Stand: 31.07.2018

Die Treue ist die Willenstugend des Festhaltens am eigenen Auftrag und am eigenen Wort sowie der Kontinuität beim Ausüben der eigenen Pflicht im Gehorsam gegenüber Gott. Ein moderner Begriff für Treue ist „Integrität“.

Die Treue ist eine Untertugend der Gerechtigkeit. Sie ist eines der wesentlichen Themen in der Offenbarung des Johannes. Hier geht es um die Treue der Christen, die „treu bis in den Tod“ gegen alle Widerstände an Jesus Christus und am Glauben festhalten und in der Ewigkeit mit ihm herrschen würden.

Treue äußert sich im Streben nach Beständigkeit und Verlässlichkeit. Der treue Mensch hält an dem fest, was er als Richtig erkannt hat. Er setzt dem Egoismus der Welt seine Entscheidung zum Festhalten an Gott und zum Dienst entgegen.

Alle gute Treue beruht auf Treue bzw. auf Gehorsam gegenüber Gott. Man kann nur einem Herren dienen (Mt 6,24). Dies kann erfordern, die Treue gegenüber Menschen zu verweigern, falls diese in Konflikt mit den eigenen Pflichten gegenüber Gott gerät. Säkulare Ideologien, deren Führer die Treue gegenüber Gott verweigerten, aber Treue von anderen forderten, haben den Begriff der Treue in diesem Sinne missbraucht.

Auf einen treuen Menschen ist Verlass, so dass ihm Verantwortung übertragen werden kann. Er ist da, wenn er gebraucht wird. Der treue Mensch weicht auch dann nicht vom richtigen Weg ab, wenn dies leichter für ihn wäre und es scheinbar niemandem schadet oder auffällt. Wer nur aus Furcht vor Strafe an einer Pflicht festhält, handelt nicht treu.

Innerhalb einer Hierarchie äußert sich in Treue in Gehorsam gegenüber einer Führung und Fürsorge gegenüber Untergebenen.  Gehorsam ist passive Mindestform der Treue im Sinne der auf Pflichterfüllung gegründeten Unterordnung des Einzelnen unter eine Führung. Ohne Gehorsam könnte keine dienende Gemeinschaft funktionieren, aber im besten Fall reicht der innere Befehl der Pflicht aus, um dem Einzelnen den Weg zu weisen.

Ein Eid bzw. die formelle Übernahme einer Dienstpflicht im Rahmen einer Institution oder Organisation soll zur Treue verpflichten.

Das Vertrauen in gegenseitige Treue stärkt eine Gemeinschaft. Die Treue zu halten fällt leichter, wenn man davon ausgehen kann, dass dies auch andere unter Belastung und gegen Widerstand tun werden.

Die Pflicht zur Geheimhaltung anvertrauter Dinge ist Teil der Tugend der Treue:

Der trügerisch Wandelnde enthüllt Geheimnisse; der Treugesinnte aber verbirgt, was der Freund ihm anvertraut. (Sir 27, 16 ff.)

Einem Menschen gegenüber im guten Sinne treu zu sein bedeutet, das beste für ihn anzustreben und ihn zu korrigieren, wenn er sich falsch verhält. Treue gegenüber anderen Menschen bedeutet auch, einen Angriff gegen sie wie einen Angriff auf sich selbst zu behandeln.

Der Tugend der Treue als Laster gegenübergestellt ist der Verrat als Verweigerung des gebotenen Dienstes und der Verweigerung der Einhaltung abgegebener Versprechen.