Stand: 19.01.2018

Diese Portalseite enthält Beiträge für die Formulierung christlicher Impulse zur Bewältigung der strategischen Herausforderungen für Deutschland und Europa.

Das Streben nach der Verwirklichung eines guten, gerechten und dauerhaften Gemeinwesens stellt eine Konstante der christlich-abendländischen Kultur- und Geistesgeschichte der vergangenen zweitausend Jahre dar. Christliche Soziallehre und christlicher Konservatismus haben dabei eine kulturelle Substanz geschaffen, welche den weitesten entwickelten Bestand an erprobtem und bewährtem Wissen über die Natur des Menschen und die Erfordernisse des am Gemeinwohl orientierten gesellschaftlichen Zusammenlebens von Menschen in der Geschichte der Menschheit beinhaltet.

1. Freiheitliche Gesellschaften brauchen christliche Impulse

Politische Ordnungen und Gemeinwesen beruhen auf kulturellen Grundlagen, die Grundfragen über die Natur des Menschen und der Gemeinschaft sowie ihre Ziele definieren. Die wichtigste kulturelle Grundlage der freiheitlichen Gesellschaften des europäischen Kulturraumes ist das Christentum. Diese Grundlage muß gepflegt, bewahrt und an kommende Generationen weitergeben werden, wenn diese Gesellschaften dauerhaft bestehen wollen. Dies zu leisten ist eine der Formen des schützenden und bewahrenden Dienstes des Christentums am Gemeinwesen und ein Beitrag zur kulturellen Nachhaltigkeit europäischer Gesellschaften. (Weiterlesen: Die christlichen Grundlagen freiheitlicher Gesellschaften)

1.1 Christliche Soziallehre und christlicher Konservatismus als Impulse zur Gestaltung Europas

Das Streben nach der Verwirklichung eines guten und gerechten Gemeinwesens sowie die Suche nach den Voraussetzungen gelingenden gemeinschaftlichen Lebens stellt eine Konstante der christlich-abendländischen Kultur- und Geistesgeschichte dar. Christliches Denken hat dabei seit der Antike die besten Gedanken und Ansätze integriert, auf die es gestoßen ist und diese zusammengeführt und weiterentwickelt.

Es stellt den am weitesten entwickelten Bestand an erprobtem und bewährtem Wissen über die Natur des Menschen und die Erfordernisse des am Gemeinwohl orientierten gesellschaftlichen Zusammenlebens von Menschen in der Geschichte der Menschheit dar. Festgehalten sind diese Erfahrungen in der christlichen Soziallehre und auf ihr aufbauenden Konzepten wie dem christlichen Konservatismus. (Weiterlesen: Christliche Soziallehre und christlicher Konservatismus als Impulse zur Gestaltung Europas)

2. Grundlagen christlicher Weltanschauung

Das Ordnungsdenken christlicher Weltanschauung beruht auf einer Reihe von Beobachtungen und Annahmen über die Natur des Menschen und der Welt. Christliche Weltanschauung geht dabei (anders als die meisten modernen Ideologien) von der Existenz von Absolutheiten aus, die nicht beliebig durch den Menschen konstruierbar oder interpretierbar sind.

2.1 Das Naturrecht und die unverfügbare moralische Ordnung der Welt

Verantwortliches politisches Handeln beruht auf der Grundlage zeitlos gültiger Prinzipien des gemeinschaftlichen Lebens. Diese wiederum beruhen auf der Erkenntnis der universellen Ordnung der Welt, der Natur des Menschen und der in ihnen wesenshaft angelegten Ziele und Erfordernisse. Das Naturrecht ist die Wirklichkeit, der alles gelingende individuelle und gesellschaftliche Leben entsprechen muss, wenn es gelingen soll, während Verstöße gegen es automatisch Schaden nach sich ziehen muss, ähnlich wie es bei Missachtung der Schwerkraft der Fall wäre. (Weiterlesen: Das Naturrecht und die unverfügbare moralische Ordnung der Welt)

2.2 Die unveräußerliche Würde des Menschen

Der Gedanke der unveräußerlichen Würde des Menschen beruht auf der christlichen Vorstellung seiner Gottesebenbildlichkeit, die ihn von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Alle Menschen sind nach christlicher Annahme ausnahmslos als Ebenbilder Gottes geschaffen worden und verfügen daher über eine unveräußerliche Würde. Ohne die Annahme der Gottesebenbildlichkeit ist die Annahme einer universellen und unveräußerlichen Menschenwürde nicht plausibel begründbar, weshalb diese von vielen modernen, materialistischen Ideologien bestritten wird, etwa in Bezug auf Angehörige bestimmter Gruppen von Menschen, aber auch in Bezug auf ungeborene Kinder. (Weiterlesen: Die unveräußerliche Würde des Menschen)

