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Stand: 21.04.2018

Auf dieser Seite werden Impulse zur Identität des christliches Mannes und zu Fragen eines resilienten christlichen Lebensstils gesammelt. Die Seite befindet sich noch in einem frühen Entwurfsstadium.

Unsere Absicht ist es, auf der Grundlage der christlichen Spiritualität des schützenden und bewahrenden Dienstes und unter Rückgriff auf zwei Jahrtausenden christlicher Traditionen ein Körper, Geist und Seele umfassendes integriertes Bildungsprogramm für Männer zu erarbeiteten, dass diese dazu befähigen und stärken soll, als Christen Verantwortung zu übernehmen und ihren Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen auch unter erschwerten Bedingungen zu verrichten.

  • Der römische Dichter Ennius hatte beobachtet, dass „Sitte und Männer von alter Art“ Gemeinwesen schaffen und erhalten würden. Wo es an dienstbereiten und -tauglichen Männern fehlt, zerfällt ein Gemeinwesen, und schwere Zeiten sind die Folge. Der christliche Dienst am Nächsten kann auch darin bestehen, sein eigenes Leben so zu gestalten, dass es gerade in solchen Zeiten zu einer Stütze des Gemeinwesens wird.
  • Unser Programm soll insbesondere auch solche Männer, die modernen und säkularen Lebensstilen oder denen fremder Kulturen und Religionen folgen, dabei unterstützen, die damit verbundenen kulturelle Fehlanpassungen im eigenen Leben zu überwinden. Zudem soll dieses Programm zur Erneuerung kultureller Substanz beitragen und es auch außerhalb der christlichen Tradition stehenden Männern ermöglichen, in diese hineinzuwachsen.
  • Dazu erschließt die entsprechende Arbeitsgruppe des Bundes Sankt Michael Erfolgsbeispiele des Lebens als christlicher Mann und bereitet sie so auf, dass sie in das eigene Leben integriert werden können. Das zu entwickelnde Programm knüpft dabei an bis auf die griechische Antike zurückgehende traditionelle Bildungskonzepte für Männer bzw. Konzepte resilienter männlicher Lebensführung an, die innerhalb traditionsreicher Familien, an bestimmten Internaten, an Militärakademien sowie als Teil der Fürstenerziehung über Jahrhunderte entwickelt und gepflegt wurden.

Ein ähnliches Konzept findet sich außerhalb christlicher Kultur etwa den Gedanken Platons über das Ethos und die Formung des Wächterstandes, aber auch im japanischen Budo („Militärweg“), der ein alle Aspekte des Menschen umfassendes Bildungs- und Ausbildungssystem für den Dienst des Mannes am Gemeinwesen darstellt.

1. Die Berufung des Mannes

Die Berufung des christlichen Mannes ist es zu dienen, Verantwortung für die ihm anvertrauten Menschen und Dinge zu übernehmen, sie zu schützen und, wenn erforderlich, Opfer für sie zu bringen. Dazu kann auch das Opfer des eigenen Lebens gehören, so wie es Jesus Christus vorgelebt hat.

Der Mann ist dazu berufen energisch nach großen Dingen zu streben, Risiken einzugehen und die Herausforderung zu suchen. Als Ehemann und Vater ist der christliche Mann der Beschützer und Versorger seiner Familie. Als Mitglied eines Gemeinwesens gibt der Mann mehr als er nimmt und trägt unter anderem durch den Dienst als Soldat zu seinem Schutz bei.

Der Mann muß geformt werden. Um seiner Berufung folgen zu können, muss der Mann alle in ihm angelegten Fähigkeiten so gut entwickeln wie es geht. Die Ehre eines Mannes hängt davon ab, wie gut ihm dies gelingt und in welchem Maß er in seiner Berufung erfolgreich ist.

Wenn es Männer verweigern, ihrer Berufung zu folgen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Rolle einzunehmen, zerfällt eine Gesellschaft. Die Verweigerung, der Berufung als Mann zu folgen, kann sich sowohl im Mißbrauch der eigenen Kraft als auch in selbstgewälter Schwäche und Weichheit äußern.

2. Charakterbildung

2.1 Die Tugenden des Mannes

Tugenden sind Eigenschaften, die der Mann zur Ausübung seines Dienstes benötigt und die er durch Einübung entwickeln stärken kann. Sie sind außerdem durch Einübung gewonnene Neigungen zu gutem Handeln und stellen das Ziel im Streben nach Vollkommenheit dar. Tugenden sind die charakterlichen Eigenschaften die, wenn sie in ihrer Gesamtheit praktiziert werden, zum Dienst tauglich machen. Ihren Wert gewinnen die Tugenden erst durch ihre Bindung an Gott und die sich daraus ergebenden Pflichten.

Das Maß der Tugend bestimmt die charakterliche Höhe eines Menschen. Charakter ist das einzige unveräußerliche Eigentum. Charakter ist innere Haltung und nicht nur das Befolgen von Regeln. Man kann Charakter nicht kaufen, nur durch das ständige Einüben von Tugend in Form von zahllosen Entscheidungen gegen seine niedrigere Natur erarbeiten oder freiwillig aufgeben.  In der Krise beweist sich der Charakter.

Das Wesen der Tugend kann an einem Beispiel illustriert werden: Die wichtigste Tugend des Messers ist seine Schärfe, weil diese Eigenschaft ausschlaggebend dafür ist, dass es den in seiner Natur angelegten Dienst erfüllen kann zu schneiden.

Der Aufbau von Tugend ist ein langer, niemals abgeschlossener Weg. der ständige Übung beinhaltet. Diese ist erforderlich, damit man bereit ist, wenn der eigene Dienst gefordert wird.

Das Christentum geht in Anknüpfung an die Philosophie der griechischen Antike von vier Kardinaltugenden aus, denen wiederum Untertugenden zugeordnet sind. Im Rahmen der Spiritualität des schützenden Dienstes werden diese auf eine bestimmte Weise betont und interpretiert.

2.1.1 Tugend als Tauglichkeit des Mannes zum Dienst

Die christliche Tugendlehre stützt sich auf Impulse antiker griechischer Philosophie. Diese Philosophie ging davon aus, dass die Tugenden vor allem die Eigenschaften seien, die der Mann zur Bewältigung des Ernstfalls entwickeln müsse.

Der christliche Philosoph Josef Pieper schrieb über die Entstellung des Begriffs der Tugend in der Moderne:

So war für die Griechen Tugend, areté, die Wesensart des edel gearteten und wohlgebildeten Menschen; für die Römer bedeutete virtus die Festigkeit mit welcher der vornehme Mann in Staat und Leben stand; das Mittelalter verstand unter tugent die Art des ritterlichen Menschen. Allmählich wurde diese Tugend aber brav und nützlich, bis sie den sonderbaren Klang bekam, bei dem sich im natürlich gewachsenen Menschen innerlich etwas zusammenzieht.

Der klassische Philologe Werner Wilhelm Jaeger (1888-1961) hatte in seinem Hauptwerk „Paideia – Die Formung des griechischen Menschen“ betont, dass Tugend (altgr. arete, lat. virtus) im Verständnis antiker griechischer Philosphie gleichbedeutend mit umfassender, charakterlicher und köperlicher soldatischer Mannhaftigkeit gewesen sei. Tugend sei die Tauglichkeit zu einem guten Zweck arete sei die Bezeichnung „des höchsten ritterlichen Mannesideals mit seiner Verbindung von höfisch vornehmer Sitte und kriegerischem Heldentum“. Erst der über diese Tugenden verfügende Mann verfüge auch über Männlichkeit (altgr. andreia).

Der hl. Apostel Paulus, der von hellenischer Kultur geprägt war, ging von dem von Jaeger beschriebenen Tugendverständnis aus und verwendete in seinen Briefen dementsprechend zahlreiche militärische und athletische Bilder zur Beschreibung der Tugenden. Auch Clemens von Alexandria und Origenes integrierten Teile des entsprechenden Verständnisses von Bildung im Sinne von paideia im 2. und 3. Jahrhundert in die Kultur des frühen Christentums.

