Stand: 20.07.2018

Auf dieser Seite werden Herausforderungen im Zusammenhang mit Christenfeindlichkeit in Deutschland analysiert.

In diesem Zusammenhang werden auch Entwicklungen in anderen Staaten des europäischen Kulturraums betrachtet, die ggf. künftig auf Deutschland übergreifen könnten.

1. Definition

Christenfeindlichkeit liegt nach unserer Definition dann vor, wenn es Ziel in der Auseinandersetzung mit Christen und dem Christentum ist, diese zu schädigen oder ihre Rechte zu verletzen. Christenfeindlichkeit liegt hingegen nicht vor, wenn versucht wird, dem Christentum argumentativ zu begegnen.

  • Latente Christenfeindlichkeit liegt ggf. bei Darstellungen vor, die schädigendes Verhalten bzw. Christenfeindlichkeit legitimieren können.
  • Sekundäre Christenfeindlichkeit liegt vor, wenn sich das schädigende Verhalten nicht direkt gegen Christen oder das Christentum richtet, sondern diese über Umwege schädigt.

Papst Franziskus differenzierte zwischen unmittelbarer physischer Verfolgung von Christen und „höflicher Verfolgung„. Letztere sei „verkleidet als Kultur, getarnt als Moderne, getarnt als Fortschritt“ und äußere sich in sozialem Druck und Intoleranz gegenüber Christen, die in ihrer Lebensführung an christlichen Konzepten festhielten.

2. Christenfeindliche Vorfälle

2.1 Gewalt gegen Christen und christliche Einrichtungen

Den vorliegenden Informationen zufolge geht christenfeindliche Gewalt in Deutschland vor allem von radikalen Muslimen sowie von Linksradikalen aus. Seit 2016 ist die Zahl der dabei durch Islamisten aus christenfeindlichen Motiven getöteten Personen in Deutschland im Vergleich zu den Vorjahren angestiegen. Zu den Zielen entsprechender Gewalt gehören zunehmend Konvertiten mit muslimischem Hintergrund sowie Christen mit Migrationshintergrund.

Zu Vorfällen christenfeindlicher Gewalt zählen auch Beschädigung und Zerstörung von christlichem Kulturgut, etwa von Friedhöfen und Kirchen (zum Teil in Form regelrechter Kirchenschändungen), aber auch von Gipfelkreuzen. Verdächtige können dabei in den meisten Fällen nicht ermittelt werden. Allgemein nimmt Vandalismus an und in Kirchengebäuden in Deutschland zu, wie im Februar 2018 bekannt wurde. Bei den meisten Fällen handele es sich um Schmierereien, Diebstähle und Sachbeschädigungen bis hin zur Brandstiftung. In einigen Fällen war das Motiv schwer zu ermitteln bzw. festzulegen, weil entweder keine Tatverdächtigen ermittelt werden konnten oder diese psychisch gestört waren.

Vorfälle 2018

Schwerpunkt christenfeindlicher Gewalt in Deutschland waren 2018 bislang Sachbeschädigungen an christlichen Einrichtungen durch Täter aus dem linksradikal-feministischen Spektrum im Zusammenhang mit Lebensschutz-Themen.

Flankiert wurde diese Welle von Gewalt von Medienberichten, die Lebensschützer als „erzkonservative Katholiken oder Evangelikale“ darstellten, denen vorgeworfen wurde, dass sie „zunehmend aggressiv“ auftreten würden und in denen Gewalt gegen Lebensschützer verschwiegen wurde. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Eva Högl bezeichnete Vertreter der Lebensschutz-Bewegung in diesem Zusammenhang als „widerliche ‚Lebenschützer*innen'“.

  • Versuchte Verhinderung von Lebensschutz-Aktion in München (März 2018): Laut einer auf der linksextremen Internetplattform „Indymedia“ veröffentlichten Darstellung versuchten rund 15 Linksextremisten am 24.03.2018 eine Aktion von christlichen Lebensschutz-Aktivisten vor einer Einrichtung der Organisation „Pro Familia“ zu verhindern. Die Aktion habe von der Polizei geschützt werden müssen.  Die Störer hätten auf Transparenten u.a. die Botschaften „Make Feminism a threat – Fundis zum Teufel jagen“ und „Ich geb dir gleich Genderwahn“gezeigt.
  • Drohungen gegen Teilnehmer der Aktion „1000-Kreuze für das Leben“ (März 2018): Auf dem linksextremen Internetnetportal „Indymedia“ wurde ein Aufruf zu einer Demonstration gegen die am 17.03.2018 in Münster geplante Veranstaltung christlicher Lebensschützer veröffentlich, in dem den Teilnehmern indirekt mit Gewalt gedroht wurde: „Am 17.03.18 disktutieren wir nicht.“ Zu der Gegendemonstration hatte ein bundesweites Aktionsbündnis von Antifa-Gruppen aufgerufen. Während der Demonstration kam es zu einer illegalen Sitzblockade sowie zur Zerstörung eines Kreuzes. Es wurden Parolen wie „Abtreiben bis zum Volkstod“ gezeigt.
  • Farbanschlag auf Freikirche in Leipzig (März 2018): Unbekannte beschmierten am 09.03.2018 die charismatische „TOS Gemeinde Leipzig“ und warfen mit pinker Farbe gefüllte Christbaumkugeln an die Fassade. Vermutlich sei der Anschlag Teil einer feministischen Kampagne gegen Abtreibungsgegner.
  • Farbanschlag auf Christus-Treff in Marburg (März 2018): In der Nacht vom 08. auf den 09.03.2018 wurde das Gebäude mit Farbe besprüht. In einem Selbstbezichtigungsschreiben erklärten die mutmaßlichen Täter, dass das die Gemeinde angegriffen worden sei, weil es sich um eine „antifeministische und zuweilen auch homophobe evangelikale Gemeinde“ handeln würde.
  • Drohungen gegen Teilnehmer der Aktion „40 Tage für das Leben“ in Frankfurt a.M. (März 2018): Die bis zu 15 Teilnehmer der Aktion „40 Tage für das Leben“, die in der Passionszeit in Frankfurt a.M. vor der Beratungsstelle von „Pro Familia“ täglich beten und singen, seien von linken Aktivisten beleidigt und bedroht worden. Aufgrund von Drohungen habe die Polizei dazu geraten, die Aktion in eine Kirche zu verlegen. Die Gegenaktionen werden u.a. durch die Partei Bündnis90/Die Grünen unterstützt.
  • Sachbeschädigung an Gebäude einer Freikirche in Leipzig (März 2018): Auf das Haus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Jacobstraße (Brüdergemeinde) wurden am 06.03.2018 ein Anschlag verübt worden. Am Gemeindehaus wurden sechs Fenster durch Steinwürfe zerschlagen und die Fassade mit grün-gelber Farbe beschmiert. Der Sachschaden beläuft sich auf etwa 2.000 Euro. Linksextreme Feministinnen bekannten sich in einem anonymen Schreiben auf der Internetplattform „Indymedia“ zu diesen Taten. Begründet wurden die Anschläge unter anderem mit der „Anti-Abtreibungs-Propaganda“ der Betroffenen. Die Brüdergemeinde hatte zuvor zur Teilnahme am „Marsch für das Leben“ aufgerufen.
  • Vandalismus an Büro der Aktion SOS Leben in Frankfurt a.M. (März 2018): In der Nacht vom 09. auf den 10.03.2018 wurde das Büro der Aktion SOS Leben (Frankfurt am Main) Ziel von Vandalismus. Der Farbattacke ging eine Flugblattaktion in der Nachbarschaft des Büros voraus. Das Selbstbezichtigungsschreiben der aus dem linksradikalen Spektrum stammenden Täter erklärt: „Wir haben den heutigen internationalen Frauen*kampftag zum Anlass genommen, antifeministische Akteur*innen, Organisationen und Institutionen in Frankfurt sichtbar zu machen und zu markieren.“
  • Vandalismus an Zentrale des Christoferuswerks (März 2018): Am 04.03.2018 begangen mutmaßlich linksextreme Täter Sachbeschädigung an der Zentrale des Christoferuswerk und den mit ihm verbundenen Komm-mit-Verlag. An Eingangstür und Hauswand seien unter anderem Plastikbänder mit der Aufschrift „Sexistische Kackscheiße“ und Plakate mit dem Spruch „Antifeminismus ist keine Alternative“ geklebt worden. Die Aktion stehe offensichtlich im Zusammenhang mit „Gebetszug für das Leben“ im Münster. Die Störer hätten ein Flugblatt zurückgelassen, auf dem unter der Überschrift „Feminismus in die Offensive“ zu einer Gegendemonstration aufgerufen werde. Der Gebetszug wird wegen Drohungen von Abtreibungsbefürwortern unter massivem Polizeischutz durchgeführt.
  • Vandalismus an der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Oberpleichfeld im Bistum Würzburg (Januar 2018): An der Kirche wurden zahlreiche Farbschmiereien der Buchstabenfolge “AFD” angebracht. Zudem sei das Fahrzeug eines Mitarbeiters durch Kratzer beschädigt worden. Ein durch die Polizei ermittelter Verdächtiger, zu dessen Hintergrund und Motiven keine Informationen mitgeteilt wurden, sei bereits früher durch ähnliche Taten auffällig geworden.

Vorfälle 2017

Das BKA verzeichnete 2017 rund 100 gezielte Angriffe auf Christen und christliche Einrichtungen in Deutschland. Nach Angaben der Bundesregierung waren darunter waren ein Tötungsdelikt, zwölf Körperverletzungen, drei Fälle von Nötigung und Bedrohung sowie ein Fall von Brandstiftung. In mindestens 14 Fällen wurden nach BKA-Angaben „christenfeindliche Straftaten“ zwischen Asylbewerbern und Flüchtlingen begangen. Erfasst wurden dabei nur die zur Anzeige gebrachten Fälle. Ein großes Dunkelfeld ist wahrscheinlich.

  • Anschlag auf den Karlsruher Christkindlesmarkt verhindert (Dezember 2017): Im Dezember 2017 wurde der militante Islamist Dasbar W. festgenommen, der dem „Islamischen Staat“ nahestand und einen Anschlag auf den Christkindlesmarkt in Karlsruhe geplant habe.
  • Übergriffe gegen Christen in Asylbewerber-Unterkünften: Im Dezember 2017 gab das „Observatory on Intolerance Against Christians“ bekannt, dass 42 Prozent der Christen in den Unterkünften in Deutschland von Morddrohungen und 56 Prozent von gewalttätigen Übergriffen berichten.
  • Angriff auf Büro der Aktion SOS LEBEN in Frankfurt a.M. (November 2017): Militante feministische Linksautonome brachten im November 2017 Farbschmierereien am Gebäude an, in dem sich das Büro der christlichen Organisation befindet, und begangen Hausfriedensbruch. Sie begründeten dies mit der Aktion „40 Tagen für das Leben“ vor der Frankfurter Beratungsstelle von „Pro Familia“ im Frühjahr und im Herbst 2017. Zu den angebrachten Farbschmierereien gehörte auch die Parole „Gott ist Tot“.
  • Brandanschlag auf Kirche St. Hildegard in Mannheim (Oktober 2017): Am 17.10.2017 versuchten mutmaßlich zwei Täter, den Turm der Kirche mit Gasflaschen in Brand zu setzen. Einer Polizeistreife gelang es, den Brand in einem frühen Stadium zu löschen. Ein pakisanischer Verdächtiger wurde später festgenommen. Das Motiv war zunächst unklar.
  • Angriffe auf Christen in Asylbewerber-Unterkünften in Berlin: Der evangelische Pfarrer Gottfried Martens erklärte im September 2017, dass sich „mindesten einmal im Monat“ ein verletzter christlicher Asylsuchender an ihn wende und um Unterstützung bitten würde, der von muslimischen Asylsuchenden angegriffen worden sei. Anzeigen seien in der Regel aussichtslos, weil die Täter zahlreiche Zeugen benennen würden, die der Aussage des Angegriffenen widersprächen.
  • Versuchte Störung und Sachbeschädigung bzgl. des Marsches für das Leben in Berlin (September 2017): Die Polizei konnte von Linksautonomen angekündigte mutmaßliche Straftaten, mit denen die Veranstaltung gestört werden sollte, verhindern. Im Vorfeld der Veranstaltung kam es zu Sachbeschädigung am Büro des Veranstalters.
  • Angriff auf afghanischen Konvertiten in Berlin (September 2017): Zwei Männer hätten den Konvertiten in Neukölln wegen eines von ihm an einer Kette als Anhänger getragenen Kreuzes angesprochen und gefragt, warum er Christ geworden sei. Anschließend hätten sie das Kreuz abgerissen. Danach fügten sie ihm Schnittverletzungen zu. Über den Hintergrund der Täter machte die Polizei keine Angaben.
  • Islamistischer Angreifer wollte in Hamburg Christen töten (Juli 2017): Der palästinensische Asylbewerber Ahmad A., der im Juli 2017 mit einem Messer Passanten angriff und dabei einen Mann tötete, habe nach eigenen Angaben bei der Tat möglichst viele Christen töten wollen. Er habe als „Märtyrer“ sterben wollen und bedauert, dass er nicht mehr Menschen habe töten können. Auslöser der Tat war laut seiner Aussage eine Predigt in der   As-Sahaba-Moschee in Hamburg-Barmbek. Er habe sie kurz vor seiner Tat aufgesucht.
  • Angriff auf Mann mit Kreuzanhänger in Berlin (Juli 2017): In Berlin haben drei Jugendliche einen Mann wegen seiner Kreuzkette attackiert. Er wurde geschlagen und als „schwule Sau“ beschimpft. Die Täter waren mutmaßlich nordafrikanischer Herkunft.
  • Angriff auf Mann mit Kreuzkette in Berlin (Mai 2017): Ende Mai 2017 war ein homosexueller Mann mit Kreuz-Kette in Neukölln von einer größeren Gruppe beleidigt und getreten worden. Dabei sollen sowohl christenfeindliche als auch homophobe Parolen geäußert worden sein.
  • Mord an Konvertitin in Prien am Chiemsee (April 2017): Ein aus Afghanisan stammender muslimischer Asylbewerber tötete bei dem Vorfall eine ebenfalls stammende Frau, die das Christentum angenommen hatte. Der religiöse Bezug war mutmaßlich Teil des Tatmotivs.

Vorfälle 2016

  • Angriff auf Rettungssanitäter in Berlin mit christenfeindlichem Hintergrund (Dezember 2016): Der 31-jährige Ilker C. griff in Berlin ohne erkennbaren Grund Rettungskräfte an, wobei er diese u.a. als „Scheiß Christen“ und „Ungläubige“ bezeichnet habe.
  • Mutmaßlich 743 religiös motivierte Übergriffe auf christliche Migranten 2016: Laut einer Untersuchung des christlichen Hilfswerks Open Doors und dem Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland gab es zwischen Februar und September 2016 mutmaßlich 743 religiös motivierte Übergriffe gegen christliche Migranten.

2.2 Diskriminierung und Verletzung von Grundrechten

2.2.1 Verletzung der Religionsfreiheit

Die Religionsfreiheit ist in Deutschland ein Grundrecht, das den äußeren Zwang zu einer bestimmten Weltanschauung untersagt.

Laizistische Tendenzen

Der Rechtswissenschaftler Hans Michael Heinig kritisierte 2018 das Eindringen allgemein religionsfeindlicher laizistischer Tendenzen in die staatliche Ordnung der Bundesrepublik. Diese würden die im Konflikt zum „kooperativ-religionsfreundlichen Neutralitätsverständnis“ des Grundgesetzes stehen. Da unterschiedliche Religionen der vorherrschenden Vorstellung nach gleich behandelt werden müssten, greife man zur Bewältigung islambezogener Herausforderungen verstärkt auf laizistische Ideologie zurück. Diese richte sich gleichermaßen gegen jegliche religiöse Einflüsse im öffentlichen Leben. Heinig sieht in dieser Tendenz eine Gefahr und warnt vor laizistischen „Überspanntheiten“. Der freiheitliche Staat im Sinne des Grundgesetzes sei „säkular, aber er ist nicht säkularistisch.“ Er dürfe sich ohne Verletzung seiner Grundsätze nicht pauschal gegen Religion richten. Er würde jedoch auch ohne die Übernahme laizistischer Ideologie über die Möglichkeit verfügen, Religionen im konkreten Fall unterschiedlich zu behandeln, etwa wenn eine religiöse Gemeinschaft „die Freiheit zum Religionswechsel und -austritt als Grundprinzip des freiheitlichen Religionsverfassungsrechts nicht achtet.“

Die Jugendorganisation der SPD in Sachsen Anhalt legte 2018 einen von laizistischen Forderungen geprägtes Papier zur radikalen Umgestaltung des Verhältnisses von Kirche und Staat in Deutschland vor. Die Forderungen wurden damit begründet, dass „immer mehr Menschen zu dem Schluss“ kämen, „dass eine über 2000 Jahre alte Hirtenmythologie keine Antworten auf die Probleme des 21. Jahrhunderts liefert.“

Die AfD forderte in ihrem Programm für die Landtagswahl in Bayern 2018 eine „konsequente Trennung von Staat und Religion“ (und nicht die Trennung von Staat und Kirche) im Sinne laizistischer Ideologie. Die Kirche sei laut AfD „eine besondere Lobbygruppe“, deren „staatliche Unterstützung […] dem deutschen und insbesondere bayerischen Steuerzahler nicht länger zumutbar“ sei.

Zudem gibt es in diesem Zusamenhang Tendenzen, Christen unter Druck zu setzen, sich zu nichtchristlichen Weltanschauungen zu bekennen oder in diesem Zusammenhang ihrem christlichen Bekenntnis entgegen zu handeln.

Eingriffe in die Rechte von Eltern an Schulen

Darüber hinaus gibt es weiterhin die Tendenz zu mutmaßlich illegitimen staatlichen Eingriffen in die Rechte von Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder. So wurde 2017 etwa in Hessen unter der Verantwortung von Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU) ein Lehrplan zur Sexualerziehung an Schulen eingeführt, der auf Konzepten der neomarxistischen Gender-Ideologie beruht und diese an Schüler vermitteln will, was die katholische Kirche als Eingriff in die Religionsfreiheit kritisierte.

2.2.2 Verletzung der Gewissensfreiheit

In Deutschland ist die Gewissensfreiheit ein Grundrecht und wird  im Art. 4 GG gewährt. Sie steht damit im Zusammenhang mit der Religionsfreiheit, welche den äußeren Zwang zu einer bestimmten Weltanschauung untersagt.

Verletzungen der Gewissensfreiheit können z.B. dann vorliegen, wenn Christen in medizinischen Berufen unter Druck gesetzt werden, sich an Abtreibungen zu beteiligen. Entsprechende Tendenzen sind in einigen europäischen Staaten zu beobachten. In Deutschland kam es zu Entlassungen, nachdem Geburtshelferinnen sich geweigert hatten, an Abtreibungen mitzuwirken.

In anderen Fällen wurde die Gewissensfreiheit von Christen unter Berufung auf Diskriminierungsverbote verletzt. 2018 lief in Großbritannien ein Prozess gegen einen christlichen Bäcker, der sich geweigert hatte, eine Torte mit der Aufschrift „Support Gay Marriage“ herzustellen.

2.2.3 Verletzung der Meinungsfreiheit

Es kommt häufig zu Fällen, in denen Meinungsbeiträge von Christen mit dem Verweis aus Diskussionen herausgehalten werden sollen, dass Religion „Privatsache“ sei. In diesen Fällen wird Christen das Recht auf freie Meinungsäußerung abgesprochen.

In Frankreich wurde 2017 ein Gesetz erlassen, das die negative Darstellung von Abtreibungen in elektronischen Medien unter Strafe stellt. Das Gesetz hebt dadurch die Freiheit christlicher Lebensschützer auf, sich im Internet zu ihren Anliegen zu äußern. Bereits 2016 hatte staatliche Stellen in Frankreich die Ausstrahlung eines Videos untersagt, das Abtreibungen entgegenwirken sollte, indem es Menschen mit Down-Syndrom positiv darstellte. Das Verbot wurde damit begründet, dass das Video das Gewissen von Frauen belasten könnten, die eine Abtreibung vorgenommen hätten.

2.2.4 Ausschluß von Christen und christlichen Positionen aus dem öffentlichen Leben
  • Ausschluß christlicher Organisationen vom universitären Leben: Laut Angaben christlicher Studentenorganisationen sei in Deutschland 2018 zunehmende Aggressivität der Studentenvertretungen gegenüber Christen zu beobachten gewesen. Die Atmosphäre an Universitäten sei „deutlich antichristlicher geworden“, und christliche Organisationen und Christen würden „unter Generalverdacht gestellt“ oder „pauschal als rechts diffamiert.“ Christlichen Organisationen werde unter anderem unter Verweis auf deren „Homophobie“ oder „Antifeminismus“ sowie auf „weltanschauliche Neutralität“ der Universität die Akkreditierung verweigert. Zudem würden christlichen Organisationen Räume für Veranstaltungen verweigert, und christliche Gebetsräume würden geschlossen. Die TU Berlin habe diesen Verstoß gegen die Religionsfreiheit mit der „weltanschaulichen Neutralität“ der Universität begründet, wobei sie jedoch selbst durch ihre laizistische Positionierung gegen diesen Grundsatz verstieß.
  • Versuche zur Verhinderung christlicher Veranstaltungen: In jüngerer Vergangenheit kam es in Deutschland mehrfach zu Versuchen zur Verhinderung christlicher Veranstaltungen oder Veranstaltungen mit christlichem Bezug, etwa der „Demo für Alle“. Verantwortlich waren in dem meisten Fällen linksradikale Gruppierungen. An einigen dieser Versuche beteiligten sich auch Vertreter der SPD. Da in diesem Zusammenhang Christen mutmaßlich Grundrechte abgesprochen wurden, sind diese Vorfälle als christenfeindlich einzustufen.
2.2.5 Entfernung christlicher Bezüge und Symbole aus der Öffentlichkeit

Es gibt einen allgemeinen Trend, christliche Bezüge und Symbole aus der Öffentlichkeit zu entfernen.

2.2.6 Staatliche Benachteilung des Christentums gegenüber anderen Religionen

Das Christentum genießt gegenwärtig in der Bundesrepublik Deutschland gegenüber anderen Religionen weniger Schutz seitens des Staates und wird somit faktisch gegenüber diesen Religionen benachteiligt.

  • Während Verfassungschutzbehörden z.B. eine „verfassungsschutzrelevante Islamfeindlichkeit“ in einigen Fällen gesondert erfassen, erfolgte eine ähnliche Erfassung von Christenfeindlichkeit auch 2017 nicht, obwohl bei entsprechenden Vorfällen seit 2016 mehr Menschen getötet worden waren als es in anderen extremistischen Zusammenhängen der Fall war.
  • Das Bundesinnenministerium begann 2017 mit der Erfassung und Auswertung von islamfeindlichen Straftaten, darunter auch „Hasskommentaren“. Eine vergleichbare Erfassung christenfeindlicher Straftaten erfolgt jedoch nicht.
  • Das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ fördert zivilgesellschaftliches Engagement u.a. gegen Islamfeindlichkeit und Antisemitismus, aber nicht gegen Christenfeindlichkeit.

Der Rechtswissenschaftler Hans Michael Heinig kritisierte außerdem eine faktische Besserstellung des Islam gegenüber dem Christentum durch das Bundesverfassungsgericht. Diese käme in Urteilen zum Ausdruck, die das Zeigen von christlichen Kruzifixen an Schulen untersagten, das Tragen islamischer Kopftücher jedoch als Grundrecht schützen würden.

2.3 Delegitimimation

Der 3-D-Test wurde von Natan Scharanski entwickelt, um legitime Kritik am Staat Israel von Antisemitismus abzugrenzen. Kriterien für Antisemitismus seien demnach „Dämonisierung, Doppelstandards und Delegitimierung“. Mit Hilfe dieser Methodik lässt sich auch legitime Kritik am Christentum und der Kirche von Christenfeindlichkeit unterscheiden.

Der Präsident des Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, sprach 2011 von einer „dramatischen“ Zunahme von entsprechender Christenfeindlichkeit in Europa. Diese äußere sich vor allem in verzerrten Darstellungen der katholischen Kirche.

Im Zuge der Durchsetzung von Konzepten wie „Hate Speech“ gibt es Tendenzen, etwa das Festhalten am traditionellen christlichen Ehe- und Geschlechterbild oder die Feststellung von Unterschieden zwischen dem Christentum und anderen Religionen oder die Ansprache islambezogener Herausforderungen als Ausdruck von „Haß“ oder „Intoleranz“ zu denunzieren bzw. zu delegitimieren.

  • In diese Richtung äußerte sich etwa der deutsche Justizminister Heiko Maas, der im September 2017 das Eintreten für ein „klares Familienbild aus Vater, Mutter und Kindern“, wie es auch das Christentum vertritt, als verfassungswidrig bewertet hatte.
  • 2017 erstellte die Internet-Plattform „Agentin*In“ der Heinrich-Böll-Stiftung eine Zusammenstellung, die auch zahlreiche christliche Publizisten wie Alexander Kissler, Birgit Kelle und Matthias Matussek enthielt und den Eindruck erweckte, sie würden ebenfalls in dieser Zusammenstellung aufgeführten rechtsextremen Positionen und Akteuren nahestehen.
  • 2018 war eine medienübergreifend geführte Kampagne gegen christliche Lebensschutz-Akteure in Europa zu beobachten. Unter der Führung von Neil Datta veröffentlichte das „European Forum for Population & Development“ (EFP) ein Dokument, das diese Aktivitäten als Ausdruck einer Verschwörung religiöser Extremisten darstellt. Das EFP ist nach eigenen Angaben Partner der Abtreibungsorganisation „International Planned Parenthood Federation“ (IPPF) und wird von der „Melinda and Bill Gates Foundation“ sowie den „Open Society Foundations“ des Milliardärs George Soros finanziert. Das Dokument wurde in einer aufwendig produzierten Dokumentation des Fernsehsenders Arte und anderen Medien in Europa verstärkend aufgegriffen.

Delegitimierende Ansätze sind auch der akademisch-aktivistischen Strömungen der „Kritischen Weißseinsforschung“ zu beobachten, die sich gegen „deutsch-weiß-christliche Normalität“ richtet. Zur Herstellung von Gleichheit strebt diese Strömung die Abschaffung kultureller „Privilegien“ an, die u.a. Christen in christlich geprägten Gesellschaften genießen würden.

2.4 Herabwürdigung christlicher Symbole

  • Im Dezember 2017 wurde bekannt, dass Kirchengebäude in Köln von Feiernden immer häufiger als öffentliche Urinale missbraucht würden.
  • Anfang 2017 wurde bekannt, dass einige Moscheegemeinden der türkischen Ditib auf Facebook in türkischer Sprache u.a. verbreitet hatten, dass Weihnachten „eine nach Blasphemie stinkende Tradition der Christen“ sei.
  • Für die in der ARD ausgestrahlte Dokumentation „Hardliner des Herrn“ wurde 2007 eine Bibel verbrannt. Laut Autor Tilman Jens sei es dabei seine Absicht gewesen, „die Bibel als drohendes, als Angst machendes Instrument und gleichzeitig als Feuerschwert Gottes darzustellen.

2.5 Sonstige christenfeindliche Äußerungen

Bei Veranstaltungen linksradikaler Gruppen gegen christliche Veranstaltungen werden regelmäßig christenfeindliche Parolen gezeigt oder geäußert. Neben der SPD sind auch die Parteien Bündnis90/Die Grünen sowie Die Linke in vielen Fällen an Aktionen dieser Art direkt oder indirekt beteiligt.

  • Christentum laut SPD-Vertretern eine „Hirtenmythologie“: Die Jugendorganisation der SPD in Sachsen Anhalt erklärte 2018 dass „immer mehr Menschen zu dem Schluss“ kämen, „dass eine über 2000 Jahre alte Hirtenmythologie keine Antworten auf die Probleme des 21. Jahrhunderts liefert.“
  • Aufruf zu Kirchenaustritten durch Mitglied des AfD-Bundesvorstands: Armin Paul Hampel hatte im April 2017 auf einem Parteitag der AfD unter Beifall der Delegierten zum Kirchenaustritt aufgerufen. „In dem Verein sollte keiner von uns mehr Mitglied sein“, sagte er.

2.6 Christenfeindliche Verschwörungstheorien

Diese betrafen in der Vergangenheit vor allem Jesuiten. Insbesondere Katholiken wird zudem vereinzelt unterstellt, sie seien als Staatsbürger illoyal, weil sie angeblich politische Weisungen des Papstes zu befolgen hätten.

2.7 Leugnung von Christenverfolgung und Verbrechen an Christen

Der türkische Völkermord an den christlichen Armeniern wird verbreitet geleugnet.

