Stand: 05.11.2018

Das Konzept des Rechtsstaates beruht auf dem skeptischen Menschenbild des Christentums und der Vorstellung einer unverfügbaren moralischen Ordnung bzw. der Naturechtslehre. Der Rechtsstaat soll die Entscheidungen von Politik und Verwaltung an entsprechende Regeln binden und dadurch so weit wie möglich potentieller Willkür entziehen, die sowohl von Regierungen als auch von Mehrheiten ausgehen kann.

Der Rechtsstaat ist Teil der Kontrolle politischer Macht, die gemäß des christlichen Menschenbildes aufgrund der Schwäche der Natur des Menschen und der politischer Macht innewohnenden korrumpierenden Kraft erforderlich ist.

Teil des Konzepts des Rechtsstaates ist auch die Unabhängigkeit der Justiz von politischen Weisungen sowie die Vermeidung von politischen Abhängigkeiten der Justiz.

1. Die christlichen Grundlagen des Rechtsstaatsgedankens

1.1 Das Naturrecht

Das Konzept des Rechtsstaates beruht auf der christlichen Naturrechtslehre, der zufolge Recht nicht etwas ist, das beliebig durch politische Beschlüsse geschaffen werden kann, sondern etwas, das von einer dem Willen des Menschen entzogenen Ordnung abhängig ist.

Das Recht hat nach dieser Vorstellung auch einen moralischen Charakter. Es wird aber nicht als Weg betrachtet, das moralische Verhalten von Menschen im Details zu ordnen, sondern es soll das Zusammenleben von Menschen ermöglichen und fördern.

1.2 Sonstige christliche Beiträge

Die Unschuldsvermutung geht auf den französischen Kardinal Jean Lemoine (1250–1313) zurück. Im Jahr 1631 wurde sie im deutschsprachigen Raum mit der Formulierung „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten) verankert.

2. Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit

Je stärker Recht und Rechtsprechung den Anforderungen des Naturrechts entsprechen, desto gerechter ist ein Gemeinwesen. Gerechtigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang konkret, dass der Staat den Bürgern das gewährt, was ihnen abhängig von ihrer Natur und ihrem Verhalten zusteht. Alle Bürger sind im Rechtsstaat vor dem Gesetz gleich, aber das Gesetz muss Unterschiede unter den Bürgern berücksichtigen. Ein Kind hat naturgemäß andere Rechte und Pflichten als ein Erwachsener.

Ein Rechtsstaat soll vor allem gerecht sein, was ausschließt, dass er barmherzig sein kann. Ein Staat, der z.B. allen Straftätern ihre Strafe erlassen würde, wäre nicht gerecht. Barmherzigkeit ist nach christlicher Weltanschauung Sache des einzelnen nach seiner freien Entscheidung.