Der hl. Thomas von Aquin, der das christliche bzw. das katholische Verständnis von Tugend maßgeblich prägte, knüpfte unmittelbar an die oben beschriebenen Gedanken der antiken griechischen Philosophie an und entwickelte sie im christlichen Sinne weiter. Im 20. Jahrhundert hatte der katholische Theologe Romano Guardini die zeitlose Gültigkeit dieser Gedanken in einem Aufsatz über die Tugenden des Mannes betont. Auch Pius X. hatte 1905 katholische Männer zu „mannhafter Tugend“ aufgerufen.

2.1.1 Der christliche Ehrbegriff und das Ideal des Ehrenmannes

Ehre ist die Anerkennung, die dem Mann gebührt, der männliche Tugend praktiziert. (Weiterlesen: Der christliche Ehrbegriff).

Das Ideal des Ehren- bzw. Edelmannes entstand im christlichen Rittertum des Mittelalters und ist eng mit der christlichen Kultur Europas verbunden. Vorläufer finden sich wie oben beschrieben in der griechischen und römischen Antike, etwa im bereits dargestellten Tugendverständnis, aber auch im römischen Konzept der mos maiorum (dt. „die Sitten der Vorfahren“). Die Anerkennung der Ehre eines Mannes und Familienvaters wurde in dessen Rahmen davon abhängig gemacht, in welchem Grad sein Leben von der Achtung der Religion und der Praxis mannhafter Tugend in schwierigen Lagen geprägt war. Auch wenn das Christentum der römischen Religion ablehnend gegenüberstand, nahm es andere Aspekte dieses Konzepts in seine Kultur auf.

Im Mittelalter stellte Geoffroi de Charny (ca. 1300-1356) in seinen Gedanken über das Rittertum den Begriff der Tauglichkeit in den Mittelpunkt. Das Ideal des christlichen Mannes sei der Edelmann (altfrz. Preudomme), der Tüchtigkeit mit Frömmigkeit vereine. Der taugliche Mann diene Gott, führe den asketischen Kampf gegen seine ungeordneten Leidenschaften, empfange die Sakramente und sei tapfer, diszipliniert, treu und kompetent. In der christlichen Auseinandersetzung mit diesem Ideal wurde im Mittelalter vor allem auf das biblische Vorbild des Judas Makkabäus verwiesen, der sowohl ein fähiger Soldat als auch ein weiser, frommer und demütiger Mann war.

Papst Pius X. knüpfte an diese Gedanken an, als er 1906 das Ideal „edler Mannhaftigkeit“ betonte. „Mannhafte Tugend“ sei neben Frömmigkeit und anderen Eigenschaften erforderlich, damit der christliche Mann für seinen Dienst am Nächsten tauglich sei.

Das Ideal des Gentleman oder auch des Offiziers in europäisch geprägten Streitkräften sind säkularisierte Formen des Ideals des christlichen Ehren- bzw. Edelmannes. Sie wirkten jedoch positiv zurück auf das christliche Ideal, wie der katholische Philosoph Nicolás Gómez Dávila betont hatte:

Dem 19. Jahrhundert gelang nur eine ethische Konstruktion großen Stils: das preußische Offizierskorps.

2.1.3 Die göttlichen Tugenden

Diese kann man nicht durch eigene Anstrengung erlangen, sondern nur als Geschenk Gottes.

  • Glaube
  • Liebe: In Form von Eros ist Liebe die Sehnsucht nach dem Guten in seiner höchsten und besten Form und somit letztlich die Sehnsucht nach Gott. In Form von Agape ist Liebe selbstloser Dienst an Gott und dem Nächsten.
  • Hoffnung
2.1.4 Die Kardinaltugenden

Die christlichen Kardinaltugenden sind Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Der katholische Philosoph Josef Pieper wies darauf hin, dass normsetzende Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch aufgrund von stetigem Bedeutungswandel rasch ihren ursprünglichen Sinn verlieren, weshalb „Mäßigung“ hier als „Disziplin“ bezeichnet wird, um dem ursprünglichen Sinn des Begriffes besser zu entsprechen.

  • Klugheit: Die Klugheit ist die höchste Kardinaltugend und beinhaltet die Fähigkeit, die Wirklichkeit, die eigene Lage und das Gute zu erkennen, um ihnen entsprechend handeln zu können. Klugkeit ist somit im Wesentlichen identisch mit nüchternem Wirklichkeitssinn.
  • Gerechtigkeit: Diese Kardinaltugend der Gerechtigkeit beinhaltet die Verpflichtung darauf, dass durch die Klugheit erkannte Gute in der Welt zu verwirklichen sowie die Verpflichtung des Handelns sowohl des einzelnen als auch der Gemeinschaft auf das Gemeinwohl.
  • Tapferkeit: Diese der Kardinaltugend beschreibt die Fähigkeit, unter den Bedingungen von Risiko und Gefahr und gegen Widerstand das Richtige zu tun und das Gute zu verwirklichen.
  • Disziplin: Diese entspricht der Kardinaltugend der Mäßigung und ist die Fähigkeit, die eigenen Neigungen und Triebe der Herrschaft des von Klugheit geleiteten Willens und Verstandes zu unterwerfen.
2.1.5 Sonstige Tugenden des Mannes

Diese sind Untertugenden der Kardinaltugenden.

  • Treue: Treue ist die Tugend des Festhaltens am eigenen Auftrag und am eigenen Wort sowie der Kontinuität beim Ausüben der eigenen Pflicht im Gehorsam gegenüber Gott. Ein moderner Begriff für Treue ist „Integrität“.
  • Härte: Der hl. Apostel Paulus rief christliche Männer dazu auf, jegliche Neigung zu unmännlicher Weichheit in sich zu bekämpfen. Weichlinge würden nicht zu den Erben des Reiches Gottes gehören.
  • Stärke: Eine Tugend des Mannes ist seine Stärke und Teil seiner Berufung ist es, stark zu werden und zu bleiben. Der hl. Apostel Paulus schrieb im Römerbrief (Röm 15,1): „Wir müssen als die Starken die Schwächen derer tragen, die schwach sind, und dürfen nicht für uns selbst leben.“
2.1.6 Die Gaben des Heiligen Geistes
  • Weisheit: Diese ist die erste der sieben Gaben des Heiligen Geistes. Sie ist tiefere Einsicht in die Wirklichkeit und das Wissen um die größeren Zusammenhänge des Lebens und der in der Welt wirkenden Kräfte. Der weise Mann sieht nicht nur die Oberfläche der Dinge und einzelne Erscheinungen, sondern das ganze Bild und die Tiefe.
  • Verstand
  • Rat
  • Stärke
  • Erkenntnis
  • Frömmigkeit
  • Gottesfurcht

2.2 Asketische Praxis und die evangelischen Räte

Ein dienendes Leben befindet sich in ständiger Spannung mit den ungeordneten Teilen der eigenen Seele und den korrumpierenden Kräften, die darin wirken. Ein diszipliniertes Leben nach den von Jesus Christus aufgestellten evangelischen Räten (Lösung der Bindung an materielle Dinge bzw. Armut, Unterwerfung des Körpers unter den Willen bzw. Keuschheit sowie die Ausrichtung an einer Lebensregel bzw. Gehorsam) wirkt dem Einfluss dieser korrumpierenden Kräfte entgegen und öffnet die Seele für das Wirken Gottes.

2.2.1 Asketische Praxis

Der Altphilologe Werner Jaeger schrieb über die Formung des griechischen Führungsnachwuchses der Antike:

Wer zum Herrscher erzogen werden soll, muß lernen, die Erfüllung dringender Pflichten der Befriedigung des körperlichen Bedürfnisses voranzustellen. Über Hunger und Durst muß er Herr sein. Er muß gewöhnt sein an kurzen Schlaf, spätes Zubettgehen und frühes Aufstehen. Arbeitsscheu darf er nicht kennen. Der Köder sinnlicher Reize darf ihn nicht verlocken. Gegen Hitze und Kälte muß er abgehärtet sein. Es darf ihm nichts ausmachen, unter freiem Himmel zu kampieren. Wer alles dies nicht kann, gehört damit zur Klasse der Beherrschten. Sokrates nennt diese Erziehung zur Enthaltsamkeit und Selbstbeherrschung mit dem griechischen Worte für Training „Askese“.

