Inhalt

Stand: 12.11.2018

Auf dieser Seite werden Impulse zur Identität des christliches Mannes und zu Fragen eines resilienten christlichen Lebensstils gesammelt. Die Seite befindet sich noch in einem frühen Entwurfsstadium.

Unsere Absicht ist es, auf der Grundlage der christlichen Spiritualität des schützenden und bewahrenden Dienstes und unter Rückgriff auf zwei Jahrtausenden christlicher Tradition ein Körper, Geist und Seele umfassendes integriertes Formationprogramm für Männer zu erarbeiteten, dass diese dazu befähigen und stärken soll, als Christen Verantwortung zu übernehmen und ihren Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen auch unter erschwerten Bedingungen zu verrichten.

Dieses Programm beruht auf der Erkenntnis, dass der Mann (so wie auch die Frau) in seinem Leben den Anforderungen einer höheren Ordnung entsprechen und seinem Leben eine entsprechende Form geben muss. Im Rahmen einer gelungenen Persönlichkeitsentwicklung geht es im Leben vor allem auch darum, die eigene Identität als Mann zu entwickeln.

Der Philosoph Josef Pieper schrieb dazu in Anknüpfung an Meister Eckhard, dass die Frage, was man sein solle, im Leben noch wichtiger sei als die Frage, was man tun solle.1

Dieses Programm beruht außerdem auf bewährten Antworten für die im Leben des Mannes auftauchenden Fragen und Lösungen für die sich ihm stellenden Aufgaben. Psychologie und Biologie stehen, was das Verständnis dieser Lösungen angeht, erst am Anfang ihrer Arbeit, kommen dabei aber zunehmend zu der Erkenntnis, dass traditionelle Ansätze späteren Entwürfen praktisch meist überlegen sind. Dies liegt auch daran, dass traditionelle Ansätze nicht starr sind, sondern stets neue Dinge integriert haben, falls diese sich in der Praxis bewährten. So entstand über die Jahrhundert und Jahrtausende ein wertvoller, an den Herausforderungen der komplexen Natur des Menschen und der Wirklichkeit gewachsener Bestand an praktischem Kulturwissen.

  • Der römische Dichter Ennius hatte beobachtet, dass „Sitte und Männer von alter Art“ Gemeinwesen schaffen und erhalten würden. Wo es an dienstbereiten und -tauglichen Männern fehlt, zerfällt ein Gemeinwesen, und schwere Zeiten sind die Folge. Der christliche Dienst am Nächsten kann auch darin bestehen, sein eigenes Leben so zu gestalten, dass es gerade in solchen Zeiten zu einer Stütze des Gemeinwesens wird.
  • Unser Programm soll insbesondere auch solche Männer, die modernen und säkularen Lebensstilen oder denen fremder Kulturen und Religionen folgen, dabei unterstützen, die damit verbundenen kulturelle Fehlanpassungen im eigenen Leben zu überwinden. Zudem soll dieses Programm zur Erneuerung kultureller Substanz beitragen und es auch außerhalb der christlichen Tradition stehenden Männern ermöglichen, in diese hineinzuwachsen.
  • Dazu erschließt die entsprechende Arbeitsgruppe des Bundes Sankt Michael Erfolgsbeispiele des Lebens als christlicher Mann und bereitet sie so auf, dass sie in das eigene Leben integriert werden können. Das zu entwickelnde Programm knüpft dabei an bis auf die griechische Antike zurückgehende traditionelle Bildungskonzepte für Männer bzw. Konzepte resilienter männlicher Lebensführung an, die innerhalb traditionsreicher Familien, an bestimmten Internaten, an Militärakademien sowie als Teil der Fürstenerziehung über Jahrhunderte entwickelt und gepflegt wurden.

Ein ähnliches Konzept findet sich außerhalb christlicher Kultur etwa den Gedanken Platons über das Ethos und die Formung des Wächterstandes, aber auch im japanischen Budo („Militärweg“), der ein alle Aspekte des Menschen umfassendes Bildungs- und Ausbildungssystem für den Dienst des Mannes am Gemeinwesen darstellt.

1. Die Berufung des Mannes

Die Berufung des christlichen Mannes ist es zu dienen, Verantwortung für die ihm anvertrauten Menschen und Dinge zu übernehmen, sie zu schützen und, wenn erforderlich, Opfer für sie zu bringen. Dazu kann auch das Opfer des eigenen Lebens gehören, so wie es Jesus Christus vorgelebt hat.

Der Mann ist dazu berufen, sich große Ziele zu setzen, und energisch nach großen Dingen zu streben, ein Lebenswerk und ein Erbe zu schaffen, dem Guten in der Welt Raum zu verschaffen, Risiken einzugehen und die Herausforderung zu suchen. Wie der hl. Joseph wird der Mann nicht an dem gemessen was er sagt, sondern an dem, was er tut. Dazu muß der Mann zunächst tauglich und kompetent werden, was ein lebenslanger Prozess ist, indem der Mann sich laufend Belastungen aussetzen muss, um zu wachsen. Tut er dies nicht, verkümmert er.

Der Berufung des Mannes zu folgen ist das Ergebnis einer freien Entscheidung. Man kann diese Berufung auch verweigern, wodurch man als Mann jedoch scheitert.

Als Ehemann und Vater ist der christliche Mann der Beschützer und Versorger seiner Familie. Als Mitglied eines Gemeinwesens gibt der Mann mehr als er nimmt und trägt zu seinem Schutz bei. Der Mann denkt langfristig und schafft sich ein Erbe.

Jedes Gemeinwesen beruht auch auf dem Dienst von Männern, die höhere Pflichten anerkennen und die dazu bereit und fähig dazu sind, dem Nächsten und dem Gemeinwesen zu dienen und Verantwortung für sie zu übernehmen, Herausforderungen für sie zu erkennen und ihnen aktiv zu begegnen. Insbesondere in schwierigen Zeiten werden Männer gebraucht.

Dienende Männer sind Garanten des Lebens und der Dauer eines Gemeinwesens und stehen zwischen ihm und den Kräften der Auflösung, die alle guten Werke bedrohen. In ihrem Umfeld sind sie eine verlässliche Stütze, an die man sich wendet, wenn man Hilfe sucht. Wo Männer sich statt dessen dazu entscheiden, den eigenen Vorteil zu suchen, Leben von Ansprüchen her denken, sich Wunschdenken und Egoismus hingeben, zerfällt ein Gemeinwesen, und schwierige Zeiten sind die Folge.

Der im Dienst stehende Mensch nimmt sein Leben als Auftrag wahr und erkennt die sich daraus ergebende Pflicht als Maßstab seines Lebens an. Er weiß, dass es auch ihn ankommt und das Menschen Gefahren ausgeliefert sind, wo er nicht zur Stelle ist.

Der im Dienst stehende Mann pflegt seine Verbindung zu Gott durch eine aktive Glaubenspraxis, steigert seine Bereitschaft und Tauglichkeit zum Dienst durch ein von christlichen Tugenden wie Rationalität, Realismus und Disziplin geprägtes Leben und prägt und formt sein Umfeld im Sinne seines Auftrags. Solche Männer tragen die durch Jesus Christus begründete Ordnung des Dienstes und der Nächstenliebe in eine ungeordnete Welt hinein und verschaffen ihr Raum.

Das Leben des Mannes kann viele besondere Berufungen enthalten, zum Beispiel die zum Vater und Ehemann, zum Freund anderer, zu bestimmten Formen des Dienstes (z.B. als Soldat oder Polizist) oder zum Priester.

Der Mann muß geformt werden. Um seiner Berufung folgen zu können, muss der Mann alle in ihm angelegten Fähigkeiten so gut entwickeln wie es geht. Die Ehre eines Mannes hängt davon ab, wie gut ihm dies gelingt und in welchem Maß er in seiner Berufung erfolgreich ist.

Wenn es Männer verweigern, ihrer Berufung zu folgen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Rolle einzunehmen, zerfällt eine Gesellschaft. Die Verweigerung, der Berufung als Mann zu folgen, kann sich sowohl im Mißbrauch der eigenen Kraft als auch in selbstgewälter Schwäche und Weichheit äußern.

2. Die Einheit des Lebens

Der christliche Mann muss mit allen Aspekten seiner Persönlichkeit im Dienst stehen. Es reicht nicht, wenn er dies nur mit Worten bekundet, seine Taten den Worten aber nicht entsprechen.

Niemand kann zwei Herren dienen.2 Der christliche Mann bleibt daher auch im Berufsleben in erster Linie Christ. Der christliche Glaube ist keine Privatangelegenheit, die nur hinter verschlossenen Türen ausgeübt wird, sondern ist darauf angelegt, in der Welt zu wirken.

Es gibt einen christlichen Habitus, also eine Gesamtprägung der Person, der als gestaltete Kraft auf sein Umfeld und die Person zurückwirkt. Er ist die Form, die der christliche Mann einzunehmen anstrebt.

Wer die Einheit des Lebens pflegt, lebt im Privaten nicht grundsätzlich anders als in der Öffentlichkeit.

Friedrich Nietzsche erklärte, dass ein großer Philosoph sich nicht nur im Denken, Sprechen und Schreiben beweisen müssen, sondern auch „durch das sichtbare Leben, also durch „Miene, Haltung, Kleidung, Speise, Sitte“.3

3. Charakterbildung

3.1 Die Tugenden des Mannes

Tugenden sind innere Eigenschaften, die der Mann zur Ausübung seines Dienstes benötigt und die er durch Einübung entwickeln stärken kann. Sie sind außerdem durch Einübung gewonnene Neigungen zu gutem Handeln und stellen das Ziel im Streben nach Vollkommenheit dar. Tugenden sind die charakterlichen Eigenschaften die, wenn sie in ihrer Gesamtheit praktiziert werden, zum Dienst tauglich machen. Sie machen einen Menschen nicht gut, aber sie befähigen ihn zum Guten. Ihren Wert gewinnen die Tugenden erst durch ihre Bindung an Gott und die sich daraus ergebenden Pflichten.

Das Maß der Tugend bestimmt die charakterliche Höhe eines Menschen. Charakter ist das einzige unveräußerliche Eigentum. Charakter ist innere Haltung und nicht nur das Befolgen von Regeln. Man kann Charakter nicht kaufen, nur durch das ständige Einüben von Tugend in Form von zahllosen Entscheidungen gegen seine niedrigere Natur erarbeiten oder freiwillig aufgeben.

In der Krise beweist sich der Charakter. Viele Menschen können sich unter guten Bedingungen soweit beherrschen, dass Wesensschwächen nicht sichtbar werden.

Tugend befähigt einen Menschen dazu, seinen in ihm von Gott angelegten Zweck zu erfülle. Die Tugend des Messers ist seine Schärfe, weil diese Eigenschaft ausschlaggebend dafür ist, dass es den in seiner Natur angelegten Dienst erfüllen kann zu schneiden.

Der Aufbau von Tugend ist ein langer, niemals abgeschlossener Weg. der ständige Übung beinhaltet. Diese ist erforderlich, damit man bereit ist, wenn der eigene Dienst gefordert wird. Tugend zu entwickeln ist dabei stets schwerer als Tugend zu verlieren, so wie es leichter ist, einen Berg hinabzusteigen als ihn hinaufzusteigen. Wer Tugend entwickeln will, muss daher Opfer bringen, sich überwinden und die eigene Komfortzone verlassen. Trägheit (Acedia) ist die schlechte Neigung, die von der Ausübung einer Tugend abhält.

Viele Tugenden können als gesunde Mitte zwischen einem Exzess und einem Mangel verstanden werden. Tugend sollte jedoch nicht als Durchschnitt oder Mittelmaß verstanden werden, sondern als Gipfel zwischen zwei Tiefpunkten.

Das Christentum geht in Anknüpfung an die Philosophie der griechischen Antike von vier Kardinaltugenden aus, denen wiederum Untertugenden zugeordnet sind. Im Rahmen der Spiritualität des schützenden Dienstes werden diese auf eine bestimmte Weise betont und interpretiert.

3.1.1 Tugend als Tauglichkeit des Mannes zum Dienst

Die christliche Tugendlehre stützt sich auf Impulse antiker griechischer Philosophie. Diese Philosophie ging davon aus, dass die Tugenden vor allem die Eigenschaften seien, die der Mann zur Bewältigung des Ernstfalls entwickeln müsse.

Der christliche Philosoph Josef Pieper schrieb über die Entstellung des Begriffs der Tugend in der Moderne:

So war für die Griechen Tugend, areté, die Wesensart des edel gearteten und wohlgebildeten Menschen; für die Römer bedeutete virtus die Festigkeit mit welcher der vornehme Mann in Staat und Leben stand; das Mittelalter verstand unter tugent die Art des ritterlichen Menschen. Allmählich wurde diese Tugend aber brav und nützlich, bis sie den sonderbaren Klang bekam, bei dem sich im natürlich gewachsenen Menschen innerlich etwas zusammenzieht.

Tugend sei laut Pieper „nicht die gezähmte ‚Ordentlichkeit‘ und ‚Bravheit‘ des Spießbürgers, sondern: seinshafte Erhöhung der menschlichen Person“:

Tugend ist das ultimum potentiae, das Äußerste dessen, was ein Mensch sein kann; sie ist die Erfüllung menschlichen Seinkönnens. Tugend ist die Vollendung des Menschen zu einem Tun, durch das er seine Glückseligkeit verwirklicht. Tugend bedeutet die Unbeirrbarkeit der Richtung des Menschen auf die wahrhafte Verwirklichung seines Wesens, das ist: auf das Gute.

