Stand: 16.05.2018

Diese Seite beschreibt die Glaubenspraxis des katholischen Christentums unter besonderer Berücksichtigung männlicher Spiritualität. Sie befindet sich noch in einem frühen Entwurfsstadium.

Viele Aspekte der Glaubenspraxis sind in hohem Maße individuell und können nur allgemein beschrieben werden. Man nähert sich ihnen durch Ausprobieren und Erfahrung langsam an.

Kern aller Glaubenspraxis ist es, das eigene Leben immer wieder auf Gott auszurichten, damit dieser darin wirken und es ordnen und heilen kann. Es geht darum, Gott näher zu kommen um seine Gnade empfangen und ihm besser dienen zu können. Die Vorstellung, durch bestimmte Praktiken Gott dazu veranlassen zu können dem Willen des Menschen zu dienen, widerspricht christlichem Glauben fundamental.

1. Die Sakramente

Die Gnade ist die Hilfe, die Gott dem Menschen zu seiner Heiligung schenkt. Die Sakramente wurden durch Jesus Christus gestiftet, der im Sakrament handelt und gegenwärtig ist.

Die Gnade Gottes wirkt durch den Heiligen Geist in der Seele des Menschen. Durch den Empfang der die Sakramente mit der erforderlichen inneren Haltung öffnet sich der Mensch für die Gnade Gottes, so dass diese in ihm wirken und ihn bei seiner Heiligung unterstützen kann.

Die Sakramente, die man regelmäßig empfangen sollte, sind die Eucharistie und die Beichte.

1.1 Die Eucharistie

Die heilige Messe ist das Zentrum der katholischen Religion. Sie ist das metaphische Zentrum der Welt. Wer an ihr teilnimmt, begibt sich an die Achse, die die materielle mit der geistigen Welt verbindet. Es offenbart sich in ihr die Ordnung des Kosmos.

Die heilige Messe ist die Begegnung jener, in deren Seelen das Reich Gottes wächst, mit ihrem König und der anderen Welt. Hier empfangen sie Stärkung, ihre Befehle und werden ausgesandt.

Ihre Wurzeln reichen bis auf die Zeit Jesu Christi bzw. auf das Abendmahl zurück. Jedes Wort in ihr hat Bedeutung, und die meisten Bezüge entstammen der Offenbarung des Johannes, die das große kosmische Geschehen, den überzeitlichen Kampf und die letzten Dinge schildert. Sie wurde über mittlerweile fast zwei Jahrtausende entwickelt, wobei ihre Entwicklung in den vergangenen Jahrhunderten langsamer verlief, weil die geschaffene Substanz kaum noch besser zu gestalten ist.

Der hl. Thomas von Aquin bezeichnete die Eucharistie („Danksagung“) als das „Sakrament aller Sakramente“. In der heiligen Messe findet die Vergegenwärtigung des Opfers Christi statt. In ihr verbindet sich der Mensch mit dem von Christus erbrachten Opfer und wird mit ihm in der Kommunion eins.

Die Heilige Messe ist Grundstein christlicher Kultur Europas, Architektur ist Gebäude in denen sie gefeiert wird, Musik mit der sie gefeiert wird, Politik schafft Ordnung die Freiheit und sicheren Raum geben soll.

Körperhaltungen in der Heiligen Messe

  • Bei Gebeten nimmt man eine stehende Haltung ein.
  • Bei Predigten und Lesungen (außer der der Evangelien, bei denen man aufsteht) sitzt man, was einer lernenden Haltung entspricht.
  • Während der Vorbereitung der Begegnung mit Jesus Christus in der Euchastie nimmt man eine knieende Haltung ein, um Achtung gegenüber Jesus Christus als dem Herrn auszudrücken.
  • Beim Betreten der Kirche oder der Bankreihe in der Kirche erfolgt eine Kniebeuge, die Achtung vor der Realpräsenz Jesu Christi im Tabernakel ausdrückt.

