Stand: 13.12.2018

Diese Seite definiert die Grundlagen der Spiritualität des schützenden und bewahrenden Dienstes bzw. Grundbegriffe wie Glaube, Religion, Spiritualität und Weltanschauung.

1. Glaube

1.1 Glaube als Vertrauen in die Wahrheit der Aussagen der Religion

Glaube ist zunächst das Vertrauen in die Wahrheit der Aussagen der Religion, bzw. das Vertrauen darauf, dass das Zeugnis Christi wahr ist. Dieses Vertrauen führt zu weiterer Suche und zur Offenheit für das Wirken Gottes, der dann weitere Dinge dazugibt.

Glaube ist die Antwort des Menschen auf die Grundsatzfrage des Lebens, die nicht anders als durch Glauben zu beantworten ist. Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) schrieb dazu:

Christlich glauben bedeutet […] sich anvertrauen dem Sinn, der mich und die Welt trägt; ihn als den festen Grund nehmen, auf dem ich furchtlos stehen kann. […] Christlich glauben bedeutet, unsere Existenz als Antwort verstehen auf das Wort, den Logos, der alle Dinge trägt und hält. Es bedeutet das Jasagen dazu, dass der Sinn, den wir nicht machen, sondern nur empfangen können, uns schon geschenkt ist, sodass wir ihn nur zu nehmen und uns ihm anzuvertrauen brauchen.

Der Glaube sei in diesem Sinne eine Entscheidung des Menschen, die sich auf alle Bereiche seiner Existenz auswirkt, und die von allen Kräften seiner Existenz, auch von Wille und Verstand, getragen werden muss, damit er wirksam wird.

Bereits an diesem Punkt wird der Mensch auf seinem Weg zu Gott von Gott selbst geführt. Gott ist keinem Menschen fern.1 Er offenbart sich dem Menschen auf vielfache Weise, etwa in den Werken der Schöpfung, in persönlichen Erfahrungen und in Menschen mit besonderem prophetischem Auftrag.

1.2 Glaube und Vernunft

Christlicher Glaube lässt sich weder ohne die Vernunft noch doch sie alleine gewinnen. Er beruht auf der Prüfung und Zustimmung durch den Verstand und ist nicht nur Ausdruck eines religiösen Gefühls.

Atheisten und Agnostiker definieren Glaube häufig als das Fürwahrhalten einer Sache, ohne dass man dafür Beweise habe. Da Glaube kein materieller Vorgang ist und sich nicht auf solche bezieht, kann er durch naturwissenschaftliche Hypothesen und Argumente, die sich nur auf materielle Vorgänge beziehen, weder be- noch widerlegt werden. Eine Naturwissenschaft, die dies behauptet oder grundsätzlich ausschließt, dass es nichtmaterielle Aspekte der Wirklichkeit überhaupt geben könne, ist keine Wissenschaft mehr, sondern eine Ideologie.

Die Grundannahme der Naturwissenschaft, die von einem geordneten, mit den Mitteln des Verstandes erfassbaren Universum ausgeht, widerspricht der Annahme des Wirkens eines Schöpfergottes zudem nicht im Geringsten. Auch deshalb entwickelten sich die Naturwissenschaften gerade im christlichen Kulturraum besonders gut.

Papst Leo XIII. betonte 1891, dass Vernunft eine der göttlichen Eigenschaften sei, die den Menschen vom Tier unterscheiden:

Was den Menschen adelt und ihn zu der ihm eigenen Würde erhebt, das ist der vernünftige Geist; dieser verleiht ihm seinen Charakter als Mensch und trennt ihn seiner ganzen Wesenheit nach vom Tiere.

Glaube und Religion benötigen die Reflektion und die Prüfung durch den Verstand. Der hl. Augustinus betonte bereits in der Antike, dass es wichtig sei, die Heilige Schrift nicht entgegen der Erkenntnisse über die materielle Welt zu interpretieren. Glaube ohne die Prüfung durch den Verstand kann zu Aberglauben werden.

