Stand: 20.04.2018

Diese Seite beschreibt kulturelle und gesellschaftliche Herausforderungen für das Christentum und christliche Kultur in Deutschland und Europa. Die Seite befindet sich noch in einem frühen Entwurfsstadium.

1. Kulturelle und gesellschaftliche Auflösungserscheinungen

In Deutschland und Europa sind zahlreiche kulturelle und gesellschaftliche Auflösungserscheinungen zu beobachten.

1.1 Allgemeine Auflösungserscheinungen

  • Zunahme psychischer Störungen: Zwischen 2015 und 2016 nahmen psychische Krankheiten bei 18- bis 25-Jährigen in Deutschland laut der Krankenkasse Barmer um 38 Prozent zu.
  • Zunahme antisozialen Verhaltens: In Städten wie Berlin nimmt die irreguläre Abfallbeseitigung zu. Die Berliner Stadtreinigung erklärte 2018, dass ein nach Bezirken gestaffeltes System der Sperrmüllabholung in der Stadt nicht eingeführt werden könne, da davon auszugehen sei, dass dies zur ungeordneten Entsorgung von Abfällen missbraucht werden würde.
  • Idealisierung von Auflösungserscheinungen: 2018 waren die muslimischen Rapper Kollegah und Farid Bang für den „Echo“-Preis der deutschen Musikindustrie nominiert. Sie waren vor allem durch ihre gewaltverherrlichen, christenfeindlichen und antisemitischen Texte aufgefallen.

1.2 Die Leugnung europäischer Kultur und nationaler Kulturen

Aydan Özoğuz (SPD), die damalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, behauptete 2017, dass eine „spezifisch deutsche Kultur […] jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar“ sei.

1.3 Der geistige Verfall der Universitäten

Verdrängung des klassischen Bildungsideals durch neomarxistischen Aktivismus und postmodernen Dekonstruktivismus

Der Politikwissenschaftler Allan Bloom, ein Schüler von Leo Strauss, beschrieb 1987 in seinem Werk „The Closing of the American Mind“ kulturelle Auflösungserscheinungen vor allem in den Bereichen Geistes- und Sozialwissenschaften an amerikanischen Universitäten, die auch in Europa zu beobachten sind.

Die abendländische universitäre Tradition mit ihren Wurzeln im Denken der griechischen Antike mit ihrem Ziel des Streben nach Wahrheit werde im Zuge der Durchsetzung zunächst neomarxistischer und dann postmoderner Ideologie seit späten 1960er Jahren zunehmend durch Ideologisierung von Fächern sowie durch die Ablehnung der Vorstellung der Existenz einer objektiven Wirklichkeit verdrängt. An die Stelle der abendländischen Tradition des Denkens würden Relativismus und die Berufung auf die eigenen Gefühle treten.

Die Weitergabe des abendländischen kulturellen Erbes fände an Universitäten in immer geringerem Maße statt. Ein Erbe, das man nicht kenne, könne man jedoch nicht bewahren oder verteidigen.

1.4. Die Tendenz zur Hypermoral

Der Philosoph Reinhard K. Sprenger beschrieb die Tendenz zur Hypermoral als Folge des Verlusts der traditionellen religiösen Grundlagen von Moral, wie sie etwa in der Naturrechtslehre zum Ausdruck kommen, in Europa. Gleichzeitig gehe es bei der moralischen Aufladung von Fragen darum, eigene Interessen als „Werte“ darzustellen. Diese Tendenz schade dem Gemeinwohl:

Moralisierer denken nicht. Sie urteilen. Mehrdeutigkeit, Ambivalenz, Kontext- und Situationsbezug kennen sie nicht. […] Das erinnert an Hermann Lübbes Diktum: «Moralismus ist der Triumph der guten Gesinnung über die Gesetze des Verstandes.» Zugleich sind sie hochenergetisch, wach, tätig, misstrauisch, versierte Erniedriger höherer Ideen und Menschen, erfüllt von menschenfreundlichen Theorien. Sie gehen nicht auf Argumente ein, sondern sind empört, dass sie überhaupt vertreten werden. […]

[D]ass gute Absichten schlechte Folgen haben, egoistisches Verhalten umgekehrt sozialen Nutzen erzeugen kann – diese Gedankenwege beschreiten sie nicht. Im Regelfall wird ein Wert aus der Ambiguität herausgelöst und normativ so hoch aufgeladen, dass man sich aus der Solidargemeinschaft der Zivilisierten verabschiedet, hebt man gegen ihn die Stimme. […]

Ohne Moral geht es nicht. Aber ihre Überdehnung auf alle Lebensbereiche, die Segmentierung der Gesellschaft in Gute und Schlechte, zerstört den Wert der Moral: dem Zusammenleben zu dienen, nicht der Trennung.

