Stand: 16.08.2018

Das Personalitätsprinzip der katholischen Soziallehre fordert von politischem Handeln, die Natur des Menschen zu berücksichtigen. Zu dieser Natur gehört seine Eingebundenheit in natürliche Bindungen, etwa in die von Familie und Nation, seine Identität als Mann oder Frau oder auch seine Angewiesenheit auf Gemeinschaft.

Gleichzeitig fordert die Personalitätsprinzip die Achtung der Menschenwürde, über die alle Menschen unterschiedslos verfügen. Zudem beinhaltet es die Anerkennerung seiner individuellen Rechte und seiner Autonomie in seinem Verantwortungsbereich, aber auch seiner individuellen Verantwortung für sein Handeln.

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) sprach von einer „Ökologie des Menschen“. Die Natur des Menschen müsse genauso geachtet und vor Verletzungen geschützt werden wie die natürliche Umwelt.1

Er kritisierte zudem die Tendenz „Schöpfungswirklichkeiten“ und die Natur des Menschen zu leugnen, etwa seine geschlechtliche Identität als Mann und Frau:

Der Mensch bestreitet seine Natur. Er ist nur noch Geist und Wille. Die Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird hier zum Grundentscheid des Menschen im Umgang mit sich selber. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt.

Johannes Paul II. betonte 1991 im Dokument „Centesimus Annus„, dass der Mensch in christlicher Weltanschauung nicht wie in modernen Ideologien nur Produzent und Konsument oder ein Mittel zum Zweck sei:

Der einzelne wird heute oft zwischen den beiden Polen Staat und Markt erdrückt. Es hat manchmal den Anschein, als existierte er nur als Produzent und Konsument von Waren oder als Objekt der staatlichen Verwaltung. Es wird vergessen, daß das Zusammenleben der Menschen weder den Markt noch den Staat zum Endziel hat. Es besitzt in sich selber einen einzigartigen Wert, dem Staat und Markt dienen sollen.

Menschen sind freie, für ihre Entscheidungen verantwortliche Individuen. Die Ordnung der Dinge muss der Ordnung der Personen dienen und nicht umgekehrt2. Der Mensch darf nicht erniedrigt werden, indem er zu Mittel oder Gegenstand staatlicher, gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Prozesse gemacht wird. 3

An dieser Stelle werden vor allem die für im Rahmen der katholischen Soziallehre relevanten Aspekte der Natur des Menschen aufgeführt. Weitere Aspekte der Natur des Menschen, etwa seine Gottesebenbildlichkeit, werden hier behandelt.

1. Die Würde des Menschen

Der Gedanke der unveräußerlichen Würde des Menschen beruht auf der christlichen Vorstellung seiner Gottesebenbildlichkeit, die ihn von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Alle Menschen sind nach christlicher Annahme ausnahmslos als Ebenbilder Gottes geschaffen worden und verfügen daher über eine unveräußerliche Würde.

Ohne die Annahme der Gottesebenbildlichkeit ist die Annahme einer universellen und unveräußerlichen Menschenwürde nicht plausibel begründbar, weshalb diese von vielen modernen, materialistischen Ideologien bestritten wird, etwa in Bezug auf Angehörige bestimmter Gruppen von Menschen, aber auch in Bezug auf ungeborene Kinder.

Einige moderne Ideologien haben erfolglos versucht, Menschenwürde ohne Gottesbezug durch irrationale Idealisierung des Menschen zu begründen.

Neben der allgemeinen Würde des Menschen gibt es auch eine spezifische Würde, die davon abhängt, ob ein Mensch bestimmten Anforderungen gerecht wird. Diese spezifische Würde muss verdient und erworben werden.

2. Der Mensch als Gemeinschaftswesen

Als Gemeinschaftswesen ist der Mensch in natürliche Gemeinschaften wie die Familie und die Nation eingebunden. Utopische Ideologien leugnen diese Bindungen oder wollen sie zerstören, weil sie angeblich die Freiheit des Menschen einschränken.

In den ersten Jahren seines Lebens könnte der Mensch nicht ohne Gemeinschaft bzw. ohne den Schutz und die Unterstützung durch eine Familie überleben. Familien wiederum benötigen zu ihrem Schutz eine noch größere Gemeinschaft.

Der Evolutionspychologe E.O. Wilson beschrieb in seinem Werk „The Social Conquest of Earth” die Gemeinschaftsnatur des Menschen als eine Voraussetzung menschlichen Überlebens. Eine Forschergruppe um den Biologen Christopher Boehm untersuchte Naturvölker auf ihr Sozialverhalten und stellte dabei fest, dass ausnahmslos alle untersuchten Völker ein gemeinschaftsorientiertes Ethos pflegten. Wer sich altruistisch verhalte und der Gemeinschaft diene, gewinne in ihnen an Ansehen. Wer sich hingegen egoistisch verhalte, würde durch Ächtun und, Ausschluß aus der Gemeinschaft bestraft.

3. Die Dualität der Geschlechter

Gott hat den Menschen als Mann und Frau erschaffen (Gen 2,22). Die Dualität der Geschlechter ist wesentlich für das Menschsein und für die Familie und kein kulturelles oder soziales Produkt oder das Ergebnis einer einer Willensentscheidung, wie die Gender-Ideologie behauptet.

Papst Benedikt XVI. sagte:

Wenn es die natürliche Dualität von Mann und Frau nicht mehr gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr. Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren.