Stand: 05.12.2017

Diese Portalseite enthält Beiträge für die Formulierung einer tätigen christlichen Laienspiritualität des schützenden und bewahrenden Dienstes am Nächsten und am Gemeinwesen. Der Inhalt der Seite, von der sich Teile noch im Entwurfsstadium befinden, wird laufend aktualisiert.

Diese Beiträge werden im Dialog zwischen katholischen Geistlichen und vorwiegend in Sicherheitsberufen tätigen Menschen formuliert.

1. Grundlagen der Spiritualität des schützenden Dienstes

Die Spiritualität des schützenden und bewahrenden Dienstes strebt die Nachfolge Jesu Christi an. Der Weg und die Wahrheit und das Leben ist mit der Akzeptanz höchster Risiken im Festhalten am unbedingten Gehorsam gegenüber Gott sowie im Dienst an anderen Menschen verbunden.

Dieser Weg ist auch der Weg der Kirche im Sinne des Aufrufs von Papst Piux XI., der im Angesicht der Bedrohung durch totalitäre moderne Ideologien an die „ungenannten Soldaten Christi“ appellierte, dem heiligen Erbe des Christentums tapfer die Treue zu halten, „im Kampf gegen die Verneiner und Vernichter des christlichen Abendlandes“ dienend tätig zu werden und „alles zu hüten und zu schützen, worauf der Völker Heil und Glück beruht“.

  • Die Spiritualität des schützenden und bewahrenden Dienstes ist die des Apostels Paulus, der die ihm anvertrauten Menschen und Werke auf seinen mit Gefahren verbundenen Fahrten sicher durch den Sturm brachte (Apg 27,10).
  • Sie ist die Spiritualität des Nehemia, der die schützenden Mauern Jerusalems in Zeiten der äußeren Bedrohung und der inneren Auflösung erneuern, bewachen und verteidigen ließ.
  • Sie ist die Spiritualität des Ezechiel, den Gott im Angesicht von Gefahren und Bedrohungen zum Wächtertum berief (Ezechiel 33,2-7) und ihn aufforderte, sich zu rüsten und bereitzuhalten zur Abwehr der weltlichen Gegner des Volk Gottes, damit dieses Volk in Sicherheit leben kann (Ezechiel 38,7-9). Gott beruft mit den Worten im Buch Ezechiel den zum Dienst bereiten Mann, damit er „eine Mauer baut oder für das Land in die Bresche springt“ (Ezechiel 22,30).
  • Sie ist die Spiritualität des hl. Bernhard von Clairvaux, der zum schützenden Dienst gegen jene aufrief, die daran arbeiten die „unschätzbaren Reichtümer des christlichen Volkes zu rauben, das Heiligtum zu schänden und den heiligen Tempel Gottes in Besitz zu nehmen.“
  • Diese Spiritualität strebt danach, „geschult für den Kampf […] gegen die Schrecken der Nacht“ zu sein (Hoheslied 3,8).
  • Sie orientiert sich an den Erfordernissen des Dienstes in Grenzsituationen, unter Gefahr und im Angesicht von Risiken. Ihr Inhalt ist die immer weiterreichende Indienststellung des eigenen Lebens und der Aufbau und die Pflege von entsprechender Tauglichkeit. Ihr zu folgen ist damit verbunden, Herausforderungen aktiv zu suchen, auf sie zuzugehen und auf den Ruf Gottes zu antworten: „Hier bin ich, sende mich!“ (Jesaja 6,8)

Das Streben des Menschen zum Ewigen und Erhabenen führt zu unterschiedlichen Antworten und Ansätzen, was diese Nachfolge Lebensgestaltung aus dem Glauben angeht. Eine Spiritualität ist in diesem Zusammenhang ein bestimmter Weg, das eigene Leben und Handeln aus dem Glauben heraus und in Übereinstimmung mit den Anforderungen zu gestalten, die Gott daran stellt. Es geht darum, einen konkreten Weg zu beschreiben, wie Jesus Christus, der „sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm […] und gehorsam wurde bis in den Tod“ (Phil 2,7-8) dienend nachgefolgt werden kann, um die Bestimmung des Menschen zu erfüllen.

In ihrer  Spiritualität verwirklicht und beweist sich eine Religion und wird in ihr erfahrbar und zugänglich. Sie umfasst dabei die bewusste Gestaltung aller Bereiche des eigenen Lebens in Bezug auf das Transzendente.

Im Zusammenhang mit der Suche nach einer Spiritualität des schützenden, bewahrenden Dienstes wurden bislang die nachstehend aufgeführten Themen behandelt. Alle zu den Themen Glaube und Ethos erschienenen Beiträge können hier abgerufen werden.

2. Das Streben des Menschen zum Ewigen und Erhabenen

Das Streben nach dem Wahren, Guten und Schönen sowie die Suche nach dem Absoluten, Ewigen, Uralten und Heiligen und nach Dingen und Aufgaben, die größer und wichtiger sind als die eigene Person, sind in der Seele des Menschen angelegt. Dieses Streben, das den Menschen über sich hinausweist, ist eine seiner besten Eigenschaften und gehört zu den Dingen, die ihn wesentlich ausmachen.

Die damit verbundenen großen Fragen nach der geistigen Beschaffenheit der Welt und der Rolle des Menschen darin sind nur religiös zu beantworten. Sie führen und führten Menschen zu allen Zeiten und in allen Kulturen zur Suche nach Gott. Diese Suche ist zudem die treibende Kraft hinter aller großen Werken des Menschen und allen Hochkulturen. In der Welt des Glaubens gibt es nichts Banales und Bedeutungsloses.

Die mit dieser Suche verbundene Sehnsucht ist so tief im Menschen verankert wie es sonst nur Impulse sind, die für sein physisches Überleben notwendig sind. Dass es auf diese Sehnsucht keine materielle Antwort gibt belegt, dass der Mensch nicht nur ein materielles Wesen ist.

Materielle Dinge können von dieser Suche ablenken oder die dahinterstehende Sehnsucht betäuben, wie es bei ungeistigen Menschen zu beobachten ist. Diese Dinge können jedoch nicht das Ziel der Suche ersetzen. Materialistische Ideologien ähneln Ersatzreligionen, die keine Antworten auf die großen Fragen geben, sondern die Fragen für illegitim erklären und den betrügen den Menschen indem sie behaupten, dass es keine große Fragen gäbe. Sie führen den Menschen auf falsche Wege, indem sie behaupten, dass die wichtigen Fragen des Menschen sich auf die nach der Befriedigung seiner materiellen Bedürfnisse und Leidenschaften beschränken. Sie leugnen zudem den Menschen, indem sie seine Würde leugnen und das, was ihn vom Tier unterscheidet.

Menschen brauchen das Streben zum Transzendenten zudem, um über die niedrigen Aspekte ihrer Seele hinauszuwachsen. Ein Leben, das nicht von etwas ausgeht das höher ist als es selbst, muss scheitern.

Denn nichts Endliches, nicht die ganze Welt kann eine Menschenseele befriedigen, in der das Bedürfnis nach dem Ewigen sich regt.

Sören Kierkegaard

3. Das vertikale Weltbild und die hierarchische Ordnung des Kosmos

3.1 Materielle und immaterielle Wirklichkeit

Die meisten bedeutenden Religionen gehen von ähnlichen Annahmen und Beobachtungen über die Wirklichkeit aus wie das Christentum. So teilen sie etwa die Annahme, dass die Wirklichkeit nicht nur eine materielle sondern auch eine geistige Dimension umfasse, und dass die materielle von der geistige Dimension abhängig und ihr bedeutungsmäßig untergeordnet sei.

Die geistige Dimension der Wirklichkeit wird als vertikal und hierarchisch geordnet verstanden und davon ausgegangen, dass sich an ihrer Spitze ein für den Menschen physisch nicht wahrnehmbares höchtes Element befinde, das den Maßstab aller für das Leben des Menschen entscheidenden geistigen Dinge und des Wahren, Guten und Schönen darstelle, und das mit dem Gott der jeweiligen Religion identisch ist.

Der Mensch verfüge über eine Seele, die Teil dieser geistigen Dimension sei, weshalb sein Leben nicht nur in der materiellen Welt stattfinde. Für den Menschen geht es in allen Religionen darum, sein Leben im richtigen Verhältnis zu Gott zu gestalten.

Die nahezu universelle Verbreitung dieses Weltbildes deutet darauf hin, dass es der Mensch naturgemäß auf seine Erkennung angelegt ist und dieses auf Wahrheiten beruht, die unabhängig von der Wahrnehmung des Menschen existieren. Auch die Existenz des freien Willens, der auf Grundlage eines materialistischen Weltbildes nicht erklärbar ist, ist legt nahe, dass die Wirklichkeit auch einen immateriellen Teil umfast.

3.2 Der überzeitliche Kampf in der Welt

Viele Religionen teilen auch die Annahme und Beobachtung, dass es in dieser geistigen Welt einen Konflikt gebe, in dem geistige Gegenkräfte Gott und die Ordnung, an deren Spitze er steht, herausfordern. Die Fronten dieses Konflikts, der auch auf die zeitliche Welt übergreift, verlaufen dabei durch die Seelen der Menschen

4. Jesus Christus: Der Weg, die Wahrheit und das Leben

Die Herrlichkeit des Herrn (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Jesus Christus ruft zur Nachfolge auf. Alle Menschen sind dazu aufgerufen, es ihm gleichzutun, der „sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm […] und gehorsam wurde bis in den Tod“ (Phil 2,7-8).

Ihr wisst, dass diejenigen, welche als Herrscher der Heidenvölker gelten, sie unterdrücken, und dass ihre Großen Gewalt über sie ausüben. Unter euch aber soll es nicht so sein, sondern wer unter euch groß werden will, der sei euer Diener, und wer von euch der Erste werden will, der sei aller Knecht. Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

Jesus Christus nach Markus 10, 42-45

5. Der Dienst als Berufung des Menschen

Die Würde des Menschen liegt darin begründet, dass er dazu berufen ist, am Aufbau des Reiches Gottes und am überzeitlichen Kampf mitzuwirken. Der Mensch ist nicht nur passiv der Materie unterworfen, sondern kann in den Dienst Gottes treten und zu seinem Mitarbeiter werden. Jesus Christus berief dazu Apostel in seinen Dienst und sandte sie aus.

Dienende Menschen sind gemäß der biblischen Bilder das „Licht der Welt“ und das „Salz der Erde“, die wie ein Sauerteig in der Welt wirken.

Dienen kann nur wer liebt und anerkennt, dass es etwas wichtigeres gibt als ihn selbst, und der seine eigenen Interessen dem nachordnet. Ein dienendes Leben unterscheidet sich somit deutlich von einem individualistischen und materialistischen Leben, das den eigenen Erfolg oder das eigene Wohlergehen zum Ziel hat. Der Gegensatz zwischen diesen Lebenswegen kann nicht genug betont werden.

Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!

Jesaja 6,8

Die Annahme der Berufung zum Dienst befreit den Menschen aus dem Gefängnis seines Egoismus. Ein dienendes Leben gibt mehr als es nimmt, legt sich härtere Pflichten auf, übernimmt größere Verantwortung und bringt größere Opfer.

Der christliche Weg ist kein leichter Weg. Er stößt zudem bei vielen Menschen auf Ablehnung, die sich dadurch provoziert fühlen, dass Christen sich dem Weg dieser Welt nicht unterwerfen wollen und nicht für ihre Leidenschaften leben.

Das Christentum hat über die Jahrhunderte eine Kultur geschaffen, deren Mittelpunkt der Dienst ist.

5.1 Der Dienst als Erfüllung des Lebens

Im Buch Jesaja findet sich diese Beschreibung des dienenden Lebens:

Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag. Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt. Deine Leute bauen die uralten Trümmerstätten wieder auf, die Grundmauern aus der Zeit vergangener Generationen stellst du wieder her. Man nennt dich den Maurer, der die Risse ausbessert, den, der die Ruinen wieder bewohnbar macht.

Jesaja 58, 8-12

6. Der schützende und bewahrende Dienst

Es gibt viele unterschiedliche Wege, auf die Berufung zum Dienst zu antworten. Jeder Mensch muss seine Berufung erkennen, und eine davon kann die zum schützenden und bewahrenden Dienst sein.

6.1 Die Heiligung der Arbeit und die Heiligung des schützenden Dienstes

Der hl. Josemaria Escriva formulierte im frühen 20. Jahrhundert eine Laienspiritualität, welche die Heiligung der Arbeit zum Inhalt hatte. Er ging dabei auch von der Erkenntnis aus, dass nicht nur Priester und Mönche dazu berufen sind, ein geheiligtes Leben zu führen, sondern alle Menschen.

Auch Berufungen im Zusammenhang mit dem schützenden Dienst können in diesem Sinne aus dem Glauben heraus gestaltet werden. Das christliche Rittertum, das ein geheiligtes Leben nicht in der Abwendung von der Welt sondern in der Erfüllung eines Auftrages in ihr anstrebte, ging bereits von diesem Ansatz aus.

6.2 Der schützende und bewahrende Dienst als christlicher Auftrag

Der schützende und bewahrende Dienst des Christen kann Menschen in Not, dem christlichen Erbe und dem Gemeinwesen dienen.

Der christliche Auftrag zum Schutz der Schwachen

Der schützende Dienst des Christen gilt vor allem den Menschen in Not, die sich nicht selbst schützen können. Lactantius, einer der Kirchenväter, betonte, dass zu den helfenden Werken des Christentums auch gehöre, die Unterdrückten zu befreien, die Waisen zu verteidigen und die Witwen zu schützen.

