Stand: 10.01.2018

Politische Ordnungen und Gemeinwesen beruhen auf kulturellen Grundlagen, die Grundfragen über die Natur des Menschen und der Gemeinschaft sowie ihre Ziele definieren. Die wichtigste kulturelle Grundlage der freiheitlichen Gesellschaften des europäischen Kulturraumes ist das Christentum. Diese Grundlage muß gepflegt, bewahrt und an kommende Generationen weitergeben werden, wenn diese Gesellschaften dauerhaft bestehen wollen. Dies zu leisten ist eine der Formen des schützenden und bewahrenden Dienstes des Christentums am Gemeinwesen und ein Beitrag zur kulturellen Nachhaltigkeit europäischer Gesellschaften.

Jedes Gemeinwesen beruht auf einer kulturellen Grundlage

Politische Ordnungen und Gemeinwesen beruhen auf kulturellen Grundlagen, die Grundfragen über die Natur des Menschen und der Gemeinschaft sowie ihre Ziele definieren. Jedes Gemeinwesen beruht auf einer geteilten Geschichte und Tradition, einer gemeinsamen Vision und gemeinsamen Werten.

Religionen sind die Stifter dieser kulturellen Grundlagen. In einem Gemeinwesen, das sich nicht wie eine Familie oder ein Stamm durch gemeinsame Abstammung definiert, kann nur eine von hinreichend vielen Menschen geteilte Vorstellung darüber, was alle Menschen verbindet und über ihnen steht, diese Menschen zu einem Gemeinwesen einen und die zu seiner Aufrechterhaltung stehenden Bindungen schaffen.

Der Soziologe Robert Putnam bezeichnete die kulturellen Grundlagen eines Gemeinwesens als „soziales Kapital“. Dieses bestehe aus gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen, die zu gegenseitigem Vertrauen führten und das Funktionieren eines Gemeinwesens ermögliche.

Ein dauerhaftes Gemeinwesen kann zudem nicht auf der Vorstellung eines Gesellschaftsvertrages und dem Streben nach Eigennutz beruhen, wie einige moderne Ideologien meinen. Spätestens in schwierigen Zeiten hat ein Gemeinwesen nur dann Bestand, wenn es Menschen gibt die sich auch dann für es einsetzen und dem Gemeinwohl dienen, wenn dies mit Opfern verbunden ist. Nur eine starke religiöse Grundlage ist jedoch zuverlässig dazu in der Lage, Menschen zu diesem Dienst ohne persönlichen Vorteil zu motivieren.

Freiheitliche Gesellschaften können ihre kulturellen Grundlagen nicht selbst erzeugen

Der katholische Rechtsphilosoph und ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Ernst-Wolfgang Böckenförde hatte in seinem Böckenförde-Diktum darauf hingewiesen, dass der freiheitliche Staat auf kulturellen Grundlagen beruhe, die er selbst nicht erzeugen oder regenerieren könne:

Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. […] Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.

Christliche Weltanschauung betont, dass ein Gemeinwesen nicht in erster Linie durch das Handeln des Staates entsteht und geformt wird, sondern auf der Grundlage seiner Kultur entsteht. Die Aufrechterhaltung eines Staates und einer politischen Ordnung kann durch Institutionen und Gesetze alleine nicht gewährleistet werden. Sie beruht auf dem Dienst von sie tragenden kulturellen Kräften. Insbesondere der Ordnungsrahmen einer freiheitlichen Gesellschaft funktioniert nur mit dem kulturellen Einverständnis seiner Bürger und kann sich nicht auf staatliche Machtmittel oder Gesetze alleine stützen.

Die freiheitlichen Gesellschaften des Westens beruhen auf der Grundlage christlicher Weltanschauung

Die wichtigste kulturelle Grundlage der freiheitlichen Gesellschaften des europäischen Kulturraumes ist das Christentum. Das Grundgesetz und die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik sind zum Beispiel als solche nicht weltanschaulich neutral, sondern beruhen in großen Teilen auf christlicher Weltanschauung und sind im Wesentlichen ein Werk des christlichen Konservatismus, der Deutschland nach der Herrschaft des Nationalsozialismus und angesichts der Herausforderung durch totalitäre Ideologien wieder an seine abendländischen Wurzeln anbinden wollte. Die Vorstellung einer unverfügbaren Würde des Menschen oder der Naturrechtsbezug des Grundgesetzes sind nur zwei Beispiele für die christlich-weltanschauliche Prägung der freiheitlichen Ordnung.

Der Politikwissenschaftler Alexis de Tocqueville schrieb in seiner im 19. Jahrhundert entstandenen Analyse der amerikanischen Demokratie, dass „man das Reich der Freiheit nicht ohne das der guten Sitten zu errichten und die guten Sitten nicht ohne den Glauben zu festigen vermag“. Freiheitliche Staaten würden der Religion in besonderem Maße bedürfen, weil nur die von ihr geschaffene kulturelle Substanz den egoistischen Partikularwillen der Individuen überwinden könne. James Madison, einer der Gründerväter der USA, schrieb in diesem Zusammenhang, dass die Verfassung der USA für eine vom Christentum geprägte Bevölkerung geschrieben worden sei und nur mit einer solchen funktioniere.

Wie Johannes Paul II. betonte, wären freiheitliche Gesellschaften ohne christliche Wertegrundlage zudem dem Risiko ausgesetzt, totalitär zu werden. Demokratie sei eine politische Ordnung, die von kulturellen Akteuren mit Inhalt gefüllt werden müsse, und kein Selbstzweck. Ob eine Demokratie gut sei hänge davon ab, welchen Zielen sie diene. Gesetze alleine könnten das Wesen freiheitlicher Gesellschaften nicht definieren. Diese müssen sich vielmehr auf ein gemeinsames Ethos ihrer Bürger, ein Mindestmaß an kultureller Geschlossenheit und ein gemeinsames Narrativ stützen können, wie es dauerhaft nur eine Religion zur Verfügung stellen kann.

Die Pflege der christlichen Grundlagen freiheitlicher Gesellschaften als christlicher Auftrag

Da freiheitliche Gesellschaften kulturell auf christlichen Grundlagen beruhen, müssen sie diese Grundlagen pflegen, bewahren und an kommende Generationen weitergeben, wenn sie dauerhaft bestehen wollen. Dies zu leisten ist eine der Formen des schützenden und bewahrenden Dienstes des Christentums am Gemeinwesen und ein Beitrag zur kulturellen Nachhaltigkeit europäischer Gesellschaften.