Stand: 29.07.2018

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„Mythos“ ist das griechische Wort für „Erzählung“. Der Mythos ist eine heilige Geschichte, die von dem berichtet, was sich auf der Ebene höchster Dinge abspielt. Die Mythen des Menschen beschreiben die für ihn nicht unmittelbar sinnlich wahrnehmbare geheimnisvolle metaphysische Wirklichkeit, ihren Aufbau, ihre Abläufe sowie die Rolle des Menschen in ihr. Entsprechende Sachverhalte sind nur symbolhaft bzw. mit mythischen Bildern darstellbar.

Mythen entstehen durch das Wirken geistiger Kräfte im Menschen. Sie sprechen mit ihrer universellen Sprache Bilder an, die in der Seele des Menschen angelegt sind und von ihr wiedererkannt werden können.

Mythen werden durch Überlieferung und Entwicklung umso stärker, je weiter sie sich von ihrem Ursprung entfernen, weil durch die traditionelle Weitergabe über viele Generationen geistige Kräfte in ihnen wirken können. Im Zuge der Weitergabe fließen Impulse der weitergebenden Kultur in den Mythos ein und werden in diesen integriert, so dass dieser auch Ausdruck und Teil dieser Kultur ist. Dabei wird in der Regel jeweils das weitergegeben, was die Seelen der Menschen am stärksten anspricht.

Religionswissenschaftliche Perspektiven

Im frühen 20. Jahrhundert begann die Religionswissenschaft damit, religiöse Erfahrung ernster zu nehmen und von der Möglichkeit auszugehen, dass sie sich kultur- und religionsübergreifend auf reale Sachverhalte beziehen könnte, aus denen etwas anderes spricht aus psychologisch erklärbares subjektives Empfinden. Zu den entsprechenden Autoren gehören etwa William James („Die Vielfalt religiöser Erfahrung“), Rudolf Otto („Das Heilige“) und Mircea Eliade („Die Religionen und das Heilige“).

Der Religionswissenschaftler Mircea Eliade erstellte im Rahmen seiner Arbeit eine Art Geographie der immateriellen Welt. Dazu verglich er wiederkehrende und parallele Elemente in den Mythen der Menschheit. Die Universalität vieler Bilder und Motive legt dabei nahe, dass diese nicht das Produkt kreativer Erfindungsgabe sind, sondern einer Wahrnehmung des Immateriellen, die sich jeweils auf den gleichen Gegenstand bezog. Ähnlichkeiten in den Mythen von Völkern, die nachweislich keinen Kontakt hatten, deuten dabei darauf hin, dass die Mythen kulturunabhängig geistige Wirklichkeit beschreiben. Laut Eliade beschreiben Mythen heilige Sachverhalte, wozu sie Bilder und Motive aus der materiellen Welt nutzen. Mythen versuchen hingegen nicht, historische Wahrheit zu beschreiben.

Christliche Perspektiven

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) zufolge vollende das Christentum das Geschehen, das die Mythen der Menschheit zum Teil angekündigt und die Menschen damit darauf vorbereitet hätten. Mythen seien zudem „Visionen, in denen die Menschheit Wahrheit erschaut hat und Lebenswege gefunden hat“.

In einem Austausch zwischen J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis bezeichneten diese Mythen als ein Echo göttlicher Wahrheit. Sie stimmten darin überein, dass der Inhalt der Evangelien ein „wahres Mythos“ darstelle, weil es sowohl geistige als auch historische Wahrheit enthalte. Heidnische Mythen könnten jedoch ebenfalls geistige Wahrheit enthalten und ausdrücken. Lewis zufolge würden Evangelien das „Mythos Gottes“ wiedergeben, während heidnische und andere Überlieferungen menschliche Mythen seien. Gott könne sich durch sie mit dem ausdrücken, was in den Seelen jener vorhanden sei, die das Mythos weitergeben.

