Stand: 13.11.2018

Diese Seite behandelt die Lage des Umfelds des Christentums in Europa in den Bereichen Wirtschaft und Soziales. Sie befindet sich noch in einem frühen Entwurfsstadium.

Die Mittelschichten europäischer Gesellschaften, die in der Vergangenheit Stützen dieser Gesellschaften waren, erodieren im Zuge der Globalisierung zunehmend, und ihre ihre Angehörigen sind immer stärker von sozialem Abstieg bedroht und Konkurrenz mit sich ausweitenden einheimischen und migrantischen Unterschichten ausgesetzt. Dies wird die ohnehin schon vorhandenen gesellschaftlichen Bruchlinien weiter vertiefen.

Die Folgen dieser Polarisierung können derzeit noch durch die verbliebene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit westlicher Gesellschaft kontrolliert werden. Fällt diese weg bzw. tritt eine größere Wirtschaftskrise ein, könnten Konflikte entlang kultureller und sozialer Bruchlinien eskalieren.

1. Mangelnde Identifikation wirtschaftlicher Eliten mit dem Gemeinwohl

Der Wirtschaftswissenschaftler Malcolm Schauf beobachtete:

Ein Gefühl der gesellschaftlichen Verantwortung für das Land ist bei heutigen Konzernlenkern nicht weit verbreitet. Die sind international orientiert. Mir sagte neulich noch ein Vorstandschef, für ihn sei das ohnehin nicht so wichtig, was hier gesellschaftlich passiert. Wenn es schlecht läuft, zieht er privat eben weg. Mittelständler sind da anders.

Die Shareholder-Value-Doktrin

1962 erklärte der spätere Wirtschafts-Nobelpreisträger Milton Friedman in seinem Werk „Capitalism and Freedom“, dass sich die soziale Verantwortung von Unternehmen darauf beschränke, ihre Gewinne und ihre Eigenkapitalrendite im Rahmen der Regeln des Marktes zu steigern. Unternehmen seien nur ihren Anteilseignern gegenüber verantwortlich, die wiederum selbst entscheiden müssten, ob und wie sie soziale Verantwortung wahrnehmen wollten.

Dieser Shaholder-Value-Ansatz setzte sich in den 1970er Jahren von den USA ausgehend zunehmend durch, da er für Geldeliten attraktiv war, die sich davon eine Optimierung ihrer Vermögen erhofften. In den 1980er Jahren unterstützten rechtsliberale Politiker wie Ronald Reagan und Margaret Thatcher diesen Ansatz.

Dieser Ansatz schafft jedoch Anreize dafür, Entscheidungen unter Ausblendung oder auf Kosten des Gemeinwohls und auch auf Kosten langfristiger Unternehmensinteressen zu treffen.

  • Die an der Harvard Business School lehrenden Wirtschaftswissenschaftler Joseph L. Bower und Lynn S. Paine kritisieren den Shareholder-Value-Ansatz als grundsätzlich fehlerhaft. Aktionäre würden im Rahmen dieses Ansatzes keine ihrer Macht entsprechende Verantwortung für ihre Entscheidungen tragen, da sie sich jederzeit von Aktien trennen könnten. Unternehmensführungen, die nicht mit ihrem Vermögen für die mit ihren Entscheidungen verbundenen Risiken einstehen und deren Gehalt vom Aktienkurs des Unternehmens abhängig ist, würden außerdem durch diesen Ansatz zu kurzfristig orientiertem Handeln ermutigt. Darüber hinaus würden Anreize gegen langfristig orientierte Investitionen, etwa in Forschung und Entwicklung, geschaffen.
  • Jack Welch, ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender des amerikanischen GE-Konzerns, der als Vorreiter dieses Ansatzes galt, erklärte diesen 2009 rückblickend zur „dümmsten Idee der Welt“. Der Gewinn eines Unternehmens entstehe im Zusammenwirken von Mitarbeitern, Kunden und Produkten und sei für sich genommen kein geeignetes strategisches Ziel für Unternehmen.

