Stand: 31.07.2018

Härte ist die Fähigkeit zum Ertragen und zur Überwindung von Schmerz und Unlust.

In einer der frühesten Schriften des Christentums, dem um das Jahr 55 n. Chr. entstandenen 1. Korintherbrief, rief der hl. Apostel Paulus christliche Männer dazu auf, jegliche Neigung zu unmännlicher Weichheit in sich zu bekämpfen. Weichlinge würden nicht zu den Erben des Reiches Gottes gehören.

  • Auch wenn man die Freiheit habe, sich für ein entsprechendes Leben zu entscheiden, so sei eine solche Entscheidung doch falsch. Christliche Männer seien zum vorbehaltlosen Dienst berufen, und dazu tauge nur, wer „standhaft und unerschütterlich“ und „mannhaft“ sei.
  • Das Reich Gottes entstehe laut Paulus durch den Dienst der Christen an Gott und dem Nächsten. Dem Reich Gottes werde nicht angehören, wer diesen Dienst verweigere oder ein Leben führe, das zu diesem Dienst untauglich mache.

Unmännliche Weichheit stellt für Paulus ein Laster dar, also einen Tauglichkeitsmangel, der den Mann daran hindert, seinen Auftrag zu erfüllen. Das gleiche gilt laut Paulus auch für Männer, die sich dazu entschließen Trinker oder Ehebrecher zu sein oder anderen verkehrten Neigungen nachgehen.

Paulus verwendete in seinem Brief das altgriechische Wort „Malakoi“ zur Bezeichnung weichlicher Männer. Die dazugehörige Eigenschaft, die „Malakia“, beschreibt nicht nur die Eigenschaft der Weichheit allgemein, sondern speziell die Eigenschaft des verweichlichten, effeminierten Mannes.

Einige deutsche Bibelübersetzungen übersetzen das Wort mit „Lustknaben“ etc., da der Begriff im Altgriechischen auch die Wesenseigenschaft des eine weibliche Rolle annehmenden Homosexuellen beschreibt. Diese Übersetzung erscheint jedoch zu stark auf eine Nebenbedeutung des Begriffes verengt zu sein.

  • Paulus dürfte aufgrund seines hellenischen Bildungshintergrundes das Wort in einem ähnlichen Sinne verwendet haben wie Platon, der in seinen Ausführungen über die Ausbildung der Wächter des Gemeinwesens Weichheit als eine zum Dienst untauglich machende Eigenschaft beschrieb, die Folge der Vermeidung des Harten und Unangenehmen sei. Im Sport sah Platon ein wichtiges Gegenmittel zur Weichheit.
  • Aristoteles, dessen Gedanken der hl. Thomas von Aquin in das Christentum integrierte, beschrieb Weichheit ebenfalls als die Eigenschaft des Vermeidens des Unangenehmen. Sie führe zur Unfähigkeit, Belastungen zu ertragen. Andere klassische griechische Philosophen betonten, dass Weichheit nicht nur untauglich mache, sondern auch Feigheit im Sinne des Zurückweichens vor schwierigen Aufgaben begünstige.
  • In der römischen Kultur beschrieb das Konzept der Weichheit bzw. der Verweichlichung überfeinertes Verhalten bei Männern sowie die Annahme weiblicher Sprache, Gesten, Körpersprache, Haltung und Verhaltensweisen. Zudem bezeichnete es die Abwesenheit von körperlicher Stärke, emotionaler Selbstkontrolle und Tapferkeit bei Männern.

Der hl. Thomas von Aquin definierte Weichheit in Anknüpfung an antike Philosophie bzw. an Aristoteles als ein „der Beharrlichkeit entgegenstehendes Laster“. Der verweichlichte Mann ziehe sich aus Angst vor Unlust davon zurück, das Gute anzustreben, oder er ertrage beim Streben nach dem Guten auch den geringsten Widerstand nicht mehr. Je mehr man im eigenen Leben nach dem Angenehmen suche, desto schwerer ertrage man seine Abwesenheit, und desto mehr verweichliche man.

Der hl. Apostel Paulus war selbst keine weichliche Person. Als er das Christentum nach Europa trug, hielt er größten Belastungen stand, darunter Folter und Schiffsuntergängen. In seinen Briefen äußert er sich ausführlich über die Härten, die der „Dienst, der mir anvertraut wurde“, ihm auferlegt habe.

Seine Sprache ist dabei von militärischen Bildern und soldatischer Sprache geprägt. Zudem verwendet er häufig wettkampforientierte sportliche Bilder, auch aus dem Kampfsport, und betont durchgängig die Bedeutung der Disziplin in der christlichen Lebensführung.

  • Das Leben des Christen stellt für Paulus die aktive Teilnahme an einem Kampf zwischen übergeordneten Mächten dar, dessen Fronten durch die Seelen der Menschen verlaufen. Die Härte, die Paulus fordert, ist in diesem Zusammenhang nicht Härte gegenüber menschlichen Gegnern, sondern die zur totalen Rücksichtslosigkeit gesteigerte Härte gegenüber der eigenen Schwäche, zu der Jesus Christus in der Bergpredigt aufgerufen hatte.
  • Paulus geht davon aus, dass derjenige, der sich statt dessen zur Weichheit entscheide, in diesem Kampf kaum eine Chance habe. Entsprechende Neigungen wirft er dabei niemandem vor, denn sie sind Teil der Natur des Menschen. Harte Worte äußert Paulus hingegen gegenüber jenen, welche die christliche Botschaft bereits als wahr erkannt haben und wissen, dass der Sinn des Lebens im Dienst an Gott und dem Nächsten liegt, die sich aber dennoch für die egoistische Kultivierung ihrer Schwächen entschieden haben.

Paulus war vor seiner Berufung an den ersten Christenverfolgungen aktiv beteiligt und wusste, dass verweichlichte Männer unter solchen Bedingungen nicht standhalten könnten.

Die Entscheidung für das Christentum erscheint in seinen Briefen zudem auch als eine Entscheidung gegen die egoistische Dekadenz in der Welt und ihren Materialismus. Christen würden sich in einen radikalen Gegensatz dazu stellen, indem sie sich zum Dienst an Gott und dem Nächsten entschieden. Sie würden sich nicht mehr selbst gehören und müssten daher jeglicher Tendenz zur inneren Verweichlichung entgegenwirken. Das Feuer werde prüfen, von welcher Qualität ihr Dienst sei.