Stand: 09.12.2017

Diese Portalseite enthält Beiträge für die Formulierung christlicher Impulse zur Bewältigung der strategischen Herausforderungen für Deutschland und Europa. Der Inhalt der Seite, von der sich große Teile noch im Entwurfsstadium befinden, wird laufend aktualisiert. Er stützt sich vorwiegend auf die Inhalte des 2006 erschienenen Kompendiums der Soziallehre der Kirche.

Christliche Impulse für die Gestaltung europäischer Gesellschaften beruhen auf Erfahrungen von drei Jahrtausenden der Suche nach den Voraussetzungen gelingenden gemeinschaftlichen Lebeans. Festgehalten sind diese Erfahrungen in der christlichen Soziallehre und den auf ihr aufbauenden Konzepten.

1. Freiheitliche Gesellschaften brauchen christliche Impulse

Die freiheitlichen Gesellschaften des europäischen Kulturraumes beruhen geistig und kulturell auf einer christlichen Grundlage. Diese Grundlage zu bewahren und zu pflegen ist daher eine der Formen des schützenden Dienstes des Christentums am Gemeinwesen.

Gesetze alleine können das Wesen freiheitlicher Gesellschaften nicht definieren. Diese müssen sich vielmehr auf ein gemeinsames Ethos ihrer Bürger, ein Mindestmaß an kultureller Geschlossenheit und ein gemeinsames Narrativ stützen können, wie es dauerhaft nur eine Religion zur Verfügung stellen kann.

Das Streben nach der Verwirklichung eines guten und gerechten Gemeinwesens stellt dabei eine Konstante der christlich-abendländischen Kultur- und Geistesgeschichte dar. Die Verwirklichung des Wahren, Guten und Schönen gesellschaftlichen Rahmen und die Arbeit an der Errichtung dessen, was der hl. Augustinus als die „Stadt Gottes“ bezeichnete, ist eine Aufgabe, an der das Christentum seit fast zweitausend Jahren arbeitet und dabei eine ständig weiter wachsende kulturelle Substanz geschaffen hat.

Christliches Denken hat dabei seit der Antike die besten Gedanken und Ansätze integriert, auf die es gestoßen ist, und diese auf der Grundlage eines mittlerweile fast zwei Jahrtausende umspannenden Lernprozesses zusammengeführt und weiterentwickelt, wobei es auch an seinen Fehlern gewachsen ist. Es stellt den am weitesten entwickelten Bestand an erprobtem und bewährtem Wissen über die Natur des Menschen und die Erfordernisse des am Gemeinwohl orientierten gesellschaftlichen Zusammenlebens von Menschen in der Geschichte der Menschheit dar.

Diese geistig-kulturellen Grundlagen europäischer Gemeinwesen anzuerkennen und zu teilen setzt keinen christlichen Glauben voraus, weil Erfahrung und Vernunft unabhängig vom Glauben den Wert dieser Impulse belegen und diese somit prinzipiell für alle Menschen nachvollziehbar machen können. Sie anzuerkennen und zu teilen ist auch Menschen anderer Religionen und weltanschaulicher Hintergründe möglich. Eine von christlichen Impulsen inspiriertes Gemeinwesen ist somit nicht nur ein Gemeinwesen für Christen oder eines, das die Glaubensfreiheit derer, die in ihm leben, nicht achten würde.

„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“

Ernst-Wolfgang Böckenförde (Rechtsphilosoph, Staatsrechtler und ehem. Richter am Bundesverfassungsgericht)

2. Die christliche Soziallehre als Impuls für die Gestaltung Europas

Christliche Impulse für die Gestaltung europäischer Gesellschaften beruhen auf Erfahrungen von drei Jahrtausenden der Suche nach den Voraussetzungen gelingenden gemeinschaftlichen Lebens. Festgehalten sind diese Erfahrungen in der christlichen Soziallehre und den auf ihr aufbauenden Konzepten.

Johannes Paul II. schrieb 2003 über die Soziallehre als Impuls für die Gestaltung Europas:

Beim Aufbau der menschenwürdigen Stadt muß der Soziallehre der Kirche eine inspirierende Rolle zuerkannt werden. […] Sie hat ihren Ursprung in der Begegnung zwischen der biblischen Botschaft mit der Vernunft auf der einen und den das Leben des Menschen und der Gesellschaft betreffenden Problemen und Situationen auf der anderen Seite. Durch die Gesamtheit der von ihr gebotenen Prinzipien trägt diese Lehre dazu bei, solide Grundlagen für ein menschengerechtes Zusammenleben in Gerechtigkeit, Wahrheit, Freiheit und Solidarität zu legen. […] In dieser Lehre finden sich die Anhaltspunkte, um die moralische Struktur der Freiheit verteidigen zu können und so die europäische Kultur und Gesellschaft sowohl vor der totalitären Utopie der „Gerechtigkeit ohne Freiheit“ als auch vor der Utopie der „Freiheit ohne Wahrheit“ , die mit einem falschen »Toleranz« -Begriff einhergeht, zu bewahren; beide Utopien sind Vorboten von Irrtum und Schrecken für die Menschheit, wie die jüngste Geschichte Europas selbst leider beweist.

