Stand: 10.09.2018

Diese Seite beschreibt die Glaubenspraxis des katholischen Christentums unter besonderer Berücksichtigung männlicher Spiritualität. Sie befindet sich noch in einem frühen Entwurfsstadium.

Viele Aspekte der Glaubenspraxis sind in hohem Maße individuell und können nur allgemein beschrieben werden. Man versteht sie nur indem man sie praktiziert und nähert sich ihnen durch Ausprobieren und Erfahrung langsam an.

Kern aller Glaubenspraxis ist es, das eigene Leben immer wieder auf Gott auszurichten, damit dieser darin wirken und es ordnen und heilen kann. Es geht darum, Gott näher zu kommen und eigene Seele für sein Wirken zu öffnen um seine Gnade empfangen und ihm besser dienen zu können. Die Vorstellung, durch bestimmte Praktiken Gott dazu veranlassen zu können dem Willen des Menschen zu dienen, widerspricht christlichem Glauben fundamental.

1. Die Sakramente

Die Sakramente wurden durch Jesus Christus gestiftet, der im Sakrament handelt und gegenwärtig ist. Sie sind Zeichen der Zugehörigkeit zu seinem Volk.

Die Sakramente ermöglichen dem Menschen Zugänge zur Gnade Gottes. Die Gnade Gottes ist die übernatürliche Hilfe, die Gott dem Menschen zu seiner Heiligung schenkt und ihn verändert, wenn er dem zustimmt. Sie wirkt durch den Heiligen Geist in der Seele des Menschen. Durch den Empfang der die Sakramente mit der erforderlichen inneren Haltung öffnet sich der Mensch für die Gnade Gottes, so dass diese in ihm wirken, sein Wesen heilen und ihn bei seiner Heiligung unterstützen kann.

DerTheologe Alan Schreck bezeichnete die Sakramente als „Kanäle des Lebens und der Kraft Jesu“.

Die Sakramente, die man regelmäßig empfangen sollte, sind die Eucharistie und die Beichte.

1.1 Die Eucharistie

Die heilige Messe ist das Zentrum der katholischen Religion. Sie ist das metaphische Zentrum der Welt. Wer an ihr teilnimmt, begibt sich an die Achse, die die materielle mit der geistigen Welt verbindet. Es offenbart sich in ihr die Ordnung des Kosmos.

Die heilige Messe ist die Begegnung jener, in deren Seelen das Reich Gottes wächst, mit ihrem König und der anderen Welt. Hier empfangen sie Stärkung, ihre Befehle und werden ausgesandt.

Die heilige Messe die Grundlage der christlichen Kultur Europas, die um sie herum entstanden ist. Über Jahrhunderte strebten zum Beispiel Musik und Architektur danach, Werke von immer größerer Schönheit zu schaffen, die der heiligen Messe gerecht werden sollten.

Bis in die Gegenwart stellt die heilige Messe eine Oase des Übernatürlichen in einer von anderen Kräften geprägten Welt dar, in der Christen für ihren Dienst gestärkt werden.

Ihre Wurzeln reichen bis auf die Zeit Jesu Christi bzw. auf das Abendmahl zurück. Jedes Wort in ihr hat Bedeutung, und die meisten Bezüge entstammen der Offenbarung des Johannes, die das große kosmische Geschehen, den überzeitlichen Kampf und die letzten Dinge schildert. Sie wurde über mittlerweile fast zwei Jahrtausende entwickelt, wobei ihre Entwicklung in den vergangenen Jahrhunderten langsamer verlief, weil die geschaffene Substanz kaum noch besser zu gestalten ist.

Der hl. Thomas von Aquin bezeichnete die Eucharistie („Danksagung“) als das „Sakrament aller Sakramente“. In der heiligen Messe findet die Vergegenwärtigung des Opfers Christi statt. In ihr verbindet sich der Mensch mit dem von Christus erbrachten Opfer und wird mit ihm in der Kommunion eins.