Verhalten in der Gegenwart des Allerheiligsten

Dem Tabernakel sollte man nicht ohne zwingenden Grund den Rücken zuwenden. Man betritt eine Kirche nur in angemessener Kleidung und spricht in ihr außerhalb der Liturgie nur mit gedämpfter Stimme. In der Kirche wird nicht applaudiert.

Es entspricht einer Forderung des hl. Apostels Paulus, wenn Frauen in der Kirche ihr Haar bedecken. Männer nehmen innerhalb einer Kirche grundsätzlich ihre Kopfbedeckung ab.

1.2 Die Beichte

Die Beichte versöhnt mit Gott durch die Buße des Beichtenden. Die Beichte reinigt die Seele von dem Schmutz, der sich auf ihr durch Sünde angesammelt hat und den Menschen von Gott trennt. Wie alle Sakramente verändert auch die Beichte den Menschen, indem sie die Gnade Gottes auf den Menschen wirken läst. Sie heilt die Seele, indem sie Ordnung in ihr schafft, und stärkt sie im Kampf gegen die Sünde.

Die Beichte muß aufrichtig und vollständig erfolgen, was Mut des Beichtenden und Vertrauen in den Priester erfordert. Sie setzt zudem Reue voraus. Scham vor anderen Menschen oder Ärger über eigene Schwäche sind keine echte Reue.

Man sollte mindestens einmal im Jahr beichten, aber eine häufigere Beichte ist empfohlen. Gebeichtet werden muß wenigstens die schwere Sünde, also alles was wissentlich und willentlich gegen Willen Gottes in einer wichtigen Sache geschah. Ideal ist es, wenn alles gebeichtet wird, was das eigene Verhältnis zu Gott belastet, d.h. alles getane Böse und alles unterlassene Gute.

1.3 Weitere Sakramente

Besondere Sakramente, die man nur einmal an einer bestimmten Station des eigenen Lebensweges empfängt, sind:

  • Taufe
  • Firmung
  • Ehe
  • Weihe
  • Krankensalbung

Ehe und Weihe dienen anders als die anderen Sakramente nicht der Heiligung des Menschen, sondern seiner Indienststellung.

Leidenschaften unter Kontrolle bringt.

2. Weitere Elemente katholischer Glaubenspraxis

2.1 Gewissenserforschung

Es hat sich bewährt, die Gewissenserforschung für einige Minuten am Ende des Tages zu praktizieren und dazu Fragen zu verwenden.

Für Männer eignen sich unter anderem die folgenden Fragen zur Gewissenserforschung:

  • Habe ich meine Zeit in den Dienst gestellt? Habe ich Zeit vergeudet?
  • Habe ich Ernst gemacht? War ich ein Heuchler, der sich an der Schönheit von Gedanken und Worten berauscht, ohne Ernst zu machen? War mir bewusst, dass mein Glaube von mir fordert, mein Leben einzusetzen?
  • Habe ich zum Segen aller Menschen um mich herum gewirkt? Bin ich auch Gegnern angemessen begegnet?

2.2 Geistliche Begleitung

Die geistliche Begleitung ist die seelsorgliche Beratung und Führung durch einen Mentor im Streben nach Heiligkeit bzw. Vollkommenheit. Sie setzt großes Vertrauen voraus, da es mit der Offenbarung des Innenlebens (etwa der eigenen Schwierigkeiten im christlichen Leben und damit verbundener Vorsätze) verbunden ist.

Der geistliche Begleiter beantwortet auch geistliche Fragen sowie Fragen zur Gestaltung des christlichen Lebens. Sinn und Zweck der geistlichen Begleitung ist es, eine christliche Lebenspraxis in Gebet und Arbeit zu erreichen.

Die geistliche Begleitung kann durch einen Priester oder erfahrenen Laien geleitet werden, zu dem ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht, und der gleichzeitig (im Fall des Priesters) der eigene Beichtvater sein kann.

Der Gehorsam in der geistlichen Begleitung ist immer ein Akt des freien Willens. Die geistliche Begleitung darf keine Weisungen im Bereich der Privatautonomie bzw. betreffend zeitlicher Dinge erteilen.

