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Stand: 22.04.2018

Diese Seite beschreibt und analysiert islambezogene Herausforderungen für das Christentum und christliche Kultur in Europa.

Migration aus dem islamischen Kulturraum wird aufgrund ihrer gemessen am Kriterium des Gemeinwohls vielfach negativen Folgen in den kommenden Jahrzehnten eine zunehmende Herausforderung für große Teile Westeuropas darstellen.

Die wichtigsten negativen Folgen der wachsenden Präsenz des Islam beinhalten dabei allgemein bei vielen Muslimen ausbleibende Integration und Assimilation, kulturelle Islamisierungstenzenden und daraus resultierende kulturelle Konflikte, die Herausbildung von sich ausweitenden Problemräumen vor allem in größeren Städten sowie die Herausbildung islamisch-geprägter ethnisch-kultureller Unterschichten und daraus resultierende Spannungen und Konflikte.

Auch in der dritten und vierten Generation von Muslimen in Europa ist dabei keine signifikante positive Tendenz erkennbar, sondern eher eine negative Tendenz. Die seit 2015 verstärkt stattfindende irreguläre Migration nach Europa aus dem islamischen Kulturraum wird diese negativen Tendenzen verstärken. Deutsche Sicherheitsbehörden hatten bereits 2015 in einer ursprünglich internen Analyse vor wachsender Instabilität und ethnisch-kulturellen Konflikten in Folge unkontrollierter Zuwanderung aus dem islamischen Kulturraum gewarnt.

1. Die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung des Islam

1.1 Erforderliche Differenzierung

Muslime, die nicht radikalen Strömungen im Islam angehören, bleiben oft unsichtbar. Christen und diese Muslime eint das gemeinsame Interesse an der wirksamen Bekämpfung islamistischer Extremisten und an der Erhaltung des christlichen Erbes Europas, das die Lebensbedingungen geschaffen hat, die diese Muslime denen islamisch geprägter Gesellschaften vorgezogen haben.

Jede Betrachtung islambezogener Herausforderungen muss aber berücksichtigen, dass es auch diese Muslime gibt, mit die häufig ihre Heimat im durch das Christentum geprägten Europa gefunden haben, und die zusammen mit Christen ein gemeinsames Interesse an dessen Erhaltung haben. Dazu gehört etwa der Politikwissenschaftler und Muslim Bassam Tibi, der zu den engagiertesten Verteidigern europäischer Kultur gegen ihre islamistischen Herausforderer gehört.

Auch die syrisch-orthodoxe Nonne Hatune Dogan, die u.a. als Leiterin einer Hilfsorganisation für verfolgte Christen im Nahen Osten tätig war, wies darauf hin, dass in der Auseinandersetzung mit dem Islam und Muslimen Differenzierung erforderlich sei. So gebe es neben radikalen Strömungen im Islam, die aus christlicher Sicht eine existenzielle Herausforderung darstellen, auch diesen Strömungen indifferent oder ablehnend gegenüberstehende Muslime. Die alevitische und die schiitische Strömung im Islam verhalte sich zum Beispiel gegenüber dem Christentum weitgehend unproblematisch.

1.2 Positive Aspekte im Islam aus christlicher Sicht

Aus christlicher Perspektive gibt es auch positive und achtungswürdige Elemente im Islam und islamischer Kultur, aus denen unter Umständen auch positive Impulse für das Christentum hervorgehen können.

  • Im kulturellen Erbe des Islam finden sich auch für andere Kulturen wertvolle Elemente. Einige Gedanken des Philosophen und Historikers Ibn Khaldun über die Entwicklung von Zivilisationen sind auch in unser Vorhaben eingeflossen. In der Kultur des Islam existieren außerdem positive und wertvolle Konzepte und Praktiken, wie etwa die Tendenz zur Betonung der Gastfreundschaft.
  • Im Islam ist im Vergleich zu großen Teilen des Christentums in Europa ein stärkeres Bewusstsein dafür erhalten geblieben, dass Religion den Kern einer Hochkultur darstellt und nicht nur einen Bereich einer Kultur unter anderen.
  • Der Islam entfaltet in Diasporasituationen meist eine ausgeprägte religiöse Bindungskraft, die der des Christentums in vergleichbaren Situationen oft überlegen ist. Während des Völkermordes zwischen Hutu und Tutsi in Ruanda 1994 erwiesen sich die religiösen Bindungen unter den Muslimen des Landes allgemein stärker als ihre ethnische Zugehörigkeit. Bei vielen Christen war dies hingegen nicht der Fall.
  • Über die Jahrhunderte hinweg hat die weltliche Stärke des Islam das Christentum immer wieder mit seinen Schwächen konfrontiert, die Frage nach den Ursachen negativer Entwicklungen aufgeworfen und so zur Korrektur dieser Schwächen und Fehlentwicklungen im Christentum beigetragen.
  • Insbesondere zwischen der islamischen Mystik bzw. dem Sufismus und christlicher Mystik gibt es Anknüpfungspunkte, und Gedanken einiger islamischer Mystiker, etwa des Dichters und Philosophen Rumi, sind auch aus einer christlichen Perspektive bereichernd.
  • In vielen Fragen der Lebensführung und der Ethik und damit verbundenen gesellschaftspolitischen Fragen oder auch in der Frage der Religionsfreiheit sind die Positionen der christlichen Weltanschauung denen einiger Strömungen im Islam näher als denen mancher säkularer Strömungen in Europa.

Weitere Gedanken zu der auf der Grundlage christlicher Weltanschauung erforderlichen differenzierten Betrachtung des Islams und der Anerkennung seiner positiven Elemente finden sich hier.

1.3 Säkulare Religionsfeindlichkeit als Grundlage von pauschaler Islamfeindlichkeit

Einige säkulare Ansätze in der Auseinandersetzung mit dem Islam beruhen auf der Ablehnung jeglicher Religion. Sie stehen somit auch dem Islam pauschal negativ bis feindselig gegenüber. Dies wird der Bandbreite dessen, was sich innerhalb des Islams an Aktivitäten vollzieht, jedoch nicht gerecht.

  • Eine pauschale Ablehnung von Religion ist zum Beispiel Grundlage des gegen Muslime gerichteten Vorwurfs, dass im Islam religiöse Forderungen gegenüber staatlichen Forderungen als übergeordnet betrachtet würden. Es liegt jedoch im Wesen der Religion, dass sie auf transzendenter Wahrheit beruhende Forderungen an das eigene Leben den von anderen Menschen erhobenen Forderungen als übergeordnet betrachtet.
  • Zudem herrscht in diesen Formen der Auseinandersetzung mit dem Islam die Vorstellung vor, dass Religion allgemein eine Folgeerscheinung materiellen Mangels sowie mangelnder Vermittlung materialistisch-säkularer Weltanschauung sei. Als eigenständiges Phänomen wird Religion in entsprechenden Weltanschauungen meist nicht ernstgenommen und somit auch nicht verstanden.
  • Säkulare Islamkritik geht zudem auch dann, wenn sie nicht pauschal religionsfeindlich ist, häufig davon aus, dass die Präsenz des Islams in Europa auf ein ansonsten kulturell intaktes Umfeld stoße. Auch dies ist verkürzt gedacht, da ein kulturell intaktes Europa kein Problem damit hätte, Menschen anderer kultureller Hintergründe zu integrieren und zu assimilieren.

