Stand: 06.11.2017

Das Christentum ist seinem Wesen nach eine heroische Religion, die davon ausgeht, dass der Sinn menschlicher Existenz auch und gerade in den schwierigsten Lagen darin besteht, durch Dienst und Opfer Jesus Christus nachzufolgen.

In seinem auf schwierige Lagen eingestellten Realismus verfällt das Christentum nicht in Pessimismus, der nach Oswald Spengler dadurch gekennzeichnet ist, dass er keine Aufgaben mehr sieht.

Das Christentum hingegen versteht gerade diese Lagen als Auftrag und als Gelegenheit zu dienenden Nachfolge Jesu Christi. Da es dem Christentum letztlich um das Schicksal der menschlichen Seele geht und die Seele durch Dienst und Opfer Gott näher kommen kann, kann ein Christ sein Ziel gerade unter schwierigen Bedingungen erreichen, die diese Dinge von ihm fordern.

Von der Annahme ausgehend, dass es in dieser ohnehin zum Untergang verurteilten Welt nur darum geht, Jesus Christus durch Dienst und Opfer nachzufolgen, kann der Christ seinen Auftrag auch auf scheinbar verlorenem Posten ausführen. So schaffen im Dienst stehende Christen in einer sterbenden Welt Räume und Werke, die wie Leuchttürme auf eine andere Welt hinweisen, und deren Licht umso heller wirken wird, je tiefer die Dunkelheit um sie herum ist.

Heroische Aspekte des Christentums, die Themen wie Dienst und Opfer betonen, sind in den vergangenen Jahrzehnten in Teilen der westlichen Welt in den Hintergrund getreten. Wie jedoch etwa Papst Leo XIII. 1890 betonte, sei „der Christ zum Kampf geboren“. Die Herausforderungen seiner Zeit seien für den Christen Gelegenheit, „seine sittlichen Kräfte im Kampfe zu erproben“. Die Kirche habe aufgrund ihres von Jesus Christus erteilten Auftrags zum Dienst die „Pflicht, zum Heile des Menschengeschlechts ‚wie ein wohlgeordnetes Kriegsheer'“ zu handeln.

Dieser Kampf sei in erster Linie einer innerer Kampf gegen die „die Klugheit des Fleisches“ bzw. die eigenen ungeordneten Leidenschaften. Nur so könne der Mensch sein eigenes Leben richtig in den Dienst stellen. Dieser Dienst sei zudem nur dann richtig, wenn er in erster Linie gegenüber Gott geleistet werde.

Der Amerikaner Raymond Kardinal Burke ist seit 2014 Kardinalpatron des Malteserordens. 2017 betonte er in einem Gespräch die heroische Dimension des Christentums.

  • Der Kern der christlichen Botschaft sei der Ruf zum Dienst. Dieser Dienst umfasse auch gesellschaftliches Wirken, etwa den Einsatz für den Schutz von Ehe und Familie oder den Schutz ungeborener Kinder.
  • Ein im Dienst am Nächsten in dienender, tapferer Treue gegenüber Jesus Christus geführtes und diszipliniertes Leben könne enorme Wirkung zur positiven Veränderung von Kulturen und zum Heil menschlicher Seelen entfalten.
  • Das Beispiele der Heiligen zeige über viele Jahrhunderte zeigten, dass ein solches Leben Menschen zu Helden des Glaubens und der Menschheit mache.

Ein Beispiel für diese Art von Dienst sei das Handeln des hl. José Sánchez del Río, der in den 1920er Jahren im Rahmen der Widerstandsbewegung der Cristeros gegen das christenfeindliche Calles-Regime in Mexiko kämpfte. Er habe auch unter Folter bis zum Tod am Glauben festgehalten, und seine Geschichte sei auch für die Gegenwart beispielgebend.

Auch der britische Historiker und Journalist Tim Stanley betonte 2017 in einem Vortrag die kämpferischen, heroischen Aspekte des Christentums:

Christianity is tough and uncompromising. The modern notion of the Jesus who loves without asking for anything in return, the Jesus who tolerates, the Jesus of the therapeutic encounter, runs totally contrary to the Jesus of the Gospels. […] That’s how we win: we throw ourselves into the battle with a courage that saves us and the people we encounter. It is a matter of living with integrity. To quote St Catherine of Siena: “If you are who you are meant to be, you will set the world on fire!”

Christen seien zum kompromisslosen Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen berufen. Der Gradmesser der Qualität ihres Einsatzes sei das Maß der Feindseligkeit, mit der ihnen dabei begegnet werde.