In vielen Fällen wirkte sich dieser Ansatz sowohl auf das Gemeinwohl als auch auf den langfristigen Erfolg von Unternehmen negativ aus:

  • Die damalige DaimlerChrysler AG sparte Mitte der 1990er Jahre unter der Führung von Jürgen Schrempp, der sich auf den Shareholder-Value-Ansatz berief, im Bereich Qualitätssicherung, was mit Verzögerung zu Rostproblemen führte, welche dem Ruf der Marke Mercedes bis hin die Gegenwart hinein geschadet haben und dazu beitrugen, dass der Konzern seine Rolle als Marktführer bei Premium-Fahrzeugen in Deutschland über viele Jahre verlor.
  • Die Deutsche Bank strebte unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann ebenfalls unter Berufung auf diesen Ansatz zeitweise Kapitalrenditen von 25 Prozent an, die vorübergehend auch erreicht wurden. Die Bank wurde durch die dazu getroffenen kurzfristig orientierten Entscheidungen jedoch so nachhaltig geschädigt, dass sie an den Rand des Zusammenbruchs geriet.
  • Andere Unternehmen sparten zur Maximierung kurzfristiger Gewinne im Bereich Forschung und Entwicklung  oder gingen höhere Risiken u.a. durch Rechtsverstöße ein, die zu späteren Zeitpunkten nur nur hohe Folgekosten nach sich zogen, sondern vor allem unmittelbar dem Gemeinwohl schadeten.
  • In einem aktuellen Fall setzten sich amerikanische Hedgefonds für die Zerschlagung der ThyssenKrupp AG ein, was den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in Deutschland nach sich ziehen würde. In den Erwägungen der Hedgefonds stellt dies jedoch keinen relevanten Faktor dar.
  • Im Zuge der Durchsetzung des Shareholder-Value-Ansatzes entkoppelten sich die Entwicklung von Produktivität und Stundenlöhnen von Arbeitsnehmern. Trotz der Zunahme der Produktivität stagnierten Stundenlöhne ab diesem Zeitpunkt. Zudem begann die Verlagerung der Produktion in Schwellenländer in größerem Umfang zur Kostenreduzierung, die zu Arbeitsplatzverlusten in großem Umgang in westlichen Gesellschaften führten. Parallel dazu sankt die Identifikation von Arbeitnehmern mit ihrem Arbeitgeber und ihrer Tätigkeit.

1.1 Abwälzung privater wirtschaftlicher Risiken auf das Gemeinwesen

Der Fernsehsender Arte strahlte 2013 eine Dokumentation mit dem Titel “Staatsgeheimnis Bankenrettung” aus, in der Harald Schumann (u.a. Mitautor des Buches “Die Globalisierungsfalle“) untersucht, zu wessen Gunsten die als “Eurorettung“ bezeichneten Maßnahmen erfolgen. Einen Artikel, der die wichtigsten Aussagen zusammenfasst, hat Schumann hier veröffentlicht.

Es wird deutlich, daß die sog. “Eurorettung” in erster Linie dazu dient, die Risiken von Anlegern auf die Gemeinwesen Europas abzuwälzen. Die Anleger hätten ihr Geld in risikoreiche Immobiliengeschäfte angelegt, die im Rahmen der diversen Immobilienblasen in Europa gescheitert seien, und erwarteten nun, dass die Steuerzahler für ihre Verluste aufkommen. Durchgesetzt würden ihre Forderungen durch zum Schaden von Staaten und Völkern handelnden Politiker, welche diese Umverteilung als “alternativlos” darstellen.

Arte hatte bereits in einer früheren Dokumentation (hier abrufbar) Handeln zum Schaden des Gemeinwohls durch ein Kartell aus Anlegern, Banken und Politikern analysiert. Einige Banken hätten demnach die Aufhebung von Regulierungen durchgesetzt, um ihre Risiken bzw. die Risiken der Anleger durch Abwälzung auf die Gemeinwesen Europas reduzieren. Die Politik beteiligte sich, weil Politiker aller Parteien durch verstärkte Schuldenaufnahme ihre jeweilige Klientel bedienen wollten und verantwortliche Ausgabengestaltung eintretende Politiker in Demokratien in der Regel rasch abgewählt wurden.

