23. Juli 2018

Stand: 20.07.2018

Der Soziologe Philip Rieff bezeichnete den Komplex der Ideologien und geistigen Einflüsse, der die Zerstörung der auf dem Christentum beruhenden europäischen Kultur anstrebe, als „Antikultur“. Papst Benedikt XVI. übernahm diesen Begriff. Auf dieser noch in einem frühen Entwurfsstadium befindlichen Seite werden die Elemente dieser Antikultur vorgestellt.

Papst Benedikt XVI., der von einer „Antikultur des Todes“ sprach die westliche Gesellschaften beherrsche, schrieb dazu:

Wie ihr wohl wißt […] ist unsere Welt Schauplatz eines Kampfes zwischen dem Guten und dem Bösen; da sind mächtige negative Kräfte am Werk, die jene dramatischen Situationen geistiger und materieller Versklavung unserer Zeitgenossen verursachen, gegen die ihr, wie ihr wiederholt erklärt habt, ankämpfen wollt, indem ihr euch zum Dienst am Glauben und zur Förderung der Gerechtigkeit verpflichtet. Solche negativen Kräfte treten heute in vielfältiger Weise in Erscheinung, aber besonders offenkundig durch kulturelle Strömungen, die häufig vorherrschend werden, wie der Subjektivismus, der Relativismus, der Hedonismus, der praktische Materialismus.

Johannes Paul II. sprach in seinem Buch „Erinnerung und Identität“ davon, dass in westlichen Gesellschaften ein Programm der „Anti-Evangelisierung“ wirke, das sich gegen die verbliebene christliche Substanz westlicher Gesellschaften richte. Es sei global angelegt, verfüge über enorme finanzielle Mittel und ähnele in seinem destruktiven Wirken dem der mit ihm weltanschaulich verwandten totalitären Ideologien, auch wenn es sich „unter dem Anschein der Demokratie“ verberge.

Kardinal Henri de Lubac schrieb dazu:

Jedes Zeitalter hat seine Häresien. Jedes Zeitalter sieht auch den Ansturm des Unglaubens sich erneuern und wandeln. Lange schon – seit seiner Begründung – wird das Christentum unaufhörlich angegriffen, aber nicht immer von derselben Seite, nicht immer von derselben Art Widersacher, noch mit denselben Waffen.

1. Die vielen Namen der Antikultur

Zur Beschreibung dessen, was hier als „Antikultur“ bezeichnet wird, wurden auch andere Begriffe verwendet:

  • Papst Johannes Paul II. sprach von einer „Kultur des Todes”
  • Papst Benedikt XVI. sprach von einer „Diktatur des Relativismus” und einer „Antikultur des Todes“
  • Papst Franziskus sprach von einer „Wegwerfkultur” in Bezug auf den Menschen
  • Kardinal Robert Sarah sprach von „Globalismus“ und ideologischem Kolonialismus
  • George Weigel sprach von „atheistischem Humanismus“
  • Charles Taylor sprach von „exklusivem Humanismus“, der jegliche transzendente Bezüge ausschließe

1.1 Das biblische Babylon als Symbol der Antikultur

Im Alten Testament und Neuen Testament steht die Stadt Babylon auch als Symbol für zeitlose antikulturelle Impulse in Form des Strebens des Menschen danach, sich an die Stelle Gottes zu setzen und eine Kultur und Ordnung ohne Bindung an Gott zu schaffen. Babylon hat es im Sinne dieses Symbols zu allen Zeiten gegeben.

Im Alten Testament wird beschrieben, dass die Eliten Babylons versuchten, eine Kultur und eine politische Ordnung zu errichten, die den Menschen an die Stelle Gottes setzt.1 Babylon symbolisiert dabei keine bestimmte Stadt oder Nation, sondern ein transnationales Gebilde, das sich über „Völker und Menschenmassen, Nationen und Sprachen“ hinweg erstreckt.2 Babylon wird eher als eine übergeordnete Ordnung oder eine Ideologie beschrieben, wenn gesagt wird, sie sei „die große Stadt, der die Herrschaft gehört über die Könige der Erde“3

Babylon verbreite seinen Einfluss zudem vor allem durch Verführung in der Welt. Jeremia zufolge sei Babylon ein „goldener Becher, der die ganze Erde berauschte. Von seinem Wein haben die Völker getrunken; deshalb haben die Völker den Verstand verloren.“4 Babylon beziehe seine Macht und seinen Einfluss auch aus wirtschaftlichen Quellen: „Durch die Fülle ihres Wohlstands sind die Kaufleute der Erde reich geworden. 5 Babylon lebt in „Prunk und Luxus“6

In Babylon sei „Blut von Propheten und Heiligen gefunden worden und von allen, die auf der Erde hingeschlachtet worden sind“.7

In der Offenbarung des Johannes wird Babylon durch eine betrunkene, korrumpierte Frau symbolisiert, die sich mit einem Tier einlässt, das sie jedoch hasst und verzehren wird. 8 Das Buch nennt Babylon „die Große, die alle Völker betrunken gemacht hat mit dem Zornwein ihrer Hurerei“9 und die „große Hure […] die mit ihrer Unzucht die Erde verdorben hat“.10 Mit „ihr haben die Könige der Erde Unzucht getrieben und vom Wein ihrer Hurerei wurden die Bewohner der Erde betrunken.“ Sie sei Babylon „die Große, die Mutter der Huren und aller Abscheulichkeiten der Erde.11

Das Blut der Diener Gottes klebe an den Händen Babylons12 und sie sei „trunken war vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu.“note]Offb 17,6[/note]

Die noch kommenden Könige Babylons würden zusammen mit dem Tier herrschen. Sie „sind eines Sinnes und übertragen ihre Macht und Gewalt dem Tier. Sie werden mit dem Lamm Krieg führen, aber das Lamm wird sie besiegen.“13

Umgekehrt kämpfen die Diener Gottes auch gegen Babylon. In den Psalmen heißt es über Babylon: „Selig, wer ergreift und zerschlägt am Felsen deine Nachkommen!“14 Die „Nachkommen“ sind in diesem Kontext als die geistigen bzw. ideologischen und kulturellen Werke Babylons und entsprechende Einflüsse zu verstehen.

Christen werden dazu aufgerufen, sich von Babylon fernzuhalten, damit sie nicht mit ihm untergehen, und Babylon zu bekämpfen:

Verlass die Stadt, mein Volk, damit du nicht mitschuldig wirst an ihren Sünden und von ihren Plagen mitgetroffen wirst! Denn ihre Sünden haben sich bis zum Himmel aufgetürmt und Gott hat ihre Schandtaten nicht vergessen. Zahlt ihr mit gleicher Münze heim, gebt ihr doppelt zurück, was sie getan hat! Mischt ihr den Becher, den sie gemischt hat, doppelt so stark!15

In den Psalmen wird Babylon als die „der Verwüstung Geweihte“ bezeichnet.16 In der Offenbarung des Johannes wird beschrieben, dass Babylon durch Gott „gerichtet“ werden wird. Er werde an ihr „Rache“ nehmen und sie vernichten, weil sie das Blut seiner Diener vergossen haben.17

2. Die Akteure der Antikultur

Die eigentlichen Akteure der Antikultur sind nichtmenschlicher Art, wie der hl. Apostel Paulus erklärte:

Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs.18

Nachgeordnete Akteure der Antikultur sind von den Ideologien der Antikultur korrumpierte Menschen und Institutionen. Ein wesentlicher Akteur sind dabei große Teile der liberal-progressiven politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Eliten westlicher Gesellschaften.

Kardinal Robert Sarah zufolge fände gegenwärtig der Versuch einiger westlicher Regierungen, internationaler Organisationen und Nichtregierungsorganisationen statt, antikulturelle Ideologien im Form eines neuen, ideologischen Kolonialismus weltweit durchzusetzen.

Der Soziologe Philip Rieff bezeichnete die Akteure der Antikultur als die ersten wirklichen Barbaren der Menschheitsgeschichte, da die Barbaren der Antike wenigstens ihre eigene Kultur und Geschichte geachtet hätten. Dem Philosophen Alasdair MacIntyre zufolge würden sich die Barbaren der Gegenwart nicht jenseits der Grenzen befinden, sondern bereits seit langem regieren.

Der „Davos-Mensch“

Der Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington schuf unter Rückgriff auf einen durch den Soziologen Richard Sennett geprägten Begriff das Konzept des nach dem Veranstaltungsort des Weltwirtschaftsforums in der Schweiz benannten „Davos-Menschen“ zur Beschreibung der Angehörigen der globalen Funktionselite. Der „Davos-Mensch“ sei Teil einer sich herausbildenden kosmopolitischen „globalen Superklasse“.

Laut Huntington seien die Angehörigen dieser Gruppe beruflich hoch qualifiziert. Sie würden das Denken in nationalen Kategorien als rückständig und irrational betrachten und sich davon demonstrativ abgrenzen. Sowohl Manager als auch Aktivisten, die dieser Gruppe angehörten, würden für offene Grenzen eintreten und traditionelle Bindungen generall als etwas Rückständiges betrachten. Religion werde von den Angehörigen dieser Gruppe meist abgelehnt. Wo sie religiös seien, würden sie liberal überformten Strömungen des Christentums anhängen.

Vertreter dieser Gruppe seien vorwiegend in globalen Unternehmen, aber auch in den Medien und Politik und Politikberatung sowie an Universitäten tätig. In ihrem Denken würden sich Elemente liberaler und anderer progressiver Ideologien wiederfinden. Auf globaler Ebene würden sie sich zunehmend zu einer Parallelgesellschaft entwickeln, deren Mitglieder uneinander größere Gemeinsamkeiten aufwiesen als sie es mit den Gesellschaften täten, aus denen sie stammen. Die Angehörigen dieser Gruppe würden eine eigene Sprache sprechen, eine vereinfachte, funktionale Form des Englischen.