3. Grundlagen christlichen Ordnungsdenkens

Albrecht Dürer – Kaiser Karl der Große (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

3.1 Die unverfügbare universelle moralische Ordnung

Verantwortliches politisches Handeln beruht auf der Grundlage zeitlos gültiger Prinzipien. Diese wiederum beruhen auf der Erkenntnis der universellen Ordnung der Dinge, denen auch der Mensch unterworfen ist. Diese Erkenntnis ist mit den Mitteln des Verstandes möglichl.

Die Beachtung dieser Ordnung ist Voraussetzung für gelingendes gesellschaftliches und individuelles Leben, während Verstöße gegen sie Schaden nach sich ziehen müssen.

Hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor. Wenn du auf die Gebote des Herrn, deines Gottes, auf die ich dich heute verpflichte, hörst, indem du den Herrn, deinen Gott, liebst, auf seinen Wegen gehst und auf seine Gebote, Gesetze und Rechtsvorschriften achtest, dann wirst du leben und zahlreich werden und der Herr, dein Gott, wird dich in dem Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen, segnen. Wenn du aber dein Herz abwendest und nicht hörst, wenn du dich verführen lässt, dich vor anderen Göttern niederwirfst und ihnen dienst -heute erkläre ich euch: Dann werdet ihr ausgetilgt werden; ihr werdet nicht lange in dem Land leben, in das du jetzt über den Jordan hinüberziehst, um hineinzuziehen und es in Besitz zu nehmen. Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen.

Deuteronomium 30, 15-19

3.2 Die Würde des Menschen

Der Gedanke der unveräußerlichen Würde des Menschen beruht auf der christlichen Vorstellung er Gottesebenbildlichkeit des Menschen.

3.3 Die unvollkommene Natur des Menschen

Christliche Ansätze verfolgen auch das Ziel, eine Gesellschaftsordnung zu schaffen, die den in der Seele des Menschen wirkenden destruktiven Kräften soweit wie möglich Einhalt gebietet.

3.4 Das Prinzip des generationenübergreifenden Denkens

Christliches Denken nimmt den Menschen als Teil einer Generationenkette wahr und denkt daher langfristig. Auf dieser Grundlage konnte es seine großen Werke schaffen, die zu errichten oft die Arbeit vieler Generationen erforderte. Langfristiges Denken ist zudem Folge der Erkenntnis, dass sich kulturelle Substanz nur über lange Zeiträume hinweg bilden kann und sie nicht ohne weiteres regenerierbar ist, wenn sie einmal zerstört wurde.

Christliches Denken bejaht Dauer, Beständigkeit und Tradition. Politische Entscheidungen misst es an ihren langfristigen Folgen und nicht an kurzfristig daraus vielleicht entstehenden Vorteilen oder Popularität. Gleichzeitig ist christlichem Denken bewusst, dass kein materielles Werk ewig Bestand haben kann, während die Seelen neu geborener Kinder ewig leben und somit die einzigen ewigen Werke sind, an denen der Mensch mitwirkt.

3.5 Das Primat des Geistigen über das Materielle und des Kulturellen über das Politische

Das Primat des Geistigen über das Materielle

Versuche moderner Ideologien, das Verhalten von Menschen und gesellschaftliche Entwicklungen in erster Linie oder ausschließlich materiell zu erklären (etwa mit ökonomischen oder biologischen Faktoren), greifen zu kurz. Eben würden jedoch Ansätze zu kurz greifen, welche die materiellen Aspekte der Wirklichkeit ausblenden.

Eine Gesellschaft, die den Menschen nur als materielles Wesen und als Träger materieller Bedürfnisse betrachtet, kann dem Menschen nicht gerecht werden.

Das Primat der Kulturellen über das Politische

Das politische Leben ist nur ein Ausdruck der geistig-kulturellen Verhältnisse in einer Gesellschaft. Wo diese Verhältnisse zerrüttet sind, können auch die beste Politik und Gesetzgebung dies nicht korrigieren. In jeder Gesellschaft ist es daher ein Auftrag für Christen, Räume intakten Lebens zu bilden, die auf ihr Umfeld ausstrahlen.

3.6 Politik als Dienst am Gemeinwohl und christlicher Patriotismus

Christliche Weltanschauung beruht auf dem Dienstgedanken, der Ausdruck der Forderung zur Nächstenliebe ist. Dieser Gedanke hat das gesamte abendländische Erbe geprägt, das darauf beruht, die Schwachen zu schützen und die unvollkommene Welt im Rahmen des Möglichen menschlicher zu gestalten. In diesem Zusammenhang soll politisches Handeln nach christlicher Vorstellung stets den Dienst am Gemeinwohl zum Ziel haben.