2.3 Die unvollkommene Natur des Menschen

Christliche Weltanschauung geht davon aus, dass der Mensch über eine von ihm selbst nicht überwindbare, begrenzte und unvollkommene Natur verfügt. Der Mensch verfüge zwar über Wille und Verstand, die jedoch korrumpierbar seien. Der Mensch sei zudem leicht zum Bösen verführbar, etwa über seine ungeordneten Leidenschaften und sein Streben nach Macht und Besitz. Christliche Weltanschauung lehnt daher politische Utopien, die von der Perfektionierbarkeit von Mensch und Gesellschaft ausgehen, ab. Sie sieht zudem eine Notwendigkeit zur Kontrolle von politischer Macht und ist skeptisch gegenüber der Herrschaft der Masse. Zudem sieht sie den Menschen als kulturbedürftiges Wesen an, wobei Kultur der Einhegung seiner Schwächen dienen solle. (Weiterlesen: Die unvollkommene Natur des Menschen)

2.4 Die Notwendigkeit staatlicher Ordnung

Christliche Weltanschauung betrachtet den Menschen als Gemeinschaftswesen. Der Staat ist die höchste Form politischer Gemeinschaft und notwendig, um vor dem Hintergrund der Natur des Menschen in ihr Ordnung und Recht zu bewahren sowie das Gemeinwohl zu fördern. (Weiterlesen: Die Notwendigkeit staatlicher Ordnung)

2.5 Die Notwendigkeit von Autorität, Hierarchie und Meritokratie

Christliche Weltanschauung betrachtet Autorität und Hierarchie als notwendig und bejaht deren meritokratische Gestaltung. Zudem beruht christliche Weltanschauung auf der Annahme der Existenz des absolut Wahren und Guten, das den Maßstab zur hierarchischen Bewertung aller Dinge darstellt. (Weiterlesen: Autorität, Hierarchie und Meritokratie in christlicher Weltanschauung)

2.6 Das Primat der Kultur über die Politik

Das politische Leben ist nach christlicher Weltanschauung vor allem Ausdruck der geistig-kulturellen Verhältnisse in einer Gesellschaft. Wo diese Verhältnisse defekt sind, könnte auch die beste Politik und Gesetzgebung dies nicht korrigieren. Gesellschaftliche Probleme haben meist kulturelle Ursachen und sind die Folge falscher oder mangelhafter Vorstellungen über die Natur des Menschen sowie mangelhafte Praktiken, was gute und richtige Lebensführung angeht. (Weiterlesen: Das Primat des Kulturellen über das Politische)

2.7 Entwicklung durch Tradition

Der Traditionsgedanke beruht auf der Annahme einer überzeitlichen Ordnung, die als Standard dient, an der alle kulturellen Leistungen gemessen werden, sowie als Ziel, auf das eine Kultur sich in einem organischen Prozess hin entwickelt. Die Entwicklung einer Kultur auf der Grundlage des Traditionsprinzips stellt das ständige Streben danach das, diesem Standard näherzukommen. (Weiterlesen: Der Traditionsgedanke als Grundlage gesellschaftlicher Entwicklung)

2.8 Die Notwendigkeit der Wachsamkeit

Christliche Weltanschauung rechnet grundsätzlich mit der Möglichkeit krisenhafter Verläufe des Weltgeschehens. Sie nimmt die Geschichte als Abfolge von Krisen wahr und geht davon aus, dass sich daran aufgrund der Natur des Menschen auch langfristig nichts ändern wird, und ist wachsam gegenüber den Kräften der Auflösung, die in der Welt und im Menschen wirken. Alle kulturelle Substanz wurde gegen den Widerstand der schlechteren Teile der menschlichen Natur aufgebaut und muss unablässig gegen die von ihnen ausgehenden Auflösungstendenzen behauptet werden. (Weiterlesen: Wachsamkeit gegenüber kulturellen Auflösungstendenzen)

3. Prinzipien christlichen Ordnungsdenkens

Albrecht Dürer – Kaiser Karl der Große (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Ordnung ist der Zustand, in dem alle Dinge dem in ihrer Natur angelegten Ziel gemäß funktionieren.

Zu den Prinzipien des christlichen Ordnungsdenkens gehören die in der katholischen Soziallehre formulierten Prinzipie der Gemeinwohlorientierung, der Solidarität, der Subsidiarität und der Personalität. Oswald von Nell-Breuning bezeichnete sie als „Baugesetze der Gesellschaft“.

Sie beruhen auf der Beobachtung der Natur des Menschen und des Wesens gelingender menschlicher Gemeinschaften und sind wie das Naturrecht in der Seinsordnung angelegt.