Der klassische Philologe Werner Wilhelm Jaeger (1888-1961) hatte in seinem Hauptwerk „Paideia – Die Formung des griechischen Menschen“ betont, dass Tugend (altgr. areté, lat. virtus) im Verständnis antiker griechischer Philosphie gleichbedeutend mit umfassender, charakterlicher und köperlicher soldatischer Mannhaftigkeit gewesen sei. Tugend sei die Tauglichkeit zu einem guten Zweck areté sei die Bezeichnung „des höchsten ritterlichen Mannesideals mit seiner Verbindung von höfisch vornehmer Sitte und kriegerischem Heldentum“. Erst der über diese Tugenden verfügende Mann verfüge auch über Männlichkeit (altgr. andreia).

Christen sind als Menschen in besonderem Maße friedfertig. Dies birgt das Risiko unangemessener Schwäche in sich. Hektor, ein in der Ilias beschriebener Held, musste andreia lernen, weil diese in seinem Wesen nicht ausreichend ausgeprägt war. Er galt im Mittelalter als ein Beispiel für einen ritterlichen Charakter.

Der hl. Apostel Paulus, der von hellenischer Kultur geprägt war, ging von dem von Jaeger beschriebenen Tugendverständnis aus und verwendete in seinen Briefen dementsprechend zahlreiche militärische und athletische Bilder zur Beschreibung der Tugenden. Auch Clemens von Alexandria und Origenes integrierten Teile des entsprechenden Verständnisses von Bildung im Sinne von paideia im 2. und 3. Jahrhundert in die Kultur des frühen Christentums.

Der hl. Thomas von Aquin, der das christliche bzw. das katholische Verständnis von Tugend maßgeblich prägte, knüpfte unmittelbar an die oben beschriebenen Gedanken der antiken griechischen Philosophie an und entwickelte sie im christlichen Sinne weiter. Im 20. Jahrhundert hatte der katholische Theologe Romano Guardini die zeitlose Gültigkeit dieser Gedanken in einem Aufsatz über die Tugenden des Mannes betont. Auch Pius X. hatte 1905 katholische Männer zu „mannhafter Tugend“ aufgerufen.

3.1.2 Wille als Fundament der Tugend

Wille ist die Fähigkeit, vom Verstand gelenkte Entscheidungen über die Triebe zu treffen. Wille wirkt durch Ausübung gestärkt und durch Verzicht auf Ausübung geschwächt. Erkenntnisse der Gehirnforschung bestätigen dies. Je häufiger ein Mensch sich überwindet, desto größer wird der Bereich seines Gehirns, der mit der Willenskraft in Verbindung gebracht wird, und desto leichter fällt es ihm, Willen aufzubringen. Neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge dauert es rund zwei Wochen, bis aus einer Willensentscheidung eine Routine wird.

Etwas zu wollen bedeutet, ihm alle anderen Dinge in den eigenen Entscheidungen nach- und unterzuordnen und es entschlossen gegen alle Widerstände zu verfolgen.

3.1.3 Der christliche Ehrbegriff und das Ideal des Ehrenmannes

Ehre ist die Anerkennung, die dem Mann gebührt, der männliche Tugend praktiziert. (Weiterlesen: Der christliche Ehrbegriff).

Das Ideal des Ehren- bzw. Edelmannes entstand im christlichen Rittertum des Mittelalters und ist eng mit der christlichen Kultur Europas verbunden. Vorläufer finden sich wie oben beschrieben in der griechischen und römischen Antike, etwa im bereits dargestellten Tugendverständnis, aber auch im römischen Konzept der mos maiorum (dt. „die Sitten der Vorfahren“). Die Anerkennung der Ehre eines Mannes und Familienvaters wurde in dessen Rahmen davon abhängig gemacht, in welchem Grad sein Leben von der Achtung der Religion und der Praxis mannhafter Tugend in schwierigen Lagen geprägt war. Auch wenn das Christentum der römischen Religion ablehnend gegenüberstand, nahm es andere Aspekte dieses Konzepts in seine Kultur auf.

Im Mittelalter stellte Geoffroi de Charny (ca. 1300-1356) in seinen Gedanken über das Rittertum den Begriff der Tauglichkeit in den Mittelpunkt. Das Ideal des christlichen Mannes sei der Edelmann (altfrz. Preudomme), der Tüchtigkeit mit Frömmigkeit vereine. Der taugliche Mann diene Gott, führe den asketischen Kampf gegen seine ungeordneten Leidenschaften, empfange die Sakramente und sei tapfer, diszipliniert, treu und kompetent. In der christlichen Auseinandersetzung mit diesem Ideal wurde im Mittelalter vor allem auf das biblische Vorbild des Judas Makkabäus verwiesen, der sowohl ein fähiger Soldat als auch ein weiser, frommer und demütiger Mann war.

Papst Pius X. knüpfte an diese Gedanken an, als er 1906 das Ideal „edler Mannhaftigkeit“ betonte. „Mannhafte Tugend“ sei neben Frömmigkeit und anderen Eigenschaften erforderlich, damit der christliche Mann für seinen Dienst am Nächsten tauglich sei.

Das Ideal des Gentleman oder auch des Offiziers in europäisch geprägten Streitkräften sind säkularisierte Formen des Ideals des christlichen Ehren- bzw. Edelmannes. Sie wirkten jedoch positiv zurück auf das christliche Ideal, wie der katholische Philosoph Nicolás Gómez Dávila betont hatte:

Dem 19. Jahrhundert gelang nur eine ethische Konstruktion großen Stils: das preußische Offizierskorps.

3.1.4 Die göttlichen Tugenden

Diese kann man nicht durch eigene Anstrengung erlangen, sondern nur als Geschenk Gottes.

  • Glaube: Dieser ist die übernatürliche Tugend, durch die der Mensch das von Gott offenbarte und mit dem Verstand alleine nicht erschließbare als wahr annimmt. Glaube ist ein Geschenk und kann nicht erarbeitet werden.
  • Liebe: In Form von Eros ist Liebe die Sehnsucht nach dem Guten in seiner höchsten und besten Form und somit letztlich die Sehnsucht nach Gott. In Form von Agape ist Liebe selbstloser Dienst an Gott und dem Nächsten.
  • Hoffnung: Hoffnung ist das Vertrauen in Gott bzw. das Vertrauen darauf, dass er den ihm folgenden Menschen dorthin füht, wo er ihn haben will. Sie ist zudem das Vertrauen darauf, dass Gott den ihm folgenden Menschen niemals verlassen wird. Diese Hoffnung befähigt den Christen dazu, Risiken einzugehen und sich schwierigen Lagen auszusetzen. Sie ist nicht naiv und geht nicht davon aus, dass dem gläubigen Menschen alles gelingen werde, was er sich vornimmt, sondern davon, dass seine Seele gerettet werden wird, auch wenn er stirbt, in seinem Dienst scheinbar nur wenig Wirkung entfaltet oder scheitert.
3.1.5 Die Kardinaltugenden

Die christlichen Kardinaltugenden sind Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Der katholische Philosoph Josef Pieper wies darauf hin, dass normsetzende Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch aufgrund von stetigem Bedeutungswandel rasch ihren ursprünglichen Sinn verlieren, weshalb „Mäßigung“ hier als „Disziplin“ bezeichnet wird, um dem ursprünglichen Sinn des Begriffes besser zu entsprechen.

  • Klugheit: Die Klugheit ist die höchste Kardinaltugend und beinhaltet die Fähigkeit, die Wirklichkeit, die eigene Lage und das Gute zu erkennen, um ihnen entsprechend handeln zu können. Klugkeit ist somit im Wesentlichen identisch mit nüchternem Wirklichkeitssinn.
  • Gerechtigkeit: Diese Kardinaltugend der Gerechtigkeit beinhaltet die Verpflichtung darauf, dass durch die Klugheit erkannte Gute in der Welt zu verwirklichen sowie die Verpflichtung des Handelns sowohl des einzelnen als auch der Gemeinschaft auf das Gemeinwohl.
  • Tapferkeit: Diese der Kardinaltugend beschreibt die Fähigkeit, unter den Bedingungen von Risiko und Gefahr und gegen Widerstand das Richtige zu tun und das Gute zu verwirklichen.
  • Disziplin: Diese entspricht der Kardinaltugend der Mäßigung und ist die Fähigkeit, die eigenen Neigungen und Triebe der Herrschaft des von Klugheit geleiteten Willens und Verstandes zu unterwerfen.
3.1.6 Sonstige Tugenden des Mannes

Diese sind Untertugenden der Kardinaltugenden.

  • Treue: Treue ist die Tugend des Festhaltens am eigenen Auftrag und am eigenen Wort sowie der Kontinuität beim Ausüben der eigenen Pflicht im Gehorsam gegenüber Gott. Ein moderner Begriff für Treue ist „Integrität“.
  • Härte: Härte ist die Fähigkeit zum Ertragen und zur Überwindung von Schmerz und Unlust. Der hl. Apostel Paulus rief christliche Männer dazu auf, jegliche Neigung zu unmännlicher Weichheit in sich zu bekämpfen. Weichlinge würden nicht zu den Erben des Reiches Gottes gehören.
  • Stärke: Stärke ist die Fähigkeit eines Mannes, sich selbst und seine Umwelt zu kontrollieren und seinen Willen gegen Widerstände aller Art durchzusetzen. Eine Tugend des Mannes ist seine Stärke und Teil seiner Berufung ist es, stark zu werden und zu bleiben, weil er Stärke zur Erfüllung seiner Aufgaben benötigt. Der hl. Apostel Paulus schrieb im Römerbrief (Röm 15,1): „Wir müssen als die Starken die Schwächen derer tragen, die schwach sind, und dürfen nicht für uns selbst leben.“ Er rief Christen dazu auf: „seid stark!“4 Das erste Makkabäerbuch zitiert den Priester und Widerstandskämpfer Mattatias mit dem Aufruf: „seid mannhaft und seid stark im Gesetz“.5
  • Kompetenz: Verschiedene Arten von Dienst erfordern unterschiedliche Fähigkeiten, die der im Dienst stehende Mensch beherrschen muß. Der Amateur ist an seinem besten Tag kompetent in dem was er tut, während es der Profi auch an seinem schlechtesten Tag ist.
  • Demut: Demut ist die Voraussetzung des christlichen Gehorsams gegenüber Gott. Das althochdeutsche Wort diomuoti bedeutet „dienstwillig“. Odilo Lechner, der Abt des Klosters Andechs, nannte die Demut den „Mut zum Dienen – einer größeren Sache, einer größeren Liebe, dem großen Gott, um so selber groß zu werden.“6 Der demütige Mann erkennt die hierarchische Ordnung Gottes und seine eigene Rolle darin sowie seinen von Gott erteilten Auftrag an. Er weiß, dass es größere, höhere und wichtigere Dinge gibt als ihn selbst, und das sein Leben in einem größeren Zusammenhang steht, zu dem er mit dem ihm gegebenen Mitteln beitragen soll. C.S. Lewis zufolge äußert sich Demut darin, dass man weniger an sich und mehr an andere denkt. Der demütige Mann verfügt außerdem über ein realistisches Bild seine Grenzen und erkennt, dass alle Stärke und alles Gute von Gott kommen und dass er der ständigen Korrektur seiner Schwächen durch Gott bedarf. Wo er über Stärken und Fähigkeiten verfügt, stellt der demütige Mann diese in den Dienst an Gott und dem Nächsten. Wo ihm Gutes vollbringt, dankt er Gott dafür, durch dessen Gnade ihm dies gelang. Demut wirkt so Stolz und Eitelkeit, die den Menschen korrumpieren, entgegen. Christliche Demut bedeutet hingegen nicht passive Ergebenheit gegenüber dem Schicksal, die Herabsetzung der eigenen Person oder Unterwürfigkeit gegenüber anderen Menschen. Übertriebene öffentliche Bekundungen der eigenen Unwürdigkeit leugnen die Gottesebenbildlichkeit des Menschen und können zudem ein Ausdruck von Eitelkeit bzw. des Wunsches sein, von anderen Menschen als besonders demütig wahrgenommen zu werden. Nur der Starke, der auf die Anwendung von Macht zu seinem eigenen Vorteil verzichtet, kann demütig sein.
3.1.7 Die Gaben des Heiligen Geistes

Die Gaben des Heiligen Geistes sind Anlagen, die den Menschen dabei unterstützen, dem Heiligen Geist zu folgen. Sie unterstützen und vervollkommnen außerdem die oben erwähnten Tugenden.

  • Weisheit: Diese ist die erste der sieben Gaben des Heiligen Geistes. Sie ist tiefere Einsicht in die Wirklichkeit und das Wissen um die größeren Zusammenhänge des Lebens und der in der Welt wirkenden Kräfte. Der weise Mann sieht nicht nur die Oberfläche der Dinge und einzelne Erscheinungen, sondern das ganze Bild und die Tiefe.
  • Verstand
  • Rat
  • Stärke
  • Erkenntnis
  • Frömmigkeit
  • Gottesfurcht

3.2 Asketische Praxis und die evangelischen Räte

Ein dienendes Leben befindet sich in ständiger Spannung mit den ungeordneten Teilen der eigenen Seele und den korrumpierenden Kräften, die darin wirken. Ein diszipliniertes Leben nach den von Jesus Christus aufgestellten evangelischen Räten (Lösung der Bindung an materielle Dinge bzw. Armut, Unterwerfung des Körpers unter den Willen bzw. Keuschheit sowie die Ausrichtung an einer Lebensregel bzw. Gehorsam) wirkt dem Einfluss dieser korrumpierenden Kräfte entgegen und öffnet die Seele für das Wirken Gottes. Die evangelischen Räte schließen Einfallstore für das Böse.