2.8 Rufschädigende Unterstellungen

Übertriebene oder unzutreffende Angaben über Missbrauchsfälle

„Spiegel Online“ veröffentlichte im Zusammenhang mit Mißbrauchsvorwürfen in der Kirche unzutreffend hohe Zahlen. So wurden etwa die im „Ryan-Bericht“, der Mißbrauchvorwürfe in Irland dokumentiert, rund 1.500 Anschuldigungen körperlichen und anderen Mißbrauchs aus den Jahren 1914-2000 aufgeführt.  Der Journalist Carsten Volkery behauptete jedoch bei „Spiegel Online“ 2009, dass der Bericht die folgende Aussage enthalte: „35.000 Kinder wurden demnach zwischen 1914 und 2000 in kirchlicher Obhut geschlagen, gepeinigt oder vergewaltigt.“ Die Zahlen wurden somit nicht nur um mehr das Zwanzigfache übertrieben dargestellt, sondern auch der Eindruck erweckt, als seien alle Anschuldigungen bestätigt.

3. Christenfeindlichkeit in verschiedenen weltanschaulichen Strömungen

3.1 Islam und Islamismus

Den vorliegenden Informationen zufolge nimmt unter Muslimen in Deutschland sowohl primäre als auch sekundäre Christenfeindlichkeit zu.

  • Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi sprach 2017 davon, dass Christenfeindlichkeit neben Judenfeindlichkeit ein wesenshafte Bestandteil des Islams sei. Sie habe ihre Wurzeln im Koran sowie in der Tradition Mohammeds und sei in Deutschland auch „bei gebildeten, sogar westlich aufgeklärten Muslimen“ stark verbreitet. Die Ansicht etwa, das Weihnachtsfest sei „eine nach Blasphemie stinkende Tradition der Christen“, würde unter Muslimen in Deutschland verbreitet geteilt.
  • Das Berliner Büro des „American Jewish Committee“ (AJC) legte 2017 eine Studie über islambezogene Herausforderungen an Berliner Schulen vor. Der Grad der Integration nehme unter muslimischen Jugendlichen demnach tendenziell ab. Diese würden ihre Identität verstärkt unter Bezugnahme auf islamische Identitätskonzepte und zunehmend im Gegensatz zur deutschen und europäischen Kultur und Gesellschaftsordnung definieren. Diese Entwicklung sei mit zunehmender Feindseligkeit gegenüber Nichtmuslimen verbunden, die zunehmend unter Druck seitens muslimischer Jugendlicher an Schulen geraten würden. Lehrer berichten in diesem Zusammenhang von einer zunehmend aggressiven Stimmung auch gegenüber Christen. Nichtmuslimische Schülerinnen bzw. solche, die sich nicht entsprechend islamischer Bekleidungsvorschriften kleiden würden, würden etwa verbreitet als „Huren“ und „Schlampen“ angegriffen. Verschwörungstheorien, mit denen Muslime das Scheitern in westlichen Gesellschaften zu erklären versuchen in dem sie diese dafür verantwortlich machen, seien unter muslimischen Jugendlichen sehr verbreitet. Dabei gäbe es auch antichristliche Verschwörungstheorien, die etwa von einer Verschwörung von „Tempelrittern“ gegen den Islam und die Muslime ausgehe.
  • Straftaten muslimischer Täter gegen Nichtmuslime weisen häufig sekundär christenfeindliche Bezüge auf. So würden entsprechende Straftäter etwa gezielt Nichtmuslime als Opfer auswählen.
  • Laut einer Untersuchung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft aus dem Jahr 2010 würden Lehrerinnen an Schulen mit hohem Anteil muslimischer Schüler häufig als „Deutschen-Schlampen“ und Schüler als „Schweinefleischfresser“ beleidigt. Die FAZ berichtete 2011, dass an entsprechenden Schulen die Beleidigung christlicher Schüler als „Scheißchristen“ verbreitet sei.

3.2 Linkradikales Spektrum

In der radikalen Linken wirken Bilder, die von der sowjetischen Propaganda in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitet wurden, weiterhin nach. So wird auch in aktuellen Aktionsaufrufen verbreitet, es sei eine „Tatsache, dass die katholische Kirche sich für den Aufstieg und die Etablierung des NS-Faschismus mit zu verantworten hat“.

3.3 Rechtextremes Spektrum

Der Nationalsozialismus als christenfeindliche Weltanschauung

Der Nationalsozialismus war seinem Wesen nach eine moderne Ideologie, die von einem betont materialistischen Welt- und Menschenbild ausging. Wenn Nationalsozialisten von „Gott“ sprachen, meinten sie damit materielle Abläufe in der Natur bzw. Naturgesetze, insbesondere im Bereich Vererbung bzw. Evolution. Auch der Begriff „Glaube“ beschrieb im Nationalsozialismus eine rein innerweltliche, politisch mobilisierbare Ergriffenheit.

Die Kritik des NS am Christentum baute zum Teil auch auf von radikalen Teilen der Aufklärung geschaffenen Zerrbildern auf. So betonten nationalsozialistische Autoren etwa die „Irrationalität“ und „Lebensfeindlichkeit“ bzw. „Körperfeindlichkeit“ des Christentums.

