Stand: 16.01.2018

Das Konzept der Trennung von Kirche und Staat hat sich auf Grundlage christlichen Denkens seit dem Mittelalter in Europa herausgebildet. Es beruht auf dem Selbstverständnis der Kirche als Organisation, die ihren Auftrag in Verkündigung des Glaubens und Dienst am Nächsten sieht.

Christliche Weltanschauung bejaht den von ihr mitgeschaffenen säkularen Staat, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass dieser auf kulturellen Grundlagen beruht, die er nicht selbst erzeugen kann. Christen haben in diesem Zusammenhang den Auftrag, auf allen Gebieten menschlichen Lebens dienend zu wirken, darunter auch in Staat und Politik. Der Religionsfreiheit sicherstellende säkulare Staat und der Dienst des Christentums können sich auf der Grundlage dieses Verständnisses gegenseitig ergänzen.

  • Staatliche Macht stellt in christlicher Weltanschauung keinen Selbstzweck dar, sondern hat eine dem Ziel des Gemeinwohls nachgeordnete Funktion. Staat und Politik behandeln zudem häufig Fragen, die in vielen Fällen einer weltlichen Eigengesetzlichkeit unterliegen, die keinen Bezug zu Fragen christlicher Weltanschauung haben.
  • Das Subsidiaritätsprinzip der christlichen Soziallehre, das auch in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland eingeflossen ist, strebt eine positive Neutralität des Staates gegenüber dem Christentum an und  sieht eine Aufgabe des Staates darin, christliche Akteure in ihrem Dienst am Gemeinwohl nicht nur zu dulden, sondern aktiv zu unterstützen.
  • Der Säkularismus der christlichen Weltanschauung, der auf direkt auf ein Wort Jesu Christi zurückgeht, strebt zudem eine Trennung eine Form der Trennung von Kirche und Staat an, welche nicht zuletzt auch die Unabhängigkeit der Kirche sicherstellen soll. Das Christentum lebt aus der Spannung zur Welt und stirbt in der Anpassung an sie. Staatsnähe korrumpiert eine Religion, und ein Christentum, das sich als Staatsreligion versteht, würde nicht nur dem christlichen Anspruch der Achtung der Gewissensfreiheit widersprechen, sondern das Christentum auch für nachgeordnete Zwecke instrumentalisieren und zu einer oberflächlichen Zivilreligion machen, wodurch es sein eigentliches Wesen verlöre.