2. Zunehmende soziale Polarisierung

Soziale Polarisierung nimmt in Deutschland zu. Während das Vermögen der wohlhabendsten Bevölkerungsschicht ebenso wächst wie deren durchschnittliches Einkommen, wird die Mittelschicht in Deutschland kleiner und Aufstiegschancen werden schlechter. Die Folge ist zunehmende soziale Polarisierung.

Der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg warnte 2006:

Wir werden alles gleichzeitig haben: Verelendung, Dritte Welt in Deutschland und daneben einen obszönen Reichtum und Luxus. Die Gesellschaft wird sich spalten oder zerfallen.1

Laut Angaben des Paritätischen Gesamtverbands, stieg die Armutsquote trotz vergleichsweise günstiger wirtschaftlicher Bedingungen 2015 in Deutschland auf einen neuen Höchstwert. Obwohl das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland zwischen 2006 und 2015 um über 25 Prozent anstieg, stieg im gleichen Zeitraum die Armutsquote von 14 auf 15,7 Prozent. Als armutsgefährdet beziehungsweise arm werden dabei Haushalte erfasst, deren Einkommen geringer ist als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung. Die Armutsquote misst somit vor allem soziale Ungleichheit.

2.1 Erosion der Mittelschicht

Laut einer 2012 erschienenen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) schrumpfte die Mittelschicht in Deutschland in den 15 Jahren davor deutlich. Ihr Anteil an der Bevölkerung sei zwischen 1997 und 2012 von 65 auf 58 Prozent zurückgegangen. Besonders ausgeprägt sei dieser Rückgang in der unteren Hälfte der Einkommensmittelschichten gewesen.

Eine Studie der Managementberatung Bain & Company warnte 2018 in einer Studie vor der fortschreitenden Erosion der Mittelschicht und sozialer Polarisierung in westlichen Volkswirtschaften in Folge von demographischem Wandel und Automatisierung. Es stehe wahrscheinlich eine „Dekade der Extreme“ bevor. Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen werde weiter zunehmen. Nur eine Minderheit der Beschäftigten in diesen Volkswirtschaften werde von Globalisierung und Automatisierung profitieren. Der Großteil der Mittelschicht werde wirtschaftlich immer stärker unter Druck geraten. In Staaten wie den USA werde die Mittelschicht weitgehend verschwinden und die Gesellschaft sich in 20 Prozent Wohlhabende und 80 Prozent soziale Unterschicht aufspalten.

