Retter Wiens. Bis 1689 nahm er als Prediger und Seelsorger an weiteren Abwehrkämpfen gegen die Osmanen teil. Seine Seligsprechung erfolgte 2003.
  • König Johann III. Sobieski (1629-1696): Der polnische König spielte als Führer eines multinationalen europäischen Heeres u.a. bei der Beendigung der Belagerung Wiens im Jahre 1683 eine entscheidende Rolle bei der Abwehr der islamischen Expansion in Südosteuropa im 17. Jahrhundert.
  • Stephan Báthory (1533-1586): Als König von Polen förderte er mit Unterstützung jesuitischer Bildungstätigkeiten die Rekatholisierung des Landes. Er schuf so die kulturellen Grundlagen dafür, dass Polen sich zu einer Bastion des Katholizismus entwickelte und wesentlichen Anteil am christlichen Sieg über die osmanischen Invasionswellen im 17. Jhd. sowie am Ende der kommunistischen Herrschaft über Osteuropa hatte.
  • Ritter Johann von Österreich (1547-1578)
  • Marco Antonio Bragadin (1523-1571): Als venezianischer Offizier führte er die Verteidigung Zyperns gegen zahlenmäßig weit überlegene osmanische Kräfte in den Jahren 1570 und 1571. Die von ihm und den anderen Verteidigern dabei gezeigten außergewöhnlichen militärischen Leistungen banden starke osmanische Kräfte und ermöglichten den christlichen Verteidigern des ostwärtigen Mittelmeerraums die Vorbereitung weiterer Abwehrmaßnahmen im Vorfeld der entscheidenden Seeschlacht von Lepanto. Als die Osmanen unmittelbar vor der Eroberung Famagustas standen, versuchte er mit ihnen die Evakuierung der christlichen Bevölkerung auszuhandeln. Die von Lala Mustafa Pasha geführten osmanischen Kräfte brachen das Abkommen jedoch, verübten ein Massaker an den Christen der Stadt und folterten Bragadin auf besonders grausame Weise zu Tode. Die Nachricht über die Gräueltaten der Osmanen fanden weitete Verbreitung und trugen maßgeblich zur Entschlossenheit der Soldaten der Heiligen Liga in der Seeschlacht von Lepanto bei.
  • Jean Parisot de la Valette (1494-1568): Er war Admiral der Flotte und später Großmeister des Malteserordens, unter dessen Führung die osmanische Belagerung der für die Verteidigung des westlichen Mittelmeerraumes wichtigen Insel Malta 1565 abgewehrt wurde. Als die Angreifer über eine eingestürzte Bastion in die Festungsanlagen einzudringen begannen, soll er im Alter von über 70 Jahren persönlich den Gegenangriff angeführt haben. Nach hohen Verlusten sollen zuletzt 600 Mann die Insel gegen mehrere zehntausend angreifende Osmanen gehalten haben. Eine Inschrift an seinem Grab bezeichnet ihn als den „Wächter Europas“. Die Hauptstadt Maltas, Valetta, wurde nach ihm benannt.
  • Georg von Frundsberg (1473-1528)
  • Isabella I. von Kastilien (1451-1504): Die auch „Isabella die Katholische“ genannte Königin von Kastilien, Leon und Aragón war zusammen mit ihrem Gatten Ferdinand II. nach fast 800 Jahren Kampf verantwortlich für die endgültige Befreiung Spaniens von islamischer Herrschaft und Präsenz. Sie war zudem ein Förderer von Christoph Kolumbus und trug so zur Schaffung der Grundlagen der Christianisierung der Neuen Welt bei. 1974 eröffnete Papst Paul VI. den Seligsprechungsprozess.
  • Georg Kastriota („Skanderbeg“, 1405-1468): Durch seine Verteidigung Albaniens gegen die Osmanen wurde er berühmt und erhielt 1457 von Papst Calixtus III. sowohl den Titel „Fidei defensor“ (Verteidiger des Glaubens) als auch den Ehrentitel „Athleta Christi“ (Verteidiger des Christentums).
  • Enea Sylvio Piccolomini (Pius II., 1405-1464): Der Humanist und Universalgelehrte trat nach der Eroberung Konstantinopels und der Vernichtung des Byzantinischen Reiches durch die Osmanen sein Amt als Papst Pius II. an. Vor dem Hintergrund der Bedrohung Europas entwickelte er ein humanistisches Bildungskonzept, das Adelige dazu befähigen sollte, den mit der osmanischen Bedrohung verbundenen Herausforderungen in militärischen und politischen Führungsfunktionen sowie als kulturelles Vorbild entgegenzutreten.
  • Johann Hunyadi (ca. 1387/1407-1456): Der ungarische Heerführer und Staatsmann kämpfte vor allem gegen die Osmanen und gilt als beispielhafte Verkörperung des christlichen Rittertums.
  • Hugues de Payns (dt. Hugo von Payns, ca. 1070-1136): Der französische Adelige, der am Ersten Kreuzzug teilgenommen hatte, pilgerte um 1114 nach Jerusalem und ließ sich dort nieder.  Aufgrund islamischer Angriffe auf christliche Pilger entwickelte er den Plan, eine Gemeinschaft von Rittern einzurichten, die nach den Regeln eines Mönchsordens lebten, und die sich dem Schutz der Pilger vor feindlichen Übergriffen widmen sollte. Aus diesem Gedanken heraus entstand der Templerorden, dessen erster Großmeister er wurde.
  • Gottfried von Bouillon (ca. 1060-1100): Er war ein Heerführer beim Ersten Kreuzzug, der durch besondere Tapferkeit in Erscheinung trat und nach der Befreiung Jerusalems der erste Regent des neu gegründeten Königreichs Jerusalem wurde. Er lehnte die Königswürde ab, da er sich nicht in der Stadt, in der Jesus Christus die Dornenkrone getragen hatte, zum König krönen lassen wollte, und nahm statt dessen den Titel „Beschützer des Heiligen Grabes“ an. Seit dem 14. Jahrhundert wurde er zu den idealen Rittern gezählt, die als die Neun Guten Helden bekannt wurden.
  • Rodrigo Díaz de Vivar („El Cid“, ca. 1045-1099)
  • Byrhtnoth (gest. 991): Er war ein im Dienst König Æthelreds stehender Führer der christlichen Angelsachsen in der Schlacht von Maldon im Osten Englands gegen eine Invasion heidnischer Wikinger und wurde in der Schlacht getötet. Seine Taten sind Gegenstand des altenglischen Gedichts „The Battle of Maldon“.
  • Kaiser Otto I. (912-973): Im Jahre 955 wurde unter seiner Führung bei er Schlacht auf dem Lechfeld der endgültige Sieg über die Magyaren errungen, deren Invasionen damit endeten. Otto I. erwarb sich dadurch den Ruf eines Retters des Christentums. Der Überlieferung zufolge sei er während der Schlacht mit der Heiligen Lanze seinem Heer vorangegangen. Er wurde im Jahre 962 durch den Papst zum ersten römisch-deutschen Kaiser gekrönt. Er schuf die Voraussetzungen für die Christianisierung der Slawen und der Magyaren, und unter seiner Herrschaft setzte eine kulturelle Blütezeit ein.
  • König Heinrich I. (876-936): Als König des Ostfrankenreichs bestand eine seiner Leistungen darin, die Einfälle der damals noch nicht christianisierten, als praktisch nicht besiegbar geltenden Magyaren abzuwehren und damit die Ostgrenze des christlichen Europas zu sichern. Dies gelang ihm u.a. durch eine Reform der Wehrorganisation, ein umfangreiches Burgenbauprogramm, die Einigung der ostfränkischen Stämme auf der Grundlage des Christentums sowie durch den Sieg eines von ihm geführten Heeres über die Magyaren in der Schlacht bei Riade im Jahr 933. Sein Wirken spielte zudem eine entscheidende Rolle bei der Schaffung des christlichen Heiligen Römischen Reiches.
  • Kaiser Karl der Große (747-814): Der Kaiser des Frankenreiches entsprach laut dem Historiker Johannes Fried dem Urbild des „weisen Königs“ und war ein Mann des „Schwertes und der Religion“, der Europa erstmals seit dem Untergang des Römischen Reiches wieder eine Ordnung gab. Die kulturellen Werke, die er ermöglichte, wirken bis heute nach, und er unterstützte auch die Rettung des verbliebenen Wissens der Antike. An den damaligen Papst schrieb er: „Unsere Aufgabe ist es […] die heilige Kirche Christi […] nach außen mit den Waffen zu verteidigen und nach innen mit der Erkenntnis des katholischen Glaubens zu festigen.“ Zudem unterstützte er die Christen Spaniens gegen die Angriffe der Mauren und schuf mit der Spanischen Mark eine Grenzregion, die Nordeuropa gegen weitere islamische Expansion sicherte und den Ausgangspunkt für die Reconquista bildete.
  • Karl Martell (ca. 688-741): Der Historiker Edward Gibbon bezeichnete ihn wegen seines Sieges in der gegen angreifende Araber und Berber geführten Schlacht von Tours und Poitiers im Jahr 732 als den „Retter des Abendlandes“.
  • Pelagius von Asturien („Pelayo“, gest. ca. 737): Der Überlieferung nach war er der Gründer des ersten christlichen Staates, der auf der iberischen Halbinsel nach der muslimischen Eroberung entstand. Unter seiner Führung gelang zudem der erste Sieg eines christlichen Heeres im Zuge der Abwehr dieser Invasion.
  • Cassiodor (ca. 485-580): Der römische Staatsmann und Gelehrte gründete um das Jahr 554 in Kalabrien das klosterähnliche Bildungsinstitut Vivarium, das den Beginn des mittelalterlichen Klosterbibliothekswesens darstellt und eine entscheidende Rolle bei der Rettung antiker Schriften und Bildungsgutes über den Untergang des Weströmischen Reiches hinaus spielte.

5. Taten

Hier werden historisch bedeutsame Taten des schützenden, bewahrenden und verteidigenden Dienstes des Christentums an Europa sowie am Christentum in Europa aufgeführt.