Christliche Weltanschaung lehnt das Konzept des Gesellschaftsvertrages ab, das gesellschaftliches und politisches Leben in erster Linie als Transaktion und Ausdruck von Ansprüchen an andere betrachtet.

Romano Guardini beschrieb in seinem 1962 erschienenen Aufsatz „Europa – Wirklichkeit und Aufgabe“ den Machtbegriff christlicher Weltanschauung. Dieser verstehe Macht nicht nur als Fähigkeit zur Unterwerfung, sondern als „dienende Stärke“:

Es gibt aber noch eine andere Form, wie Macht geübt wird, nämlich die des Dienstes. Damit ist nicht die Unterordnung des Schwächeren gemeint; dieser Dienst ist im Gegenteil Sache der Stärke, die sich für das Leben verantwortlich fühlt – für alles das, was Leben heißt: Mensch, Volk, Kultur, Ordnung des Landes und der Erde.

Dieses Machtverständnis könne jedoch nicht auf Grundlage modernen, säkularen Denkens entstehen, da es von der Legitimation politischen Handelns durch einen göttlichen Auftrag ausgehe, in dessen Rahmen der Dienst ausgeübt werde, und an dem er sich zu messen habe. Die politischen Eliten, die das künftige Europa schaffen, sollten dies in Abgrenzung von den Entwürfen der Moderne auf Grundlage des Gedankens der „dienenden Stärke“ tun:

Dienende Stärke, die will, dass die Dinge der Erde wieder Recht werden. In dieser Form der Machtübung ist kein Glanz, keine Erhabenheit, sondern schlichte Sachlichkeit.

„Suchet der Stadt Bestes“: Christlicher Patriotismus

Papst Franziskus betonte im Oktober 2017 die Bedeutung der Bindung an die eigenen Wurzeln für die Völker der Welt und rief die Menschen dazu auf, entsprechende Bindungen wieder zu entdecken. Ohne Wurzeln „kann man nicht leben: ein Volk ohne Wurzeln oder ein Volk, das sich nicht um seine Wurzeln kümmert, ist ein krankes Volk“.

Erzbischof Charles Chaput aus Philadelphia (USA) rief 2017 Christen zu Patriotismus und zum Dienst an den Gemeinwesen auf, in denen sie leben. Es läge in der Natur des Menschen, an einen Ort und eine Gemeinschaft gebunden zu sein. Die eigenen Wurzeln abzulehnen und keine Liebe gegenüber der eigenen Heimat zu empfinden sei Ausdruck einer fragwürdigen Einstellung, die nicht zum Dienst an einem Gemeinwesen in der Lage sei.

Johannes Paul II. schuf Theologie der Nation und formulierte einen christlichen Patriotismus, der dem Wohl einzelner Menschen, dem Gemeinwohl einzelner Nationen und dem globalen Gemeinwohl gleichermaßen dient. Dieser christlicher Patriotismus wirkt sowohl den Exzessen eines auf Kosten anderer Nationen betriebenen Nationalismus als auch den Exzessen der nach Auflösung von Nationen strebenden neo-marxistischen Ideologien entgegen.

Bindungen und kulturelle Substanz stärken

Das Wirken von Christen in allen Bereichen der Gesellschaft stärkt Bindungen und wirkt dadurch auflösenden und zentrifugalen Tendenzen entgegen. Zudem wirkt das Christentum integrierend und schafft kulturelle Substanz.

Platon schrieb in seinem Werk „Der Staat“ über die Bedeutung bindungsstärkender Kräfte:

Gibt es nun etwas Schlimmeres für einen Staat als das, was ihn auflöst und in eine Vielheit zerspaltet? Oder etwas Vorzüglicheres als das, was ihn verbindet und vereinheitlicht?

3.7 Autorität, Hierarchie und Meritokratie

Christliche Weltanschauung betont den Gedanken der Autorität und der auf ihr beruhenden Hierarchie das Ideal der Meritokratie, weil sie von der Abhängigkeit des Menschen und der Schöpfung von einem Schöpfer ausgeht. Diese Beziehung ordnet alle anderen Beziehungen des Menschen. Zudem beruht christliche Weltanschauung auf der Annahme der Existenz des absolut Wahren und Guten, das den Maßstab der Bewertung aller Dinge darstellt. (Weiterlesen: Autorität, Hierarchie und Meritokratie in christlicher Weltanschauung)

3.8 Wille zur Dauer und die Bejahung des Eigenen

Inhalt folgt

3.9 Die „Ordo Amoris“: Dienst am Nächsten

Christliches Denken strebt danach, Nächstenliebe und Selbstliebe in ein geordnetes Verhältnis zu einander zu bringen und betont keines der beiden Konzepte unter Ausschluß des anderen. Zur geordneten Nächstenliebe ist nur fähig, wer das Eigene bejaht.