  • Hitler außerte sich öffentlich zurückhaltend in religiösen Fragen, solange es nicht um das Judentum ging. Alfred Rosenberg, der führende Ideologe des NS, schrieb in seinem Tagebuch, dass Hitler unter Vertrauten geäußert habe, die „christlich-jüdische Pest gehe jetzt wohl ihrem Ende entgegen“.
  • Martin Bormann, ein enger Vertrauter Adolf Hitlers und zuletzt Leiter der Partei-Kanzlei der NSDAP, erklärte in einem internem Dokument von 1941: „Nationalsozialistische und christliche Auffassungen sind unvereinbar.“ Das Christentum baue auf Unwissenheit auf und wolle diese in der Bevölkerung erhalten. Es beruhe zudem auf „wirklichkeitsfremden Dogmen“. Wenn der NS von „Gott“ spreche, meiner er nicht dassselbe wie die „naiven Christen“, sondern eine „naturgesetzliche Kraft“. Der NS fordere es außerdem anders als das Christentum „lebensgesetzlich zu leben“. 1940 schrieb er in seinen „Richtlinien für die Erstellung des Religionsunterrichts“, dass Christentum und NS  sich so grundsätzlich voneinander unterscheiden würden, „daß es nicht möglich sein wird, eine christliche Lehre zu konstruieren, die von der Ebene der nationalsozialistischen Weltanschauung aus voll bejaht werden könnte“.
  • Karl Maria Wiligut, der engste weltanschauliche Berater des SS-Reichsführers Heinrich Himmler, legte Hitler ein Konzept zur Vernichtung des Christentums in Europa vor, das dieser unterschrieb. Die Bekämpfung des Christentums war einer der Schwerpunkte der Tätigkeit der SS.
  • Theodort Eicke war deutscher SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS sowie Kommandant des KZ Dachau und Inspekteur der Konzentrationslager. Im KZ Auschwitz wurde ein Wandspruch von ihm gefunden, der u.a. sagt: „Gebetbücher sind für Weiber, auch solche die Hosen tragen. Wir hassen den Gestank des Weihrauchs, er verdirbt die deutsche Seele wie der Jude die Rasse.“
  • Gustav Bub, ein weltanschaulicher Schlungsleiter der NSDAP, erklärte, das Christentum habe „Artfremdes in die nordische Rassenseele und damit auch in das deutsche Volkstum hineingetragen“. Es sei eine „Vergewaltigung der eigenen Art“.
  • SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, der u.a. Leiter des Reichssicherheitshauptamtes war, war 1939 für die Erstellung eine Dokuments mit dem Titel „Die Einstellung der politischen Kirchen und Sekten zur gegenwärtigen Lage“ verantwortlich. Diesem Dokument zufolge würde der „Widerstand gegen Führer und Reich“ vor allem von „Hetzpastoren“ getragen, vor allem durch „maßgebliche Kreise des Katholizismus“, der seine „gegnerische Einstellung zum nationalsozialistischen Staat offen zum Ausdruck“ bringen würde, etwa mit „Hetzpredigten“ und „Hetzgottesdiensten“. Der Katholizismus würde zudem die „Verängstigung des Volkes“ betreiben und „die Bevölkerung unsicher und ängstlich“ machen durch „Verbreitung von Prophezeiungen einer baldigen Vernichtung Deutschlands“. Die „Hetztätigkeit der staatsfeindlichen Priesterschaft“, müsse „zum Schweigen gebracht werden“.
  • Der Mediziner und SS-Standartenführer Wilhelm Kinkelin war u.a. Leiter des Amtes „Blutpflege und Rassenkultur“ im Reichsamt für Agrarpolitik der NSDAP, In der Zeitschrift „Odal“ schrieb er im April 1937, dass das Christentum eine „lebensfeindliche Lehre“ sei, welche die natürliche „Blutsordnung“ als „Teufelswahn“ bekämpfen würde. Das Christentum mit seiner „Lehre vom Geist“ und die „Lehre vom Blut“ des NS würden sich „unversöhnlich und feindlich gegenüber“ stehen. Der „Sieg des Blutsglaubens“ würde den „Untergang der Geisteslehre“ bedeuten. Die Katholische Kirche habe unter Deutschen „tausend Jahre lang gegen das Blutsdenken gekämpft“ und sich beinahe schon vollständig durchgesetzt, was sich darin zeige, dass christliche Deutsche der Ansicht seien dass sie, „geistig Erben und Nachkommen der Juden“ wären. Kinkelin warf dem Christentum in diesem Zusammenhang seine Achtung gegenüber dem „feindlichen Blutsverband“ der Juden vor.
  • Karl Astel, ein Inhaber eines Lehrauftrags für „menschliche Züchtungslehre und Vererbungsforschung“ an der Universität Jena schrieb im Dezember 1936 in der Publikation „Nationalsozialistische Monatshefte“, dass der NS die „Befreiung der arischen Naturwissenschaft von Scholastik, Dogma und Spekulation“ anstrebe. Er kritisierte, dass die „Universität der Vergangenheit“ aus christlichen Klosterschulen hervorgegangen sei. Die „Katholische Aktion“ würde den Umgestaltungsplänen des NS im Wege stehen. Der menschliche Geist müsse in den „Dienst der Lebenserhaltung und Lebensverbesserung“ nach NS-Sicht gestellt werden „und nicht in den Dienst irgendeines das Leben zerstörenden, mit Krankheit und Irrsinn anfüllenden ‚Meta‘.“ Metaphysik jeglicher Art sei unarisch.
  • Ernst Krieck, der u.a. Rektor der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main war, schrieb 1943 in seiner Schrift „Heil und Kraft“, dass Religion eine asiatische Erfindung sei. „Religion ist uns art- und sinnfremd“ und „unserer Rasse lebensfeindlich“. Die Germanen hätten im Gegensatz dazu über einen Glauben verfügt, „der den Willen gebiert und als schöpferische Kraft lebende Weltwirklichkeit gestaltet“. Religion „mit Zauber, Hinterwelt und Erlösung ist die Ursache der Krankheit“. Ihr stellt er „Glaube, Wille und Kraft“ als „Mächte der Gesundheit“ gegenüber. Die Religion „kreist mit ihren zauberischen Bewirkungen um Seele und Geist, verweist darum jedesmal in ein lebensfeindliches Jenseits“. Glaube nach dem Verständnis des NS sei rein auf materielle Dinge bezogen. Dem Typus des „Priester“ stellt er den „Führer und Feldherrn“ gegenüber. Die Kirche „unterdrückt das aufsteigende Leben“ und sei „Feind der Schöpfung“, ihre Tradition sei „das Erzeugnis eines inzwischen abgestorbenen Lebens“.
  • Der Philosoph Ernst Bergmann war einer der Führer der „Deutschen Glaubensbewegung“, die im NS-Umfeld und mit Unterstützung der SS zeitweise versuchte eine neue Religion zu schaffen. In seiner Schrift „Deutschland, das Bildungsland der neuen Menschheit“ schrieb er, das Christentum repräsentiere eine „fremde Geisteskultur“. Für das Christentum sei der Körper „ein Grabmal der Seele“. Es verachte den Körper und wolle ihn durch Askese zestören „um sich seiner als eines wertlosen Gutes so rasch wie möglich zu entledigen“. Es stehe im Gegensatz zum NS, der den Körper „eugenisieren, aristogenisieren“ wolle. Er verspreche sich von „Rassenhygiene“ das „Ende des Christentums“. Diese neue Bewegung „tötet den christlichen Seelenstil“ durch Hochachtung des Körpers. Dass die Kirchen leer seien, sei ein Beleg für den Erfolg des NS. Das Christentum sei zudem identisch mit „Bolschewismus am Eigentumsbegriff, am Volks- und Vaterlandsgedanken, an der Wirklichkeitswelt in jeder Form“ und die „menschenfeindlichste aller Religionen“. Die Deutschen kehrten nun zurück zur „nordischen Licht- und Naturreligion“, und „es schaun aufs Hakenkreuz voll Hoffnung schon Millionen“. Die Deutschen würden sich vom „Aberglauben“ des Christentums abwenden, den eine „kranke“ Menschheit geschaffen habe. Der „nordische Mensch“ verehre die Natur und ihre Kräfte, und: „Der nordische Mensch büßt nicht.“ Als einzige Schuld erkenne er „große, gewaltige und niemals mehr abzutragende Schuld des Christentums an der Menschheit“ an, welche „die deutsche Jugend, die in der nordischen Glaubensbewegung steht, mit Recht wie eine brennende Schmach emfindet“. Diese Jugend sei von einem hohen Maß an „Gewalt des Hasses gegen das Christentum“ gekennzeichnet.

Es muss in diesem Zusammenhang allerdings daran erinnert werden, dass auch zur Zeit des Nationalsozialismus manche Christen versuchten, sich der herrschenden säkularen Ideologie anzupassen und das Christentum entsprechend umzuinterpretieren, etwa die „Deutschen Christen“.

Christenfeindlichkeit in rechtsradikalen Strömungen der Gegenwart

Im rechtsextremen und rechtsradikalen Spektrum ist christenfeindliche Ideologie vor allem in jenen Strömungen zu finden, die in der Tradition der völkischen und neuheidnischen Bewegung stehen. Diese betrachten das Christentum z.T. als „artfremd“ und werfen ihm u.a. vor, die Völker Europas durch angebliche Diesseitsfeindlichkeit sowie eine „universalistische“ Abwertung natürlicher Bindungen wie etwa die an eine Nation zu schwächen. Aufgrund des Konzepts der Feindesliebe sei das Christentum zudem unfähig, geistiger Träger der Verteidigung Deutschlands und Europas gegen äußere Angreifer zu sein.

Das vorchristliche heidnische Europa, insbesondere das germanische und keltische Europa, werden insgesamt gegenüber dem abendländischen Europa als kulturell überlegen betrachtet und dem Christentum vorgeworfen, die frühere Kulturhöhe Europas zerstört zu haben. Die Wiederherstellung der heidnischen germanischen Religion und die Beseitigung des Christentums seien erforderlich, damit Deutschland religiös zu sich selbst finden könne.

