Stand: 08.07.2018

Diese Seite behandelt die Lage des Umfelds des Christentums in Europa in den Bereichen Wirtschaft und Soziales. Sie befindet sich noch in einem frühen Entwurfsstadium.

Die Mittelschichten europäischer Gesellschaften, die in der Vergangenheit Stützen dieser Gesellschaften waren, erodieren im Zuge der Globalisierung zunehmend, und ihre ihre Angehörigen sind immer stärker von sozialem Abstieg bedroht und Konkurrenz mit sich ausweitenden einheimischen und migrantischen Unterschichten ausgesetzt. Dies wird die ohnehin schon vorhandenen gesellschaftlichen Bruchlinien weiter vertiefen.

Die Folgen dieser Polarisierung können derzeit noch durch die verbliebene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit westlicher Gesellschaft kontrolliert werden. Fällt diese weg bzw. tritt eine größere Wirtschaftskrise ein, könnten Konflikte entlang kultureller und sozialer Bruchlinien eskalieren.

1. Mangelnde Identifikation wirtschaftlicher Eliten mit dem Gemeinwohl

Der Wirtschaftswissenschaftler Malcolm Schauf beobachtete:

Ein Gefühl der gesellschaftlichen Verantwortung für das Land ist bei heutigen Konzernlenkern nicht weit verbreitet. Die sind international orientiert. Mir sagte neulich noch ein Vorstandschef, für ihn sei das ohnehin nicht so wichtig, was hier gesellschaftlich passiert. Wenn es schlecht läuft, zieht er privat eben weg. Mittelständler sind da anders.

1.1 Abwälzung privater wirtschaftlicher Risiken auf das Gemeinwesen

Der Fernsehsender Arte strahlte 2013 eine Dokumentation mit dem Titel “Staatsgeheimnis Bankenrettung” aus, in der Harald Schumann (u.a. Mitautor des Buches “Die Globalisierungsfalle“) untersucht, zu wessen Gunsten die als “Eurorettung“ bezeichneten Maßnahmen erfolgen. Einen Artikel, der die wichtigsten Aussagen zusammenfasst, hat Schumann hier veröffentlicht.

Es wird deutlich, daß die sog. “Eurorettung” in erster Linie dazu dient, die Risiken von Anlegern auf die Gemeinwesen Europas abzuwälzen. Die Anleger hätten ihr Geld in risikoreiche Immobiliengeschäfte angelegt, die im Rahmen der diversen Immobilienblasen in Europa gescheitert seien, und erwarteten nun, dass die Steuerzahler für ihre Verluste aufkommen. Durchgesetzt würden ihre Forderungen durch zum Schaden von Staaten und Völkern handelnden Politiker, welche diese Umverteilung als “alternativlos” darstellen.

Arte hatte bereits in einer früheren Dokumentation (hier abrufbar) Handeln zum Schaden des Gemeinwohls durch ein Kartell aus Anlegern, Banken und Politikern analysiert. Einige Banken hätten demnach die Aufhebung von Regulierungen durchgesetzt, um ihre Risiken bzw. die Risiken der Anleger durch Abwälzung auf die Gemeinwesen Europas reduzieren. Die Politik beteiligte sich, weil Politiker aller Parteien durch verstärkte Schuldenaufnahme ihre jeweilige Klientel bedienen wollten und verantwortliche Ausgabengestaltung eintretende Politiker in Demokratien in der Regel rasch abgewählt wurden.

2. Zunehmende soziale Polarisierung

Soziale Polarisierung nimmt in Deutschland zu. Während das Vermögen der wohlhabendsten Bevölkerungsschicht ebenso wächst wie deren durchschnittliches Einkommen, wird die Mittelschicht in Deutschland kleiner und Aufstiegschancen werden schlechter. Die Folge ist zunehmende soziale Polarisierung.

Der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg warnte 2006:

Wir werden alles gleichzeitig haben: Verelendung, Dritte Welt in Deutschland und daneben einen obszönen Reichtum und Luxus. Die Gesellschaft wird sich spalten oder zerfallen.1

Laut Angaben des Paritätischen Gesamtverbands, stieg die Armutsquote trotz vergleichsweise günstiger wirtschaftlicher Bedingungen 2015 in Deutschland auf einen neuen Höchstwert. Obwohl das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland zwischen 2006 und 2015 um über 25 Prozent anstieg, stieg im gleichen Zeitraum die Armutsquote von 14 auf 15,7 Prozent. Als armutsgefährdet beziehungsweise arm werden dabei Haushalte erfasst, deren Einkommen geringer ist als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung. Die Armutsquote misst somit vor allem soziale Ungleichheit.