Körperhaltungen in der Heiligen Messe

  • Bei Gebeten nimmt man eine stehende Haltung ein.
  • Bei Predigten und Lesungen (außer der der Evangelien, bei denen man aufsteht) sitzt man, was einer lernenden Haltung entspricht.
  • Während der Vorbereitung der Begegnung mit Jesus Christus in der Euchastie nimmt man eine knieende Haltung ein, um Achtung gegenüber Jesus Christus als dem Herrn auszudrücken.
  • Beim Betreten der Kirche oder der Bankreihe in der Kirche erfolgt eine Kniebeuge, die Achtung vor der Realpräsenz Jesu Christi im Tabernakel ausdrückt.

Verhalten in der Gegenwart des Allerheiligsten

Dem Tabernakel sollte man nicht ohne zwingenden Grund den Rücken zuwenden. Man betritt eine Kirche nur in angemessener Kleidung und spricht in ihr außerhalb der Liturgie nur mit gedämpfter Stimme. In der Kirche wird nicht applaudiert.

Es entspricht einer Forderung des hl. Apostels Paulus, wenn Frauen in der Kirche ihr Haar bedecken. Männer nehmen innerhalb einer Kirche grundsätzlich ihre Kopfbedeckung ab.

1.2 Die Beichte

Die Beichte versöhnt mit Gott durch die Buße des Beichtenden. Die Beichte reinigt die Seele von dem Schmutz, der sich auf ihr durch Sünde angesammelt hat und den Menschen von Gott trennt. Wie alle Sakramente verändert auch die Beichte den Menschen, indem sie die Gnade Gottes auf den Menschen wirken läst. Sie heilt die Seele, indem sie Ordnung in ihr schafft, und stärkt sie im Kampf gegen die Sünde.

Die Beichte muß aufrichtig und vollständig erfolgen, was Mut des Beichtenden und Vertrauen in den Priester erfordert. Sie setzt zudem Reue voraus. Scham vor anderen Menschen oder Ärger über eigene Schwäche sind keine echte Reue.

Man sollte mindestens einmal im Jahr beichten, aber eine häufigere Beichte ist empfohlen. Gebeichtet werden muß wenigstens die schwere Sünde, also alles was wissentlich und willentlich gegen Willen Gottes in einer wichtigen Sache geschah. Ideal ist es, wenn alles gebeichtet wird, was das eigene Verhältnis zu Gott belastet, d.h. alles getane Böse und alles unterlassene Gute.

1.3 Weitere Sakramente

Besondere Sakramente, die man nur einmal an einer bestimmten Station des eigenen Lebensweges empfängt, sind:

  • Taufe
  • Firmung
  • Ehe
  • Weihe
  • Krankensalbung

Ehe und Weihe dienen anders als die anderen Sakramente nicht der Heiligung des Menschen, sondern seiner Indienststellung.

Leidenschaften unter Kontrolle bringt.

2. Weitere Elemente katholischer Glaubenspraxis

2.1 Gewissenserforschung

Gott wirkt im Gewissen des Menschen. Die Gewissenserforschung ist die diagnostische Prüfung des Zustands und der Entwicklung der eigenen Seele zur Vorbereitung korrigierender Maßnahmen. Die Gewissenserforschung dient der Konfrontation mit den eigenen Schwächen, vor denen man sich sonst vielleicht verstecken würde.

Dem hl. Ignatius von Loyola zufolge beginnt man die Gewissenserforschung mit einem Dankgebet und bittet dann darum, die eigenen Sünden zu erkennen und loszuwerden. Anschließend prüft man die Gedanken, Worte und Taten des zurückliegenden Tages darauf, wo man Gutes unterlassen und Schlechtes getan hat. Am Ende der Gewissenserforschung bittet man Gott um Vergebung und fasst sich Vorsätze, welche Schwächen man mit der Hilfe Gottes konzentriert angehen will. Idealerweise hält man dies schriftlich fest.

Es hat sich bewährt, die Gewissenserforschung für einige Minuten am Ende des Tages zu praktizieren und dazu Fragen zu verwenden.