  • Der globale Kampf gegen den Islamismus (2001-heute): Die Angriffe militanter Islamisten richten sich auch gegen Christen und das Christentum. In Teilen des Nahen Ostens, Subsahara-Afrikas und Südostasiens führen militante Islamisten gegenwärtig eine der größten Christenverfolgungen in der Geschichte durch. Im von Papst Johannes Paul II. beauftragten Kompendium der Soziallehre der Kirche wird islamistischer Terrorismus als „Entweihung und Gotteslästerung“ eingestuft (Nr. 515). Versuche wie die der Islamisten, ganze Gruppen von Menschen aufgrund ihres christlichen Glaubens auszulöschen, werden als „Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit“ verurteilt (Nr. 506). Es sei die moralische Pflicht der Angegriffenen, notfalls „die Verteidigung auch mit Waffengewalt zu organisieren“ (Nr. 500). Zudem bestehe eine moralische Pflicht anderer dazu, zugunsten der Angegriffenen militärisch einzugreifen (Nr. 506).
  • Der katholische Widerstand gegen den Kommunismus (1917-1989): Die katholische Kirche spielte insbesondere unter Papst Johannes Paul II. eine entscheidende Rolle bei der Befreiung Osteuropas von kommunistischer Herrschaft.
  • Der christliche Widerstand gegen den Nationalsozialismus (1933-1945): Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus ging hauptsächlich von christlich-konservativen Kräften aus, die u.a. bestimmend für die Widerstandsbewegung im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 waren. Der Nationalsozialismus war seinem Wesen nach so wie der Kommunismus antichristlich ausgerichtet und plante für die Nachkriegszeit die vollständige Zerschlagung vor allem der katholischen Kirche in seinem Herrschaftsbereich. Die katholische Kirche hatte bereits in den späten zwanziger Jahren insbesondere die Rassenideologie und den Antisemitismus des Nationalsozialismus als unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild verurteilt. Der damalige Papst Papst Pius XII. in Verbindung zum militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland und unterstützte diesen. Das „Martyrologium Germanicum“ erfasst 415 katholische deutsche Märtyrer, die neben den vielen Märtyrern anderer Konfessionen und denen aus anderen Ländern Europas durch Nationalsozialisten wegen ihres Glaubens getötet wurden. Es enthält unter anderem Mitglieder der Weißen Rose und des Kreisauer Kreises. Zu den bislang heiliggesprochenen Märtyrern des Widerstands gehört u.a. Alfred Delp.
  • Der Widerstand der Cristeros gegen die christenfeindliche Politik des Calles-Regimes in Mexiko (1926-1929)
  • Die Verteidigung des Kirchenstaates gegen italienische Nationalisten (1859-1870): Kirchenfeindliche italienische Nationalisten unter der Führung Giuseppe Garibaldis versuchten in den 1860er Jahren, den zu diesem Zeitpunkt ältesten Staat Europas, den Kirchenstaat, militärisch zu zerschlagen. Dieser wurden durch aus internationalen Freiwilligen bestehende Regimenter verteidigt, darunter auch das Infanterieregiment der „Päpstlichen Zuaven“.
  • Der Kampf gegen die muslimischen Piraten und Sklavenjäger Nordafrikas (ca. 1500-1844): Nach dem Abschluss der Befreiung Spaniens von der islamischen Herrschaft siedelten sich geflohene muslimische Morisken auf dem Gebiet des heutigen Marokkos und Algeriens an. Von dort aus begannen sie zusammen mit Arabern und Mauren Angriffe auf die Seefahrt christlicher Staaten im Mittelmeer sowie gegen Orte an der Mittelmeer- und Atlantikküste. Modernen Schätzungen zufolge wurden in diesem Zusammenhang zwischen 1530 und 1780 etwa 1,25 Millionen Christen versklavt, die meisten davon durch Raubzüge an den Küsten Italiens, Spaniens und Portugals. Diese fortgesetzten Angriffe waren Anlass zahlreicher militärischer Interventionen europäischer Staaten, an denen sich ab dem späten 18. Jahrhundert auch die USA beteiligten. Erst nach der französischen Eroberung Algeriens gegen Mitte des 19. Jahrhunderts konnte das islamische Piratentum im Mittelmeer endgültig zerschlagen werden.
  • Die Türkenkriege und die Verteidigung Mitteleuropas gegen die Osmanen (1423-1799): Über mehrere Jahrhunderte griffen osmanische Invasoren das christliche Europa vor allem über den Balkan kommend an (siehe auch hier).
  • Der Widerstand in der Vendée und der Bretagne gegen den Terror der Französischen Revolution (1793-96 bzw. 1794-1804): Der nach einem ihrer Führer „Chouannerie“ benannte Widerstand in der Bretagne, der sich vor allem auch gegen Entchristianisierungsversuche der Revolutionäre richtete, ist weniger bekannt als der in der Vendée. Er erfasste auch benachbarte Regionen wie Anjou, Maine und die Normandie, wobei zum Höhepunkt der Bewegung rund 50.000 Widerstandskämpfer aktiv gewesen sein sollen.
  • Die Reconquista (ca. 711-1492): Auf der iberischen Halbinsel wäre das Christentum im Zuge der islamischen Expansion vermutlich ebenso ausgelöscht worden wie in Nordafrika, wenn es nicht gelungen wäre, diese Expansion durch die Reconquista rückgängig zu machen.
  • Die Verteidigung Europas gegen die Wikingerüberfälle (793-1066): Die Überfälle der heidnischen Wikinger beendeten die Hochphase der christlich-keltischen Kultur Nordwesteuropas, der weite Teile Europas ihre Christianisierung verdankten, und richteten auch in anderen Teilen Europas enorme Zerstörungen an. Dem Historiker Christopher Dawson zufolge waren die Ereignisse „für die Geschichte des Abendlandes von entscheidender Bedeutung. Es hat niemals einen Krieg gegeben, der die Existenz des abendländischen Christentums schlechthin so unmittelbar bedrohte. Der Widerstand der Christen könnte hier mit größerem Recht ein Kreuzzug genannt werden als die Kreuzzüge selbst. […] Der Krieg unterwarf die im Aufbau begriffene Ordnung des abendländischen Christentums einer furchtbaren Probe. Alles Schwache und Überflüssige wurde ausgemerzt, und nur die härtesten und widerstandsfähigsten Elemente, die sich als gegen Unsicherheit und Gewalt gewappnet erwiesen hatten, blieben übrig.“
  • Die Verteidigung Mitteleuropas gegen die Ungarneinfälle (899-955)

6. Ereignisse

Józef Brandt – Polnischer Husar (Wikimedia Commons/gemeinfrei)
  • Der 11. September (2001): Das Ereignis steht für den Beginn einer neuen Offensive militanter Strömungen im Islam gegen das Christentum und die von ihm geprägten Gesellschaften nach rund zwei Jahrhunderten Unterbrechung.
  • Die Schlacht am Kahlenberg (1683): Die Schlacht am 12. September 1683 beendete die Zweite Wiener Türkenbelagerung. Ein deutsch-polnisches Entsatzheer unter der Führung des polnischen Königs Johann III. Sobieski schlug dabei die osmanische Armee unter dem Schlachtruf „Maria hilf“. Auf christlicher Seite kämpften Kräfte aus Österreich, Sachsen, Bayern, Baden und dem Kirchenstaat sowie polnische Husaren. J.R.R. Tolkien hat seine Beschreibung der fiktiven Schlacht auf dem Pelennor vor den Toren der Stadt Minas Tirith mutmaßlich auch an die Schlacht am Kahlenberg angelehnt.
  • Die Seeschlacht von Lepanto (1571): In der Sakristei der Asamkirche von Ingolstadt wird die sogenannte „Lepantomonstranz“ aufbewahrt, auf Einzelheiten der Seeschlacht von Lepanto dargestellt sind.
  • Die Verteidigung Maltas (1565): Zahlenmäßig deutlich unterlegenen Kräften des Malterserordens sowie anderen Verteidigern unter der Führung Jean Parisot de la Valettes gelang es, der zwischen Mai und September 1565 andauernden Belagerung der strategisch wichtigen Insel Malta durch die Osmanen standzuhalten. Die Insel wurde dabei zuletzt von nur noch rund 600 Mann gegen mehrere zehntausend Osmanen gehalten.
  • Der Fall Konstantinopels (1453): Am 28. Mai 1453 vernichteten die Osmanen mit der Einnahme Konstantinopels das Byzantinische Reich, das auf das Römische Reich zurückging und den islamischen Angriffen rund 800 Jahre lang standgehalten und dadurch Mitteleuropa geschützt hatte. Der letzte byzantinische Kaiser Konstantin XI. fiel bei der Verteidigung der Stadt, an der er sich persönlich beteiligt hatte.
  • Die Schlacht auf dem Amselfeld (1389): Auf dem Amselfeld im heutigen Kosovo stellte sich 1389 ein Heer unter der Führung des serbischen Fürsten Lazar den angreifenden Truppen des osmanischen Sultans Murad I. entgegen. Das kräftemäßig unterlegene Heer Lazars unterlag zwar den Angreifern, konnte diesen aber hohe Verluste zufügen. Das Ereignis spielt in der Erinnerungskultur der slawischen Balkanvölker eine wichtige Rolle als Symbol der Aufopferung für die christlichen Werte und des Kampfes gegen die osmanischen Invasionswellen.
  • Die Schlacht auf dem Lechfeld (955): Am 10. August 955 gelang es einem kräftemäßig unterlegenen Heer unter der Führung von Otto I. auf dem Lechfeld bei Augsburg die heidnischen Magyaren so zu schlagen, dass diese ihre Einfälle nach Mitteleuropa dauerhaft einstellten. Otto I. zog seinen Truppen der Überlieferung zufolge mit der Heiligen Lanze und einem Banner voran, das den heiligen Erzengel Michael zeigte. Seitdem gilt dieser als der Schutzpatron Deutschlands.
  • Die Normannenschlacht bei Stade (880): Bei der Normannenschlacht im Februar 880 lieferte ein eindringendes heidnisches Wikingerheer dem christlich-sächsischen Gesamtaufgebot im heutigen nördlichen Niedersachsen eine für die Sachsen verlustreiche Schlacht. Die Gefallenen auf christlicher Seite, darunter Herzog Bruno von Sachsen und die Bischöfe Theoderich von Minden und Markward von Hildesheim, werden als die „Märtyrer von Ebstorf“ und als Heilige verehrt.
  • Die Schlacht von Tours und Poitiers (732)
  • Die Schlacht von Covadonga (ca. 722): Die Schlacht bzw. das Gefecht endete mit dem ersten Sieg christlicher Kräfte gegen die maurischen Invasoren in Spanien und markiert den Beginn der Reconquista, die erst rund 750 Jahre später abgeschlossen war.

7. Sonstiges

7.1 Herausragende Leistungen schützenden Dienstes durch Christen im 21. Jahrhundert

  • Edward Byers (geb. 1979): Nachdem Taliban in Afghanistan den für eine Hilfsorganisation tätigen Arzt Dilip Joseph 2012 als Geisel genommen hatten, war Byers als Unteroffizier der amerikanischen Navy SEALs an seiner Befreiung beteiligt. Wegen seiner soldatischen Leistungen und weil er das Leben der Geisel rettete, indem er sie mit seinem Körper vor feindlichem Feuer schützte, wurde dem gläubigen Katholiken, der nach eigenen Worten den hl. Erzengel Michael in besonderer Weise verehrt, die höchste Tapferkeitsauszeichnung der USA verliehen.

7.2 Muslimische Unterstützer und Verteidiger des Christentums

Muslime traten in der Geschichte nicht nur als Herausforderer des Christentums in Erscheinung. Insbesondere in Ost- und Südosteuropa wirkten Muslime in einigen Fällen auch unterstützend an der Verteidigung des christlichen Europas mit.