Wenn das Christentum von Nächstenliebe spricht und das Konzept in sein Zentrum stellt, meint es damit nicht positive Gefühle gegenüber anderen Menschen wie der Begriff „Liebe“ in der modernen Alltagssprache definiert ist. Statt dessen bezeichnet das Konzept eine dienende Grundhaltung, die nicht eigene Interessen in den Mittelpunkt stellt, sondern das eigene Leben einer über ihm stehenden geistigen Autorität unterordnet und auch dann zur Tat bereit ist, wenn dies Nachteile mit sich bringt.

In diesem Sinne erfordert Nächstenliebe immer auch Einsatz und Opfer. Da es aber nicht möglich ist, sich für alle grundsätzlich richtigen Anliegen gleichermaßen einzusetzen, erfordert Nächstenliebe Unterscheidungen.

Der katholische Philosoph Robert Spaemann sagte, dass in diesem Zusammenhang richtige und angemessene Unterscheidungen im christlichen Denken nach dem Grad der eigenen Nähe zu dem jeweiligen Anliegen getroffen werden sollen:

Es gibt verschiedene Grade der Nähe, und hier hat Augustinus den entscheidenden Begriff geprägt: ordo amoris, also eine Rangordnung der Liebe. Wo unserer Hilfe Grenzen gesetzt sind, da ist es auch gerechtfertigt auszuwählen, also zum Beispiel Landsleute, Freunde oder auch Glaubensgenossen zu bevorzugen. Johannes schreibt in einem Brief: Tut Gutes allen. Besonders aber den Glaubensgenossen. Es gibt rational nachvollziehbare Gründe der Auswahl.

Praktisch bedeutet dies, dass etwa eine Mutter gegenüber ihren Kindern oder ein Ehemann gegenüber seiner Ehefrau richtig handeln, die einander mit größerem Einsatz dienen als anderen Menschen. Umgekehrt würde etwa ein Ehemann falsch handeln, der seine Familie vernachlässigt, weil er sich für ihm fremde Menschen einsetzt.

Der amerikanische Bischof Fulton J. Sheen sprach in diesem Zusammenhang über Ungleichheit als Voraussetzung von Liebe. In einer seiner Schriften erklärte er, warum Liebe im Sinne der dienenden Ausrichtung des eigenen Lebens auf einen über ihm stehenden Gegenstand mit modernem Gleichheitsdenken unvereinbar ist:

All love on this earth involves choice. When, for example, a young man expresses his love to a young woman and asks her to become his wife, he is not just making an affirmation of love; he is also negating his love for anyone else. In that one act by which he chooses her, he rejects all that is not her. There is no other real way in which to prove we love a thing than by choosing it in preference to something else. Word and signs of love may be, and often are, expressions of egotism or passion; but deeds are proofs of love. We can prove we love our Lord only by choosing Him in preference to anything else.

Die Moderne hat kulturelle Grundbegriffe wie „Liebe“ weitestgehend ihrer eigentlichen Bedeutung beraubt, sie dabei entstellt und sie für viele Menschen unverständlich gemacht. Tatsächlich beruht jegliche Kultur aber auf Liebe im Sinne des griechischen Begriffes „Agape“. Ohne eine Gemeinschaft von Menschen, die über rationales Verstehen hinaus von dem Gedanken ergriffen ist, dass es etwas gibt, das höheren Wert besitzt als ihr eigenes Leben und bereit dazu ist diesem höchsten Gegenstand auch gegen Widerstand und unter Opfern zu dienen, kann Kultur weder entstehen noch bestehen. Solche Gemeinschaften müssen somit auf Glaube beruhen um im Sinne tätiger, dienender Liebe zu wirken; und damit dies gelingt, müssen sie sich von modernem Gleichheitsdenken trennen, denn wenn man allen Dingen Gleichwertigkeit unterstellt, werden Glaube und vor allem Liebe im eigentlichen Sinne dieser Begriffe unmöglich.

3.10 Das Ideal des zurückhaltenden Staates

In christlicher Weltanschauung beschränkt sich die Rolle des Staates auf die Sicherstellung des Gemeinwohls. Dazu soll der Staat innere und äußere Sicherheit gewährleisten sowie die Einhaltung der Gesetze garantieren, welche die individuellen Rechte seiner Bürger schützen. Er soll gleichzeitig Freiräume schaffen, in denen kulturtragende Kräfte wie die Familie und freiwillige Zusammenschlüsse seiner Bürger wirken können.