Radikale Tendenzen im Islam erstarken zudem auch aufgrund des beschriebenen Wirkens einiger säkularer Weltanschauungen und ihrer allgemeinen Religionsfeindlichkeit, weshalb sie kaum eine geeignete Grundlage für die Auseinandersetzung mit dem Islam und problematischen Phänomenen in ihm darstellen.

2. Islambezogene Herausforderungen und problematische Tendenzen im Islam

Problematische Tendenzen im Islam beschränken sich nicht auf dessen islamistische Strömungen. Dennoch ist in der strategischen Auseinandersetzung mit islambezogenen Herausforderungen eine Differenzierung zwischen extremistischen und militanten Strömungen einerseits und integrationshemmenden Aspekten des Islams anderersseits erforderlich. Die geistlich-theologische Auseinandersetzung mit dem Islam als Religion ist wiederum getrennt von der strategischen Auseinandersetzung mit islambezogenen Herausforderungen zu betrachten.

2.1 Die Konfliktgeschichte des Islam gegenüber dem christlichen Europa

Unmittelbar nach seiner Entstehung begann der Islam damit, dem europäischen Kulturraum feindselig zu begegnen, was sich bis ins 17. Jahrhundert in einer fast ununterbrochenen Reihe militärischer Expansionsbestrebungen äußerte. Diese vernichteten die christlich-europäische Kultur in weiten Teilen des östlichen und südlichen Mittelmeerraums.

Nachdem diese Expansionsbewegung im 17. Jahrhundert durch eine Reihe von Siegen über das Osmanische Reich beendet worden war, setzten islamische Akteure ihren Kampf gegen das Christentum auf andere Weise fort. Von Nordafrika aus operierende islamische Sklavenjäger nahmen durch Überfälle auf Schiffe und Küstenorte vor allem Mittelmeerraum bis ins späte 17. Jahrhundert mehr als eine Million Christen als Sklaven gefangen. Erst 1830 wurden die letzten christlichen Sklaven bei der Einnahme von Algier durch die Franzosen befreit. In der Türkei wurde das Christentum im 20. Jahrhundert im Rahmen des Genozids an der christlich-armenischen Bevölkerung weitgestgehend ausgelöscht.

Die Tatsache, dass mehrere Dutzend Moscheen in Deutschland nach osmanischen Eroberern benannt worden zeigt, dass im Islam der Gegenwart eine positive Anknüpfung an diese Konfliktgeschichte erfolgt und eine Distanzierung von ihr eher die Ausnahme darstellt.

2.2 Allgemeine problematische Tendenzen im Islam aus christlicher Sicht

  • Negation des Christums als Wesenskern des Islams: Der Philosoph Rhonheimer hat darauf hingewiesen, dass der Wesenskern des Islams in der Ablehnung der christlichen Offenbarung bestehe. Der Islam stelle „aufgrund seines Menschen- und Gottesbildes […] die absolute Antithese zum Christentum“ dar, da „Jesus lediglich als Prophet und nicht als Messias angesehen wird“. Der Islam sei „eine Religion, für die gerade wesentlich ist, Jesus als Erlöser des Menschen zu leugnen. Die zentrale christliche Glaubensaussage ‚Jesus ist Gottessohn, er ist Gott‘ ist für Muslime eine Blasphemie.“ Der Islam betrachtet zudem das Christentum als Ergebnis der Verfälschung der ursprünglich offenbarten Religion.
  • Tendenz zur Abwertung von Nichtmuslimen: Nach islamischer Vorstellung wurden alle Menschen als Muslime geschaffen, weshalb Nichtmuslime von der Schöpfungsordnung abweichen und tendenziell als nicht gleichwertig zu Muslimen betrachtet werden.
  • Ablehnung von Glaubens- und Religionsfreiheit: Alle relevanten Strömungen des Islams verneinen die Möglichkeit grundsätzlich, sich vom Islam abzuwenden und andere Religionen anzunehmen. Das islamische Recht erhebt einen universellen Anspruch, der sich auch auf Christen erstreckt, und von ihnen im Herrschaftsbereich des Islam Unterwerfung verlangt.
  • Einseitige Toleranzforderungen: Die Toleranz und Akzektanz, die von islamischer Seite in Europa eingefordert werden, findet in islamisch geprägten Gesellschaften meist keine Entsprechung, wenn es um Toleranz gegenüber christlichen Minderheiten geht.
  • Unwillen zur Auseinandersetzung mit problematischen Tendenzen: Auch jene Muslime, die solche Tendenzen erkennen, sind häufig nicht dazu bereit, sich mit diesen auseinandersetzen. Dies ist mutmaßlich eine Folge islambezogener kultureller Muster, welche die Annahme von Kritik als Zeichen von Schwäche und Kritik tendenziell als beleidigend wahrnehmen, solange sie nicht von hierchisch Höhergestellten ausgeht.

2.3 Mangelnde Relevanz und Glaubwürdigkeit liberaler Strömungen im Islam

Der Politikwissenschaftler Bassam Tibi trat zeitweise für die Schaffung eines in die Kultur Europas integrierten „Euro-Islam“ ein, der eine Synthese aus arabisch-islamischer Hochkultur und den Gedanken der Aufklärung sein sollte. 2016 erklärte Tibi diese Idee mangels Resonanz unter Muslimen für gescheitert.

Einige europäische Regierungen versuchen den Herausforderungen durch die Schaffung eines integrationskompatibleren Staatsislams zu begegnen, was unter Muslimen in Europa jedoch auch aufgrund der geringen religiösen Glaubwürdigkeit solcher Konzepte auf deutlich schwächere Resonanz stößt als etwa islamistische Tendenzen.

  • Solche Glaubwürdigkeitsdefizite entstehen vor allem aus der primär politischen Absicht, die hinter diesen Konzepten steht. Eine authentische Religion kann nicht auf staatlicher Initiative und politischen Nützlichkeitserwägungen beruhen, sondern muss von transzendenter Wahrheit ausgehen.
  • Weitere Glaubwürdigkeitsdefizite entstehen daraus, dass viele Vertreter liberaler Strömungen vor allem eine islamische Legitimation ihrer säkularen Lebensweise anstreben und nicht aus einer religiösen Motivation heraus zu handeln scheinen.
  • Zudem ist die Annahme, eine Weltreligion gemäß politischer Nützlichkeitserwägungen im eigenen Interesse umdefinieren zu können, Ausdruck von Hybris seitens der Regierungen, die entsprechende Konzepte verfolgen. Auch weil die hinter dieser Annahme stehende Verachtung von Religion im Allgemeinen für die meisten Muslime erkennbar ist, können die darauf beruhenden Konzepte kaum auf größere Resonanz stoßen.