  • Die Lipka-Tataren: Bei den Lipka-Tataren handelt es sich um die Nachkommen von Angehörigen muslimischer Turkvölker, die sich ab dem Ende des 14. Jahrhunderts zunächst auf Einladung des litauischen Großfürsten Vytautas auf dem Gebiet des heutigen Litauen und Polen ansiedelten. Sie zeichneten sich sich durch besondere Leistungen bei der Verteidigung der christlichen Gemeinwesen aus, in denen sie lebten, wobei sie vor allem Kavallerie stellten. Ihr militärischer Beitrag spielte vor allem bei der Abwehr osmanischer Invasionen eine Rolle. So dienten etwa im deutsch-polnischen Entsatzheer, das 1683 in der Schlacht am Kahlenberg unter der Führung von König Johann III. Sobieski osmanische Vorstöße nach Mitteleuropa vor Wien dauerhaft zum Stehen brachte, mehrere Regimenter von Lipka-Tataren. Bis heute leben einige tausend weiterhin muslimische Lipka-Tataren in Polen, Litauen und Weißrussland, wo sie überwiegend die christlich-europäische Kultur der ihnen zur Heimat gewordenen Länder angenommen haben und als kulturell vollständig integriert gelten.
  • Der Schutzbrief des Mohammed: Der Überlieferung nach habe der islamische Prophet im Jahr 628 einen Schutzbrief an das griechisch-orthodoxe Katharinenkloster auf dem Sinai in Ägypten ausgestellt. Der Text des Briefes erwähnt einen Bund Mohammeds mit allen Christen und eine allgemeinen Zusage, dass er und seine Anhänger Christen und das Christentum als Verbündete betrachten und verteidigen würden. Das Schreiben endet mit dem Verweis, dass dieser Bund für alle Zeiten gelte. Die Authentizität des Schreibens, dessen mutmaßliches Original im Topkapi-Museum in Istanbul aufbewahrt wird, ist fraglich, auch weil dieses am Beginn der militärischen Expansion des frühen Islams im christlichen Kulturraum entstanden wäre,, was seinem Inhalt widerspricht. Zudem gibt es gegenläufig interpretierte Aussagen im Koran sowie die ebenfalls dem Inhalt entgegenstehende Praxis der Duldung von Christen ausschließlich im Rahmen eines Unterordnungsverhältnisses („Dhimma“). Auf das Katharinenkloster bezogen wurde sein Inhalt aber von Muslimen allgemein anerkannt, bis militante Islamisten das Kloster 2017 angriffen. Es gibt es islamische Ansätze, den Inhalt des Dokuments als Grundlage für ein nicht auf Gegnerschaft oder der Forderung nach Unterordnung beruhendes Verhältnis zum Christentum zu betrachten.

8. Motive

  • Maria vom Siege: Darstellungen in der Offenbarung des Johannes, welche die als Maria gedeutete apokalyptische Frau auf einem Halbmond stehend beschreiben („Mondsichelmadonna“), trugen mutmaßlich dazu bei, dass sich viele Gläubige vor allem im Zusammenhang mit der Bedrohung des Christentums durch die Osmanen an Maria wandten. Der Überlieferung nach habe bei der Belagerung der Johanniter auf der Insel Rhodos durch die Osmanen im Jahr 1480 eine „mit glänzendem Schild und Lanze bewaffnete Jungfrau gefolgt von den ‚Himmlischen'“ die Osmanen in die Flucht geschlagen. Die Verehrung der „Mutter vom Großen Sieg“ war in Europa nach der erfolgreichen Abwehr der osmanischen Bedrohung bei Lepanto 1571 und bei Wien 1683, die auf ihr Wirken zurückgeführt wurde, weit verbreitet. Nach dem Sieg rief Papst Pius V. das Fest „Beatae Mariae Virginis de Victoria“, („Unserer Heiligen Frau der Siege“) aus, das „an jedem ersten Sonntag im Oktober in allen Kirchen mit einem Rosenkranzaltar gefeiert werden sollte. Nach der zweiten Wienbelagerung im Jahre 1683, die 30 Tage nach Mariä Himmelfahrt für die Christen entschieden worden war, ordnete Papst Innozenz XI. für die ganze Kirche das Gnadenfest Mariä Namen an, das jährlich in Gedenken an Wien begannen werden sollte. Die über die Osmanen triumphierende Muttergottes wurde in diesem Zusammenhang in der Kunst auch als „Türkenmadonna“ dargestellt.
  • Die Schutzmantelmadonna: Es handelt sich um eine Form der Mariendarstellung, die die Gläubigen unter ihrem ausgebreiteten Mantel birgt. Diese Haltung symbolisiert den Schutz Mariens. Während des 30-jährigen Krieges entstand dieses Lied, welches das Schutzmantelmotiv aufgreift (GL 534): „Maria breit den Mantel aus/mach Schirm und Schild für uns daraus/lass uns darunter sicher stehn/bis alle Stürm vorüber gehn.“
  • Die neun guten Helden: Ein seit dem 14. Jahrhundert in ganz Europa verbreitetes kunstgeschichtliches Motiv, das ritterliche Idealgestalten beschreibt
  • Sankt Michael der Drachentöter: Das Bild des Drachen als Feind des Menschen findet sich im christlichen Kontext im Alten Testament (etwa in Gen 3,1) sowie in der Offenbarung des Johannes (etwa in Offb 12), wo der heilige Erzengel Michael als Drachentöter beschrieben wird. Der Drache ist hier insbesondere der Feind Evas (in Gen 3,1) bzw. des Volk Gottes sowie der Feind der als Muttergottes gedeuteten apokalyptischen Frau und ihrer Nachkommen. Gelegentlich wird in der Kunst auch Jesus Christus als Drachentöter dargestellt.

9. Konzepte

  • Das Abendland: Das Abendland ist der kulturell durch das katholische Christentum geformte und durch die griechische und römische Antike sowie durch germanische und keltische Einflüsse geprägte Teil Europas. Es ist zugleich eine die Nationen vereinende und zugleich über sie hinausreichende geistig-religiöse Gemeinschaft.
  • Der Miles Christianus: Das Konzept beschreibt primär das Ideal des asketischen Christen, der einen inneren Kampf um das Heil seiner Seele führt, etwa im Rahmen des Mönchtums. Gregor VII. verwendete den Begriff des „Miles Christi“ erstmals zur Beschreibung christlicher Soldaten, die einen gerechten Krieg zur Verteidigung des Christentums führen. In diesem Zusammenhang beschreibt der Begriff im Rahmen des Konzepts des Rittertums das Ideal des Christen, welcher dem Christentum und der Kirche schützend und verteidigend dient und dafür ebenfalls asketische Tugend entwickeln muss. Der Begriff des „Miles Christi“ wurde ursprünglich zur Bezeichnung von Mönchen verwendet.
  • Das Rittertum: Das Rittertum ist das christliche Soldatentum. Seine Aufgabe war es, das Christentum, die Kirche und schutzbedürftige Menschen zu schützen und zu verteidigen, wie es die Zeremonie „ad benedicendum novum militem“ beschreibt. Das Tugend- und Haltungsideal des Rittertums ist dabei anders als die militärischen und politischen Formen seiner historischen Gestaltung zeitlos und wirkt bis in die Gegenwart nach. Dem Historiker Christopher Dawson zufolge habe das Christentum mit dem Rittertum einen „geistigen Urtyp“ geschaffen, der alte nordische Kriegertraditionen in spezifisch christliche Formen überführt habe. So sei etwas das Prinzip der Treue gegenüber einer Sippe oder im Rahmen eines persönlichen Gefolgschaftsverhältnisses in das Prinzip der Treue gegenüber Gott und der Christenheit überführt worden, was eine Art religiösen Patriotismus geschaffen habe. Erzbischof Turpin sagt im Rolandslied an Roland gerichtet, dass es beim Dienst des Ritters um den Kampf zur Erhaltung des Christentums gehe. Wer dabei falle, sei ein Märtyrer. Mit solchen Vorstellungen habe das Rittertum das kämpferische Ethos des Kriegers mit den Idealen des Christentumstums verbunden. Die Wurzeln des Rittertums liegen zudem vermutlich im sehr alten, in indoeuropäischen Kulturen entstandenen Konzept der trifunktionalen Gliederung von Gesellschaften in Geistliche, Kämpfer und Bauern.
  • Der Gottesfrieden: Im Mittelalter begann die Kirche angesichts des Versagens weltlicher Autoritäten in diesem Bereich vermutlich zunächst auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs damit, die Menschen, die sich nicht selbst vor Bewaffneten schützen konnten, unter ihren Schutz zu stellen. Dies betraf neben Geistlichen auch Bauern, Kaufleute und Frauen. Diejenigen, die Übergriffe gegen die begangen, belegte sie mit Kirchenstrafen. Zudem verpflichtete sie Bewaffnete darauf, ihre Waffen nur zu schützendem Dienst einzusetzen. Dem Historiker Alain Demurger zufolge habe das Christentum dadurch dem schlechten Krieg den Krieg erklärt.
  • Die Ökumene des Blutes: Das Konzept wurde 2016 in einer gemeinsamen Erklärung von Papst Franziskus und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill beschrieben. Demnach würden die Feinde des Christentums ihren Vernichtungswillen gegen das Christentum als solches richten und nicht zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen unterscheiden. Im Angesicht feindlicher Angriffe seien konfessionelle Streitigkeiten daher unangemessen. Papst Franziskus: „Wenn uns der Feind im Tod vereint, wie kommen wir dazu, uns im Leben zu trennen?
  • Das „Bollwerk der Christenheit“ (Antemurale Christianitatis): Der Begriff bezeichnet die europäischen Grenzgebiete des Christentums, die Angriffen nichtchristlicher Angreifer ausgesetzt waren. Leo X. bezeichnete mit diesem Begriff 1519 die Kroaten, die Invasionen des Osmanischen Reiches in Richtung Mitteleuropa über lange Zeiträume und unter großen Opfern. erfolgreich Widerstand leisteten. Das 16. und 17. Jahrhundert wurde wegen der fortgesetzten Angriffe der Osmanen nach einem 1703 erschienenen Gedicht Paul Ritter-Vitezovićs als Plorantis Croatiae saecula duo („die zwei traurigen Jahrhunderte Kroatiens“) bekannt. Pius II. hatte den Begriff zuvor zur Bezeichnung Albaniens verwendet, das unter Skanderbeg den Osmanen Widerstand leistete.
  • Das geheime Deutschland: Das Konzept beschreibt die Werke und Ideale deutscher Kultur christlich-abendländischen Geistes, die durch die Jahrhunderte hindurch entstanden, sich dabei aufeinander bezogen und aufeinander aufbauten und dadurch ein unsichtbares, geistiges Deutschland schufen. Es beschreibt auch seine Träger, die oft im Gegensatz zu den politischen und gesellschaftlichen Erscheinungen der Zeit und Umstände standen, in der sie lebten und wirkten. Das Konzept spielte dementsprechend im militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus eine wichtige Rolle. „Es ist die geheime Gemeinschaft der Dichter und Weisen, der Helden und Heiligen, der Opferer und Opfer, welche Deutschland hervorgebracht hat und die Deutschland sich dargebracht haben […]. Es ist […] ein Geisterreich wie der mittelalterliche Heiligen- und Engelsstaat, ist ein Menschenreich wie Dantes als ‚Humana civilitas‘ erschaute Jenseitswelt der drei Bezirke […] es ist die in Stufen und Ränge geordnete Heroenwelt des heutigen, des künftigen und des ewigen Deutschland.“ (Ernst Kantorowicz)
  • Das christliche Königtum: Im Mittelalter entstand die Vorstellung, dass politische Herrschaft sich durch ihre Einfügung in die Ordnung Gottes legitimiere. Könige würden ihre Legitimität von Gott erhalten, weshalb ihre Aufgaben auch die Verteidigung des Christentums und der Schutz des Friedens seien. Ihre Erhebung war mit kirchlichen Formen wie etwa bei Salbung und Krönung verbunden. Ihre Herrscherinsignien waren von christlicher Symbolik geprägt.
  • Die Reichsidee: Das Ideal einer völkerübergreifenden politischen Einheit auf Grundlage christlicher Ordnungsvorstellungen und Kultur entstand zur Karolingerzeit. Es geht auf den römischen Reichsgedanken zurück und lebt im christlich-konservativen Ideal der europäischen Einheit fort.
  • Das Grabmal des unbekannten Soldaten: Das Konzept ist im ganzen europäischen Kulturraum verbreitet und beruht auf christlichen Vorstellungen über den moralischen Rang des Dienstes unter Opfern. Die Grabstätten enthalten die Gebeine von Soldaten, deren Namen nicht bekannt bzw. nur Gott bekannt ist, wie auf vielen Inschriften vermerkt ist. Das entsprechende Grabmal steht somit symbolisch für alle Menschen, die im schützenden Dienst an einem Gemeinwesen den Tod fanden, weshalb ihnen besondere Achtung gebührt. In Großbritannien befindet sich das Grabmal des unbekannten Soldaten im Eingangsbereich der Westminster Abbey im Mittelgang, so dass jeder, auch die Mitglieder der königlichen Familie, bei offiziellen Anlässen um das Grab herumgehen und dem unbekannten Soldaten seine Ehre erweisen muss. In einigen Staaten wird dem Bestattetem posthum die höchste Tapferkeitsauszeichnung verliehen, während in anderen die Ehrenwache keine Dienstgradabzeichen trägt um anzuerkennen, dass diejenigen, die dienend ihr Leben gaben, grundsätzlich im Rang über anderen stehen.
  • Der Gentleman: Das im ganzen europäischen Kulturraum verbreitete Konzept geht auf Vorstellungen des Rittertums zurück