  • Steigende finanzielle Lasten: Die arbeitende Mittelschicht wird künftig immer größere Lasten für Alte und Transferempfänger tragen müssen. Falls sich in Deutschland Studiengebühren nach amerikanischem Vorbild durchsetzen, könnten Angehörige der Mittelschicht zudem künftig bereits zu Beginn ihres Berufslebens entsprechend verschuldet sein.
  • Folgen von Automatisierung und Globalisierung: Laut einer 2018 veröffentlichten Studie der Managementberatung Bain & Company nehme in westlichen Volkswirtschaften werden in Folge von Automatisierung und Globalisierung die Nachfrage nach den Qualifikationen und Tätigkeiten des Großteils der heutigen Mittelschicht deutlich zurückgehen.
  • Zunehmende Konkurrenz auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt: Die wirtschaftlich und sozial absteigenden Teile der Mittelschicht werden in Großstädten zunehmender Konkurrenz mit der wachsenden Unterschicht um Arbeitsplätze und bezahlbarem Wohnraum ausgesetzt sein.
  • Rückgang der Vermögen: Das Nettovermögen deutscher Haushalte gingen laut DIW zwischen 2004 und 2016 um 15 Prozent zurück.
  • Unsichere Altersvorsorge: Das umlagefinanzierte staatliche Rentensystem ist nicht nachhaltig und bereits jetzt nur mit wachsenden staatlichen Subventionen aufrechtzuerhalten, welche die finanziellen Lasten der Mittelschicht weiter erhöhen. Da dennoch die Leistungen des staatlichen Rentensystems absehbar langfristig deutlich zurückgehen werden, ruft der Staat zu privater Vorsorge auf. Durch die in Europa praktizierte Niedrigzinspolitik wird jedoch der privaten, überwiegend auf Lebensversicherungen gestützten Altersvorsorge die Grundlage entzogen, während Ersparnisse durch niedrige Zinsen und Inflation entwertet werden. Viele Anleger investieren daher in Immobilien als vermuteter sicherer Altervorsorge, was zur Blasenbildung im Immobiliensektor beiträgt. Auch Anlagen in Aktien werden aufgrund der Instabilität des Finanzsystems mit größeren Risiken verbunden sein als in der Vergangenheit. Mittel- bis langfristig werden daher voraussichtlich viele heute Angehörige der Mittelschicht Altersarmut ausgesetzt sein.

2.2 Entwicklungen im Niedriglohnsektor und prekäre Beschäftigungsverhältnisse

Der Niedriglohnsektor in Deutschland wird in Folge von Lohnkonkurrenz in den unteren Lohngruppen und Lockerung des Arbeitsrechts größer.

  • Im Jahre 2001 zählten und 25 Prozent der 18- bis 29-Jährigen zur Gruppe der Einkommensschwachen. Bis 2013 stieg dieser Anteil auf rund 31 Prozent an.
  • Dem Jugendbericht der Bundesregierung zufolge weite sich der Übergang in die ökonomische Selbstständigkeit „zeitlich deutlich aus, reicht teilweise bis weit in das ­Erwachsenenalter hinein und ist durch Unsicherheiten und steigende Prekarität von Arbeitsverhältnissen geprägt“.
  • Die Zahl der Leiharbeiter in Deutschland stieg nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit zwischen 2007 und 2017 um 43 Prozent auf insgesamt 2,8 Prozent aller Beschäftigten an. Leiharbeiter erhaltenen niedrigeren Lohn als andere Beschäftigte.

Gleichzeitig geht die Nachfrage nach niedrig qualifizierten Tätigkeiten zurück, während das Angebot an Arbeitskräften durch Migration und den Abstieg von Teilen der Mittelschicht größer wird. Löhne im Niedriglohnsektor werden daher tendenziell eher sinken.

Als langfristige Folge dieser Entwicklung wird der Anteil der Renter, die auf Grundsicherung angewiesen sind, künftig steigen.

3. Überschuldung öffentlicher Haushalte

Fast alle westlichen Staaten sind überschuldet. In vielen Fällen werden Staatsbankrote durch Niedrigzinsen sowie durch den Aufkauf von Staatsanleihen durch Zentralbanken aufgeschoben.

Zahlreiche Städte vor allem in Nordrhein-Westfalen (NRW) sind faktisch bankrott. Dazu gehören u.a. Essen, Köln, Duisburg, Dortmund und Oberhausen. Die fünf am höchsten verschuldeten Städte Deutschlands liegen alle in NRW.

4. Mangelnde Nachhaltigkeit sozialer Sicherungssysteme

In Deutschland findert seit 2015 noch stärker als in den Jahrzehnten davor Zuwanderung zulasten der System sozialer Sicherung statt. Während 2013 in Deutschland der Empfänger von Arbeitslosengeld II mit Migrationshintergrund rund 43 Prozent betragen hatte, stieg er bis 2017 auf über 55 Prozent an.

Wegen schlechter Voraussetzungen was Bildung und Qualifikation angeht, wird der Großteil der seit 2015 nach Deutschland gekommenen Asylsuchenden voraussichtlich dauerhaft von Transferleistungen abhängig sein. Dies gilt auch für im Rahmen des Familiennachzugs nach Deutschland kommende Angehörige sowie voraussichtlich auch für viele ihrer Nachkommen.