1.5 Bekämpfung und Verlust von Männlichkeit und Weiblichkeit

1.5.1 Männlichkeit

Die Ablehnung traditioneller Männlichkeit durch den Feminismus

Maskulinität gilt zunehmend pauschal als „toxisch“. Maskulines Verhalten wird bereits bei Kindern pathologisiert und z.T. als angebliche Krankheit ADHS mit Psychopharmaka behandelt.

Die Feministin Gloria Steinem forderte dazu auf, Jungen so zu erziehen, als seien sie Mädchen. Jungen sollen dazu gebracht werden Schwäche und Emotionen zu zeigen und feminine Eigenschaften zu entwickeln. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass sie sich mit einer männlichen Rolle identifizieren. Teilweise wird dies damit begründet, dass die Identifikation mit dieser Rolle die individuelle Freiheit der Jungen einschränken würde. Meist steht hinter dieser Forderung aber die Ablehnung des  traditionellen Konzepts von Männlickeit.

In einigen europäischen Staaten wird in Kindergärten und Grundschulen das Konzept der „geschlechtsneutralen Erziehung“ verfolgt, dass nach Aussagen der Verantwortlichen verhindern soll, „dass die Jungs jungenhaft und die Mädchen mädchenhaft agieren“. Ein Ziel dieses Konzepts ist es, Jungen maskulines Verhalten abzuerziehen:

In dem einen Raum versammeln sich alle Mädchen, brüllen so laut sie können und werfen sich in Kriegerposen. »Ich bin stark!« rufen sie wieder und wieder, bis der ganze Raum hallt: »Ich bin staaaaaark!« Dann feuern sie mit einer imaginären Armbrust unsichtbare Pfeile in den Raum. Im anderen treffen sich die Jungs, aber statt mit Handschlag wie die Mädchen begrüßen sie sich mit einer Umarmung. Statt zu brüllen lernen sie, beim Zusammensetzen eines Mosaiks friedlich zu kooperieren. Dann massieren sie sich gegenseitig die Füße.

Jungen werden auf diese Weise in ihrer Entwicklung behindert und werden als Erwachsene nur einschränkt dazu in der Lage sein, eine Rolle als Beschützer und Versorger einer Familie einzunehmen. Der im Sinne feministischer Ideologie deformierte Mann wird es mangels maskuliner und für Frauen attraktiver Eigenschaften allgemein schwer haben, überhaupt eine Partnerin zu finden.

Entartete Formen von Maskulinität: Die „Red Pill“-Philosophie

In Folge des Verlustes an traditionellen Männlichkeitskonzepten verbreiten sich als Reaktion auf die Abwertung von Maskulinität außerdem korrumpierte Männlichkeitsbilder. Diese (etwa die Philosophie der „Red Pill“) idealisieren den dominanten, körperlich starken und sexuell leistungsfähigen Mann, kennen aber die Vorstellung nicht, dass er seine Stärke in den Dienst zu stellen und Verantwortung zu übernehmen hat.

1.5.2 Weiblichkeit

Die eigentlich weibliche Berufung, nämlich die Mutter zu sein, wird immer stärker abgewertet. So erklärte etwa die OECD sinngemäß, dass Mutterschaft eine volkswirtschaftliche Belastung darstelle, weil sie Frauen dem Arbeitsmarkt entziehe.

1.2. Die Antikultur

Der Soziologe Philip Rieff beschrieb den modernen Komplex an Ideologien und geistigen Einflüssen, der die Zerstörung der auf dem Christentum beruhenden europäischen Kultur anstrebe, als „Antikultur“.

Papst Johannes Paul II. sprach in seinem Buch „Erinnerung und Identität“ davon, dass in westlichen Gesellschaften ein Programm der „Anti-Evangelisierung“ wirke, dass sich gegen die verbliebene christliche Substanz westlicher Gesellschaften richte. Es sei global angelegt, verfüge über enorme finanzielle Mittel und ähnele in seinem destruktiven Wirken dem der mit ihm weltanschaulich verwandten totalitären Ideologien, auch wenn es sich „unter dem Anschein der Demokratie“ verberge. (Weiterlesen: Die Antikultur)