Der französische Philosoph André Glucksmann wies darauf hin, dass die Moderne einem „Gesetz der Begierde“ folge, dass sich auf „Macht, Reichtum, Frauen“ bezöge. Asketische Praxis dient dazu, den Menschen von der korrumpierenden Wirkung dieser Dinge soweit wie möglich zu befreien, damit er sich seinem eigentlichen Auftrag zuwenden und Gott besser in ihm wirken kann.

Abtötung ist die Trennung von dem, was die eigene Fähigkeit zum Dienst schwächt und von Gott fernhält. Sie ist die Aufgabe des Strebens nach den falschen Dingen und falscher Prioritäten.

Askese erlaubt es Gott den Menschen zu verwandeln und aufzurichten. Sie ist das Ausstrecken des Menschen nach Gott und formt den Menschen zu dem, was er nach dem Willen Gottes sein soll.

Im asketischen Kampf erlangt der Willen des Menschen die Herrschaft über seine Triebe, so dass der Menschen dienstfähig wird. In diesem Kampf entscheiden sich alle anderen Kämpfe. Dass dieser Kampf gelingen kann, ist ein Beweis für die Überlegenheit des Geistigen über das Materielle.

2.2.1 Die evangelischen Räte

Die  drei evangelischen Räte Armut, Keuschheit und Gehorsam sind aus dem Evangelium abgeleitete Ratschläge für ein dienendes Leben in Gemeinschaft, die in der klösterlichen Tradition entwickelt wurden. Die evangelischen Räte sind praktizierte Tugenden.

Der katholische Philosoph Josef Pieper wies darauf hin, dass normsetzende Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch aufgrund von stetigem Bedeutungswandel rasch ihren ursprünglichen Sinn verlieren. Dies gilt auch für Begriffe wie „Armut“ und „Keuschheit“, die hier daher dem gegenwärtigen Sprachgebrauch angepasst wurden.

Anspruchslosigkeit und Einfachheit in materiellen Dingen (Armut)

Armut im Sinne der evangelischen Räte ist die Verweigerung der Bindung an materielle Dinge und eine Haltung materieller Anspruchslosigkeit. Gier und ein aufwendiger Lebensstil versperren Menschen den Zugang zu Gott und zur geistigen Welt und machen Menschen abhängig und verwundbar für Not. Sie schwächen allgemein die Fähigkeit des Menschen zum Dienst an Gott und dem Nächsten. Wer nur weniger Dinge bedarf und nicht an Besitz gebunden ist oder an diesem hängt, wird dadurch hingegen zum Dienst befreit und gestärkt.

Jesus Christus forderte Menschen dazu auf, nicht an weltlichen Dingen zu hängen (1 Joh 2,15) und warnte vor den Gefahren des Reichtums (Lk 19,23-27).

Der hl. Ignatius von Loyola schrieb, dass materielle Dinge den Menschen dabei unterstützen sollten, Gott und den Menschen zu dienen. Darüberhinaus solle man ihnen nicht anhängen. Dadurch wird nicht geleugnet, dass zur Erfüllung des Auftrags des Menschen auch materielle Vorausetzungen erforderlich sind. Als Jesus Christus sagte, dass der Mensch „nicht vom Brot allein“ lebe (Mt 4,4), bestritt er nicht, dass der Mensch auch Brot zum Leben benötige. Zudem kann nur der Mensch geben, der über etwas verfügt, das er geben kann (Sprichwörter 13,22).

Der katholische Offizier und Schriftsteller Ernst Jünger schrieb über die Anspruchslosigkeit:

Wer einmal den Brand einer Hauptstadt, den Einmarsch östlicher Heere erlebt hat, der wird nie ein waches Mißtrauen verlieren gegenüber allem, was man besitzen kann. Das kommt ihm zugute, denn er wird zu jenen zählen, die ohne allzu großes Bedauern ihrem Hofe, ihrem Hause, ihrer Bibliothek den Rücken kehren, falls es nötig wird. Ja er wird merken, daß damit zugleich ein Akt der Freiheit verbunden ist. Nur wer sich umblickt, erleidet das Schicksal von Lots Weib.

Armut in diesem Sinne erfordert es, Distanz zu angenehmen Dingen zu wahren, sich abzuhärten und auf Härten und Entbehrungen vorzubereiten, die eigenen materiellen Ansprüche zu reduzieren, die eigene Komfortzone zu erweitern und das eigene Leben soweit es geht zu vereinfachen und alles Unwesentliche auszuschalten, ohne dabei die eigene Fähigkeit im Dienst an Gott und dem Nächsten zu beeinträchtigen.

Einfachheit, also die Abwesenheit des Überflüssigen, Unnützen und Unwichtigen, ist allgemein eine Quelle von Stärke. Je komplexer etwas wird, desto schwerer ist es zu überschauen oder zu kontrollieren. In der Wissenschaft gilt die jeweils einfachere Erklärung als die wahrscheinlich wahre. Maschinen funktionieren zuverlässiger, je geringer die Zahl ihrer beweglichen Teile ist. Vorhaben funktionieren um so besser, je überschaubarer sie sind je mehr sie auf das Wesentliche reduziert sind.

Die christliche Mystik hat den Gedanken der Armut noch weiterreichender als die Loslösung von jeglichem eigenen Anspruch darunter verstanden. Nur der Mensch, der nichts mehr für sich selbst beanspruche, werde frei für Gott. Meister Eckhard forderte, „dass der Mensch ledig werden soll seiner selbst und aller Dinge“. „Arm im Geiste“ zu werden wird in diesem Zusammenhang als die Aufgabe aller eigenen Forderungen an Gott verstanden, was eine Voraussetzung für die totale Indienstnahme des Menschen durch Gott darstelle.

Anspruchslosigkeit erleichtert es dem Menschen auch, glücklich zu werden.

Im modernen Sprachgebrauch wird Armut meist mit Elend gleichgesetzt. Erzwungener Mangel bringt in der Regel jedoch einen besonders ausgeprägten Materialismus hervor, da im Leben der davon betroffenen Menschen das Materielle eine besonders wichtige Rolle spielen muß.

Sexuelle Selbstkontrolle (Keuschheit)

Keuschheit ist die „geglückte Integration der Geschlechtlichkeit in die Person“ (KKK 2337). Keuschheit bedeutet Selbstkontrolle in sexuellen Dingen und ist nicht mit Enthaltsamkeit identisch.

Die Sexualität ist der stärkste im Menschen wirkende Trieb. Wem es gelingt, sie zu kontrollieren, dem wird auch auf allen anderen Gebieten des Lebens Selbstkontrolle gelingen.

Ausrichtung am Willen Gottes (Gehorsam)

Christlicher Gehorsam hat viele Dimensionen. Er umfasst auch den Gehorsam gegenüber Gott als Schöpfer und seiner Schöpfungsordnung und die Annahme der eigenen Rolle als Mann in ihr.

Jesus Christus war im Garten Gethsemane gehorsam gegenüber Gott dem Vater, als Schwere seines Auftrages erkannte und darum bat, dass er diesen Kelch von ihm nehmen solle und gleichzeitig seine Bereitschaft erklärte, dem Willen des Vaters gehorchen zu wollen (Mk 14,36).

Der unbedingte Gehorsam gegenüber Gott erfordert es menschlichen Anspruch auf Gehorsam, der mit einer Sünde verbunden wäre, zurückzuweisen. Der Gehorsam gegenüber Gott kann in solchen Fällen für Christen mit einer Pflicht zum Ungehorsam gegenüber Menschen oder Institutionen verbunden sein.

Immer gehorchen heißt Märtyrer sein, ohne zu sterben.

hl. Josemaria Escriva

Demut

Eng mit dem Gehorsam verbunden ist die Tugend der Demut. Sie erkennt an, dass alle Stärke und alles Gute von Gott kommt, und das der Mann sich keinen seiner Verdienste selbst anzurechnen hat. Wo er über Stärken und Fähigkeiten verfügt, hat er diese in den Dienst Gottes zu stellen.

2.3 Die innere Haltung des christlichen Mannes

Der Mann muß eine Haltung annehmen und seinem Leben eine Form geben, um die schlechten Aspekte seiner Natur zu kontrollieren.