10. Symbole und Zeichen

Symbole ermöglichen die Beschreibung und das Erkennen von Sachverhalten, die der physischen Wahrnehmung des Menschen größtenteils entzogen sind, weil sie den nichtmateriellen Teilen der Wirklichkeit zugehörig sind. Sie sprechen die Wahrnehmung des Menschen über den Verstand hinaus an und helfen ihm bei der Betrachtung des Übernatürlichen.  Symbole drücken dabei komplexe Sachverhalte oder ganze Konezpte aus, während Zeichen einfachere Sachverhalte beschreiben. Durch die Kombination von Symbolen ist es möglich, auch umfassende Erzählungen wiederzugeben und auszudrücken. Häufig erschließen sich Symbole jedoch nicht ohne das Wissen um ihre Bedeutung.

10.1 Symbole

  • Das Kreuz
  • Der gute Hirte: „Ich gebe mein Leben hin…“
  • Der Pelikan: Symbol opferbereiten Dienstes
  • Der Wolf: Symbol für menschliche Gegner der Christen und des Christentums
  • Der Drache: Symbol für das Böse
  • Der Adler
  • Das Schwert: Schwerter stehen in der christlichen Symbolik für die göttliche Allmacht und Gerechtigkeit sowie für den göttlichen Zorn. Schwerter waren zudem eines der Insignien der Herrschaft christlicher Könige. Otto I. soll sein Königsschwert laut Widukind von Corvey im Aachen Dom mit den Worten empfangen haben: „Empfange dieses Schwert, mit dem du hinaustreiben mögest die Widersacher Christi, die Barbaren und die schlechten Christen, da dir durch göttliche Autorität die volle Gewalt über das Imperium Francorum übertragen ist, zum sichersten Frieden aller Christen“.

10.2 Zeichen

  • Das Vexilium: Christliche Ritterorden verwendeten nach ihrem römischen Vorbild als „Vexilum“ bezeichnete Feldzeichen bzw. Kriegsbanner (frz. Gonfanon). In mittelalterlichen Schriften wurden diese personifiziert beschrieben. Sie dienten der Repräsentation sowie als Sammelzeichen, und das Schlachtfeld durfte nicht verlassen werden, solange sie aufgerichtet waren. Wurde es niedergeworfen, musste man sich bei einem anderen Banner sammeln. Das Banner im Stich zu lassen und zu fliehen, wurde mit Ausstoßung aus Orden bestraft. Auf Land, von dem man Besitz ergriff, wurde es aufgeflanzt. In einigen Orden gab es das Amt des Bannerherren. Die heutigen Kirchenfahnen sind ihrer Form nach an das Vexilium bzw. an das Gonfaron angelehnt.
  • Siegel: Neben dem uniformähnlichen Ordenskleid und dem Feldzeichen waren Siegel eines der Identitätszeichen christlicher Ritterorden.

11. Glaubenspraxis

Einige Aspekte katholischer Glaubenspraxis beziehen sich unmittelbar auf Taten des schützenden Dienstes am Christentum.

  • Die Maria-Hilf-Verehrung: In Zeiten der Not suchten Katholiken vor allem auch Hilfe bei der Muttergottes. Besonders ausgeprägt war dies im Zusammenhang mit der Bedrohung Europas durch die Osmanen zu beobachten. In vielen Kirchen im süddeutschen und österreichischen finden sich in diesem Zusammenhang Gnadenbilder der Muttergottes als Auxiliatrix Christianorum. Die Marienverehrung auf dem Passauer Mariahilfberg steht ebenfalls im Kontext dieser Bedrohung. Als 1683 Wien durch die Türken belagert wurde, flüchtete Leopold I. nach Passau. Vor dem Gnadenbild der Wallfahrtskirche Mariahilf betete das Kaiserpaar täglich um Rettung aus der Türkengefahr. Als dann die christliche Allianz die Entsatzschlacht am Kahlenberg unter dem Kampfmotto „Maria hilf!“ gewann, wurde das Passauer Mariahilf-Gnadenbild zum Staatsgnadenbild der Habsburgermonarchie. Die bei der Schlacht erbeuteten Waffen der besiegten Türken sind im Beichtgang der Kirche Mariahilf zu besichtigen. Die Maria-Hilf-Verehrung verbreitete sich zudem auch in Polen und Ungarn.
  • Das Rosenkranzfest: Das ursprünglich „Maria vom Siege“ genannte Fest war der Dank der Kirche für die Rettung Europas durch den christlichen Sieg über die osmanische Flotte in der Seeschlacht von Lepanto 1571.
  • Das Fest Mariä Namen: Der Dank der Kirche für die Abwehr der zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683
  • Der Jakobsweg: Pilgerfahrt zur Unterstützung der spanischen Recoquista
  • Das Mittagsläuten: Papst Calixtus III. (1378–1458) ordnete aus dem Anlass der damaligen Bedrohung Österreichs und Ungarns durch die Osmanen am 29. Juni 1456 an, dass Kirchenglocken mittags durch ihr Geläut die Gläubigen dazu aufrufen sollten, drei Vater Unser und drei Ave Maria beten. Das Heer Sultan Mehmeds II. wurde am 22. Juli 1456 nahe Belgrad trotz seiner Übermacht von einer Allianz aus ungarischen Truppen und einem bäuerlichen Kreuzfahrerheer geschlagen. Papst Calixtus III. erhielt erst am 6. August 1456 die Siegesnachricht. Aufgrund der zeitlichen Nähe der Ereignisse und der damaligen langen Kommunikationswege nahmen der Klerus und die Gläubigen an, dass fortan das kirchliche Mittagsgeläut zur Feier der erfolgreichen Abwehr der muslimischen Invasoren zu ertönen habe. Nachdem die Bedrohung des osmanischen Reiches gegenüber Europa trotz dieses Sieges für Jahrhunderte nicht gebannt war, wurde die päpstliche Anordnung fortgeführt und als Dankesbrauch für die Abwehr der Bedrohung bis heute beibehalten. Es ging als „Türkenläuten“ in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Die Praxis hatte Vorläufer. So hatte Erzbischof Wolfram von Prag schon 1399 verordnet, jeden Freitag solle um neun, der Todesstunde alle Glocken geläutet werden, um dem Sieg der Osmanen über die Christen zu gedenken. Dabei sollten die Menschen in ihren Tätigkeiten innezuhalten und mit gebeugtem Knie fünfmal das Gebet des Herrn zu sprechen. Seit dem 18. Jahrhundert wird das Mittagsläuten wieder vorwiegend als Gebetsläuten zum Angelus-Gebet verstanden.
  • Der „Athleta Christi“: Der Ehrentitel Athleta Christi (lateinisch für „Kämpfer Christi“) wurde im 15. Jahrhundert von den Päpsten an Personen verliehen, die sich besonders um die militärische Verteidigung des Christentums gegen das Osmanische Reich verdient gemacht hatten. Zu den Ausgezeichneten zählen u.a. Johann Hunyadi und Georg Kastriota.
  • Die Kreuzzüge: Die im Zeitraum zwischen 1095 bis 1291 durchgeführten Kreuzzüge sind als der letztlich fehlgeschlagene Versuch, die islamischen Eroberungszüge in Richtung des christlichen Kulturraumes einzudämmen und zurückzudrängen, differenziert zu betrachten. Anlass waren Versuche der islamischen Eroberer zur Vernichtung der heiligen Stätten des Christentums in Jerusalem sowie zur Unterbindung von Pilgerfahrten. Darüber hinaus waren sie eine Antwort auf Christenverfolgungen und auf ein Unterstützungsuntersuchen des bedrängten Byzantinischen Reiches, was die Kreuzzüge zu einem Vorläufer der humanitären Interventionen der Gegenwart macht. Die Kreuzzüge waren dabei grundsätzlich defensiv angelegt. Der Historiker Egon Flaig sah 2006 in den Kreuzzügen trotz mancher in ihrem Rahmen beobachteten Fehlentwicklungen (etwa der Plünderung Konstantinopels entgegen defm Befehl des Papstes im vierten Kreuzzug) insgesamt eine positiv zu bewertende Leistung, welche die islamische Expansionsbewegung in Richtung Europa über mehrere Jahrhunderte unterband und so dazu beitrug, das sich hier die abendländische Synthese aus antikem und christlichem Denken herausbilden konnte. Das moderne Europa verdanke den Kreuzzügen ähnlich viel wie den griechischen Abwehrkämpfen gegen die Perser. Johann Wolfgang von Goethe, der dem Christentum ansonsten distanziert gegenüberstand, würdigte die Kreuzzüge ausdrücklich als historische Leistung: “Indessen bleiben wir allen aufgeregten Wall- und Kreuzfahrern zu Dank verpflichtet, da wir ihrem religiösen Enthusiasmus, ihrem kräftigen, unermüdlichen Widerstreit gegen östliches Zudringen doch eigentlich Beschützung und Erhaltung der gebildeten europäischen Zustände schuldig geworden.” Dem Historiker Christopher Dawson zufolge habe der Beginn der Kreuzzüge einen Wendepunkt in der abendländischen Geschichte markiert: „In diesem Augenblick enden die langen Jahrhunderte der Schwäche, der Isolierung und der kulturellen Unterlegenheit, als die neuen Völker der westlichen Christenheit zu den alten Zentren der östlichen Mittelmeerkultur zurückkehren.“
  • Das „Türkengebet“ und die „Türkenpredigten“: Diese waren eine bis zum Ende der osmanischen Einfälle in Mitteleuropa im 17. Jahrhundert verbreitete Praxis. In diesen Gebeten stand die Auseinandersetzung mit den eigenen sittlichen Verfehlungen im Vordergrund, die als eigentliche Ursache der osmanischen Bedrohung betrachtet wurde. In Predigten wurden dabei auch Missstände angeprangert, welche die Erfolge der Osmanen begünstigten. Papst Calixtus III. ermahnte in diesem Sinne etwa in einer Bulle aus dem Jahr 1456 zu Gebet, Fasten und Buße sowie zu Bittprozessionen und Messen sowie Predigten. 1571 ordnete auch Papst Pius IV. entsprechende Gebete an, bei denen das Eingeständnis der eigenen Sünden und Unzulänglichkeiten im Vordergrund stand. Die Christenheit trage selbst Schuld an der osmanischen Bedrohung und habe diese durch sündige Lebensweise und Vernachlässigung des Betens heraufbeschworen. In entsprechenden Predigten, etwa des bekannten Augustiners Abraham a Sancta Clara, ging es dementsprechend neben dem Aufruf zum Kampf auch um innere Umkehr und Erneuerung. Zudem riefen entsprechende Gebete und Predigten zur konfessionellen und politischen Einheit bei der Abwehr dieser Bedrohung auf.
  • „Türkenglocken“: Es handelt sich dabei um Kirchenglocken, die aus von geschlagenen osmanischen Angreifern zurückgelassenen Kanonen gegossen wurden. Sie finden sich vor allem in Österreich. Ein bekanntes Beispiel ist die Türkenglocke auf dem Grazer Schlossberg, die 1587 im Auftrag gegeben wurde und aus 101 osmanischen Kanonen gefertigt worden sei. Nach dem Sieg in der Schlacht um Wien bzw. in der Schlacht am Kahlenberg 1683 wurde die Glocke jeweils morgens, mittags und abends 101 Mal zum Dank an die Muttergottes und als Bitte für weiteren Schutz geläutet. Auch die „Pummerin“, die größte Glocke des Stephansdoms in Wien, wurde aus zurückgelassenen osmanischen Kanonen gegossen.
  • Beating the Bounds: Das „Beating the Bounds“ ist eine England, Irland, Wales und Schottland praktizierte Form der Bittprozession, bei der die Grenzen einer Kirchengemeinde abgeschritten werden. Sie sollte  ursprünglich Gemeindegrenzen im Bewusstsein der Bewohner eines Gebietes präsent halten, was die Grundlage ihres Schutzes u.a. gegen das Eindringen Fremder oder Versuche des heimlichen Versetzens von Grenzsteinen war. Außerdem wurde während der Prozessionen traditionell um Schutz und Segen für das Land gebetet. Sie findet traditionell während der Bitttage (englisch rogationtide) zwischen dem fünften Sonntag nach Ostern (Rogate) und Christi Himmelfahrt statt. Üblicherweise nehmen an der Prozession vor allem Jungen teil, was den Wunsch zum Ausdruck bringt, dass die Erinnerung an die Grenzen so lange wie möglich fortbestehen solle.
  • Waffensegnungen: Diese sind seit dem 10. Jhd. belegt und sollten unter anderem den Träger der Waffen darauf verpflichten, diese zum Schutz von „Kirchen, Witwen, Waisen und allen, die Gott dienen“ einzusetzen. Vor allem aufgrund von missbräuchlicher Verwendung für säkulare Zwecke im 20. Jahrhundert werden Waffensegnungen derzeit durch die Kirche nicht praktiziert.