In der Folge dieser Entwicklung bzw. als deren Folge wird sowohl die Finanzierbarkeit als auch die politische Unterstützung sozialer Sicherungssysteme bei deutschen Wählern sinken.

4.1 Migration in die Sozialsysteme

Während das Armutsrisiko in Deutschland 2017 bei in Deutschland geborenen Menschen u.a. aufgrund der günstigen wirtschaftlichen Lage zurückging und dieser Trends auch in den Jahren zuvor zu beobachten war, nahm es bei Migranten in Deutschland zu. Das geringste Armutsrisiko hatten demnach Deutsche ohne Migrationshintergrund. In Deutschland geborene Menschen mit Migrationshintergrund wiese ein deutlich höheres Armutsrisiko auf. Am höchsten lag dieses bei im Ausland geborenen Migranten.2

Armutsmigration und Sozialbetrug

Einige Städte in Deutschland meldeten 2018, dass sich in ihnen verstärkt Sinti und Roma aus Rumänien und Bulgarien ansiedeln würden. Der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link (SPD) erklärte, dass eines der Motive für diese Form von Migration die Absicht sei, den eigene Lebensunterhalt u.a. durch Sozialleistungen zu finanzieren, etwa durch Kindergeld für in den Herkunftsstaaten lebende Kinder. Dabei komme es mutmaßlich zu Betrug in großem Umfang, da unklar sei, ob die gemeldeten Kinder überhaupt existieren würden.3

4.2 Allgemeine negative Begleiterscheinungen des Sozialstaates

Der Sozialstaat beruht auf einem materialistischen Welt- und Menschenbild und betrachtet soziale Probleme primär als Probleme materieller Versorgung und Umverteilung. Den Menschen betrachtet er als passiven Versorgungsempfänger. Dabei blendet er die kulturelle Dimension völlig aus oder leugnet sie sogar. Er leugnet auf diese Weise die Verantwortung des Menschen für sein Leben und nimmt Menschen damit die Möglichkeit, die Ursachen sozialer Probleme zu beheben, indem er dysfunktionale Lebensstile subventioniert. Der Sozialstaat verfestigt dadurch soziale Probeme anstatt sie zu lindern.

Der Sozialstaat unterläuft zudem das Subsidiaritätsprinzip, in dem er Aufgaben an sich zieht, die besser durch Familien und zivilgesellschaftliche Akteure geleistet werden, die er dadurch schwächt. Der Sozialstaat schwächt insbesondere Familien, indem er materiell an die Stelle des Mannes und des Vaters als Versorger der Familie tritt. Er fördert auf diese Weise, dass Kinder ohne Väter aufwachsen, und schafft vor allem für sozial schwache Frauen finanzielle Anreize, außerhalb der Ehe Nachswuchs zu haben. So erzeugt und fördert der Sozialstaat letztlich soziale Probleme, da vaterlos aufgewachsene Kinder mit höherer Wahrscheinlichkeit durch Kriminalität, Drogenkonsum, niedrigen Bildungsgrad und allgemein verantwortungsloses Verhalten auffallen.

Indem das Soziale vorrangig als Sache des Staates betrachtet wird, verschwindet es zunehmend aus dem Denken und Handeln des einzelnen, der seine Verantwortung scheinbar delegieren kann. Dadurch schwächt der Sozialstaat das Soziale.

5. Entstehung und Ausweitung sozialer Brennpunkte

In den Städten Westeuropas entstehen vor allem als Folge von Migration, demographischer Entwicklung und ausbleibender Integration zunehmend soziale Brennpunkte.

In Deutschland entstanden soziale Brennpunkte in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in Hochhaussiedlungen des ehemaligen sozialen Wohnungsbaus (z.B. Hamburg-Mümmelmannsberg) sowie in ehemaligen Arbeitervierteln (z.B. Berlin-Neukölln und -Wedding sowie Bremen-Gröpelingen).