Der christliche Auftrag zur Bewahrung des christlichen Erbes

Alles, was in der Welt Wert besitzt, wuchs aus der Bindung des Menschen an die höchsten Dinge, die über dem Menschen stehen. Das Christentum und alles Wahre, Gute und Schöne werden bedroht und herausgefordert bleiben, solange es diese Welt gibt. Es besteht nur deshalb fort, weil sich in jeder Generation Menschen fanden, die den damit verbundenen Auftrag annahmen, ihr Leben in den Dienst stellten, an die Grenzen gingen, die im Heiligen wurzelnde Ordnung auch unter den härtesten Bedingungen und in den schwierigsten Umfeldern errichteten und sie gegen die unablässig angreifenden Kräfte des Chaos unter großen Opfern behaupteten.

Der schützende und bewahrende Dienst am dabei geschaffenen Erbe gehört zu den größten Aufgaben, denen sich ein Mensch stellen kann. Das Versagen einer einzigen Generation würde ausreichen, dieses Erbe für immer zu beenden.

G.K. Chesterton beschrieb die Kirche als Trägerin und Hüterin dieses Erbes und seiner kulturellen Kontinuität. Der Glaube war dabei zu allen Zeiten die heroische Gegenposition zu den Kräften der Auflösung, die Menschen Jesus Christus dienend nachfolgend auch unter scheinbar aussichtslosen Bedingungen den Kampf gegen diese aufnehmen ließ.

Der katholische Philosoph Robert Spaemann schrieb im zweiten Band seiner „Meditationen eines Christen“ auch über christliche Identität und ihre Weitergabe durch „heilige Erzählungen“. Diese würden nicht nur Inhalte der Bibel umfassen, sondern auch die Traditionsbestände der ersten zwei Jahrtausende christlicher Geschichte umfassen. Dies gelte vor allem für die Geschichten der christlichen Heiligen und Märtyrer, von denen man lernen könne, was Nachfolge Christi bedeute, und wie vielfältig diese Nachfolge aussehen könne. Auch der „tausendjährige Abwehrkampf der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus“, also schützender Dienst, sei so eine Form der Nachfolge.

Menschen wie der im Alten Testament beschriebene Nehemia übernahmen aus dem Glauben heraus in schwieriger Zeit Verantwortung, erneuerten und bewachten die schützenden Mauern der heiligen Stadt und traten dem Verfall in ihrem  inneren entgegen, damit sie nicht von seinen Gegnern überwältigt wurde. Wo es an solchen Menschen mangelt, sind Not und Chaos die Folgen. Wo sie hingegen hervortreten, entfaltet sich das Reich Gottes in Räumen der Ordnung, des Lebens, der Kultur und des Friedens.

Der katholische Theologe Romano Guardini beschrieb in seinem Werk „Das Ende der Neuzeit“ die besonderen spirituellen Herausforderungen, die mit der Krise Europas verbunden seien. Tapferkeit, „die sich dem heraufdrohenden Chaos entgegenstellt“, beschrieb er dabei als eine zentrale Eigenschaft einer dieser Lage gerecht werdenden Spiritualität. Sie habe gegen „den universellen Feind, das im Menschenwerk selbst aufsteigende Chaos zu bestehen“ und dabei „die Öffentlichkeit, die in Parolen und Organisationen verdichtete Unwahrheit“ gegen sich.

Der christliche Auftrag zur Bewahrung, zum Schutz und zur Verteidigung des Gemeinwesens

Jedes dauerhafte Gemeinwesen brauche Menschen, die sich schützend, bewahrend und verteidigend für es einsetzen.

Der katholische Philosoph Josef Pieper sprach im Zusammenhang mit den Taten der Männer des 20. Juli 1944 von den „unsichtbaren Fundamenten“, derer es bedarf, „damit das Leben eines Volkes gesund oder doch der Gesundung fähig bleibt“, sowie von „Opferhandlungen“, von denen sich „das wahrhafte Leben eines Volkes nährt“:

In ihnen allein bleibt, wenn das Unrecht regiert, unvergessen, was Gerechtigkeit ist. Indem sie sich opfert, ergreift und übt die wahre Elite das natürliche, von den tatsächlichen Machthabern verratene Amt echter Herrschaft: Sorge zu tragen für die Gerechtigkeit.

Der Theologe Romano Guardini sprach davon, dasss christliche Weltanschauung ein Konzept von Macht hervorgebracht habe, das diese als „dienende Stärke definiere:

Es gibt aber noch eine andere Form, wie Macht geübt wird, nämlich die des Dienstes. Damit ist nicht die Unterordnung des Schwächeren gemeint; dieser Dienst ist im Gegenteil Sache der Stärke, die sich für das Leben verantwortlich fühlt – für alles das, was Leben heißt: Mensch, Volk, Kultur, Ordnung des Landes und der Erde.