Für Männer eignen sich unter anderem die folgenden Fragen zur Gewissenserforschung:

  • Habe ich meine Zeit in den Dienst gestellt? Habe ich Zeit vergeudet?
  • Habe ich Ernst gemacht? War ich ein Heuchler, der sich an der Schönheit von Gedanken und Worten berauscht, ohne Ernst zu machen? War mir bewusst, dass mein Glaube von mir fordert, mein Leben einzusetzen?
  • Habe ich zum Segen aller Menschen um mich herum gewirkt? Bin ich auch Gegnern angemessen begegnet?

Das Generalexamen

Dieses ist eine Form der Gewissenserforschung, die nicht auf die Sünde, sondern auf Gott ausgerichtet ist. Sie wurde durch den hl. Ignatius von Loyola beschrieben und besteht aus fünf Teilen:

  • Dank für die an diesem Tag von Gott erhaltene Gnade
  • Bitte um die Gnade und den Mut die eigenen Sünden zu erkennen und sie auszulöschen
  • Prüfung der eigenen Worte und Worke darauf, ob und wie Gott in ihnen präsent war, und wo man Gnade erhalten hat und wie man ihr begegnete
  • Bitte um Vergebung der eigenen Sünde und Bitte um Hilfe beim Kampf dagegen
  • Fassung eines Vorsatzes
2.1.1 Vorsätze

Der Staatsmann Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA, entwickelte ein sehr wirksames System zur Einübung von Tugenden. Er legte ein Tagebuch an, das für jede Woche eine Matrix mit den Wochentagen sowie mit 13 Tugenden enthielt, die er in sich entwickeln wollte. Er markierte die entsprechenden Verstöße für jeden Tag mit dem Ziel, immer weniger Verstöße zu begehen. Zudem konzentrierte er sich jede Woche auf eine Tugend ganz besonders.

Dieses System kann individuell angepasst werden und die Tugenden enthalten, an denen man besonders arbeiten will, sowie die Sünden oder Untugenden, die man vermeiden möchte.

2.2 Geistliche Begleitung

Die geistliche Begleitung ist die seelsorgliche Beratung und Führung durch einen Mentor im Streben nach Heiligkeit bzw. Vollkommenheit. Sie setzt großes Vertrauen voraus, da es mit der Offenbarung des Innenlebens (etwa der eigenen Schwierigkeiten im christlichen Leben und damit verbundener Vorsätze) verbunden ist.

Der geistliche Begleiter beantwortet auch geistliche Fragen sowie Fragen zur Gestaltung des christlichen Lebens. Sinn und Zweck der geistlichen Begleitung ist es, eine christliche Lebenspraxis in Gebet und Arbeit zu erreichen.

Die geistliche Begleitung kann durch einen Priester oder erfahrenen Laien geleitet werden, zu dem ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht, und der gleichzeitig (im Fall des Priesters) der eigene Beichtvater sein kann.

Der Gehorsam in der geistlichen Begleitung ist immer ein Akt des freien Willens. Die geistliche Begleitung darf keine Weisungen im Bereich der Privatautonomie bzw. betreffend zeitlicher Dinge erteilen.

2.3 Gebet

Im Gebet konzentriert sich der Mensch auf die vertikale, nichtmaterielle Welt. Das Gebet ist die lebendige persönliche Beziehung zu Gott. Es öffnet die Seele für Gott mit der Absicht, Gott besser dienen zu können und um seine Hilfe zu bitten, durch diesen Dienst, zu seiner Ehre, ein besserer und vollkommenerer Mensch zu werden.

Es gibt drei Arten des Gebetes:

  • Mündliches Gebet: Dieses richtet sich mit Worten an Gott. Dazu gehört etwa das Vaterunser oder der Rosenkranz.
  • Betrachtendes Gebet: Hier versetzt sich der Mensch in die Gegenwart Gottes, um auf Gott zu hören.
  • Inneres Gebet: Das innere Gebet wird von Gott geschenkt und erfüllt sich ganz darin, in der Gegenwart Gottes zu sein. Es kann aus dem betrachtenden Gebet hervorgehen.