Laut einer 2018 veröffentlichten Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung nimmt in deutschen Städten die sozialräumliche Spaltung zu. Sozial schwache Menschen würden sich in zunehmendem Maße in bestimmten Stadtteilen konzentrieren.

5.1 Entstehung und Ausweitung sozialer Brennpunkte als Migrationsfolge

Der Kölner Stadtteil Vingst wies 2014 bei Minderjährigen einen Migrantenanteil von rund 70 Prozent auf. Diese stammten vor allem aus Subsaraha-Afrika, der Türkei oder dem arabischen Raum. Sozialarbeitern zufolge seien 80 bis 90 Prozent der Bewohner “völlig ungebildet, arm, psychisch instabil, stigmatisiert oder alles zusammen”. Insbesondere die Kinder würden fast alle “intensive Förderung” benötigen.

Als Folge der seit 2015 anhaltenden Migrationswelle werden sich in Deutschland neue soziale Brennpunkte herausbilden und bestehende ausweiten. Ein Beispiel dafür ist Hamburg-Billwerder, wo die konzentrierte Ansiedlung mehrerer tausend Migranten geplant ist. Die konzentrierte Ansiedlung junger Männer aus kulturellen Risikogruppen, die meist über keine Kenntnisse der deutschen Sprache oder beruflich verwertbare Qualifikationen und insgesamt in ihrer großen Mehrzahl auch langfristig kaum integrierbar sein werden wird daher voraussichtlich dazu führen, dass die von der Neuansiedlung betroffenen Räume sich zu sozialen Brennpunkten entwickeln werden.

In Italien entstanden im Zuge der seit 2015 laufenden Migrationswelle informelle Siedlungen mit tausenden Bewohnern aus dem Mittlerem Osten und Subsahara-Afrika, die häufig als Schwarzarbeiter in Landwirtschaft tätig sind.4

5.2 Bedingungen an sozialen Brennpunkten

Soziale Brennpunkte befinden sich häufig in einer Abwärtsspirale, in der ungünstige Faktoren sich gegenseitig verstärken. So führt zum Beispiel die Verschlechterung der Qualität von Schulen dazu, dass Eltern mit Bildung und Einkommen abwandern, so dass die Qualität der Zusammensetzung der Schülerschaft weiter abnimmt.

5.2.1 Parallele Verwaltungsstrukturen

Der Kontrollverlust des Staates wird begleitet von der Herausbildung alternativer Verwaltungsstrukturen, die sich auf ethnische, religiöse, familiäre oder kriminelle Elemente stützen. Dies trägt dazu bei, dass soziale Brennpunkte als Rückzugsräume u.a. islamistischer Akteure oder Strukturen der Organisierten Kriminalität dienen.

Strukturen der internationalen Organisierten Kriminalität bauen an sozialen Brennpunkten bzw. in den in Europa entstehenden informellen Siedlungen parallele, illegale ökonomische Strukturen sowie eigee Verwaltungsstrukturen auf. In solchen Siedlungen in Italien arbeiten dabei die nigerianische und die italienische Organisierte Kriminalität miteinander zusammen.5

Im niederländischen Molenbeek banden sozialistische Lokalpolitiker muslimische Wähler an sich, in dem sie mit islamistischen Organisationen und Struturen der Organisierten Kriminalität zusammenarbeiteten. Diese erhielten Handlungsfreiheit und öffentliche Förderung im Gegenzug für politische Unterstützung. So wurden etwa islamistische Organisationen mit Jugendarbeit beauftragt.6

5.2.2 Schulen

Laut einer Studie der Bildungsverwaltung Berlin meiden bildungsbewusste Eltern Schulen mit hohem Migratenanteil, da dieser als Indiktator für ein schlechtes Lernumfeld gelte. Nationale und internationale Schulleistungstests würden diese Wahrnehmung bestätigen.7

5.2.3 Sicherheit

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, sagte 2017, dass es in Berlin vor allem aufgrund von nicht integrierbaren Migranten zunehmend Bereiche gäbe, in denen Polizei und andere Behörden wie das Ordnungsamt „nur noch kurzfristig und nur mit geballten Kräften noch ordnungsgemäße Zustände herstellen können“.

