Stand: 04.05.2017

Der heilige Erzengel Michael bzw. Sankt Michael ist einer der Erzengel genannten, vom Christentum und anderen Religionen angenommenen geistigen Wesenheiten. Er gilt als Führer der Seraphim, die in der Hierarchie dieser Wesenheiten den höchsten Rang einnehmen. In der christlichen Tradition gilt er als Streiter Gottes, der das Volk Gottes und die christliche Ordnung beschützt. Außerdem repräsentiert er die  schützenden männlichen Tugenden.

In der christlichen Kunst wird der Erzengel Michael meist als Krieger dargestellt, der gegen einen Drachen kämpft. Der Drachenkampf symbolisiert dabei den Kampf gegen das Böse sowie die Überwindung der negativen Teile des eigenen Wesens durch den Geist und die Disziplin. Drachen gelten zudem als Symbol für Bedrohung des Lebens allgemein sowie die den Menschen bedrohenden und angreifenden Kräfte.

1. Der hl. Erzengel Michael in der Bibel

Der heilige Erzengel Michael und der Drache – Schule von Siena, 14. Jhd (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

In der Bibel wird Sankt Michael vor allen in der Offenbarung des Johannes sowie im Buch Daniel erwähnt.

Die wichtigste Erwähnung findet sich in der Offenbarung des Johannes (Offb 12,7-9):

Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel. Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen.

Im Buch Daniel (Dan 12,1) wird er als „Engelfürst“ bezeichnet, der für das Volk Gottes kämpft:

In jener Zeit tritt Michael auf, der große Engelfürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Doch dein Volk wird in jener Zeit gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist.

Da die Kirche seit der Ankunft Jesu Christi mit dem Volk Gottes identisch ist, bezeichnete Papst Johannes Paul II. den Erzengel als „Beschützer und Helfer“ der Kirche „in allen ihren Kämpfen für die Verteidigung und Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden“. Papst Benedikt XVI. bekräftigte dies 2007 und sagte über den Erzengel, dass dessen Aufgabe der Bibel nach auch darin bestehe, „Beschützer des Gottesvolkes zu sein“.

Eine weitere kurze Erwähnung findet sich in Judas 9, wo der Erzengel Satan sagt:

Der Herr weise dich in die Schranken.

Als Gott die Engel auf ihre Bereitschaft zu dienen prüfte, antwortete Luzifer der Überlieferung nach, dass er nicht zu dienen bereit sei. Sankt Michael hingegen war gehorsam und stellte sich in den Dienst. Sein Name bedeutet in hebräischer Sprache: „Wer ist wie Gott?“, was sowohl ein Schlachtruf als auch eine Antwort auf die Revolte gegen Gott durch Satan und als Leitsatz des Kampfes der treu zu Gott und seiner Ordnung stehenden geistigen Kräfte zu verstehen ist.

Sankt Michael wird zudem die Antwort „serviam“ („ich werde dienen“) als Antwort auf das „non serviam“ Luzifers zugeschrieben.

2. Die Verehrung des hl. Erzengels Michael

Papst Pius XII. sagte über die Verehrung des hl. Erzengels Michael:

Noch nie war die Hinwendung zum heiligen Erzengel Michael so dringend wie heute. Denn die Welt, von Lüge und Hass vergiftet und von Terror und Gewalt zerrissen, hat die moralische Gesundheit und Freude verloren.

Das Fest des Erzengels Michael wird am 29. September begangen.

In der Kunst wird der Erzengel häufig als Krieger mit Schwert und Lanze dargestellt, der gegen den meist als Drachen dargestellten Satan kämpft.

Gebete zum hl. Erzengel Michael

Es gibt zwei wichtige Gebete zum hl. Erzengel Michael, die beide von Papst Leo XIII. formuliert wurden:

Orte der Michaelsverehrung

Ein wichtiger Ort der Verehrung des Erzengels ist der Monte Sant’Angelo in der süditalienischen Provinz Apulien. Der Erzengel wird hier seit dem Jahr 493 verehrt, nachdem er dort mehrmals erschienen sei. Der Ort gilt als eines der wichtigsten Heiligtümer Italiens und wurde von zahlreichen Päpsten, Kaisern und Heiligen besucht. Der hl. Franziskus von Assisi soll beim Besuch so bewegt gewesen sein, dass er sich nicht für würdig gehalten habe, die heilige Grotte des Ortes zu betreten.

