Stand: 23.10.2018

Damit ein Mann in seinem Dienst Wirkung erzielen und Frucht bringen kann, muss er zunächst für diesen Dienst tauglich werden. Der Dienst des Christen fordert den ganzen Menschen, der dafür geistig, seelisch und körperlich bereit werden und in Form kommen muss.

Jesus Christus fordert den, der ihm nachfolgt, dazu auf, ein „tüchtiger und treuer Diener“ zu werden, der die ihm gegebenen Anlagen und Fähigkeiten wirksam einsetzt.1

Wer im Dienst steht, muß höheren Anforderungen genügen, größere Opfer bringen und mehr leisten können als andere Menschen. Geoffroy de Charny, ein Vordenker des mittelalterlichen Rittertums, schrieb, dass der im Dienst stehende Mensch daher nach immer größerer Tauglichkeit strebe, in dem er seine Fähigkeit zu Dienen ständig erweitere. Tauglichkeit bzw. Tüchtigkeit beschreibe die Gesamtheit der für den Dienst erforderlichen Eigenschaften. Diese müsse ständig eingeübt werden und sich im praktischen Dienst unter Beweis stellen. Wo dies gelingt, sei Ehre das Resultat.

Formation ist erforderlich, um Menschen zum Dienst zu stärken und zu befähigen, damit das Christentum in Europa auch in schwierigen Zeiten Bestand haben kann und Christen unter diesen Bedingungen ihren Dienst an den Menschen fortsetzen können.

Paul VI. sagte über die Bedeutung der Tauglichkeit des Christen für seinen Dienst:

Die Kirche muss ein Volk von starken Menschen sein, ein Volk von mutigen Zeugen, ein Volk, das für seinen Glauben und für seine Verbreitung leiden kann – schweigend, umsonst und stets aus Liebe.

Benedikt XVI. betonte, dass nur „eine schöpferische Minderheit das Ruder noch herumreißen kann“. Eine solche Gruppe muss jedoch ausgebildet werden.

Die abendländische Tradition betont die Bedeutung der Beherrschung sowohl geistiger als auch praktischer  Fertigkeiten durch den Mann. In den Klöstern Europas wurden neben den sieben freien Künsten auch praktische Künste („Artes Mechanicae“) gepflegt und ausgebildet. Neben verschiedenen Handwerken gehörten dazu laut dem im 9. Jahrhundert wirkenden Gelehrten Johannes Scottus Eriugena auch die Künste der „Militia“ und der „Venatoria“ (Kampfkunst, Waffenkunde und Jagd).

Wer sich zu einem dienenden Leben entscheidet, muss in besonderem Maße damit rechnen, schwierigen Lagen zu begegnen, denen er gewachsen sein muss. Von seinem Dienst hängen andere ab, die sich auf ihn verlassen können müssen. Der im Dienst stehende Mann muss daher seine Tauglichkeit stärken und pflegen für den Tag, an dem sie gebraucht wird, und sein Leben dazu einer Ordnung unterwerfen und von ihr formen lassen.

Wer in seinem Dienst Wirkung erzielen will, muss Hans Urs von Balthasar zufolge etwas geben können und im Bereich seiner Berufung „tüchtig und beschlagen“ sein. Tauglichkeit setze vor allem aber den Willen zum Dienst in Form von Freiwilligkeit, der Bejahung des eigenen Auftrags und der Absage an den eigenen Egoismus voraus. Der Mensch erhalte für seinen Auftrag Fähigkeiten von Gott, die er nicht verbergen, sondern einsetzen solle. Aus den wenigen Jahren des eigenen Lebens müsse man an Dienst herausholen, was nur möglich sei, und den Ehrgeiz haben, diesen so gut wie möglich zu leisten.

Der hl. Basilius der Große, einer der Kirchenlehrer, verwies darauf, dass der Christ zunächst seine eigene Seele im Griff haben müsse, um jenen helfen zu können, die sich auf ihn stützen „als Führer und Verteidiger“.

Die Ausbildung und Aufrechterhaltung von Tauglichkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der tätigen Spiritualität des schützenden Dienstes. Der dienende Mensch wirkt edel, hilfreich und gut in seinem Umfeld und darf keine vermeidbare Schwäche in sich dulden. Er muss sich dazu zunächst innerlich von den geistigen Auflösungstendenzen befreien, die sein Umfeld bestimmen.