Solche neuheidnischen Vorstellungen gehen dabei nicht wie behauptet auf lebendige vorchristliche europäische Traditionen zurück, sondern entstanden vorwiegend im 19. und frühen 20. Jahrhundert unter Abstützung auf einzelne, von christlichen Mönchen niedergeschriebene Werke wie die Edda.

In Teilen des rechtsextremen Spektrums gibt es zudem die Vorstellung, dass das Christentum von Juden geschaffen worden sei, um Nichtjuden geistig und spirituell zu schwächen. Andere rechtsradikale Gegner des Christentums beziehen sich auf Nietzsche, der im Christentum die  „Partei alles Schwachen, Niedrigen, Missratenen“ sah.

  • Jürgen Rieger, der die völkisch-religiöse „Artgemeinschaft“ leitete, bezeichnete das Christentum bzw. seine Moral als „volksfeindlich, darüber hinaus lebensfeindlich insgesamt“. Das Christentum propagiere „Endzeiterwartung statt Wille zur Dauer“, „Weltfeindschaft gegen Diesseitsheiligung“, „Egozentrik gegen Familien-, Volks- und Rassengebundenheit“, „Feindesliebe gegen Feindesbekämpfung“, „Gleichheitswahn gegen Rangordnung“, „Staatsverneinung gegen Staatsbejahung“, „Erbsünde gegen realistische Einschätzung der menschlichen Natur“, und „Naturfeindschaft gegen Achtung der Natur“.
  • Julius Evola schrieb in seinem Werk „Heidnischer Imperialismus“: „Das Drama von Golgotha, die Exekution des semitischen Apostels, hat keinen Wert.“ Das Christentum habe das Römische Reich geistig vergiftet und stelle eine Erhebung der Schwachen dar, die sich gegen die Kraft und das Starke richte.
  • Alain de Benoist, der sich selbst als Neuheide bezeichnete, warf dem Christentum vor, den Bruch des Menschen mit der Natur zu predigen. Die Moral des Christentums sei zudem „vom Ressentiment getragen und ein „kraftzersetzendes, gesundheitsraubendes, machtvernichtendes System.“ Mit der Einführung des Christentums in Europa habe ein „langsamer Zersetzungs- und Zersplitterungsprozess der Gesellschaftsordnung“ eingesetzt.
  • Das „Thule-Seminar“ sieht im Christentum eine Variante des Egalitarismus. Es sei neben Judentum, Marxismus und Liberalismus die „Hauptursache für die tiefe Dekadenz der modernen Welt.“

Auch wenn Teile dieses Spektrums sich als Verteidiger Europas und seiner Traditionen darstellen, so sind die genannten Bewegungen insgesamt im Kontext moderner Ideologien zu betrachten, die sich gegen das reale, durch das Christentum geprägte kulturelle Erbe Europas richten und es zerstören wollen.

3.4 Sonstiges säkulares Spektrum

Der liberale amerikanische Publizist und Journalist Sohrab Ahmari beschrieb im September 2017 eine Zunahme christenfeindlicher Tendenzen in progressiven Ideologien und Parteien in westlichen Gesellschaften. So würde Christen in der Politik verstärkt die Eignung für öffentliche Ämter aufgrund ihres Glaubens abgesprochen.

  • Sozialdemokratie: Die Sozialdemokratie im deutschsprachigen Raum positionierte sich in den ersten Jahrzehnten ihrer Existenz als Gegnerin der Kirche, rückte jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend von radikaleren Positionen ab. Zudem waren zuletzt innerhalb der Sozialdemokratie im Zusammenhang mit der Verbreitung laizistischer Ideologie jedoch allgemeine Radikalisierungstendenzen gegenüber der Kirche und dem Christentum zu beobachten. Justizminister Heiko Maas sagte etwa im September 2017, dass er das Eintreten für ein „klares Familienbild aus Vater, Mutter und Kindern“ als verfassungswidrig bewerte. Der spätere SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz forderte 2014 als EU-Parlamentspräsident eine Entfernung christlicher Symbole aus der Öffentlichkeit. Das christliche Kreuz stehe laut Schulz für Einstellungen, die im Sinne der Anti-Diskriminierungsideologie „bekämpft“ werden müssten. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Eva Högl bezeichnete (im konkreten Fall christdemokratische) Vertreter der Lebensschutz-Bewegung im März 2018 als „widerliche ‚Lebenschützer*innen‘„. Der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt und SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth verglich im März 2018 „evangelikale Fundamentalisten“ mit islamistischen Haßprediger und erklärte, dass diese nicht zu Deutschland gehörten. Auf Nachfrage erklärte er, dass er sich auf Christen mit „wörtlichem Bibelverständnis“ bezogen habe. Insbesondere in sozialdemokratischen Jugendorganisation herrschen zudem anhaltend radikale antikirchliche und auch christenfeindliche Positionen vor. Die Jugendorganisation der SPD in Sachsen Anhalt legte zum Beispiel 2018 Papier vor, in dem sie erklärte, „dass eine über 2000 Jahre alte Hirtenmythologie keine Antworten auf die Probleme des 21. Jahrhunderts liefert.“ Der SPD-Ortverein Haßberge verglich im Mai 2018 das Aufhängen christlicher Kreuze in Verwaltungsgebäuden in Bayern mit dem Aufhängen von Hakenkreuzen zur Zeit des Nationalsozialismus.
  • Rechtspopulismus: In Teilen der AfD ist eine wachsende Ablehnung der Kirche zu beobachten, der u.a. pauschal ein Eintreten für offene Grenzen vorgeworfen wird. Auf einem Bundesparteitag der AfD forderte ein Redner Mitglieder der Partei zum Austritt aus der Kirche auf, woraufhin er starken Applaus erhielt. Die AfD forderte in ihrem Programm für die Landtagswahl in Bayern 2018 eine „konsequente Trennung von Staat und Religion“ (und nicht die Trennung von Staat und Kirche) im Sinne laizistischer Ideologie. Die Kirche sei laut AfD „eine besondere Lobbygruppe“, deren „staatliche Unterstützung […] dem deutschen und insbesondere bayerischen Steuerzahler nicht länger zumutbar“ sei. Der im rechtspopulistischen Spektrum aktive Publizist Michael Mannheimer behauptete im Juni 2018 unter Berufung auf einen amerikanischen Verschwörungstheoretiker: „Papst Franziskus befiehlt weißen Frauen, sich mit muslimischen Männern zu ‚kreuzen‘„. Er bezeichnete den Papst in diesem Zusammenhang als „Antichrist“.

Eine generelle Christen- und insbesondere Kirchenfeindlichkeit, wie sie seit der Zeit der französischen Revolution bei vielen progressiven Parteien und Bewegungen zu beobachten war und dabei nicht selten die Schwelle zur Christenverfolgung überschritt, liegt bei bei den hier beschriebenen Tendenzen jedoch gegenwärtig nicht vor.

3.5 Satanismus

Das Phänome erreichte in Deutschland in den 1980er Jahren einen Höhepunkt, nahm danach jedoch an Bedeutung ab. Es ist insbesondere in der Black Metal sowie teilweise auch in der Death Metal-Subkultur verbreitet.

In diesem Zusammenhang kommt es vereinzelt zu Vandalismus, z.B. an Kirchen, wobei z.T. Hinweise auf die Ideologie der Täter hinterlassen werden, etwa in Form von Farbschmierereien.