11.1 Gebete

12. Orte

Christliche Orte, die hier relevant sind, umfassen Stätten des schützenden christlichen Dienstes am Gemeinwesen.

  • Die Santa Cueva de Covadonga: In der Felsenhöhle von Covadonga (vulgärlateinisch für „Höhle der Herrin“) in Asturien im Norden Spaniens befand sich bereits zur Zeit des Westgotenreichs ein Marienheiligtum. 722 fand dort die Schlacht von Covadonga statt, in der Pelagius von Asturien („Pelayo“) als Anführer einer christlichen Streitmacht einen Sieg über muslimische Truppen errang. Dieser Erfolg gilt als Beginn der Reconquista. Der Überlieferung zufolge habe Pelagius den Sieg auf das Wirken der Muttergottes zurückgeführt, zu der er vor der Schlacht in einer Höhle an einer Marienstatue für den Sieg gegen die Invasoren gebetet habe. König Alfons I. habe um das Jahr 750 in Anerkennung dessen ein Kloster und eine Kapelle an dem Ort, der Ziel einer Marien-Wallfahrt wurde, errichten lassen. Papst Johannes Paul II. besuchte den heute an dem Ort befindlichen Schrein während seines Pontifikats.
  • Die Basilika von Mariazell: Es handelt sich um den wichtigsten Wallfahrtsort in Österreich und einen der wichtigsten Europas. Das gotische Hauptportal zeigt im Tympanon eine der Gründungslegenden von Mariazell; den Sieg König Ludwigs I. von Ungarn über ein überlegenes osmanisches Heer. Aus Dank erbaute er die gotische Kirche und stiftete das ihm im Traum auf die Brust gelegte „Schatzkammerbild“.
  • Die Wallfahrtskirche Mariahilf in Passau: Als 1683 Wien durch die Türken belagert wurde, flüchtete Leopold I. nach Passau. Vor dem Gnadenbild der Wallfahrtskirche Mariahilf betete das Kaiserpaar täglich um Rettung aus der Türkengefahr. Als dann die christliche Allianz die Entsatzschlacht am Kahlenberg unter dem Kampfmotto „Maria hilf!“ gewann, wurde das Passauer Mariahilf-Gnadenbild zum Staatsgnadenbild der Habsburgermonarchie. Die bei der Schlacht erbeuteten Waffen der besiegten Türken sind im Beichtgang der Kirche zu besichtigen.
  • Die Kirche am Leopoldsberg (Wien-Kahlenbergerdorf): Am 12. September 1683 feierte der vor allem als bedeutender Prediger im Zusammenhang mit den Abwehrkämpfen gegen die Osmanen in Erscheinung getretene Marco d’Aviano vor der Entsatzschlacht zur Befreiung Wiens von der osmanischen Belagerung eine Heilige Messe in der Kirche. Das Ereignis spielt in der Erinnerungskultur im Zusammenhang mit der Befreiung Wiens und der Rolle d’Avianos eine wichtige Rolle.
  • Das Königliche Kloster Santa María de Guadalupe: Der Name des Ortes geht mutmaßlich auf den arabischen Begriff „Wad al-lubb“ („verborgener Fluß“) zurück. Das Kloster war rund vier Jahrhunderte lang das wichtigste Spaniens und hat seine Ursprünge im späten 13. Jahrhundert, als der Schäfer Gil Cordero am Ufer des Guadalupe eine Madonnenstatue fand, die mutmaßlich 714 von den Einwohnern der Gegend vor den maurischen Invasoren versteckt worden war. Am Fundort wurde daraufhin eine Kapelle errichtet. König Alfons XI. von Kastilien, der die Kapelle mehrfach besucht hatte, erbat die Hilfe Guadelupes vor der Schlacht am Salado (1340). Seinen Sieg schrieb er ihrem Beistand zu und erklärte die Kirche zu einem königlichen Heiligtum. Das mexikanische Guadalupe, der Ort einer bedeutenden Marienerscheinung, wurde wie viele Orte der Neuen Welt nach diesem Heiligtum benannt, in dem Christoph Kolumbus vor seiner Reise um Schutz und Beistand gebetet habe. In der axtekischen Sprache klingt Guadalupe ähnlich wie „Coatlallope“, was „die auf Schlangen tritt“ bedeutet und einen marianischen Bezug (1 Mose 3,13-15) hat. Die Marienerscheinung im mexikanischen Guadalupe löste die größte Konversionswelle in der Geschichte des Christentums aus.
  • Das Paulinerkloster auf dem Klarenberg und die Schwarze Madonna von Tschenstochau: Das Kloster auf dem Klarenberg (polnisch Jasna Góra) im Tschenstochau (Częstochowa) ist das größte Marienheiligtum Mitteleuropas und ein polnisches Nationalheiligtum. Hier befindet sich das Gnadenbild der Schwarzen Madonna von Tschenstochau, das in Polen als nationales Symbol verehrt wird, zugleich die heiligste Reliquie des Landes sowie ein bedeutendes Wallfahrtsziel darstellt. König Johann III. Sobieski betete hier 1683 für die Rettung Europas vor dem Islam, als er sich zusammen mit polnischen Kräften auf dem Weg zur Befreiung Wiens von der osmanischen Belagerung befand. Die ihm unterstellten Soldaten habe er nach dem Besuch angewiesen, im Namen Marias Gott um Hilfe zu bitten. Den unter seiner Führung erzielten entscheidenden Sieg in der Schlacht am Kahlenberg, der die islamische Bedrohung Mitteleuropas für lange Zeit beendete, führte er später auf das Wirken Marias zurück.
  • Die Befestigungsanlagen auf der Insel Malta: Diese wurden zwischen 1530 und 1798 durch den Johanniterorden zur Abwehr osmanischer Angriffe auf die für Europa strategisch wichtige Insel angelegt und gelten als eines der beeindruckendsten Werke militärischer Architektur weltweit. Die Festungsanlagen sind bis heute fast vollständig erhalten.
  • Iona Abbey: Die 563 gegründete Abtei auf der Insel Iona vor der Westküste Schottlands ist einer der wenigen heute noch erhaltenen Orte im irisch-schottischen Raum, die in der Zeit nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches den chaotischen Bedingungen der damaligen Zeit weitgehend entzogen war und einen Rückzugsraum für christliche Mönche bildete. Diese bewahrten hier Teile des Wissens und der Kultur der Antike und bildeten Missionare aus, die das Christentum in weiten Teilen Europas verbreiteten und Inseln der Ordnung und der Kultur schufen.
  • Der Machabäerschrein in der Kirche St. Andreas in Köln: Der Schrein enthält der Überlieferung nach die Reliquien der makkabäischen Brüder und ihrer Mutter. Diese lebten vor dem Beginn des jüdischen Aufstands gegen die Fremdherrschaft der Seleukiden und wurden getötet, weil sie sich geweigert hatten, von der “Lebensart ihrer Väter abzufallen” und statt dessen ihr Leben für die “Gesetze unserer Väter” hingaben. Ihre Geschichte ist in 2 Makkabäer 7 überliefert. Ihre Reliquien seien durch Erzbischof Rainald um das Jahr 1164 mit den Reliquien der heiligen drei Könige nach Köln gebracht worden. Sie seien ein Geschenk des Kaisers Barbarossa gewesen. Sie wurden anschließend in der Kirche des Benediktinerinnenklosters zu den Heiligen Makkabäern am Eigelstein aufbewahrt und 1808 nach St. Andreas überführt worden. Der Schrein entstand in den Jahren 1520-1527.
  • Das Löwendenkmal in Luzern: Das Denkmal, das einen sterbenden Löwen zeigt, erinnert an die am 10.08.1792 beim Tuileriensturm in Paris gefallenen Schweizergardisten. Bei der Verteidigung des Tuilerienpalastes gegen angreifende Revolutionäre fielen damals 760 der rund 1000 eingesetzten Schweizergardisten. Das Denkmal wurde nach einem Entwurf des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen geschaffen. Auf ihm ist das Motto „Helvetiorum fidei ac virtuti“ („Der Treue und Tapferkeit der Schweizer“) zu lesen.
  • Das Kloster Monte Cassino
  • Der Quedlinburger Dom
  • Der Aachener Dom: Ort des Karlskultes und von 936 bis 1531 Krönungsort römisch-deutscher Könige
  • Die Kathedrale von Reims: Jahr­hunderte­lang wurden hier die französischen Könige gekrönt.