Liberale Strömungen im Islam bestehen dem Islamwissenschaftler Loay Mudhoon zufolge in Deutschland nur aus „Einzelpersonen“. Der liberale Islam sei eine „Schimäre“, auf den man unrealistische Hoffnungen setze. Seine Vertreter sind unter Muslimen weitgehend isoliert und stoßen bei diesen überwiegend auf ablehnende bis feindselige Reaktionen.

2.4 Die Herausforderungen durch den politischen Islam

Der politische Islam bzw. der Islamismus ist ein integraler Bestandteil des Islam. Entsprechende Strömungen unter Muslimen erstarken auch in Deutschland weiter, während Gegenbewegungen unter Muslimen nur wenig relevant sind und keine Perspektive für eine Umkehr der Tendenz des Erstarkens islamistischer Strömungen erkennbar ist.

2.4.1 Unterstützung islamistischer Positionen unter Muslimen in Europa

Islamistische Strömungen werden nicht nur in Europa, sondern weltweit im Islam stärker. Wesentliche Gründe dafür sind ihr im Vergleich zu anderen Strömungen höherer Organisationsgrad sowie ihre finanzielle Unterstützung aus arabischen Golfstaaten. Außerdem sind sie auch religiös meist glaubwürdiger als jene Strömungen, die etwa europäische Regierungen zu fördern oder neu zu etablieren versuchen, weil sie mutmaßlich besser integrierbar sind.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen zudem, dass der Grad der Integration von Muslimen in Europa mit der Dauer der Präsenz in Europa bei einem signifikanten Teil der Muslime eher ab- als zunimmt. Im Zuge des verbreiteten Scheiterns insbesondere jüngerer Muslime in Europa machen diese zunehmend europäische Gesellschaften für dieses Scheitern verantwortlich und wenden sich islamistischen Gegenentwürfen zu. Der Politikwissenschaftler Bassam Tibi schätzte 2016, dass nur zwischen fünf und zehn Prozent der Muslime in Europa vollständig integriert seien, 

Im Zuge von Migration und demographischer Entwicklung wird das Potential kaum integrierbarer junger muslimischer Männer in Europa und damit vermutlich auch die Zahl der Islamisten weiter zunehmen.

  • Laut Erkenntnissen des an der Humboldt-Universität zu Berlin tätigen Migrationsforschers und Soziologieprofessors Ruud Koopmans seien mindestens 50-140 Millionen der volljährigen Muslime weltweit als gewaltbereit einzustufen. Die angegebenen Zahlen würden dabei laut Koopmans Untergrenzen für das tatsächliche Gewaltpotential darstellen, da einige gewaltbereite Muslime in Umfragen zum Schutz vor möglicher Strafverfolgung ihre tatsächliche Gewaltbereitschaft verschwiegen haben dürften.
  • Laut einer 2018 erschienenen Studie des Pariser „Centre National de la Recherche Scientifique“ (CNRS), die auf Befragungen von Schülern in Frankreich beruht, habe rund ein Drittel der befragten muslimischen Jugendlichen im Zusammenhang mit einer verstärkten Hinwendung zum Islam den vollständigen Bruch mit der Kultur und Gesellschaft Frankreichs vollzogen, und bis zu 70 Prozent würden islamistische Anschläge befürworten. Diese Entwicklung habe vorwiegend kulturelle Ursachen. Sozioökonomische Ursachen schließen die Forscher aus, da Islamisierungs- und damit verbundene Radikalisierungstendenzen alle sozialen Schichten unter Muslimen erfassten, während bei Anhängern anderer Religionen in keiner sozialen Schicht vergleichbare Tendenzen zu beobachten seien.
  • Eine 2017 erschienene Studie des „American Jewish Committee“ (AJC) hatte islamistische Tendenzen unter muslimischen Jugendlichen in Berlin beschrieben und den Anteil der islamistischen Vorstellungen nahestehenden Jugendlichen an einem Jahrgang dabei auf rund 30-40 Prozent geschätzt. Dieser Anteil nehme weiter zu, und diese Entwicklung sei mit zunehmender Feindseligkeit gegenüber Nichtmuslimen sowie mit hoher Gewaltbereitschaft verbunden.
  • Unter der Leitung des Religionspädagogen Ednan Aslan hatten Forscher der Universität Wien 2017 die religiöse und ethische Orientierung irregulärer muslimischer Migranten in Österreich untersucht. Über ein Drittel von ihnen würden demnach potenziell gewaltlegitimierende christenfeindliche Einstellungen vertreten. Rund 37 Prozent der Befragten würden die Ansicht vertreten, dass das Christentum in Österreich den Islam „unterdrücke“. Rund 36 Prozent seien der Ansicht, dass das Christentum „schädlich für den Weltfrieden“ sei. Rund 37 Prozent würden davon ausgehen, dass es das Ziel westlicher Staaten sei, „islamische Kulturen zu zerstören“. Die Autoren der Studie betonen, dass der Großteil der befragten Personen von christlichen Organisationen bzw. Helfern betreut werde, etwa in Einrichtungen der Caritas.
  • Eine 2018 veröffentlichte Studie des Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) über islamistische Einstellungen unter muslimischen Schülern in Deutschland stellte bei einem erheblichen Anteil der Befragten potenziell gewaltlegitimierende Einstellungen fest. Rund ein Drittel könne sich demnach „gut vorstellen, selbst für den Islam zu kämpfen“. Rund 20 Prozent seien der Ansicht, „Muslime werden auf der ganzen Welt unterdrückt; dagegen müssen sie sich mit Gewalt zur Wehr setzen“ und dass es die Pflicht von Muslimen sei, „Ungläubige zu bekämpfen und den Islam auf der ganzen Welt zu verbreiten“ sowie dass „gegen die Feinde des Islams“ mit aller Härte vorgegangen werden müsse“.
  • Einer Studie des Bundesministeriums des Innern von 2012 zufolge erreichte der Anteil derjenigen, die Integration vollständig verweigern, unter jüngeren Muslimen in Deutschland damals einen Anteil von rund 25 Prozent. Diese Muslime weisen demnach islamisch motivierte „starke Abneigungen gegenüber dem Westen“ sowie „tendenzielle Gewaltakzeptanz“ auf. Ein noch größerer Anteil zeige „starke Separationsneigungen“ und lehne die deutsche Kultur grundsätzlich ab. In diesem Zusammenhang sei zunehmend islambezogene Integrationsverweigerung sowie offensive Ablehnung deutscher Kultur vor allem unter jüngeren Muslimen in Deutschland zu beobachten.
  • Laut vergleichender Meinungsumfragen nimmt unter türkischstämmigen Muslimen in Deutschland die Zustimmung zu islamistischen Positionen zu. Nahezu die Hälfte wünschte sich demnach 2012, dass in mehr Muslime als Christen wohnen. Türkischstämmige Muslime in Deutschland würden zunehmend ihre Identität im Rahmen islamischer Konzepte und Begriffe definieren.
  • Einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von 2010 zufolge seien über 30 Prozent der türkischen Jugendlichen in Deutscland deutschfeindlich eingestellt.