2.2.1 Vorsätze

Der Staatsmann Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, entwickelte ein sehr wirksames System zur Einübung von Tugenden. Er legte ein Tagebuch an, das für jede Woche eine Matrix mit den Wochentagen sowie mit 13 Tugenden enthielt, die er in sich entwickeln wollte. Er markierte die entsprechenden Verstöße für jeden Tag mit dem Ziel, immer weniger Verstöße zu begehen. Zudem konzentrierte er sich jede Woche auf eine Tugend ganz besonders.

Dieses System kann individuell angepasst werden und die Tugenden enthalten, an denen man besonders arbeiten will, sowie die Sünden oder Untugenden, die man vermeiden möchte.

2.3 Gebet

Im Gebet konzentriert sich der Mensch auf die vertikale, nichtmaterielle Welt. Das Gebet ist die lebendige persönliche Beziehung zu Gott. Es öffnet die Seele für Gott mit der Absicht, Gott besser dienen zu können und um seine Hilfe zu bitten, durch diesen Dienst, zu seiner Ehre, ein besserer und vollkommenerer Mensch zu werden.

Es gibt drei Arten des Gebetes:

  • Mündliches Gebet: Dieses richtet sich mit Worten an Gott. Dazu gehört etwa das Vaterunser oder der Rosenkranz.
  • Betrachtendes Gebet: Hier versetzt sich der Mensch in die Gegenwart Gottes, um auf Gott zu hören.
  • Inneres Gebet: Das innere Gebet wird von Gott geschenkt und erfüllt sich ganz darin, in der Gegenwart Gottes zu sein. Es kann aus dem betrachtenden Gebet hervorgehen.

Das betrachtende Gebet

Das betrachtende Gebet ist Meditation und Suche nach dem Warum und Wie des christlichen Lebens sowie nach dem Willen Gottes für das eigene Leben. Das betrachtende Gebet stellt die Frage:  „Herr, was willst du? Was soll ich tun?“ Die Methoden des betrachtenden Gebetes sind unterschiedlich. Es findet normalerweise mit Hilfe eines Buches, etwa der Bibel, statt, kann sich aber auch auf andere geistliche Schriften oder auf Kunstwerke beziehen.

Das betrachtende Gebet bezieht das Denken, Gefühle, die Vorstellungskraft, den Willen und das Verlangen des Beters mit ein. Der Betende wendet seine Vorstellungskraft an, um das, was er betrachtet, gläubig mit der Wirklichkeit seines Lebens zu verbinden. Er nimmt sich z.B. einen Abschnitt des Evangeliums oder eines seiner Bilder, um es betend zu betrachten.

  • Was muß zum Beispiel in Maria vorgegangen sein, als sie ihren großen Auftrag erhielt, dem sie gehorsam zustimmte?
  • Wie mag sich das Geschehen im Garten Gethesemane dargestellt haben, als Jesus Christus seinen Auftrag und die damit verbundenen Härten deutlich erkannte, die er sich nicht wünschte, aber dem Auftrag dennoch zustimmte?
  • Was bedeutet es, wenn es heißt, die Seele des Menschen sei unsterblich? Was ist die Seele? In welchem Zustand befindet sich die eigene Seele?

Der Betende versucht, das Betrachtete auf sein Leben zu beziehen, um daraus zu leben.

Andacht ist die innere Ruhe, die für das betrachtende Gebet erforderlich ist. Im betrachtenden Gebet wird man zunächst innerlich still und befreit sich von eigenen Wünschen, Ansprüchen, Vorstellungen, äußeren Reizen und ablenkenden Gedanken. Man kann die Ruhigstellung des Geistes durch Atemübungen unterstützen. Der hl. Johannes vom Kreuz betrachtete gerne den Sternenhimmel, um „die schweigende Musik, die klangvolle Einsamkeit“ zu erfahren. Je mehr man selbst zurücktritt, desto besser kann Gott wirken und sich äußern.