Romano Guardini zufolge habe Jesus Christus die Jünger durch die Forderung nach Armut, Keuschheit und Gehorsam in dem verwurzelt, das unzerstörbar ist, und sie so auf ihren Kampf vorbereitet.

3.2.1 Asketische Praxis

Der Altphilologe Werner Jaeger schrieb über die Formung des griechischen Führungsnachwuchses der Antike:

Wer zum Herrscher erzogen werden soll, muß lernen, die Erfüllung dringender Pflichten der Befriedigung des körperlichen Bedürfnisses voranzustellen. Über Hunger und Durst muß er Herr sein. Er muß gewöhnt sein an kurzen Schlaf, spätes Zubettgehen und frühes Aufstehen. Arbeitsscheu darf er nicht kennen. Der Köder sinnlicher Reize darf ihn nicht verlocken. Gegen Hitze und Kälte muß er abgehärtet sein. Es darf ihm nichts ausmachen, unter freiem Himmel zu kampieren. Wer alles dies nicht kann, gehört damit zur Klasse der Beherrschten. Sokrates nennt diese Erziehung zur Enthaltsamkeit und Selbstbeherrschung mit dem griechischen Worte für Training „Askese“.

Der französische Philosoph André Glucksmann wies darauf hin, dass die Moderne einem „Gesetz der Begierde“ folge, dass sich auf „Macht, Reichtum, Frauen“ bezöge. Asketische Praxis dient dazu, den Menschen von der korrumpierenden Wirkung dieser Dinge soweit wie möglich zu befreien, damit er sich seinem eigentlichen Auftrag zuwenden und Gott besser in ihm wirken kann.

Abtötung ist die Trennung von dem, was die eigene Fähigkeit zum Dienst schwächt und von Gott fernhält. Sie ist die Aufgabe des Strebens nach den falschen Dingen und falscher Prioritäten.

Askese erlaubt es Gott den Menschen zu verwandeln und aufzurichten. Sie ist das Ausstrecken des Menschen nach Gott und formt den Menschen zu dem, was er nach dem Willen Gottes sein soll.

Im asketischen Kampf erlangt der Willen des Menschen die Herrschaft über seine Triebe, so dass der Menschen dienstfähig wird. In diesem Kampf entscheiden sich alle anderen Kämpfe. Dass dieser Kampf gelingen kann, ist ein Beweis für die Überlegenheit des Geistigen über das Materielle.

3.2.1 Die evangelischen Räte

Die  drei evangelischen Räte Armut, Keuschheit und Gehorsam sind aus dem Evangelium abgeleitete Ratschläge für ein dienendes Leben in Gemeinschaft, die in der klösterlichen Tradition entwickelt wurden. Die evangelischen Räte sind praktizierte Tugenden.

Der katholische Philosoph Josef Pieper wies darauf hin, dass normsetzende Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch aufgrund von stetigem Bedeutungswandel rasch ihren ursprünglichen Sinn verlieren. Dies gilt auch für Begriffe wie „Armut“ und „Keuschheit“, die hier daher dem gegenwärtigen Sprachgebrauch angepasst wurden.

Anspruchslosigkeit und Einfachheit in materiellen Dingen (Armut)

Armut im Sinne der evangelischen Räte ist die Verweigerung der Bindung an materielle Dinge und eine Haltung materieller Anspruchslosigkeit. Gier und ein aufwendiger Lebensstil versperren Menschen den Zugang zu Gott und zur geistigen Welt und machen Menschen abhängig und verwundbar für Not. Sie schwächen allgemein die Fähigkeit des Menschen zum Dienst an Gott und dem Nächsten. Wer nur weniger Dinge bedarf und nicht an Besitz gebunden ist oder an diesem hängt, wird dadurch hingegen zum Dienst befreit und gestärkt.

Jesus Christus forderte Menschen dazu auf, nicht an weltlichen Dingen zu hängen (1 Joh 2,15) und warnte vor den Gefahren des Reichtums (Lk 19,23-27).

Der hl. Ignatius von Loyola schrieb, dass materielle Dinge den Menschen dabei unterstützen sollten, Gott und den Menschen zu dienen. Darüberhinaus solle man ihnen nicht anhängen. Dadurch wird nicht geleugnet, dass zur Erfüllung des Auftrags des Menschen auch materielle Vorausetzungen erforderlich sind. Als Jesus Christus sagte, dass der Mensch „nicht vom Brot allein“ lebe (Mt 4,4), bestritt er nicht, dass der Mensch auch Brot zum Leben benötige. Zudem kann nur der Mensch geben, der über etwas verfügt, das er geben kann (Sprichwörter 13,22).

Der katholische Offizier und Schriftsteller Ernst Jünger schrieb über die Anspruchslosigkeit:

Wer einmal den Brand einer Hauptstadt, den Einmarsch östlicher Heere erlebt hat, der wird nie ein waches Mißtrauen verlieren gegenüber allem, was man besitzen kann. Das kommt ihm zugute, denn er wird zu jenen zählen, die ohne allzu großes Bedauern ihrem Hofe, ihrem Hause, ihrer Bibliothek den Rücken kehren, falls es nötig wird. Ja er wird merken, daß damit zugleich ein Akt der Freiheit verbunden ist. Nur wer sich umblickt, erleidet das Schicksal von Lots Weib.

Armut in diesem Sinne erfordert es, Distanz zu angenehmen Dingen zu wahren, sich abzuhärten und auf Härten und Entbehrungen vorzubereiten, die eigenen materiellen Ansprüche zu reduzieren, die eigene Komfortzone zu erweitern und das eigene Leben soweit es geht zu vereinfachen und alles Unwesentliche auszuschalten, ohne dabei die eigene Fähigkeit im Dienst an Gott und dem Nächsten zu beeinträchtigen.

Einfachheit, also die Abwesenheit des Überflüssigen, Unnützen und Unwichtigen, ist allgemein eine Quelle von Stärke. Je komplexer etwas wird, desto schwerer ist es zu überschauen oder zu kontrollieren. In der Wissenschaft gilt die jeweils einfachere Erklärung als die wahrscheinlich wahre. Maschinen funktionieren zuverlässiger, je geringer die Zahl ihrer beweglichen Teile ist. Vorhaben funktionieren um so besser, je überschaubarer sie sind je mehr sie auf das Wesentliche reduziert sind.

Die christliche Mystik hat den Gedanken der Armut noch weiterreichender als die Loslösung von jeglichem eigenen Anspruch darunter verstanden. Nur der Mensch, der nichts mehr für sich selbst beanspruche, werde frei für Gott. Meister Eckhard forderte, „dass der Mensch ledig werden soll seiner selbst und aller Dinge“. „Arm im Geiste“ zu werden wird in diesem Zusammenhang als die Aufgabe aller eigenen Forderungen an Gott verstanden, was eine Voraussetzung für die totale Indienstnahme des Menschen durch Gott darstelle.

Anspruchslosigkeit erleichtert es dem Menschen auch, glücklich zu werden.

Im modernen Sprachgebrauch wird Armut meist mit Elend gleichgesetzt. Erzwungener Mangel bringt in der Regel jedoch einen besonders ausgeprägten Materialismus hervor, da im Leben der davon betroffenen Menschen das Materielle eine besonders wichtige Rolle spielen muß.

Sexuelle Selbstkontrolle (Keuschheit)

Keuschheit ist die „geglückte Integration der Geschlechtlichkeit in die Person“ (KKK 2337). Keuschheit bedeutet Selbstkontrolle in sexuellen Dingen und ist nicht mit Enthaltsamkeit identisch.

Die Sexualität ist der stärkste im Menschen wirkende Trieb. Wem es gelingt, sie zu kontrollieren, dem wird auch auf allen anderen Gebieten des Lebens Selbstkontrolle gelingen.

Gehorsam

Christlicher Gehorsam ist der Gehorsam gegenüber Gott als Schöpfer sowie gegenüber seiner Schöpfungsordnung. Nur Gott gebührt unbedingter Gehorsam, weil Gott die höchste Autorität darstellt. Der gehorsame Mann gestaltet sein Leben so, dass es in allen Bereichen der Ordnung Gottes entspricht. Nur auf diesem Weg kann der Mensch aus dem Gefängnis seines Egos heraus in die Freiheit treten. Schon die kleinste Entscheidung zu dienen löst dabei die Fesseln des Menschen.

Jesus Christus war im Garten Gethsemane gehorsam gegenüber Gott dem Vater, als Schwere seines Auftrages erkannte und darum bat, dass er diesen Kelch von ihm nehmen solle und gleichzeitig seine Bereitschaft erklärte, dem Willen des Vaters gehorchen zu wollen.7 Er war „gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz!“8 Auch Maria zeigte christlichen Gehorsam, als sie in ihren Auftrag einwilligte.9

Der Gehorsam gegenüber Gott erfordert es menschliche Forderungen nach Gehorsam, deren Befolgung mit einer Sünde verbunden wären, zurückzuweisen. Der Gehorsam gegenüber Gott kann in solchen Fällen für Christen mit einer Pflicht zum Ungehorsam gegenüber Menschen oder Institutionen verbunden sein. In der Geschichte des Christentums nahmen unzähliche Christen den Märtyrertod auf sich, weil sie Gott im Sinne der Worte des hl. Petrus mehr gehorchten als Menschen oder Institutionen.10 Einen blinden Gehorsam gegenüber Menschen und Institutionen darf es für Christen nicht geben, weil sie dadurch ihre Pflicht zum Gehorsam gegenüber Gott verletzen würden.

Christlicher Gehorsam besteht zudem darin, die Befolgung der Anforderungen eines christlichen Lebens nicht von den eigenen Neigungen bzw. davon abhängig zu machen, ob einem gerade danach ist. Die eigenen Launen, Stimmungen und Gefühle sind keine zuverlässige Hilfe, wenn es darum geht, ein christliches Leben zu führen, das immer mit Opfern verbunden ist. Der hl. Josemaria Escriva schrieb über diesen Aspekt des Gehorsams: „Immer gehorchen heißt Märtyrer sein, ohne zu sterben.“

Demut ist die Voraussetzung des Gehorsams.

3.3 Die innere Haltung des christlichen Mannes

Haltung ist die zum Charakter gewordene Gesamtheit der inneren Eigenschaften eines Mannes. Gute Haltung ist das Ergebnis der Arbeit am eigenen Wesen, das in eine Form gebracht wird.

Die innere Haltung des christlichen Mannes ist vor allem von innerer Stärke, Selbstbeherrschung und Rücksichtnahme gegenüber anderen gekennzeichnet, auf denen große Teile der christlichen Kultur beruhen. Das christliche Haltungsideal wurde zudem von Teilen der antiken griechischen Philosophie der Stoa sowie dem römischen Haltungsideal beeinflusst, die in christliche Kultur integriert wurden.

Die Haltung eines Mannes verleiht ihm Ausstrahlung und schafft Vertrauen. Haltung ist der Gradmesser der Persönlichkeit. Haltungsschwäche zersetzt den Charakter und mit der Zeit zur Charakterschwäche.

Um seinen Aufgaben gerecht zu werden, muss ein Mann Selbstbewusstsein, Kompetenz und Autorität ausstrahlen, d.h. er muss ausstrahlen, dass er weiß was er tut, sich niemandem gegenüber beweisen muss und Verantwortund für das trägt was er tut.

3.3.1 Selbstbeherrschung

Die Contenance ist die Haltung, die auch und gerade in extremen Situationen auf die Zurschaustellung von Emotionen verzichtet. In der Antike galt die emotionale Selbstbeherrschung als ein zentraler Bestandteil der römischen gravitas oder des Ideals der Philosophie der Stoa. Der eigene innere Zustand sollte dieser Vorstellung nach soweit wie möglich von äußerlichen Eindrücken unabhängig gemacht werden. Die christliche Kultur integrierte diese Vorstellung, weil es einer christlichen Haltung entspricht, sich selbst und den eigenen Gefühlen nicht die höchste Bedeutung einzuräumen. (Weiterlesen: Disziplin als christliche Kardinaltugend)

3.3.2 Sanftmut

Christlicher Sanftmut verleiht dem, der ihn besitzt, die Aura eines unter allen Bedingungen unerschütterlich starken und guten Freundes und des stillen Profis. Sie ist ein Ausdruck innerer Stärke, weshalb nur der Starke sanftmütig sein kann.

Der sanftmütige Mann ist auch in der Konfrontation mit Herausforderungen von innerer Ruhe geprägt, die das Ergebnis seiner Stärke, seines Vertrauens in Gott und die Richtigkeit seines Weges ist. Er bewahrt das richtige Maß zwischen übertriebener Aufregung und Phlegmatismus.

Der christliche Mann wirkt niemals aufgeregt, vulgär oder beleidigend und wird nur im äußersten Fall laut.

Die Zurückhaltung des Schwachen hingegen ist nur ein Ausdruck seiner Furcht. Ebenso sind Gehemmtheit, Unsicherheit, Ängstlichkeit und Nervosität keine Zeichen von Sanftmut, sondern Zeichen von Schwäche.