Mit Anschlägen militanter Islamisten in Europa sympathisiert jedoch nur eine (wenn auch starke) Minderheit, die im Beispiel Großbritanniens laut Meinungsfragen rund 20 Prozent der örtlichen Muslimpopulation umfasst. Jüngere Erhebungen belegen zwar eine steigende Tendenz, vor allem bei im Land geborenen muslimischen Jugendlichen.

2.4.2 Unterstützung islamistischer Aktivitäten durch arabische Staaten und die Türkei

In Westeuropa verfügen Organisationen, die nichtintegrierbare oder feindselig agierende Strömungen des Islams repräsentieren und entsprechend ausgerichtete Moscheen betreiben, über enorme finanzielle Ressourcen und operieren häufig mit der Unterstützung staatlicher oder halbstaatlicher Stellen aus Ländern wie Saudi-Arabien, Kuwait und Katar oder der Türkei.

2.4.3 Das christliche Europa als Feindbild islamistischer Akteure

Militante Salafisten kündigten an, Europa zu einem „Schlachtfeld“ machen zu wollen. Es gehe dabei um die „Eroberung von Rom“, womit sie zum Ausdruck brachten, dass Europa für sie identisch mit seinem christlich-abendländischen Erbe ist und dessen Vernichtung das eigentliche Ziel ihrer Aktivitäten sei:

  • Die erste Ausgabe des Online-Magazins „Dabiq“ im Juli 2014 zeigte auf der Titelseite den Vatikan. Die Eroberung des Vatikans solle also den „Sieg über die Ungläubigen“ festschreiben. Denn dem Propheten des Islams schreiben die Ideologen des IS den Ausspruch zu, dass das Jüngste Gericht mit einer Schlacht der Muslime gegen die „Armee Roms“ in Dabiq nahe Aleppo und dem „Sturz Roms“ eingeleitet werde. Nur war zu Lebzeiten Mohammeds Ostrom, also Konstantinopel und damit das heutige Istanbul, das Zentrum der Christenheit, nicht Rom selbst.
  • Der „Islamische Staat“ (IS) hatte 2017 ein Video veröffentlicht, in dem Anschläge auf christliche Ziele in Europa angekündigt In einer Publikation des IS wurden Muslime dazu aufgerufen, Anschläge auf christliche Ziele zu verüben. Die Dresdener Frauenkirche wurde als „Versammlungsort der Kreuzzügler“ und Beispiel für ein mögliches Anschlagsziel genannt.
  • Im April 2016 hatten italienische Sicherheitsbehörden einen Anschlag auf den Vatikan verhindert. Der Kommandeur der für die Sicherheit des Papstes verantwortlichen Schweizergarde, Oberst Christoph Graf, warnte, dass ein Anschlag auf den Vatikan wahrscheinlich sei.
2.4.4 Islamistische Einflüsse in Islamverbänden in Deutschland

Die Ethnologin Susanne Schröter lehrt an der Goethe-Universität Frankfurt und ist Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI). In der FAZ vom 29.08.2017 kritisierte sie die Aktivitäten von Islamverbänden in Deutschland. Diese leugneten problematische Tendenzen im Islam und verweigerten jegliche Auseinandersetzung mit ihnen. Sie blieben zudem  weitgehend untätig, was die Bedrohung durch islamistische Akteure angehe, würden diese zum Teil aktiv und passiv unterstützen und ließen zudem „klare Grenzen zum Salafismus und Dschihadismus vermissen“.

  • Angesichts des vorhandenen Islambezugs militanter Islamisten sei es „beunruhigend, dass deutsche muslimische Verbände mit stoischer Unbeirrbarkeit tönen, der islamistische Terror habe nichts mit dem Islam zu tun; Islam sei Frieden.“
  • Islamverbände würden sich eher in einem Konflikt mit der „als penetrant empfundenen Mehrheitsgesellschaft“ als im Konflikt mit Islamisten sehen. Selbst Distanzierungen von Islamisten würden ihnen schwerfallen. Darüberhinaus fände kein Engagement gegen Islamisten statt, bzw. dieses werde sogar vehement abgelehnt.

Sie nennt zudem Beispiele für Verbindungen zwischen Islamverbänden und Islamisten sowie für die Unterstützung islamistischer Aktivitäten.

  • Der von Aiman Mazyek geführte Zentralrat der Muslime in Deutschland etwa beinhalte als mitgliederstärksten Einzelverband die „Islamische Gemeinschaft in Deutschland“, die nach Bewertung deutscher Sicherheitsbehörden der Muslimbruderschaft nahestehe.
  • Die Ditib als größter Islamverband in Deutschland würde „christenfeindliche und antiwestliche Hetze“ verbreiten und habe in einigen Fällen, etwa in  Wolfsburg und Dinslaken, „nachgewiesene Verbindungen in die salafistische Szene“ geduldet.
  • Nichtislamistische Ansätze im Islam würden von Islamverbänden zudem verbreitet abgelehnt und deren Vertreter bekämpft, etwa durch Versuche sie zu „diskreditieren und aus dem Amt zu treiben.“
2.4.5 Die Bedrohung durch den militanten Islamismus

Gilles de Kerchove, der Koordinator für die Terrorismusbekämpfung der Europäischen Union äußerte  sich 2017 zu aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Bedrohung Europas durch militante Islamisten.

  • In der EU gäbe es gegenwärtig mindestens 50.000 Personen, die dem militant-salafistischen Spektrum zuzurechnen seien. 25.000 davon würden in Großbritannien und 17.000 in Frankreich leben. Rund 5.000 militante Salafisten seien aus Europa in den Nahen Osten gereist, um dort als Kämpfer für den Islamischen Staat aktiv zu werden.
  • Die Bedrohung durch militante Islamisten sei hoch und nehme weiter zu. Militanter Islamismus werde in Europa zudem langfristig, d.h. über Jahrzehnte, eine Herausforderung bleiben.

Im diesem Zusammenhang äußerten sich jüngst auch andere Experten zur Lage, wobei sie durchweg eine Verschlechterung feststellten.

Laut einer 2017 veröffentlichten Studie von Forschern der Universität Wien sei islamistische Radikalisierung in Europa kein passiver Vorgang, der durch sozioökonomische Faktoren ausgelöst werde, sondern die Folge aktiver Auseinandersetzung mit den „Inhalten, Normen und Wertvorstellungen der islamischen Lehre“.