Die Angehörigen dieser Gruppe würden vor vor allem Aktionären und wirtschaftlichen Interessen gegenüber verantwortlich fühlen. Das Gemeinwohl einer konkreten Gemeinschaft oder die Anliegen bestimmter Bevölkerungen würden im Denken dieser Gruppe keine relevante Größe darstellen, was zu einer wachsenden Kluft zwischen diesen Funktionseliten und diesen Bevölkerungen führe.

Der Historiker Timothy Garton Ash sprach von einem sich herausbildenden „kommunistischen Kapitalismus„, einem Internationalismus der Funktionseliten die Bindungen an Nationalstaaten und die Vorstellung eines klassenübergreifend anzustrebenden Gemeinwohls einer konkreten Gemeinschaft von Menschen ablehne.

Die Soziologen Celine Teney und Marc Helbling hatten dieses Milieu untersucht und betont, dass es weltanschaulich gleichermaßen von neoliberalen als auch von progressiven politischen Ideologien geprägt sei und aus der Kombination entsprechender Motive heraus für offene Grenzen eintrete.19

Die für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ tätigen Wirtschaftsjournalisten Georg Meck und Bettina Weiguny hatten in ihrem Buch mit dem Titel „Der Elitenreport“ beschrieben, wie sich neoliberale ökonomische Ideologie in diesem Milieu mit progressiven gesellschaftspolitischen Ideologien verbinde.

Der Wirtschaftswissenschaftler Malcolm Schauf beobachtete diesbezüglich:

Ein Gefühl der gesellschaftlichen Verantwortung für das Land ist bei heutigen Konzernlenkern nicht weit verbreitet. Die sind international orientiert. Mir sagte neulich noch ein Vorstandschef, für ihn sei das ohnehin nicht so wichtig, was hier gesellschaftlich passiert. Wenn es schlecht läuft, zieht er privat eben weg.

Die an der TU Darmstadt lehrende Soziologin Cornelia Koppetsch beschrieb das kosmopolitische Milieu so:

Als Kosmopoliten bezeichne ich die akademisch gebildete, zumeist in urbanen Zentren ansässige Mittelschicht, die sich an Werten wie Toleranz und Weltoffenheit orientiert, politisch interessiert und zivilgesellschaftlich engagiert ist. Angepasst sind sie insofern, als dass sie durch Selbstoptimierung und unternehmerisches Handeln das Projekt des Neo­liberalismus verinnerlicht haben, auch wenn sie diesem eigentlich kritisch gegenüberstehen und sich ­gegen eskalierende Ungleichheiten aussprechen. Doch verhalten sich Doch verhalten sich linksliberale Werte zum neuen Kapitalismus wie ein Schlüssel zum Schloss.

Selbstverwirklichung, Kreativität, Toleranz und „Diversity“ seien die „Schlagworte, die sich der neue Kapitalismus auf seine Fahnen geschrieben“ habe:

Die linksliberalen Werte sind der Motor der Globalisierung. So haben sich einst alternative Lebensformen in ihren Strukturen überall in der Wirtschaft etabliert. […] Linke Werte sind ein Teil des herrschenden Apparats geworden. Viele Linke sind ja selbst Gate­keeper in den staatlichen oder öffentlichen Institutionen. Sie arbeiten als Pädagoginnen, Sozialarbeiter, Journalistinnen, Sozialwissenschaftler, Lehrerinnen und so weiter. Sie beherrschen die öffentliche Meinung […].

Dieses Milieu sehe sich als „Verteidiger der liberalen Demokratie, die sich die Öffnung von Grenzen und Identitäten auf ihre Fahnen geschrieben“ haben. Es faktisch Solidarität mit einem konkreten Gemeinwesen ab, was hinter einer Berufung auf eine fiktive globale Solidarität verborgen werde.

Auch wenn man nach außen für Offenheit und Inklusion eintrete, grenze man sich indirekt von anderen Milieus und Schichten ab, etwa durch hohe Mieten und Immobilienpreise:

Zu den wirkungsvollsten kosmopolitischen Grenzanlagen gehört die kapitalistische Ausrichtung des Lebensstils. Kulturelle Offenheit wird somit kompensiert durch ein hochgradig effektives Grenzregime, das über Immobilienpreise und Mieten, über ein sozial und ethnisch hoch selektives Bildungswesen sowie über den Zugang zu exklusiven Freizeiteinrichtungen und Clubs gesteuert wird. Die Abgrenzung erfolgt nicht nach außen, denn hoch qualifizierte MigrantInnen sind hier selbstverständlich willkommen, sondern nach unten.

Zu migrantischen Problemgruppen würden in der Regel „keine Berührungspunkte“ bestehen. Denjenigen, die in ihrem Lebensumfeld mit entsprechenden Herausforderungen konfrontiert seien und darüber sprechen, begegne man „mit Herablassung“.

Der Politikwissenschaftler Charles Murray sprach von der Herausbildung „ausgehöhlter Eliten“ in westlichen Gesellschaften, die keine kulturellen Standards mehr für den Rest der Gesellschaft setzen wollten und keinen entsprechenden Führungsanspruch erheben würden.20

Der Historiker Caspar Hirschi sieht den wesentlichen Treiber für den zunehmenden Verlust des gesellschaftlichen Zusammenhalts in westlichen Gesellschaften im Wirken des “kosmopolitischen Liberalismus” der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Eliten.

Hirschi bezieht sich auf eine Studie der Politikwissenschaftler Ronald Inglehart und Pippa Norris, denen zufolge das Erstarken alternativer Parteien in Europa in erster Linie nicht die Folge sozialer Entwicklungen darstelle, sondern eine Reaktion auf die kulturelle Entfernung der erwähnten Eliten von den jeweiligen Bevölkerungen sei.

Die Skepsis gegenüber diesen Eliten, die hinter dem als “Populismus” bezeichneten Phänomen stehe, sei dabei häufig begründet und nicht als Ausdruck von verzerrter Wahrnehmung abzutun:

Was ist dran an diesem Bild eines Establishments, das Wettbewerb kultiviert und Abschliessung praktiziert, das Diversität predigt und Dissidenz bestraft, das Reformen verkündet und Rituale vollzieht, das Demokratie sagt und Technokratie meint? Es vereinfacht und verzerrt zweifellos den Zustand westlicher Eliten in polemischer Absicht. Dennoch scheint es einen wunden Punkt zu treffen. […] Der Populismus […] profitiert davon, dass im Zuge der Globalisierung eine neue Elite entstanden ist, deren politischer Einfluss immens und deren demokratische Einbindung minim ist. Bei aller geografischen Diversität ist sie so homogen, dass ihre Mitglieder problemlos von einer Expat-Community in die nächste wechseln können. […] Intervenieren ihre Vertreter in die Politik, dann zur Verteidigung ihrer Interessen, aber nicht zur Teilhabe am demokratischen Prozess um der Demokratie willen. Entsprechend kommt es ihnen wenig darauf an, ob sie in einer halbdirekten Demokratie wie der Schweiz oder einer halbparlamentarischen Diktatur wie Singapur leben. Es zählen Komfort und Konsum, Stabilität und Steuerprivilegien.

Geldeliten

Der Soziologe Hans Jürgen Krysmanski unterschied zwischen Geld- und Funktionseliten, die zusammen einen „Geldmachtkomplex“ bilden würden. Zu den Geldeliten hätten um 2010 bis zu 20.000 Superreiche mit verfügbarem Vermögen über 500 Mio. US-Dollar sowie weitere ca. 100.0000 sehr reiche Personen mit Vermögen zwischen 30 und 500 Millionen US-Dollar gehört. Diese Gruppe werde vor allem durch das Ziel motiviert, ihr Vermögen zu erhalten und zu vermehren. Sie würde von einer Funktionselite aus Managern, Rechtsanwälten, Politikern, Medienschaffenden sowie Personen in Forschung und Wissenschaft und anderen Funktionsträgern umgeben, die finanziell abhängig von den Geldeliten seien.

Globale Konzerne

In den vergangenen Jahren war verstärkt zu beobachten, dass Konzerne vor allem in den USA progressiven Aktivismus unterstützen. Der Konzern Apple unterstützte zum Beispiel 2015 eine Kampagnen gegen einen Gesetzesentwurf zur Stärkung von Religionsfreiheit im amerikanischen Bundesstaat Indiana. Der Vorstandsvorsitzende von Apple, Tim Cook, behauptete, dass der Gesetzentwurf gegen Homosexuelle gerichtet sei, da es den Inhabern von Geschäften erlaube, unter der Berufung auf religiöse Gründen Aufträge abzulehnen.

Globale Nicht-Regierungsorganisationen

Organisationen wie Amnesty International, die Open Society Foundations oder die Bill & Melinda Gates Foundation streben die Abschaffung von Gesetzen an, die den besonderen Schutz von Ehe und Familie oder des ungeborenen Lebens gewährleisten sollen.

Der Politikwissenschaftler Patrick Deneen hatte das Zusammenwirken von Politikern, Nichtregierungsorganisationen und Konzernen auf der Grundlage geteilter Ideologie beschrieben. Das gemeinsame Interesse dieser Akteure sei es, materialistische Lebensstile zu fördern und traditionelle Bindungen zu schwächen.

Dieses Zusammenwirken war zuletzt bei Kampagnen in mehreren europäischen Staaten zu beobachten, in denen diejenigen Akteure, die für offene Grenzen eintreten, sich gleichzeitig für die Abschaffung von Gesetzen zum Schutz ungeborenen Lebens einsetzten und auch den Gesetze zum besonderen Schutz der traditionellen Ehe und Familie bekämpften.

