Stand: 03.11.2017

Diese Seite definiert die Konzepte Spiritualität, Weltanschauung und Ethos aus christlicher Perspektive.

Das Streben des Menschen zum Ewigen und Erhabenen führt zu unterschiedlichen Antworten und Ansätzen, was die Lebensgestaltung aus dem Glauben angeht. Diese Antworten gestalten sich jeweils in Form einer spezifischen Spiritualität und Weltanschauung sowie in einem spezifischen Ethos.

1. Spiritualität

Eine Spiritualität ist ein bestimmter Weg, das eigene Leben und Handeln aus dem Glauben heraus und in Übereinstimmung mit den Anforderungen zu gestalten, die Gott daran stellt.

In einer Spiritualität verwirklicht und beweist sich eine Religion. Sie wird in ihr erfahrbar und zugänglich. Eine Spiritualität umfasst dabei die bewusste Gestaltung aller Bereiche des eigenen Lebens in Bezug auf das Transzendente.

Es gibt im Christentum viele solcher Wege, die jeweils auf einem spezifischen Verständnis über das Verhältnis des Menschen zu Gott und die Rolle des Menschen in der Welt beruhen. Spiritualität beruht somit auf Weltanschauung, d.h. einem bestimmten geistigen Zugang zur Welt.

  • Allgemein werden tätige und kontemplative Formen der Spiritualität unterschieden.
  • Jeglicher christlicher Spiritualität geht es darum, einen konkreten Weg zu beschreiben, wie Jesus Christus, der „sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm […] und gehorsam wurde bis in den Tod“ (Phil 2,7-8)  dienend nachgefolgt werden kann, um die Bestimmung des Menschen zu erfüllen.
  • Einem solchen Weg zu folgen setzt voraus, selbst einen Glauben und einen Zugang zum Transzendenten und zur geistigen Wirklichkeit zu besitzen. Ein spiritueller Mensch ist sich seines Zugangs zu diesen Dingen bewusst und lässt das Göttliche in sich wirken und es sich in allen Aspekten seines Lebens zur Entfaltung bringen.

In einem spirituellen Leben ist der Glaube nicht ein Teil des Lebens unter vielen, sondern prägt und durchdringt dieses vollständig.

Frömmigkeit

Der Begriff der Spiritualität hat im 20. Jahrhundert den älteren Begriff der Frömmigkeit weitgehend ersetzt. Dieser betonte den Aspekt der im Glauben wurzelnden Lebenshaltung, der sich in einer bestimmten Lebensgestaltung äußert. Ursprünglich hatte der Begriff „fromm“ die Bedeutungen „tüchtig“, „rechtschaffen“ und „nützlich“ im dienenden Sinne.

2. Weltanschauung

Weltanschauung ist die aus der Seele und dem Wesen des Menschen heraus vorgenommene, im Glauben wurzelnde Schau der inneren und äußeren Zusammenhänge der als Sinnganzem wahrgenommenen Welt, auf der Spiritualität und Ethos beruhen.

Ihrem Anspruch nach ist Weltanschauung umfassend angelegt und strebt die Einbindung aller Aspekte der materiellen und geistigen Wirklichkeit an. Weltanschauung beruht somit außer auf dem Glauben auch auf Tradition, Erfahrung sowie auf Vernunft und der Beobachtung des Menschen und der Natur. Eine von einem Teil der Wirklichkeit losgelöste Weltanschauung wäre nicht wirklichkeitsgerecht und somit untauglich. Dabei spielt es keine Rolle, ob die geistige oder die materielle Dimension der Wirklichkeit ausgeblendet wird.

Weltanschauung ist zudem der Versuch des Menschen, mit seinen Mitteln die Welt zu deuten und ihren tieferen Sinn sowie die Gesetze, denen sie folgt, zu verstehen. Weltanschauung ermöglicht dadurch dem Menschen die Orientierung in der Welt sowie die Dinge nach Rang und Wert zu ordnen und sich selbst in eine sinnvolle Beziehung zu ihnen zu setzen. Weltanschauung bildet somit den Rahmen sinnvollen menschlichen Handelns in der Welt. Als Mängelwesen braucht der Mensch Weltanschauung, um zu solchem Handeln überhaupt fähig zu werden. Jeder Mensch handelt im Rahmen einer Weltanschauung, auch wenn er sich deren nicht bewußt sein sollte.

Alle Weltanschauung ist zeitlich bedingt und Gegenstand von Entwicklung. Christliche Weltanschauung ist sich dabei der Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit und der Tatsache bewusst, dass der Mensch die größeren Zusammenhänge, in denen er sich bewegt, nur unvollkommen und nicht widerspruchsfrei erfassen kann. Wegen dieser Unvollkommenheit kommt der Erfahrung und der Tradition bei der Gestaltung von Weltanschauung eine besondere Bedeutung zu.

Eine lebendige Weltanschauung wächst an Herausforderungen. Sie sucht nicht nach Bestätigung, sondern nach Widerspruch, dem sie entweder standhält oder ihn integriert. Geistige Integrität verlangt es dabei, die Dinge so zu beschreiben wie sie sich darstellen und dabei keine Rücksicht darauf zu nehmen, ob sie vorhandene Weltanschauungen bestätigen oder nicht. Eine Weltanschauung, die nach ihrer eigenen Bestätigung sucht, würde erstarren und wäre den Herausforderungen, denen sie begegnet, irgendwann nicht mehr gewachsen. Eine Weltanschauung des schützenden, bewahrenden Dienstes muss sich dabei in besonderem Maße am Ernstfall und an ihren Herausforderungen orientieren.

3. Ethos

Ein Ethos ist die auf Weltanschauung beruhende Gesamthaltung einer Person oder einer Gemeinschaft, die deren Wesen, Ziele, Werte, Lebensverständnis und Lebensstil bestimmt. Das griechische Wort bedeutet „Gewohnheit“ oder „Sitte“. Ein Ethos ist Teil einer Spiritualität. Die Mönchsregel des Heiligen Benedikt ist ein Beispiel für ein christliches Ethos.

Ein Ethos beinhaltet zudem Auffassungen über die Aufgaben und Pflichten des einzelnen sowie über die Ordnung des Ganzen und des sich in Tugenden gestaltenden gelingenden Lebens. Durch ein Ethos wird die Einheit einer Gemeinschaft geformt, gefestigt und diese von anderen Gemeinschaften abgegrenzt.

Ein Ethos orientiert sich am dabei an den Anforderungen, die eine Person oder eine Gemeinschaft bei ihrem Dienst gerecht werden müssen und an den Eigenschaften, die sie zur Bewältigung der Herausforderungen, denen sie dabei gegenüberstehen, entwickeln und vervollkommnen müssen. Ein Ethos dient somit der Herausbildung von Tauglichkeit sowie der Überwindung und Bekämpfung von innerer Schwäche.