John Henry Kardinal Newman wies darauf hin, dass in allen Religionen und Kulturen „Samen der Wahrheit“ vorhanden seien. Bereits das frühe Christentum betrachtete heidnische Religionen nicht als Gegner, sondern als „Wegweisung auf den Logos“ hin. Clemens von Alexandria (150-215) habe etwas die antike griechische Philosophie mit einer Lampe verglichen, die der Mensch in der Nacht vor dem Erscheinen Christi entzündet habe. Mit dessen Erscheinen sei der Tag angebrochen und eine gewaltige Sonne aufgegange, was die Lampe jedoch nicht abwerte. 1

Vertikalität als Grundmotiv

Vertikalität ist ein mythologisches Grundmotiv. Im Mythos geht es um das Verhältnis des Menschen zu den ihn übergeordneten Dingen und Auf- oder Abstieg seiner Seele zu ihnen hin oder von ihnen weg. Dementsprechend dominieren vertikale Symbole und Bilder wie Berge und Bäume. Alternativ wird dies mit polaren oder zentralen Bildern ausgedrückt.

Mythos und Religion

Kulturellen und religiöse Praktiken können sich auf Inhalte von Mythen und ihre Bilder und Symbole beziehen, etwa in Feiern und Ritualen oder sakraler Architektur.

Risiken

Da es nicht nur gute geistige Kräfte gibt, ist in der Auseinandersetzung mit Mythen besondere Vorsicht geboten. Wenn man diese Mythen vor dem Hintergrund des Lichtes der Offenbarung und des christlichen Glaubens betrachtet, können sie jedoch dabei helfen, Zugänge zur geistigen Welt zu erschließen.

Grenzen moderner Ansätze

Der moderne bzw. materialistische Ansatz, der in Mythen nur um unterhaltende Formen fiktiver Erzählung, Gerüchte oder primitive, faktisch falsche und abergläubische Versuche der Erklärung der Welt oder verzerrte historische Überlieferung sieht, ist in jedem Fall unzureichend. Anhänger solcher Ansätze versuchen, den „wahren Kern“ von Mythen durch Freilegung möglicher materieller oder historischer Hintergründe freizulegen, und suchen daher z.B., wenn sie den Hintergrund des Gralsmythos ergründen wollen, nach einem Becher.

Es stellt einen Irrtum dar anzunehmen, dass Entmythologisierung bei der Beschreibung des Heiligen mit einem Gewinn an Erkenntnis oder Wahrheit verbunden wäre. Dem entgegengesetzt ist zum Teil der Irrtum zu beobachten, der die Wahrheit heiliger Überlieferung dadurch zu verteidigen meint, dass er

1.1 Der Himmel

Viele Mythologien verwenden vertikale Bilder, in denen der Himmel die Sphäre des Gottes darstellt, die sich von der Welt des Menschen abhebt.

1.2 Das Paradies

Inhalt folgt

1.3 Der kosmische Kampf

Das mythische Bild

Kampfmythen sind sehr verbreitet und finden sich in sehr ähnlicher Form u.a. in der jüdischen, ägyptischen, syrisch-phönizischen und griechisch-römischen Tradition. Sie beschreiben eine Auseinandersetzung zwischen göttlichen Wesenheiten auf kosmischer Ebene. Einer der Gegner ist dabei ein Monster, häufig in Form eines Drachen, der das  Chaos oder Sterilität repräsentiert. Sein Gegner ist häufig ein göttlicher Held, der Ordnung oder Fruchtbarkeit repräsentiert. Im Kampf zwischen beiden geht es um die Herrschaft über den Kosmos.

In der griechischen und römischen Tradition kämpft Apollo gegen Python und Zeus gegen Typhon. In der babylonischen und assyrischen Tradition kämpft Marduk gegen den Chaosdrachen Tiamat. In nordischen Mythen kämpft ein Adler, der in den Zweigen des Weltenbaums wohnt, täglich mit dem Drachen Nidhöggr. In indischen Mythen kämpft Garuda gegen gegen Drachen.

Vorkommen im Christentum

Elemente des Kampfmythos kommen auch in Offenbarung 12 vor. Dort greift der das Böse repräsentierende Drache die Frau und ihren Sohn an. Anders als in anderen Kampfmythen wird der Sohn vor seiner Wiedergeburt hier jedoch nicht getötet, sondern gerettet bevor er nach der vorübergehenden Herrschaft des Drachen wiederkehrt um den letzten Kampf zu führen.

1.4 Die Weltachse

Das mythische Bild

An der Weltachse (Axis Mundi) befindet sich in vielen Mythen der Weltenbaum, der Nabel der Welt, der Weltenberg oder eine heilige Quelle.