4. Schwarze Legenden: Grundlinien christenfeindlicher Propaganda seit dem 16. Jahrhundert

Um das Christentum zu delegitimieren, greifen seine Gegner dessen Metaphysik, Geschichte und Werke auch mit falschen Behauptungen an. Diese gehen oft auf die ursprünglich gegen Spanien gerichtete antikatholische englische Propaganda des 15. Jahrunderts zurück, die der Historiker Julián Juderías als “schwarze Legende” bezeichnet hatte.

Radikale Strömungen innerhalb der Aufklärung griffen diese Propaganda später auf und setzten sie fort. Dabei gibt es meist darum, das Christentum, insbesondere die katholische Kirche, als rückständig, irrational, abergläubisch und verbrecherisch darzustellen. Neben Erfindungen und falschen Behauptungen werden dafür auch karikaturhafte Überzeichnungen realen Geschehens eingesetzt.

Viele der in diesem Zusammenhang verbreiteten falschen Darstellungen wurden später durch Kommunisten, Nationalsozialisten und andere Gegner des Christentums aufgegriffen und wirken bis in die Gegenwart nach.

  • „Das christliche Mittelalter war eine dunkle Zeit“: Entgegen der historischen Tatsachen verbreitete Darstellung des Mittelalters als einer „dunklen Zeit“ weiterhin stark verbreitet. Dieses Bild war ursprünglich von radikalen Aufklärern geschaffen worden, die dadurch alle Kulturleistungen der abendländischen Geschichte für sich beanspruchen wollten. Tatsächlich begannen bereits die Mönche des frühen Mittelalters damit, an die Kulturleistungen der Antike anzuknüpfen, in dem sie diese zunächst bewahrten. Spätestens seit den Karolingern wurde kontinuierlich und mit wachsendem Erfolg versucht, diese Leistungen zu fortzusetzen und zu übertreffen, was auf vielen Gebieten auch gelang. Die Baukunst der Kathedralen des 11. Jahrhunderts war der römischen Baukunst etwa bereits in vieler Hinsicht überlegen. Im Früh- und Hochmittelalter wurden zudem bislang unerschlossene Teile Mitteleuropas besiedelt, und zahlreiche Städte sowie die ersten Universitäten gegründet. Außerdem wurden die Sklaverei weitestgehend abgeschafft, eine Schriftkultur verbreitet und eine Literatur und Lyrik in den europäischen Nationalsprachen geschaffen sowie die Polyphonie in der Musik entwickelt, um nur einige Leistungen zu nennen. Auf der Grundlage des Christentums wuchsen zudem die Stämme zu den heute noch bestehenden Nationen zusammen. Das Mittelalter war keine „dunkle Zeit“, sondern eine Zeit kultureller Entwicklung und großer Leistungen, in der die kulturellen Grundlagen Europas geschaffen wurden.
  • „Erst die Aufklärung brachte Europa Wissenschaft und Vernunft“: Im Hochmittelalter wurden in Europa die ersten Universitäten gegründet, an denen auf Grundlage der Theologie bzw. des logisch strukturierten Nachdenkens über Gott die unter Ankünpfung an antike Philosophie und Logik die Grundlagen der modernen Wissenschaft gelegt wurden. Das Wirken des hl. Thomas von Aquin und der Scholastik war bereits im 11. Jhd. von der vernunftgeleiteten Auseinandersetzung mit geistigen Fragen geprägt.
  • „Die Inquisition gehört zu den großen Verbrechen in der Geschichte der Menschheit“: Die Inquisition gilt entgegen der Tatsachen verbreitet als historisches Verbrechen von großem Ausmaß und wird verbreitet auch für Phänomene wie Hexenverfolgung verantwortlich gemacht. Tatsächlich bekämpfte die Inquisition die aus dem von Resten heidnischer Vorstellungen beeinflussten Volksglauben stammende Hexenverfolgung. Der bereits im Frühmittelalter erschienene Canon Episcopi prägte die katholische Position in dieser Frage, die im Hexenglauben einen Ausdruck von Wahnvorstellungen sah und ihn vorbehaltlos als Aberglaube verurteilte. Forscher, die Archive der Kongregation für die Glaubenslehre über Inquisition ausgewertet haben, sprechen von einer „Kluft zwischen Wissenschaft und Medien“, die mit der Zeitimmer größer werde. Während die Forschung zu immer differenzierterenn und auch zurückhaltenderen Bewertungen der Inquisition gelange, „verankerten sich die Medien in mythologischen Visionen, in denen sich zur Darbietung alter Schemata der schwarzen Legende hagiographische Überspanntheit gesellte, die noch weniger glaubwürdig war als erstere“. Es herrsche im Umgang mit dem Thema ein Klima der „Leidenschaften und Vorurteile“, vor das „jeder Argumentation trotzt“.
  • „Die Kirche hat behauptet, dass die Erde eine Scheibe sei“: Ebenfalls stark verbreitet ist weiterhin die Ansicht, Kolumbus habe seine Fahrt über den Atlantik entgegen der angeblichen Ansicht der Kirche angetreten, dass die Erde eine Scheibe sei. Dieser falsche Darstellung geht offenbar auf einen Roman des Autors Washington Irving aus dem 19. Jahrhundert zurück, dessen Darstellungen von der Populärkultur unkritisch übernommen wurden und sich rasch verbreiteten. Tatsächlich hatte die Kirche Kolumbus von seiner Fahrt abgeraten, weil sie anders als dieser über realistische Vorstellungen verfügte, was den Umfang der Erde anging, und deshalb davon ausging, dass die von Kolumbus geplante Route nach Asien zu weit sei.
  • „Die Kirche war Wegbereiter des Holocaust“: Einer „schwarze Legende“ jüngeren Datums sei die katholische Kirche einer der Wegbereiter des Holocaust gewesen. Dies geht vor allem auf ein größtenteils auf fiktive Darstellungen wie das Theaterstück „Der Stellvertreter“ des Dramatikers Rolf Hochhuth sowie auf Versuche kommunistischer Staaten zurück, ihre Christenverfolgung in der Nachkriegszeit zu rechtfertigen. Tatsächlich hatte der Nationalsozialismus die katholische Kirche wegen ihrer „artfremden“ und „jüdischen“ Weltanschauung entschieden bekämpft, während die katholische Kirche umgekehrt den Nationalsozialismus unter anderem wegen seines Antisemitismus bereits einige Jahre vor dem Holocaust eindeutig verurteilt hatte.
  • „Die Errungenschaften freiheitlicher Gesellschaften wurden gegen die Kirche erkämpft“: Es wird zum Teil behauptet, dass die positive Errungenschaften freiheitlicher Gesellschaften gegen die Kirche und das Christentum durchgesetzt hätten werden müssen. Tatsächlich beruht jedoch die freiheitliche europäische Nachkriegsordnung anders als ihre auf säkular-totalitären Ideologien Gegenbilder ausdrücklich auf christlicher Weltanschauung, etwa auf der Naturrechtslehre. Diese freiheitliche Ordnung wurde mit dem vollständigen Rückhalt der Kirche durch christlich-konservative Staatsmänner wie Konrad Adenauer errichtet.

Verbreitet werden bei Angriffen gegen das Christentum diesem mangels aktuellerer Beispiele auch Fehler vorgehalten, die dieses bereits vor Jahrhunderten korrigiert hat. Dabei werden bewusst der historische Kontext und die seitdem vollzogene Entwicklung verschwiegen.