Dieses Machtverständnis könne jedoch nicht auf Grundlage modernen, säkularen Denkens entstehen, da es von der Legitimation politischen Handelns durch einen göttlichen Auftrag ausgehe, in dessen Rahmen der Dienst ausgeübt werde, und an dem er sich zu messen habe. Die politischen Eliten, die das künftige Europa schaffen, sollten dies in Abgrenzung von den Entwürfen der Moderne auf Grundlage des Gedankens der „dienenden Stärke“ tun:

Dienende Stärke, die will, dass die Dinge der Erde wieder Recht werden. In dieser Form der Machtübung ist kein Glanz, keine Erhabenheit, sondern schlichte Sachlichkeit.

In seinem Text „Die Waage des Daseins“, in dem sich Guardini sich mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus auseinandersetzte, schrieb er zudem dass es eine tätige Form des Dienens gebe, die Nöte bewältige und in ihnen Rettung bewirke, Ordnung schaffe oder Recht begründe. Dieser Dienst verlange besondere Tugenden, etwa“ Mut, der den geschützten Bereich verlässt und ins Offene geht, weil er einen Ruf vernimmt“ oder „Bereitschaft, die sich dem zur Verfügung stellt, was noch nicht ist, aber werden soll.“

Helmuth James Graf von Moltke, einer der Männer des 20. Juli, wies die Behauptung zurück, dass dieser schützende und bewahrende Dienst ohne Glaube an Gott möglich sei:

Der Grad von Gefährdung und Opferbereitschaft, der heute von uns verlangt wird, setzt mehr als gute ethische Prinzipien voraus.

Während das Christentum von Anfang an den Dienst von Soldaten und Polizisten zum Schutz des Gemeinwesens grundsätzlich befürwortete, dienten Christen in der Frühzeit der Religion selbst nicht in den Streitkräften des Römischen Reiches. Der Grund dafür war, dass dies einen Eid auf den sich als Gott verstehenden Kaiser erfordert hätte, was für Christen eine Gehorsamsverweigerung gegenüber dem tatsächlichen Gott bedeutet hätte.

Dies änderte sich mit dem Wandel des Selbstverständnisses des Kaisertums und des Römischen Reiches im Zuge seiner Christianisierung. Christen übernahmen von da an die Aufgabe der Verteidigung dieses Reiches, und der hl. Augustinus entwickelte seine Lehre des gerechten Krieges.

6.3 Die christliche Berufung zum schützenden Dienst

Die Vorstellung einer christlichen Berufung zum schützenden Dienst entstand vermutlich im 9. Jahrhundert. Haimon von Auxerre formulierte damals den Gedanken, dass eine gute christliche Gesellschaft Menschen umfassen müsse, die jeweils beteten, kämpften und arbeiteten. Dieser Gedanke wurde durch Bischof Gerhard von Cambrai in einer um 1020 entstandenen Schrift übernommen. Ebenfalls um das Jahr 1020 beschrieb Bischof Adalbero von Laon das Haus Gottes, das aus diesen drei Berufungen bestehe. Die Last aller laste dabei auf dem Amt eines einzigen, und jeder trage dazu bei die Last aller zu tragen.

In der von Romano Guardini beschriebenen christlichen Weltanschauung ist der Lebensbereich des Mannes der „ritterliche Dienst“ an Gott und am Nächsten.

Wer dient, sagt: Ich bin nicht für mein Behagen da, sondern für einen Menschen oder eine Sache, oder für eine Aufgabe. […] Der Knecht dient, weil er einen Lohn will, oder weil er gezwungen wird. Der Ritterliche dient, weil es einer großen Sache gilt, unabhängig von Vorteil und Zweck. Daß die Sache siege, das ist sein Wille. Er dient nicht gezwungen, sondern aus freier Hingabe.

Der Dienst des christlichen Mannes sei Dienst am Heiligen, also an Gott. Zugleich sei er ein Dienst an denen, die schutzbedürftig seien.

Ritterlichen Dienst schuldet der Mann den Schwachen. Er schützt sie vor Not und äußeren Gefahren; schützt ihre Ehre und ihren guten Namen. Der ritterliche Mensch schlägt sich unwillkürlich auf die Seite des Bedrohten, des Schwächeren, des Unterliegenden. Edelster Ritterdienst gebührt dem Heiligen, das ist Gott und sein Reich.

Im Zusammenhang mit Terroranschlägen oder vergleichbaren Taten, bei denen zahlreiche Zivilisten getötet werden, wird häufig die Frage gestellt, wie diese aus christlicher Perspektive zu bewerten sind. Dabei wird das Geschehen teilweise zum Anlass genommen, an der Existenz Gottes zu zweifeln, von dem erwartet wird, dass er solches Geschehen verhindere. Das Christentum verspricht aber keine sichere Welt, sondern stellt dem Menschen in Aussicht, durch die Annahme der Berufung zum selbstlosen Dienst am Nächsten und damit verbundene Opfer Gott näher zu kommen.