  • In den USA führte die NGO „Demand Justice“, die von den Open Society Foundations finanziert wurde, 2018 eine Kampagne gegen den die Nominierung des Katholiken Brett Kavanaugh für das Amt als Richter des Obersten Gerichtshofs der USA durch, weil dieser für den Schutz ungeborenen Lebens eintritt.

3. Das Wirken der Antikultur

3.1 Die Korrumpierung des Menschen über seine Leidenschaften

Die Antikultur stellt den Menschen als materielles Wesen dar das durch seine Triebe definiert sei und den Sinn seiner Existenz in ihrer Befriedigung finde. Je umfassender der Menschen seinen Trieben nachgibt, desto freier wird er im Verständnis der Antikultur. Freiheit und Glück finde er demnach in Hedonismus, Auflösung von Bindungen, Egoismus, materiellen Dingen und  sexueller Freizügigkeit.

Die Antikultur korrumpiert den Menschen auf diese Weise über seine ungeordneten Triebe. Während der christliche Freiheitsbegriff auf der Kontrolle der Triebe  beruht, führt der Freiheitsbegriff der Antikultur in die vollständige Unterwerfung des Menschen unter diese und in immer größere Unfreiheit des Menschen. Sie betäubt den Menschen dadurch, macht ihn Blind für höheres geistiges Leben, lenkt ihn von den wesentlichen Dingen des Lebens ab und untergräbt die kulturellen Grundlagen dauerhafter Gesellschaften, die auf Triebkontrolle beruhen.

Das Christentum ist anstrengend, weil es hohe Forderungen an den Menschen stellt und mit Opfern verbunden ist, die der Mensch bei der Formung seiner Seele und der Ordnung seiner Leidenschaften lebenslang zu erbringen habe. Die Antikultur hingegen verspricht dem Menschen einen einfachen Weg zu seiner Erfüllung, der ihm bei der Befriedigung seiner Triebe und seines Egoismus keinerlei Grenzen und Einschränkungen auferlegt, sondern zu Tugenden erhebt, was zuvor als Gier, Lust und Völlerei galt. Den Begriff der Sünde kennt die Antikultur nur in ironisierter Form. Dem seinen schlechtesten Trieben folgenden Menschen verspricht sie, dass er endlich Anerkennung und Bestätigung finden könne. Sie stellt keinerlei Forderungen an den Menschen außer der, ihrem totalen Anspruch zuzustimmen und sich auszuleben.

Die Antikultur bezieht ihre Kraft daraus, dass sie alle Schwächen des Menschen anspricht und ihm verspricht, dass der Weg des geringsten Widerstandes in zu seiner Erfüllung führe und indem sie dem Menschen Ausreden und Rechtfertigungen dafür gibt, diesen Weg zu gehen. Sie redet dem Menschen das durch Verletzung seiner Ideale entstehende schlechte Gewissen aus, indem sie diese Ideale für rückständlich, lustfeindlich oder spießig erklärt, und nimmt ihm dadurch Möglichkeiten der Selbstkorrektur. Die Botschaft der Antikultur erscheint vielen Menschen dabei als freundlicher und menschlicher im Vergleich zu den asketischen, ein schlechtes Gewissen bereitenden Forderungen des Christentums.

Technologische Entwicklung potenziert dabei die Fähigkeit der Antikultur, diese Schwächen noch wirksamer anzusprechen. Ganze Industrien versuchen auf diese Weise gezielt, Süchte zu erzeugen und zu fördern.

  • Die Behauptung, dass angenehme Gefühle der Sinn des menschlichen Lebens seien, ist nicht schlüssig: Würde man sie ernst nehmen, dann würde ein Mensch, der sich bis zu seinem Ableben mit Drogen in einen entsprechend angenehmen Zustand versetzen ließe, ein sinnvolles Leben führen, was offensichtlich absurd ist. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich bei diesen Drogen um chemische Substanzen oder das andere nicht mit gutem Handeln verbundenen Quellen angenehmer Gefühle handelt. Davon abgesehen würde dieser Lebenssinn spätestens mit dem Tod des Menschen enden.
  • Hedonismus schwächt und zerstört den Menschen: Die Antikultur zerstört die kulturellen Dämme, die zuvor in Jahrhunderten zur Kontrolle der Schwächen des Menschen errichtet worden waren und ihm tatsächlich ein Maß an Freiheit und Stärke verschafften. Die Zerstörung dieser nun als überflüssig, einengend oder schädlich geltenden Dämme setzt die von der Antikultur geleugneten destruktiven Kräfte frei, welche die schrittweise die Herrschaft über den Menschen übernehmen und ihn zerstören, lebensuntüchtig machen und von Gott entfernen. Je mehr der Mensch diesen Kräften nachgibt, desto schwächer wird er, und desto tiefer sinkt er herab. Anstrengung, Opfer oder Verzicht zugunsten anderer scheinen diesem Weg folgenden Menschen als sinnlos oder falsch, weshalb sie kaum zu dauerhaften Bindungen oder sinnvollen Taten in der Lage sind. Der zum Sklaven seiner Triebe gemachte Mensch fungiert gleichzeitig von ganz alleine als Wächter seines selbstgewählten Gefängnisses, weil ihm seine Unterwerfung als Befreiung erscheint.
  • Hedonismus zerstört die Welt: In dem Maße, in dem der Mensch sich im Sinne der Antikultur „auslebt“, zerstört er nicht nur seine natürlichen Lebensgrundlagen, sondern auch Schönheit, Würde und Anstand in der Welt.
  • Hedonismus kann sein Glückversprechen nicht halten. Der seinen Trieben folgende Mensch ist niemals glücklich, sondern braucht eine immer stärkere Reize, um vorübergehend befriedigt zu sein. Seine Triebe entarten dadurch mit der Zeit ins Krankhafte. Der hedonistische Weg zum Glück führt dabei immer weiter abwärts und schließlich ins Nichts. Das Glück der Antikultur ist das Glück des Drogenabhängigen. Wer zudem im Sinne der Antikultur Liebe mit der eigenen sexuellen Befriedigung gleichsetzt, wird in Beziehungen sich und andere unglücklich machen, und ihm wird die höchste Ebene menschlicher Erfahrung unzugänglich bleiben. Jemand, der vor seiner Umkehr auf diese Weise gelebt hatte schrieb, dass Beziehungen auf antikultureller Grundlage ein Wettbewerb darum seien, wer weniger in diese investiere, um weniger verwundbar zu sein.

3.2 Die Korrumpierung des Menschen über seinen Stolz

Antikulturelle Ideologien sprechen allgemein den Stolz des Menschen an, dem es schwer fällt zu ertragen, dass nicht er der Maßstab aller Dinge ist, sondern Gott.

Egalitaristische Ideologie spricht den Stolz des Menschen und seine Neigung zum Ressentiment gegenüber allem an, was größer und erhabener ist als er. Für manche Menschen wird ihre Unterlegenheit und Niedrigkeit erträglicher, wenn sie glauben können, dass die Existenz des Höheren illegitim sei.

3.3 Die Korrumpierung des Menschen über seine Gier

3.4 Autoaggressives Verhalten

3.4.1 Bekämpfung von Kulturträgern und kultureller Substanz

Antikultur richtet sich gegen die kulturelle Substanz einer Gesellschaft und ihre als „alte, weiße Männer“ dargestellten Träger. Die Vertreter antikultureller Strömungen entsprechen dabei der Deutung Philip Rieffs, der die Antikultur im Sinne der Psychologie Sigmund Freuds als Ausdruck eines kollektiven Todestriebs und des Strebens nach der Tötung des eigenen Vaters beschrieben hatte.

3.4.2 Die Leugnung der Existenz europäischer Kultur und nationaler Kulturen

Die Leugnung oder Zurückweisung des kulturellen Erbes Europas und seiner nationalen Kulturen ist ein kulturell exotisches Phänomen, dass so nur im europäischen Kulturraum zu finden ist.

Aydan Özoğuz (SPD), die damalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, behauptete 2017, dass eine „spezifisch deutsche Kultur […] jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar“ sei.

Ein Mitarbeiter von Cem Özdemir, einem der damaligen Bundesvorsitzenden der Partei Bündnis90/Die Grünen, erklärte 2010 im Namen Özdemirs:

Ich denke, dass die christlich-abendländische Kultur als solche nicht existiert. Vielmehr wird sie konstruiert, um andere Gruppen von ihr auszuschliessen.

Das Büro Özdemirs erklärte später, das mit der Aussage nicht die Existenz dieser Kultur bestritten werden sollte, sondern nur ein Verständis dieser Kultur „zum Zweck der Exklusion anderer Religionen und Kulturen“.

3.4.3 Die Schaffung negativer Mythen und die Dämonisierung der Vergangenheit

Spät- und postmoderne Ideologien gehen meist davon aus, dass der Bruch mit der Vergangenheit die Voraussetzung für Fortschritt sei.

  • Um die eigenen Utopien als attraktiver erscheinen zu lassen, schaffen moderne Ideologien karikierende Zerrbilder der Vergangenheit, die deren Schwächen herausstellen und ihre Leistungen sowie die mit ihnen verbundenen historischen Entwicklungen jedoch verschweigen oder leugnen. Das Vergangene wird für primitiv und irrational erklärt um die Utopie aufzuwerten. Wenn der Vertreter einer entsprechenden Ideologie etwas als „mittelalterlich“ bezeichnet, meint er dies stets abwertend.
  • Es werden negative Gründungsmythen geschaffen. Fortschritt wird anschließens als der Grad der Entfernung vom Zustand und den Bedingungen definiert, die diese negativen Mythen beinhalten. Es wird nicht mehr gefragt, ob eine kulturelle Entwicklung gut ist, sondern nur, ob sie sich vom Vergangenen möglichst radikal unterscheidet. Dies ist auch in der Kirche zu finden, wenn bestimmte Aktivisten eine Idee nicht an geistigen Standards messen, sondern ihr mit dem Verweis darauf begegnen, dass sie mutmaßlich „vorkonziliar“ sei.
  • Die Vergangenheit dient dabei als Projektionsfläche für die moralisierende Selbsterhöhung der Moderne auf Kosten der Erinnerung an die Werke früherer Generationen. Indem das Vergangene als rückständig und irrational dargestellt wird, soll der revolutionäre Bruch mit ihm legitimiert werden.