3.11 Das Traditionsprinzip

Das Traditionsprinzip beruht auf der Annahme einer unverfügbaren moralischen Ordnung, die als zeitloser Standard dient, an der alle kulturellen Leistungen gemessen werden, sowie als Ziel, auf das eine Kultur sich hin entwickelt. Die Entwicklung einer Kultur auf der Grundlage des Traditionsprinzip stellt das ständige Streben danach das, diesem Standard näherzukommen. Auf diesem Prinzip beruhende Kulturen und Gesellschaften sind somit dynamisch und nicht statisch. Der Fortschrittsbegriff des Traditionsprinzips beruht dabei nicht auf revolutionären Brüchen mit den Werken der Vergangenheit wie in modernen Ideologien, sondern auf schrittweiser Entwicklung.

3.12 Distanz gegenüber utopischen Ideologien

Utopische Ideologien gehen davon aus, dass der revolutionäre Bruch mit dem Gewachsenen und die Zerstörung des Überlieferten erforderlich sind, um den von ihnen angestrebten Idealzustand zu erreichen.

Sie halten an ihren Vision auch dann fest, wenn praktische Erfahrungen ihnen widersprechen, schotten sich gegenüber der Wirklichkeit ab und neigen zur Blindheit, wobei sie sich selbst mit der Schönheit ihrer abstrakten Ideale blenden. Wo die Wirklichkeit sich ihnen nicht fügt, neigen sie dazu, ihre Ideale gewaltsam durchsetzen zu wollen.

3.13 Wachsamkeit gegenüber kulturellen Auflösungstendenzen

Alle kulturelle Substanz wurde gegen den Widerstand der schlechteren Teile der menschlichen Natur aufgebaut und muss unablässig gegen die von ihnen ausgehenden Auflösungstendenzen behauptet werden. Wo kulturelle Substanz nicht verteidigt und gepflegt wird, löst sie sich auf.

„Ein Schwimmer, der gegen eine starke Strömung schwimmt, glaubt auf der Stelle zu stehen. Derselbe Schwimmer wäre aber, wenn er nicht kräftig mit den Armen gerudert hätte, längst weit abgetrieben worden. Die gerechte Gesellschaft lässt sich auf Erden nicht verwirklichen. Das ist unmöglich. Aber wenn wir aufhören, es zu versuchen, dann enden wir in der finstersten Barbarei. Denn die läßt sich verwirklichen!

Vinko Kardinal Puljic, Erzbischof von Sarajewo

Ein Prinzip verantwortungsvoller und realistischer Politik ist daher Wachsamkeit gegenüber diesen Tendenzen Ein naiver Optimismus, der sie und ihre Kraft leugnet, macht Gesellschaften ihnen gegenüber unnötig verwundbar und gefährdet die kulturelle Substanz, auf der sie beruhen.

Entsprechende Wachsamkeit, die nach Bedrohungen und Herausforderungen Ausschau hält, ist ein guter Impuls insbesondere in der Seele des Mannes und stellt eine Art kulturelles Immunsystem des Gemeinwesens dar.

Der Theologe Romano Guardini sprach diesbezüglich von einem guten Pessimismus, ohne den nichts Großes entstehen könne: „Er ist die bittere Kraft, die das tapfere Herz und den schaffensfähigen Geist zum dauernden Werk befähigt.“

Vorsicht und Skepsis gegenüber der Tendenz, Risiken und langfristige Folgen von politischen Entscheidungen auszublenden sowie gegenüber der Tendenz des Menschen zu Wunschdenken und gegenüber politischen Heilsversprechen und utopischem Denken werden zuweilen als unangemessener „Kulturpessimismus“ oder Ausdruck von „Angst“ abgetan.

Eine resiliente Gesellschaft muß Herausforderungen jedoch möglichst frühzeitig und vollständig erkennen, um ihnen angemessen begegnen zu können. Der Unwille, Bedrohungen, Herausforderungen und Konflikte wahrnehmen zu wollen und diese Schwäche zu einem Ausdruck moralischen Denkens zu erklären, kann gravierende Folgen für eine Gesellschaft haben. Mit diesem Unwillen ist oft auch eine Abwertung männlicher, heroischer und asketischer Tugend verbunden, die diesem Denken bestenfalls als überflüssig erscheint. Wer Verantwortung für ein Gemeinwesen trägt, darf sich diese Schwäche jedoch nicht leisten.

Auflösungstendenzen erkennen

Kulturelle Auflösungstendenzen vollziehen sich in der Regel schrittweise. Ihre Durchsetzung beruht auch auf einem Mangel an Bewusstsein für ihre langfristigen Folgen, weshalb sie oft zunächst als Ausnahmen geduldet werden, deren destruktive Folgen kurzfristig unsichtbar bleiben, weshalb die Ausnahmen mit der Zeit zur Norm werden können.

