Stand: 07.08.2018

Der Männerbund ist eine auf den Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen sowie die Herausbildung der Tauglichkeit seiner Mitglieder ausgerichtete hierarchische Gemeinschaft. Solche Bünde haben zu allen Zeiten und in allen Kulturen die tragenden, dienenden Elemente des Gemeinwesens geformt und organisiert.

Seine Mitglieder werden zu Brüdern, indem sie gemeinsam an einer großer Aufgabe arbeiten. Jesus Christus hat den wichtigsten Männerbund der Geschichte der Menschheit geschaffen, als er die Apostel berief. Andere Beispiele für Männerbünde sind religiöse Orden, militärische Einheiten, die Kunstschulen der Renaissance oder die Zünfte und Gilden des Mittelalters.

1. Die Grundlagen des Männerbundes

Der Mann ist seiner Natur nach ergänzungsbedürftig und auf andere Menschen bzw. auf Gemeinschaft angewiesen. Wirkung erzielen, Frucht bringen und Tauglichkeit aufbauen kann der im Dienst stehende Mann am besten als Teil einer Gemeinschaft. In einer Gemeinschaft, in der alle dienen wollen und ihren Stärken gemäß eingesetzt werden, erweitern sich die Stärken des einzelnen und verbinden sich mit denen der anderen zu einer neuen Kraft.

Gemeinschaft kann auf freiwillig eingegangener Freundschaft oder, etwa in Streitkräften und der Polizei, auf dienstlichen Erfordernissen und Kameradschaft beruhen. Gemeinschaft wächst durch die Erfahrung gemeinsam bewältigter Herausforderungen an einem höheren Ziel und Auftrag vor dem individuelle Unterschiede und Ansprüche klein werden.

Christliche Gemeinschaft verwirkliche sich laut Benedikt XVI. auch darin, dass christliche Männer auf Grundlage des geteilten Glaubens füreinander in Notsituationen einstehen:

Natürlich soll unter den Gläubigen selber allmählich wieder etwas wie die Brüderlichkeit der Kommunikanten aufgebaut werden, die sich durch ihre gemeinsame Zugehörigkeit zum Gottestisch auch im privaten Leben miteinander verbunden fühlen und wissen, dass sie in Notsituationen aufeinander zählen können, eben wirklich eine Familiengemeinschaft sind.

Aristoteles beschreibt die gegenseitige Unterstützung und das gemeinsame charakterliche Wachstum als den Inhalt von guter Freundschaft und Kameradschaft. Falsche Freunde und Kameraden hingegen würden sich in ihren Schwächen bestätigen und gemeinsam auf ein tieferes Niveau hinabsinken.

  • Gutes Gemeinschaftsleben ist von Demut sowie der Vermeidung von Überheblichkeit geprägt. In guter Gemeinschaft erkennen alle Mitwirkenden ihre eigenen Schwächen an und arbeiten an ihnen, während sie mit den Schwächen anderer Menschen geduldig sind. Eine gute Gemeinschaft erzieht sich dabei gegenseitig und vermeidet es, Außenstehende erziehen zu wollen. Auf sie wird nur das gute Beispiel und das gute Leben der Gemeinschaft überzeugend wirken.
  • Gute Gemeinschaft hält Menschen von sich fern, die noch nicht über die nötigen Voraussetzungen verfügen. Der hl. Apostel Paulus spricht von denen, die Unzucht treiben, am Geld hängen, andere verleumden, Götzen anbeten oder Trinker und Kriminelle sind.
  • In guter Gemeinschaft zählt nicht der eigene Vorteil, und man achtet den anderen mehr als sich selbst (Phil 2, 3-4).

Oswald Spengler sah das Ideal der dienenden Gemeinschaft im Prinzip religiöser Orden verwirklicht, während er die auf materiellen Gewinn oder Raub ausgerichtete niedere Form der Gemeinschaft mit der der Wikinger verglich.

Männerbünde sind in der Regel hierarchich struktururiert und führen neue Mitglieder durch Ausbildung, Vermittlung von besonderem Wissen, Bewährung und Prüfung an sich heran. Die Aufnahme die meist mit einer Initiation verbunden, bei der das neue Mitglied seine Tauglichkeit durch Selbstkontrolle bzw. durch die Überwindung von Angst oder Schmerz unter Beweis stellen muss. Diese Initation stellt häufig symbolisch Tod und Wiedergeburt an. Im Christentum ist die Taufe von Erwachsenen eine solche Initiation.