Der Philosoph Alain Finkielkraut schrieb 1999 über den modernen Umgang mit der Geschichte:

Wenn die Memorialkultur überwiegend Verbrechen erinnert, dann wird der Bezug auf die kollektive Vergangenheit negativ; und dann entschwindet die Dankbarkeit gegenüber jeglicher vorangegangenen Generation und verkehrt sich in Ablehnung. Geschieht das, dann kommt der Gegenwart die Orientierung abhanden, und sie findet nur noch Halt in einem Hypermoralismus, der selbst keine Maßstäbe mehr hat.

Zudem ist der Versuch, die Erinnerung an das Vergangene auszulöschen, eine seit den Bilderstürmen übliche Vorgehensweise moderner Ideologien, die gegenwärtig in der Entfernung christlicher Symbole, Bezüge und Konzepte aus dem gesellschaftlichen Leben in Erscheinung tritt.

Auch das Umschreiben von Geschichte im Sinne der eigenen Ideologie gehört zu diesen Vorgehensweisen. Wesentliche Teile der Aufklärung etwa leugneten die ihr vorausgegangenen Werke abendländischer Kultur und schufen das bis in die Gegenwart nachwirkende Klischee eines „finsteren Mittelalters“, das sie alleine und aus eigener Kraft überwunden hätten.

Moderner Geschichtsrevisionismus wird gegenwärtig auch in Versuchen sichtbar, die Vorstellung durchzusetzen, dass Europa seine kulturellen Leistungen vor allem islamischen Einflüssen verdanke oder Kultur in Europa sich in den vom Islam unterworfenen Teilen am höchsten entfaltet hätte.

Im Zuge ihres Bruchs mit der Vergangenheit trennt sich die Moderne jedoch zunehmend auch von dem Erfahrungs- und Traditionsschatz, der ihr Funktionieren und ihre Leistungen zeitweise ermöglichte, und zerstört dadurch ihre eigenen kulturellen Grundlagen. Papst Franziskus hatte auch in diesem Sinne kürzlich die Bedeutung der Bindung an die eigenen Wurzeln für die Völker der Welt betont und dazu aufgerufen, diese Bindung wiederzuentdecken und zu erneuern. Ohne Wurzeln „kann man nicht leben: ein Volk ohne Wurzeln oder ein Volk, das sich nicht um seine Wurzeln kümmert, ist ein krankes Volk“. Auch der Soziologe Ruud Koopmans hatte darauf hingewiesen, dass Kultur sich nur aus historischer Kontinuität heraus entwickeln könne, nicht jedoch auf Grundlage einer rein negativen Darstellung der eigenen Vergangenheit.

3.4.4 Geschichtsrevisionismus

Geschichtsrevisionismus ist der politisch motivierte Versuch, Geschichte entgegen der historischen Tatsachen darzustellen, um dadurch bestimmte politische Ziele zu fördern. Solche Versuche können die Entfernung der Erinnerung an unerwünschte Sachverhalte oder deren Umdeutung im Sinne der eigenen Ideologie umfassen. Geschichtsrevisionismus wird durch die Tendenz spät- und postmoderner Ideologien gefördert, Geschichte als soziales Konstrukt zu betrachten und die Vorstellung der Existenz einer nicht der Deutung durch den Menschen unterworfenen Wahrheit (in diesem Fall historischer Wahrheit) abzulehnen.

George Orwell beschrieb in seinem Roman „1984“ den Geschichtsrevisionismus totalitärer Ideologien so:

Every record has been destroyed or falsified, every book rewritten, every picture has been repainted, every statue and street building has been renamed, every date has been altered. […] Nothing exists except an endless present in which the Party is always right.

Douglas Murray beschrieb eine multikulturalistische Variante des Geschichtsrevisionismus. Dieser wolle die Geschichte Europas im Sinne multikulturalistischer Ideologie umschreiben, damit die sich vollziehenden kulturellen Brüche weniger deutlich sichtbar würden:

Je mehr islamistische Attentate stattfanden, umso stärker wurde der Einfluss der islamischen Neo-Platonisten gelobt und die Bedeutung der islamischen Wissenschaft gepriesen. Im gleichen Jahrzehnt, in dem die Attentate stattfanden, wurde das islamische Kalifat von Cordoba zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert aus der historischen Versenkung hervorgeholt und zu einem großartigen Beispiel der Toleranz und des multikulturellen Zusammenlebens verklärt. Das war schon eine sorgfältig aufbereitete neue Version von Geschichte, aber gleichzeitig hatte sie auch die Funktion, die Vergangenheit zu beschwören, um ein wenig Hoffnung für die Gegenwart bereitzuhalten.

Die europäische Geschichte solle durch diesen Geschichtsrevisionismus den politischen Erfordernissen der multikulturellen Gegenwart angepasst werden. Als historische Wahrheit gelte dabei das politisch Erwünschte. Als der französische Mediävist Sylvain Gouguenheim vor einigen Jahren darlegte, dass griechische Texte im Nahen Osten im Mittelalter vor allem von orthodoxen syrischen Christen und nicht von Muslimen bewahrt worden waren, habe man dementsprechend nicht seine Thesen widerlegt, sondern ihm „Islamophobie“ vorgeworfen.

3.5 Die Behauptung weltanschaulicher Neutralität

Antikulturelle Ideologien definieren sich selbst häufig als weltanschaulich neutral, um andere, dadurch als nicht-neutral definierte Weltanschauungen aus der öffentlichen Diskussion und dem öffentlichen Leben zu verdrängen.

3.6 Schrittweise Eskalation und permanente Revolution

Auf einen revolutionären Bruch folgt mit zeitlichem Abstand immer ein weiterer. Dieser wird dann z.B. mit der durch den vorherigen Schritt geschaffenen „Lebenswirklichkeit“ gerechfertigt, der man durch den nächsten Schritt entsprechen müsse. Dabei wird z.B. darauf verwiesen, dass die durch den vorausgegangenen Auflösungsschritt mit erzeugten Bedingungen mittlerweile so verbreitet seien, dass weitere Kontrollversuche unrealistisch seien.

Der Soziologe Daniel Patrick Moynihan sprach vom Phänomen der schrittweisen Abwärtsverschiebung kultureller Standards („defining deviancy down“) in westlichen Gesellschaften. Dinge, die früher als kriminell, illegitim, unmoralisch oder antisozial galten, würden zunächst toleriert und schließlich akzeptabel oder sogar zur neuen kulturellen Norm werden.

3.7 Massentötung

Wo Menschen sich dem Totalitätsanspruch der Ideologie verweigert, greift diese häufig zur Massentötung. Die Französische Revolution antwortete auf das Festhalten vieler Bewohner der Vendée an der Tradition mit einem Genozid. Im 20. Jahrhundert verübten Kommunisten verschiedener Strömungen die bislang größte organisierte Massentötung in der Geschichte der Menschheit an ihren als „reaktionär“ bezeichneten Gegnern, die dafür verantwortlich gemacht werden, dass die versprochenen utopischen Bedingungen nicht eintreten.

Auch der nationalsozialistische Genozid an den Juden fand unter Berufung auf eine moderne, materialistische Ideologie statt und sollte eine bessere Welt durch die physische Vernichtung der Träger der Prinzipien der alten Welt herbeiführen.

Andere spät- und postmoderne Ideologien töten nicht ihre Gegner, nehmen aber zur Erreichung ihrer Ziele millionenfachen Tod in Kauf. Eine Welle von Angriffskriegen im Nahen Osten, die verheerende Auswirkungen auf die dort lebenden Menschen hatten, wurde laut den verantwortlichen Regierungen zur Verbreitung liberaler Ordnung geführt. Auch unter Berufung auf liberale Ideologie töten entsprechendende Gesellschaften außerdem massenhaft ihre schwächsten Angehörigen, nämlich ungeborene Kinder.

4. Geistige Elemente der Antikultur

Die Antikultur wirkt durch die Schwächen des Menschen angreifende, viral wirkende Meme und Memplexe bzw. korruptive weltanschauliche Systeme, die auf unwahren Behauptungen über den Menschen und den Sinn und Ziel seines Lebens beruhen.

Die Antikultur will die Bindung des Menschen und der Kultur an Gott lösen und durch eine Bindung an materielle, weltliche und physische Dinge ersetzen. Das Streben nach Genuß, Vergnügen, Geld, Macht oder egoistischer Selbstverwirklichung stellt in der vertikalen Dimension der Wirklichkeit ein Streben nach unten dar und weg von Gott dar. Dieses Streben ist Teil einer die Geschichte durchziehenden Rebellion des Menschen gegen Gott.

4.1 Materialismus und die Leugnung des Heiligen

Materialismus ist die wichtigste Eigenschaft moderner Weltanschauungen.

Materialistisches Denken identifiziert die Wirklichkeit vollständig mit ihren materiellen Aspekten und definiert das Übernatürliche bzw. die geistigen, nichtmateriellen Aspekte der Wirklichkeit aus ihr heraus, deren Erkenntnis für das Leben des Menschen jedoch von höchster Bedeutung ist. Es verengt dadurch den geistigen Horizont des Menschen auf einen engen Ausschnitt der Wirklichkeit.

  • Positivismus: Nur das sinnlich wahrnehmbare und physisch nachweisbare wird als real betrachtet.

4.2 Die Auflösung von Bindungen als Befreiung des Menschen

Antikulturelle Ideologien behaupten, dass der Mensch aus von traditionellen und gewachsenen Bindungen herausgelöst werden bzw. von ihnen „emanzipiert“ müsse, damit sich seine gute Natur und sein Potenzial entfalten könnten.

Menschliche Bindungen wie etwa an eine Religion, eine Tradition, eine Kultur, eine Nation oder an eine Familie werden von wesentlichen Teilen der Spät- und Postmoderne als Ausdruck von Irrationalität und illegitimer Abgrenzung oder als Ungleichheit fördernd abgelehnt. Die Auflösung entsprechender Bindungen und Zerstörung der auf ihnen beruhenden Institutionen und kulturellen Werke wird als Voraussetzung zur Befreiung des Menschen dargestellt.

Indem sie Menschen und Gesellschaften von Traditionsbeständen trennen und ihren Blick auf die Gegenwart verengen, schneiden sie sie auch von den über Jahrtausende geschaffenen, an der komplexen Natur des Menschen und der Wirklichkeit gewachsenen kollektiven Wissens- und Erfahrungsbeständen der Menschheit ab.

Antikulturelle Ideologien leugnen dabei die Natur des Menschen, der als Mängelwesen auf Kultur und Tradition sowie auf natürliche Gemeinschaften wie die Familie angewiesen ist. Durch staatliche Maßnahmen zur Herauslösung des Menschen aus diesen Bindungen wird die Natur des Menschen vergewaltigt und seine Seele verstümmelt.

Durch die Auflösung von Bindungen, etwa der an eine Familie oder an Tradition und Kultur, zerstören antikulturelle Ideologien das, was den Menschen Unabhängig vom Staat macht. Sie befreien das Individuum nicht von äußeren Zwängen, sondern liefern es vollständig der Macht staatlicher und wirtschaftlicher Großstrukturen ausgeliefert. Der „befreite“ Mensch ist als Teil einer atomisierten Masse nur Humankapital, Konsument und abhängiger Gegenstand staatlicher Betreuung und Indoktrination durch Staat und Massenmedien. Alle totalitären Ideologien haben aus diesem Grund die Auflösung gewachsener Bindungen angestrebt.

Dem Mensch wird versprochen, er könne nach seiner Lösung aus den Bindungen von Religion, Kultur und Tradition sein, was immer er sein wolle, aber die dazu neu geschaffenen Identitäten kreisen fast ausschließlich um Konsum und Ideologie.

Ohne eine intakte Familie aufwachsende Kinder sind hohen Risiken ausgesetzt, diverse soziale und andere pathologische Eigenschaften zu entwickeln, die sie von der Betreuung durch den Sozialstaat abhängig machen. Diese Kinder sind mangels der Erfahrung intakter Bindungen häufig selbst bindungsunfähig und geben die von ihre kulturellen und sozialen Defizite an kommende Generationen weiter, so dass sich diese in einer Gesellschaft verfestigen.

Zum Streben nach der Auflösung von Bindungen gehört auch das Streben nach der Auflösung moralischer Tabus. Führende progressive Intellektuelle wie Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Michel Foucault und Jacques Derrida unterzeichneten 1977 eine Petition, in der die „Entkriminalisierung“ von Pädophilie gefordert wurde.

4.3 Relativismus

Eine objektive, jenseits von menschlicher Wahrnehmung existierende geistige Wirklichkeit gebe es laut relativistischen Weltanschauungen nicht. Jeder Mensch entscheide selbst auf Grundlage seiner Gefühle, was er für richtig oder falsch halte. Gefühle können in relativistischer Ideologie einen quasi-absoluten Rang einnehmen. Die Gefühle anderer Menschen sind die einzigen Grenzen für das Handeln von Menschen, die relativistische Ideologie aus sich selbst heraus begründen kann.

Die Infragestellung von Entscheidungen, die mit Gefühlen oder anderen subjektiven Präferenzen begründet werden oder die Annahme absoluter Werte gilt in relativistischen Idelogien meist als Ausdruck von „Haß“ und „Intoleranz“.

Kardinal Joseph Ratzinger sprach 2005 von einer „Diktatur des Relativismus“ in westlichen Gesellschaften:

Einen klaren Glauben nach dem Credo der Kirche zu haben, wird oft als Fundamentalismus abgestempelt, wohingegen der Relativismus, das sich ‚vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung Hin – und – hertreiben lassen‘, als die heutzutage einzige zeitgemäße Haltung erscheint. Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten lässt.

Der Prophet Jesaja warnte vor Relativismus:

Wehe denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, die das Bittere süß und das Süße bitter machen.21

Relativistische Ideologien haben die folgenden auflösenden und destruktiven geistigen Auswirkungen:

  • Unmöglichkeit der Entwicklung des Menschen: Innerhalb eines relativistischen Weltbildes ist es für den Menschen unmöglich, sich über sich selbst zu erheben, indem er sich an einer über ihm stehenden Wahrheit orientiert. Menschen können sich auf der Grundlage eines relativistischen Weltbildes nicht entwickeln, da es in diesem kein Ziel gibt, auf das eine Entwicklung hin möglich wäre. Relativistische Ideologien streben dementsprechend auch keine Entwicklung des Menschen an, sondern bestätigen ihn in seinem vorliegenden Zustand. Der Mensch solle das tun, was ihm angenehme Gefühle bereite und vermeiden, was ihm unangenehme Gefühle bereite. Die Konfrontation des Menschen mit ihn herausfordernden Standards wird von solchen Ideologien abgelehnt.
  • Unmöglichkeit der Selbstbehauptung: Relativistische Ideologien können es nicht begründen, Opfer für etwas zu bringen, da es in ihnen nichts geben kann, was einen Wert besitzt, der Opfer rechtfertigen würde. Sie sind daher zur Selbstbehauptung gegen entschlossene Angreifer unfähig, deren Verhalten sie zudem nicht verstehen können. Maßnahmen zur Selbstbehauptung eines Gemeinwesens werden von relativistischen Ideologien häufig als diskrimierend abgelehnt.
  • Unmöglichkeit zum Handeln in Sinne des Gemeinwohls: Dieses Handeln setzt absolute Maßstäbe voraus, auf deren Grundlage die Lage bewertet und Entscheidungen getroffen werden. Relativistische Ideologie kann mangels solcher Maßstäbe weder die Lage erkennen und Ziele die das Gemeinwohl auf rationale Weise anstreben.
  • Förderung von stetiger Abwärtsentwicklung: Die Abwendung von hohen Zielen führt automatisch zur Abweärtsentwicklung und zu immer tiefer sinkenden Standards. Relativistische Argumentation, die in der „gesellschaftlichen Wirklichkeit“ eine Grundlage für Normen sieht, reduziert Standards laufend und erklärt immer niedrigere Standards zur neuen Norm.
  • Unmöglichkeit der Liebe: Es gibt in einer relativistischen Weltsicht auch nichts Erhabenes mehr, das es wert wäre, dass man ihm unter Aufgabe seiner eigenen Interessen dient oder für es Opfer bringt. Liebe im eigentlichen Sinne ist in so einem Weltbild unmöglich. Relativistische Ideologien definieren Liebe dementsprechend nicht als gebende Liebe (Agape), sondern als einen Zustand angenehmer Gefühle.
  • Unmöglichkeit der Begründung absoluter, unverfügbarer Rechte: Relativistische Ideologien beinhalten zum Teil die Annahme der Existenz von „Werten“, die jedoch relativ sind und z.B. durch Mehrheitsbeschlüsse legitimiert werden.
  • Unmöglichkeit rationaler Debatten: In einer relativistischen Weltsicht kann es keine rationalen Debatten mehr geben, da es ja keine Wahrheit mehr gibt und keine Methode, mit der man sich ihr annähern könnte. An die Stelle der Frage nach Recht oder Unrecht und nach Wahrheit oder Irrtum tritt die Berufung auf Macht oder die eigenen Gefühle. Vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften etablieren sich im Zuge der Ausbreitung relativistischer Ideoloie pseudowissenschaftliche, aktivistische Tendenzen. Die Frage nach religiöser und anderer Wahrheit wird von relativistischen Ideologien als irrelevant oder schädlich abgelehnt.

Relativistische Ideologie schadet vor allem den Schwachen, die in besonderem Maße Orientierung von außen benötigen und denen durch antikulturelle Eliten entgegen den Tatsachen suggeriert wird, dass jegliches Verhalten gleichermaßen lebensfördernd und wertvoll sei.

Relativisten neigen zur Ironisierung aller Dinge, da sie kaum in der Lage dazu sind, etwas Ernst zu nehmen.

Auch Rechtspositivismus, der die Annahme der Existenz einer absoluten, für den Menschen unverfügbaren Grundlage des Rechtes ablehnt, ist Ausdruck relativistischer Ideologie.

Douglas Murray schilderte exemplarisch die Auswirkungen relativistischen Denkens am Beispiel einer Konferenz an der Universität Heidelberg über die Geschichte der europäischen Beziehungen zum Nahen Osten. Auf dieser Konferenz sei ihm deutlich geworden, „dass man hier nichts würde lernen können, weil nichts gesagt werden durfte“:

Eine Reihe von Philosophen und Historiker verbrachte ihre Zeit mit dem fleißigen Versuch, so erfolgreich wie möglich nichts zu sagen. Je weniger gesagt wurde, umso größer war die Erleichterung und der Beifall. […] Es konnte nichts verallgemeinert, nichts Spezifisches herauskristallisiert werden. Nicht nur Geschichte und Politik standen unter Verdacht. Philosophie, Ideen und Sprache wurden hinter Absperrungen gestellt, wie ein Tatort von der Polizei. […] Die Aufgabe der Wissenschaftler war, die Absperrungen zu bewachen und für einige Ablenkungen zu sorgen, um die Wanderer um jeden Preis davon abzuhalten, sich zurück in den Bereich der Ideen zu verirren. Alle relevanten Wörter wurden sofort markiert und angefochten. Das Wort ‚Nation‘ war offenkundig ein Problem. ‚Geschichte‘ war ein anderes Wort, das nach sofortiger Unterbrechung verlangte. Wenn jemand so unvorsichtig war, das Wort ‚Kultur‘ zu benutzen, verursachte er einen Stillstand. […] Es war nicht zulässig, dass es irgendetwas bedeutete. Das Ziel dieses Spiels war – denn es handelte sich um ein Spiel -, den Schein akademischer Forschung zu erwecken, während man eine fruchtbare Diskussion unterband. […] Wenn eine übergeordnete Idee übrig geblieben ist, dann die, dass Ideen ein Problem sind. Wenn ein Werturteil übrig geblieben und allgemein anerkannt ist, dann das, dass Werturteile falsch sind. […] Und wenn das alles noch keine Philosophie bildet, so summiert es sich sicherlich zu einer Haltung: flach, unfähig, jeden dauerhaften Ansturm zu überleben, aber einfach anzunehmen.

4.4 Die Leugnung der Natur des Menschen

Antikulturelle Ideologien leugnen die Vorstellung einer unverfügbaren Natur des Menschen. Diese Annahme wird als „essentialistisch“ abgelehnt.

Papst Benedikt XVI. sprach diesbezüglich von einer „anthropologischen Revolution“, die bestreite, dass der Mensch “ eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist“.

  • Aus liberaler und postmoderner Sicht könne sich der Mensch nach seinen eigenen Maßstäben selbst definieren. Bei sämtlichen Annahmen über seine Natur handele es sich um „soziale Konstrukte“, die ihn in seiner Freiheit einschränkten und daher aufzulösen seien.
  • Aus neomarxistischer Sicht soll der Mensch im Sinne der Ideologie geformt werden. Grenzen für die Formbarkeit des Menschen gebe es nicht.

Die Leugnung des freien Willens

Während die frühe Aufklärung und der klassische Liberalismus die Bedeutung des freien Willens noch betonten, leugnen materialistische Ideologien der Gegenwart dessen Existenz. Der freie Wille sei eine durch das Gehirn erzeugte Illusion. Tatsächlich seien die Entscheidungen des Menschen das Ergebnis materiell determinierter Abläufe.

Yuval Noah Harari gehört zu denen, die dieses Menschenbild vertreten. Es gebe keinen freien Willen, sondern nur „biochemische Algorithmen“, die das Denken und Handeln des Menschen determinieren würden.22

Die Leugnung der Geschlechtlichkeit des Menschen

Von postmoderner und neo-marxistischer Ideologie beeinflusste Gender-Ideologie geht von der Annahme aus, dass Geschlechterrollen ein soziales Konstrukt zur Sicherung der Macht einer herrschenden Klasse sei.  Auch die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen wird verbreitet bestritten und als unterdrückendes soziales Konstrukt abgelehnt.

Feministische Ideologie leugnet die weibliche Natur der Frau, bekämpft ihre Äußerungen und stellt dies als Kampf für die Rechte der Frau dar. Viele Feministinnen litten unter Identitätsstörungen, und ihre Ideologie war vermutlich Ausdruck ihres Selbsthasses.

Jegliche biologische Aspekte der Natur des Menschen werden von entsprechenden Ideologien abgelehnt und entsprechende Annahmen als „biologistisch“ abgelehnt.

4.5 Egalitarismus

Egalitaristische Ideologie strebt die Beseitigung der Unterschiede zwischen Menschen oder Gruppen von Menschen ab. Sie strebt in diesem Zusammenhang nach allgemeiner Vereinheitlichung und lehnt es ab, Unterscheidungen vorzunehmen, Unterschiede zu akzeptieren und Grenzen zu ziehen.

Da angenommen wird, dass alle Kulturen gleich seien, können Unterschiede zwischen ihnen nur dadurch erklärt werden, dass bestimmte Kulturen ihre Höhe durch die Unterdrückung der anderen erreicht hätten. Die Höhe europäischer Kultur gilt im egalitaristischen Denken daher als ein Beleg eines moralischen Makels. Durch Zerstörung und Auflösung dieser Kulturhöhe soll Gleichheit hergestellt werden.

Unterscheidungen jeglicher Art werden als Ausdruck illegitimer Diskriminierung betrachtet, etwa die Unterscheidung zwischen Eigenem und Fremden. Nur ein Bekenntnis der aktiven Ablehnung des Eigenen und die Unterstützung seiner Bekämpfung sowie die Bejahung des destruktiven Wirkens des Fremden kann einen Menschen in egalitaristischem Denken vom Verdacht des Rassismus befreien.

Ungleiches wird von egalitaristischer Ideologie für Gleich erklärt, etwa eine Lebensgemeinschaft beliebiger Personen und die Ehe von Mann und Frau oder das Läuten von Glocken an christlichen Kirchen und der Gebetsruf des islamischen Muezzin.

Egalitaristisches Denken lehnt die hierarchische Ordnung der geistigen Welt ab. Das Höhere wird herabgezogen und das Niedrige idealisiert, um hier Gleichheit herzustellen. In der Kunst wird der Gedanke des Schönen für reaktionär erklärt und die Schaffung häßlicher Werke als Ausdruck kritischen Denken, das reaktionäre Schönheitideale dekonstruiere, als Ideal dargestellt. Postmodernes Denken geht soweit, die Anname der Existenz von Wahrheit als solcher abzulehnen.

Egalitarismus ist eng mit der Leugnung der Natur des Menschen, etwa seiner Natur als Mann und Frau oder als Teil einer Tradition, verbunden. Natürliche Unterschiede zwischen Mann und Frau werden geleugnet. Das Vorhandensein solcher Unterschiede wird als Ausdruck von Diskriminierung erklärt und bekämpft, um Gleichheit herzustellen.

Was Anstrengung erfordert wird abgelehnt, weil es die Fähigen und Willensstarken bevorzugt.

Der Liberalismus unterscheidet sich in seiner tendenziellen Ablehnung des Egalitarismus in diesem Punkt von anderen antikulturellen Ideologien.

Da spät- und postmoderne Ideologien das Konzept der Gleichheit des Menschen vor Gott ablehnen, können sie die Idee der prinzipiellen Gleichwertigkeit der Menschen nur aufrechterhalten, indem sie eine grundsätzliche Gleichheit aller Menschen unterstellen.

Die Idealisierung des Niedrigen und die Ablehnung des Herausragenden

Wer aus der Masse der Gleichen herausragt, riskiert es, als Feind der Gleichheit bekämpft zu werden, da er nach egalitaristischer Vorstellung das, was ihn größer macht, nur auf Kosten anderer erlangt haben kann.

Das Funktionierende, Intakte, Hohe, Reine, Heilige, Schöne und Kultivierte wird von egalitaristischen Ideologien zur Herstellung von Gleichheit bekämpft, während das Abnorme, Häßliche und Dekadente idealisiert wird. Der Egalitarismus schafft sich somit eine eigene geistige Hierarchie durch Umkehrung der traditionellen Hierarchie der geistigen Dinge.

C.S. Lewis wies darauf hin, dass mit der Entmachtung des Adels und der Abschaffung der Monarchien die Eliten nicht aus der Welt verschwunden seien. Menschen hätten ein natürliches Bedürfnis nach Orientierung, und an die Stelle des Adels oder der Helden und Heiligen früherer Zeiten seien in egalitaristischen Gesellschaften Pop- und Filmsstars oder Sportler als Ideale getreten.

4.7 Lebensfeindlichkeit

Der Mensch wird von spät- und postmodernen Ideologien meist als Mittel zum Zweck ökonomischer oder anderer Prozesse betrachtet. Was als „Befreiung“ der Frau dargetellt wird, ist die Zerstörung ihrer Leben in die Welt bringenden Rolle als Mutter und ihre Verwertung als Humankapital. Die Möglichkeit der Tötung des eigenen Kindes durch Abtreibung gilt in progressiven Ideolgien allgemein als „Menschenrecht“.

Führende progressive Intellektuelle wie Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Michel Foucault und Jacques Derrida unterzeichneten 1977 eine Petition, in der die „Entkriminalisierung“ von Pädophilie gefordert wurde.

5. Kritik antikultureller Ideologien

Johannes Paul II. sagte, dass es „Ideologien des Bösen“ gebe, die „tief in der Geschichte des europäischen philosophischen Denkens verwurzelt“ seien, insbesondere in der französischen Strömung der Aufklärung. Durch die Trennung des Menschen von Gott würden solche Ideologien destruktiv wirken. Er bezog sich dabei vor allem auf den Kommunismus.

5.1 Die Notwendigkeit der Differenzierung

  • Die Aufklärung war mit vielen positiven Entwicklungen verbunden.
  • Liberalismus kann als politisches und wirtschaftliches Ordnungsprinzip dem Gemeinwohl dienen.
  • Feministischer Aktivismus strebt zum Teil nach Wertschätzung der Frau und richtet sich gegen reale Misstände wie Machtmissbrauch durch Männer oder Übergriffe gegen Frauen.

5.2 Aufklärung

Die Aufklärung ist ein komplexes und vielschichtiges geistesgeschichtliches Phänomen, das keine einheitliche geistige Strömung beschreibt, und das neben guten auch ambivalente oder schlechte Elemente umfasst. Lenin und Hitler sind ebenso Teil der Tradition der Aufklärung wie Locke oder Kant.