Möglicherweise musste auch Jesus Christus als Mensch tauglich werden für seinen Auftrag in den verborgenen Jahren seines Lebens, von denen die Bibel sagt, dass er in ihnen seinen Eltern gehorchte und an Stärke und Weisheit gewann.

Das christliche Rittertum strebte das Ideal des Preudomme, des umfassend tauglichen Mannes an.

Erzbischof Charles Chaput erinnerte er daran, dass das Christentum in Form des Rittertums ein zeitloses Bild von dienstbereiter Männlichkeit geschaffen habe, das angesichts der sich ankündigenden Verwerfungen in westlichen Gesellschaften an Bedeutung gewinne.

  • Erinnerung sei eine Säule von Identität. Moderne Ideologien, welche die Bindung an die eigene Geschichte und die Erinnerung an sie auflösen wollten, würden dadurch Gesellschaften zerstören, so wie die Krankheit Alzheimer den individuellen Menschen zerstöre, indem sie ihn seines Gedächtnisses beraube.
  • Für die Formung des Mannes seien Erinnerung und Tradition jedoch von besonderer Bedeutung, da Männlichkeit erlernt werden und dazu auf die von der Tradition aufgebauten kulturellen Bestände zurückgreifen müsse.
  • Das Rittertum habe ein zeitloses männliches Ideal geschaffen, nämlich das der Gemeinschaft wehrhafter Männer, die als Brüder ein Leben der asketischen Strenge, der Disziplin und der Glaubenspraxis führen wollten, um Gott und dem Nächsten vorbehaltlos zu dienen.

Feminismus und Genderideologie, die den Menschen als fluides, nach materiellen Dingen und nach Befriedigung seiner Triebe strebendes Wesen betrachteten, wirkten destruktiv, weil sie die Berufung des Mannes zu großen Taten leugneten. Jeder Mann müsse sich entscheiden, ob er sich von solchen Ideologien in ein kleines Leben herabziehen lassen oder Jesus Christus nachfolgen und ein Leben im Dienst am Nächsten führen wolle.

Im Hohenlied heißt es:

Sieh da, das ist Salomos Sänfte; sechzig Helden geleiten sie, Israels Helden, alle vertraut mit dem Schwert, geschult für den Kampf; jeder trägt sein Schwert an der Hüfte gegen die Schrecken der Nacht.2

In Psalm 144 dankt König David Gott für seine Tauglichkeit zum Kampf:

Gepriesen sei der HERR, mein Fels, der meine Hände den Kampf lehrt, meine Finger den Krieg3

Ein dienendes Leben befindet sich in ständiger Spannung mit den ungeordneten Teilen der eigenen Seele und den korrumpierenden Kräften, die darin wirken. Ein diszipliniertes Leben nach den von Jesus Christus aufgestellten evangelischen Räten (Lösung der Bindung an materielle Dinge bzw. Armut, Unterwerfung des Körpers unter den Willen bzw. Keuschheit sowie die Ausrichtung an einer Lebensregel bzw. Gehorsam) wirkt dem Einfluss dieser korrumpierenden Kräfte entgegen und öffnet die Seele für das Wirken Gottes.

Gott und die Kirche verlangen nach Verteidigern, aber nach wirklichen Verteidigern, solche, die keinen Schritt zurückweichen, solche, die treu sind bis zur Hingabe, bis zum Tod, solche, die sich an der ganzen Strenge der Disziplin üben, um für alle Heldentaten des Kampfes bereit zu sein.

François de Sales Pollien (1853-1936)

Tauglichkeit ist zudem eine der Grundlagen der Tugend der Tapferkeit, denn nur dazu in der Lage ist, einer Herausforderung gegenüber zu treten, wird dies auch mit der nötigen Entschlossenheit tun können.

Deshalb müssen alle, die berufen sind, diese katholische Bewegung zu leiten, oder die sich ihrer Verbreitung widmen, Katholiken sein, die jeder Prüfung standhalten, überzeugt von ihrem Glauben, gründlich unterrichtet in allen religiösen Dingen, der Kirche und insbesondere dem höchsten Apostolischen Lehrstuhl und dem Stellvertreter Jesu Christi auf Erden aufrichtig ergeben, von echter Frömmigkeit, mannhafter Tugend, reinen Sitten und so untadeligem Lebenswandel, dass sie allen ein wirkungsvolles Beispiel geben können.