Der katholische Literaturwissenschaftler Anthony Esolen beschrieb die Wiederbelebung von Männerbünden als eine wesentliche Voraussetzung kultureller Erneuerung:

  • Eine intakte Kultur beruhe auf sozialen Beziehungen, die auf der Grundlage des Dienstgedankens bzw. auf Grundlage gebender Nächstenliebe gestaltet seien. Dies gelte nicht nur für die Beziehungen zwischen Ehemann und Ehefrau oder Eltern und Kindern, sondern auch für die Beziehung zwischen Brüdern im Rahmen des Männerbundes.
  • Der Männerbund sei eine auf den Dienst am Nächsten sowie die Herausbildung der Tauglichkeit seiner Mitglieder ausgerichtete hierarchische Gemeinschaft. Seine Mitglieder würden zu Brüdern, indem sie gemeinsam an einer großen Aufgabe arbeiteten. Jesus Christus habe den wichtigsten Männerbund der Geschichte gegründet, als er die Apostel berief. Andere Beispiele für Männerbünde seien religiöse Orden, militärische Einheiten, die Kunstschulen der Renaissance oder die Zünfte und Gilden des Mittelalters.
  • Im Zuge der Auflösung des traditionellen Geschlechterbildes sei in westlichen Gesellschaften auch die kulturelle Institution des Männerbundes delegitimiert worden und weitgehend verloren gegangen. Entsprechende Auflösungstendenzen hätten auch Teile der Kirche ergriffen, die sich von ihrer eigenen Tradition der Männlichkeit abgewandt hätten.

Eine Kultur könne nicht ohne starke Männerbünde fortbestehen oder erneuert werden.

Persönliches Wachstum durch Wettbewerb und gegenseitige Erziehung

Die Kultur des Männerbundes ist im Alten Testament (Sprüche 27,17) so beschrieben worden:

Eisen wird an Eisen geschliffen; so schleift einer den Charakter des andern.

In der Gemeinschaft erziehen sich ihre Mitglieder laut dem hl. Apostel Paulus gegenseitig, in dem sie „aufeinander achten“ und sich „zur Liebe und zu guten Werken anspornen“.1

Dem Psychologe Jordan B. Peterson zufolge sei es eine Besonderheit der Natur des Mannes, dass er eine große Aufgabe im Leben finden müsse, die ihn über sich selbst hinauswachsen lasse und ihn mit Herausforderungen konfrontiere, die er zu bewältigen habe. Dies gelinge dem Mann nur durch die Herausbildung von Tauglichkeit durch Wettbewerb und das geordnete, auf gegenseitiges Wachstum ausgerichtete freundschaftliche Austragen von Konflikten.

Die Kultur der Gegenwart mit ihrer Hypersensibilität und ihrem Streben danach, Menschen in ihrer Selbstwahrnehmung und ihren Gefühlen zu bestärken, sei hingegen von unmännlichen Impulsen geprägt. Dies äußere sich auch darin, dass in ihr die Kultur des geordneten Streites verlorengegangen sei und an die Stelle von Diskussion die Zurschaustellung verletzter Gefühle getreten sei. Der Männerbund könne in diesem Zusammenhang auch ein Ort der geistigen Freiheit und des geistigen Wachstums sein.

Attraktivität durch hohe Standard und lebendige Tradition

Männerbünde sind umso attraktiver, je höher die von ihnen gepflegten Standards sind. In einen solchen Bund aufgenommen zu werden, wird als Auszeichnung wahrgenommen.

Auch eine lebendige Tradition wirkt attraktiv.

2. Die kulturelle Notwendigkeit von Männerbünden

Die Institution des Männerbundes ist so alt wie die Menschheit. Es gibt sie nicht nur in Hochkulturen, sondern gerade auch bei Naturvölkern.

Jedes Gemeinwesen benötigt eine im Glauben wurzelnde und von einem darauf beruhenden Ethos durchdrungene, in höchstem Maße fähige und dienstbereite Elite. Der Ethnologe Leo Frobenius sah in Männerbünden den Kern staatlich organisierter Gemeinwesen.2 Der Ethnologe Heinrich Schurtz sah in ihnen die Grundform von Gesellschaft überhaupt.3

Dem Ethnologen Thomas Schweizer zufolge würden Männerbünde vor allem in Kulturen auftreten, deren Grundlage eine Religion sei, die das männliche Element in der Gottesvorstellung betonten, der Rolle des Mannes als Krieger eine wichtige Bedeutung beimesse würden und Homosexualität ablehnten.4

3. Der geheime Männerbund

Geheimbünde sind meist Männerbünde, die in besonders schwierigen Lagen und Umfeldern wirken. Andere Geheimbünde wollen durch Geheimhaltung ihrer Aktivitäten der Trennung zwischen Heiligem und Profanem Ausdruck verleihen oder betonen, dass sie nicht nach Ansehen streben.