Allgemein bezeichnet der Begriff der Aufklärung die Betrachtung des Menschen als höchste moralische Autorität. Typisch für die Aufklärung ist auch ein Fortschrittsbegriff, der diesen an materiellen Kriterien wie naturwissenschaftlicher, technischer und wirtschaftlicher Leistung sowie am Grad der als Befreiung verstandenen Lösung des Menschen aus traditionellen Bindungen misst.

Johannes Paul II. kritisierte, dass die Aufklärung Dinge, die tief in Christentum verwurzelt seien, im Gegensatz zum Christentum gestellt und als ihre exklusive Leistung ausgegeben habe. Insbesondere die französische Aufklärung habe destruktive Auswirkungen gehabt:

Die Aufklärung stellte sich in ihren verschiedenen Ausdrucksformen dem entgegen, was Europa aufgrund der Evangelisierung geworden war.

Sie habe die Trennung der Kulturen Europas von ihren religiösen Wurzeln angestrebt und damit großen Schaden erzeugt.

5.3 Postmoderne Ideologien

Diese sind betont relativistisch und setzen die Trennung der Kultur von ihren religiösen Wurzeln fort, weisen dabei aber auch die Leistungen und Stärken der Aufklärung zurück.

Ihr Ziel ist die „Dekonstruktion“ aller Absolutheiten. Jeglicher Wahrheitsanspruch beruhe tatsächlich auf einem Machtanspruch. Die Möglichkeit von Objektivität wird von diesen Ideologien grundsätzlich verneint.

Es gibt Überschneidungen zwischen neo-marxistischen und postmodernen Ideologien. An die Stelle des Kapitalismus als unterdrückendem und daher zu bekämpfendem Akteur setzen postmoderne Ideologien u.a. das Klischee der „alten, weißen, hererosexuellen, christlichen Männer“ als Feindbild.

5.4 Positivismus

Die Ideologie des Positivismus geht vor allem auf Auguste Comte zurück, der als Begründer der Soziologie gilt. Er ging davon aus, dass alle Phänomene, darunter auch menschliches Verhalten, die Folge des Wirkens materieller Faktoren ist, die mit den Mitteln der Naturwissenschaft vollständig verstanden werden können.

5.5 Atheismus

Atheismus ist eine häufige Begleiterscheinung bzw. Eigenschaft materialistischer Ideologien und keine eigenständige Ideologie.

Atheistismus kommt im Umgang mit religiösen Gedanken über bloße Polemik meist nicht hinaus. Ein wirkliches Interesse daran, diese zu verstehen und die eigene Kritik auf entsprechender Erkenntis zu gründen, ist meist nicht vorhanden, weil Religion a priori als irrational und somit als außerhalb des Rahmen des Ernstzunehmendem wahrgenommen wird.

5.6 Liberalismus

Es muss zwischen dem Liberalismus als materialistischer Weltanschauung und dem Liberalismus als politischer und ökonomischer Ordnung verstanden werden. Als politische und ökonomische Ordnungsvorstellung argumentiert der Liberalismus zum Teil auf der Grundlage des Naturrechts und kann mit der katholischen Soziallehre kompatibel sein bzw. hat Impulse zu deren Gestaltung bereitgestellt.

Der katholische Philosoph Josef Pieper verwendete den Begriff des Liberalismus als Sammelbegriff für materialistische Ideologien und Philosophien. Der „aufklärerische Liberalismus“ sei eine Sammlung von „religiösen und metaphysischen Irrlehren“ und ein trotz vielfältiger Ausprägungen im Grunde einheitliches „Geflecht von Mißdeutungen der objektiven Menschenwirklichkeit“, das „unausweichlich zu einer wirklichkeitswidrigen Verzerrung auch des ethischen Menschenbildes“ geführt habe.

Mit seiner optimistischen Sicht der Natur des Menschen könne der Liberalismus das Böse nicht verstehen und unterschätze seine Kraft. Liberales Denken, das Ausdruck „metaphysischer Bürgerlichkeit“ und seinem Wesen nach unheroisch sei und nach individuellen Vorteilen und materiellen Glückvorstellungen strebe, verfüge nicht über die nötigen Voraussetzungen, um nach höchsten Gütern zu streen.

Liberalismus ist ein materialistische Weltanschauung, die aufbauend auf den Gedanken u.a. von Thomas Hobbes gesellschaftliche Bedingungen anstrebt, unter denen das Individuum als die Einheit, von der liberales Denken ausgeht, die von ihm selbst gesetzten Ziele möglichst ungehindert von äußeren Einflüssen erreichen kann.

Als ideale weil rationale Ziele gelten dabei ausschließlich materielle Ziele wie die Maximierung von Wohlstand, technisch-naturwissenschaftlichen Wissens und entsprechender Fähigkeiten oder des individuellen Wohlbefindens sowie von Gesundheit und Lebensdauer. Voraussetzung dafür sei die Lösung des Menschen aus Bindungen, die ihn bei der Erreichung dieser Ziele behindern.

Soziale Beziehungen werden als Verträge verstanden, die zu beiderseitigem Vorteil geschlossen werden. Auch der Staat legitimiere sich durch einen „Gesellschaftsvertrag“ bzw. durch die von ihm erbrachten Leistungen für das Individuum, etwa Sicherheit und Wohlstand.

  • Das Individuum wird von liberaler Ideologie prinzipiell als autonom und sich selbst definierend verstanden. Die Vorstellung einer absoluten, unverfügbaren moralischen Ordnung oder einer unveränderlichen Natur des Menschen wird durch große Teile des Liberalismus der Gegenwart abgelehnt. Familiären, traditionellen oder nationalen Bindungen steht liberale Ideologie skeptisch oder ablehnend gegenüber, da sie nicht freiwillig eingegangen würden und häufig nicht dem allen Seiten Vorteile sichernden liberalen Vertragsideal sozialer Beziehungen entsprächen.
  • Rechtsliberalismus betont wirtschaftliche Freiheit und Eigenverantwortung, während Linksliberalismus die freie Entfaltung des Individuums nach nicht objektiv zu bewertenden, subjektiven Maßstäben betont. Der Zweck des Staates sei es, dies zu ermöglichen und dazu traditionelle Bindungen aufzulösen.

Die Leistungen des Liberalismus liegen in seiner Förderung individueller Freiheitsrechte, die weitgehend mit christlichen Naturrechtskonzepte kompatibel sind. Zudem hat er wesentlich dazu beigetragen, Bedingungen für Wohlstand und technisch-naturwissenschaftlichen Fortschritt zu verbessern. Zudem hat der Liberalismus als politische Ideologie zur Förderung der Rechtstaatlichkeit entscheidend beigetragen.

Aus der Sicht christlicher Weltanschauung muss man den Liberalismus nicht grundsätzlich ablehnen. Er ist aber in seinem materialistischen Welt- und Menschenbild fundamental fehlerhaft.

  • Das Gelingen liberaler politischer Ordnung beruht auf kulturellen Grundlagen, die der Liberalismus auflöst, weshalb er nicht nachhaltig ist.
  • Liberale Herrschaft erzielt paradoxe Wirkung, indem sie einen immer größer werdenden Staatsapparat erfordert, der die Aufgaben übernehmen muss, die früher von Familien und auf traditionellen Bindungen beruhenden freiwilligen Zusammenschlüssen der Bürger geleistet wurden. Die Auflösung traditioneller Bindungen führt zudem auch zur Auflösung traditioneller kultureller Normen und einem immer größeren Bedarf an staatlicher Regulierung und Gesetzen.
  • Liberalismus schadet vor allem schwachen Menschen, die in besonderem Maße traditioneller Bindungen und Normen und der durch sie erzeugten Lebenskompetenz bedürfen. Während z.B. ein kulturell kompetenter Mensch noch dazu in der Lage sein mag, unter den Bedingungen einer liberalen Sexualmoral ein verantwortungsbewusstes Leben zu führen, können dies schwächere Menschen oft nicht. Das Ergebnis sind soziales und menschliches Elend sowie Nöte, die ein Eingreifen des Staates erfordern.
  • Die Vorstellung, dass soziale Beziehungen von freien Individuen zum gegenseitigen Nutzen und Vorteil ausgehandelt werden sollen, befreit die Starken von den Einschränkungen traditioneller Normen und liefert dadurch die Schwachen den Starken aus.

T.S. Eliot kritisierte, dass liberale Ideologie vor allem auf der Negation des Gewachsenen beruhe. Mit dessen Zerstörung verliere sie ihre Grundlage:

Liberalism […] is a movement not so much defined by its end, as by its starting point; away from, rather than towards, something definite. […] By destroying traditional social habits of the people, by dissolving their natural collective consciousness into individual constituents, by licensing the opinions of the most foolish, by substituting instruction for education, by encouraging cleverness rather than wisdom, the upstart rather than the qualified, by fostering a notion of getting on to which the alternative is a hopeless apathy, Liberalism can prepare the way for that which is its own negative: the artificial, mechanized or brutalised control which is a desperate remedy for its chaos.23

5.7 Marxismus und Neo-Marxismus

Karl Marx formulierte einen „kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen“. Dieser folge daraus, dass „der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei“ und die auf anderen, vor allem religiösen Annahmen beruhende Ordnung daher zur Befreiung des Menschen zu zerstören sei. Das Kommunistische Manifest spricht vom „Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung““ als Ziel des Kommunismus.

Marx ging davon aus, dass das von ihm angenommene System der Unterdrückung aus ökonomischen Gründen zu immer stärkeren Gegensätzen zwischen der herrschenden Klasse und der Klasse der Unterdrückten führen werde, was in letzteren die Tatsache des Klassenkampfes bewusst machen und zu Revolutionen führen werde.