Mit dem Sanftmut verbunden ist eine Haltung der Güte, d.h. des prinzipiellen Wohlwollens gegenüber anderen Menschen.

Machotum ist das Ergebnis unsicherer Männlichkeit, die sich von überzogener Selbstdarstellung Bestätigung erhofft.

3.3.3 Achtung gegenüber Schwächeren

Der christliche Mann zeigt den Vulgären gegenüber Stärke, den Schwachen gegenüber aber nur Güte. Es ist ein Zeichen schlechten Charakters, gegenüber schwächeren oder niedriger gestellten Menschen Herablassung zu zeigen.

Teil der Achtung des christlichen Mannes ist die Achtung gegenüber der körperlich meist schwächeren Frau. Die besondere Achtung gegenüber der Frau unterscheidet christliche Kultur von allen anderen Kulturen. Elemente dieser besonderen Achtung sind unter anderem das Ideal der Treue gegenüber der Ehefrau und der sexuellen Selbstkontrolle des Mannes.

3.3.4 Distinktion

Der christliche Mann lehnt das Vulgäre und das Korrumpierte sowie Laute, das kulturell Niedrige und das Häßliche ab und hält sich von ihm fern, etwa durch Vermeidung des Konsums entsprechender Medien oder der Teilnahme an entsprechenden Verstaltungen.

Niemals passt sich der christliche Mann an niedrigere Standards an, etwa um von diesen geprägten Menschen zu gefallen, sondern er bleibt auch dann Vorbild und gibt ein positives Beispiel, wenn andere sich für das Niedrige entscheiden. In Sprache und Manieren folgt der christliche Mann höchsten kulturellen Standards.

3.3.5 Diskretion

Die Diskretion ist ein Ausdruck des Schamgefühls, das sich gegen die niedrigen und animalischen Seiten der menschlichen Existenz wendet. Sie beinhaltet, in der Öffentlichkeit über private und vertrauliche Dinge, über eigene Schwächen und die Schwächen anderer sowie über körperliche Dinge zu schweigen. Sie beinhaltet ebenfalls den Verzicht auf die Zurschaustellung der eigenen Körperlichkeit oder Körperfunktionen, etwa Gähnen.

Zur Diskretion gehört es, als Mann nicht für andere sichtbar zu weinen oder eigene Schmerzen und Leid auf andere Weise nach Außen sichtbar werden zu lassen. Damen trugen früher bei der Beerdigung nahestehener Menschen einen Schleier, damit ihre Emotionen nicht für andere sichtbar wurden und so ihre Würde gewahrt blieb.

Taktgefühl ist der Teil der Diskretion, der aus Achtung vor dem Anderen auf alles verzichtet, was ihn bloßstellen könnte.

Enthülle nie auf unedle Art die Schwächen Deiner Nebenmenschen, um Dich zu erheben! Ziehe nicht ihre Fehler und Verirrungen an das Tageslicht, um auf ihre Unkosten zu schimmern!

Adolph Freiherr Knigge

Der diskrete Mensch übt Kritik an anderen nur unter vier Augen und niemals in Abwesenheit des Kritisierten.

Diskretion beinhaltet außerdem den vertraulichen Umgang mit Informationen, zum Beispiel im Berufsleben, und zurückhaltende Äußerungen in allem, was genutzt werden könnte, um Schaden zuzufügen. Praktizierte Diskretion schafft Vertrauen und stärkt Bindungen.

Alkoholkonsum schwächt die Fähigkeit des Mannes zur Diskretion erheblich, weshalb Alkohol allenfalls im Kreis vertrauter Menschen konsumiert werden sollte.

3.3.6 Understatement

Das Understatement verzichtet darauf, die eigenen Probleme zu dramatisieren oder die eigenen Leistungen und Vorzuüge herauszustellen, was beides ein Ausdruck von Schwäche wäre.

3.3.7 Ernsthaftigkeit

Der christliche Mann hat einen dezenten, feinen Sinn für Humor.

Albernheit drückt einen Mangel an Ernsthaftigkeit und Vertrauenswürdigkeit aus. Es ist eine der Schwächen unserer Zeit, dass sie nichts Ernst nehmen kann.

3.3.8 Selbstachtung

Selbstachtung ist die Folge gelungener Selbstkontrolle und der Zugehörigkeit zu einer achtungswürdigen Tradition. Wer seinen eigenen Wert nicht achtet, wird auch von anderen nicht geachtet werden. Die Achtung durch andere muß in der Regel verdient und erarbeitet werden.

3.3.9 Großmut

Christlicher Großmut beinhaltet das Ausstrecken nach großen Dingen, etwa danach, große Aufgaben zu erfüllen oder ein Heiliger zu werden. Der hl. Apostel Paulus rief dazu auf, im Sinne der Großmut immer anzustreben, was „wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist“ (Phil 4,8).

Er beinhaltet den guten Ehrgeiz, den der hl. Apostel Paulus beschrieb, als er das Leben des Christen mit Bildern des sportlichen Wettkampf darstellte.

4. Glaubenspraxis

Katholische Glaubenspraxis dient der Formung der Seele. Sie öffnet den Menschen für die Gnade Gottes und lässt diese in ihm wirken, damit er Gott ähnlicher werden kann. (Weiterlesen: Katholische Glaubenspraxis)

5. Kulturwissen und -Praxis

5.1 Geschichte, Philosophie, Musik und Literatur

Platon betonte in seinen Gedanken über die Bildung des Wächterstandes die Bedeutung der Bildung in den Bereichen Musik und Lyrik, die der militärischen Tendenz zur Verrohung entgegenwirke.

5.2 Rhetorik und Logik

5.3 Stil und Form

Stil und Form sind der äußerliche Ausdruck der Haltung des christlichen Dienstes am Nächsten sowie der Haltung, in die sich der Mann bringen muss, um die schlechten Aspekte seiner Natur zu kontrollieren. Stil und Form müssen auf innerer Ordnung des Mannes beruhen, wenn sie nicht nur eine Verkleidung darstellen sollen.

Wo ein Mann nicht mit sich selbst im Reinen ist, werden Stil, Form und Haltung zu Theaterspiel.

Durch sein Streben danach, dem eigenen Leben eine entsprechende Form zu geben, stellt sich der christliche Mann in den sichtbaren Gegensatz zur modernen Welt und ihrer Ablehnung von Konventionen und aller verbindlichen Dinge. Sein Herausragen über die Stil- und Formlosigkeit der modernen Welt wird dabei zum Teil als Ausdruck von Überheblichkeit mißverstanden.

Der Philosoph Edmund Burke bezeichnete den „Geist der Religion“ sowie den „Geist des Gentleman“ als die Grundlagen der europäischen Kultur und ihres Verständnisses von Stil und Form bzw. der Umgangsformen. Den in den Evangelien mehrfach wiedergegebenen Ausspruch Jesu Christi, er sei nicht gekommen „um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“, bezeichnete Asfa-Wossen Asserate als den „Prolog der europäischen Manieren“:

Die großen Lehrer der Manieren haben sich […] zu allen Zeiten niemals als Gesetzgeber verstanden, sondern als Deuter und Interpreten eines bereits vorliegenden, nach ihrer  Vorstellung immer schon vorhanden gewesenen Korpus von Regeln, das mit anderen Grundsätzen aus der Kunst, der Philosophie und der Religion in Harmonie stand und noch in der kleinsten Geste mit dem Gesetz des ganzen Kosmos verbunden war.

Stil und Form des christlichen Mannes tragen zudem der Tatsache Rechnung, dass er Repräsentant des Volk Gottes in der Welt ist. Sie sind außerdem Ausdruck von Selbstbeherrschung und Achtung des Gegenübers. Sie erleichtern das Leben in einer Gemeinschaft, bestimmen ihr Wesen und geben dem Träger Sicherheit im Umgang in ihr. Das Gegenteil von Stil und Form sind Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Verwahrlosung.

Stil und Form sollten nicht steif und förmlich wirken, sondern natürlich. Sie werden durch ständige Einübung angeeignet. Die Form belegt das Maß der Stärke der Persönlichkeit ihres Trägers.

Manieren sollen Ausdruck der Haltung sein und ersetzen mangelnde Haltung nicht. Formen entwickeln sich anders als Haltung und rascher als Stil.

Stil ist auf bestimmte Ziele hingeordnete Art und Weise Dinge zu tun. Stil verändert sich. Abendländischer Stil und abendländische Form entstanden aus den Erfordernissen des höfischen Lebens des Mittelalters heraus, das gegenseitige Rücksichtnahme und Achtung der Ehre des anderen betonte. Formen sollten in der ritterlichen Kultur der damaligen Zeit Verhaltenssicherheit schaffen, die Ehrstreitigkeiten vorbeugte.

Über Formen

In einem vertikalen Weltbild, in dem es eine höchste Bedeutung gibt, können nur Handlungen geringer Bedeutung formlos ausgeführt werden. Alles, was eine höhere Bedeutung hat, verdient in diesem Weltbild jedoch eine eigene Form.

Je geregelter und aufwendiger die Form ist, desto höher ist dabei in der Regel die Bedeutung einer Handlung. Im katholischen Leben ist die heilige Messe ein Beispiel für höchste Form, die der höchsten Bedeutung entspricht. Jedes Wort und jede Geste ist hier genau festgelegt. Jedes Abweichen würde als Beleidigung verstanden werden, weil es dieser höchsten Bedeutung nicht entspräche.

Die Form hilft zudem dabei, die besondere Bedeutung erfahrbar zu machen, was bei Handlungen höchster Bedeutung die Erfahrung des Heiligen mit einschließt.

Auch für besondere Stationen im Leben gibt es dementsprechend Formen, von der Geburt bis zum Tod.

Indem man Formen im Umgang mit anderen Menschen pflegt, gibt man dem Umgang mit ihnen Bedeutung und zeigt ihnen gegenüber Achtung.

Ein formlos vorgetragener Heiratsantrag würde eine Beleidigung des Menschen darstellen, der als Ehepartner gewonnen werden soll. Ein Gast, gegenüber dem Form verletzt und der vom Gastgeber nicht begrüßt wird, wäre wegen dieser Herabsetzung verletzt.

Die Form ordnet zugleich und bindet an Heiliges an. Wer Form folgt, unterliegt weniger ggf. vorhandenen ungeordneten Tendenzen seiner eigenen Seele und bindet sich an Höheres an.

5.3.1 Die Würde des Mannes

Würde ist äußerlich sichtbare Selbstachtung, welche die Voraussetzung für die Achtung anderer ist. Würde setzt  voraus, dass man sich selbst durch sein Verhalten und seine Haltung nicht entwürdigt.

Aus erworbener Haltung wachsen innere Stärke und Selbstachtung. Wer sich selbst nicht im Griff hat, wird sich auch kaum selbst achten können. Je kompromissloser man den gewählten Standards folgt und an ihnen festhält, desto größer wird auch die eigene Selbstachtung sein.

Eine weitere Quelle der Selbstachtung ist das Wissen, an einem großen Auftrag mitzuwirken und im Dienst zu stehen. Selbstachtung wird zudem durch die Beherrschung der eigenen Aufgabe und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt.

Würdeloses Verhalten ist oft Ausdruck von Schwäche und soll für andere Menschen unterhaltsam oder gefällig sein. Ein Mann mit innerer Würde lässt sich niemals zu würdelosem Verhalten herab oder zu solchem durch Gruppendruck nötigen.

5.3.2 Kleidung und allgemeine äußere Erscheinung

Trachten stellen nur dann keine Verkleidung dar, wenn man über einen Bezug zur regionalen Kultur verfügt, zu der sie gehören. Wer hör- und sichtbar nicht aus Bayern stammt verkleidet sich nur, wenn er bayerische Tracht trägt.

Herstellerlogos auf Kleidung sollten unauffällig sein.

Geeigneter Schmuck für Männer sind unauffällige Armbanduhren sowie unauffällige Ehe-, Verlobungs- und Jahrgangsringe, wie sie etwa die Offizierschule des Heeres an Absolventen vergibt. Männer sollten nur unauffällige Brillen tragen, falls diese erforderlich sind.

Dem katholischen Philosophen Josef Pieper zufolge verleihe Disziplin dem Mann Schönheit. Während man die Tugend der Gerechtigkeit nicht äußerlich erkennen könne, erkenne man den disziplinierten Menschen auch an seinem Äußeren: Die „Schönheit der Zucht hat ein geistigeres, strengeres, männlicheres Gesicht.“

Kennzeichen mangelnder Selbstkontrolle wie Übergewicht, Tätowierungen, Piercings, auffällig gefärbte Haare oder exzenrische Frisuren entsprechen nicht der Tradition christlicher Männlichkeit. Auch die Verwendung von Kaugummis, Rauchen sowie Essen außerhalb des üblichen Rahmens erzeugt ein Bild unmännlichen Mangels an Selbstkontrolle.

Kleidung wirkt auf die Selbstwahrnehmung und die Haltung eines Menschen zurück und kann diese positiv beeinflussen.

Im Berufsleben haben sich anthrazitfarbene, maßgeschneiderte oder von einem Scheider angepasste Anzüge aus Schurwolle mit weißem Hemd und einer Krawatte in kräftigem Rot oder Blau bewährt. Dazu werden schwarze Schuhe und ein schwarzer Gürtel sowie eine farblich zu Manschettenknöpfen und Ehering passende Uhr getragen. Wer ein breites Gesicht hat, sollte die Krawatte mit einem Windsorknoten binden, ansonsten mit einem halben Windsorknoten.