Pius X., Enzyklika „Il fermo proposito“, 1905

Es kann derjenige nicht zum Segen für die Welt wirken, der sein eigenes Leben nicht im Griff hat. Zum Auftrag der Kirche gehört es daher auch, „die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zuzurüsten“ (Epheser 4,20).

Dem römischen Dichter Ennius zufolge würden „Sitte und Männer von alter Art“ Gemeinwesen schaffen und erhalten.

1. Christlicher Humanismus: Der Dienst fordert den ganzen Menschen

Der Mann muss in seinem Leben den Anforderungen einer höheren Ordnung entsprechen und seinem Leben eine entsprechende Form geben. Der Philosoph Josef Pieper schrieb dazu in Anknüpfung an Meister Eckhard, dass die Frage, was man sein solle, im Leben noch wichtiger sei als die Frage, was man tun solle.4

Der Humanist und Universalgelehrte Enea Sylvio Piccolomini trat nach der Eroberung Konstantinopels und der Vernichtung des Byzantinischen Reiches durch die Osmanen im Jahre 1453 sein Amt als Papst Pius II. an. Vor dem Hintergrund der Bedrohung Europas entwickelte er ein humanistisches Bildungsprogramm, das Adelige dazu befähigen sollte, den mit der osmanischen Bedrohung verbundenen Herausforderungen entgegenzutreten. Die Bewältigung dieser existenziellen Bedrohung würde ihm zufolge den vollständigen Einsatz des Menschen fordern und alle seine seelischen, charakterlichen und körperlichen Kräfte härtesten Proben aussetzen. Diese müssten daher bei den Verteidigern Europas entwickelt und ausgebildet werden.

Seine Gedanken dazu hat er in seiner um 1450 entstandenen Schrift mit dem Titel „De Librorum Educatione“ festgehalten. Diese enthält ein umfassendes Bildungsprogramm für die Adligen, die für die Verteidigung Europas und des Christentums tauglich gemacht werden sollten.

  • Der Autor betont die Gleichwertigkeit von geistiger und körperlicher Bildung bzw. Ausbildung sowie die Bedeutung der Bildung des Charakters. An den Erfordernissen der Verteidigung Europas ausgerichtete Bildung entwickele alle diese Aspekte im Menschen.
  • Weiterhin fordert der Autor als Bildungsziel die Entwicklung einer von Vulgarität freien, von Selbstkontrolle und Würde geprägten Haltung sowie die Herausbildung einer an den Anforderungen des militärischen Dienstes ausgerichteten Belastbarkeit und Härte durch asketische Lebensführung.
  • Die Entwicklung des Charakters erfordere insbesondere das Studium der Philosophie, die sich mit dem Wesen der Tugenden auseinandersetze und die eigenen Pflichten gegenüber Gott, den Vorfahren und dem Gemeinwesen besser erkennen lasse.
  • Das Studium der Geschichte entwickele durch Vermittlung der Erfahrungen früherer Generationen die Fähigkeit, bessere Entscheidungen zu treffen. Das Studium der Werke der Antike wie die Ilias würden außerdem heroischen Geist vermitteln.
  • Darüber hinaus sollten das Studium der Rhetorik, Logik und Mathematik die Fähigkeit des Denkens schulen und  Fremdsprachen, Naturwissenschaft und Technik wegen ihrer praktischen Anwendungen gelehrt werden.

Dieses Programm und seine Nachfolger wirkten über Jahrhunderte nach und prägen die Identität der kulturtragenden Eliten Europas bis in die Gegenwart. Denen, die sich auf das humanistische Erbe Europas berufen, ist dabei oft nicht bekannt, dass es seinen Ursprung auch in christlichen Anstrengungen zur Verteidigung Europas hat.

1.1 Platons Gedanken über die Ausbildung des Wächterstandes

Platon beschreibt in seinem Werk „Der Staat“ einen Wächterstand, der den Auftrag habe, das Gemeinwesen zu schützen und seine „Philosophenherrscher“ hervorzubringen. Wegen der Bedeutung dieses Auftrages, aber auch wegen der Gefahr des Missbrauchs der damit verbundenen Macht, geht Platon besonders auf die Ausbildung der Wächter ein, bei der es vor allem um den Aufbau von männlicher Tugend im Sinne körperlicher, geistiger und charakterlicher Tauglichkeit sowie die Formung der Seele gehe.