4. Impulse nach Themenfeldern

4.1 Ehe und Familie als Grundlagen der Gesellschaft

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4.2 Sicherheit als Aufgabe des Staates

Sicherheit ist ein zentraler Bestandteil des Gemeinwohls, wie im Katechismus der Katholischen Kirche betont wird:

Zum Gemeinwohl gehört schließlich der Friede, das heißt die Dauerhaftigkeit und Sicherheit einer gerechten Ordnung. Es setzt somit voraus, daß die Autorität durch rechte Mittel die Sicherheit der Gesellschaft und deren Glieder gewährleistet. Es begründet das Recht auf persönliche und kollektive Selbstverteidigung.

4.3 Trennung von Kirche und Staat

Das Konzept der Trennung von Kirche und Staat hat sich auf Grundlage christlichen Denkens seit dem Mittelalter in Europa herausgebildet. Es beruht auf dem Selbstverständnis der Kirche, die ihren Auftrag in Verkündigung des Glaubens und Dienst am Nächsten sieht, nicht jedoch auf dem Gebiet von Politik und Verwaltung.

Zudem ist mit der Trennung von Kirche und Staat das Prinzip der Religionsfreiheit verbunden, dass die Kirche und die Gläubigen vor staatlichen Eingriffen in Fragen des Glaubens und der Religion schützt.

Das Christentum lebt aus der Spannung zur Welt und stirbt in der Anpassung an sie. Als Staatsreligion würde das Christentum zu einer rein äußerlichen Erscheinung herabsinken und dadurch sein eigentliches Wesen verlieren.

4.4 Die Religionsfreiheit

Das Konzept der Religionsfreiheit schützt die Religion vor staatlichen Eingriffen und Versuchen, Autorität in Glaubensfragen zu beanspruchen. Gleichzeitig schützt sie die Allgemeinheit vor Versuchen, den Staat zur Durchsetzung eines religiösen Bekenntnisses zu instrumentalisieren.

Ein Staat, in dem Religionsfreiheit herrscht, verdrängt der Staat die Religion zudem nicht aus der Öffentlichkeit, sondern gewährt ihr Raum und schützt diesen notfalls. Laizistische Konzepte, die Religion aus dem öffentlichen Leben verdrängen wollen, stehen im Widerspruch zur Religionsfreiheit.

4.5 Der Rechtsstaat

Das Konzept des Rechtsstaates beruht auf dem skeptischen Menschenbild des Christentums und der Vorstellung einer unverfügbaren moralischen Ordnung bzw. der Naturechtslehre.

Der Rechtsstaat soll die Entscheidungen von Politik und Verwaltung an entsprechende Regeln binden und dadurch so weit wie möglich potentieller Willkür entziehen, die sowohl von Regierungen als auch von Mehrheiten ausgehen kann. Er soll somit den Schwächen des Menschen entgegenwirken. Der Rechtstaat ist somit Teil der Kontrolle politischer Macht. Teil des Konzepts ist die Unabhängig der Justiz von politischen Weisungen sowie die Vermeidung von politischen Abhängigkeiten.

Recht ist in dieser Vorstellung nicht etwas, das beliebig durch politische Beschlüsse geschaffen werden kann, sondern etwas, das von einer dem Willen des Menschen entzogenen Ordnung abhängig ist. Je särker Recht und Rechtsprechung dieser Ordnung entsprechen, desto gerechter ist ein Gemeinwesen.

Das Recht hat nach dieser Vorstellung auch einen moralischen Charakter. Es wird aber nicht als Weg betrachtet, das moralische Verhalten von Menschen im Details zu ordnen, sondern es soll das Zusammenleben von Menschen fördern.

4.6 Schutz des Privateigentums

Privatentum schafft eine Sphäre, in der Menschen unabhängig vom Staat agieren können. Es schafft zudem Anreize für einen verantwortlichen Umgang mit Gütern sowie Anreize zur Arbeit bzw. zur Schaffung von Gütern.

4.7 Ein Sozialwesen auf Grundlage des Subsidiaritätsprinzips

Starke Familien und freiwillige Zusammenschlüsse von Bürgern können soziale Aufgaben besser leisten als staatliche Behörden. Diese leisten meist keine wirkliche Hilfe, sondern erzeugen dauerhafte Abhängigkeit.

Christliche Ansätze verstehen soziale Nöte nicht nur materiell, sondern umfassend. Christliche Ansätze betrachten Menschen in solchen Notlagen daher nicht nur als passive Versorgungsempfänger und können auf die geistigen und kulturellen Nöte eingehen, die meist hinter materiellen Notlagen stehen. Dadurch können diese Ansätze tatsächlich Hilfe leisten und nicht nur Symptome überdecken. Staatliche Stellen können jedoch nicht Träger spezifisch christlicher Ansätze sein, weshalb sie von nicht-staatlichen Organisationen geleistet werden müssen.