Die innere Haltung des christlichen Mannes ist vor allem von Selbstbeherrschung und Rücksichtnahme gegenüber anderen gekennzeichnet, auf denen große Teile der christlichen Kultur beruhen. Das christliche Haltungsideal wurde zudem von Teilen der antiken griechischen Philosophie der Stoa sowie dem römischen Haltungsideal beeinflusst, die in christliche Kultur integriert wurden.

Haltung ist der Gradmesser der Persönlichkeit. Haltungsschwäche zersetzt den Charakter und mit der Zeit zur Charakterschwäche.

2.3.1 Selbstbeherrschung

In der Antike galt die Selbstbeherrschung als ein zentraler Bestandteil der römischen gravitas oder des Ideals der Philosophie der Stoa. Der eigene innere Zustand sollte dieser Vorstellung nach soweit wie möglich von äußerlichen Eindrücken unabhängig gemacht werden. Die christliche Kultur integrierte diese Vorstellung, weil es einer christlichen Haltung entspricht, sich selbst und den eigenen Gefühlen nicht die höchste Bedeutung einzuräumen.

Der hl. Josemaria Escriva beschrieb den engen Zusammenhang zwischen der Ordnung und des Friedens des eigenen Geistes und der eigenen Haltung.

Die Contenance ist die Haltung, die auch und gerade in extremen Situationen auf die Zurschaustellung von Emotionen verzichtet.

Weil der Mann in besonderer Weise dazu berufen ist, andere zu schützen, muß er sich jedes Zeigen von Schwäche nach außen soweit es möglich ist verweigern, weil dies das Vertrauen anderer beeinträchtigen und ein schlechtes Beispiel geben würde, das eine Gemeinschaft schwächt.

2.3.2 Sanftmut

Christlicher Sanftmut verleiht dem, der ihn besitzt, die Aura eines unter allen Bedingungen unerschütterlich starken und guten Freundes. Sie ist ein Ausdruck innerer Stärke, weshalb nur der Starke auch sanftmütig sein kann.

Der sanftmütige Mann ist auch in der Konfrontation mit Herausforderungen von innerer Ruhe geprägt, die das Ergebnis seiner Stärke, seines Vertrauens in Gott und die Richtigkeit seines Weges ist.

Der christliche Mann wirkt niemals aufgeregt, vulgär oder beleidigend und wird nur im äußersten Fall laut.

Die Zurückhaltung des Schwachen hingegen ist nur ein Ausdruck seiner Furcht. Ebenso sind Gehemmtheit, Unsicherheit, Ängstlichkeit und Nervosität keine Zeichen von Sanftmut, sondern Zeichen von Schwäche.

2.3.3 Achtung gegenüber Schwächeren

Der christliche Mann zeigt den Vulgären gegenüber Stärke, den Schwachen gegenüber aber nur Güte. Es ist ein Zeichen schlechten Charakters, gegenüber schwächeren oder niedriger gestellten Menschen Herablassung zu zeigen.

Teil der Achtung des christlichen Mannes ist die Achtung gegenüber der körperlich meist schwächeren Frau. Die besondere Achtung gegenüber der Frau unterscheidet christliche Kultur von allen anderen Kulturen. Elemente dieser besonderen Achtung sind unter anderem das Ideal der Treue gegenüber der Ehefrau und der sexuellen Selbstkontrolle des Mannes.

2.3.4 Distinktion

Der christliche Mann lehnt das Vulgäre und das Korrumpierte sowie Laute, das kulturell Niedrige und das Häßliche ab und hält sich von ihm fern, etwa durch Vermeidung des Konsums entsprechender Medien oder der Teilnahme an entsprechenden Verstaltungen.

Niemals passt sich der christliche Mann an niedrigere Standards an, etwa um von diesen geprägten Menschen zu gefallen, sondern er bleibt auch dann Vorbild und gibt ein positives Beispiel, wenn andere sich für das Niedrige entscheiden. In Sprache und Manieren folgt der christliche Mann höchsten kulturellen Standards.

2.3.5 Diskretion

Die Diskretion ist ein Ausdruck des Schamgefühls, das sich gegen die niedrigen und animalischen Seiten der menschlichen Existenz wendet. Sie beinhaltet, in der Öffentlichkeit über private und vertrauliche Dinge, über eigene Schwächen und die Schwächen anderer sowie über körperliche Dinge zu schweigen. Sie beinhaltet ebenfalls den Verzicht auf die Zurschaustellung der eigenen Körperlichkeit oder Körperfunktionen, etwa Gähnen.

Zur Diskretion gehört es, als Mann nicht für andere sichtbar zu weinen oder eigene Schmerzen und Leid auf andere Weise nach Außen sichtbar werden zu lassen. Damen trugen früher bei der Beerdigung nahestehener Menschen einen Schleier, damit ihre Emotionen nicht für andere sichtbar wurden und so ihre Würde gewahrt blieb.

Taktgefühl ist der Teil der Diskretion, der aus Achtung vor dem Anderen auf alles verzichtet, was ihn bloßstellen könnte.

Enthülle nie auf unedle Art die Schwächen Deiner Nebenmenschen, um Dich zu erheben! Ziehe nicht ihre Fehler und Verirrungen an das Tageslicht, um auf ihre Unkosten zu schimmern!

Adolph Freiherr Knigge

Der diskrete Mensch übt Kritik an anderen nur unter vier Augen und niemals in Abwesenheit des Kritisierten.

2.3.6 Understatement

Das Understatement verzichtet darauf, die eigenen Probleme zu dramatisieren oder die eigenen Leistungen und Vorzuüge herauszustellen, was beides ein Ausdruck von Schwäche wäre.

2.3.7 Ernsthaftigkeit

Der christliche Mann hat einen dezenten, feinen Sinn für Humor.

Albernheit drückt einen Mangel an Ernsthaftigkeit und Vertrauenswürdigkeit aus. Es ist eine der Schwächen unserer Zeit, dass sie nichts Ernst nehmen kann.

2.3.8 Selbstachtung

Selbstachtung ist die Folge gelungener Selbstkontrolle und der Zugehörigkeit zu einer achtungswürdigen Tradition. Wer seinen eigenen Wert nicht achtet, wird auch von anderen nicht geachtet werden. Die Achtung durch andere muß in der Regel verdient und erarbeitet werden.

2.3.9 Großmut

Christlicher Großmut beinhaltet das Ausstrecken nach großen Dingen, etwa danach, große Aufgaben zu erfüllen oder ein Heiliger zu werden. Der hl. Apostel Paulus rief dazu auf, im Sinne der Großmut immer anzustreben, was „wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist“ (Phil 4,8).

Er beinhaltet den guten Ehrgeiz, den der hl. Apostel Paulus beschrieb, als er das Leben des Christen mit Bildern des sportlichen Wettkampf darstellte.

3. Glaubenspraxis

Katholische Glaubenspraxis dient der Formung der Seele. Sie öffnet den Menschen für die Gnade Gottes und lässt diese in ihm wirken, damit er Gott ähnlicher werden kann. (Weiterlesen: Katholische Glaubenspraxis)

4. Kulturwissen und -Praxis

4.1 Geschichte, Philosophie, Musik und Literatur

Platon betonte in seinen Gedanken über die Bildung des Wächterstandes die Bedeutung der Bildung in den Bereichen Musik und Lyrik, die der militärischen Tendenz zur Verrohung entgegenwirke.

4.2 Rhetorik und Logik

4.3 Stil und Form

Stil und Form sind der äußerliche Ausdruck der Haltung des christlichen Dienstes am Nächsten sowie der Haltung, in die sich der Mann bringen muss, um die schlechten Aspekte seiner Natur zu kontrollieren. Stil und Form müssen auf innerer Ordnung des Mannes beruhen, wenn sie nicht nur eine Verkleidung darstellen sollen.

Durch sein Streben danach, dem eigenen Leben eine entsprechende Form zu geben, stellt sich der christliche Mann in den sichtbaren Gegensatz zur modernen Welt und ihrer Ablehnung von Konventionen und aller verbindlichen Dinge. Sein Herausragen über die Stil- und Formlosigkeit der modernen Welt wird dabei zum Teil als Ausdruck von Überheblichkeit mißverstanden.