Die von Platon beschriebenen Wächter zeichnen sich durch ein besonderes Ethos bzw. eine besondere Lebenshaltung aus, die sie von anderen Gruppen unterscheiden soll.  Die Wächter müssten umfassend gebildet sein und neben körperlicher Stärke auch über philosophische Bildung verfügen und sich mit der Idee des Guten auseinandersetzen, um ihr im eigenen Leben möglichst vollkommen entsprechen und das Gute schützen zu können. Nur dann könne man ihnen Macht anvertrauen.

Platon warnt in diesem Zusammenhang vor den Gefahren einseitiger Bildung. Ein nur körperlich starker Mann könne seelisch verwildern. Ein Mann, der sich nur mit dem Schönen und Guten beschäftige, könne hingegen verweichlichen.

1.2 Bildung und Tauglichkeit

Der Mann wird nicht tauglich geboren, sondern muss seine Anlagen entwickeln, seinen Schwächen entgegenwirken und Erfahrung gewinnen, um tauglich zu werden. Wer seinem Auftrag gewachsen ist, wird umso lieber dienen.

Wer dienen wolle, müsse laut Romano Guardini dazu tauglich sein und zunächt sein eigenes Leben im Griff haben und entsprechend formen. Wer mehr brauche als er geben könne oder wolle, könne nicht dienen. Im Sport sei christliche Männlichkeit für viele junge Männer am direktesten erfahrbar und erlernbar:

Es geht allein um Kraft, Schönheit und Ehre. Also freier, ritterlicher Sinn. […] Das Beste wird eingesetzt, was  der Mann hat: Charakter und Vornehmheit. Der rechte Spieler will siegen, unbedingt, und sei die Übermacht noch so groß. Er hat keine Furcht. Er hält den Posten bis zum Äußersten, und oft genug macht ein kühner Angriff eine große Übermacht wett. Von Wehleidigkeit weiß er nichts. Schmerz, Müdigkeit, alles das bezwingt er. Er ist zäh im Willen zum Sieg. Aber er verachtet jeden Sieg, der durch Hinterlist, Gewalttat oder irgendwelche Unvornehmheit erkauft ist.

Der christliche Mann „kämpft kraftvoll; aber Schreien, Toben, rohes Wesen verachtet er.“

Dem Philosoph Arnold Gehlen zufolge muß der Mensch als Mängelwesen sein Leben einer Ordnung unterwerfen. Er kann sein Leben nicht einfach nur leben, sondern muß es führen und dabei ein eine Haltung und eine Form hineinwachsen. Auch Geoffroy de Charny betonte in seinen Gedanken über das christliche Rittertum, dass Tauglichkeit durch Übung aufgebaut und gestärkt werden müsse.

Tauglichkeit wurde nach antiker griechischer Vorstellung durch umfassende geistige, charakterliche und körperliche Bildung (paideia) aufgebaut und gepflegt. Diese sei dem Altphilologen Werner Jaeger zufolge die Formung eines höheren, im Dienst stehenden Menschentums. Männliche Tugend, also Tauglichkeit zu einem guten Zweck, werde „in harter Zucht“ der Natur abgerungen.

Asfa Wossen-Asserate bezeichnete Bildung und Erziehung als „Menschwerdungsakt“. Durch Bildung erlange der Mensch die körperlichen, charakterlichen und geistigen Voraussetzungen, die er für seinen Dienst benötige.

Christliche Bildung ist dabei nicht wie in utopischen Ideologien der Versuch zur Schaffung eines neuen Menschen durch Zerstörung seiner Wurzeln und Leugnung seiner Natur, sondern die Kultivierung seiner Natur durch Ausforumg seiner Stärken und Einhegung seiner Schwächen.

Durch Bildung wird der Mensch frei dazu, seiner Berufung gemäß zu leben. Jeder Mensch ist dazu in der Lage, einem Musikinstrument Töne zu entlocken, aber der ungebildete Mensch ist nicht frei dazu, es zu beherrschen. Durch Bildung erlangt der Mensch diese Freiheit im Sinne der Herrschaft über sich und die Bedingungen seiner Umwelt.

Bildung ist auch der Anschluß des Menschen an die Tradition des besten, was in der Geschichte der Menschheit gedacht und geschaffen wurde. Sie ist auch die Aneignung des Wissens um den Kontext der eigenen Tradition und relevanter Inhalte fremder Kulturen. Dadurch wird der Mensch in die Lage versetzt, Tradition selbst weiterzugeben und auszuwählen und zu bewerten, welche Dinge bewahrenswert sind und welche nicht.