13. Werke

13.1 Literatur (Religion und Philosphie)

Hier werden sowohl Werke mit unmittelbarem christlichen Bezug als auch Werke aufgeführt, deren Gedanken in das Christentum integriert wurden oder integrierbar sind oder sonstige Bezüge zur christlichen Kultur des schützenden Dienstes aufweisen.

  • Hans Urs von Balthasar – Cordula oder der Ernstfall
  • Edmund Burke – Betrachtungen über die französische Revolution
  • Epiktet – Handbüchlein der Moral: Viele der Vorstellungen des heidnischen griechischen Autors der Antike bzw. der stoischen Philosophie wurden später in Konzepte christlicher Lebensführung integriert. Die stoische Philosophie prägte zudem abendländische Vorstellungen des Soldatentums und wurde in den vergangenen Jahren im Rahmen von Überlegungen zur Stärkung psychischer Resilienz in Krisensituationen wieder verstärkt beachtet.
  • Josemaría Escrivá – Der Weg: Es handelt sich um den ersten Band einer Trilogie, in welcher der katholische Heilige in Form von Leitsätzen und Aphorismen eine männliche Spiritualität des Dienstes beschreibt. „Dein Leben darf kein fruchtloses Leben sein. – Sei nützlich. – Hinterlasse eine Spur. – Leuchte mit dem Licht deines Glaubens und deiner Liebe. Tilge durch dein Leben als Apostel den zähen Unrat, den die verseuchten Prediger des Hasses verbreitet haben. […] Sei stark. – Sei aufrecht. – Sei männlich. – Und dann … sei ein Engel.“
  • Romano Guardini – Das Ende der Neuzeit: Guardini beschrieb hier die besonderen spirituellen Herausforderungen, die mit der Krise Europas verbunden seien. Tapferkeit, „die sich dem heraufdrohenden Chaos entgegenstellt“, beschrieb er dabei als eine zentrale Eigenschaft einer dieser Lage gerecht werdenden Spiritualität. Sie habe gegen „den universellen Feind, das im Menschenwerk selbst aufsteigende Chaos zu bestehen“ und „die Öffentlichkeit, die in Parolen und Organisationen verdichtete Unwahrheit“ gegen sich.
  • Romano Guardini: Der Herr: In einer Reihe von Betrachtungen setzt sich Guardini in diesem Werk mit dem Leben Jesu Christi auseinander. Insbesondere in den Kapitel fünf („Auferstehung und Verklärung“) und sechs („Zeit und Ewigkeit“) stellt Guardini dabei die Herrlichkeit des Herrn auf beeindruckende Weise heraus.
  • René Guenon – Die Krisis der Neuzeit
  • Scott Hahn – Das Mahl des Lammes: Der katholische Theologe beschreibt die Bezüge zur Offenbarung des Johannes, welche die heilige Messe bestimmen und sie zu einem Ausdruck und Teil des überzeitlichen Kampfes zwischen Gott und den Kräften des Bösen machen. „Gottesdienst ist Kampf. Wir sind hier um verwandelt zu werden: uns selbst abzusterben, für andere zu leben und so wie Gott zu lieben. Das geschieht auf dem Altar der Erde, und es geschieht auf den Altären unserer Kirchen.“
  • Ernst Jünger – Der Waldgang
  • C.S. Lewis – Die Abschaffung des Menschen
  • Platon – Der Staat
  • Philip Rieff – My Life among the Deathworks

13.2 Literatur (Dienendes Leben)

  • Asfa-Wossen Asserate: Manieren
  • James Bowman: Honor – A History.
  • Loren W. Christensen: Warriors. More on Living with Courage, Discipline, and Honor. Das Buch besteht aus zahlreichen kurzen Aufsätzen von Menschen, die in risikoorientierten dienenden Berufen tätig sind und über ihre Erfahrungen schreiben. Dabei kommen vor allem Soldaten und Polizisten zu Wort.
  • Walter J. Ciszek: Mit Gott im Gulag. Der katholische Priester war verdeckt als Missionar in der Sowjetunion eingesetzt und verbrachte deshalb insgesamt 20 Jahre in Haft unter schwierigsten Bedingungen. In seinem Buch schildert er seine Erfahrungen, wobei er ausführlich auf die spirituellen Aspekte der Bewältigung extremer Bedingungen eingeht.
  • Elmar Dinter: Held oder Feigling. Die körperlichen und seelischen Belastungen des Soldaten im Krieg
  • Viktor E. Frankl – …trotzdem ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager: Der Autor behandelt die Frage nach dem Sinn des Lebens vor dem Hintergrund scheinbar auswegloser Lagen und sieht im dienenden Leben den einzigen Weg sinnvoller Lebensgestaltung. „Wir müssen lernen […], dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet!“
  • Shannon E. French: The Code of the Warrior. Exploring Warrior Values Past and Present. In ihrem Buch stellt die Philosophin das Kriegerethos verschiedener Kulturen dar.
  • Eric Greitens: Resilence. Der ehemalige Kampfschwimmer und promovierte Philosoph schreibt in seinem Buch aus einer militärischen Perspektive und unter Rückgriff auf antike griechische Philosophie über den Aufbau von dienstorientierter psychischer Tauglichkeit und Belastbarkeit.
  • Romano Guardini: Vom ritterlichen Manne. Der katholische Theologe beschreibt in seinem im Buch „Briefe über Selbstbildung“ veröffentlichten Aufsatz das christliche Idealbild des zum Kampf bereiten Mannes, dessen Leben von Werken und Taten des Dienstes bestimmt ist.
  • Dave Grossman: On Combat. Der Militärpsychologe schreibt über Extremsituationen und ihre Bewältigung durch Soldaten. Grossman vergleicht hier u.a. in Anknüpfung an christliche Konzepte den schützenden Dienst mit dem des Schäferhundes, der die Herde gegen die Wölfe schützt.
  • Michael Klonovsky: Der Held. Ein Nachruf
  • Inazo Nitobe: Bushido. Die Seele Japans. Der aus einem Samurai-Clan stammende und zum Christentum konvertierte Autor beschreibt in diesem Werk unter Betonung von Parallelen zum christlichen Rittertum und anderen christlichen Konzepten die Grundlagen des Dienstethos der japanischen Samurai.
  • Josef Pieper: Vom Sinn der Tapferkeit.
  • Josef Pieper: Zucht und Maß. Über die vierte Kardinaltugend. Der katholische Philosoph erschließt in diesem Werk die Tugend der Mäßigung bzw der Disziplin aus christlicher Perspektive. Er beschreibt sie dabei als die „Tugend reifer Mannhaftigkeit“, die Voraussetzung eines dienenden Lebens sei.
  • Nancy Sherman: Stoic Warriors. The Ancient Philosophy Behind the Military Mind
  • James B. Stockdale: The Stoic Warrior’s Triad, Master of my Fate und Courage under Fire. Der Philosoph, Marineflieger und Admiral bereitet in seinen Schriften die Philosophie der Stoa für Soldaten auf. Seine Texte beruhen vor allem auf seinen im Vietnamkrieg im Zuge mehrjähriger Gefangenschaft unter schwierigsten Bedingungen gewonnenen Erfahrungen.

13.3 Literatur (Geschichte und Kultur)

  • Christopher Dawson: Die Religion im Aufbau der abendländischen Kultur. Der Historiker beschreibt in diesem Werk die Rolle des Christentums bei der Entstehung Europas und seiner Kultur in der Zeit zwischen der Spätantike und dem Mittelalter.

13.4 Literatur (Belletristik)

Hier werden literarische Werke vorgestellt, die im weitesten Sinne unter Bezug auf christliche oder christlich-geprägte Gedanken und Konzepte das Thema des schützenden Dienstes behandeln.