2.4.6 Die Unvereinbarkeit des politischen Islam mit freiheitlichen Konzepten politischer Ordnung

Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) sah in seinem 1987 erschienenen Werk „Kirche, Ökumene und Politik“ im Islam „ganz offenkundig gerade das Gegenmodell zur pluralistischen Demokratie“. Es sei daher nicht zu erwarten, dass der Islam für diese Ordnung eine tragende Rolle spielen könne.

Martin Rhonheimer lehrt Ethik und politische Philosophie an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom. In seinem 2007 in der dritten Auflage erschienenen Werk „Christentum und säkularer Staat“ untersucht er unter anderem die möglichen langfristigen Folgen von Islamisierungsprozessen für die säkularen Staaten Europas. Den Islam betrachtet er dabei in seiner real existierenden Form als einen überwiegend nicht assimilierbaren kulturellen „Fremdkörper“ und prognostiziert Europa in Folge dessen langfristig „epochale Herausforderungen“.

Der Islam könne keinen Beitrag zur Erneuerung der kulturellen Substanz Europas leisten, weil er eine eigene, sich von der christlichen und säkularen Kultur Europas deutlich unterscheidende Kultur hervorgebracht habe. Ein wachsender kultureller Einfluss des Islams in Europa erfolge daher zwangsläufig auf Kosten der kulturellen Substanz Europas.

  • Zwischen dem säkularen und liberalen Staat und dem Christentum in Europa gebe es eine Ursprungsbeziehung, weil christliche Weltanschauung ihn hervorgebracht habe. Auch wenn es ein Spannungsverhältnis zwischen Säkularismus und Christentum in Europa gebe, seien diese sich aufgrund dieses Ursprungsverhältnisses nicht grundsätzlich fremd.
  • Der Islam hingegen müsste seinen Wesenskern aufgeben, um sich in ein ähnliches Verhältnis zum säkularen Staat zu begeben wie das Christentum, weshalb die reale Beziehung zwischen Islam und säkularem Staat „eine solche der fundamentalen Unvereinbarkeit“ sei.
  • Rhonheimer verweist in diesem Zusammenhang auch auf eine Bewertung des Islam aus katholischer Perspektive durch Benedikt XVI. bzw. Joseph Ratzinger. Der Islam sei „ganz offenkundig gerade das Gegenmodell zur pluralistischen Demokratie und kann daher nicht zu deren gründenden Kraft werden.“

Ein Beispiel dafür sei die Religionsfreiheit, die im Sinne des Grundgesetzes ein Religionsverständnis voraussetze, das nicht das Verständnis des Islam sei. Was von islamischer Seite meist unter Berufung auf Religionsfreiheit eingefordert werde, beziehe sich tatsächlich auf die Sphäre des Politischen. Solche Forderungen müsse der „säkulare freiheitliche Verfassungsstaat […] kategorisch zurückweisen.“

Da der Islam die weltanschaulichen Grundlagen säkularer Demokratien nicht teilen könne ohne sich selbst aufzugeben, stelle er in entsprechenden Staaten einen „Fremdkörper“ dar:

Islam, islamische Kultur und muslimischer Glaube hingegen sind hier, in ihrer bisherigen Gestalt, Fremdkörper und in dieser ihrer originalen Gestalt auch nicht assimilierbar.

Der liberale Islam stelle keine aus dem Inneren des Islam kommende authentische religiöse Bewegung dar, sondern sei der Versuch, aus politischen Motiven heraus einen staatskompatiblen Islam zu schaffen. Aus einer solchen politischen Instrumentalisierung der Religion könne jedoch kaum eine relevante religiöse Strömung entstehen. Die Zukunft solcher Ansätze sei daher ebenso fraglich wie die Perspektiven der Integration eines signifikanten Anteils der Muslime in Europa.

Auch multikulturalistische Ansätze, die von der Möglichkeit der dauerhaften Koexistenz christlich inspirierter und islamischer Rechtsordnung ausgehen, seien zum Scheitern verurteilt. Es könne in einer Gesellschaft auf Dauer nur eine einzige politische und rechtliche Kultur geben.

Im September 2017 hatte Rhonheimer seine Überlegungen in einem in der „Neuen Zürcher Zeitung“ erschienenen Aufsatz weiter präzisiert und die prinzipielle Unvereinbarkeit islamischer und christlich-abendländischer Ordnungsvorstellungen betont:

Der IS ist keine Häresie […] sondern handelt genau nach dem in der Geschichte wiederkehrenden Muster kriegerischer islamischer Expansion. Das Vorbild ist Mohammed selbst. […]

Der Islam ist seinem Wesen nach mehr als eine Religion. Er ist ein kultisches, politisches und soziales Regelwerk, will religiöse und politisch-soziale Ordnung in einem sein. Und er war von Anfang an kriegerisch. Der Islam will das «Haus des Islam» auf der ganzen Welt verbreiten. Es geht ihm dabei nicht so sehr um religiöse Bekehrung der Nichtmuslime als um ihre Unterwerfung unter die Scharia.[…]

Für den Islam sind Nichtmuslime keine vollwertigen Menschen. Denn islamischer Lehre gemäss ist der Mensch von Natur aus Muslim, die menschliche Natur selbst, die «fitra», ist muslimisch. Nichtmuslime sind folglich Abtrünnige, «denaturierte» Menschen. Im Islam kann es deshalb keine prinzipielle Gleichheit aller Menschen aufgrund ihrer Natur und kein für alle – unabhängig von der Religionszugehörigkeit – geltendes Naturrecht geben. […]

Die christlichen Kirchen konnten für Prozesse der Selbstreinigung immer auf ihre Ursprünge rekurrieren und, sich an ihre Gründungsidee erinnernd, historischen Ballast abwerfen. Der Islam müsste sich für solche Selbstreinigung – gerade umgekehrt – von seiner Gründungsidee distanzieren, sein politisch-religiöses Doppelwesen aufgeben und sich damit in seiner religiösen Substanz verändern.

Rhonheimer sieht in Folge der grundsätzlichen Inkompatibilität des Islams mit europäischen Ordnungsvorstellungen und dessen wachsender Präsenz in Europa erhebliche Risiken auf Europa zukommen:

Misslingt solche Integration, so schließt dieser Konflikt unkalkulierbare und unvorhersehbare Risiken in sich, sobald einmal eine kritische Masse von Bürgern islamischen Glaubens in einem westlichen Staat angesiedelt ist. Alle historische Erfahrung zeigt: Je stärker die Muslime zahlenmäßig sind, umso radikaler glauben sie, umso mehr prägen sie islamisches Bewusstsein und Identität aus und umso dünner wird die Luft für Andersgläubige.

Der Islam werde wegen seines inhärenten Spannungsverhältnisses zu Kultur und politischer Ordnung Europas Rhonheimer zufolge immer stärker als „Gegenkultur“ in Erscheinung treten, was „epochale Herausforderungen“ nach sich ziehen werde.