Das betrachtende Gebet

Der Begriff wurde durch die hl. Theresa von Avila geschaffen. Das betrachtende Gebet ist die Erhebung des Geistes zu Gott in Form von Meditation und Suche nach dem Warum und Wie des christlichen Lebens sowie nach dem Willen Gottes für das eigene Leben. Das betrachtende Gebet stellt die Frage:  „Herr, was willst du? Was soll ich tun?“ Die Methoden des betrachtenden Gebetes sind unterschiedlich. Es findet normalerweise mit Hilfe eines Buches, etwa der Bibel, statt, kann sich aber auch auf andere geistliche Schriften oder auf Kunstwerke beziehen.

Im betrachtenden Gebet erfolgt die individuelle Begegnung mit den Geheimnissen des Glaubens.

Das betrachtende Gebet bezieht das Denken, Gefühle, die Vorstellungskraft, den Willen und das Verlangen des Beters mit ein. Der Betende wendet seine Vorstellungskraft an, um das, was er betrachtet, gläubig mit der Wirklichkeit seines Lebens zu verbinden. Er nimmt sich z.B. einen Abschnitt des Evangeliums oder eines seiner starken Bilder, um es betend zu betrachten.

  • Was muß zum Beispiel in Maria vorgegangen sein, als sie ihren großen Auftrag erhielt, dem sie gehorsam zustimmte?
  • Wie mag sich das Geschehen im Garten Gethesemane dargestellt haben, als Jesus Christus seinen Auftrag und die damit verbundenen Härten deutlich erkannte, die er sich nicht wünschte, aber dem Auftrag dennoch zustimmte?
  • Was bedeutet es, wenn es heißt, die Seele des Menschen sei unsterblich? Was ist die Seele? In welchem Zustand befindet sich die eigene Seele?

Der Betende versucht, das Betrachtete auf sein Leben zu beziehen, um daraus zu leben.

Andacht ist die innere Ruhe, die für das betrachtende Gebet erforderlich ist. Im betrachtenden Gebet wird man zunächst innerlich still und befreit sich von eigenen Wünschen, Ansprüchen, Vorstellungen, äußeren Reizen und ablenkenden Gedanken. Man kann die Ruhigstellung des Geistes durch Atemübungen unterstützen. Der hl. Johannes vom Kreuz betrachtete gerne den Sternenhimmel, um „die schweigende Musik, die klangvolle Einsamkeit“ zu erfahren. Je mehr man selbst zurücktritt, desto besser kann Gott wirken und sich äußern.

  • Das mündliche Gebet bereitet das betrachtende Gebet vor. Man spricht ein Eingangs- und ein Abschlußgebet.
  • Man versetzt sich zu Beginn des betrachtenden Gebetes in die Gegenwart Gottes, d.h. man macht sich bewusst, dass Gott anwesen ist, auch wenn er der Wahrnehmung verborgen sein mag, und einen umgibt. Man kann sich quasi in Gott fallen lassen.
  • Man spricht Gott im betrachtenden Gebet direkt an.
  • Feste Gebetszeiten helfen, aber betrachtendes Gebet ist immer möglich und kann sich auch aus der geistlichen Lektüre etc. entwickeln.
  • Man beginnt mit einer rationalen Betrachtung, also der Frage, was das Bild bedeutet.

Der Rosenkranz

Der Rosenkranz ist ein betrachtendes marianisches Gebet. Er richtet die Seele auf Jesus Christus aus und versetzt den Betenden in einen meditativen Versenkungszustand.

Eucharistische Anbetung

Jesus Christus begab sich unmittelbar vor seiner Gefangennahme in den Garten Getsemane, um dort zu beten. Er rief die Jünger auf: „Bleibt hier und wacht mit mir!“ Die Jünger schliefen jedoch ein, während Jesus Christus sich im Gebet dem stellte, was ihm erwartete, und in den Auftrag Gottes einwilligte. Zu den Jüngern sagt er später: „Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“1

Der Engel des Hern

Das Mittag gesprochene Gebet richtet den Menschen zur Mitte des Tages wieder auf Gott aus.