Papst Johannes Paul II. pilgerte 1987 zum Monte Sant’Angelo und erklärte zu diesem Anlass:

Ich bin gekommen, um den Erzengel Michael zu verehren und ihn anzurufen, damit er die Kirche in einem Moment schütze und verteidige, in dem es schwierig ist, ein authentisches christliches Zeugnis ohne Kompromisse oder Halbheiten zu geben.

Ein weiterer wichtiger Ort der Michaelsverehrung ist der Mont Saint-Michel in der Normandie.

3. Der hl. Erzengel Michael als Schutzpatron Deutschlands

Der hl. Bonifatius führte im 8. Jahrhundert die Michaelsverehrung im Rahmen seiner Mission unter den Stämmen des späteren Deutschlands ein, weil er vermutete, dass diese sich wegen ihrer martialischen Traditionen gut mit ihm identifizieren können würden. Auf diese Zeit geht auch die Kirche St. Michael auf dem Michaelsberg neben dem Fuldaer Dom zurück.

Auf dem Konzil von Mainz 813 wird auf Veranlassung Ludwigs des Frommen das Fest Michaels auf den Herbstbeginn gelegt, auf die Woche, die vormals dem Kult Wotans galt. Es war zeitweise ein gebotener Feiertag, was seine Bedeutung unterstreicht. Ein Bild des Erzengels wurde zudem in das Reichsbanner aufgenommen, zusammen mit dem Satz: „Ecce Michael, princeps magnus, venit in adiutorium mihi“ („Dies ist Michael, der große Fürst, er kommt mir zur Hilfe“).

Seit dem frühen Mittelalter gilt Sankt Michael auch als Schutzpatron der deutschen Nation. Im Jahre 2022 jährt sich die Wallfahrt Kaiser Heinrich II. zum wichtigsten Michaelsheiligtum Monte Sant’Angelo zum tausendsten Mal.

Dem Erzengel wurden zwei wichtige Siege in den Abwehrkämpfen gegen die damals noch heidnischen Ungarn zugeschrieben. Es handelt sich um den Sieg in der Schlacht an der Unstrut (933) und den Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld unter Otto I. im Jahr 955. Bei beiden Schlachten wurde den Truppen des Reiches das Reichsbanner vorangetragen, das den Erzengel zeigte. Ungarische Chronisten hielten die Aussagen von überlebenden Kämpfern fest, es habe auf deutscher Seite ein „fliegender Gott mit goldenen Flügeln“ gekämpft, und die Schlacht entschieden.

3.1 Die Michaelshymne

Die katholische Schriftstellerin Getrud von Le Fort dichtete 1933 vor dem Hintergrund des beginnenden Unheils der Herrschaft des Nationalsozialismus eine Michaelshymne, in der sie ihrer Hoffnung auf eine christliche Erneuerung Deutschlands Ausdruck verlieh.

Erzener Engel, gedenke deines Erzvolks,
Das du in Dienst genommen am Throne des Völker-Vaters,
Als die Nationen einst ihre ewigen Führer empfingen!
Du unser Feldherr vom Himmel, vergiß nicht Deines Feldheers
Und führe es wieder wie einst,
Da du beim Ansturm der Heiden
Ihm vorgebraust im triumphierenden Banner!
Engel, du selber hattest Deutschland gewaffnet,
Du gabst ihm den Ritterschlag Christi,
Du gabst ihm das heil’ge Panier,
Und unter dem Schild deiner Flügel
Wurde es selber zum Schild
Wider den Drachen des Abgrunds –
Nun liegt dein Volk im Abgrund!!
Ritter-Engel, brich auf,
Held aller Helden,
Gewaffnet mit ehernem Licht
Und mit der Wahrheit
Unerbittlichem Schwert:
O rette dein eigenes Banner!
Mit deinem Namen
Wird uns der Richter einst rufen am letzten Tage der Völker
Mit deinem Namen
Ehrt uns der Spott noch der Welt –
Satanvernichtender Engel,
Vernichte du in unsren Reihen den Satan
Sieger-Engel des unbesieglichen Gottes,
Besiege dein eigenes Volk
Und wirf es im goldnen Gewitter der himmlischen Scharen
In seine ewige Burg!