Der Philosoph Edmund Burke bezeichnete den „Geist der Religion“ sowie den „Geist des Gentleman“ als die Grundlagen der europäischen Kultur und ihres Verständnisses von Stil und Form bzw. der Umgangsformen. Den in den Evangelien mehrfach wiedergegebenen Ausspruch Jesu Christi, er sei nicht gekommen „um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“, bezeichnete Asfa-Wossen Asserate als den „Prolog der europäischen Manieren“:

Die großen Lehrer der Manieren haben sich […] zu allen Zeiten niemals als Gesetzgeber verstanden, sondern als Deuter und Interpreten eines bereits vorliegenden, nach ihrer  Vorstellung immer schon vorhanden gewesenen Korpus von Regeln, das mit anderen Grundsätzen aus der Kunst, der Philosophie und der Religion in Harmonie stand und noch in der kleinsten Geste mit dem Gesetz des ganzen Kosmos verbunden war.

Stil und Form des christlichen Mannes tragen zudem der Tatsache Rechnung, dass er Repräsentant des Volk Gottes in der Welt ist.

4.3.1 Kleidung und allgemeine äußere Erscheinung

Trachten stellen nur dann keine Verkleidung dar, wenn man über einen Bezug zur regionalen Kultur verfügt, zu der sie gehören. Wer hör- und sichtbar nicht aus Bayern stammt verkleidet sich nur, wenn er bayerische Tracht trägt.

Herstellerlogos auf Kleidung sollten unauffällig sein.

Geeigneter Schmuck für Männer sind unauffällige Armbanduhren sowie unauffällige Ehe-, Verlobungs- und Jahrgangsringe, wie sie etwa die Offizierschule des Heeres an Absolventen vergibt. Männer sollten nur unauffällige Brillen tragen, falls diese erforderlich sind.

Kennzeichen mangelnder Selbstkontrolle wie Übergewicht, Tätowierungen, Piercings, auffällig gefärbte Haare oder exzenrische Frisuren entsprechen nicht der Tradition christlicher Männlichkeit. Auch die Verwendung von Kaugummis, Rauchen sowie Essen außerhalb des üblichen Rahmens erzeugt ein Bild unmännlichen Mangels an Selbstkontrolle.

4.3.2 Körperliche Haltung und Körpersprache

Die körperliche Haltung des Mannes drückt Bereitschaft, Energie und ruhige Stärke aus. Dies ist auch Ausdruck seiner Achtung gegenüber seinen Mitmenschen.

Die Gestik und Mimik des Mannes sind sparsam. Unkontrollierte Gestik und Mimik drücken Schwäche und mangelnde Selbstkontrolle aus, zum Beispiel Grimassen, das Aufreißen der Augen oder Gestikulieren. Ein Mann sollte lächeln können wenn es angemessen ist, aber niemals grinsen.

4.3.3 Sprache

Die eigene Sprache sollte die eigene Kompetenz nicht in Frage stellen oder herabsetzen, da dies Schwäche signalisiert und das Vertrauen anderer Menschen in einen selbst reduziert.

Die möglichst gute Beherrschung der englischen Sprache ist für die Ausübung von immer mehr Berufen unverzichtbar. Englisch ist zudem die wichtigste Fremdsprache, was den Zugriff auf Bildungsresourcen darstellt. Die Verwendung von Anglizismen kann jedoch einen Ausdruck von Schwäche darstellen. Sie werden häufig falsch verwendet, was in einem internationalen Umfeld inkompetent wirkt. Zudem wirken Anglizismen informell und weichzeichnend, weil sie häufig der Sprache der Werbung und der Unterhaltungsindustrie entstammen. In der Fachsprache hingegen können englische Begriffe unverzichtbar sein.

4.3.4 Gespräche

Die höchste Form des Gespräches behandelt Ideen und Gedanken. Die nächsthöhere Form des Gespräches behandelt Ereignisse. Die nachgeordnete Form des Gespräches behandelt Menschen.

Fragen von Religion und Politik sollten nur dann angesprochen werden, wenn der Rahmen des Gespräches dies vorsieht oder der Gesprächspartner das Gespräch auf diese Themen lenkt und davon auszugehen ist, dass er über die nötige charakterliche Reife verfügt, auch grundsätzlich andere Positionen in diesen Fragen zu tolerieren. Religion und Politik in anderem Rahmen anzusprechen ist aufdringlich und missachtet das Gegenüber. Ein Christ kann seinen Missionsbefehl in vielen Situationen vor allem dadurch erfüllen, dass er ein Vorbild an Haltung gibt, während Aufdringlichkeit andere nur vom Glauben abstoßen würde.

Krankheiten oder andere körperliche Dinge außerhalb des passenden Rahmen anzusprechen widerspricht dem Haltungsideal der Diskretion.

4.5 Soziale Tugenden

Diese werden auch als „Sekundärtugenden“ bezeichnet.

  • Toleranz: Toleranz ist die Duldung des aus eigener Sicht als irrig oder falsch Erkannten sowie des nicht feindselig agierenden Fremden und des Störenden. Zur gebotenen Toleranz gehört es, Vorgänge innerhalb fremder Religionen nicht zu kritisieren, solange diese auf deren Bereich beschränkt bleiben und solange sie nicht aktiv zur Diskussion gestellt werden. Im Bereich einer fremden Religion ist dem, was ihr heilig ist, immer mit angemessener Achtung zu begegnen, ohne dabei den eigenen Glauben zu verleugnen. Wenn der Aufenthalt im sakralen Bereich einer fremden Religion die Verleugnung des eigenen Glaubens verlangen würde, sollte dieser Aufenthalt unterbleiben. Es gibt außerhalb des eigenen Bereiches keinen Anspruch auf Toleranz, da dieser dem Recht eines Menschen oder Gemeinschaft widersprechen würde, selbst zu entscheiden, mit dem man Umgang pflegt und wen man in das eigene Haus einlädt. Toleranz kann somit nur freiwillig gewährt werden, worauf Dankbarkeit seitens Tolerierten die angemessene Antwort darstellt.
  • Rücksichtnahme
  • Pünktlichkeit
  • Ordnung: UDie Herstellung äußerer Ordnung ist ein wesentlicher Bestandteil der Optimierung von Abläufen in  nternehmen. Unordnung erhöht Stress gerade unter schwierigen Bedingungen und erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit.
  • Sauberkeit

5. Impulse für einzelne Lebensbereiche

5.1 Ehe und Familie

Fast alle Männer sind dazu berufen, Ehemänner und Väter zu werden. Durch die Vereinigung mit der Frau in der Ehe kann der Mann der Schöpfungsordnung entsprechen und einen Schritt in Richtung Vollkommenheit tun. Die Ehe ist zudem ein Teil eines dienenden Lebens, in dem der Mann dazu beiträgt, das Leben und den Glauben weiterzugeben. Einen Dienst am Nächsten vollzieht der Mann in der Ehe zudem dadurch, dass er Beschützer und Versorger der Familie ist.

5.1.1 Ehemann werden und sein

Die Wahl der Ehefrau gehört zu den wichtigsten Entscheidungen des eigenen Lebens. Die Suche sollte früh in Angriff genommen und konsequent betrieben werden.

Unverbindliche Beziehungen lenken von der eigentlichen Berufung im Leben ab. Es ist ein Ausdruck von Egoismus und der Verweigerung der Berufung als Mann, die eigenen sexuellen Bedürfnisse gleich welcher Orientierung zur höchsten Priorität im Leben zu machen. Vor- und außereheliche Beziehungen zu Frauen bringen Verachtung gegenüber Frauen und der eigenen Berufung zum Ausdruck.

Der katholische Mann versteht die Ehe als unauflöslich und als selbstlosen Dienst an seiner Ehefrau, der sich gerade in schwierigen Zeiten zu bewähren hat. Die moderne Vorstellung, dass positive Gefühle gegenüber dem Partner die Grundlage der Ehe sein sollten, scheitert in schwierigen Zeiten, die jede Ehe durchläuft, regelmäßig.

In der Praxis bewährt hat sich eine frühe Heirat, die ausreichend Zeit für die Gründung einer Familie lässt. Nicht bewährt haben sich Ehen mit nichtchristlichen Partnerinnen, die das katholische Eheverständnis nicht teilen und daher in schwierigen Zeiten dazu neigen, die Ehe auflösen zu wollen. Kinderlosigkeit stellt spätestens im Alter für die meisten Frauen eine norme psychische Belastung dar.