Der Neo-Marxismus der Frankfurter Schule und der 68er-Bewegung

Die 68er-Bewegung, deren Anhänger seit den 70er Jahren zunehmend Universitäten und Medien in vielen westeuropäischen Staaten prägen, war von neo-marxistischen Positionen der Frankfurter Schule bzw. der von ihr entwickelten Kritischen Theorie geprägt. Diese strebt die „Emanzipation“ des Menschen im Sinne seiner Herauslösung aus jeglichen Bindungen an, die als Mittel der Herrschaft über den Menschen verstanden werden.

Herbert Marcuse wies darauf hin, dass die Arbeiterschaft westlicher Industriestaaten nicht wie von Karl Marx erwartet gegen die als kapitalistisch bezeichnete Ordnung mobilisieren lasse, weil sie ihre Unterdrückung nicht als solche erkenne. Es käme deshalb nicht zu den angestrebten Revolutionen. Marxistische Intellektuelle müssten daher stärker andere Gruppen gegen die abgelehnte Ordnung und ihre Stützen mobilisieren, vor allem die „Ausgebeuteten und Verfolgten anderer Rassen und anderer Farben, die Arbeitslosen und Arbeitsunfähigen“, die ein „Substrat der Geächteten und Außenseiter“ der modernen Gesellschaft seien. Neo-marxistische Ideologien wie Antirassismus, Feminismus und Gender-Ideologie sind Ausdruck dieses Ansatzes.

Theodor Adorno und Max Horkheimer beschrieben in ihrem Werk „Dialektik der Aufklärung“, dass die auf der Aufklärung beruhenden Ideologien im 20. Jahrhundert nicht wegen unzutreffender Annahmen über die Natur des Menschen gescheitert seien, sondern wegen einem „gesellschaftlichem Verblendungszusammenhang“ und dem „Respekt der Völker vor dem Gegebenen“, der revolutionäre Ideologien als Utopien erscheinen lasse.

5.8 Gender-Ideologie

Von postmoderner und neo-marxistischer Ideologie beeinflusste Gender-Ideologie geht von der Annahme aus, dass Geschlechterrollen ein soziales Konstrukt zur Sicherung der Macht einer herrschenden Klasse sei.  Auch die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen wird verbreitet bestritten und als unterdrückendes soziales Konstrukt abgelehnt.

Das Konzept des „Gender Mainstreaming“ beinhaltet die Durchsetzung dieses Ideologie in allen Bereichen einer Gesellschaft.

5.9 Szientismus

Szientismus ist eine Ideologie, die davon ausgeht, dass die Erkenntnisse der Naturwissenschaft alle Gebiete des Lebens einer Kultur bestimmen sollten, etwa auch ihre Ethik. Sie ist prägend für den neuen Atheismus.

5.10 Nationalismus

Nationalismus trat in Europa erstmals im Zuge der Französischen Revolution in Erscheinung. Er verbreitete sich im  19. Jahrhundert über ganz Europa, wobei er Züge einer Ersatzreligion annahm.

1912 warnte der an der Universität Münster lehrende katholische Moraltheologe Joseph Mausbach vor den Gefahren des Nationalismus

Mit größerem Recht dürfen wir als Christen das Emporwuchern eines überspannten, völkertrennenden Nationalismus […] als eine Gefahr für die Menschheit bezeichnen. 24

Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) betonte, dass das Volk in christlicher Weltanschauung nicht nur positiv bewertet werde. Es sei auch der „Ochlos“ bzw. die Masse oder der Pöbel, der Jesus Christus den Tod wünschte und die Freilassung eines Verbrechers forderte.25

Eine „religöse Verabsolutierung des Nationalen“ könne große Kraft entfalten, wie das Römische Reich gezeigt habe Man schaffe dadurch eine politische Religion, in der die Religion der Nation nachgeordnet sei. Eine solche politische Religionen orientiere sich an relativen Dingen wie dem politisch Nützlichen und versperre dem Menschen dadurch den Zugang zum Absoluten. Eine solche Religion drohe zudem das Schicksal der römischen Religion zu erleiden, an deren Wahrheit ihre Vertreter selbst nicht glaubten und sie nur zur Stärkung des Zusammenhalts des Gemeinwesens aufrechterhielten.26

5.11 Rassenideologien

Rassenideologien, welche den Menschen in höher- und niedrigerwertige Rassen einteilen und die Vorstellung der Gottesebenbildlichkeit des Menschen zurückweisen, traten als Ausdruck materialistischen und biologistischen Denkens erstmals zur Zeit der Aufklärung in Erscheinung. Mit ihnen wurde u.a. Sklaverei gerechtfertigt.

1912 warnte der an der Universität Münster lehrende katholische Moraltheologe Joseph Mausbach vor den Gefahren, die von materialistischen Rassenideologien ausgehen:

Mit größerem Recht dürfen wir als Christen das Emporwuchern […] einer noch inhumaneren, naturalistischen Rassentheorie als eine Gefahr für die Menschheit bezeichnen. 27

5.12 Populismus

Populistische Ideologie ist Ausdruck einer ins Extrem übersteigerten demokratischen Tendenz. Sie lehnt Eliten ab und betrachtet die Masse als Quelle gemeinwohlfördernder politischer Entscheidungen.

Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) betonte, dass das Volk in christlicher Weltanschauung nicht nur positiv bewertet werde. Es sei auch der „Ochlos“ bzw. die Masse oder der Pöbel, der Jesus Christus den Tod wünschte und die Freilassung eines Verbrechers forderte.28

Der amerikanische Publizist Paul Berman beschrieb 2018 den Verfall des Konservatismus in den USA und den Aufstieg des Populismus als Symptome kultureller Auflösung. Angesichts dieser Entwicklung erfordere die Aufrechterhaltung freiheitlicher Gesellschaften die Wiederherstellung eines traditionellen Staats- und Führungsethos.

  • Im Zuge kultureller, aber auch sozialer Auflösungserscheinungen hätten sich offenbar große Teile der Bevölkerung der USA von diesem Ethos abgewandt. Dieses habe von Inhabern politischer Führungsämter Eigenschaften wie Selbstkontrolle, Gravitas, Anstand, Professionalität und Vernunftorientierung gefordert. Das Gegenbild zu diesem Ethos sei der unkultivierte, emotionale, vulgäre Demagoge.
  • Frühere Präsidenten seien zum Teil schlechte Charaktere gewesen und hätten diesem Ethos innerlich keinesfalls immer entsprochen. Sie hätten dennoch versuchen müssen, diesem Ethos wenigstens in ihrer äußerlichen Haltung zu entsprechen, um als potenziell für ein Führungsamt geeignet betrachtet zu werden.

Die Aufrechterhaltung freiheitlicher Gesellschaften würde voraussetzen, dass deren politische Führungen das traditionelle Staats- und Führungsethos der westlich-europäischen Kultur innerlich wie äußerlich verkörperten. Dazu seien Maßnahmen der Elitenbildung erforderlich, die ein ausreichend starkes Potenzial an glaubwürdigem, im Sinne dieses Ethos geformtem Führungsnachwuchs hervorbringen müssten. Zudem seien Maßnahmen kultureller Erneuerung erforderlich, die vermitteln müssten, dass die Ablehnung des Elitären keine geeignete Antwort auf die Korrumpierung vorhandener Eliten sei.

5.13 Transhumanismus

Transhumanisten halten den Menschen für eine Art biologischer Maschine. Transhumanisten wie Ray Kurzweil (Leiter der technischen Entwicklung bei Google) gehen daher davon aus, das der Inhalt des Gehirns von Menschen langfristig auf Rechner übertragen werden könne.29

Der Psychologe Robert Epstein wies jedoch darauf hin, dass der Mensch nicht wie ein biologischer Computer funktioniere. Das Gehirn sei kein Speicher von Informationen und funktioniere auch nicht auf der Grundlage von Algorithmen.30 Der Neurowissenschaftler Kenneth Miller unterstrich 2015, dass entsprechende Analogien mit zunehmenden Erkenntnisfortschitt in seiner Disziplin zunehmend als untauglich erscheinen würden.31

Umgekehrt entwickeln Computer trotz immer größerer Rechenleistung und leistungsfähigerer Algorithmen nicht die Eigenschaften einer Person, also Bewusstsein, Verstand oder freien Willen, sondern bleiben Maschinen zur Verarbeitung von Informationen. Die Beschreibung des Wesens des Menschen mit den Begriffen der Informationsverarbeitung sei laut Epstein der Versuch, einen auf Grundlage untauglicher Erklärungsansätze unverständlichen Sachverhalt mit untauglichen Metaphern zu beschreiben.

Der Medientheoretiker Douglas Rushkoff beschreibt den Transhumanismus als Ideologie globaler wirtschaftlicher Eliten. In diesen Eliten herrsche der Gedanke des „Überlebens des Stärkeren“ vor. Transhumanistisches Denken gehe davon aus, dass der Mensch durch technologische Entwicklung „in die nächste transzendente Phase der Entwicklung“ eintreten und seinen Körper verlassen könne. Rushkoff vergleicht diese Ideologie mit einem „gnostischen Kult“.

Dahinter stehe die Ansicht, dass die „Menschheit das Problem und die Technologie die Lösung ist“, Transhumanismus strebe nach der Abschaffung des Menschen und seiner Ersetzung durch durch ein effizienteres, leistungsfähigeres Wesen. Die Anhänger dieser Ideologie würden dies als nächsten Schritt der Evolution des Menschen betrachten.

Man betrachte dabei „die menschliche Evolution in eine Art Videospiel, das derjenige gewinnt, der die Ausstiegsklappe entdeckt und einige seiner Freunde mitnimmt“:

Wie Mitglieder eines gnostischen Kults streben wir danach, in die nächste transzendente Phase der Entwicklung einzutreten, den Körper abzuwerfen und zurückzulassen, zusammen mit allen Sünden und Problemen.

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