Gemäß eines im Juli 2017 veröffentlichten Erlasses von Papst Franziskus ist auch die heroische Inkaufnahme des eigenen Todes bei der Verrichtung des Dienstes am Nächsten prinzipiell ein Weg, um als Heiliger der Katholischen Kirche anerkannt zu werden.

Laut Franziskus sei die dienende Inkaufnahme des eigenen Todes eine „vollkommene und beispielhafte Nachahmung Jesu“ und „der Bewunderung würdig, welche die Gemeinschaft der Gläubigen denjenigen vorbehält, die freiwillig das Martyrium angenommen oder mit heroischer Tugend ein christliches Leben gelebt haben“.

Der Titel des päpstlichen Erlasses „Maiorem hac dilectionem“ bezieht sich auf einen im Johannesevangelium überlieferten Satz von Jesus Christus, in dem dieser sagt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“

Heilige sind Menschen, die nach dem Verständnis der katholischen Kirche im besonderem Maße vorbildhaft lebten. Durch die Entscheidung von Papst Franziskus sind die christliche Spiritualität des schützenden Dienstes und der Glaubensweg, der damit verbunden ist sich dienend Risiken zu stellen, in diesem Sinne als besonders vorbildhaft anerkannt und dadurch deutlich gestärkt worden.

Franziskus knüpft mit seiner Entscheidung an frühere Päpste an, die dienenden Opfertod auch ohne damit verbundene Verfolgung als Märtyrer in bestimmten Fällen als Beispiel heroischer Tugend anerkannt hatten und auf dieser Grundlage Selig- und Heiligsprechungen vollzogen hatten.

Papst Franziskus hatte bereits 2013 die 800 Märtyrer von Otranto heiliggesprochen, die im Jahre 1480 von osmanischen Invasoren in Süditalien ermordet worden waren, nachdem sie sich geweigert hatten, zum Islam zu konvertieren. Zu den künftigen Heiligen der katholischen Kirche könnten nach seiner Entscheidung nun auch jene Menschen gehören, die ihr Leben dafür einsetzen, andere vor solchen Übergriffen zu schützen, die gegenwärtig Ausmaße erreicht haben wie niemals zuvor in der Geschichte des Christentums. Alternativ könnten auch Menschen als Heilige anerkannt werden, die verfolgten Christen allgemein unter Einsatz ihres Lebens helfend zur Seite stehen.

Stand: 12.07.2017