Die Entscheidung darüber, ob eine Ehe zustandekommt, liegt letztlich bei der künftigen Ehefrau mit der Zustimmung ihres Vaters. Frauen suchen vor allem nach Partnern mit hohem sozialen Status, Selbstbewusstsen und Charisma, körperlicher Fitness und einem Vermögen oder Einkommen, das die Versorgung einer Familie ermöglicht. Ein Mann, der diese Eigenschaften nicht im nötigen Maße entwickelt hat, wird es schwer haben, eine gute Ehefrau zu finden.

5.1.2 Vater sein

Die moderne Vorstellung, dass Kinder und Bindungen Männer vom eigentlichen Leben abhielten, steht im Widerspruch zu christlichen Vorstellungen. Das Leben des Mannes verwirklicht sich gerade in der Gestaltung der Berufung zum Ehemann.

Der christliche Glaube wird vor allem in der Familie weitergegeben. Große Familien sind ein Beitrag zur Weitergabe des Christentums an die nächste Generation und eine Form des Dienstes an Gott.

Die eigene Familie ist die erste und wichtigste Solidarstruktur, in der sich ein Mensch bewegt. Streitigkeiten innerhalb der eigenen Familie schaden allen Beteiligten.

Kinder außerhalb der Ehe zu zeugen ist unverantwortlich und kann das Leben von Mutter und Kind zerstören. Ein christlicher Vater lehnt die Vorstellung, seine Kinder durch Abtreibung zu töten, kompromisslos ab, denn er ist Mitwirkender der Schöpfung, der Verantwortung übernimmt, und kein Mörder Unschuldiger.

Namensgebung bei Kindern

Mögliche Namen für Kinder sind etwa der des Heiligen des Geburtstages des Kindes oder der des örtlichen Kirchenpatrons. Namen wie Maria, Josef, Adam und Eva, aber auch Markus oder Johannes sind zeitlos schön.

Namensgebungen, die modernen Moden folgen, können eine Belastung für Kinder darstellen, da solche Namen schon innerhalb einer Generation einen vulgären Klang annehmen können. Zuviel Individualismus und modische Extravaganz der Eltern kann Kindern hier schaden.

Die Verwendung mit Mittelinitialen in Deutschland wurde aus dem Amerikanischen übernommen, beruht jedoch auf einem kulturellen Mißverständnis. Die Mittelinitiale steht dort nicht für den zweiten Vornamen, sondern für den Mädchennamen der Mutter, etwa bei T.S. Eliot, dessen Mutter eine geborene Stearns war.

5.2 Beruf und Arbeit

Ein Beruf ist dann am besten zur Versorgung einer Familie unter allen Bedingungen geeignet, wenn es für ihn auch unter schwierigen Bedingungen und an vielen Orten Bedarf gibt. Dies gilt etwa für Tätigkeiten als Arzt oder Lehrer, aber auch im Bereich Sicherheit (etwa die Tätigkeit als Soldat und Polizeibeamter), in der Landwirtschaft sowie in bestimmten Zweigen des Handswerks. Idealerweise kann der gewählte Beruf ohne größere Anpassungsschwierigkeiten auch im Ausland ausgeübt werden.

Christliche Männer können durch ihren Beruf dazu beitragen, dass Christen als Gruppe für die Gesellschaft unverzichtbar werden, was christenfeindlichen Tendenzen präventiv entgegenwirkt.

5.2.1 Berufsverständnis

Der christliche Mann folgt einer Berufung und setzt die ihm gegebenen Fähigkeiten zum Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen ein. Er strebt danach, in dieser Berufung zur Meisterschaft zu gelangen.

5.2.2 Arbeitsethos

Den erwachsenen Mann unterscheidet vom Heranwachsenden, dass er materiell und finanziell unabhängig von den Zuwendungen anderer ist. Der Ehemann ist der Versorger seiner Familie.

Viel leisten, wenig hervortreten; mehr sein als scheinen.

Alfred von Schlieffen

5.3 Umgang mit Geld und Gut

Sparsamkeit

Sparsamkeit ist die Tugend des disziplinierten Umgangs mit Geld und Gütern. Auf individueller Ebene ist Sparsamkeit ist Ausdruck der christlichen Kardinaltugenden der Klugheit und der Disziplin sowie der Pflicht des Mannes, Versorger seiner Familie zu sein. Der verschwenderische Mann lebt auf Kosten anderer anstatt für sie dazu sein wie es seine Pflicht ist und er schafft vermeidbare Verwundbarkeiten in Zeiten der Not.

Auf der Ebene des Gemeinwesens ist Sparsamkeit Ausdruck der Pflicht der Politik zur Sicherstellung des Gemeinwohls, der allgemeinen Pflicht gegenüber kommenden Generationen sowie der Pflicht des Menschen, verantwortungsvoll mit der Schöpfung bzw. Ressourcen umzugehen.

Schulden

Die Bibel warnt, dass Schulden abhängig und verwundbar machen (Sprüche 22,7). Wer sich im Geld leihen muss, sollte dies allenfalls innerhalb der eigenen Familie tun. Es ist nicht unüblich, dass Eltern ihre Kinder z.B. beim Kauf einer Immobilie oder bei der Finanzierung eines Studiums auf diese Weise unterstützen, wobei es hier besser ist, wenn das Geld nicht verliehen, sondern geschenkt wird. Andere finanzielle Abhängigkeiten sollten in jedem Fall vermieden werden.

Einfacher Lebensstil

Ein materiell einfacher Lebensstil vermeidet die oben beschrieben Abhängigkeiten und Verwundbarkeiten.  Teure Urlaube oder Konsumgüter, übertrieben aufwendige Feiern (auch Hochzeiten), Schulden und unnötiger Besitz schwächen einzelne Menschen und Familien.

5.4 Freundschaft und persönliche Netzwerke

Jeder Mann sollte über ein zuverlässiges Netzwerk guter Freunde verfügen, die ihn im christlichen Leben unterstützen, und auf deren Unterstützung er in schwierigen Zeiten zählen kann, so wie er diese Freunde seinerseits unterstützt, wenn sie Hilfe brauchen.

Ein zuverlässiger Freund kann nur sein, wer bereit ist mehr zu geben als er nimmt und mehr geben kann als er braucht. Personen, die ihr eigenes Leben nicht im Griff haben, können kaum zuverlässige Freunde sein und sollten aus dem direkten eigenen Umfeld ferngehalten werden, solange sie nicht zur eigenen Familie gehören.

Man kann nur wenige gute Freunde haben. Der Wert von Freundschaften beweist sich erst in schwierigen Zeiten. Geteilter Glaube stärkt den Zusammenhalt unter Freunden.

5.5 Der christliche Mann als Staatsbürger

Christen sind die Stützen jedes Gemeinwesens, in dem sie leben. Jesus Christus wies Christen dazu an, den Staaten, in denen sie leben, das zu geben, was ihnen zustehe. Der hl. Apostel Paulus wies die Mitglieder der frühen christlichen Gemeinden an, den Regierungen, in deren Bereich sie lebten, gegenüber loyal zu sein, die Gesetze zu achten, ihre Steuern zu zahlen und sich friedlich gegenüber jedermann zu verhalten.

 

5.5.1 Dienst am Gemeinwesen

Im Rahmen der tätigen christlichen Spiritualität des schützenden und bewahrenden Dienstes bietet sich für christliche Männer Dienst am Gemeinwesen vor allem in Bereichen an, die schützende Aufgaben zum Inhalt haben. Hier können Männer, die dieser Spiritualität folgen, den größten Beitrag für das Gemeinwesen leisten.

Solcher Dienst kann etwa im Rahmen einer Berufstätigkeit in Bundeswehr, Polizei, Sicherheitsbehörden, Feuerwehr, Rettungsdienst, Sicherheitsunternehmen oder vergleichbaren Tätigkeiten geleistet werden. Bewahrenden Dienst an der Kultur leisten unter anderem Lehrer und Dozenten an Schulen und Universitäten.

Ehrenamtlich kann dieser Dienst als Reservist in der Bundeswehr, in der freiwilligen Feuerwehr oder im Technischen Hilfswerk erfolgen. Auch das Engagement als Schöffe an Gerichten oder politisches Engagement, das den Schutz des Gemeinwohls zum Ziel hat, kann ein solcher Dienst sein, ebenso wie Jugendarbeit z.B. in der Jugendfeuerwehr oder bei christlichen Pfadfinderorganisationen.