Gleichzeitig stellen diese Prinzipien staatsethische Norm- bzw. Sollensprinzipien dar, die als geeignete Leitlinien für die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens angesehen werden. Sie sind dabei nicht isoliert voneinander zu betrachten, sondern ergänzen einander.

3.1 Politik als Dienst am Gemeinwohl

Christliche Weltanschauung beruht auf dem Dienstgedanken, der Ausdruck der Forderung zur Nächstenliebe ist. Dieser Gedanke hat das gesamte abendländische Erbe geprägt, das darauf beruht, die Schwachen zu schützen und die unvollkommene Welt im Rahmen des Möglichen menschlicher zu gestalten. In diesem Zusammenhang soll politisches Handeln nach christlicher Vorstellung stets den Dienst am Gemeinwohl zum Ziel haben. (Weiterlesen: Politik als Dienst am Gemeinwohl)

3.2 Das Solidaritätsprinzip: Politik als Handeln im Sinne des Ganzen

Das Solidaritätsprinzip fordert von Staat und Regierung sowie von allen Teilen eines Gemeinwesens, im Sinne des Ganzen sowie im Interesse kommender Generationen zu denken und zu handeln. Zudem fordert das Solidaritätsprinzip, Bindungen innerhalb des Gemeinwesens zu pflegen und zu stärken. (Weiterlesen: Das Solidaritätsprinzip: Politik als Handeln im Sinne des Ganzen)

3.3 Das Subsidiaritätsprinzip

Inhalt folgt

3.4 Das Personalitätsprinzip

Das Personalitätsprinzip der katholischen Soziallehre fordert von politischem Handeln, die Natur des Menschen zu berücksichtigen. Zu dieser Natur gehört seine Eingebundenheit in natürliche Bindungen, etwa in die von Familie und Nation, seine Identität als Mann oder Frau oder auch seine Angewiesenheit auf Gemeinschaft. (Weiterlesen: Das Personalitätsprinzip)

4. Elemente politischer Ordnung

Christliche Weltanschauung ist nicht auf ein bestimmtes politisches Programm oder ein politisches System festgelegt. Der christliche Konservatismus hat auf der Grundlage christlicher Weltanschauung jedoch Impulse zur Gestaltung der politischen Ordnung entwickelt, die er auf der Grundlage von Erfahrung und Beobachtung ständig weiterentwickelt.

4.1 Die Republik als Staatsform

Die katholische Soziallehre erkennt jede Staatsform an, die dem Gemeinwohl dient (KKK 1922). Christliche Weltanschauung hat auf der Grundlage antiker Impulse die Republik als Staatsform entwickelt, welche in Bezug auf die Sicherstellung des Gemeinwohls die jeweiligen Stärken von Demokratie, Aristokratie und Monarchie kombinieren und ihre Schwächen ausgleichen sollte. Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland oder die USA sind aus der Sicht der Staatslehre keine reinförmigen Demokratien, sondern Republiken, in denen auch den Entscheidungen von Mehrheiten Grenzen auferlegt sind.

4.2 Ehe und Familie als Grundlagen der Gesellschaft

  • Inhalt folgt

4.3 Trennung von Kirche und Staat

Das Konzept der Trennung von Kirche und Staat hat sich auf Grundlage christlichen Denkens seit dem Mittelalter in Europa herausgebildet. Es beruht auf dem Selbstverständnis der Kirche als Organisation, die ihren Auftrag in der Verkündigung des Glaubens und Dienst am Nächsten sieht. Christliche Weltanschauung bejaht den von ihr mitgeschaffenen säkularen Staat, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass dieser auf kulturellen Grundlagen beruht, die er nicht selbst erzeugen kann. Christen haben in diesem Zusammenhang den Auftrag, auf allen Gebieten menschlichen Lebens dienend zu wirken, darunter auch in Staat und Politik. Der Religionsfreiheit sicherstellende säkulare Staat und der Dienst des Christentums können sich auf der Grundlage dieses Verständnisses gegenseitig ergänzen. (Weiterlesen: Die Trennung von Kirche und Staat)

4.4 Religionsfreiheit

Das Prinzip der Religionsfreiheit ist eng mit dem Prinzip der Trennung von Kirche und Staat verbunden. Die Religionsfreiheit schützt die Kirche und die Gläubigen vor staatlichen Eingriffen in Fragen des Glaubens und der Religion. Die Vorstellung, dass Staaten religiöse Fragen beantworten und Glaubensinhalte definieren sollten, ist ein Wesensmerkmal totalitärer Ideologien. Gleichzeitig schützt die Religionsfreiheit die Bürger eines Staates vor Versuchen, den Staat unter Verletzung des christlichen Ideals der Gewissensfreiheit zur Durchsetzung eines religiösen Bekenntnisses zu instrumentalisieren. Laizistische Konzepte, die Religion aus dem öffentlichen Leben verdrängen wollen, stehen im Widerspruch zur Religionsfreiheit. (Weiterlesen: Die Religionsfreiheit)

