Stand: 20.02.2018

Die katholische Soziallehre hat eine Reihe von strategischen Ansätzen zum Umgang mit islambezogenen Herausforderungen formuliert. Diese sehen einen selbstbewussten Dialog mit dem Islam mit dem Ziel dessen besseren Verständnisses, dem friedlichen Zusammenleben und der Sicherstellung christlicher Interessen bei gleichzeitiger Bekämpfung vor allem militant-islamistischer Strömungen vor. Zudem gilt auch gegenüber dem Islam der Missionsauftrag des Christentums.

1. Achtung gegenüber positiven Aspekten im Islam

Eine meist aus der pauschalen Ablehnung von Religion geborene Islamfeindlichkeit, wie sie in säkularen Ideologien zu finden ist, ist christlichen Ansätzen der Auseinandersetzung mit dem Islam fremd. Katholische Theologie hat immer betont, dass das Gute in allem gefunden werden kann, und das auch der Irrtum nur eine unvollständige Form der Wahrheit darstellt.

Auf der Grundlage dieses Denkens hat das Christentum das Gute, dem es in anderen Religionen und den von ihnen gestifteten Kulturen begegnet ist, von Beginn an in geordneter Form in seine Kultur aufgenommen, wodurch es innerlich wuchs. Gegenüber dem Islam kann das Christentum ähnlich verfahren. Die Existenz guter Elemente im Islam und in islamischer Kultur grundsätzlich abzustreiten daher auch bedeuten, dem Christentum eine Gelegenheit zum Wachstum vorzuenthalten.

Ebenso kann eine katholische Perspektive auch im ungünstigsten Fall niemals Menschen als Feinde betrachten, sondern nur die negativen geistigen Einflüsse, denen sie ggf. unterliegen.

In der im Rahmen des II. Vatikanischen Konzils im Jahre 1965 veröffentlichten Erklärung „Nostra Aetate“ über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen heißt es über den grundsätzlichen Umgang mit diesen Religionen:

Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.

Die Kirche betrachte dementsprechend positive Aspekte des Verhaltens von Muslimen „mit Hochachtung“ und ruft dazu auf, „sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.“

Papst Benedikt XVI. sagte 2012, dass das Dokument die Schwäche aufweise, von Religion „nur positiv“ zu sprechen und „die kranken und gestörten Formen von Religion“ auszuklammern, „die geschichtlich und theologisch von großer Tragweite sind“.

2. Realistischer Dialog mit dem Islam

Grundlagen einer Strategie zum Umgang mit islambezogenen Herausforderungen hatte Papst Johannes Paul II. in seinem Schreiben „Ecclesia in Europa“ im Jahre 2003 formuliert.

  • Dialog mit dem Islam sei wünschenswert, um diesen besser zu verstehen. Solcher Dialog dürfe jedoch nicht durch „religiösen Relativismus geprägt“ sein und zu der Annahme führen, dass „eine Religion gleich viel gilt wie die andere“.
  • Solcher Dialog müsse sich zudem „des beträchtlichen Unterschiedes zwischen der europäischen Kultur, mit ihren tiefen christlichen Wurzeln, und dem muslimischen Denken bewußt sein“.
  • Außerdem müsse es im Dialog mit dem Islam darum gehen, christliche Interessen sicherzustellen, etwa „Gegenseitigkeit bei der Zusicherung der Religionsfreiheit […] in Ländern […] wo die Christen in der Minderheit sind“.

Im Rahmen dieses Dialogs können auch die weltanschaulichen Schwächen und negativen Tendenzen im Islam angesprochen werden. Wo islamische Akteure diese verteidigen oder der Auseinandersetzung ausweichen, schwächen sie ihre eigene Glaubwürdigkeit, weshalb diese Form des Dialogs zur Schwächung problematischer Tendenzen im Islam beiträgt.

Zudem kann es im Dialog darum gehen, positive Elemente im Islam zu erkennen, um in einem späteren Schritt prüfen zu können, ob ihre geordnete Integration in christliche Kultur möglich ist.

3. Evangelisierung von Muslimen als Beitrag zu deren Integration in Europa

Papst Johannes Paul II. hatte in seinem Schreiben „Ecclesia in Europa“ im Jahre 2003 erklärt, dass es notwendig sei, „die Christen, die in täglichem Kontakt mit den Muslimen leben, entsprechend darauf vorzubereiten, den Islam auf objektive Weise kennenzulernen und sich mit ihm auseinandersetzen zu können.“

In Kontext der Worte Johannes Pauls II. wird dabei deutlich, dass „Auseinandersetzung“ hier vor allem auch Anstrengungen zur Evangelisierung von Muslimen bedeutet. Evangelisierung kann dabei einen Beitrag zu der von Johannes Paul II. geforderten vollständigen bzw. „echten Integration“ von Muslimen in Europa leisten.

Darüberhinaus hat das Christentum einen allgemeinen Missionsauftrag, der sich auch auf Muslime erstreckt. Muslimen die christliche Botschaft vorzuenthalten würde bedeuten, ihnen den Dienst der Nächstenliebe zu verweigern.

4. Bekämpfung militanter Islamisten

Im von Papst Johannes Paul II. beauftragten Kompendium der Soziallehre der Kirche wird islamistischer Terrorismus  als „Entweihung und Gotteslästerung“ eingestuft (Nr. 515). Versuche wie die der Islamisten, ganze Gruppen von Menschen aufgrund ihres christlichen Glaubens auszulöschen, werden als „Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit“ verurteilt (Nr. 506).

Es sei zudem die moralische Pflicht der Angegriffenen, notfalls „die Verteidigung auch mit Waffengewalt zu organisieren“ (Nr. 500). Zudem bestehe eine moralische Pflicht anderer dazu, zugunsten der Angegriffenen militärisch einzugreifen (Nr. 506).