Während der Osterzeit wird zu diesem Anlass das Gebet Regina Caeli gesprochen.

Unter Deinen Schutz und Schirm

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, heilige Gottesmutter. Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern errette uns jederzeit aus allen Gefahren, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin. Führe uns zu deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne.

V/ Bitte für uns, heilige Gottesmutter,
A/ dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Das Memorare

Ein weiteres verbreitetes marianisches Gebet ist das Memorare:

Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, es ist noch nie gehört worden, dass jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deinen Beistand anrief und um deine Fürbitte flehte, von dir verlassen worden ist. Von diesem Vertrauen beseelt, nehme ich meine Zuflucht zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen, meine Mutter, zu dir komme ich, vor dir stehe ich als ein sündiger Mensch. O Mutter des ewigen Wortes, verschmähe nicht meine Worte, sondern höre sie gnädig an und erhöre mich! Amen.

Das Gebet des Kreuzweges

2.4 Fasten

2.5 Sakramentalien

Sakramentalien sind Gegenstände oder Handlungen, die den Menschen für die über die Sakramente vermittelte Gnade Gottes empfänglicher machen sollen.

  • Segnungen: Die Segnung eines Gegenstands bedeutet, ihn für heiligen Gebrauch bzw. für den Dienst an Gott vorzusehen. Durch die Segnung wird ein Gebäude zu einer Kirche und Wasser zu Weihwasser. Gesegnete Gegenstände sollen mit besonderer Achtung behandelt werden, denn sie sind Träger eines Segens. Diese Vorstellung kann in Aberglauben übergehen, wenn der Gegenstand selbst für heilig gehalten wird.
  • Wallfahrten: Diese sind von Gebet begleitete geistliche Reisen zu Wallfahrtsorten, d.h. zu Heiligtümern, an denen z.B. Heilige lebten, wirkten oder begraben sind. Es gibt auch Marienheiligtümer. Allgemein sind Heiligtümer heilige Orte, die einen besonderen religiösen Bezug aufweisen und als Zeichen der heilbringenden Gegenwart Jesu Christi gelten.
  • Kunstwerke: Es wird ausschließlich das verehrt, was sie repräsentieren und worauf sie den Menschen hinweisen, und nicht der Gegenstand an sich.
  • Medaillien
  • Weihwasser

2.6 Aufopferung des Tages

Es geht darum, den Tag mit Opfer und Abtötung zu beginnen und einen ersten Sieg über die Sünde und die eigene Schwäche zu erzielen.

2.7 Lebensplan

Ein Lebensplan beruht auf Mönchsregeln ist ein Plan zur Verrichtung von Übungen, welche die Heiligung des Menschen unterstützen, indem sie Gott bzw. den Heiligen Geist auf seine Seele wirken lassen und den Menschen immer wieder neu auf Gott ausrichten. Viele Heilige folgtem diesem Ansatz. Er dient der systematischen und disziplinierten Einübung der Glaubenspraxis, der Ausrichtung des eigenen Lebens auf Gott, dem Anschluß an den Strom der Gnade und deren Wirkung im eigenen Leben und dem eigenen seelischen Wachstum.

Es geht darum, Dinge im eigenen Leben zur Regel zu machen, die einen Gott näher bringen, und diesen Dingen im eigenen Leben einen festen Raum einzuräumen. Ein Lebensplan wirkt persönlichen Schwächen, die den Menschen von der Glaubenspraxis abhalten und der Tendenz entgegen, andere Dinge wichtiger zu nehmen. Das Leben in Klöstern ist von ähnlichen Abläufen geprägt. Ein Lebensplan ist im Grunde eine Mönchsregel für das Leben des Laien.