4.5 Rechtsstaatlichkeit

Das Konzept des Rechtsstaates beruht auf dem skeptischen Menschenbild des Christentums und der Vorstellung einer unverfügbaren moralischen Ordnung bzw. der Naturechtslehre. Der Rechtsstaat soll die Entscheidungen von Politik und Verwaltung an entsprechende Regeln binden und dadurch so weit wie möglich potentieller Willkür entziehen, die sowohl von Regierungen als auch von Mehrheiten ausgehen kann. Er soll somit den Schwächen des Menschen entgegenwirken. Der Rechtstaat ist somit Teil der Kontrolle politischer Macht. (Weiterlesen: Der Rechtsstaat)

4.6 Sicherheit als staatliche Aufgabe

Sicherheit ist ein zentraler Bestandteil des Gemeinwohls, wie im Katechismus der Katholischen Kirche betont wird.

4.7 Schutz und Hilfe für die Schwachen

Christliche Ansätze verstehen soziale Nöte nicht nur materiell, sondern umfassend, und betrachten Menschen in Notlagen nicht nur als passive Versorgungsempfänger. Sie können daher auch auf die geistigen und kulturellen Nöte eingehen, die meist hinter materiellen Notlagen stehen. Dadurch können diese Ansätze tatsächlich Hilfe leisten und nicht nur Symptome überdecken.

Dem Subsidiaritätsprinzip der christlichen Soziallehre gemäß können Familien und freiwillige Zusammenschlüsse von Bürgern können soziale Aufgaben besser leisten als es staatliche Behörden und Sozialsysteme können. Diese leisten meist keine wirkliche Hilfe, sondern erzeugen dauerhafte Abhängigkeiten.

4.8 Schutz des Privateigentums

Privatentum schafft eine Sphäre, in der Menschen unabhängig vom Staat agieren können. Es schafft zudem Anreize für einen verantwortlichen Umgang mit Gütern sowie Anreize zur Arbeit und zur Schaffung von Gütern.

4.9 Bewahrung der Natur

Christliches Denken sieht den Menschen als integralen Bestandteil der Schöpfung und somit der Natur an. In der Schöpfungsordnung nimmt der Mensch dabei eine besondere Rolle ein, die mit dem Auftrag verbunden ist, Hüter und Bewahrer der natürlichen Umwelt zu sein. (Weiterlesen: Die Bewahrung der Natur)

5. Die Gestaltung des Gemeinwohls

5.1 Diskussionskultur

Die abendländische Diskussionskultur, deren Ziel die Suche nach Wahrheit durch den Austausch und die Prüfung von Argumenten ist, entstand an den christlichen Universitäten des Mittelalters. Diese auch durch den hl. Thomas von Aquin gepflegte Kultur kann als Impuls dazu dienen, dass die zunehmend von Polarisierung und Unsachlichkeit geprägten Debatten der Gegenwart wieder gewinnbringend und kultiviert gestaltet werden können. (Weiterlesen: Die abendländische Diskussionskultur)

5.2 Lebensschutz

Im Form von Abtreibung, Euthanasie und Eugenik wenden sich europäische Gesellschaften gegen ihre schwächsten Mitglieder und töten diese, anstelle sie zu schützen und ihnen zu helfen. Die katholische Kirche hat dies stets verurteilt und die Gesellschaften Europas an ihre Pflicht zur Achtung der Menschenwürde und des menschlichen Lebens erinnert.

5.3 Migration

Die Position der katholischen Soziallehre zur gemeinwohlorientierten Gestaltung von Migration geht zurück auf den hl. Thomas von Aquin. (Weiterlesen: Gestaltung von Migration nach den Erfordernissen des Gemeinwohls)

5.4 Umgang mit islambezogenen Herausforderungen

Die katholische Soziallehre hat vor allem unter Johannes Paul II. eine Reihe von strategischen Ansätzen zum Umgang mit islambezogenen Herausforderungen formuliert. Diese sehen einen selbstbewussten Dialog mit dem Islam mit dem Ziel dessen besseren Verständnisses, dem friedlichen Zusammenleben und der Sicherstellung christlicher Interessen bei gleichzeitiger Bekämpfung vor allem militant-islamistischer Strömungen vor. (Weiterlesen: Umgang mit islambezogenen Herausforderungen)