Stand: 14.01.2018

Christliche Weltanschauung betrachtet Autorität und Hierarchie als notwendig an und bejaht deren meritokratische Gestaltung. Zudem beruht christliche Weltanschauung auf der Annahme der Existenz des absolut Wahren und Guten, das den Maßstab zur hierarchischen Bewertung aller Dinge darstellt.

1. Die Notwendigkeit von Autorität

Die katholische Soziallehre betrachtet das Vorhandensein einer Autorität als notwendige Voraussetzung des gemeinschaftlichen Zusammenlebens von Menschen (KKK 1919).

Die Grundlage von Autorität ist die Abhängigkeit des Menschen von Gott und der Grad der Übereinstimmung seines Handelns mit und der Nähe zum Heiligen sowie den Dingen, in denen es sich ausdrückt, etwa im Naturrecht. Autorität wird diesem Grad entsprechend anerkannt und muss nicht beansprucht werden.

Die Ausübung von Autorität ist dann legitim, wenn dies im Dienst am Gemeinwohl geschieht (KKK 1921). Wo Autorität beansprucht oder ausgeübt wird, ohne sich an das Heilige gebunden zu fühlen, besteht die Gefahr der Willkür und der Tyrannei.

2. Hierarchie und Gemeinwohl

Um wirksam und angemessen handeln zu können, muss Autorität sich zugleich auf bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften stützen, die jedoch ungleich verteilt sind. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Anerkennung dieser Unterschiede in Form einer Hierarchie, die im höheren Maß dieser Fähigkeiten und Eigenschaften einen höheren Rang anerkennt.

Eine funktionierende Gesellschaft braucht soziale und kulturelle Hierarchien, die zu einem Streben nach Leistung ermutigen und diejenigen ehren, die sich um das Gemeinwohl verdient machen. Die Gerechtigkeit erfordert es zudem, dass Menschen in einer Gesellschaft ihre Rolle im Gemeinwesen gemäß Eignung, Leistung und Befähigung einnehmen, und dass es diesbezüglich unterschiedliche Ränge gibt.

Christliche Weltanschauung bejaht die naturgegebene ungleiche Verteilung von Stärken und Fähigkeiten unter den Menschen und fordert ihre Anerkennung und Förderung im Sinne des Gemeinwohls. Wo jeder seine Rolle gemäß seiner Stärken einnimmt, gewinnen alle; und wo die entsprechende Ungleichheit bekämpft oder geleugnet wird, verlieren alle. Es ist nicht wünschenswert, wie von Gleichheitsideologien gefordert Hierarchien einzuebnen und Autorität grundsätzlich abzulehnen, weil dies die Grundlagen gesellschaftlichen und kulturellen Lebens zerstören würde.

Unterschiedliche Ränge in einer Hierarchie sind dabei als Grade unterschiedlich großer Pflichten zu verstehen, die mit steigendem Rang größer werden. In korrupten Hierarchien hingegen steigt mit dem Rang in erster Linie das Maß der individuellen Vorteile und Privilegien. Wer einen höheren Rang erhält und nun meint, dass er in einem geringeren Maße der Diener seines Nächsten wäre als zuvor, beweist dadurch seine Untauglichkeit.

Jegliche kulturelle Entwicklung setzt zudem einen Sinn für geistige Höhe und Qualität voraus, der das Höhere vom Niedrigeren unterscheidet. Dinge besitzen einen nicht durch den Menschen festgelegten unterschiedlichen Rang, was das ihnen innewohnende Wahre, Gute und Schöne angeht. Neben der Kultur beruht auch die Wissenschaft auf hierarchischen Unterscheidungen, etwa was den unterschiedlichen Wahrheitsgrad von Hypothesen angeht. Kultur und Wissenschaft wachsen und entwickeln sich durch das Streben zum Wahren, Guten und Schönen und nicht im Diskurs gleichwertiger Positionen. Entsprechende Werke werden in der Regel von wenigen hoch begabten Menschen geschaffen.

3. Meritokratie und Gerechtigkeit

Rollen und Funktionen nach Faktoren wie Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe oder persönlichen Beziehungen zu verteilen und zu besetzen ist nach christlicher Vorstellung ungerecht. Ungerecht sind somit nicht nur Nepotismus und Rassenideologien, sondern auch solche Ideologien, die auf einem biologistischen Verständnis von  „Vielfalt“ beruhen, wenn sie Faktoren wie Geschlecht oder Herkunft zum Kriterium für die Einnahme einer Rolle oder Funktion machen.