Im Christentum gilt es als Kennzeichen des treuen Dienens, dass der Diener in ihm nicht seine eigene Ehre sucht, sondern die Ehre Gottes. Er kann seinen Dienst dazu bewusst im Verborgenen ausüben. Auch Jesus Christus legte seine Identität nicht offen oder hielt sie bewusst geheim, bevor die Zeit gekommen war, um sie offenzulegen.5 Im Psalm heißt es:

Nicht uns, HERR, nicht uns, nein, deinem Namen gib Herrlichkeit, wegen deiner Huld, wegen deiner Treue!6

Andere religiöse Geheimbünde wollten ihren Lehre bzw. ihr Ritual oder Teile davon nur ausgewählten oder vorbereiteten Menschen bekannt machen. Im frühen Christentum wurde verbreitet Arkandisziplin praktiziert. Da die Lehre des Christentums vollständig öffentlich ist, ist dies in der Gegenwart jedoch nicht mehr vorgesehen.

Der katholische Philosoph Josef Pieper setzte sich in seinem 1955 erschienenen Aufsatz „Der Same bedarf des Erdreichs“ anlässlich des zehnten Jahrestags des 20. Juli 1944 aus einer christlichen Perspektive mit geheimen Männerbünden auseinander. In Deutschland neige man dazu, zu „vergessen, wovon ein Volk in Wahrheit lebt und aus welchen Ursprüngen“ sich das Gemeinwohl speise. Dieses beruhe nicht nur auf wirtschaftlichen, technischen oder kulturellen Leistungen, sondern vor allem auch auf einem Dienst „verborgener Herkunft“, der von „Schweigenden und Verborgenen“ im Hintergrund geleistet und von der Öffentlichkeit oft nicht bemerkt werde.

Dieser Dienst sei unter anderem dafür erforderlich, dass „in einem Volk die Wahrheit anwesend bleibt“. Diejenigen, die ihn leisteten, seien eine „wahre Elite“, die durch ihr Opfer unter schwierigen Bedingungen „das natürliche, von den tatsächlichen Machthabern verratene Amt echter Herrschaft“ ausübe und für Gerechtigkeit eintrete. Es bedürfe „solcher unsichtbaren Fundamente […] damit das Leben eines Volkes gesund oder doch der Gesundung fähig bleibt“.

4. Gedanken über christliche Männerbünde und schützenden Dienst

4.1 Ludwig Maria Grignion von Montfort: Die Apostel der letzten Zeiten

Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort (1673 – 1716) wurde 1947 von Papst Pius XII. heiliggesprochen. Er geht in seinem Werk „Das Goldene Buch der vollkommenen Hingabe an Maria“ auch auf die in der Offenbarung des Johannes vorausgesagte Zeit der Verfolgung des Christentums ein. In dieser Zeit werde es eine asketische, dienende Gemeinschaft geben, die der Muttergottes geweiht sei und im letzten Kampf zwischen ihr und Satan zum Einsatz kommen werde.

Sie werden sich durch nichts aufhalten, durch nichts aus der Fassung bringen und durch nichts erschüttern lassen. Donnern werden sie gegen die Sünde, grollen gegen die Welt und ihre Blitze schleudern gegen den Teufel und seine Anhänger. Sie werden die wahren Apostel der Endzeit sein. […]

Kein Sterblicher, wie mächtig er auch sein mag, wird sie beeinflussen können, keinen werden sie verschonen, keinen fürchten. Das zweischneidige Schwert des Gotteswortes wird in ihrem Munde sein; die blutgetränkte Kreuzesfahne tragen sie auf ihren Schultern, das Kruzifix in der Rechten, den Rosenkranz in der Linken, die heiligen Namen Jesu und Mariens im Herzen und die Schlichtheit und Abtötung Jesu Christi in ihrem ganzen Gehaben.

Über diese Gemeinschaft schreibt Grignon von Montfort:

Welche Bedeutung aber werden diese Diener und Kinder Mariä besitzen? Sie werden in ihrem brennenden Eifer für die Ehre Gottes überall das Feuer der göttlichen Liebe entzünden. Sie werden wie scharfe Pfeile in der Hand der mächtigen Jungfrau sein, um ihre Feinde zu durchbohren.

Als Söhne Levis, wohlgeläutert durch das Feuer grosser Trübsale und fest vereint mit Gott, werden sie in ihrem Herzen das Gold der Liebe, in ihrem Geiste den Weihrauch des Gebetes, an ihrem Leib die Myrrhe der Abtötung tragen und überall den Armen und Geringen ein Wohlgeruch Christi sein, während sie bei den Grossen, den Reichen und stolzen Weltkindern den Geruch des Todes hinterlassen werden.