Die Weltachse verbindet die verschiedenen Ebenen der Wirklichkeit, etwa die materielle und die immaterielle Welt. Das Heilige strömt entlang der Weltachse in die materielle Welt, etwa über heilige Quellen, die sich einigen Mythen zufolge an der Weltachse bzw. am Weltenbaum befinden. Entlang der Weltachse ist zudem eine Bewegung zwischen den Ebenen der Wirklichkeit möglich.

Einige Mythen weisen eine polare Symbolik auf. In Mythen der Nordhalbkugel wird die mythische Weltachse und der Weltenberg häufig im hohen Norden verortet. Dies unterstreicht das Motiv, das den Weltenbaum als den festen Ort im Kosmos an der Weltachse verortet.

Vorkommen im Christentum

  • Psalm 48 erwähnt den Berg Zion als heiligen Berg. Er „liegt weit im Norden“ und ist der Ort der Stadt Gottes, die dieser „fest auf ewig“ gemacht habe. Sie solle umkreist und umschritten werden. In diesen Bildern verbindet sich das Motiv des Weltenbergs und das Motiv der Weltachse.

1.5 Der Nabel der Welt

Das mythische Bild

Der Nabel der Welt ist in Mythen der Mittelpunkt der Welt und Ort, an dem das Heilige in die Welt gelangt. Durch den Nabel der Welt gelangt das Heilige bzw. das Wirken Gottes in die materielle Welt und erhält sie.

Der Nabel der Welt ist auch der Schnittpunkt von Weltachse und materieller Welt. In Verbindung mit dem Motiv der Weltachse ist der Nabel der Welt der Mittelpunkt, um den die Welt kreist, und somit ihr Bezugspunkt in Relation zum Heiligen.

  • Die antike römische Tradition identifiziert den Nabel der Welt mit dem physischen Umbilicus Urbis genannten Tempel auf dem Forum Romanum in Rom. Dieser galt als „Nabel der Stadt“, der von Romulus errichtet worden sei, sowie und Mittelpunkt des Reiches. Zugleich galt er als der Ort, an dem sich Oberwelt und Unterwelt berühren.
  • Einer jüdischen Überlieferung zufolge befindet sich im Zentrum des Felsendoms in Jerusalem der „Gründungsfels“, auf dem die Welt gegründet worden sei. Auf ihm habe Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollen, und der Fels sei der Standort der Bundeslade gewesen.

Vorkommen im Christentum

Die Stätte der Kreuzigung Jesu Christi, der Berg Golgatha, weist symbolische Bezüge zum Motiv des Nabels der Welt auf.

1.6 Der Weltenbaum/Baum des Lebens

Das mythische Bild

  • Der Weltenbaum oder Lebensbaum befindet sich in der Regel in der Mitte der Welt bzw. der Wirklichkeit an einem schwer zugänglichen Ort, der nur Auserwählten zugänglich ist. Oft müssen diese Untiere überwinden, die den Baum bewachen, oder andere Proben bestehen, um an dessen Unsterblichkeit verleihende Früchte zu gelangen, etwa die goldenen Äpfel im Garten der Hesperiden.
  • Der Weltenbaum ist zum Teil mit der Weltachse (siehe unten) identisch.
  • In der altbabylonischen Mythologie wird der heilige Baum von Eridu beschrieben, der in der Mitte des ersten Gartens wächst. Seine Wurzeln ragen in die Unterwelt, und seine Krone trägt die Sonne.
  • In der sumerischen Mythologie entstand vermutlich im dritten Jahrtausend vor Christus das Bild des Weltenbaums, den die Himmelsgöttin Inanna im heiligen Garten von Uruk pflanzte, und dessen Äste bis zu den Sternen ragen. In seinen Wurzeln lebt eine Schlange, die den Tod bringt.
  • In nordischen Mythen befindet sich am Fuß des Weltenbaumes Yggdrasil der Brunnen der Urdbrunnen, an dem sich die Nornen Urd, Verdandi und Skuld befinden. Odin gelangt am Weltenbaum hängend zu höherer Erkenntnis. Die Wurzeln des Baumes ragen in das dunkle Niflheim hinein, in der die Schlangen Goin und Moin an der Wurzel des Baumes nagen. Sie ragen zudem nach Helheim hinein, dem Totenreich. In den höchsten Zweigen des Baumes befindet sich Asgard, das Land der Götter. In der Mitte des Baumes befindet sich Midgard, die Heimat des Menschen.
  • Der Weltenbaum wird in einigen Mythen auch als Pfahl oder Säule beschrieben. Er stellt den einzigen festen Punkt des Kosmos, absolute Realität und die Verbindung zum Himmel dar.