Das Christentum nimmt das Geschehen in der Welt als Ausdruck eines überzeitlichen Kampfes zwischen Gott und ihm widerstrebenden Kräften wahr, dessen Fronten durch die Seelen der Menschen verlaufen. Die gleiche Willensfreiheit, die den Menschen Gott ähnlich macht, ermöglicht es vor dem Hintergrund menschlicher Schwäche, dass der Wille des Menschen durch das Böse korrumpiert wird, wie es bei islamistischen Terroristen geschieht.

Den korrumpierten, Gott zurückweisenden Seelen der Mörder und Terroristen stehen in diesem in die zeitliche Welt hineinreichenden Kampf die Seelen derjenigen gegenüber, die dem Ruf zum Dienst folgen, sich in den Dienst nehmen lassen, den Kampf zum Schutz des Nächsten aufnehmen und der Gefahr entgegentreten, wo andere fliehen oder zurückweichen. Bei diesen Menschen kann es sich um Rettungssanitäter, Feuerwehrmänner, Polizisten, Soldaten oder andere Personen handeln.

Indem sie das Leben anderer höher achten als ihr eigenes und sich in den Dienst stellten, folgten sie Jesus Christus nach.

Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen. Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war […] [E]r entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.

Philipper 2, 2-8

Mit dem Hervortreten dieser Menschen ist auch eine andere starke Botschaft verbunden, denn im modernen, die Optimierung des eigenen Vorteils und des eigenen Wohlergehens anstrebenden Denken, müsste ihr Handeln als absurd bewertet werden. Da die Größe des Handelns solcher Menschen jedoch offensichtlich ist, widerlegen sie durch dieses Handeln modernes Denken, das solche Taten weder verstehen und begründen noch hervorbringen kann.

Das Phänomen des Hervortretens von Menschen, die zum Schutz anderer ihr eigenen Leben einsetzen und häufig dabei auch verlieren, tritt dabei kultur- und religionsübergreifend auf, wie das Beispiel der Südkoreanerin Park Jee Young als eines von vielen zeigt. Es handelt sich dabei also offenbar nicht nur um ein christliches Phänomen. Die Besonderheit des Christentums ist es, dass die sich aufopfernde Form der Liebe und der Dienst am Nächsten unter Einsatz und Aufgabe des eigenen Lebens das Zentrum seiner Religion bilden.

Wie in keiner anderen Religion findet man im Christentum daher eine Tradition und eine Sammlung von Methoden, welche die Seele des Menschen Gott näher bringen und sie über die Grenzen der körperlichen Natur und des Strebens nach Selbsterhalt heraustreten lassen können. Raymond Kardinal Burke sprach daher vom Christentum als einer heroischen Religion.

Militärpsychologe Dave Grossman: Das Phänomen der Berufung zum Kampf

Der amerikanische Militärpsychologe Oberstleutnant Dave Grossman sprach vom Phänomen der „Berufung zum Kampf“. Er habe in seiner Arbeit beobachtet, dass Menschen sehr unterschiedlich auf Bedrohung und Gefahr reagieren würden. Während die meisten Menschen unter solchen Bedingungen handlungsunfähig würden oder die Flucht ergriffen, würde eine Minderheit anders reagieren, sich selbst vergessen und auf die Gefahr zugehen, um ihr zu begegnen. Diese Menschen würden eine Reihe von besonderen Eigenschaften aufweisen:

Er lebt nach einer Regel […]. Seine Regel im Frieden ist die gleiche wie im militärischen Dienst: Tue Deine Pflicht, schütze die Schwachen, schütze die Gemeinschaft, trete dem Aggressor entgegen, stehe aufrecht, denke voraus, sei bereit, sei treu, vermeide es selbst aggressiv zu sein solange es möglich ist und falls nicht, dann kämpfe um zu siegen. […] Die Geschichte kennt tausende militärische Regeln, aber ich glaube, dass sie alle einige Kernaussagen teilen: Lebe ehrenhaft, und lasse deinen Tod nicht von Sargträgern namens Schande, Grausamkeit, Schwäche und Angst begleitet werden.

 

Herr, den ganzen Tag stehe ich auf meinem Posten, die ganze Nacht halte ich Wache.

Jesaja 21,8

Ridolfo di Arpo Guariento – Das Heer der Engel (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

6.3 Risiken einer Spritualität des schützenden Dienstes

Diese Spiritualität befasst sich mit Grenzsituationen, in denen der Mensch in besonderer Weise anfällig ist für das Wirken korruptiver Kräfte in seiner Seele. Zudem sind Ansätze einer solchen Spiritualität in der Vergangenheit durch säkulare Ideologien oder für säkulare Zwecke instrumentalisiert worden.