5.3.3 Körperliche Haltung und Körpersprache

Der griechische Stoiker Zenon von Kition ging davon aus, dass der Charakter eines Mannes an seinem Äußeren erkannt werden könne. Der römische Philosoph und Stoiker Seneca ging daher in seinen Schriften ausführlich auf Themen wie Körpersprache und Mimik ein.

Eine gute körperliche Haltung des Mannes drückt Bereitschaft, Energie, Selbstkontrolle und ruhige Stärke aus. Dies ist auch Ausdruck seiner Achtung gegenüber seinen Mitmenschen sowie von Achtung gegenüber seinem Auftrag, der es erfordert, als kompetent wahrgenommen zu werden, d.h.  er muss ausstrahlen, dass er weiß was er tut, sich niemandem gegenüber beweisen muss und Verantwortung für das trägt was er tut.

Eine hektische oder angespannte Haltung und Körpersprache wirken unsicher. Eine ruhige und kontrollierte Haltung kann man durch die Kontrolle des eigenen Atems erlangen.

  • Gestik und Mimik: Die Gestik und Mimik des Mannes sind sparsam. Unkontrollierte Gestik bzw. Körperbewegungen und Mimik drücken Schwäche und mangelnde Selbstkontrolle aus, zum Beispiel Grimassen, das Aufreißen der Augen oder Gestikulieren. Ein Mann sollte lächeln können wenn es angemessen ist, aber niemals grinsen. Lächeln an unangemessener Stelle kann Schwäche und Unsicherheit ausdrücken. Der Blick ist ruhig, fest und entspannt.
  • Körperhaltung: Eine offene Körperhaltung mit herausgestreckter Brust und nach hinten fallenden Schultern sowie ein sicherer, gerader Stand mit Schwerpunkt über beiden Beinen signalisieren Stärke, ebenso ein gerade gehaltener Kopf und der Blick in die Augen des Gegenübers. Ein Mann, der mit übereinandergeschlagenen Beinen sitzt, seinen Kopf schief hält oder die Schultern einzieht, signalisiert Schwäche. Tiefenatmung trägt zu guter Haltung bei.
5.3.4 Sprache

Die eigene Sprache sollte die eigene Kompetenz nicht in Frage stellen oder herabsetzen, da dies Schwäche signalisiert und das Vertrauen anderer Menschen in einen selbst reduziert.

Nicht zu schnell und in einer nicht zu hohen Tonlage zu sprechen signalisiert Selbstsicherheit.

Die möglichst gute Beherrschung der englischen Sprache ist für die Ausübung von immer mehr Berufen unverzichtbar. Englisch ist zudem die wichtigste Fremdsprache, was den Zugriff auf Bildungsresourcen darstellt. Die Verwendung von Anglizismen kann jedoch einen Ausdruck von Schwäche darstellen. Sie werden häufig falsch verwendet, was in einem internationalen Umfeld inkompetent wirkt. Zudem wirken Anglizismen informell und weichzeichnend, weil sie häufig der Sprache der Werbung und der Unterhaltungsindustrie entstammen. In der Fachsprache hingegen können englische Begriffe unverzichtbar sein.

5.3.4 Gespräche

Die höchste Form des Gespräches behandelt Ideen und Gedanken. Die nächsthöhere Form des Gespräches behandelt Ereignisse. Die nachgeordnete Form des Gespräches behandelt Menschen.

Fragen von Religion und Politik sollten nur dann angesprochen werden, wenn der Rahmen des Gespräches dies vorsieht oder der Gesprächspartner das Gespräch auf diese Themen lenkt und davon auszugehen ist, dass er über die nötige charakterliche Reife verfügt, auch grundsätzlich andere Positionen in diesen Fragen zu tolerieren. Religion und Politik in anderem Rahmen anzusprechen ist aufdringlich und missachtet das Gegenüber. Ein Christ kann seinen Missionsbefehl in vielen Situationen vor allem dadurch erfüllen, dass er ein Vorbild an Haltung gibt, während Aufdringlichkeit andere nur vom Glauben abstoßen würde.

Krankheiten oder andere körperliche Dinge außerhalb des passenden Rahmen anzusprechen widerspricht dem Haltungsideal der Diskretion.

Standpunkte werden offen und ohne Abschwächungen, Relativierungen, Konkunktive oder Formulierungen die nach Bestätigung suchen vertreten. Positionen werden begründet wo es erforderlich ist, aber niemals gerechtfertigt.  Ausreden sowie Klatsch und Tratasch sind unmännlich.

5.5 Tugenden der Führung

Führung leitet eine Gemeinschaft von Menschen zu ihrem Ziel und schafft die Voraussetzungen dafür, dass sie dieses Ziel erreichen kann.

Wer führt, sieht in den Geführten vor allem ihr Potential und nicht ihre Fehler und Schwächen. Die Geführten sind für ihn niemals ein Mittel zum Zweck.

Führer benötigen Erfahrung, vor allem im Umgang mit Menschen, aber auch was ihr Aufgabenfeld angeht. Vor allem benötigen sie Erfahrung im Umgang mit Schwierigkeiten und Herausforderungen.

  • Überzeugen und motivieren: Führer kennen das Ziel sowie den Weg dorthin und können ihn anderen zeigen, indem sie voran gehen. Sie müssen den Sinn des Auftrags, zu dessen Ausführung sie andere motivieren wollen, selbst kennen und vermitteln, dass sie von ihm überzeugt sind. Sie müssen dazu in der Lage sein Ziele aufzuzeigen, die es wert sind, dass man sich für sie einsetzt. Führung bildet aus vielen Einzelwillen eine koordiniert handelnde Kraft. Unmotivierte Geführte versagen spätestens unter großer Belastung.
  • Vorbild sein: Wer führt, muss das vorleben, was er von anderen fordert, und mindestens die gleichen Risiken und Härten auf sich nehmen wie sie, um glaubwürdig zu sein. Er darf sich niemals gehen lassen. Dazu gehört ein guter Ehrgeiz, der immer größere Forderungen an die eigene Person stellt.  Gute Führer suchen nicht nach Bestätigung, sondern tun das Richtige, auch wenn es unbeliebt ist. Sie appellieren immer an das Gute im Geführten, etwa an ihr Ehrgefühl, und niemals an schlechte Impulse wie Hass, Neid und Habgier. Führer, die vor allem gefallen wollen oder schlechte Impulse ansprechen verlieren das Vertrauen der Geführten. Dafür ist eine gewisse Distanz erforderlich.
  • Hohe Standards setzen und Fehler korrigieren: Gute Führung muss Fehler und Schwächen erkennen und sie korrigieren. Fehler aus Mangel und Erfahrung sind dabei anders zu behandeln als charakterliche Schwächen. Fehlverhalten zu dulden bedeutet, einen neuen, niedrigeren Standard einzuführen und weiteres Fehlverhalten zu fördern. Leistungen und vorbildlichem Verhalten zollen sie die verdiente Anerkennung.
  • Fürsorge zeigen: Führer kennen die Bedürfnisse der Geführten stellen sicher, dass für diese Bedürfnisse besser Sorge getragen wird als für ihre eigenen Bedürfnisse. Im militärischen Umfeld nehmen Führer als letzte Verpflegung zu sich. Sie stehen früher auf und gehen später zu Bett als die Geführten und sind immer ansprechbar.
  • Verantwortung übernehmen: Führer stellen sich schützend vor Untergebene und übernehmen die Verantwortung für Fehler der von ihnen geführten Gemeinschaft.
  • Delegieren: Führer nehmen Unterstellte als erwachsene Individuen ernst, verlangen von ihnen aktives Mitdenken und Selbständigkeit und übertragen ihnen bei Eignung Verantwortung im Rahmen des Auftrags. Sie sammeln fähige Menschen um sich. Sie kennen die Stärken und Schwächen der Geführten und können sie in Entscheidungen berücksichtigen.
  • Entscheidungen treffen: Führer treffen klare, rasche und eindeutige Entscheidungen und lassen keine Zweifel an ihnen erkennen. Geführte dürfen sie nicht als schwach oder unsicher wahrnehmen. Im Kreis anderer Führer oder mit Beratern kann man Entscheidungen auch abwägen.
  • Stimmungen erkennen: Führer müssen Stimmungen erkennen und sie in ihren Entscheidungen berücksichtigen.
  • Zuverlässig sein: Wer führt darf nur das versprechen, was er auch halten kann. Er muss Stärke und Festigkeit ausstrahlen, um die Anerkennung der Geführten zu erlangen.
  • Informieren: Wer führt, muss die Geführten regelmäßig über die Lage informieren.

Wer Führungsaufgaben übernehmen will, muss frühzeitig bereit dazu sein Verantwortung zu übernehmen, die Initiative zu ergreifen, gute Vorschläge zu machen, Entscheidungen zu treffen und mit dem Maß der übernommenen Verantwortung in Erfahrung und Kompetenz zu wachsen.

5.6 Soziale Tugenden

Diese werden auch als „Sekundärtugenden“ bezeichnet.

  • Toleranz: Toleranz ist die Duldung des aus eigener Sicht als irrig oder falsch Erkannten sowie des nicht feindselig agierenden Fremden und des Störenden. Zur gebotenen Toleranz gehört es, Vorgänge innerhalb fremder Religionen nicht zu kritisieren, solange diese auf deren Bereich beschränkt bleiben und solange sie nicht aktiv zur Diskussion gestellt werden. Im Bereich einer fremden Religion ist dem, was ihr heilig ist, immer mit angemessener Achtung zu begegnen, ohne dabei den eigenen Glauben zu verleugnen. Wenn der Aufenthalt im sakralen Bereich einer fremden Religion die Verleugnung des eigenen Glaubens verlangen würde, sollte dieser Aufenthalt unterbleiben. Es gibt außerhalb des eigenen Bereiches keinen Anspruch auf Toleranz, da dieser dem Recht eines Menschen oder Gemeinschaft widersprechen würde, selbst zu entscheiden, mit dem man Umgang pflegt und wen man in das eigene Haus einlädt. Toleranz kann somit nur freiwillig gewährt werden, worauf Dankbarkeit seitens Tolerierten die angemessene Antwort darstellt.
  • Rücksichtnahme
  • Pünktlichkeit
  • Ordnung: UDie Herstellung äußerer Ordnung ist ein wesentlicher Bestandteil der Optimierung von Abläufen in  nternehmen. Unordnung erhöht Stress gerade unter schwierigen Bedingungen und erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit.
  • Sauberkeit

6. Impulse für einzelne Lebensbereiche

6.1 Ehe und Familie

Fast alle Männer sind dazu berufen, Ehemänner und Väter zu werden und die Kette der Generationen fortzusetzen, als Hüter des Fortbestandes des Lebens und des Glaubens zu dienen und mit ihren Frauen „gemeinsam Erben der Gnade des Lebens“11.

Das Ziel der Ehe ist das Wohlergeben der Nachkommen. Dietrich Bonhoeffer bezeichnete die Ehe als „Gottes heilige Stiftung, durch die er die Menschen bis ans Ende der Tage erhalten will.“ Indem sie neues Leben zeugen und in die Welt bringen, wirken Mann und Frau am Schöpfungsakt mit und folgen einer erhabenen Berufung. Die Ehe wurde auch deshalb als der erste religiöse Orden in der Geschichte der Menschheit bezeichnet.

Die Familie ist eine Dienstgemeinschaft. In ihr dienen die Ehepartner einander sowie den Kindern und den Alten. Der Mann dient in ihr vor allem als Beschützer und Versorger der Familie. Die Ehepartner versprechen einander bedingungslose Treue und vorbehaltlosen Dienst am anderen unter allen Umständen bis zu ihrem Tod. Wegen dieses Versprechens ist die Ehe ein Weg der Heiligkeit bzw. der Nachfolge Christi.

Die Ehe ist das Sakrament, das Mann und Frau bis zum Todes eines Partnern unauflöslich vereint, damit sie miteinander heilig leben, eine Familie Gründen und Kinder christlich erziehen. Eine gute und gelungene Familie ist das gemeinsame Werk von Mann und Frau und bringt Kinder hervor, aus denen Gott sich gute Berufungen für seinen Dienst erwählen kann.

Der christliche Mann betrachtet es als seine Pflicht die Ehre, Tradition und das Eigentum seiner Familie zu pflegen, zu mehren und weiterzugeben. Wenn er selbst nicht aus einer guten Familie stammt, gründet eine solche.

Rainer Maria Rilke verfasste dieses Gedicht über Ehe und Familie:

Denn sieh: sie werden leben und sich mehren
und nicht bezwungen werden von der Zeit,
und werden wachsen wie des Waldes Beeren
den Boden bergend unter Süßigkeit.

Denn selig sind, die niemals sich entfernten
und still im Regen standen ohne Dach;
zu ihnen werden kommen alle Ernten,
und ihre Frucht wird voll sein tausendfach.
Sie werden dauern über jedes Ende
und über Reiche, deren Sinn verrinnt,
und werden sich wie ausgeruhte Hände
erheben, wenn die Hände aller Stände
und aller Völker müde sind.