Vorkommen im Christentum

  • Im Alten Testament befindet sich in der Mitte des Paradieses ein Baum des Lebens sowie ein Baum des Wissens bzw. ein „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“, an dessen Stammen sich die Schlange befindet, die als Versucherin auftritt.
  • Der Baum des Lebens wird im Alten Testament zunächst nicht erwähnt. Laut Eliade sei es ein Aspekt dieses Motives, dass der Baum verborgen und nicht leicht zu erreichen sei. Er sei erst zugänglich gewesen, nachdem Adam und Eva die Früchte vom Baum des Wissens gegessen hatten. Eliade deutet dies so, dass die Schlange, der der Baum des Lebens nicht zugänglich gewesen sei bzw. den sie unter den Bäumen des Paradieses nicht hätte erkennen können, den Menschen verführt habe, damit er sie zu diesem Baum führe. Die Schlange ähnele den Motiven anderer Mythen, in denen der Baum des Lebens von Untieren bewacht wird, die der zu ihm gelangende Held überwinden muss. Adam habe diesen Kampf jedoch verloren, weil die Schlange ihn erfolgreich dazu verführte, sich gegen Gott zu stellen.
  • Im Christentum weist das Kreuz Jesu Christi Parallelen zum mythischen Bild des Lebensbaums auf. Die Kirchenväter deuteten das Kreuz als kosmisches Symbol, das die Umfassung der ganzen Welt von ihrem Mittelpunkt aus darstelle.
  • Das Kreuz wird in der Überlieferung auch als „Lignum Vitae“ bezeichnet. Cyrill von Jerusalem (gest. 386) bezeichnete das Kreuz Jesu Christi als „Holz des Lebens“, das „in die Erde gepflanzt“ wurde, „damit die verfluchte Erde Segen genießt und die Toten erlöst werden“. Durch seinen Tod am Kreuz habe Jesus Christus die Menschen erlöst und ihnen das ewige Leben ermöglicht.
  • Der hl. Hippolyt (gest. 235) ist vermutlich Autor der Schrift mit dem Titel „Der Weltbaum“, die zeitweise dem hl. Chrysostomos zugeschrieben worden war. Sie beschreibt das Kreuz als Symbol des vertikalen Aufstiegs der Seele zu Gott: „Dieser himmelweite Baum ist von der Erde empor zum Himmel gewachsen“ und sei ein „unsterbliches Gewächs, reckt er sich auf mitten zwischen Himmel und Erde“. Das Kreuz Jesu Christi bzw. der Weltbaum sei „der feste Stützpunkt des Alls, der Ruhepunkt aller Dinge, die Grundlage des Weltenrunds, der kosmische Angelpunkt“. Von diesem Baum „nähre ich mich ins ewige Leben“ und „in seine Wurzeln wurzele ich mich ein“, er sei ein „schmaler Weg, meine enge Straße, er ist die Jakobsleiter, auf der die Engel auf- und niedersteigen“ zu Gott.
  • Der hl. Bonaventura veröffentlichte um das Jahr 1260 herum geistliche Betrachtungstexte unter dem Titel „Baum des Lebens“.  Dieser ist bei ihm identisch mit dem Kreuz Christi. Die Wurzeln des Baumes des Lebens wachsen ihm zufolge aus der Tiefe, und er strebe zum Licht hin.
  • In einigen orientalischen Legenden, ist das Kreuz laut Eliade die Brücke oder die Leiter, auf der Seelen zu Gott aufsteigen. Es liege am Mittelpunkt der Welt, der den Ort des Übergangs zwischen Himmel, Erde und Unterwelt darstellt.
  • Im Alten wie im Neuen Testament kommt das Bild des Weinstocks häufig vor. Er gilt auch als ein Symbol für Jugend und ewiges Leben.

Materielle Bezüge

Materieller Bezug des Bildes ist möglicherweise, dass Bäume zum Licht wachsen und sich laufend regenerieren. Ihre Zweige reichen in den Himmel und ihre Wurzeln in unbekannte Tiefen.