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) betonte, dass „entstellte Formen der Religion“ entstehen „wenn der reinigenden und strukturierenden Rolle der Vernunft im Bereich der Religion zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird“. 2

1.3 Glaube als Erfahrung transzendenter Wirklichkeit und Ergriffenheit von Gott

Der Glaube ist ein Geschenk, dass der Suchende von Gott erhält. Der Mensch kann sich den Glauben nicht selbst erarbeiten oder ihn aus eigener Kraft gewinnen. Wer aber auf die Wahrheit der Aussagen der Religion vertraut und von dieser Grundlage aus weitersucht, der kann von Gott erfasst werden und zu ihm in ein persönliches Verhältnis treten. Bruder Lorenz sagte, dass Gott „sein inneres Licht jedem, der Ihm ernstlich dienen will“ gebe.

Zum Glauben zu finden ist mit einem Erwachen vergleichbar. Der Mensch erkennt, dass es transzendente Wirklichkeit gibt.

Fortgeschrittener Glaube beruht auf der direkten Erfahrung des Heiligen und Ergriffenheit von ihm. Er ist eine den Menschen fundamental und für immer verändernde Erfahrung, die ihm einen Zugang zur vertikalen Dimension der Wirklichkeit verleiht. Der Glaube öffnet dem Menschen ein Tor aus dem Gefängnis des Ich und den engen Grenzen der physischen Welt und führt ihn über sich selbst hinaus. Er ist ein Schritt in das Unendliche und in die Ewigkeit hinein.

Rudolf Otto beschrieb diese Erfahrung als eine der Erfahrung Ergriffenheit von der überwältigenden Macht Gottes und des Ausgeliefertseins dieser gegenüber. Diese Erfahrung könne erschütternd sein und Schrecken auslösen und den Menschen zugleich auf eine bis zur Extase reichende Weise faszinieren. Das Erfahrene sei völlig fremdartig und gleiche nichts, was der Menschen schon kenne.

Jesus Christus beschrieb die Kraft des Glaubens mit dem Bild des Feuers:

Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!3

Der hl. Johannes vom Kreuz beschrieb den Glauben als „eine geheime, friedliche und liebevolle Eingießung Gottes, die in der empfänglichen Seele den Geist der Liebe entzündet.“

Im Glauben erfährt der Mensch seine Einbindung in größere Zusammenhänge. Der Gläubige erfährt Gott als etwas, das größer und mächtiger ist als alles, was er bis zu diesem Zeitpunkt kannte oder sich auch nur vorstellen konnte. Vor Gott nimmt der Gläubige sich als verschwindend klein wahr, und doch wird er durch den Glauben erhoben. Der Glaube ist die stärkste im Menschen wirkende Kraft, die ihn auch die Furcht vor dem Tod überwinden lässt und sein Leben auf ein neues, höheres Ziel ausrichtet. Er ist das, was Menschen über alle Generationen und Kulturen hinweg zu den großen Werken der Menschheit inspirierte und antrieb. Ein korrumpierter Glaube kann jedoch auch großen Schaden bewirken.

Der Gläubige will Gott verehren und anbeten, weil er erkennt, dass Gott über allen anderen Dingen steht und der Verehrung und Anbetung würdig ist. Der Gläubige will zudem in den Dienst Gottes eintreten.

Der Glaube kann zu einer den ganzen Menschen tragenden Kraft werden, die sein Leben vollständig bestimmt, seinen Blick ständig auf Gott wendet, ihm einen festen Standpunkt und die Bereitschaft zu Dienst und Opfer gibt. Der Gläubige tritt somit in den Dienst Gottes ein.

Der Theologe Romano Guardini schrieb dazu:

Glauben heißt, so zu Christus zu stehen, daß er zur Grundlage des eigenen Daseins, zum Anfang und Ziel der Lebensbewegung, zum Maßstab und zur Kraft wird. Wie weit einer das vollzieht, hängt von seiner Treue und Opferbereitschaft ab; daher tut der Glaubende gut, nicht zu sagen, er sei Christ, sondern er suche einer zu werden. Im Maße er es aber wird, öffnet sich ihm die Tür des Daseins.