Ein Risiko dieses Ansatzes ist, dass er zu einem bloßen Abarbeiten von Pflichten werden kann. Es kommt nicht auf die Menge an Glaubenspraxis an, sondern darauf, welche ihrer Elemente man gut erfüllen kann.

2.8 Brüderliche Zurechtweisung

Durch diese unterstützen sich Christen gegenseitig in christlicher Lebensführung. Im Alten Testament (Sprüche 27,17) ist dies so beschrieben worden:

Eisen wird an Eisen geschliffen; so schleift einer den Charakter des andern.

In der Gemeinschaft erziehen sich ihre Mitglieder laut dem hl. Apostel Paulus gegenseitig, in dem sie „aufeinander achten“ und sich „zur Liebe und zu guten Werken anspornen“.2 Schlechtes Verhalten soll unter Christen nicht geduldet oder gar gut geheißen werden. So unterstützen sich Christen gegenseitig auf ihrem Weg zur Heiligkeit.

3. Asketische Praxis

Der Begriff der Askese bezeichnete ursprünglich die Vorbereitungen der Athleten der griechischen Antike auf sportliche Wettkämpfe.3

Die Einübung von Tugend erfordert Willenskraft und Ausdauer. Wie beim Sportler entwickelt sich auch beim Asketen mit der Zeit eine stärkere Neigung dazu, Gutes zu tun und Böses zu unterlassen.

3.1 Abtötung: Die Kontrolle von Trieben

Das Konzept der Abtötung geht auf Jesus Christus zurück, der von denen, die ihm Nachfolgen, Selbstverleugnung fordert (Mt 16, 24-25). Der hl Apostel Pauls führte dies in Rö 8, 12-13 aus und erklärte, dass der Mensch, wenn er das ewige Leben erlangen wolle, nicht „nach dem Fleisch“ leben, also sich von seinen Trieben und Leidenschaften bestimmen lassen dürfe. Das ewige Leben erlange, wer „durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet“.

Das Konzept bezeichnet Übungen, die auf die Kontrolle ungeordneter Triebe und Leidenschaften abzielen. Es wird unterschieden zwischen innerer und äußerer Abtötung:

  • Innere Abtötung: Diese beinhaltet den geistigen Kampf gegen Triebe.
  • Äußere Abtötung: Diese strebt die Kontrolle von Trieben durch Entziehung von Dingen sowie durch das bewusste Erzeugen von Unlust oder Schmerz an.

Abtötung muss sich nicht nur auf sittlich erlaubte unerlaubte Dinge beziehen. Je vollständiger Abtötung erfolgt, desto stärker wird der Mensch gegen Versuchungen. Jedes Opfer und jeder Akt der Abtötung führt hilft der Seele des Menschen Gott näher zu kommen und befreit sie von den Dingen, die sie von Gott fernhalten und sein Wirken behindern.

Abtötung ist mit Wachsamkeit verbunden. Wo Angriffe erkennbar werden, kann man sich vom Korrumpierenden und Versuchenden entfernen. Es gibt viele individuelle Wege sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen.

  • Einer Beschreibung nach gleiche die Wachsamkeit der eines Fischers, der schlechte Fische wieder ins Wasser zurückwerfe und nur die guten behalte.
  • Einer anderen Beschreibung nach gleiche die Wachsamkeit der eines angenommenen Betrachters der eigenen Seele. Die Regungen in der eigenen Seele, die sie auf den falschen Weg bringen wollten, seien wie die von Würmern, die sie befallen hätten. Man solle sich vorstellen, wie abstoßend häßlich die als falsch erkannte Regung sei.

In jedem Fall ist der Mensch alleine zu schwach, um diesen Kampf auszutragen.