Der Rosenkranz

Der Rosenkranz ist ein betrachtendes marianisches Gebet. Er richtet die Seele auf Jesus Christus aus und versetzt den Betenden in einen meditativen Versenkungszustand.

Der Engel des Herrn

Das Mittag gesprochene Gebet richtet den Menschen zur Mitte des Tages wieder auf Gott aus.

Das Gebet des Kreuzweges

2.4 Fasten

2.5 Sakramentalien

Sakramentalien sind Gegenstände oder Handlungen, die den Menschen für die über die Sakramente vermittelte Gnade Gottes empfänglicher machen sollen.

  • Segnungen: Die Segnung eines Gegenstands bedeutet, ihn für heiligen Gebrauch bzw. für den Dienst an Gott vorzusehen. Durch die Segnung wird ein Gebäude zu einer Kirche und Wasser zu Weihwasser. Gesegnete Gegenstände sollen mit besonderer Achtung behandelt werden, denn sie sind Träger eines Segens. Diese Vorstellung kann in Aberglauben übergehen, wenn der Gegenstand selbst für heilig gehalten wird.
  • Wallfahrten: Diese sind von Gebet begleitete geistliche Reisen zu Wallfahrtsorten, d.h. zu Heiligtümern, an denen z.B. Heilige lebten, wirkten oder begraben sind. Es gibt auch Marienheiligtümer. Allgemein sind Heiligtümer heilige Orte, die einen besonderen religiösen Bezug aufweisen und als Zeichen der heilbringenden Gegenwart Jesu Christi gelten.
  • Kunstwerke: Es wird ausschließlich das verehrt, was sie repräsentieren und worauf sie den Menschen hinweisen, und nicht der Gegenstand an sich.
  • Medaillien
  • Weihwasser

2.6 Aufopferung des Tages

Es geht darum, den Tag mit Opfer und Abtötung zu beginnen und einen ersten Sieg über die Sünde und die eigene Schwäche zu erzielen.

2.7 Lebensplan

Ein Lebensplan dient der systematischen und disziplinierten Einübung der Glaubenspraxis, der Ausrichtung des eigenen Lebens auf Gott, dem Anschluß an den Strom der Gnade und deren Wirkung im eigenen Leben und dem eigenen seelischen Wachstum. Es geht darum, Dinge im eigenen Leben zur Regel zu machen, die einen Gott näher bringen.

Ein Lebensplan wirkt Schwächen und der Tendenz entgegen, andere Dinge wichtiger zu nehmen. Das Leben in Klöstern ist von ähnlichen Plänen geprägt.

Ein Risiko dieses Ansatzes ist, dass er zu einem bloßen Abarbeiten von Pflichten werden kann.

2.8 Brüderliche Zurechtweisung

Diese unterstützt andere Christen.

3. Asketische Praxis

Der Begriff der Askese bezeichnete ursprünglich die Vorbereitungen der Athleten der griechischen Antike auf sportliche Wettkämpfe.1

3.1 Abtötung: Die Kontrolle von Trieben

Das Konzept der Abtötung geht auf Jesus Christus zurück, der von denen, die ihm Nachfolgen, Selbstverleugnung fordert (Mt 16, 24-25). Der hl Apostel Pauls führte dies in Rö 8, 12-13 aus und erklärte, dass der Mensch, wenn er das ewige Leben erlangen wolle, nicht „nach dem Fleisch“ leben, also sich von seinen Trieben und Leidenschaften bestimmen lassen dürfe. Das ewige Leben erlange, wer „durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet“.

Das Konzept bezeichnet Übungen, die auf die Kontrolle ungeordneter Triebe und Leidenschaften abzielen. Es wird unterschieden zwischen innerer und äußerer Abtötung:

  • Innere Abtötung: Diese beinhaltet den geistigen Kampf gegen Triebe.
  • Äußere Abtötung: Diese strebt die Kontrolle von Trieben durch Entziehung von Dingen sowie durch das bewusste Erzeugen von Unlust oder Schmerz an.