4.8 Gestaltung von Migration nach den Erfordernissen des Gemeinwohls

Die Position der katholischen Soziallehre zur verantwortlichen Gestaltung von Migration geht zurück auf den hl. Thomas von Aquin, der als bedeutendste Philosoph unter den Kirchenlehrern mit seinem im 13. Jhd. entstandenen Werk u.a. die Soziallehre wesentlich mitbegründet hat. Der Umgang mit Fremden sei ihm zufolge nach den Erfordernissen des Gemeinwohl zu gestalten. Fremden, die als Reisende auftreten und sich an das Gesetz halten, sei Gastfreundschaft zu gewähren. Fremde, die sich dauerhaft niederlassen wollten, müssten sich kulturell assimilieren, damit ihre Präsenz nicht im Widerspruch zum Gemeinwohl stehe, und damit sie zu diesem einen Beitrag leisten könnten. Eine Präsenz von Fremden, die mit Bedrohungen für die Sicherheit eines Gemeinwesens verbunden sei, schade dem Gemeinwohl und sei daher abzulehnen.

Auf diesen Gedanken beruht die im Katechismus der Katholischen Kirche festgehaltene Position der Soziallehre, der zufolge ein Gemeinwesen nach seinen Möglichkeiten auch Fremden in Not helfen solle. Ein Migrant habe als Gast jedoch auch Verpflichtungen gegenüber seinen Gastgebern, etwa „das materielle und geistige Erbe seines Gastlandes dankbar zu achten, dessen Gesetzen zu gehorchen und die Lasten mit zu tragen.“

Johannes Paul II sagte in diesem Zusammenhang, dass Staaten sittlich verantwortlich seien, eine “Kontrolle der Zuwanderungsströme unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Gemeinwohls durchzuführen. Die Aufnahme muß immer unter Einhaltung der Gesetze erfolgen und daher, wenn nötig, mit der Ausschaltung von Mißbräuchen einhergehen.“ Es müsse zudem das „besondere kulturelle Erbe jeder Nation bewahrt werden“.

Migration aus anderen Kulturkreisen ohne Assimilation schadet dem Gemeinwohl grundsätzlich, weil sie seine kulturellen Voraussetzungen schwächt und Konflikte fördert.

4.8.1. Umgang mit islambezogenen Herausforderungen

Die katholische Soziallehre hat vor allem unter Johannes Paul II. eine Reihe von strategischen Ansätzen zum Umgang mit islambezogenen Herausforderungen formuliert. Diese sehen einen selbstbewussten Dialog mit dem Islam mit dem Ziel dessen besseren Verständnisses, dem friedlichen Zusammenleben und der Sicherstellung christlicher Interessen bei gleichzeitiger Bekämpfung vor allem militant-islamistischer Strömungen vor. Zudem gilt auch gegenüber dem Islam der Missionsauftrag des Christentums, der zu einer vollständigen, auch kulturellen Integration von Muslimen in Europa beitragen kann.

Ansätze der katholischen Soziallehre zum strategischen Umgang mit islambezogenen Herausforderungen haben wir hier zusammengefasst.

4.9 Der Nationalstaat als Gestaltungsrahmen des Gemeinwohls

Der Nationalstaat ist der auf dem Subsidiaritätsprinzip beruhende, durch aus geteilter Kultur wachsende Bindungen gestärkte abendländische Entwurf einer wertekonsensfähigen und somit auch gemeinwohlfähigen Solidargemeinschaft.

Die christliche Soziallehre betrachtet die Nation als Teil einer Reihe von aufeinander bezogenen, sich ergänzender Bindungen, die bei der Familie beginnen und alle auf ein transzendentes Ziel hin ausgerichtet sind.  Er ist der einzige Rahmen, in dem bislang Demokratie in einer das Gemeinwohl fördernden Form verwirklicht werden konnte. Der Staatsrechtler Josef Isensee bezeichnete die Demokratie deshalb als „Tochter des Nationalstaats“.

Die christliche Soziallehre, auf der die Nachkriegsordnung Westeuropas beruht, betrachtet den Nationalstaat zudem als wesentliches Element einer internationalen Friedensordnung. Als Erweiterung der natürlichen Gemeinschaft der Familie beruhe er auf Bindungen, die das gemeinsame Verfolgen des Gemeinwohls fördern würden, wie es Johannes Paul II. beschrieben hatte.

  • Der Nationsgedanke der christlichen Soziallehre wirkt dabei sowohl den Exzessen eines auf Kosten anderer Nationen betriebenen Nationalismus als auch den Exzessen der nach Auflösung von Nationen strebenden neo-marxistischen Ideologien entgegen.
  • Die Gemeinschaft der durch das gemeinsame christliche Erbe verbundenen Nationen Europas sollte in diesem Denken nicht die Nationen auflösen, so wie der Nationalstaat nicht die Familie als seinen tragenden Bestandteil auflösen soll, sondern ursprünglich die einzelnen Nationen gegen äußere Bedrohungen wie die durch den Kommunismus stärken.