Gleich donnernden Wolken, die beim geringsten Hauche des Heiligen Geistes durch die Lüfte fliegen, sollen sie, ohne auf andere unzeitige Rücksicht zu nehmen und ohne sich selbst durch freudige oder schmerzliche Ereignisse beeinflussen zu lassen, den Regen des Wortes Gottes und des ewigen Lebens verbreiten. Sie sollen donnern gegen die Sünde und gegen die Welt, und dadurch den Teufel und seinen Anhang niederschlagen; alle diejenigen aber, zu welchen sie vom Allerhöchsten gesandt werden, sollen sie mit dem zweischneidigen Schwerte des Wortes Gottes durchbohren, sei es zum Leben, sei es zum Tode.

Sie werden als die wahren Apostel der letzten Zeiten auftreten, die der Herr der Heerscharen mit der Gabe des Wortes und mit der Macht ausstatten wird, Wunder zu wirken und glorreiche Siege über seine Feinde davonzutragen. Ohne Gold und Silber aber, was noch wichtiger ist, auch ohne Sorgen werden sie inmitten der anderen Priester und Kleriker wirken, und mit den Silberschwingen der Taube überall hinfliegen, wohin der Heilige Geist sie rufen wird, um zur Förderung der Ehre Gottes und des Heiles der Seelen tätig zu sein. Dort, wo sie gepredigt haben, werden sie nichts zurücklassen als das Gold der Liebe, welche die Vollendung des ganzen Gesetzes ist.

Endlich wissen wir, dass sie als wahre Schüler Jesu Christi in den Fußstapfen seiner Armut, Demut, Weltverachtung und Liebe wandeln und anderen den schmalen Weg zu Gott in reiner Wahrheit zeigen werden. Dabei werden sie sich nach dem heiligen Evangelium und nicht nach den Grundsätzen der Welt richten, ohne Ansehen der Person, ohne Schonung, ohne unangebrachte Rücksicht oder Furcht vor einem Sterblichen, mag er auch noch so mächtig sein.

Sie werden in ihrem Munde das zweischneidige Schwert des Wortes Gottes führen, auf ihren Schultern die blutige Fahne des Kreuzes, das Kruzifix in der Rechten, den Rosenkranz in der Linken, die heiligsten Namen Jesu und Mariä in ihrem Herzen und die Bescheidenheit und Abtötung Jesu Christi in ihrem ganzen Wesen tragen.

Das sind die großen Männer, die kommen werden, die Maria auf Befehl des Allerhöchsten ausrüsten wird, um sein Reich über die Gottlosen, Götzendiener und Mohammedaner auszudehnen. Wann und wie wird es geschehen? – Gott allein weiß es!

4.2 J.R.R. Tolkien: Der Geheimbund der Waldläufer

Der christliche Schriftsteller beschrieb in seiner Trilogie „Der Herr der Ringe“ die Waldläufer als archetypischen Männerbund. Auftrag des im Geheimen und ohne Anerkennung wirkenden Bundes ist es, die Bewohner Eriadors vor Kreaturen des Bösen zu schützen. Ihr Zeichen ist ein sechszackiger Stern, den sie als Mantelschließe ihrer grauen oder grünen Mäntel tragen.

Tolkien griff bei der Beschreibung des Bundes mehrere christliche Motive auf:

  • Die Bedrohung des Menschen durch nicht immer direkt sichtbare Kräfte des Bösen und ihre Diener;
  • Die Notwendigkeit der metaphysischen und physischen Abwehr dieser Kräfte;
  • Die Pflicht des Starken zum Schutz der Schwachen.

In der Verfilmung der Trilogie spielt der Bund, anders als in den Büchern Tolkiens, nur eine geringe Rolle.

In Tolkiens Buch „Die Gefährten“ beschreibt Aragorn, der Führer des Bundes, diesen so:

Einsame Männer sind wir, Waldläufer in der Wildnis, Jäger – aber gejagt haben wir immer die Diener des Feindes; denn sie sind an vielen Orten zu finden, nicht nur in Mordor.

Wenn Gondor, Boromir, eine tapfere Feste gewesen ist, dann haben wir eine andere Rolle gespielt. Viele böse Dinge gibt es, denen Eure starken Mauern und blitzenden Schwerter nicht Einhalt gebieten. Ihr wisst wenig von den Ländern jenseits eurer Grenzen. Frieden und Freiheit, sagt Ihr? Der Norden hätte wenig Frieden und Freiheit gehabt, wenn wir nicht gewesen wären. Angst hätte diese Länder vernichtet. Aber wenn finstere Wesen aus den hauslosen Bergen kommen oder aus sonnenlosen Wäldern herauskriechen, dann fliehen sie vor uns. Welche Straßen würde man noch entlangzuziehen wagen, welche Sicherheit gäbe es in den ruhigen Ländern oder nachts in den Häusern der einfachen Leute, wenn die Dunedain nicht wachten oder wenn sie schon alle ins Grab gesunken wären?

Und doch ernten wir weniger Dank als Ihr. Wanderer betrachten uns mit Argwohn, und die Leute vom Lande geben uns verächtliche Namen.