5.6 Körperliche Leistungsfähigkeit

Körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie seelische Belastbarkeit sind eng miteinander verbunden. Der körperlich leistungsfähige Mann ist ein besserer Diener seines Nächsten. Wer seinen Körper nicht pflegt, wird früher als es das Alter erzwingt unfähig dazu sein, zu dienen.

Die Unterwerfung des Körpers unter den Willen ist außerdem Teil des asketischen Kampfes des Christen.

Der Priester Walter Ciszek, der mehrere Jahrzehnte in sowjetischer Lagerhaft verbrachte, schrieb über die Bedeutung körperlicher Tauglichkeit für seinen Dienst:

Was mir im Gefängnis zuwuchs, war ein gewaltiges Maß an Respekt und Liebe zum guten alten ‚Bruder Esel‘, dem Leib. Der Leib nämlich trug die Hauptlast aller Leiden, auch wenn die Seele ebenfalls durch Angst geprüft wurde. Und bei aller Willenskraft und Entschlossenheit, die wir Menschen haben können, ist es doch der Leib, der uns durchs Leben trägt. Der Leib war es, der den schneidenden Wind aushielt, die beißende Kälte, die Schmerzen der verkrampften Muskeln, die wie von Peitschenhieben rissige, blutende Haut, die nagenden Hungerqualen im Bauch, das Ziehe und die Taubheit überforderter Sehnen.

In den Satzungen des Jesuitenordens heißt es:

Wie eine übertriebene Sorge in dem, was den Leib betrifft, zu tadeln ist, ebenso ist die gebührende Wachsamkeit, die darauf schaut, wie die Gesundheit und die Körperkräfte für den Göttlichen Dienst erhalten werden, zu loben und muss von allen beachtet werden.

Der hl. Bernhard von Clairvaux sagte über die Bedeutung körperlicher Tauglichkeit:

Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?

Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Pflege und Entwicklung körperlicher Leistungsfähigkeit durch Sport als Antwort auf die damals akut werdenden Herausforderungen des städtischen Lebens und moderner Lebensstile durch die katholische Jugendbewegung als fester Bestandteil der katholischen Tradition etabliert. Mit rund 150 Jahren Geschichte ist die katholische Sporttradition im Vergleich zu anderen Traditionen der Kirche noch vergleichsweise jung.

Bereits der hl. Apostel Paulus verwendete jedoch Sportmetaphern zur Beschreibung des geistigen Lebens des Christen, was von seiner Hochachtung gegenüber dem Sport zeugt, die Folge seiner Wurzeln in der hellenischen Kultur war.

5.6.1 Ernährung
  • Vermeidung von konzentrierten Kohlehydraten: Der Mensch ist biologisch nicht auf den Konsum von Nahrungsmitteln mit hohem Anteil konzentrierter Kohlehydrate ausgelegt, die in der Natur nicht vorkommen. Die Lebensmittelindustrie setzt vielen Lebensmitteln, darunter auch solchen die als gesund beworben werden, Kohlenhydrate bzw. Zucker zu, da dies dazu führt, dass Menschen mehr Nahrung zu sich nehmen als sie eigentlich benötigen würden. Zuckerkonsum kann sogar zu sog. hedonischer Hypophagie, also regelrechten Eßattacken, führen. Aus Folge der Aufnahme großer Mengen von Zucker schütttet die Bauchspeicheldrüse entsprechend große Mengen an Insulin aus, was zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels führt. Dies wiederum wirkt appetitanregend, während Insulin gleichzeitig Fettabbau hemmt. Zucker wirkt daher wie ein Mastbeschleuniger und sein Konsum führt zu Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die falsche, aber immer noch verbreitete Behauptung, dass diese vor allem durch Fett ausgelöst würden, wurde durch die Zuckerindustrie verbreitet, um von den Risiken des Zuckerkonsums abzulenken und dessen Konsum zu fördern. Die Zuckerindustie manipulierte zu diesem Zweck nachgewiesenermaßen auch wissenschaftliche Studien durch Zahlungen an Wissenschaftler.
  • Intervallfasten

Umgang mit Alkohol und Suchtmitteln

Alkohol schwächt im Übermaß genossen die Fähigkeit zu dienen und führt zum Verlust der Selbstkontrolle. Die christliche Tradition lehnt Alkohol nicht grundsätzlich ab, fordert aber Selbstkontrolle bei dessen Konsum. Der hl. Apostel Paulus nennt Trunkenheit unter den Sünden derer, die das Reich Gotte nicht erben werden (Gal 5,21).

Könige sollen sich nicht, Lemuël, Könige sollen sich nicht mit Wein betrinken, Fürsten nicht berauschenden Trank begehren. Er könnte beim Trinken seine Pflicht vergessen und das Recht aller Notleidenden verdrehen.

Sprüche 31, 4-5

Sonstige Suchtmittel, etwa Zigaretten, sollten grundsätzlich gemiesen werden, weil sie den Menschen schwächen und abhängig machen.

5.6.2 Kraftsport

Inhalt folgt

5.6.3 Laufen

Inhalt folgt

5.8 Freizeitgestaltung und männliche Spiritualität

Im Sinne des christlichen Gedankens der „Einheit des Lebens“ kann auch die eigene Freizeit so gestaltet werden, dass sie die eigene Fähigkeit zum schützenden Dienst fördert.

5.8.1 Reisen und Fahrten

Während die Erholungs- und Urlaubsreise eine moderne Form des Konsums darstellt, ist die im Rahmen eines Auftrags oder mit dem Ziel der Bildung unternommene Reise ein wichtiger Bestandteil maskuliner europäischer Kultur. Während der Tourist nur konsumieren will und Erlebnisse dafür ggf. inszeniert werden, setzt der Reisende sich echten Risiken, Herausforderungen und Belastungen aus.

Die Reisen des hl. Paulus veränderten die Welt für immer. Die Reisen des Odysseus, des Marco Polo oder des Ferdinand Magellan wirkten kulturell über Jahrhunderte und Jahrtausende nach.

Die Reise umfasst in der europäischen Tradition den militärischen Einsatz, die Pilgerfahrt, die Expedition bzw. die Forschungsreise (in der modernen Form auch die des Raumfahrers), den Missionseinsatz, die Dienst- und Geschäftsreise und die Bildungsreise. Der moderne Rucksackreisende steht, wenn er die Begegnung mit fremden Kulturen oder die Naturerfahrung sucht, teilweise noch in der Tradition des Bildungsreisenden.

Bildende Reisen sind in der Regel materiell wenig aufwendig. Der Bildungsreisende nutzt in der Regel keine teuren Unterkünfte oder Transportmittel, sondern sucht die größtmögliche Nähe zu Kultur und Bevölkerung des Reiseziels sowie zur Natur.

5.8.2 Traditioneller Kampfsport

Im traditionellen Kampfsport geht es nicht nur um physischen Kampf gegen andere und die Ausbildung entsprechender körperlicher Fähigkeiten, sondern in erster Linie um die Konfrontation mit inneren Schwächen und dem Kampf gegen sie. Kampfsport stärkt in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, Leid zu ertragen, Opfer zu bringen und Ziele gegen Widerstände zu verfolgen, weshalb er zum Aufbau von christlicher Tugend beiträgt.

Darüber hinaus stärkt Kampfsport die Fähigkeit, Gefahren erfolgreich zu begegnen, wodurch er die Fähigkeit zum schützenden Dienst am Nächsten und dem Gemeinwesen und somit eine christliche, dienende Lebensführung fördert.

Kampfsport ist seit dem Mittelalter Teil der tätigen christlichen Spiritualität, wobei das Christentum hier an antike griechische und römische Vorstellungen von Tugend anknüpfte, die diese als Tauglichkeit zu einem guten Zweck im Angesicht von Gefahr definierten. Von diesem Verständnis war auch der hl. Paulus geprägt, der christliche Tugenden unter Rückgriff auf sprachliche Bilder beschrieb, die u.a. aus dem Kampfsport stammten, mit dem er offenbar vertraut war.