7. Dienst und Tauglichkeit

Um im schützenden Dienst Wirkung zu erzielen und Frucht zu bringen, ist Tauglichkeit erforderlich. Dieser Dienst  fordert den ganzen Menschen, der dafür geistig, seelisch und körperlich bereit werden und bleiben muß. Zum Auftrag der Kirche gehört es, „die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zuzurüsten“ (Epheser 4,20).

Die Ausbildung und Aufrechterhaltung dieser Tauglichkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der tätigen Spiritualität des schützenden Dienstes. Der dienende Mensch wirkt edel, hilfreich und gut in seinem Umfeld und darf keine vermeidbare Schwäche in sich dulden. Er muss sich dazu zunächst innerlich von den geistigen Auflösungstendenzen befreien, die sein Umfeld bestimmen.

Sieh da, das ist Salomos Sänfte; sechzig Helden geleiten sie, Israels Helden, alle vertraut mit dem Schwert, geschult für den Kampf; jeder trägt sein Schwert an der Hüfte gegen die Schrecken der Nacht.

Hoheslied 3,8

Ein dienendes Leben befindet sich in ständiger Spannung mit den ungeordneten Teilen der eigenen Seele und den korrumpierenden Kräften, die darin wirken. Ein diszipliniertes Leben nach den von Jesus Christus aufgestellten evangelischen Räten (Lösung der Bindung an materielle Dinge bzw. Armut, Unterwerfung des Körpers unter den Willen bzw. Keuschheit sowie die Ausrichtung an einer Lebensregel bzw. Gehorsam) wirkt dem Einfluss dieser korrumpierenden Kräfte entgegen und öffnet die Seele für das Wirken Gottes.

Tauglichkeit ist zudem eine der Grundlagen der Tugend der Tapferkeit, denn nur dazu in der Lage ist, einer Herausforderung gegenüber zu treten, wird dies auch mit der nötigen Entschlossenheit tun können.

Platons Gedanken über die Ausbildung des Wächterstandes

Platon beschreibt in seinem Werk „Der Staat“ einen Wächterstand, der den Auftrag habe, das Gemeinwesen zu schützen und seine „Philosophenherrscher“ hervorzubringen. Wegen der Bedeutung dieses Auftrages, aber auch wegen der Gefahr des Missbrauchs der damit verbundenen Macht, geht Platon besonders auf die Ausbildung der Wächter ein, bei der es vor allem um den Aufbau von männlicher Tugend gehe im Sinne körperlicher, geistiger und charakterlicher Tauglichkeit und die Formung der Seele gehe.

Christlicher Humanismus: Der Dienst fordert den ganzen Menschen

Der Humanist und Universalgelehrte Enea Sylvio Piccolomini trat nach der Eroberung Konstantinopels und der Vernichtung des Byzantinischen Reiches durch die Osmanen im Jahre 1453 sein Amt als Papst Pius II. an. Vor dem Hintergrund der Bedrohung Europas entwickelte er ein humanistisches Bildungsprogramm, das Adelige dazu befähigen sollte, den mit der osmanischen Bedrohung verbundenen Herausforderungen entgegenzutreten. Die Bewältigung dieser existenziellen Bedrohung würde ihm zufolge den vollständigen Einsatz des Menschen fordern, weshalb bei den Verteidigern Europas alle Fähigkeiten entsprechend entwickelt werden müssten.

Seine Gedanken dazu hat er in seiner um 1450 entstandenen Schrift mit dem Titel „De Librorum Educatione“ festgehalten. Diese enthält ein umfassendes Bildungsprogramm für die Adligen, die für die Verteidigung Europas und des Christentums tauglich gemacht werden sollten.

  • Der Autor betont die Gleichwertigkeit von geistiger und körperlicher Bildung bzw. Ausbildung sowie die Bedeutung der Bildung des Charakters. An den Erfordernissen der Verteidigung Europas ausgerichtete Bildung entwickele alle diese Aspekte im Menschen.
  • Weiterhin fordert der Autor als Bildungsziel die Entwicklung einer von Vulgarität freien, von Selbstkontrolle und Würde geprägten Haltung sowie die Herausbildung einer an den Anforderungen des militärischen Dienstes ausgerichteten Belastbarkeit und Härte durch asketische Lebensführung.
  • Die Entwicklung des Charakters erfordere insbesondere das Studium der Philosophie, die sich mit dem Wesen der Tugenden auseinandersetze und die eigenen Pflichten gegenüber Gott, den Vorfahren und dem Gemeinwesen besser erkennen lasse.
  • Das Studium der Geschichte entwickele durch Vermittlung der Erfahrungen früherer Generationen die Fähigkeit, bessere Entscheidungen zu treffen. Das Studium der Werke der Antike wie die Ilias würden außerdem heroischen Geist vermitteln.
  • Darüber hinaus sollten das Studium der Rhetorik, Logik und Mathematik die Fähigkeit des Denkens schulen und  Fremdsprachen, Naturwissenschaft und Technik wegen ihrer praktischen Anwendungen gelehrt werden.