Europa stehe deshalb zumindest ein „Wettbewerb der Kulturen“ bevor. Wahrscheinlicher sei langfristig jedoch ein darüber hinausgehender Konflikt zwischen den „radikal divergierenden zivilisatorischen Konzeptionen“ des Islams und des christlich geprägten säkularen Europas.

2.5 Das Problem der Islamisierung

Islamisierung ist der von islamistischen Akteuren ausgehende und unter anderem von Normen- und Wertekonflikten begleitete Prozess der Durchdringung von Gesellschaften durch islambezogene Praktiken, Normen, Werte und Ordnungsvorstellungen. Im Zuge von Islamisierung verändern sich gewachsene Umfelder, wobei die Veränderung an den Maßstaben christlicher Weltanschauung gemessen überwiegend negativ sind.

Während Christianisierungsprozesse mit einer Synthese christlicher Kultur und der vorgefundenen Kultur verbunden sind, bedeutet Islamisierung die Verdrängung der vorgefundenen Kultur bis hin zur Zerstörung nichtislamischen Kulturguts. Islamisierung zerstört dadurch kulturelle Vielfalt und kulturelle Substanz und erzeugt Konflikte mit anderen Kulturen und Religionen.

Laut der 2012 durch den Sozialwissenschaftler Gilles Kepel herausgegebenen Studie „Banlieue de la République“ würden sich Gebiete französischer Städte mit einem hohen Anteil von Muslimen zu Räumen entwickeln, in denen islamisches Recht das staatliche französische Recht ablöse. Diese Räume seien von der Ablehnung der Werke französischer Kultur und einem hohen Maß an Unterstützung für radikale islamische Strömungen gekennzeichnet.

Einem Bericht des französischen Inlandsnachrichtendienstes DCRG zufolge war bis 2004 in rund 300 französischen Stadtvierteln die staatliche Ordnung defacto durch eine islamische Ordnung abgelöst worden. Islamistische Organisationen hätten dort eine Infrastruktur geschaffen, die staatliche Institutionen ersetze. Die entsprechenden Viertel seien durch antiwestliche Graffiti, den zurückgehenden Gebrauch der Landessprache, das Wirken radikaler Prediger und sozialen Druck u.a. zur Verschleierung gekennzeichnet. Verbliebene Nichtmuslime würden diese Vororte zunehmend verlassen.

Das Phänonomen der Islamisierung betrifft auch Muslime. Gilles Kepel sprach von einer „Halalisierung“ des Lebens von Muslimen in Europa unter dem Druck islamistischer Einflüsse. Unter türkischen Muslimen in Deutschland nimmt zum Beispiel der Anteil der Personen zu, welche die eigene ethnische Identität mit islamischen Konzepten und Begriffen definieren.

2.6 Islambezogene Integrationsprobleme

Der dominanten Strömungen im Islam in Deutschland und Europa stellen allgemein ein Integrationshindernis dar, wie eine im im Auftrag der Deutschen Islamkonferenz erstellte Studie zeigte. Demnach nehme der Grad der Integration von Muslimen in Deutschland mit dem Grad ihrer Religiosität ab.

2.6.1 Bildungsferne

Laut einer im Auftrag der Deutschen Islamkonferenz erstellten Studie fallen Muslime gegenüber anderen Gruppen durch relative Bildungsferne auf. In Folge dieser in vielen Fällen geringen Integrierbarkeit bilden Muslime in ganz Europa zunehmend ethnisch-religiös definierte soziale Unterschichten

Sogenannte Brennpunktschulen weisen häufig einen besonders hohen Anteil muslimischer Schüler auf. Lehrer berichten, dass normaler Unterricht hier aus kulturellen Gründen oft kaum möglich ist.

2.6.2 Zivilitätsdefizite

Eine im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellte Studie über gewaltbereite muslimische Männer in Deutschland führte die bei ihnen zu beobachtenden Zivilitätsdefizite auf islamspezifische Männlichkeitsbilder zurück. Die unter Beweis gestellte Fähigkeit zur Anwendung von Gewalt führe unter diesen Muslimen zu einem Gewinn an sozialem Status. Von Männern werde ein demonstrativ dominantes und selbstbewusstes Auftreten erwartet.  Wenn ein Jugendlicher diese Eigenschaften nicht zeigt, wird er als Frau und Schwächling bezeichnet.

Einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens (KFN) zufolge nehme bei Muslimen mit steigender Religiösität die Bereitschaft zu prosozialem Verhalten ab, während ihre Gewaltbereitschaft zunehme.

An Schulen mit hohen Anteilen muslimischer Schüler sind verstärkt “Respektlosigkeit, Aggressivität und Ignoranz gegenüber dem Lehrpersonal” zu beobachten. Dies äußere sich in beleidigendem Verhalten, vor allem gegenüber Lehrerinnen. Das Sozialreferat der Stadt München berichtete, es habe den Einsatz von Mitarbeitern in Unterkünften vorwiegend muslimischer Asylbewerber aus Sicherheitsbedenken einstellen müssen. Es gebe hier verstärkt “verbale Aggressionen, unangepasstes Sozialverhalten oder Drohungen”.

Die Musikrichtung Gangster-Rap, die von gewaltverherrlichen, frauen- und christenfeindlichen sowie antisemitischen Texten geprägt wird, wird in Deutschland vor allem von muslimischen Musikern praktiziert und ist ein Bestandteil vor allem der Jugendkultur von jungen muslimischen Migranten.

2.6.3 Werte- und Normenkonflikte

Werte- und Normenvorstellungen in den verschiedenen Strömungen des Islam unterscheiden sich zum Teil signifikant mit den Werten und Normen europäischer Kulturen. Der Großteil der von islamischer Seite vorgebrachten identitätspolitischen Forderungen und Ansprüche bringt eine grundsätzliche Fremdheit zum Ausdruck.

Gleichzeitig verfügen viele Muslime über ein ausgeprägtes kulturelles Selbstbewusstsein, was mit geringer kultureller Anpassungsbereitschaft verbunden ist. Aus der Präsenz solcher Muslime in Europa ergeben sich Werte- und Normenkonflikte, in denen europäische Gesellschaften unter Druck geraten, ihre Werte und Normen entweder gegen Widerstände zu behaupten oder nachzugeben und auf den Verbindlichkeitsanspruch der eigenen Werte und Normen zu verzichten.

Ein Beispiel dafür ist das islamspezifische Frauenbild. Gegenüber nichtmuslimischen Frauen bzw. Frauen, deren Leben nicht islamischen Vorstellung folgt, wird häufig ausgeprägte Verachtung gezeigt. Im Extremfall kommt diese in Übergriffen zum Ausdruck, wie sie Muslime z.B. im großen Maßstab zu Neujahr 2016 in Köln gegen nichtmuslimische Frauen verübten.