1.7 Der Weltenberg und heilige Berge/Höhlen

Das mythische Bild

In vielen Mythen befindet sich in der Mitte der Welt ein heiliger Berg, wo sich Himmel und Erde berühren.

Im zentral- und ostasiatischen Raum sind der Meru und der Kailash heilige Berge. Diese werden entweder in physischen Bergen verortet oder an unzugänglichen Orten entlang der Weltachse, die im hohen Norden verortet wird.

In vielen Religionen wurden heilige Berge nachgebildet, etwa in den Pyramiden des alten Ägyptens sowie im mittelamerikanischen Raum. Eine Nachbildung heiliger Berge gibt es zudem in Form von Tempelbergen.

Zudem gibt es das mythologische Motiv der Höhle, die sich im Inneren von Bergen befindet. Höhlenheiligtümer sind weltweit in vielen Kulturen nachgewiesen.

Vorkommen im Christentum

  • Auf dem Berg Sinai erhielt Moses die Tafeln mit den Zehn Geboten von Gott.
  • Auf dem Berg Ararat landete die Arche Noah nach der Sintflut.
  • Der Berg Golgotha ist der Ort, an dem Adam der christlichen Tradition zufolge erschaffen und begraben wurde. Während der Kreuzigung Christi sei ein Tropfen des Blutes Christi auf den Schädel Adams gefallen, um ihn zu erlösen.
  • Jesus Christus betete häufig auf Bergen.
  • Psalm 24 erwähnt einen „Berg des Herrn„. Nur wer ein reines Herz habe, dürfe zu diesem Berg hinaufziehen.
  • In Jesaja 14,13 wird ein „Berg der Versammlung“ im hohen Norden beschrieben. Psalm 48 erwähnt den Berg Zion als heiligen Berg. Er „liegt weit im Norden“ und ist der Ort der Stadt Gottes, die dieser „fest auf ewig“ gemacht habe. Sie solle umkreist und umschritten werden. In diesen Bildern verbindet sich das Motiv des Weltenbergs und das Motiv der Weltachse.
  • Das Motiv des heiligen Berges findet sich im Christentum zudem in Kirchtürmen und Altären wieder.
  • Berichte über Marienerscheinungen beinhalten häufig die Erwähnung von Höhlen (u.a. Fátima, Lourdes).

Materielle Bezüge

Materieller Bezug des Bildes ist möglicherweise die Beständigkeit von Bergen und ihre physische Größe sowie ihre Nähe zum Himmel. Ihre Gipfel sind oft hinter Wolken verborgen, von besonders reiner Luft umgeben und (falls sie von Eis und Schnee bedeckt sind) in helles Licht getaucht. Man muß zu Bergen aufschauen, um sie zu sehen. Während das Wasser das Chaos symbolisiert und das Land der Ort des Menschen ist, steht der Berg für die Steigerung des Landes.

1.8 Heilige Quellen und Flüsse

Das mythische Bild

Heilige Quellen befinden sich in Mythen meist in der Nähe der Weltachse oder an den Wurzeln des Weltenbaums.

In nordischen Mythen befindet sich am Fuß des Weltenbaumes Yggrasil der Brunnen der „Urdbrunnen“ bzw. Schicksalsbrunnen. Das aus ihm strömende Wasser ist so heilig, dass alles, was damit in Berührung kommt, weiß wird.

Vorkommen im Christentum

Berichte über Marienerscheinungen beinhalten häufig die Erwähnung von Quellen (u.a. Lourdes, Guadelupe, Covadonga).

Bei einigen Formen der Tauche symbolisiert das Untertauchen bzw. das Wiederauftauchen Tod und Wiedergeburt.

Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und den bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen.

Alfred Delp

1.9 Die Heldenreise

Der Mythologe Joseph Campbell beschrieb die Heldenreise als universelles mythologisches Motiv. Auf seiner Reise begegner der Held Prüfungen und Herausforderungen und kehrt von ihr mit einer Erkenntnis zurück, die eine Hilfe für die Welt und die Menschen darstellt, etwa dem Geheimnis der Unsterblichkeit.

Die Darstellung des Lebens Jesu Christi weist Ähnlichkeiten zum Motiv der Heldenreise auf.

Auch im Gralsmythos spielt das Motiv eine zentrale Rolle (Weiterlesen: Der Gralsmythos und die Spiritualität des Rittertums).