Als Gefahrenräume werden solche Räume bezeichnet, in denen Kriminalität sowie antisoziales und deviantes Verhalten verstärkt auftreten und Auswirkungen auf den Alltag der Bevölkerung haben.

In Angsträumen meiden Menschen aus Sorge um ihre Sicherheit die Öffentlichkeit, etwa den ÖPNV, durchgängig oder zu bestimmten Zeiten.

Die Präsenz aggressiv auftretender junger Männer mit muslimischem Migrationshintergrund ist der wichtigste Faktor für die Wahrnehmung eines Raums als Angstraum.8

5.2.4 Private und Öffentliche Dienstleistungen

Geschäfte schließen wegen sinkender Kaufkraft und Nachfrage oder aufgrund von Kriminalität bzw. hohem Sicherheitsaufwand. Der Rückzug von Geschäften beginnt häufig mit Filialen größerer Ketten.

Bestimmte Dienstleistungen, etwa Postzustellung oder auch Anbindung an den ÖPNV werden aufgrund von Sicherheitsrisiken eingestellt oder reduziert. Der Einsatz von Rettungsdiensten wird aus Sicherheitsgründen schwieriger und kann z.T. nur noch unter Polizeischutz erfolgen.

5.2.5 Stadtbild und Immobilien

Immobilienexperten weisen darauf hin, dass in islamisch-geprägten Kulturen der öffentliche Raum wenig Wertschätzung genießt und in der Regel verwahrlost, wo ein hoher Anteil von Muslimen vorhanden ist. Auch andere Quellen beobachteten ein geringes Interesse an der Pflege des eigenen Wohnumfelds durch entsprechende Gruppen.9 Auch Roma würden laut Angaben von Stadtverwaltungen im Ruhrgebiet häufig Lebensgewohnheiten aufweisen, die zur Verwahrlosung ihres Wohnumfelds führen würden.10

Immobilienpreise sinken gegenläufig zum aktuellen Trend. Insbesondere Angehörige der Mittelschicht, die Immobilien in einem entsprechenden Raum erworben haben, werden in diesem Zusammenhang wirtschaftliche Verluste erleiden. Eigentümer, die ihre Immobilien selbst bewohnen, stehen unter hohem Druck diese zu verkaufen, um weiteren Verlusten vorzubeugen, was zum weiteren Rückgang der Immobilienpreise beiträgt.

Sinkende Immobilienpreise sorgen gleichzeitig für verstärkten Zuzug von Risikogruppen. Immobilien sind häufig überbelegt. Die Bewohner achten nur in geringem Maße auf Instandhaltung und Sauberkeit. Eigentümer investieren aufgrund der niedrigen Mieten nur in geringem Maße in die Immobilien, weshalb diese verfallen.

Es entstehen teilweise informelle Siedlungen auf nicht mehr genutzten Fabrikgeländen, in Parks oder auf sonstigen Freiflächen. Hier treten in West- und Mitteleuropa vor allem Roma in Erscheinung, während solche Siedlungen in Südeuropa vorwiegend durch Migranten aus Subsahara-Afrika geschaffen werden.

5.2.6 Allgemeines Zusammenleben

Immobilienexperten weisen darauf hin, dass in islamisch-geprägten Kulturen größere Toleranz gegenüber Lärm herrsche.

An sozialen Brennpunkten ist das Phänomen des „toxischen Stresses“ verbreitet. Das dysfunktionale kulturelle Umfeld trägt dazu bei, dass auch begabte und motivierte junge Menschen häufig nur geringe Aussichten darauf haben, funktioniernde Lebensmodelle zu entwickeln.