  • Werner Bergengruen – Der letzte Rittmeister
  • Ray Bradbury – Fahrenheit 451: In diesem dystopischen Roman beschreibt der christlich-geprägte Bradbury einen fiktiven totalitären Staat der Zukunft, dessen Bevölkerung durch totale Unterhaltung seelisch so korrumpiert ist, dass sie nicht mehr aktiv unterdrückt werden muss, weil sie ihren Zustand gutheißt. Gleichzeitig steht dieser Staat vor einer unabwendbaren Katastrophe. In dieser Lage bereitet sich eine kleine Gemeinschaft darauf vor, den späteren geistigen Wiederaufbau vorzubereiten.
  • Dino Buzzati – Die Tatarenwüste: Ein Roman über einen Offizier, der sein Leben damit verbringt, in einer abgelegenen Festung auf den Angriff des Gegners zu warten. Es geht um die „bittersüße Lust des höchsten Opfers […]. Dieser Roman ist eine gefährliche Lektüre für Menschen mittleren Alters, vor allem, wenn sie männlich sind.“ (Aus der Rezension von Hubert Spiegel in der FAZ).
  • Ernst Jünger – Auf den Marmorklippen: Eine Betrachtung des später katholisch gewordenen religiösen Mystikers Ernst Jünger über den Dienst im Angesicht von moralischem Verfall und Barbarei, die er zur Zeit des Dritten Reiches verfasste, und die deutliche Verweise auf dieses enthält.
  • Franz Kafka – Beim Bau der Chinesischen Mauer
  • Jochen Klepper – Der Vater: Der Autor, der auch evangelischer Theologe war, zeichnete in diesem 1937 erschienenen Roman das Bild eines preußischen Königs, der in allem nach Gott fragt und sich als ersten Diener im Staat begreift. Klepper stellte dieses Bild dem totalitären Führerkultur seiner Zeit gegenüber.
  • Alexander Lernet-Holenia – Die Standarte
  • Jean Raspail: Sieben Reiter verließen die Stadt: Der traditionell orientierte Katholik Raspail ergründet in diesem Roman die Ursachen des Zerfalls von Kulturen und verschiedene Möglichkeiten, sich dem auf dienende Weise zu stellen.
  • J.R.R. Tolkien – Der Herr der Ringe: Der Autor sagte über sein Werk: „Der Herr der Ringe ist natürlich von Grund auf ein religiöses und katholisches Werk; unbewusstermaßen zuerst, aber bewusst im Rückblick.“ In der Tradition europäischer Mythologie beschreibt er den Dienst einer Gemeinschaft im Kampf gegen das Böse und integriert dabei vorchristliche antike und heidnische Motive auf der Grundlage eines christlichen Weltbildes.
  • Franz Werfel – Die vierzig Tage des Musa Dagh: Der Roman behandelt den Widerstand der christlichen Armenier gegen den an ihnen von den Türken verübten Völkermord Anfang des 20. Jahrhunderts.

13.4 Bildende Kunst

Die christliche Kultur des schützenden Dienstes wurde auch in zahlreichen Werken der bildenden Kunst ausgedrückt.

  • Der Bamberger Reiter: Der Historiker und Mediävist Ernst Kantorowicz sah in dem Reiterstandbild im Bamberger Dom aus dem 13. Jahrhundert das Idealbild des Rittertums dargestellt.
  • Andrea del Verrocchio – Das Reiterstandbild Bartolomeo Colleonis: Colleoni war General der Republik Venedig und gilt als eine der fähigsten militärischen Gestalten des Europas des 15. Jahrhunderts. Er soll zeitweise als militärischer Führer eines nicht zustande gekommenen Kreuzzugs zur Abwehr osmanischer Angriffe in Erwägung gezogen worden sein. Das Reiterstandbild in Venedig, das ihn zeigt, gehört zu den bedeutendsten Reiterstandbildern überhaupt und betont in idealisierter Weise die soldatischen Tugenden des Dargestellten.
  • Jan van Eyck – Die Streiter Christi/Darstellung auf dem Genter Altar
  • Das Harbaville-Triptychon (ca. 950): Das Kunstwerk aus Elfenbein wurde in der Mitte des 10. Jahrhunderts in Konstantinopel mutmaßlich für den kaiserlichen Hof geschaffen. Es zeigt das Motiv Jesu Christi auf seinem Thron als Herrscher, flankiert u.a. von Soldatenheiligen.
  • Albrecht Dürer – Ritter, Tod und Teufel (1513): Der Ritter symbolisiert das aktive, dienende Leben, das sich Risiken stellt und dabei mit dem Tod, aber auch mit der Versuchung zum Bösen konfrontiert ist.
  • Die Apokalypse von Angers (Wandteppich-Zyklus): Der durch den Weber Nicolas Bataille realisierte und durch den Maler Jan Bondol gestaltete Wandteppich wurde 1382 fertiggestellt. Der ursprünglich rund 140 Meter lange Teppich zeigt zahlreiche Motive aus der Offenbarung des Johannes. Die Darstellungen betonen die heroischen Aspekte des überzeitlichen Kampfes zwischen den Kräften des Guten und Bösen. Kunsthistoriker bewerteten ihn als eine der bedeutendsten Umsetzungen des Themas.

13.5 Lyrik

  • Die höfische Dichtung und die Ritterepik: Die als „Chansons de geste“ in altfranzösischer und okzitanischer Sprache formulierten Gedichte des Mittelalters behandeln vorwiegend die Taten fränkischer Könige beim Schutz der christlichen Länder gegen die Angriffe der Sarazenen während der Karolingerzeit. Dieser Abwehrkampf hat für die ritterliche Epik eine ähnliche Bedeutung wie der Trojanische Krieg für die altgriechische Dichtung. In entsprechenden Gedichte komme dem Historiker Christopher Dawson zufolge ein nicht auf Nationen oder Staaten, sondern auf die gesamte Christenheit bezogener religiöser Patriotismus zum Ausdruck. Zu dieser Art von Lyrik gehört etwa das Rolandslied. Auch der spanische „Cantar de Mio Cid“ und das mitteldeutsche Werk „Parzival“ des Wolfram von Eschenbach fallen in diesen Bereich. Diese Art von Lyrik entstand im nördlichen Frankreich und wurde vor allem im 12. Jahrhundert gepflegt.

13.6 Musik

Oper

  • Richard Wagner – Parsifal: Das Bühnenweihfestspiel Wagners beruht auf dem christlichen Gralsmythos.

Lieder

Allgemein ist die Zahl der Lieder sowohl katholischen als auch protestantischen Hintergrundes, die in Stil und Inhalt im weitesten Sinne einer männlichen Spiritualität gerecht werden, überschaubar. Bei den „Kreuzliedern“ des Mittelalters, die oft inhaltliche Bezüge zum Rittertum hatten, handelte es sich um durch Minnesängern vorgetragene lyrische Texte und nicht um geistliche Lieder.

  • Friedrich Spee – Unüberwindlich starker Held, Sankt Michael: Das katholische Lied aus dem 17. Jahrhundert ruft den Erzengel Michael als Kämpfer Gottes für die Kirche und als Beistand gegen das Böse an.
  • Martin Rinckart – Nun danket alle Gott: Das ursprünglich protestantische und später ökumenisch verwendete Friedenslied zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen geistlichen Liedern. Es fand durch Übersetzungen in viele Sprachen über Deutschland hinaus Verbreitung. Als „Choral von Leuthen“ hat es auch einen militärischen Bezug.
  • Friedrich Gundolf – Schließ Aug und Ohr: Das Lied war zunächst im aus der katholischen Jugendbewegung hervorgegangenen „Grauen Orden“ verbreitet, dessen Leiter Willi Graf später der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ angehörte. Hier war es dann auf Sophie Scholl zurückzuführen, dass das Lied bis heute als das „Lied der Weißen Rose“ gilt. Aus dem Text: „Die Stunde kommt, da man dich braucht, dann sei du ganz bereit. Und in das Feuer, das verraucht, wirf dich als letztes Scheit.“
  • Prinz Eugen, der edle Ritter: Die von einem unbekannten Dichter vermutlich im 18. Jahrhundert verfasste Ballade behandelt die Taten Prinz Eugens im Zusammenhang mit der Befreiung Belgrads von den Osmanen.
  • Nachts steht Hunger starr in unserm Traum: Das ursprünglich im Umfeld der Pfadfinderbewegung und der Bündischen Jugend verbreitete Lied behandelt die Verfolgung der christlichen Kosaken durch die Kommunisten in Russland. Aus dem Text: „Ach! Dahin ist stolze Macht, keine Glocken klingen durch die rote Nacht. […] Noch fliegt Russlands heiliger Adler!“ Das Lied wurde später auch mit Bezug zu Untergrundaktivitäten der durch die Nationalsozialisten verbundenen Bündischen Jugend gesungen.
  • Cecil Spring Rice – I vow to thee, my country: Das von Gustav Holst vertonte Gedicht entstand um 1910 unter dem Titel „Urbs Dei“ oder „The Two Fatherlands“. Es behandelt den Dienst des Christen am Reich Gottes und an seiner Nation. Der Dienst am Reich Gottes wird dabei im Sinne christlicher Lehre als übergeordnet dargestellt. Der Text betont zudem die Themen Dienst, Liebe und Opfer. Es wird vor allem in Großbrittanien gesungen, ist aber in seiner gegenwärtig verbreiteten Form national neutral gestaltet und erwähnt nur „my country“.
  • Die Bogurodzica: Das im 13. Jahrhundert entstandene polnische Lied war die Krönungshymne des polnischen Königs Wladyslaw I. und wurde unter anderem bei der Schlacht von Warna 1444 gegen die Osmanen als Kampflied gesungen. Es ist an die Muttergottes und an Jesus Christus gerichtet.
  • Venantius Fortunatus – Vexilia Regis: Der vermutlich im 6. Jahrhundert entstandene „Hymnus zu Ehren des heiligen Kreuzes“ beginnt mit den Worten: „Die Standarten des Königs treten vor….“. Der lateinische Begriff „Vexilia“ ist eine Bezeichung für Feldzeichen oder Kriegsbanner.

13.7 Architektur

  • Wehrkirchen und Kirchenburgen: Kirchen, die so verstärkt sind, dass sie zur Abwehr von Angriffen sowie als Schutzbauten geeignet sind, bezeichnet man als Wehrkirchen. Ist eine Kirche von einer für Verteidigungszwecke geeigneten Mauer umgeben, die auch andere Wehrbauten umschließt, spricht man von Kirchenburgen. Sie finden sich vor allen an den früheren Kulturgrenzen Europas; insbesondere in Regionen, die islamischen Invasionen ausgesetzt waren wie etwa in Teilen Österreichs und Rumäniens. Dort dienten sie vor allem als Schutzbauten für die Bewohner ihrer Umgebung.

13.8 Handwerk

In den Klöstern des Mittelalters wurde auch das Handwerk der Waffenherstellung gepflegt und vervollkommnet. Beispiele dafür sind die hochwertigsten Schwerter der damaligen Zeit, die mutmaßlich in Klöstern hergestellt wurden.

  • Die Ulfberht-Schwerter: „Ulfberht“ ist eine moderne Transkription der Inschrift +VLFBERH+T, welche typischerweise auf frühmittelalterlichen Schwertern des 8. bis 11. Jahrhunderts zu finden ist. Es existieren viele Variationen der Inschrift, wie zum Beispiel +VLFBERHT+ oder auch VLFBERH+T. Allgemein vermutet man, dass es sich dabei ursprünglich um eine fränkische Person handelte, deren Name und Werkstatt später eine Art Handelsmarke begründeten. Es könne sich um den Schmied, aber auch um einen Herrscher oder Bischof handeln. Auf eine Werkstatt in kirchlichem Besitz verweist der Gebrauch von Kreuzen in der Signatur der Inschrift. Metallurgische Untersuchungen deuten darauf hin, dass einige der Schwerter im Kloster Fulda oder im Kloster Lorsch hergestellt wurden, wo eine Waffenproduktion historisch belegt ist. Die Charakteristika und das metallurgische Wissen der frühmittelalterlichen Schmiede machten die Schwerter zu den hochwertigsten Waffen der damaligen Zeit. Rund 170 Exemplare sind mittlerweile bekannt.
  • Die Ingelrii-Schwerter: Die Ingelrii-Gruppe besteht aus etwa 20 bekannten mittelalterlichen Schwertern aus dem 10. bis 12. Jahrhundert mit tauschierter Klingeninschrift INGELRII. Die Inschrift wird als Name des Klingenschmiedes gedeutet.