Vermittelt wird die so verstandene Bildung vor allem durch Mentoren sowie durch Familie und Gemeinschaft, aber auch durch Institutionen. Der hl. Benedikt von Nursia, der das europäische Klosterwesen wesentlich mitbegründete, sprach etwa von den Klöstern als einer Schule des Dienstes am Herrn. Sie würden der eruditio, der Formung und Bildung des Menschen dienen, damit dieser lerne, Gott zu dienen.

2. Kultur und Tauglichkeit

Eine Kultur gibt praktische Antworten auf Lebensfragen. Christliche Kultur beinhaltet Skripte gelingenden Lebens, die dem einzelnen bei der Erfüllung seiner Berufunf helfen.

Beispiele für solche Skripte sind etwa das Konzept der frühen Ehe mit einer guten Frau, das Streben nach großen Familien und hohem Aufwand bei Bildung und Erziehung der Kinder, die Pflege körperlicher Leistungsfähigkeit und Gesundheit, ein starkes Arbeitsethos, die Pflege eines zuverlässigen Kreises christlicher Freunde etc.

Eisen wird an Eisen geschliffen; so schleift einer den Charakter des andern.

Sprüche 27,17

3. Initiation als Prüfung von Tauglichkeit

Initiationsriten markieren in vielen Kulturen den Übergang des Jungen in die Gemeinschaft der Männer. Der Junge muss dazu beweisen, dass er den Herausforderungen der neuen Lebensphase gewachsen ist. Dazu muss er das Vorhandensein bestimmter Stärken und Tugenden sowie die Abwesenheit von Schwäche in Prüfungen unter Beweis stellen.

Auch in Berufen, die den Dienst unter Risiken zum Gegenstand haben, sind Initiationsriten sehr verbreitet. Mit dem Bestehen der Initiation tritt der Mann in die dienende Gemeinschaft ein und beweist, dass er das Vertrauen der anderen verdient.

Initiationsriten beinhalten eine Trennung vom gewohnten Umfeld sowie die Konfrontation mit Herausforderungen, zu deren Überwindung und Bewältigung Tugend erforderlich ist. In solchen Riten müssen etwa die Fähigkeit zum Ertragen von Schmerz oder körperlicher Belastung, Willensstärke, Tapferkeit oder Klugheit und Intelligenz unter Beweis gestellt werden. Initiationsriten errichten Schwellen, die der Initiant aus eigenem Willen und eigener Kraft überschreiten muss, um zu einer Gemeinschaft dazugehören zu können.

In bestimmten militärischen Einheiten bestehen Initiationsrituale zum Beispiel im Fallschirmsprung oder in mehrtägigen, von schwierigen Aufgaben begleiteten Ausdauermärschen oder ähnlichen Herausforderungen.

Initiationsriten können das Selbstvertrauen stärken, indem sie den Mann mit Herausforderungen konfrontieren, deren Bewältigung er sich zuvor nicht zugetraut hätte. Die ertragene Belastung und die erfahrbar vollzogene Bewährng erzeugen zudem eine enge Bindung des Initianten an die Gemeinschaft.

Schlechte Initiationsriten demütigen den Initianten, verlangen von ihm demütigendes oder unwürdiges Handeln oder beschränken sich auf übermäßigen Alkoholkonsum.

4. Tauglichkeit und Hierarchie

Alle traditionellen Systeme der Entwicklung von Tauglichkeit messen deren Entwicklung anhand von hierarchischen Stufen, etwa der des Lehrlings (Schaffung der Grundlagen), des Gesellen (Fähigkeit Arbeit mit guter Qualität zu verrichten) und der des Meisters (Eignung als Lehrer). Im akademischem Bereich entspricht dem die Entwicklung vom Studenten über den Magister und Doktor zum Professor, wobei die Übergänge jeweils von Tauglichkeitprüfungen begleitet werden.

Ehre ist im klassischen Verständnis die Anerkennung, die dem Mann gemäß des Maßes seiner männlichen Tugend zukommt und von dazu fähigen anderen Männern auch gezeigt wird.

5. Ausbildung von Tauglichkeit als asketische Übung

Die Ausbildung von Tauglichkeit ist auch eine asketische Übung, da der Gewinn an Tauglichkeit immer damit verbunden ist, sich kontinuierlich in kontrollierter und dosierter Form Härten, Herausforderungen und Unannehmlichkeiten auszusetzen. Dabei geht es darum, die eigenen Grenzen durch stets größere Dosis an Belastung zu erweitern.