2.1 Erosion der Mittelschicht

Laut einer 2012 erschienenen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) schrumpfte die Mittelschicht in Deutschland in den 15 Jahren davor deutlich. Ihr Anteil an der Bevölkerung sei zwischen 1997 und 2012 von 65 auf 58 Prozent zurückgegangen. Besonders ausgeprägt sei dieser Rückgang in der unteren Hälfte der Einkommensmittelschichten gewesen.

  • Steigende finanzielle Lasten: Die arbeitende Mittelschicht wird künftig immer größere Lasten für Alte und Transferempfänger tragen müssen. Falls sich in Deutschland Studiengebühren nach amerikanischem Vorbild durchsetzen, könnten Angehörige der Mittelschicht zudem künftig bereits zu Beginn ihres Berufslebens entsprechend verschuldet sein.
  • Zunehmende Konkurrenz auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt: Die wirtschaftlich und sozial absteigenden Teile der Mittelschicht werden in Großstädten zunehmender Konkurrenz mit der wachsenden Unterschicht um Arbeitsplätze und bezahlbarem Wohnraum ausgesetzt sein.
  • Rückgang der Vermögen: Das Nettovermögen deutscher Haushalte gingen laut DIW zwischen 2004 und 2016 um 15 Prozent zurück.
  • Unsichere Altersvorsorge: Das umlagefinanzierte staatliche Rentensystem ist nicht nachhaltig und bereits jetzt nur mit wachsenden staatlichen Subventionen aufrechtzuerhalten, welche die finanziellen Lasten der Mittelschicht weiter erhöhen. Da dennoch die Leistungen des staatlichen Rentensystems absehbar langfristig deutlich zurückgehen werden, ruft der Staat zu privater Vorsorge auf. Durch die in Europa praktizierte Niedrigzinspolitik wird jedoch der privaten, überwiegend auf Lebensversicherungen gestützten Altersvorsorge die Grundlage entzogen, während Ersparnisse durch niedrige Zinsen und Inflation entwertet werden. Viele Anleger investieren daher in Immobilien als vermuteter sicherer Altervorsorge, was zur Blasenbildung im Immobiliensektor beiträgt. Auch Anlagen in Aktien werden aufgrund der Instabilität des Finanzsystems mit größeren Risiken verbunden sein als in der Vergangenheit. Mittel- bis langfristig werden daher voraussichtlich viele heute Angehörige der Mittelschicht Altersarmut ausgesetzt sein.

2.2 Entwicklungen im Niedriglohnsektor und prekäre Beschäftigungsverhältnisse

Der Niedriglohnsektor in Deutschland wird in Folge von Lohnkonkurrenz in den unteren Lohngruppen und Lockerung des Arbeitsrechts größer. Im Jahre 2001 zählten und 25 Prozent der 18- bis 29-Jährigen zur Gruppe der Einkommensschwachen. Bis 2013 stieg dieser Anteil auf rund 31 Prozentan.

Dem Jugendbericht der Bundesregierung zufolge weite sich der Übergang in die ökonomische Selbstständigkeit  „zeitlich deutlich aus, reicht teilweise bis weit in das ­Erwachsenenalter hinein und ist durch Unsicherheiten und steigende Prekarität von Arbeitsverhältnissen geprägt“.

Gleichzeitig geht die Nachfrage nach niedrig qualifizierten Tätigkeiten zurück, während das Angebot an Arbeitskräften durch Migration und den Abstieg von Teilen der Mittelschicht größer wird. Löhne im Niedriglohnsektor werden daher tendenziell eher sinken.

Als langfristige Folge dieser Entwicklung wird der Anteil der Renter, die auf Grundsicherung angewiesen sind, künftig steigen.

3. Überschuldung öffentlicher Haushalte

Fast alle westlichen Staaten sind überschuldet. In vielen Fällen werden Staatsbankrote durch Niedrigzinsen sowie durch den Aufkauf von Staatsanleihen durch Zentralbanken aufgeschoben.

Zahlreiche Städte vor allem in Nordrhein-Westfalen (NRW) sind faktisch bankrott. Dazu gehören u.a. Essen, Köln, Duisburg, Dortmund und Oberhausen. Die fünf am höchsten verschuldeten Städte Deutschlands liegen alle in NRW.