Der Psychoanalytiker C.G. Jung sagte über den Glauben:

Es ist gleichgültig, was die Welt über die religiöse Erfahrung denkt; derjenige, der sie hat, besitzt den großen Schatz einer Sache, die ihm zu einer Quelle von Leben, Sinn und Schönheit wurde und die der Welt und der Menschheit einen neuen Glanz gegeben hat. […] Niemand kann wissen, was die letzten Dinge sind. Wir müssen sie hinnehmen, wie wir sie erfahren. Und wenn eine solche Erfahrung dazu hilft, das Leben gesünder oder schöner oder vollständiger oder sinnvoller zu gestalten, für einen selbst und für die, die man liebt, so kann man ruhig sagen: „Es war eine Gnade Gottes.“

Romano Guardini betonte, dass Glaube in diesem Sinne nicht das Ergebnis eines intellektuellen Prozesses ist, sondern ein Ereignis, das auf einen zukommt.

Das, was der Glaube im Menschen bewirkt, ist für den Menschen nicht kontrollierbar. Der Glaube kann den Menschen an Orte und in Situationen führen, die er nicht erwartet hätte.

2. Religion: Die Kultur des Glaubens

Religon ist die Kultur des Glaubens. Das Christentum wäre auch ohne Religion denkbar, da es in seiner einfachsten und unmittelbarsten Form in der Nachfolge Jesu Christi besteht.

Der Religionswissenschaftler Hans-Joachim Schoeps definierte Religion als die in Handlungen und Ideen, aber auch in Empfindungen erlebte Beziehung zwischen dem Mensch und dem Transzendenten. Das Christentum ist in erster Linie der Weg der dienenden Nachfolge Jesu Christi, aber in zweiter Linie ist es auch die darauf gegründete Kultur.

Religion ist die Konsequenz des Glaubens und die Form, in der der Mensch das Heilige und seine Erfahrung damit auszudrücken versucht. Religion beinhaltet die aus dem Glauben heraus geschaffene kulturelle Substanz bzw. die Kultur des Glaubens, die in der Kirche als Institution sowie in Theologie, Kunst, Moral, Ritus, Fest und Feier und anderen Werken erfahrbar wird. Die Kirche als Institution spricht das Bedürfnis des Menschen nach Sinn und Gedächtnis an, während die Theologie seinen Verstand anspricht und die Mystik als Erfahrungsanteil der Religion sein Gefühl anspricht.  Es gibt kaum eine Kultur in der Geschichte der Menschheit, die nicht in erster Linie religiös gewesen wäre.

Nur im Rahmen einer Religion können religiöse Gedanken systematisch und generationenübergreifend entwickelt werden. Religion wirkt außerdem fundamentalistischen, den Kontext der Schrift und verschiedene Bedeutungsbenen ignorierenden Tendenzen entgegen, die mit dem Verzicht auf eine religiöse Lehre verbunden sind. Die Bibel in ihrer Tiefe und Komplexität fordert den Menschen zu ihrer Ergründung und Deutung heraus, was nur im Rahmen von Religion möglich ist. Der Kanon der Bibel ist selbst das Ergebnis der organisierten geistigen Auseinandersetzung mit der Lehre Jesu Christi im religiösen Rahmen. Die Bibel ist das Werk der christlichen Religion.

Anders als der Glaube entwickelt sich Religion, weil sie vom Glauben getrieben wächst. Eine Religion ohne Glauben droht zu erstarren und zu einem toten System zunehmend unverstandener Regeln und Formalismen zu werden.

2.1 Der Wahrheitsanspruch der Religion

Die ernstgemeinte Suche nach Wahrheit setzt einen Wahrheitsanspruch voraus. Das Christentum erhebt diesen Anspruch, da es nicht in sich aufnehmen könnte, was es nach sorgfältiger Prüfung nicht für wahr hält. Nur wer nicht nach Wahrheit strebt und Gedanken nicht darauf prüft, ob sie der Wahrheit entsprechen, erhebt keinen Anspruch darauf, dass der gegenwärtige Stand seiner Überlegungen der Wahrheit nicht hinreichend nahekommt.

Jedes geistige System, das auf der organisierten, rationalen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand seiner Betrachtungen beruht, muss einen solchen Wahrheitsanspruch erheben. Die Behauptung, dass unterschiedliche Aussagen gleichermaßen wahr sein können oder dass es keine objektive Wahrheit gibt, wäre irrational, weil sie den Gesetzen der Logik widerspräche.