14. Stil und Form

  • Haar- und Barttracht: Der hl. Bernhard von Clairvaux stellte in seiner Schrift über das christliche Rittertum dem weltlichen Ritter, der langes Haar trug, den christlichen Ritter mit geschorenem Haar und kurzem Bart gegenüber.
  • Kleidung: Geistliche Ritterorden trugen uniformähnliche Ordenskleider, die aus Habit und Abzeichen bestanden. Beim Habit handelte es sich üblicherweise um einen schwarzen Mantel (dessen Farbe Demut symbolisiert) oder einen weißen Mantel (dessen Farbe Reinheit symbolisiert). Die Abzeichen in Form eines Kreuzes, die zu tragen Urban II. bei seinem Aufruf zum Ersten Kreuzzug gefordert, waren meist klein und wurden auf der linken Brustseite getragen. Der hl. Bernhard von Clairvaux hob in seiner Schrift über das christliche Rittertum die schlichte Beleidung der christlichen Ritter hervor, die auf überflüssige Verzierung verzichte.

15. Mythen, Sagen und Legenden

Mythen sind traditionell, ursprünglich meist mündlich überlieferte Erzählungen, die das Heilige zum Inhalt haben. Legenden sind überlieferte Erzählungen über Personen. Die Brüder Grimm definierten Sagen als „Kunde von Ereignissen der Vergangenheit, welche einer historischen Beglaubigung entbehrt“ und von „naiver Geschichtserzählung und Überlieferung, die bei ihrer Wanderung von Geschlecht zu Geschlecht durch das dichterische Vermögen des Volksgemüthes umgestaltet wurde“. Hier kommt es vor allem auf geistige Wahrheit und Aussagen über das Heilige an. Historisches Geschehen bildet allenfalls den Rahmen der Erzählung. Solche Erzählungen wurden daher auch als Formen narrativer Theologie bezeichnet.

  • Der Gralsmythos
  • Die Artussage
  • Die Legende von Sankt Georg dem Drachentöter: Der historische Georg, über den wenig bekannt ist, starb vermutlich um das Jahr 303 herum als Märtyrer. Im Mittelalter gab es eine ausgeprägte Verehrung Sankt Georgs. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Legenden um ihn. In der „Legenda Aurea“ rettet er eine jungfräuliche Königstochter vor einem Drachen, den er tötet. Der Drache hatte sie als Opfer gefordert. nach der Tötung des Drachen ist das Land vom Bösen befreit und viele Menschen lassen sich taufen. Die Georgslegende spielte eine wichtige Rolle im Selbstverständnis des christlichen Rittertums.
  • Die Jakobuslegende: Der Legende zufolge, die Grundlage des Jakobsverehrung im spanischen Santiago de Compostela ist, wurde der Apostel Jakobus der Ältere im Nordwesten Spaniens beigesetzt, wo sein Grab im 9. Jahrhundert wiederentdeckt worden sei. Der Ort entwickelte sich später zur Pilgerstätte Santiago de Compostela, dem Ziel der Jakobswege.  König Alfons III. von Asturien (866-910) führte seine Siege gegen die Mauren auf das Eingreifen des Heiligen zurück. Einer aus dem 12. Jahrhundert stammenden Legende zufolge griff Jakobus auch im Jahre 844 in der historisch nicht zweifelsfrei belegten Schlacht von Clavijo auf der Seite der Christen gegen die Mauren ein und führte den Sieg herbei, wobei er als Ritter auf einem Schimmel erschienen sei. Jakobus erhielt den Beinamen „Matamoros“ (Maurentöter). ¡Santiago y cierra, España! (Sankt Jakob und greif an, Spanien!) entwickelte sich später zum traditionellen Schlachtruf der spanischen Streitkräfte.
  • Die Rolandslegende: Die Legende des fränkischen Grafen Roland, deren historischer Hintergrund der Abwehrkampf Karls des Großen gegen die Sarazenen ist, wird unter anderem im Rolandslied (einem mittelalterlichen Versepos) wiedergegeben.
  • Die Beowulf-Legende: Das frühmittelalterliche angelsächsische Gedicht beschreibt den Kampf des Helden Beowulf gegen das Monster Grendel und vereint dabei nordische mit christlichen Traditionen. Christliche Motive finden sich vor allem in der Beschreibung positiver Charaktereigenschaften Beowulfs und in der moralischen Bewertung von Entscheidungen. Zudem wird das Monster Grendel als Nachkomme des Brudermörders Kain aus dem Alten Testament dargestellt.
  • Die Legenden um Dietrich von Bern: Die Legenden beschreiben Dietrich als Königssohn und Helden, der zwölf Mitstreiter um sich sammelt und gegen Drachen und Riesen kämpft. Bert Nagel sah in den Darstellungen Dietrichs von Bern im ca. um das Jahr 1200 herum in Süddeutschland entstandenen Nibelungenlied den Ausdruck eines vom Christentum geprägten ritterlichen Ethos der Stauferzeit. Das Nibelungenlied, in dem Dietrich unter anderem erwähnt wird, geht nach Ansicht von Forschern auf ältere völkerwanderungszeitliche Sagen zurück, die später mit christlichen Einflüssen verbunden worden seien. Historisches Vorbild für die Darstellungen Dietrichs war möglicherweise der ostgotische König und arianische Christ Theoderich der Große.

15.1 Waffen in Mythen und Legenden mit christlichem Bezug

In der christlichen Mythologie und christlichen Legenden gibt es das Motiv des Schwertes und anderer Waffen. Zu nennen sind hier vor allem die folgenden mythischen bzw. legendären Schwerter und  Waffen:

  • Die heilige Lanze: Einer Legende aus dem apokryphen Nikodemusevangelium zufolge soll der römische Zenturio Longinus Jesus Christus mit einem Speer in die Seite gestochen haben. Durch das Heilige Blut sei der kranke Longinus geheilt worden, der sich anschließend taufen ließ und später als Märtyrer starb. Seit dem frühen Mittelalter ist eines von mehreren der als Speer des Longinus angenommenen Objekte eines der Herrschaftsinsignien des Heiligen Römischen Reiches. Ein Herrscher, der diese Lanze besaß, galt als unbesiegbar.
  • Das Schwert der Johanna von Orléans: Ihrer eigenen überlieferten Aussage nach habe sie in einer Vision den Auftrag erhalten, ein in der Kirche von Sainte-Catherine-de-Fierbois verborgenes Schwert an sich zu nehmen, das sich dort hinter dem Altar im Boden befunden habe. Auf dem zu diesem Zeitpunkt bereits alten Schwert hätten sich ihrer Beschreibung nach fünf Kreuze befunden. In ihrem Prozess weigerte sie sich, nähere Angaben zum Verbleib des Schwertes zu machen. Einer späteren Legende nach habe es sich um das Schwert Karl Martells gehandelt. Dieser habe die Kirche errichten lassen und sein Schwert dort für einen künftigen Retter Frankreichs verborgen. Einer anderen Legende nach habe er es dort als Dankesopfer für seinen Sieg in der Schlacht von Tours und Poitiers hinterlassen.
  • Ascalon: Das Schwert oder die Lanze, mit der Sankt Georg der Legende nach den Drachen tötete und das Land, das er terrorisierte, vom Bösen befreite.
  • Durendal: Die Erzählung über das legendäre, wundertätige Schwert Rolands ist Teil mehrerer Überlieferungen und findet sich auch im Rolandslied. Laut der nordischen „Karlamagnús saga“, die den Stoff vieler verlorengegangener altfranzösischer Epen aufgenommen hat, wurde Durendal zusammen mit Almace und Curtana von Wieland dem Schmied hergestellt und an Karl den Großen übergeben. Als dieser die Schwerter testete, habe sich Durendal als das tauglichste erwiesen, gefolgt von Almace und Kurtana. Er habe Durendal zunächst für sich behalten und später an Roland übergeben. Curtana habe er an seinen Paladin Holger den Dänen und Almace an Turpin, den Erzbischof von Reims der ihn auf seinem Feldzug in Spanien begleitete, übergeben.
  • Almace: Im Rolandslied ist dies der Name des Schwertes von Turpin, des Erzbischof von Reims, der zusammen mit Roland im Kampf fällt.
  • Hauteclere: Im Rolandslied der Name des Schwertes des Ritters Oliver, der in vielen altfranzösischen Heldenliedern vorkommt
  • Curtana: Ein Schwert dieses Namens wird bei der Krönung britischer Könige verwendet. Der Legende nach soll es zuvor dem Ritter Tristan aus der Artussage sowie Holger dem Dänen, einem Paladin Karls des Großen, gehört haben und aus dem gleichen Stahl geschmiedet worden sein wie die Schwerter Joyeuse und Durendal.
  • Nagelring: Ein legendäres Schwert Dietrichs von Bern, mit dem dieser den Riesen Grim tötet
  • Mimung: Eines der legendären Schwerter Dietrichs von Bern
  • Eckesachs: Eines der legendären Schwerter Dietrichs von Bern
  • Joyeuse: Das legendäre Schwert Karls des Großen soll der Erzählung zufolge aus demselben Stahl geschmiedet worden sein wie die Schwerter Durendal und Curtana. Es wird auch im Rolandslied erwähnt.
  • Sauvagine: Einer altfranzösischen Legende nach der Name eines weiteren Schwertes von Holger dem Dänen
  • Froberge: Einer altfranzösischen Legende nach der Name des Schwertes des Ritters Renaud de Montauban (dt. Reinold von Montalban oder Reinhold von Köln, der Stadtpatron von Dortmund)
  • Tizona: Eines der Schwerter des spanischen Ritters El Cid, der im 11. Jahrhundert gegen die Mauren kämpfte. Das Schwert Tizona soll ursprünglich einem Maurenkönig gehört haben, den El Cid besiegte.
  • Colada: Ein weiteres legendäres Schwert El Cids.
  • Lobera: „Wolfstöter“; der Name des historischen Schwertes Ferdinands des III. von Kastillien
  • Excalibur: Das Schwert von König Artus in der Artussage, in anderen Überlieferungen auch „Caliburn“ genannt
  • Pridwen: Einer Legende zufolge der Schild von König Artus, auf dem sich ein Bild der Muttergottes befand
  • Rhongomiant: Einer walisischen Legende nach der Speer von König Artus, den er von Gott verliehen bekommen habe; in anderen Legenden als „Ron“ bezeichnet
  • Carnwennan: Einer walisischen Legende nach der Dolch von König Artus, den er von Gott verliehen bekommen habe
  • Der Schild des Judas Makkabäus: Laut Artussage fand ihn der Ritter Gawan, nachdem er einen bösen Ritter besiegt hatte. Der Legende nach handelt es sich um einen roten Schild, der einen goldenen Adler zeigt.
  • Der Schild des Joseph von Arimathäa: Wird in der Artussage erwähnt, wo der Schild von Parzival entdeckt wird