6.1.1 Ehemann werden und sein

In der Praxis bewährt hat sich eine frühe Heirat, die ausreichend Zeit für die Gründung einer Familie lässt. Der Mann sollte dabei die nötige Reife und Erfahrung haben, um seine Rolle als Oberhaupt der Familie richtig einnehmen zu können. Es hat sich daher ebenfalls bewährt, dass der Ehemann etwas älter ist als die Ehefrau.

Kinderlosigkeit stellt spätestens im Alter für die meisten Frauen eine enorme psychische Belastung dar.

Verlobung

Mögliche Partner sollen einander in der Verlobung kennenlernen um zu wissen ob sie in der Lage und bereit dazu sind, die mit der Ehe verbundenen Opfer gemeinsam zu erbringen und ob sie die dazu erforderlichen Grundüberzeugungen teilen.

Gegenseitige Zuneigung ist ebenfalls wichtig, sollte aber nicht wie im modernen Denken mit Liebe verwechselt werden. Liebe ist der Wille zum Dienst am anderen und kann anders als die von Gefühlen abhängige Zuneigung lebenslang versprochen werden.

Geheiligte Sexualität

Der hl. Thomas von Aquin widersprach entschieden Ansichten, die in der Sexualität des Menschen nur ein notwendiges Übel sehen. Indem sie die Kette der Generationen fortsetze, diene die Sexualität einem hohen Gut. Moderne Ideologien entheiligen die Sexualität bzw. machen sie zu etwas Perversem, indem sie sie von ihrem heiligen Zweck losgelöst betrachten.

Die Folgen dieser Entheiligung sind gescheiterte und zerstörte Leben, Krankheiten, Abtreibungen, Leid von Partnern und Kindern. Es ist ein Ausdruck von Egoismus und der Verweigerung der Berufung als Mann, die eigenen sexuellen Bedürfnisse gleich welcher Orientierung zur höchsten Priorität im Leben zu machen. Wer dies tut, dient dabei nicht einem anderen Menschen, sondern benutzt ihn.

Die Achtung der Frau

Durch die Frau gelangt neues Leben in die Welt. Alle anderen Berufungen (ausgenommen von religiösen) sind dieser Berufung nach christlicher Vorstellung dienend zur Seite gestellt.

Moderne Weltanschauungen verachten die Frau, indem sie in ihr nur eine Trägerin einer wirtschaftlichen Funktion, als bindungsloses Individuum oder als ein Objekt zur Befriedigung von Trieben sehen, ihr eigentliches ewiges Potenzial aber abwerten oder leugnen.

Eigenschaften guter Ehefrauen

Die Wahl der Ehefrau gehört zu den wichtigsten Entscheidungen des eigenen Lebens. Die Suche sollte früh in Angriff genommen und konsequent betrieben werden.

Nicht bewährt haben sich Ehen mit Partnerinnen, die das katholische Eheverständnis nicht teilen und daher in schwierigen Zeiten dazu neigen, die Ehe auflösen zu wollen.

Da die Ehe ein Sakrament ist, sollte sie nur mit einer Frau eingangen werden, die sie ebenfalls als Sakrament betrachtet. Ein intensives gemeinsames Glaubensleben und eine katholische Erziehung von Kindern kaum möglich, wenn die Ehefrau nicht ebenfalls katholisch ist, und praktisch unmöglich, wenn die Ehefrau keine Christin ist. Studien zeigen, dass gemischtkonfessionelle Ehen weniger stabil sind und den Glauben seltener erfolgreich an die Generation der Kinder weitergeben.

Aufgaben des Ehemanns

  • Die Achtung der Frau gewinnen und behalten: Die Entscheidung darüber, ob eine Ehe zustandekommt, liegt letztlich bei der künftigen Ehefrau mit der Zustimmung ihres Vaters. Ein Mann muß daher danach streben, der Achtung der Frau würdig zu werden, die er heiraten will. Frauen suchen vor allem nach Partnern mit hohem sozialen Status, Selbstbewusstsen und Charisma, körperlicher Fitness und einem Vermögen oder Einkommen, das die Versorgung einer Familie ermöglicht. Ein Mann, der diese Eigenschaften nicht im nötigen Maße entwickelt hat, wird es schwer haben, eine gute Ehefrau zu finden. Er gefährdert die Treue der Ehefrau, wenn er diese Eigenschaften verliert.
  • Selbstloser Dienst: Der katholische Mann versteht die Ehe als unauflöslich und als selbstlosen Dienst an seiner Ehefrau, der sich gerade in schwierigen Zeiten zu bewähren hat. Vom Mann wird erwartet, dass er sich bis zur Selbstaufgabe für das natürliche und übernatürliche Wohl der Frau und später auch der Kinder einsetzt und alles dafür erforderlichen Opfer zu bringen. Die moderne Vorstellung, dass positive Gefühle gegenüber dem Partner die Grundlage der Ehe sein sollten, scheitert in schwierigen Zeiten, die jede Ehe durchläuft, regelmäßig.
  • Heiligung der Frau: So wie die Aufgabe der Frau die Heiligung ihres Ehemanns ist, ist es der Auftrag des Ehemanns, die Heiligung seiner Frau zu unterstützen. Dazu spricht er mit ihr über Ansätze schlechter Dinge, die ihm bei ihr auffallen, und wirkt behutsam korrigierend ein.
  • Religiöse Führung: Zu den Pflichten des Ehemanns gehört die religiöse Führung der Familie. Er gibt dazu in religiösen Dingen ein Beispiel und ergreift die Initiative, wenn es um Gebet, Besuch der Heiligen Messe etc. geht.

6.1.2 Vater sein

Ein „heiliges Gesetz der Natur“ verpflichtet den Vater dazu, Versorger seiner Familie zu sein.12

Die moderne Vorstellung, dass Kinder und Bindungen Männer vom eigentlichen Leben abhielten, steht im Widerspruch zu christlichen Vorstellungen. Das Leben des Mannes verwirklicht sich gerade in der Gestaltung der Berufung zum Ehemann.

Der christliche Glaube wird vor allem in der Familie weitergegeben. Große Familien sind ein Beitrag zur Weitergabe des Christentums an die nächste Generation und eine Form des Dienstes an Gott.

Die eigene Familie ist die erste und wichtigste Solidarstruktur, in der sich ein Mensch bewegt. Streitigkeiten innerhalb der eigenen Familie schaden allen Beteiligten.

Kinder außerhalb der Ehe zu zeugen ist unverantwortlich und kann das Leben von Mutter und Kind zerstören. Ein christlicher Vater lehnt die Vorstellung, seine Kinder durch Abtreibung zu töten, kompromisslos ab, denn er ist Mitwirkender der Schöpfung, der Verantwortung übernimmt, und kein Mörder Unschuldiger.

Ein Vater ist vor allem gütig. Dies bedeutet, dass sein Denken und Handeln von der Sorge um das Wohl von Mutter und Kindern geprägt ist. Güte bedeutet daher auch, gegen Dinge vorzugehen, die diesem Wohl schaden, auch wenn diese Dinge z.B. von den Kindern gewünscht werden.

Ein herrischer Vater wird Ungehorsam der Kinder hinter seinem Rücken provozieren. Ein schwacher Vater oder einer der als Mann im Leben versagt, wird die Achtung der Kinder und seine Autorität vor ihnen verlieren.

Aufgaben des Vaters

  • Erziehung der Kinder: Zusammen mit seiner Frau ist ein Vater für die Entwicklung der Seelen der Kinder, etwa durch die Vermittlung von Tugenden, verantwortlich. Ein Vater achtet wachsam auf den Umgang der Kinder (auch auf ihren Medienkonsum) und korrigiert Fehler und Schwächen. Der Vater achtet darauf, dass schlechte Einflüsse von Kindern ferngehalten werden, aber er tut dies nicht auf eine überbehütende Weise, die Kinder im Umgang mit den Herausforderungen der Welt schwächt.
  • Wahrung des Familienfriedens: Ein Vater wahrt den Frieden in der Familie. Eltern dürfen Konflikte nie vor Kindern austragen. Wer als Vater die Autorität der Mutter vor den Kindern in Frage stellt, schwächt auch seine eigene Autorität, wodurch alle Beteiligten verlieren.

Die Erziehung von Söhnen

Söhne brauchen einen Vater, der sie erzieht, um sich gut zu entwickeln.

Platon definierte Erziehung als die Kunst, einen Körper und eine Seele in ihrer Entwicklung so zu führen, dass sie die Schönheit und Vollkommenheit entwickeln, die in ihnen angelegt sind. Christliche Erziehung ist die Formung der Seele, damit diese Jesus Christus ähnlicher wird und ihn ehrt und ihm dient, damit sie gerettet werden kann.

Väter sind die „Bildhauer der Seelen“ ihrer Söhne, die von Natur aus nicht zur Tugend neigen, sondern bei deren Herausbildung angeleitet und geführt weden müssen. Wie ein Baum kann auch die Seele eines Kindes schief wachsen.13

Damit sich ein Junge zu einem christlichen Mann entwickeln kann, ist seine schrittweise Heranführung an immer größere Aufgaben erforderlich, die der Junge mit Anstrengung noch bewältigen kann. Er lernt dann durch Freude und Stolz auf die erbrachte Leistung, seine Fähigkeiten und Grenzen stetig zu erweitern.

Jungen dürfen nicht überbehütet werden. Sie finden in Heiligen und Helden bzw. entsprechender Lektüre geeignete Vorbilder.

Die Aufgaben des christlichen Vaters gegenüber Töchtern

Der Vater hat vor allem den Aufgabe seine Töchter zu beschützen.

Junge Frauen können sich zu Männern hingezogen fühlen, die durch Verstöße gegen Regeln den Eindruck maskuliner Stärke erwecken. In vielen Fällen sind diese Frauen mangels Erfahrung noch nicht dazu in der Lage, zwischen guter und schlechter Maskulinität zu unterscheiden. Es ist hier die Pflicht des Vaters, mögliche Partner zu prüfen, sie zu bewerten und notfalls den Kontakt mit ihnen zu unterbinden.

Namensgebung bei Kindern

Mögliche Namen für Kinder sind etwa der des Heiligen des Geburtstages des Kindes oder der des örtlichen Kirchenpatrons. Namen wie Maria, Josef, Adam und Eva, aber auch Markus oder Johannes sind zeitlos schön.

Namensgebungen, die modernen Moden folgen, können eine Belastung für Kinder darstellen, da solche Namen schon innerhalb einer Generation einen vulgären Klang annehmen können. Zuviel Individualismus und modische Extravaganz der Eltern kann Kindern hier schaden.

Die Verwendung mit Mittelinitialen in Deutschland wurde aus dem Amerikanischen übernommen, beruht jedoch auf einem kulturellen Mißverständnis. Die Mittelinitiale steht dort nicht für den zweiten Vornamen, sondern für den Mädchennamen der Mutter, etwa bei T.S. Eliot, dessen Mutter eine geborene Stearns war.

6.2 Beruf und Arbeit

Der Mann ist Versorger und nicht Empfänger von Versorgung, weshalb er einer Arbeit nachgeht, solange es seine Kräfte zulassen. Dazu muss er diese geistigen, praktischen und körperlichen Kräfte pflegen und entwickeln.

Jesus Christus wirkte des Großteil seines Lebens als Handwerker. Die Benediktiner formulierten den Grundsatz „Bete und Arbeite“ (lat. „Ora et labora“), wobei sie zum Ausdruck brachten, dass die Arbeit eine religiöse Funktion haben kann, wenn sie auf Gott ausgerichtet ist. Durch gute Arbeit dient man dem Nächsten und entwickelt Tugenden.

Ein Beruf ist dann am besten zur Versorgung einer Familie unter allen Bedingungen geeignet, wenn es für ihn auch unter schwierigen Bedingungen und an vielen Orten Bedarf gibt. Dies gilt etwa für Tätigkeiten als Arzt oder Lehrer, aber auch im Bereich Sicherheit (etwa die Tätigkeit als Soldat und Polizeibeamter), in der Landwirtschaft sowie in bestimmten Zweigen des Handswerks. Idealerweise kann der gewählte Beruf ohne größere Anpassungsschwierigkeiten auch im Ausland ausgeübt werden.

Christliche Männer können durch ihren Beruf dazu beitragen, dass Christen als Gruppe für die Gesellschaft unverzichtbar werden, was christenfeindlichen Tendenzen präventiv entgegenwirkt.

Wenn die Bedingungen es zulassen, soll Arbeit dazu dienen, Körper und Geist des Menschen zu veredeln und gleichzeitig seinen Lebensunterhalt ermöglichen.

6.2.1 Berufsverständnis

Der christliche Mann folgt einer Berufung und setzt die ihm gegebenen Fähigkeiten zum Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen ein. Er strebt danach, in dieser Berufung zur Meisterschaft zu gelangen.

6.2.2 Arbeitsethos

Den erwachsenen Mann unterscheidet vom Heranwachsenden, dass er materiell und finanziell unabhängig von den Zuwendungen anderer ist. Der Ehemann ist der Versorger seiner Familie.

Viel leisten, wenig hervortreten; mehr sein als scheinen.

Alfred von Schlieffen

6.3 Umgang mit Geld und Gut

Als Versorger schafft der Mann Reserven für schlechte Zeiten und reduziert seine Ansprüche soweit es angemessen ist, damit er größere Reserven aufbauen kann und diese länger reichen.