Dogmen sind auf dem Weg des rationalen Strebens nach Wahrheit herausgearbeitete religiöse Bestände. Eine undogmatische Religion wäre eine ungeistige, irrationale Religion, die sich nur auf Gefühle stützen würde. Christliche Religion geht von der Unvollkommenheit des Menschen aus. In ihrer Suche nach Wahrheit ist sie demütig, weil sie sich der Grenzen des Menschen bewusst ist.

2.2 Falsche Religion

Es kann aus christlicher Sicht falsche Religion geben, in der die Kultur sich verselbstständigt und nicht mehr auf Gott ausgerichtet ist. Jesus Christus griff mehrere Verfallsformen von Religion an. Dazu gehörte religiöse Selbstgerechtigkeit, die sich im Wunsch äußert, als moralisch überlegen wahrgenommen zu werden anstatt dienen zu wollen. Jesus Christus wurde auf Entscheidung korrumpierter religiöser Führer gekreuzigt, nicht auf Entscheidung weltlicher Herrscher.

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) zufolge entstehen „entstellte Formen der Religion“, „wenn der reinigenden und strukturierenden Rolle der Vernunft im Bereich der Religion zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird“. 4

3. Spiritualität

Das Streben des Menschen zum Ewigen und Erhabenen führt zu unterschiedlichen Antworten und Ansätzen, was die Lebensgestaltung aus dem Glauben angeht. Diese Antworten gestalten sich jeweils in Form einer spezifischen Spiritualität und Weltanschauung sowie in einem spezifischen Ethos.

Eine Spiritualität ist ein bestimmter Weg, das eigene Leben und Handeln aus dem Glauben heraus und in Übereinstimmung mit den Anforderungen zu gestalten, die Gott daran stellt.

In ihrer Spiritualität verwirklicht und beweist sich eine Religion. Eine Spiritualität umfasst die bewusste Gestaltung aller Bereiche des eigenen Lebens in Bezug auf das Transzendente und ist ein bestimmter Weg, das eigene Leben und Handeln aus dem Glauben heraus und in Übereinstimmung mit den Anforderungen zu gestalten, die Gott daran stellt. Es geht in christlicher Spiritualität darum, einen konkreten Weg zu beschreiben, wie Jesus Christus, der „sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm […] und gehorsam wurde bis in den Tod“ (Phil 2,7-8) dienend nachgefolgt werden kann, um die Bestimmung des Menschen zu erfüllen.

Es gibt im Christentum viele solcher Wege, die jeweils auf einem spezifischen Verständnis über das Verhältnis des Menschen zu Gott und die Rolle des Menschen in der Welt beruhen. Spiritualität beruht somit auf Weltanschauung, d.h. einem bestimmten geistigen Zugang zur Welt.

  • Allgemein werden tätige und kontemplative Formen der Spiritualität unterschieden.
  • Jeglicher christlicher Spiritualität geht es darum, einen konkreten Weg zu beschreiben, wie Jesus Christus, der „sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm […] und gehorsam wurde bis in den Tod“ (Phil 2,7-8)  dienend nachgefolgt werden kann, um die Bestimmung des Menschen zu erfüllen.
  • Einem solchen Weg zu folgen setzt voraus, selbst einen Glauben und einen Zugang zum Transzendenten und zur geistigen Wirklichkeit zu besitzen. Ein spiritueller Mensch ist sich seines Zugangs zu diesen Dingen bewusst und lässt das Göttliche in sich wirken und es sich in allen Aspekten seines Lebens zur Entfaltung bringen.

In einem spirituellen Leben ist der Glaube nicht ein Teil des Lebens unter vielen, sondern prägt und durchdringt dieses vollständig.

Frömmigkeit

Der Begriff der Spiritualität hat im 20. Jahrhundert den älteren Begriff der Frömmigkeit weitgehend ersetzt. Dieser betonte den Aspekt der im Glauben wurzelnden Lebenshaltung, der sich in einer bestimmten Lebensgestaltung äußert. Ursprünglich hatte der Begriff „fromm“ die Bedeutungen „tüchtig“, „rechtschaffen“ und „nützlich“ im dienenden Sinne.