2.7 Langfristige islambezogene Konfliktpotenziale in Europa

Auch wenn ein Teil der Muslime in Westeuropa sich zumindest im Sinne der Einnahme einer produktiven und konstruktiven Rolle in den jeweiligen Gemeinwesen erfolgreich integriert, so wird doch in den meisten Staaten dieser Region in den kommenden Jahrzehnten der Bevölkerungsanteil auch langfristig nicht integrier- oder gar assimilierbarer Muslime stetig zunehmen.

Versuche, dem durch sozialstaatliche oder Bildungsmaßnahmen entgegenzuwirken, könnten bislang nicht verhindern, dass in Europa geborene Muslime häufig schlechter integriert sind als ihre nach Europa zuwanderten Eltern und Großeltern.

Seit Jahren weltweit erstarkende konfliktorientierte Formen des Islams sind in diesem Zusammenhang auf Konfrontation mit europäischer Ordnungen und Traditionen angelegt und bilden zudem eine weltanschauliche und kulturelle Klammer ethnischer Unterschichten in Europa.

Diese zahlenmäßig durch demographische Entwicklung und forcierte Massenzuwanderung rasch wachsenden Unterschichten finden in diesen Islamkonzepten nicht nur eine Grundlage für die Behauptung der eigenen Identität in der Fremde vor, sondern auch eine organisatorische und ideologische Grundlage zur Durchsetzung eigener kollektiver Ansprüche gegen die vorläufige Mehrheitsgesellschaft.

Ein israelischer Historiker beschrieb die dabei wirksam werdenden kulturellen Konfliktmechanismen, wobei er feststellte, dass Muslime diesen Konflikt häufig bejahen und zu seiner Austragung bereit seien, während Europäer auch defensiv angelegte Selbstbehauptung verbreitet als schuldhaft betrachten und ablehnen würden.

Der französische Sozialwissenschaftler Gilles Kepel hatte 2017 gewarnt, dass islamistische Kräfte in Europa erstarken und langfristig Bürgerkriege anstreben würden. Der Islam bilde zunehmend die Grundlage einer Gegenidentität, die sich über die Ablehnung europäischer Kultur definiere. Jüngere Muslime seien dabei häufig schlechter integriert als die Generation ihrer Eltern und würden häufiger radikalen Islamvorstellungen anhängen.

In einigen Jahrzehnten wird sich dann in mehreren westeuropäischen Staaten die Frage stellen, ob die zu diesem Zeitpunkt voraussichtlich zumindest regional bestehenden muslimischen Bevölkerungsmehrheiten gegenüber christlichen Minderheiten anders handeln werden, als es in den Herkunftsgesellschaften dieser Muslime gegenüber nichtislamischen Minderheiten praktiziert wird. Der israelische Geostratege Arnon Soffer prognostizierte Europa in diesem Zusammenhang ein „hässliches Ende“ der laufenden Entwicklungen.

Aus diesen Entwicklungen ergibt sich langfristig ein erhebliches und tendenziell immer größer werdendes Potential islambezogener Militanz in Europa. Dieses wird die mit diesen Entwicklungen verbundenen zunehmenden Werte- und Verteilungskonflikte begleiten und sich nicht nur terroristisch äußern, sondern auch andere Formen politischer Gewalt umfassen.

Die gegenwärtig von den meisten westeuropäischen Staaten verfolgte Strategie, diesen Herausforderungen durch verstärkte Überwachung und Verfolgung militanter Islamisten einerseits sowie durch Versuche zur Verbesserung der sozioökonomischen Lage der muslimischen Bevölkerungen in Europa andererseits zu begegnen, greifen bislang nur unzureichend. Diese Strategie wird künftig zudem voraussichtlich in immer geringerem Maße greifen, da die dazu Verfügung stehenden Ressourcen zurückgehen, während die Herausforderungen parallel dazu zunehmen.

Christen und andere Nichtmuslime in Westeuropa werden im Zuge dieser Entwicklung zunehmend Bedingungen ausgesetzt sein, wie sie weltweit in vielen islamisch-geprägten Gesellschaften bereits jetzt zu beobachten sind. Der allgemeine Trend ist auch hier negativ und erfasst zunehmend auch Staaten wie Indonesien, das in der Vergangenheit vielfach als Erfolgsbeispiel für ein vergleichsweise friedliches Zusammenleben von Muslimen mit Nichtmuslimen angesehen wurde.

Günstiger wird die Entwicklung diesbezüglich hingegen voraussichtlich in Teilen Osteuropas verlaufen, wo die Strategie der Risikoprävention durch Steuerung von Migration sowie der präventiven Kontrolle der Präsenz von Risikogruppen wesentlich besser greift als die reaktiven Strategien westeuropäischer Regierungen. Das Risiko islamistischer Terroranschläge und anderer Formen islambezogener Militanz ist etwa in Polen, der Tschechischen Republik und Ungarn in Folge dieses präventiven Ansatzes deutlich geringer als in Westeuropa und wird voraussichtlich auch langfristig niedrig bleiben.

3. Defizite beim Umgang mit islambezogenen Herausforderungen seitens der Kirche

In der Kirche in Deutschland sind derzeit praktisch keine konkreten Schritte in Richtung einer strategischen Ansprache islambezogener Herausforderungen zu erkennen. Dies trägt dazu bei, dass Teile der Kirche  solche Herausforderungen sogar noch verstärken.

3.1 Mangel an Analyse und strategischen Ansätzen

Es fehlt nicht nur eine Islamstrategie, sondern auch eine realistische Analyse islambezogener Herausforderungen und möglichen Ansätzen ihrer Bewältigung. Zudem mangelt es in der Kirche an Expertise zu strategisch wichtigen Themen, etwa zum politischen Islam oder migrationsbedingten Herausforderungen oder auch zu Sicherheitsfragen. An die Stelle von Analyse würden laut dem Politikwissenschaftler Bassam Tibi auch in der Kirche häufig „Wunschdenken“ und „Gesinnungsethik“ treten.

Progressive Strömungen, die auch in der Kirche zunehmend aktiv sind, neigen zudem dazu, gegenüber islambezogenen Herausforderungen nur unzureichend sensibilisiert zu sein. Der Sozialwissenschaftler Gilles Kepel, der als einer der führenden Islamismusexperten weltweit gilt, hatte in diesem Zusammenhang kritisiert, dass die notwendige Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen in Europa durch das Zusammenwirken progressiver Strömungen und islamistisch geprägter Islamverbände erschwert werde, die versuchen würden, bereits die Ansprache der Herausforderungen zu tabuisieren.

Dies führte dazu, dass unter anderem die Risiken der seit 2015 anhaltenden Migrationswelle nach Europa sowie ihre Hintergründe durch große Teile der Kirche unzutreffend bewertet oder nicht erkannt wurden.

3.2 Mangelnde Abgrenzung vom Islam

Die Betonung von Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam durch die Kirche trägt dazu bei, dass Muslime, die sich vom Islam abwenden, häufig zu Atheisten oder Agnostikern werden, weil sie das Christentum nicht als religiöse Alternative zum Islam erkennen können.