Die heroische Minute und die Aufopferung des Tages

Der hl. Josemaria Escriva bezeichnete die Praxis, den Tag mit einem Opfer zu beginnen und ihn aufzuopfern, als “ heroische Minute. Dieses Opfer ordnet den ganzen Tag und stellt ihn in den Dienst Gottes. Dies kann in Form eines kurzen Gebetes erfolgen, z.B. „Serviam!“ („Ich werde dienen!“, der Ausruf des hl. Erzengels Michael). Der hl. Philip Neri sprach dieses Gebet: „Herr, heute ist der Tag, an dem ich beginne“. Es gibt zahlreiche Anregungen für entsprechende Gebete, und man kann auch sein eigenes Gebet formulieren. Darin kann man z.B. auch um die Gnade bitten, die man zur Ausführung der Aufgaben des Tages benötigt.

Jeden Tag für sich angehen

Menschen, die andere lange andauernde schwierige Lagen bewältigten berichten, dass ihnen dies gelang, weil sie sich immer nur auf die Bewältigung des nächsten Augenblicks, der nächsten Stunde und des vor ihnen liegenden Tages konzentrierten. Hätten sie das Ganze betrachtet, hätten sie es nicht geschafft, weil ihnen die Herausforderungen als zu groß erschienen wären. Indem sie die Herausforderung Atemzug für Atemzug angingen und sich nicht über die Probleme der Zukunft sorgen, gelang es ihnen, ihre Lage zu meistern.

Einige berichteten, dass das Leben für sie nur noch aus dem gegenwärtigen Moment bestanden habe, auf den sie sich ganz konzentiert hätten. Ihr geistiger Kampf habe nur noch eine einzige Sünde behandelt, nämlich die jeweils nächste.

Opfer bringen

Auftauchende Herausforderungen sollten als Gelegenheit betrachtet werden, Opfer zu bringen.

Konzentration und Stille als Teil der Askese

Askese bedeutet auch den Verzicht auf Reizüberflugung. Alles Laute, Schrille, Aufdringliche, Ablenkende schafft Hindernisse für das Wirken in der Seele.

Abtötung ist nicht körperfeindlich

Der hl. Augustinus erklärte, dass Abtötung nicht den Körper, sondern die Sünde im Körper bekämpfe. Die christliche Praxis der Abtötung ist somit niemals körperfeindlich. Der Körper ist gut, weil er von Gott geschaffen wurde. In der Eucharistie wird der Körper des Menschen zum Tempel Gottes. Der Mensch benötigt außerdem einen gesunden Körper für seinen Dienst.

4. Fest und Feier

In der christlichen Tradition gibt es Feste und Feiern im Lebenslauf bzw. im Zusammenhang mit bestimmten Sakramenten wie Taufe und Ehe sowie Feste und Feiern im Jahreskreis wie Ostern und Weihnachten. (Weiterlesen: Fest und Feier in der christlichen Tradition)

5. Mission: Andere zum Glauben führen

Der Weg zum Glauben ist vor allem für Männer häufig dadurch verstellt, dass die Religion teilweise von Verfallserscheinungen und der Überformung mit säkularen Ideologien entstellt wurde. Je mehr die Religion zu einem unmaskulinen utopischen Sozialaktivismus wird, desto unplausibler erscheint vielenen Männern der Wahrheitsanspruch des Christentums, und desto weniger bereit sind sie zu Glauben.

Nur Gott führt Menschen zum Glauben. Der Missionar wirkt dienend daran mit, indem er Hindernisse für das Wirken Gottes aus dem Weg räumt. Im Buch Jeremia wird betont, dass Gott, der die Freiheit des Menschen über alles achtet, nur dem suchenden Menschen helfen kann:

Denn ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe – Spruch des Herrn -, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben. Wenn ihr mich ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, so erhöre ich euch.Sucht ihr mich, so findet ihr mich. Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden – Spruch des Herrn.4

Wie Christen helfen anderen helfen können, zum Glauben zu finden

Die folgenden Ansätze haben sich bewährt:

  • Mit den Grundlagen beginnen: Man beginnt damit, Hindernisse abzubauen. Es hilft nicht, Menschen mit fortgeschrittenen theologischen Konzepten und Begriffen zu konfrontieren, die unverständlich sind, wenn man ihren Inhalt und ihre Grundlagen nicht kennt. Begriffe, die in der Alltagssprache ganz anders verwendet werden als im Christentum, sollten vermieden und durch verständlichere Begriffe ersetzt werden. Es kann sogar erforderlich sein, überholte oder irreführende Bilder und Klischees zurückzuweisen und Menschen zunächst von ihnen freizumachen.
  • Fragen erzeugen bevor man Antworten gibt: Ein Geheimnis wirkt faszinierend, aber Fremdartiges stößt ab. Fragen zu erzeugen führt Menschen eher zum Glauben als ihnen (noch) unverständliche Antworten auf Fragen, die sie sich vielleicht noch gar nicht stellen, vorzusetzen. Zum Abbau der Hindernise für den Glauben gehört es, Fragen zu Schwächen, Mängeln und inneren Widersprüchen nichtchristlicher Weltanschauungen aufzuwerfen. Um die richigen Fragen aufwerfen zu können, muss man zunächst das Denken des anderen Menschen verstehen und dem anderen zuhören.
  • Ruhige Gewissheit: Dingen, über die der Mensch nichts endgültiges sagen kann, sollte man sich stets im Ton der Demut bzw. mit einem Ton der ruhigen Gewissheit nähern. Damit ist nicht ein Ton des Relativismus gemeint. Eine zu laut vorgetragene Gewissheit in Glaubensfragen wirkt aber unglaubwürdig und kann Ausdruck eines nicht von echtem Glauben getragenen Fanatismus sein. Der Typus des Straßenpredigers wirkt aufdringlich wie ein Hausierer und stößt vom Glauben ab.
  • Freundschaft: Die Menschen einer Christusfeindlichen Welt sind nicht Feinde des Christen, sondern Opfer der Verführung durch das Böse oder des Irrtums. Christen begegnen ihnen mit der Haltung des Freundes, der das beste für die Seele des christusfernen Menschen anstrebt.
  • Eigenes Vorbild: Zu allen Zeiten war das von Christen vorgelebte Beispiel der beste und wirksamste Weg, um andere Menschen aufgeschlossen für das Christentum zu machen. Ohne dieses Beispiel ist das Christentum nicht glaubwürdig.
  • Spuren Gottes aufzeigen: Gott hinterlässt Spuren im Leben eines Menschen, etwa in Form des sich ihm zeigenden Guten, Wahren und Schönen, das den Menschen berührt. Man kann Menschen auf diesen Sachverhalt hinweisen und sie fragen, was sie an solchen Erfahrungen berührt hat. Wenn ein Mensch etwa von selbstlosen Taten anderer berührt war, kann man ihm erklären, das er hier einen Blick auf die die vertikale Ordnung der Welt getan und ein Zeichen von Gott gesehen hat.
  • Gemeinschaft

Bestenfalls kann man einem Menschen dadurch so aufgeschlossen für Gott machen, dass er nach dem Glauben sucht und um diesen bittet.

Man kann Menschen auch dabei helfen, die in ihrem Leben bereits vorhandenen Spuren des Wirkens Gottes zu entdecken, die sie vielleicht noch gar nicht als solche wahrnehmen.

Was Männer am Christentum interessiert

  • Das Motiv des selbstlosen Dienstes am Nächsten und entsprechende Taten von Christen;
  • Die Überzeugung, dass es Dinge gibt, die größer sind als der Mensch und seine Triebe, Leidenschaften und materiellen Bedürfnisse;
  • Das Motiv des kosmischen Kampfes zwischen Gott und seinen Herausforderern und dessen Fortsetzung im Leben der Menschen;
  • Die großen Werke des Christentums, z.B. die Fortsetzung und Erneuerung der Kultur im Chaos des untergehenden römischen Reiches; die Rolle des Christentums als geistiger Grundlage Europas; die über Jahrtausende durch Aufnahme und Veredelung der besten Elemente aller Kulturen geschaffene Kultur des Christentums;
  • Die Tatsache, dass diese Werke von Gegenkräften der Auflösung und des Chaos ständig bedroht werden.