4 Weltanschauung

Weltanschauung ist die aus der Seele und dem Wesen des Menschen heraus vorgenommene, im Glauben wurzelnde Schau der inneren und äußeren Zusammenhänge der als Sinnganzem wahrgenommenen Welt, auf der Spiritualität und Ethos beruhen.

Ihrem Anspruch nach ist Weltanschauung umfassend angelegt und strebt die Einbindung aller Aspekte der materiellen und geistigen Wirklichkeit an. Weltanschauung beruht somit außer auf dem Glauben auch auf Tradition, Erfahrung sowie auf Vernunft und der Beobachtung des Menschen und der Natur. Eine von einem Teil der Wirklichkeit losgelöste Weltanschauung wäre nicht wirklichkeitsgerecht und somit untauglich. Dabei spielt es keine Rolle, ob die geistige oder die materielle Dimension der Wirklichkeit ausgeblendet wird.

Weltanschauung ist zudem der Versuch des Menschen, mit seinen Mitteln die Welt zu deuten und ihren tieferen Sinn sowie die Gesetze, denen sie folgt, zu verstehen. Weltanschauung ermöglicht dadurch dem Menschen die Orientierung in der Welt sowie die Dinge nach Rang und Wert zu ordnen und sich selbst in eine sinnvolle Beziehung zu ihnen zu setzen. Weltanschauung bildet somit den Rahmen sinnvollen menschlichen Handelns in der Welt. Als Mängelwesen braucht der Mensch Weltanschauung, um zu solchem Handeln überhaupt fähig zu werden. Jeder Mensch handelt im Rahmen einer Weltanschauung, auch wenn er sich deren nicht bewußt sein sollte.

Alle Weltanschauung ist zeitlich bedingt und Gegenstand von Entwicklung. Christliche Weltanschauung ist sich dabei der Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit und der Tatsache bewusst, dass der Mensch die größeren Zusammenhänge, in denen er sich bewegt, nur unvollkommen und nicht widerspruchsfrei erfassen kann. Wegen dieser Unvollkommenheit kommt der Erfahrung und der Tradition bei der Gestaltung von Weltanschauung eine besondere Bedeutung zu.

Eine lebendige Weltanschauung wächst an Herausforderungen. Sie sucht nicht nach Bestätigung, sondern nach Widerspruch, dem sie entweder standhält oder ihn integriert. Geistige Integrität verlangt es dabei, die Dinge so zu beschreiben wie sie sich darstellen und dabei keine Rücksicht darauf zu nehmen, ob sie vorhandene Weltanschauungen bestätigen oder nicht. Eine Weltanschauung, die nach ihrer eigenen Bestätigung sucht, würde erstarren und wäre den Herausforderungen, denen sie begegnet, irgendwann nicht mehr gewachsen. Eine Weltanschauung des schützenden, bewahrenden Dienstes muss sich dabei in besonderem Maße am Ernstfall und an ihren Herausforderungen orientieren.

5. Ethos

Ein Ethos ist die auf Weltanschauung beruhende Gesamthaltung einer Person oder einer Gemeinschaft, die deren Wesen, Ziele, Werte, Lebensverständnis und Lebensstil bestimmt. Das griechische Wort bedeutet „Gewohnheit“ oder „Sitte“. Ein Ethos ist Teil einer Spiritualität. Die Mönchsregel des Heiligen Benedikt ist ein Beispiel für ein christliches Ethos.

Ein Ethos beinhaltet zudem Auffassungen über die Aufgaben und Pflichten des einzelnen sowie über die Ordnung des Ganzen und des sich in Tugenden gestaltenden gelingenden Lebens. Durch ein Ethos wird die Einheit einer Gemeinschaft geformt, gefestigt und diese von anderen Gemeinschaften abgegrenzt.

Ein Ethos orientiert sich am dabei an den Anforderungen, die eine Person oder eine Gemeinschaft bei ihrem Dienst gerecht werden müssen und an den Eigenschaften, die sie zur Bewältigung der Herausforderungen, denen sie dabei gegenüberstehen, entwickeln und vervollkommnen müssen. Ein Ethos dient somit der Herausbildung von Tauglichkeit sowie der Überwindung und Bekämpfung von innerer Schwäche.