Die Betonung von Gemeinsamkeiten führt zudem dazu, dass islamspezifische Probleme zunehmend als allgemeine religiöse Probleme wahrgenommen und negativ auf das Christentum projiziert werden.

3.3 Mangelnde Integrationskraft progressiver christlicher Strömungen

Die Muslime, die sich dennoch für das Christentum entscheiden, finden den Zugang zu ihm fast immer über dessen theologisch und in Fragen der Lebensführung konservative Richtungen, wozu auch die evangelischen Freikirchen gehören. Progressive Richtungen haben sich gegenüber Muslimen als kaum integrationsfähig erwiesen, was damit zusammenhängt, dass sie auch gegenüber ihren eigenen Anhängern kaum Bindungskraft entwickeln. Den Herausforderungen eines zunehmend multireligiösen Europas werden diese Strömungen daher nicht gewachsen sein.

3.4 Mangelndes Selbstbewusstsein gegenüber dem Islam

Vertreter der Kirche sind allgemein zurückhaltend, was Äußerungen zum Konflikt zwischen radikalen Strömungen im Islam und dem Christentum angeht. Hintergrund ist dabei meist nicht die Absicht zur Verharmlosung dieses Konflikts, sondern vielmehr das Bewusstsein darüber, wie akut dieser Konflikt mittlerweile ist.

Da die Kirche in dieser Lage selbst nicht über die Möglichkeit verfügt, verfolgten und angegriffenen Christen schützend zu Seite zu stehen, konzentrierte sie sich in der Vergangenheit auf Versuche, den Druck auf das Christentum zu reduzieren, indem sie es vermied, militanten Islamisten Material für ihre Propaganda zur Verfügung zu stellen. Der gebotene Einsatz zum Schutz verfolgter und angegriffener Christen wurde dabei als Sache von Staaten und Regierungen betrachtet.

Unter Islamisten stärkte dies jedoch die Wahrnehmung, dass Bindungen unter Christen nur schwach ausgeprägt seien und insbesondere die Kirche in Europa aus mangelndem Mut und mangelnder Glaubensstärke davor zurückschrecke, den im Wirkungsraum militanter Islamisten verfolgten Christen zur Seite zu stehen. Dies ermutigte radikale Muslime dazu, ihre Verfolgungen in die genozidalen Dimensionen auszuweiten, die derzeit etwa in Teilen des Nahen Ostens zu beobachten sind, und ihre Aktivitäten auch auf Europa auszweiten.

Das gegenwärtig bis an die Grenze der Christusverleugnung gehende Bestreben zur Vermeidung von Konflikten und die damit verbundene Verweigerung der Solidarität mit verfolgten Christen lassen nicht nur Muslime an der Glaubwürdigkeit des Christentums und der Kirche zweifeln, sondern auch viele Christen, wie die unverändert hohe Zahl der sich von der Kirche abwendenden Menschen zeigt.

Ein Christentum, dass den Glauben an sich selbst verloren zu haben scheint, wird kaum dazu in der Lage sein, Anhänger anderer Religionen von sich zu überzeugen. Der katholische Philosoph Martin Rhonheimer hat darauf hingewiesen, dass Europa im Zuge der Abwendung vom christlichen Glauben auch „den Glauben an die Überlegenheit unserer modernen freiheitlichen Zivilisation verloren“ habe.

Aus dieser Position heraus sei es unmöglich, glaubwürdig für die Werte und die Kultur Europas einzustehen. In der gegenwärtigen Lage müsse es darum, gehen, „unseren muslimischen Mitbürgern unseren Glauben dadurch attraktiv machen, dass wir ihn wirklich leben. Und indem wir dazu stehen, dass unsere westliche Zivilisation zu so viel Wohlstand und Lebensqualität geführt hat, weil sie auf dem Humus des Christentums gewachsen ist.“

Der Politikwissenschaftler Bassam Tibi hatte kritisiert, dass Christen in Deutschland in der Auseinandersetzung mit islambezogenen Herausforderungen eher „von ihrer eigenen dunklen Vergangenheit“ reden und sich einem „Ritual einseitiger Schuldzuweisungen“ unterziehen, als sich mit den eigentlichen Problemen auseinanderzusetzen. Das Ergebnis sei ein „verlogener Dialog“ mit dem Islam. Nicht nur Islamisten, sondern auch viele orthodoxe Muslime würden dem Christentum auch dann feindselig gegenüberstehen, wenn Christen sich „vor dem Islam anbiedernd verbeugen“. Christen sollten sich im Interesse des Gemeinwohls „mit dieser feindseligen Einstellung offen auseinander setzen, statt sie weiterhin zu verdrängen.“ Tibi kritisierte in diesem Zusammenhang, dass Christen diesbezüglich weniger ihrem Glauben als der „gesinnungsethisch verordneten Fremdenliebe der Deutschen, die es ihnen verbietet, zwischen demokratischen und undemokratischen Ausländern und Kulturen zu unterscheiden“, folgen würden.

3.5 Mangelnde Distanz gegenüber Islamisten

Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad hat im November 2017 den Umgang der Kirche in Deutschland mit dem politischen Islam kritisiert. Die Kirche lasse sich durch Islamisten instrumentalisieren, die unter anderem Dialoginitiativen ausnutzen würden, um auch mithilfe der Kirche ihre „Infra- und Machtstrukturen auszubauen“. So habe die evangelische Kirche etwa bei einer Gedenkfeier nach dem Terroranschlag in Berlin Ende 2016 mit von Verfassungsschutz beobachteten Islamisten zusammengearbeitet. Die Kirche mache sich laut Abdel-Samad hier „mitschuldig“, indem sie Islamisten „hoffähig“ mache.

Abdel-Samad bezog sich offenbar auf die Aktion „Religionen für ein weltoffenes Berlin“, die von der durch den Verfassungsschutz als islamistisch eingestuften Neuköllner Begegnungsstätte/Dar-Assalam-Moschee zusammen mit der protestantischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde initiiert worden war, und der sich neben anderen islamistischen Gruppierungen auch katholische und protestantische Organisationen angeschlossen hatten.

4. Ansätze der katholischen Soziallehre zum Umgang mit islambezogenen Herausforderungen

Die katholische Soziallehre hat vor allem unter Johannes Paul II. eine Reihe von strategischen Ansätzen zum Umgang mit islambezogenen Herausforderungen formuliert. Diese sehen einen selbstbewussten Dialog mit dem Islam mit dem Ziel dessen besseren Verständnisses, dem friedlichen Zusammenleben und der Sicherstellung christlicher Interessen bei gleichzeitiger Bekämpfung vor allem militant-islamistischer Strömungen vor. Zudem gilt auch gegenüber dem Islam der Missionsbefehl des Christentums. Entsprechende Ansätze haben wir hier zusammengefasst.