Dieses Programm und seine Nachfolger wirkten über Jahrhunderte nach und prägen die Identität der kulturtragenden Eliten Europas bis in die Gegenwart. Denen, die sich auf das humanistische Erbe Europas berufen, ist dabei oft nicht bekannt, dass es seinen Ursprung auch in christlichen Anstrengungen zur Verteidigung Europas hat.

7.1 Die Tugenden des schützenden Dienstes

Tugenden sind Fertigkeiten des dienenden Lebens, die alle Kräfte des Menschen in den Dienst stellen, und die der Mensch durch Einübung entwickeln stärken kann.

Das Christentum geht in Anknüpfung an die Philosophie der griechischen Antike von vier Kardinaltugenden aus, denen wiederum Untertugenden zugeordnet sind. Im Rahmen der Spiritualität des schützenden Dienstes werden diese auf eine bestimmte Weise betont und interpretiert.

Die Kardinaltugenden

Die christlichen Kardinaltugenden werden meist als Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung angegeben. Der katholische Philosoph Josef Pieper wies darauf hin, dass normsetzende Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch aufgrund von stetigem Bedeutungswandel rasch ihren ursprünglichen Sinn verlieren, weshalb die Kardinaltugenden hier im Sinne ihres ursprünglichen Inhalts benannt werden.

  • Klugheit: Die Klugheit ist die höchste Kardinaltugend und beinhaltet die Fähigkeit, die Wirklichkeit, die eigene Lage und das Gute zu erkennen, um ihnen entsprechend handeln zu können. Klugkeit ist somit im Wesentlichen identisch mit nüchternem Wirklichkeitssinn.
  • Gerechtigkeit: Diese Kardinaltugend der Gerechtigkeit beinhaltet die Verpflichtung darauf, dass durch die Klugheit erkannte Gute in der Welt zu verwirklichen sowie die Verpflichtung des Handelns sowohl des einzelnen als auch der Gemeinschaft auf das Gemeinwohl.
  • Tapferkeit: Diese der Kardinaltugend beschreibt die Fähigkeit, unter den Bedingungen von Risiko und Gefahr und gegen Widerstand das Richtige zu tun und das Gute zu verwirklichen.
  • Disziplin: Diese entspricht der Kardinaltugend der Mäßigung und ist die Fähigkeit, die eigenen Neigungen und Triebe der Herrschaft des von Klugheit geleiteten Willens und Verstandes zu unterwerfen.

Sonstige Tugenden

  • Ehre
  • Treue: Treue ist die Tugend des Festhaltens am eigenen Auftrag und am eigenen Wort sowie der Kontinuität beim Ausüben der eigenen Pflicht im Gehorsam gegenüber Gott. Ein moderner Begriff für Treue ist „Integrität“.

7.2 Körperliche Tauglichkeit

In den Satzungen des Jesuitenordens heißt es:

Wie eine übertriebene Sorge in dem, was den Leib betrifft, zu tadeln ist, ebenso ist die gebührende Wachsamkeit, die darauf schaut, wie die Gesundheit und die Körperkräfte für den Göttlichen Dienst erhalten werden, zu loben und muß von allen beachtet werden.

8. Die dienende Gemeinschaft

Wirkung erzielen, Frucht bringen und Tauglichkeit aufbauen kann der im Dienst stehende Menschen am besten als Teil einer Gemeinschaft. In einer Gemeinschaft, in der alle dienen wollen und ihren Stärken gemäß eingesetzt werden, erweitern sich die Stärken des einzelnen und verbinden sich mit denen der anderen zu einer neuen Kraft.

Gemeinschaft kann auf freiwillig eingegangener Freundschaft oder, etwa in Streitkräften und der Polizei, auf dienstlichen Erfordernissen und Kameradschaft beruhen. Gemeinschaft wächst durch die Erfahrung gemeinsam bewältigter Herausforderungen an einem höhere Ziel, und vor dem individuelle Unterschiede und Ansrüche kleiner werden.

Aristoteles beschreibt die gegenseitige Unterstützung und das gemeinsame charakterliche Wachstum als den Inhalt von guter Freundschaft und Kameradschaft. Falsche Freunde und Kameraden hingegen würden sich in ihren Schwächen bestätigen und gemeinsam auf ein tieferes Niveau hinabsinken.