Sparsamkeit

Sparsamkeit ist die Tugend des disziplinierten Umgangs mit Geld und Gütern. Auf individueller Ebene ist Sparsamkeit ist Ausdruck der christlichen Kardinaltugenden der Klugheit und der Disziplin sowie der Pflicht des Mannes, Versorger seiner Familie zu sein. Der verschwenderische Mann lebt auf Kosten anderer anstatt für sie dazu sein wie es seine Pflicht ist und er schafft vermeidbare Verwundbarkeiten in Zeiten der Not.

Das eigenene Geld muss aktiv zusammen gehalten werden. Sparsamkeit sollte man als Sport betrachten und in allen Dingen pflege.

Auf der Ebene des Gemeinwesens ist Sparsamkeit Ausdruck der Pflicht der Politik zur Sicherstellung des Gemeinwohls, der allgemeinen Pflicht gegenüber kommenden Generationen sowie der Pflicht des Menschen, verantwortungsvoll mit der Schöpfung bzw. Ressourcen umzugehen.

Vermeidung von Schulden

Die Bibel warnt, dass Schulden abhängig und verwundbar machen (Sprüche 22,7). Wer sich im Geld leihen muss, sollte dies allenfalls innerhalb der eigenen Familie tun. Es ist nicht unüblich, dass Eltern ihre Kinder z.B. beim Kauf einer Immobilie oder bei der Finanzierung eines Studiums auf diese Weise unterstützen, wobei es hier besser ist, wenn das Geld nicht verliehen, sondern geschenkt wird. Andere finanzielle Abhängigkeiten sollten in jedem Fall vermieden werden.

Einfacher Lebensstil

Ein materiell einfacher Lebensstil vermeidet die oben beschrieben Abhängigkeiten und Verwundbarkeiten.  Teure Urlaube oder Konsumgüter, übertrieben aufwendige Feiern (auch Hochzeiten), Schulden und unnötiger Besitz schwächen einzelne Menschen und Familien.

Der Dichter Stefan George sagte: „Wir brauchen wenig, aber dies wenige muss gut sein.“

Geldanlagen

Der Mann verwaltet sein Eigentum so, dass er seine Familie in schwierigen Zeiten ernähren kann und seinen Kindern ein Erbe. Sicherheit sollte vor dem Hintergrund dieses Zieles vor Risiko gehen.

Sicherheitsorientierte Geldanlage kann so gestaltet werden:

  • Immobilien: Immobilien wie Häuser, Wohnungen, Ackerflächen und Wald stellen Sachwerte dar, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihren Wert nicht vollständig verlieren. Risiken durch Naturereignisse sind Immobilien jedoch in besonderem Maße ausgesetzt. Der Erwerb stellt für Normalverdiener zudem ein sog. Klumpenrisiko dar. Das Umfeld einer Immobilie kann sich unerwartet negativ verändern, z.B. durch den Bau neuer Straßen, Windräder oder eine ungünstige Veränderung der Nachbarschaft. In Deutschland wurden laufende Kosten von Immobilien in den vergangenen Jahren durch neue Umweltauflagen etc. nachträglich erhöht. Zudem besteht das Risiko, dass überschuldete öffentliche Haushalte in den kommenden Jahren durch Grundsteueranhebungen oder Sonderabgaben mit saniert werden sollen. Immobilien sind außerdem unflexibel. Eine für eine kinderreiche Familie erworbene Immobilie ist im Alter zu groß und verursacht unnötige Kosten. Zur Finanzierung ist es oft erforderlich, dass beide Ehepartner einer Erwerbsarbeit nachgehen, was dazu führt, dass ihre Familie weniger Kinder hat als es möglich wäre und die Kinder nicht optimal aufwachsen. Falls einer der Ehepartner arbeitslos wird, entstehen zudem enorme Belastungen für eine durch schuldenfinanzierten Immobilienerwerb belastete Familie. Diese könnte zum Verkauf der Immobilie gezwungen sein, was in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zusätzliche Verluste mit sich bringen kann.
  • Anleihen: Staatsanleihen politisch stabiler Staaten mit geringer Staatsverschuldung
  • Aktien: Aktien sollten nach Sparten und geographisch diversifiziert werden und möglichst lange gehalten werden. Es werden Aktien von Unternehmen mit niedrigem Verschuldungsgrad und stabiler Nachfrage in wirtschaftlich schlechten Zeiten empfohlen, etwa Lebensmittel, Pharma und Versorger.
  • Bargeld: Es sollte genug Bargeld vorhanden sein, um die Ausgaben mehrerer Monate bestreiten zu können
  • Edelmetalle: Diese sind eine Versicherung für den ungünstigsten wirtschaftlichen Fall. Sie sollten nur physisch erworben und einem einem auch im ungünstigten Fall sicheren und zuverlässig erreichbaren Lagerort deponiert werden.

Es wird empfohlen, das eigene Vermögen diversifiziert in nicht oder schwach korrelierenden Anlageklassen mit hoher Liquidität anzulegen. Gewinne werden dabei vor allem durch Kauf zu einem günstigen Zeitpunkt erzielt. Diesen kann man durch die Beobachtung einfacher Indikatoren ermitteln. Wenn zum Beispiel Aktien im Vergleich zu Edelmetallen hoch bewertet sind, kann man Edelmetalle kaufen und Aktien verkaufen.

Von Lebensversicherungen und komplexen Finanzprodukten wird abgeraten.

6.4 Freundschaft und persönliche Netzwerke

Jeder Mann sollte über ein zuverlässiges Netzwerk guter Freunde verfügen, die ihn im christlichen Leben unterstützen, und auf deren Unterstützung er in schwierigen Zeiten zählen kann, so wie er diese Freunde seinerseits unterstützt, wenn sie Hilfe brauchen.

Ein zuverlässiger Freund kann nur sein, wer bereit ist mehr zu geben als er nimmt und mehr geben kann als er braucht. Personen, die ihr eigenes Leben nicht im Griff haben und deshalb lieber das Leben anderer kontrollieren wollen oder insgeheim ein Interesse an deren Scheitern haben um sich dadurch besser zu fühlen, können kaum zuverlässige Freunde sein und sollten aus dem direkten eigenen Umfeld ferngehalten werden, weil sie langfristig immer zur Belastung werden.

Man kann nur wenige gute Freunde haben. Der Wert von Freundschaften beweist sich erst in schwierigen Zeiten. Geteilter Glaube stärkt den Zusammenhalt unter Freunden.

6.5 Der christliche Mann als Staatsbürger

Christen sind die Stützen jedes Gemeinwesens, in dem sie leben. Jesus Christus wies Christen dazu an, den Staaten, in denen sie leben, das zu geben, was ihnen zustehe. Der hl. Apostel Paulus wies die Mitglieder der frühen christlichen Gemeinden an, den Regierungen, in deren Bereich sie lebten, gegenüber loyal zu sein, die Gesetze zu achten, ihre Steuern zu zahlen und sich friedlich gegenüber jedermann zu verhalten.

6.5.1 Dienst am Gemeinwesen

Im Rahmen der tätigen christlichen Spiritualität des schützenden und bewahrenden Dienstes bietet sich für christliche Männer Dienst am Gemeinwesen vor allem in Bereichen an, die schützende Aufgaben zum Inhalt haben. Hier können Männer, die dieser Spiritualität folgen, den größten Beitrag für das Gemeinwesen leisten.

Solcher Dienst kann etwa im Rahmen einer Berufstätigkeit in Bundeswehr, Polizei, Sicherheitsbehörden, Feuerwehr, Rettungsdienst, Sicherheitsunternehmen oder vergleichbaren Tätigkeiten geleistet werden. Bewahrenden Dienst an der Kultur leisten unter anderem Lehrer und Dozenten an Schulen und Universitäten.

Ehrenamtlich kann dieser Dienst als Reservist in der Bundeswehr, in der freiwilligen Feuerwehr oder im Technischen Hilfswerk erfolgen. Auch das Engagement als Schöffe an Gerichten oder politisches Engagement, das den Schutz des Gemeinwohls zum Ziel hat, kann ein solcher Dienst sein, ebenso wie Jugendarbeit z.B. in der Jugendfeuerwehr oder bei christlichen Pfadfinderorganisationen.

6.6 Körperliche Leistungsfähigkeit

Körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie seelische Belastbarkeit sind eng miteinander verbunden. Der körperlich leistungsfähige Mann ist ein besserer Diener seines Nächsten. Wer seinen Körper nicht pflegt, wird früher als es das Alter erzwingt unfähig dazu sein, zu dienen.

Die Unterwerfung des Körpers unter den Willen ist außerdem Teil des asketischen Kampfes des Christen. Körperliches Training ähnelt in mancher Hinsicht dem Training der Seele und erfordert die beharrliche und disziplinierte Konfrontation mit den eigenen Schwächen. Der hl. Apostel Paulus verglich den geistigen Kampf daher mit dem Trainung des Athleten.

In den christlichen Klöstern wurde von Anfang an auch körperliche Tauglichkeit gepflegt und die cura corporis neben der cura animae betrieben. Der hl. Benedikt behandelt das Thema der körperlichen Tauglichkeit in seiner Mönchsregel. Körperliche Disziplin war zudem in Klöstern von Anfang an Teil der asketischen Praxis, und darüber hinaus wurden in Klöstern Gesundheits- und Ernährungsstudien betrieben und entsprechende Erkenntnisse praktisch umgesetzt und eingeübt. Körperliche Arbeit hatte zudem oft einen hohen Stellenwert.

Körperliche Disziplin und Übung fördert die Dienstfähigkeit auf die folgende Weise: Sie stärkt die Kontrolle des Geistes über den Körper und die Leidenschaften. Fördert Charakter, männliche Eigenschaften wie Selbstvertrauen, Willen, Fairness, Fähigkeit Leid zu ertragen.

Der Priester Walter Ciszek, der mehrere Jahrzehnte in sowjetischer Lagerhaft verbrachte, schrieb über die Bedeutung körperlicher Tauglichkeit für seinen Dienst:

Was mir im Gefängnis zuwuchs, war ein gewaltiges Maß an Respekt und Liebe zum guten alten ‚Bruder Esel‘, dem Leib. Der Leib nämlich trug die Hauptlast aller Leiden, auch wenn die Seele ebenfalls durch Angst geprüft wurde. Und bei aller Willenskraft und Entschlossenheit, die wir Menschen haben können, ist es doch der Leib, der uns durchs Leben trägt. Der Leib war es, der den schneidenden Wind aushielt, die beißende Kälte, die Schmerzen der verkrampften Muskeln, die wie von Peitschenhieben rissige, blutende Haut, die nagenden Hungerqualen im Bauch, das Ziehe und die Taubheit überforderter Sehnen.

In den Satzungen des Jesuitenordens heißt es:

Wie eine übertriebene Sorge in dem, was den Leib betrifft, zu tadeln ist, ebenso ist die gebührende Wachsamkeit, die darauf schaut, wie die Gesundheit und die Körperkräfte für den Göttlichen Dienst erhalten werden, zu loben und muss von allen beachtet werden.

Der hl. Bernhard von Clairvaux sagte über die Bedeutung körperlicher Tauglichkeit:

Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?

Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Pflege und Entwicklung körperlicher Leistungsfähigkeit durch Sport als Antwort auf die damals akut werdenden Herausforderungen des städtischen Lebens und moderner Lebensstile durch die katholische Jugendbewegung als fester Bestandteil der katholischen Tradition etabliert. Mit rund 150 Jahren Geschichte ist die katholische Sporttradition im Vergleich zu anderen Traditionen der Kirche noch vergleichsweise jung.

Bereits der hl. Apostel Paulus verwendete jedoch Sportmetaphern zur Beschreibung des geistigen Lebens des Christen, was von seiner Hochachtung gegenüber dem Sport zeugt, die Folge seiner Wurzeln in der hellenischen Kultur war.

6.6.1 Ernährung
  • Vermeidung von konzentrierten Kohlehydraten: Der Mensch ist biologisch nicht auf den Konsum von Nahrungsmitteln mit hohem Anteil konzentrierter Kohlehydrate ausgelegt, die in der Natur nicht vorkommen. Die Lebensmittelindustrie setzt vielen Lebensmitteln, darunter auch solchen die als gesund beworben werden, Kohlenhydrate bzw. Zucker zu, da dies dazu führt, dass Menschen mehr Nahrung zu sich nehmen als sie eigentlich benötigen würden. Zuckerkonsum kann sogar zu sog. hedonischer Hypophagie, also regelrechten Eßattacken, führen. Aus Folge der Aufnahme großer Mengen von Zucker schütttet die Bauchspeicheldrüse entsprechend große Mengen an Insulin aus, was zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels führt. Dies wiederum wirkt appetitanregend, während Insulin gleichzeitig Fettabbau hemmt. Zucker wirkt daher wie ein Mastbeschleuniger und sein Konsum führt zu Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die falsche, aber immer noch verbreitete Behauptung, dass diese vor allem durch Fett ausgelöst würden, wurde durch die Zuckerindustrie verbreitet, um von den Risiken des Zuckerkonsums abzulenken und dessen Konsum zu fördern. Die Zuckerindustie manipulierte zu diesem Zweck nachgewiesenermaßen auch wissenschaftliche Studien durch Zahlungen an Wissenschaftler.
  • Intervallfasten

Umgang mit Alkohol und Suchtmitteln

Die christliche Tradition lehnt Alkohol nicht grundsätzlich ab, fordert aber Selbstkontrolle bei dessen Konsum. Der hl. Apostel Paulus nennt Trunkenheit unter den Sünden derer, die das Reich Gotte nicht erben werden (Gal 5,21).