4. Mangelnde Nachhaltigkeit sozialer Sicherungssysteme

In Deutschland findert seit 2015 noch stärker als in den Jahrzehnten davor Zuwanderung zulasten der System sozialer Sicherung statt. Während 2013 in Deutschland der Empfänger von Arbeitslosengeld II mit Migrationshintergrund rund 43 Prozent betragen hatte, stieg er bis 2017 auf über 55 Prozent an.

Wegen schlechter Voraussetzungen was Bildung und Qualifikation angeht, wird der Großteil der seit 2015 nach Deutschland gekommenen Asylsuchenden voraussichtlich dauerhaft von Transferleistungen abhängig sein. Dies gilt auch für im Rahmen des Familiennachzugs nach Deutschland kommende Angehörige sowie voraussichtlich auch für viele ihrer Nachkommen.

In der Folge dieser Entwicklung bzw. als deren Folge wird sowohl die Finanzierbarkeit als auch die politische Unterstützung sozialer Sicherungssysteme bei deutschen Wählern sinken.

5. Entstehung und Ausweitung sozialer Brennpunkte

In den Städten Westeuropas entstehen vor allem als Folge von Migration und ausbleibender Integration zunehmend soziale Brennpunkte.

Laut einer 2018 veröffentlichten Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung nimmt in deutschen Städten die sozialräumliche Spaltung zu. Sozial schwache Menschen würden sich in zunehmendem Maße in bestimmten Stadtteilen konzentrieren.

5.1 Bildung sozialer Brennpunkte als Migrationsfolge

Der Kölner Stadtteil Vingst wies 2014 bei Minderjährigen einen Migrantenanteil von rund 70 Prozent auf. Diese stammten vor allem aus Subsaraha-Afrika, der Türkei oder dem arabischen Raum. Sozialarbeitern zufolge seien 80 bis 90 Prozent der Bewohner “völlig ungebildet, arm, psychisch instabil, stigmatisiert oder alles zusammen”. Insbesondere die Kinder würden fast alle “intensive Förderung” benötigen.

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, sagte 2017, dass es in Berlin vor allem aufgrund von nicht integrierbaren Migranten zunehmend Bereiche gäbe, in denen Polizei und andere Behörden wie das Ordnungsamt „nur noch kurzfristig und nur mit geballten Kräften noch ordnungsgemäße Zustände herstellen können“. Kontext seiner Äußerungen waren Verlendungstendenzen im Bereich Tiergarten, wo sich informelle Siedlungen südosteuropäischer Migranten gebildet hatten.

Als Folge der seit 2015 anhaltenden Migrationswelle werden sich in Deutschland neue soziale Brennpunkte herausbilden und bestehende ausweiten. Ein Beispiel dafür ist Hamburg-Billwerder, wo die konzentrierte Ansiedlung mehrerer tausend Migranten geplant ist. Die konzentrierte Ansiedlung junger Männer aus kulturellen Risikogruppen, die meist über keine Kenntnisse der deutschen Sprache oder beruflich verwertbare Qualifikationen und insgesamt in ihrer großen Mehrzahl auch langfristig kaum integrierbar sein werden wird daher voraussichtlich dazu führen, dass die von der Neuansiedlung betroffenen Räume sich zu sozialen Brennpunkten entwickeln werden.

5.2 Bedingungen an sozialen Brennpunkten

Im Zuge der Entwicklung eines Raumes zu einem sozialen Brennpunkt treten die folgenden Phänomene auf:

  • Im Umfeld sozialer Brennpunkte entstehen „Arbeiterstriche“, an denen Arbeitslose darauf warten, Beschädigung als Tagelöhner zu finden.
  • Es entstehen teilweise informelle Siedlungen, zunächst in unbewohnten Häusern oder auf nicht mehr genutzten Fabrikgeländen.
  • Geschäfte schließen wegen sinkender Kaufkraft und Nachfrage oder aufgrund von Kriminalität.
  • Bestimmte Dienstleistungen, etwa Postzustellung oder auch Anbindung an den ÖPNV werden aufgrund von Sicherheitsrisiken eingestellt oder reduziert.
  • Auch der Einsatz von Rettungsdiensten wird aus Sicherheitsgründen schwieriger und kann z.T. nur noch unter Polizeischutz erfolgen.
  • Immobilienpreise sinken gegenläufig zum aktuellen Trend. Insbesondere Angehörige der Mittelschicht, die Immobilien in einem entsprechenden Raum erworben haben, werden in diesem Zusammenhang wirtschaftliche Verluste erleiden. Sinkende Immobilienpreise sorgen gleichzeitig für verstärkten Zuzug von Risikogruppen.
  • Die Qualität des Unterrichts an Schulen wird wegen des steigenden Anteils problematischer Schüler schlechter.