Abtötung muss sich nicht nur auf sittlich erlaubte unerlaubte Dinge beziehen. Je vollständiger Abtötung erfolgt, desto stärker wird der Mensch gegen Versuchungen. Jedes Opfer und jeder Akt der Abtötung führt hilft der Seele des Menschen Gott näher zu kommen und befreit sie von den Dingen, die sie von Gott fernhalten und sein Wirken behindern.

Abtötung ist mit Wachsamkeit verbunden. Wo Angriffe erkennbar werden, kann man sich vom Korrumpierenden und Versuchenden entfernen. Es gibt viele individuelle Wege sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen.

  • Einer Beschreibung nach gleiche die Wachsamkeit der eines Fischers, der schlechte Fische wieder ins Wasser zurückwerfe und nur die guten behalte.
  • Einer anderen Beschreibung nach gleiche die Wachsamkeit der eines angenommenen Betrachters der eigenen Seele. Die Regungen in der eigenen Seele, die sie auf den falschen Weg bringen wollten, seien wie die von Würmern, die sie befallen hätten. Man solle sich vorstellen, wie abstoßend häßlich die als falsch erkannte Regung sei.

In jedem Fall ist der Mensch alleine zu schwach, um diesen Kampf auszutragen.

Geistige Hilfsmittel: Jeden Tat für sich angehen

Menschen, die andere lange andauernde schwierige Lagen bewältigten berichten, dass ihnen dies gelang, weil sie sich immer nur auf die Bewältigung des nächsten Augenblicks, der nächsten Stunde und des vor ihnen liegenden Tages konzentrierten. Hätten sie das Ganze betrachtet, hätten sie es nicht geschafft, weil ihnen die Herausforderungen als zu groß erschienen wären. Indem sie die Herausforderung Atemzug für Atemzug angingen und sich nicht über die Probleme der Zukunft sorgen, gelang es ihnen, ihre Lage zu meistern.

Einige berichteten, dass das Leben für sie nur noch aus dem gegenwärtigen Moment bestanden habe, auf den sie sich ganz konzentiert hätten. Ihr geistiger Kampf habe nur noch eine einzige Sünde behandelt, nämlich die jeweils nächste.

Abtötung ist nicht körperfeindlich

Der hl. Augustinus erklärte, dass Abtötung nicht den Körper, sondern die Sünde im Körper bekämpfe. Die christliche Praxis der Abtötung ist somit niemals körperfeindlich. Der Körper ist gut, weil er von Gott geschaffen wurde. In der Eucharistie wird der Körper des Menschen zum Tempel Gottes. Der Mensch benötigt außerdem einen gesunden Körper für seinen Dienst.

4. Fest und Feier

In der christlichen Tradition gibt es Feste und Feiern im Lebenslauf bzw. im Zusammenhang mit bestimmten Sakramenten wie Taufe und Ehe sowie Feste und Feiern im Jahreskreis wie Ostern und Weihnachten. (Weiterlesen: Fest und Feier in der christlichen Tradition)

5. Mission: Andere zum Glauben führen

Der Weg zum Glauben ist vor allem für Männer häufig dadurch verstellt, dass die Religion teilweise von Verfallserscheinungen und der Überformung mit säkularen Ideologien entstellt wurde. Je mehr die Religion zu einem unmaskulinen utopischen Sozialaktivismus wird, desto unplausibler erscheint vielenen Männern der Wahrheitsanspruch des Christentums, und desto weniger bereit sind sie zu Glauben.