1.10 Der entrückte König

Das mythische Bild

Mit dem Begriff Entrückung bezeichnet man in einem religiösen oder mythologischen Zusammenhang das Phänomen, dass eine Person leibhaftig aus der irdisch-konkreten Erscheinungswelt in eine nicht-irdische Sphäre versetzt wird.

Vor allem europäischen Mythen, aber auch darüber hinaus (Montezuma in der aztekischen Mythologie sowie der Mahdi bzw. der „verborgene Imam“ im Islam), gibt es das Motiv des Helden, Königs oder sonstigen Herrschers, der nicht stirbt, sondern in eine Unterwelt, an einen verborgenen Ort oder in einen Berg entrückt wird, bis er zurückkehrt, um das Land von seinen Feinden oder es von der Herrschaft des Antichrist zu befreien und es zum Frieden führt.

Dass Könige in einem Berg weiterleben, ist dabei ein speziell deutsches Motiv, das mutmaßlich auf eine vermutlich vorchristliche Vorstellung, wonach die Toten im Berg (außerhalb der irdischen Zeit) weiter fortleben, zurückgeht. Das bekannteste Beispiel ist die Kyffhäusersage, derzufolge Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, in einer Höhle des Kyffhäuserbergs (in einer Variante in einer Höhle im Untersberg) mitsamt seinen Getreuen schlafe, um eines Tages zu erwachen und das Reich in einer Notlage zu retten.

In der keltischen Mythologie befinden sich Herrscher, wie etwa König Artus oder König Dunmail, bis zu ihrer Rückkehr an anderen Orten, aber nicht in Bergen. Der sterbende britische König Artus wird bei Malory von seiner Halbschwester Morgan le Fay auf die mythische Insel Avalon gebracht, von der er einst als König wiederkehren wird.

  • Das Motiv des endzeitlichen Erlösers: Dieses Motiv gibt es in Verbindung mit dem Motiv der Entrückung, aber auch ohne dieses, in vielen Religionen. Im Judentum findet es in der Erwartung des Messias seinen Ausdruck. Der indische Vishnu kam in neun Avataras herab, um die in Unordnung befindliche Welt zu erretten. In seiner zehnten Erscheinungsform als Kalki soll er am Ende des gegenwärtigen Weltzeitalters wiederkehren. Ihm entspricht im Buddhismus der zukünftige Buddha Maitreya. Im Zoroastrismus wird die Erneuerung der Welt eine Saoschjant genannte Figur bewirken und das Böse besiegen. Der Prophet Zarathustra ist demnach nicht gänzlich verschwunden, aus seinem Samen wird dereinst Saoschjant geboren.
  • Das Motiv des Friedenskaisers: Mit dem Motiv des entrückten Königs verbunden ist das des Friedenskaisers, der nach einer im Mittelalter verbreiteten eschatologischen Erwartung eine messianische Herrschergestalt aus der Reihe der fränkischen Könige ist, deren Erscheinen das Ende der Welt vorbereite. Der Friedenskaiser werde das Heilige Römische Reich über die ganze Welt ausdehnen, bevor er seine Herrschaftsinsignien am Ölberg in Jerusalem niederlegen werde und nach seinem Verzicht und dem damit einhergehenden Ende des Reichs die Schreckensherrschaft des Antichristen begänne, die mit dem Weltgericht Gottes ende. Unter den Herrschern, deren Wiederkunft als Friedenskaiser erwartet wurden, waren Friedrich II., später sein Großvater Friedrich I. (genannt Barbarossa) und Karl der Große.

Vorkommen im Christentum

Das Christentum geht davon aus, dass Jesus Christus als Weltrichter wiederkehren wird.

1.11 Die Weltzeitalter und die Apokalypse

Inhalt folgt

1.12 Sonstige mythische Bilder und Symbole im Christentum

Für einige möglicherweise mythische Bilder, die in christlicher Offenbarung und Tradition auftauchen, gibt es keine bislang bekannten Parallelen in anderen Mythen.

Umgekehrt kommen einige ansonsten verbreitet zu findende mythische Bilder im Christentum kaum oder gar nicht vor, z.B. solche, die sich auf Erd- und Naturkräfte (Fruchtbarkeit etc.) beziehen. Die Muttergottes des Christentums unterscheidet sich zudem deutlich vom Bild der „großen Mutter“, das in den Mythologien anderer Religionen und Kulturen zu finden ist.