Der Theologe Romano Guardini beschrieb den Nationalstaat in seinem Aufsatz „Europa – Wirklichkeit und Aufgabe“  als „Ort der lebendigen Einwurzelung des Menschen“. In Europa sei die Nation nicht abgeschlossen und auf sich bezogen entstanden, sondern sie sei eingeordnet gewesen in einen europäisch-abendländischen Kontext bzw. eine „von Geschichte gesättigte Form charakteristischen Lebens, die aber ein Organ im umfassenderen Zusammenhang bildet“. Die Moderne habe die im Christentum wurzelnde abendländische Einheit zerstört, wobei auch der die Nationen gegeneinander in Stellung bringende Nationalismus eine moderne Ideologie sei. Die Nationen Europas müssten wieder umdenken und die Nation so denken, „dass sie ihre Vergangenheit auf das Werden dieser großen Lebensgestalt hin verstehe“.

Dieses Denken war prägend für das Handeln christlich-konservativer Persönlichkeiten der Nachkriegszeit wie Konrad Adenauer, Robert Schuman und Alcide de Gasperi. Ihrem bis heute trotz aller Versuche zur Trennung Europas von diesem Erbe nachwirkenden Handeln und der christlichen Soziallehre verdankt Westeuropa die längste Friedensperiode der letzten Jahrhunderte.

Der Historiker Heinrich August Winkler bezeichnete die „historisch gewachsene nationale Vielfalt“ als eine der kulturellen Errungenschaften Europas. Die christlich-konservativen Akteure, die nach dem Zweiten Weltkrieg die bis heute stabile Friedensordnung Westeuropas schufen, hätten dies bewusst auf der Grundlage des Konzepts eines Europas der Nationen getan hätten.

  • Ihre Ansätze zur Stärkung der Einheit Europas hätten mit den Worten Walter Hallsteins das Ziel gehabt, die „Kraftquellen der Nationen zu erhalten, ja sie zu noch lebendigerer Wirkung zu bringen“. Zudem sei die Behauptung, dass Nationalstaaten grundsätzlich kriegerischer handeln würden als andere Staaten, ein unbelegtes „Produkt ahistorischen Wunschdenkens“.
  • Versuche zur Auflösung des Nationalstaates würden zudem häufig gegen den Willen der betroffenen Völker angestrebt und dadurch gerade den Nationalismus provozieren, der eigentlich überwunden werden solle. Diejenigen, welche die Nationalstaaten Europas auflösen wollten, würden zudem die Zerstörung des Gewachsenen anstreben, ohne eine konkrete Vorstellung zu haben, was an seine Stelle treten könnte.

4.11 Der Mensch als Bewahrer der natürlichen Umwelt

Christliches Denken sieht den Menschen als integralen Bestandteil der Schöpfung und somit der Natur an. In der Schöpfungsordnung nimmt der Mensch dabei eine besondere Rolle ein, die mit dem Auftrag verbunden ist, Hüter und Bewahrer der natürlichen Umwelt zu sein.

In der Offb 7,3 wird ein Engel mit dem Aufruf an die Menschen zitiert: „Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu!“ Die hl. Hildegard von Bingen sagte im 11. Jahrhundert: „Tragt Sorge zu unserer Erde, seid zu ihr zärtlich und lieb.“

Im christlichen Denken stellt die natürliche Umwelt dabei nicht nur wie im modernen Denken eine wirtschaftliche Ressource dar, die allenfalls aus Nützlichkeitserwägungen heraus erhalten werden müsste. Die Schöpfung wird als an sich heiliges Werk Gottes verstanden und insbesondere in der christlichen Mystik auch als ein Weg zur Erfahrung des Transzendenten angesehen, der Menschen über die Erfahrung von Schönheit und Größe Gott näher bringen kann.

5. Was macht ein dauerhaftes Gemeinwesen aus?

Der Historiker Shalom Salomon Wald hat die Faktoren untersucht, die den langfristigen Bestand eines Gemeinwesens in der Geschichte gefördert haben. Ihm zufolge seien dies die folgenden Faktoren:

  • Pflege seines Kulturkerns und seiner Identität
  • Stärkung innerer Bindungen
  • Konstruktive Beilegung innerer Konflikte
  • Äußere Verteidigungsbereitschaft und Wehrhaftigkeit
  • Hohe Qualität des Führungspersonals
  • Hohes Leistungsniveau in Naturwissenschaft und Technik
  • Belastbare Allianzen und zuverlässige Verbündete
  • Wohlstand und konstruktive Beilegung von Verteilungskonflikten
  • Intakte demographische Grundlagen