Nur Gott führt Menschen zum Glauben. Der Missionar wirkt dienend daran mit, indem er Hindernisse für das Wirken Gottes aus dem Weg räumt. Im Buch Jeremia wird betont, dass Gott, der die Freiheit des Menschen über alles achtet, nur dem suchenden Menschen helfen kann:

Denn ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe – Spruch des Herrn -, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben. Wenn ihr mich ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, so erhöre ich euch.Sucht ihr mich, so findet ihr mich. Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden – Spruch des Herrn.2

Wie Christen helfen anderen helfen können, zum Glauben zu finden

Die folgenden Ansätze haben sich bewährt:

  • Mit den Grundlagen beginnen: Man beginnt damit, Hindernisse abzubauen. Es hilft nicht, Menschen mit fortgeschrittenen theologischen Konzepten und Begriffen zu konfrontieren, die unverständlich sind, wenn man ihren Inhalt und ihre Grundlagen nicht kennt. Begriffe, die in der Alltagssprache ganz anders verwendet werden als im Christentum, sollten vermieden und durch verständlichere Begriffe ersetzt werden. Es kann sogar erforderlich sein, überholte oder irreführende Bilder und Klischees zurückzuweisen und Menschen zunächst von ihnen freizumachen.
  • Fragen erzeugen bevor man Antworten gibt: Ein Geheimnis wirkt faszinierend, aber Fremdartiges stößt ab. Fragen zu erzeugen führt Menschen eher zum Glauben als ihnen (noch) unverständliche Antworten auf Fragen, die sie sich vielleicht noch gar nicht stellen, vorzusetzen. Zum Abbau der Hindernise für den Glauben gehört es, Fragen zu Schwächen, Mängeln und inneren Widersprüchen nichtchristlicher Weltanschauungen aufzuwerfen.
  • Ruhige Gewissheit: Dingen, über die der Mensch nichts endgültiges sagen kann, sollte man sich stets im Ton der Demut bzw. mit einem Ton der ruhigen Gewissheit nähern. Damit ist nicht ein Ton des Relativismus gemeint. Eine zu laut vorgetragene Gewissheit in Glaubensfragen wirkt aber unglaubwürdig und kann Ausdruck eines nicht von echtem Glauben getragenen Fanatismus sein. Der Typus des Straßenpredigers wirkt aufdringlich wie ein Hausierer und stößt vom Glauben ab.
  • Freundschaft: Die Menschen einer Christusfeindlichen Welt sind nicht Feinde des Christen, sondern Opfer der Verführung durch das Böse oder des Irrtums. Christen begegnen ihnen mit der Haltung des Freundes, der das beste für die Seele des christusfernen Menschen anstrebt.
  • Eigenes Vorbild: Zu allen Zeiten war das von Christen vorgelebte Beispiel der beste und wirksamste Weg, um andere Menschen aufgeschlossen für das Christentum zu machen. Ohne dieses Beispiel ist das Christentum nicht glaubwürdig.
  • Gemeinschaft

Bestenfalls kann man einem Menschen dadurch so aufgeschlossen für Gott machen, dass er nach dem Glauben sucht und um diesen bittet.

Man kann Menschen auch dabei helfen, die in ihrem Leben bereits vorhandenen Spuren des Wirkens Gottes zu entdecken, die sie vielleicht noch gar nicht als solche wahrnehmen.

Was Männer am Christentum interessiert

  • Das Motiv des selbstlosen Dienstes am Nächsten und entsprechende Taten von Christen;
  • Die Überzeugung, dass es Dinge gibt, die größer sind als der Mensch und seine Triebe, Leidenschaften und materiellen Bedürfnisse;
  • Das Motiv des kosmischen Kampfes zwischen Gott und seinen Herausforderern und dessen Fortsetzung im Leben der Menschen;
  • Die großen Werke des Christentums, z.B. die Fortsetzung und Erneuerung der Kultur im Chaos des untergehenden römischen Reiches; die Rolle des Christentums als geistiger Grundlage Europas; die über Jahrtausende durch Aufnahme und Veredelung der besten Elemente aller Kulturen geschaffene Kultur des Christentums;
  • Die Tatsache, dass diese Werke von Gegenkräften der Auflösung und des Chaos ständig bedroht werden.
  1. Uto Meier: „Askese“, in: Klaus Ebeling/Matthias Gillner (Hg.): Ethik-Kompass. 77 Leitbegriffe, Freiburg im Breisgau 2017, S. 16-17, hier: S. 17.
  2. Jer 29, 11-14