Stand: 24.10.2018

Gerechtigkeit ist das Ergebnis der Verwirklichung der Ordnung Gottes in der Welt und im Leben der Menschen. Gerecht ist, was der Verwirklichung des Reiches Gottes dient. Der Gerechte ist der Vollendete, der das Heil besitzt und am Ziel seines Lebens angelangt ist.

Gerechtigkeit als Kardinaltugend

Die Kardinaltugend der Gerechtigkeit beinhaltet die Verpflichtung darauf, dass durch die Klugheit erkannte Gute in der Welt zu verwirklichen sowie die Verpflichtung des Handelns sowohl des einzelnen als auch der Gemeinschaft auf das Gemeinwohl.

Gerechtigkeit als Tugend umfasst den Willen und die Fähigkeit, Gott und dem Nächsten zu geben, was ihnen gebührt. Wer Gerechtigkeit übt, gibt und lässt anderen ihr Recht. Er begeht keine Übergriffe gegen die legitimen Ansprüche anderer und duldet es nicht, wenn andere solche Übergriffe begehen. Die Tugend der Klugheit hilft zu erkennen, was dabei jeweils angemessen ist. In einer extremen Lage können extreme Maßnahmen angemessen und somit gerecht und falsche Zurückhaltung ungerecht sein.

Gerechtigkeit beruht zudem auf angemessenen Unterscheidungen sowie darauf, das Gleiche gleich und das Ungleiche ungleich zu behandeln.  Verhältnismäßigkeit und Angemessenheit sind ebenfalls Teil der Gerechtigkeit. Gerecht ist es, im eigenen Vorgehen jeweils das am besten geeignete und schonendste zur Verfügung stehende Mittel zu nutzen und dieses proportional einzusetzen, d.h. so, dass die durch den Einsatz bewirkten Nachteile die Vorteile nicht überwiegen.Ein Prinzip der Gerechtigkeit ist es außerdem, dass das Geleistete dem Geschuldeten zu entsprechen hat.

Die Gerechtigkeit wurde auch als die Tugend beschrieben, die dabei hilft, alle Dinge in die richtige Beziehung zu Gott zu stellen und im eigenen Handeln seinen Forderungen zu entsprechen. Der gerecht handelnde Mensch ordnet dadurch sein Umfeld nach dem Willen Gottes und fördert Harmonie in den menschlichen Beziehungen. Er achtet zudem die Rechte anderer und ist in der Lage, seine eigenen Interessen zurück zu stellen, wenn das moralische Gesetz es erfordert.