Alkohol schwächt im Übermaß genossen den Mann und führt zum Verlust der Selbstkontrolle. Er reduziert auch die Fähigkeit zur Diskretion erheblich, weshalb Alkohol allenfalls im Kreis vertrauter Menschen in engen Maßen konsumiert werden sollte. Männer sollten in Gegenwart von Frauen grundsätzlich keinen Alkohol konsumieren.

Könige sollen sich nicht, Lemuël, Könige sollen sich nicht mit Wein betrinken, Fürsten nicht berauschenden Trank begehren. Er könnte beim Trinken seine Pflicht vergessen und das Recht aller Notleidenden verdrehen.14

Sonstige Suchtmittel, etwa Zigaretten, sollten grundsätzlich gemiesen werden, weil sie den Menschen schwächen und abhängig machen.

6.6.2 Sport

Der hl. Johannes Paul II. nannte den Sport eine Schule von Tugenden, Mäßigung und Opferbereitschaft.

Viele Sportarten bilden nicht nur den Körper, sondern auch den Charakter. Sie stärken u.a. das Selbstbewußtsein, die Ausstrahlung, den Willen bzw. die Entschlußkraft sowie Disziplin, Mut und innere Härte und fördern somit charakterliche Eigenschaften, die in schwierigen Zeiten besonders wichtig sind. Sport schafft Ordnung in der Seele und lehrt den Mann, Schmerz und Belastung zu ertragen.

Es empfiehlt sich, kostengünstige Sportarten wie Laufen und Kraftsport zu betreiben.

6.8 Freizeitgestaltung und männliche Spiritualität

Im Sinne des christlichen Gedankens der „Einheit des Lebens“ kann auch die eigene Freizeit so gestaltet werden, dass sie die eigene Fähigkeit zum schützenden Dienst fördert.

6.8.1 Reisen und Fahrten

Während die Erholungs- und Urlaubsreise eine moderne Form des Konsums darstellt, ist die im Rahmen eines Auftrags oder mit dem Ziel der Bildung unternommene Reise ein wichtiger Bestandteil maskuliner europäischer Kultur. Während der Tourist nur konsumieren will und Erlebnisse dafür ggf. inszeniert werden, setzt der Reisende sich echten Risiken, Herausforderungen und Belastungen aus.

Die Reisen des hl. Paulus veränderten die Welt für immer. Die Reisen des Odysseus, des Marco Polo oder des Ferdinand Magellan wirkten kulturell über Jahrhunderte und Jahrtausende nach.

Die Reise umfasst in der europäischen Tradition den militärischen Einsatz, die Pilgerfahrt, die Expedition bzw. die Forschungsreise (in der modernen Form auch die des Raumfahrers), den Missionseinsatz, die Dienst- und Geschäftsreise und die Bildungsreise. Der moderne Rucksackreisende steht, wenn er die Begegnung mit fremden Kulturen oder die Naturerfahrung sucht, teilweise noch in der Tradition des Bildungsreisenden.

Bildende Reisen sind in der Regel materiell wenig aufwendig. Der Bildungsreisende nutzt in der Regel keine teuren Unterkünfte oder Transportmittel, sondern sucht die größtmögliche Nähe zu Kultur und Bevölkerung des Reiseziels sowie zur Natur.

6.8.2 Traditioneller Kampfsport

Im traditionellen Kampfsport geht es nicht nur um physischen Kampf gegen andere und die Ausbildung entsprechender körperlicher Fähigkeiten, sondern in erster Linie um die Konfrontation mit inneren Schwächen und dem Kampf gegen sie. Kampfsport stärkt in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, Leid zu ertragen, Opfer zu bringen und Ziele gegen Widerstände zu verfolgen, weshalb er zum Aufbau von christlicher Tugend beiträgt.

Kampfsport stellt ebenso wie die Jagd zudem eine Möglichkeit, den physischen Aspekten der Wirklichkeit und dem, was diese im Menschen auslösen, auf eine Weise zu begegnen, die im Alltag zivilisierter Gesellschaften häufig fehlt. Darüber hinaus stärkt Kampfsport die Fähigkeit, Gefahren erfolgreich zu begegnen, wodurch er die Fähigkeit zum schützenden Dienst am Nächsten und dem Gemeinwesen und somit eine christliche, dienende Lebensführung fördert.

Kampfsport ist seit dem Mittelalter Teil der tätigen christlichen Spiritualität, wobei das Christentum hier an antike griechische und römische Vorstellungen von Tugend anknüpfte, die diese als Tauglichkeit zu einem guten Zweck im Angesicht von Gefahr definierten. Von diesem Verständnis war auch der hl. Paulus geprägt, der christliche Tugenden unter Rückgriff auf sprachliche Bilder beschrieb, die u.a. aus dem Kampfsport stammten, mit dem er offenbar vertraut war.

In den Klöstern Europas wurden neben verschiedenen Handwerken laut dem im 9. Jahrhundert wirkenden Gelehrten Johannes Scottus Eriugena auch die Künste der „Militia“ und der „Venatoria“ (Kampfkunst, Waffenkunde und Jagd) gepflegt.

In der christlichen Spiritualität des Mittelalters galt die biblische Gestalt des Judas Makkabäus als Vorbild idealer männlicher Tugend, weil er militärische Fähigkeiten und körperliche Belastbarkeit mit Frömmigkeit verband und daher in besonderem Maße zum schützenden Dienst befähigt war. Geoffroi de Charny etwa stellte ein entsprechendes Verständnis von Tauglichkeit in seiner um 1350 erschienenen Schrift über den schützenden Dienst des Rittertums in den Mittelpunkt.

Das Ideal des zum entsprechenden Dienst tauglichen Mannes sei der Edelmann („Preudomme“), der militärische Leistungsfähigkeit und Frömmigkeit in sich vereine. Der entsprechend taugliche Mann diene Gott und dem Nächsten, führe den asketischen Kampf gegen seine ungeordneten Leidenschaften, pflege Glaubenspraxis sowie den Empfang der Sakramente und sei zudem tapfer, diszipliniert, loyal und taktisch versiert. De Charny propagierte in diesem Zusammenhang auch Kampfsport bzw. Turniere als Mittel zur Förderung von Tauglichkeit.

Kampfkunst und Kampfkultur wurden mutmaßlich in einzelnen christlichen Klöstern des Mittelalters gepflegt, worauf auch diese Dissertation von Heidemarie Bodemer eingeht. Eine so vollständige Integration von Wehrhaftigkeit, Charakterbildung, Spiritualität und Kampfsport wie etwa im japanischen Budo wurde dabei jedoch im Christentum im Mittelalter nicht erreicht und diese Tradition danach zunächst nicht fortgesetzt.

Das Shotokan-Karate stellt eine eine hochentwickelte Form des Kampfsports dar, die mit den oben beschriebenen christlichen Gedanken weitgehend kompatibel ist. Gichin Funakoshi, der Schöpfer des Shotokan-Karates, beschrieb dieses als Schulung des Charakters im wehrhaften Geist durch körperliche Übung.

Der wehrhafte Geist des Shotokan-Karates kommt vor allem in seinem harten Stil zum Ausdruck. Es schult nicht nur den Körper, sondern auch Disziplin, Selbstvertrauen, Konzentration. Funakoshi betont in seinen Gedanken über das Karate zudem in Anknüpfung an Konzepte des japanischen Rittertums bzw. an das Bushido mit christlichen Gedanken kompatible Themen wie Achtung vor dem Gegner, Höflichkeit, Demut und Selbstkontrolle.

Papst Benedikt XVI. äußerte sich positiv über ostasiatische Kampfkünste. Allgemein betonte Benedikt XVI., dass Sport dabei helfen könne, Tugenden wie Disziplin und Opferbereitschaft zu entwickeln und sowohl der körperlichen als auch der der charakterlichen Entwicklung des Menschen dienen könne.

6.8.3 Die Jagd als Lebensschule

Die Jagd ist eine traditionelle Form der praktischen Auseinandersetzung mit existenziellen Aspekten der Wirklichkeit. Sie ist älter als der Mensch selbst und verbindet ihn mit allen Geschöpfen, deren Schicksal es nicht ist, Beute zu sein. Es gibt eine eigene christliche Tradition der Jagd, welche die Achtung der Schöpfung zum Mittelpunkt hat.

Die Jagd macht Menschen weniger abhängig von der modernen Zivilisation. Der Mann erlernt in ihr Fähigkeiten, die ihn zu einem besseren Versorger und Beschützer seiner Familie machen. Sie wirkt charakterbildend, indem sie den Mann Grenzerfahrungen aussetzt, und schult sein Verantwortungsbewusstsein auf viele Weisen. Sie lässt den Mann erfahren, dass er Teil einer Natur ist, deren Abläufe nicht seinem Willen unterworfen sind.

Die Jagd kann Netzwerke der Freundschaft schaffen und durch gemeinsame Erfahrung festigen. Die Jagd kann auch das eigene spirituelle Leben fördern, da sie den Mann innerlich still werden lässt und seine Sinne in der Erfahrung der Stille öffnet. Richtig praktizierte Jagd hat einen meditativen Charakter.

Die Ausübung der Jagd erfordert die Aneignung zahlreiche Grundfertigkeiten des Lebens in und mit der Natur.

6.8.4 Christliche Schützenbruderschaften

Die Fähigkeit des Umgangs mit Waffen ist eine Grundfertigkeit des eigenverantwortlichen Mannes und Ausdruck seiner Bereitschaft zum Schutz seiner Familie und des Gemeinwesens. Jeder Mann sollte dazu in der Lage sein, eine Waffe sicher zu handhaben. Wer den Umgang mit Waffen nicht beruflich (etwa als Soldat oder Polizeibeamter) oder als Jäger lernt, kann dies in christlichen Schützenbruderschaften tun.

Diese Schützenbruderschaften (in Bayern auch in Form der Gebirgsschützen) sind Teil der christlichen Tradition Deutschlands und haben ihre Wurzeln Bünden wehrhafter Bürger. Christliche Schützengilden sind in Deutschland eindeutig seit dem 12. Jhd. belegt, wobei die Tradition christlicher Schützenbruderschaften in Deutschland vermutlich bis in das 9. Jahrhundert zurückreicht. Die älteste christlicher Schützenbruderschaft ist möglicherweise die Aachener Karlsschützengilde, die mutmaßlich zur Zeit Karls des Großen gegründet wurde und im Jahre 1999 ihr 1200-jähriges Jubiläum feierte. Sie gilt als ältester Verein Deutschlands überhaupt.

Christliche Schützenbruderschaften pflegen das wehrhafte Brauchtum sowie ihre christliche Tradition durch Teilnahme an Prozessionen, Wallfahrten und kirchlichen Festen oder auch durch die Pflege von Feldkreuzen und Kapellen. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist Ehrenmitglied der Kompanie Tegernsee der bayerischen Gebirgsschützen.

Schützenbruderschaften üben auch das sportliche Schießen, da die Fertigkeit bei Umgang mit der Waffe Ausdruck ihrer Tradition der Wehrhaftigkeit ist. Der Umgang mit Waffen schult außerdem das Verantwortungsbewusstsein. Waffenbesitzer erziehen einander zum verantwortungsvollen Umgang mit der Waffe. Unzuverlässige Menschen, Menschen mit dem Hang zu Extremen oder solche, die aufgrund von psychischen oder charakterlichen Defiziten den Besitz einer Waffe anstreben, werden von verantwortungsbewusst handelnden Schützengemeinschaften nicht aufgenommen.

6.8.5 Natursport

Wandern, Camping, und die sportliche Beschäftigung mit dem Leben und Überleben in der Natur entwickeln viele Fähigkeiten, die den Mann unabhängiger vom Funktionieren der Zivilisation machen und seine Resilienz steigern.

6.8.6 Gesang

In den westlichen Kirchen ist die Tradition des maskulinen Gesanges weniger stark entwickelt als im orthodoxen Christentum.

6.9 Sicherheit und Krisenvorsorge

Der christliche Mann muss dazu in der Lage sein, seine Familie zu beschützen und sie auch in Zeiten der Not zu versorgen. Außerdem muss er in entsprechenden Situationen dazu in der Lage sein, sich am Schutz des Gemeinwesens zu beteiligen und anderen Menschen zur Seite zu stehen.

Dazu ist die Beherrschung gewisser Grundfertigkeiten und die Entwicklung bestimmter Eigenschaften erforderlich. Ihre Aneignung und Aufrechterhaltung ist Teil eines maskulinen Lebensstils.

6.9.1 Individuelles Risikomanagement

Die Kardinaltugend der Klugheit legt nahe, sich mit Bedrohungen und Risiken im eigenen Umfeld auseinanderzusetzen, präventive Maßnahmen gegen sie zu ergreifen und sich auf Notfälle und Gefahrensituationen vorzubereiten.

6.9.2 Notfall- und Krisenvorsorge

Selbstschutz bzw. individuelle Notfall- und Krisenvorsorge sind in der Konzeption des Bevölkerungsschutzes in Deutschland ein Grundpfeiler des Katastrophenschutzes bzw. der Maßnahmen zur Bewältigung von Krisen. Jeder Mann sollte über Grundkenntnisse der Notfall- und Krisenvorsorge verfügen und die damit verbundenen Maßnahmen ergreifen, um seine Familie im Krisenfall schützen zu können.