In den Klöstern Europas wurden neben verschiedenen Handwerken laut dem im 9. Jahrhundert wirkenden Gelehrten Johannes Scottus Eriugena auch die Künste der „Militia“ und der „Venatoria“ (Kampfkunst, Waffenkunde und Jagd) gepflegt.

In der christlichen Spiritualität des Mittelalters galt die biblische Gestalt des Judas Makkabäus als Vorbild idealer männlicher Tugend, weil er militärische Fähigkeiten und körperliche Belastbarkeit mit Frömmigkeit verband und daher in besonderem Maße zum schützenden Dienst befähigt war. Geoffroi de Charny etwa stellte ein entsprechendes Verständnis von Tauglichkeit in seiner um 1350 erschienenen Schrift über den schützenden Dienst des Rittertums in den Mittelpunkt.

Das Ideal des zum entsprechenden Dienst tauglichen Mannes sei der Edelmann („Preudomme“), der militärische Leistungsfähigkeit und Frömmigkeit in sich vereine. Der entsprechend taugliche Mann diene Gott und dem Nächsten, führe den asketischen Kampf gegen seine ungeordneten Leidenschaften, pflege Glaubenspraxis sowie den Empfang der Sakramente und sei zudem tapfer, diszipliniert, loyal und taktisch versiert. De Charny propagierte in diesem Zusammenhang auch Kampfsport bzw. Turniere als Mittel zur Förderung von Tauglichkeit.

Kampfkunst und Kampfkultur wurden mutmaßlich in einzelnen christlichen Klöstern des Mittelalters gepflegt, worauf auch diese Dissertation von Heidemarie Bodemer eingeht. Eine so vollständige Integration von Wehrhaftigkeit, Charakterbildung, Spiritualität und Kampfsport wie etwa im japanischen Budo wurde dabei jedoch im Christentum im Mittelalter nicht erreicht und diese Tradition danach zunächst nicht fortgesetzt.

Das Shotokan-Karate stellt eine eine hochentwickelte Form des Kampfsports dar, die mit den oben beschriebenen christlichen Gedanken weitgehend kompatibel ist. Gichin Funakoshi, der Schöpfer des Shotokan-Karates, beschrieb dieses als Schulung des Charakters im wehrhaften Geist durch körperliche Übung.

Der wehrhafte Geist des Shotokan-Karates kommt vor allem in seinem harten Stil zum Ausdruck. Es schult nicht nur den Körper, sondern auch Disziplin, Selbstvertrauen, Konzentration. Funakoshi betont in seinen Gedanken über das Karate zudem in Anknüpfung an Konzepte des japanischen Rittertums bzw. an das Bushido mit christlichen Gedanken kompatible Themen wie Achtung vor dem Gegner, Höflichkeit, Demut und Selbstkontrolle.

Papst Benedikt XVI. äußerte sich positiv über ostasiatische Kampfkünste. Allgemein betonte Benedikt XVI., dass Sport dabei helfen könne, Tugenden wie Disziplin und Opferbereitschaft zu entwickeln und sowohl der körperlichen als auch der der charakterlichen Entwicklung des Menschen dienen könne.

5.8.3 Die Jagd als Lebensschule

Die Jagd ist eine traditionelle Form der praktischen Auseinandersetzung mit existenziellen Aspekten der Wirklichkeit. Sie ist älter als der Mensch selbst und verbindet ihn mit allen Geschöpfen, deren Schicksal es nicht ist, Beute zu sein. Es gibt eine eigene christliche Tradition der Jagd, welche die Achtung der Schöpfung zum Mittelpunkt hat.

Die Jagd macht Menschen weniger abhängig von der modernen Zivilisation. Der Mann erlernt in ihr Fähigkeiten, die ihn zu einem besseren Versorger und Beschützer seiner Familie machen. Sie wirkt charakterbildend, indem sie den Mann Grenzerfahrungen aussetzt, und schult sein Verantwortungsbewusstsein auf viele Weisen. Sie lässt den Mann erfahren, dass er Teil einer Natur ist, deren Abläufe nicht seinem Willen unterworfen sind.

Die Jagd kann Netzwerke der Freundschaft schaffen und durch gemeinsame Erfahrung festigen. Die Jagd kann auch das eigene spirituelle Leben fördern, da sie den Mann innerlich still werden lässt und seine Sinne in der Erfahrung der Stille öffnet. Richtig praktizierte Jagd hat einen meditativen Charakter.

Die Ausübung der Jagd erfordert die Aneignung zahlreiche Grundfertigkeiten des Lebens in und mit der Natur.

5.8.4 Christliche Schützenbruderschaften

Die Fähigkeit des Umgangs mit Waffen ist eine Grundfertigkeit des eigenverantwortlichen Mannes und Ausdruck seiner Bereitschaft zum Schutz seiner Familie und des Gemeinwesens. Jeder Mann sollte dazu in der Lage sein, eine Waffe sicher zu handhaben. Wer den Umgang mit Waffen nicht beruflich (etwa als Soldat oder Polizeibeamter) oder als Jäger lernt, kann dies in christlichen Schützenbruderschaften tun.

Diese Schützenbruderschaften (in Bayern auch in Form der Gebirgsschützen) sind Teil der christlichen Tradition Deutschlands und haben ihre Wurzeln Bünden wehrhafter Bürger. Die ersten christlichen Schützengilden sind in Deutschland im 12. Jhd. belegt, wobei die Tradition christlicher Schützenbruderschaften in Deutschland möglicherhweist bis in das 9. Jahrhundert zurückreicht. Christliche Schützenbruderschaften pflegen das wehrhafte Brauchtum sowie ihre christliche Tradition durch Teilnahme an Prozessionen, Wallfahrten und kirchlichen Festen oder auch durch die Pflege von Feldkreuzen und Kapellen. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist Ehrenmitglied der Kompanie Tegernsee der bayerischen Gebirgsschützen.

Schützenbruderschaften üben auch das sportliche Schießen, da die Fertigkeit bei Umgang mit der Waffe Ausdruck ihrer Tradition der Wehrhaftigkeit ist. Der Umgang mit Waffen schult außerdem das Verantwortungsbewusstsein. Waffenbesitzer erziehen einander zum verantwortungsvollen Umgang mit der Waffe. Unzuverlässige Menschen, Menschen mit dem Hang zu Extremen oder solche, die aufgrund von psychischen oder charakterlichen Defiziten den Besitz einer Waffe anstreben, werden von verantwortungsbewusst handelnden Schützengemeinschaften nicht aufgenommen.

5.8.5 Natursport

Wandern, Camping, und die sportliche Beschäftigung mit dem Leben und Überleben in der Natur entwickeln viele Fähigkeiten, die den Mann unabhängiger vom Funktionieren der Zivilisation machen und seine Resilienz steigern.

5.8.6 Gesang

In den westlichen Kirchen ist die Tradition des maskulinen Gesanges weniger stark entwickelt als im orthodoxen Christentum.

5.9 Sicherheit und Krisenvorsorge

Der christliche Mann muss dazu in der Lage sein, seine Familie zu beschützen und sie auch in Zeiten der Not zu versorgen. Außerdem muss er in entsprechenden Situationen dazu in der Lage sein, sich am Schutz des Gemeinwesens zu beteiligen und anderen Menschen zur Seite zu stehen.

Dazu ist die Beherrschung gewisser Grundfertigkeiten und die Entwicklung bestimmter Eigenschaften erforderlich. Ihre Aneignung und Aufrechterhaltung ist Teil eines maskulinen Lebensstils.

5.9.1 Individuelles Risikomanagement

Die Kardinaltugend der Klugheit legt nahe, sich mit Bedrohungen und Risiken im eigenen Umfeld auseinanderzusetzen, präventive Maßnahmen gegen sie zu ergreifen und sich auf Notfälle und Gefahrensituationen vorzubereiten.

5.9.2 Notfall- und Krisenvorsorge

Selbstschutz bzw. individuelle Notfall- und Krisenvorsorge sind in der Konzeption des Bevölkerungsschutzes in Deutschland ein Grundpfeiler des Katastrophenschutzes bzw. der Maßnahmen zur Bewältigung von Krisen. Jeder Mann sollte über Grundkenntnisse der Notfall- und Krisenvorsorge verfügen und die damit verbundenen Maßnahmen ergreifen, um seine Familie im Krisenfall schützen zu können.