Glaube und Ethos

Hans Urs von Balthasar: Der Ernstfall als Maßstab des Glaubens

Der Theologe Hans Urs von Balthasar veröffentlichte 1966 seine Schrift „Cordula oder der Ernstfall“. In ihr setzte er sich vor dem Hintergrund des kulturrevolutionären Geschehens der 1960er Jahre und dessen Eindringens in die Kirche in der Nachkonzilszeit mit der Frage auseinander, was der höchste Maßstab des Glaubens sei, mit dem man gute von schlechten religiösen Impulsen unterscheiden könne. Er kam zu dem Ergebnis, dass dieser Maßstab der Ernstfall und die eigene Bereitschaft zum Tod sei. […]

Dienst

Viktor Frankl: Dienst und Opfer als Sinn des Lebens

Der jüdische Psychologe Viktor Frankl lehrte unter anderem an der Universität Wien und ist vor allem für seine Auseinandersetzung mit psychischen Herausforderungen in Extremsituationen bekannt geworden. In seinem Werk „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ beschreibt er seine Gedanken dazu, die auf persönlichen Erfahrungen im Konzentrationslager Auschwitz beruhen. Sein Werk stellt dabei keine Anleitung zum physischen, sondern zum seelischen Überleben dar. Er betont, dass der Mensch nur durch die Entscheidung zu Dienst und Opfer seine Würde auch unter extremen Bedingungen bewahren und dadurch zum Ziel seiner Existenz gelangen könne. […]

Dienst

Papst Franziskus: Aufruf zum Widerstand gegen „ideologische Kolonisierung“ und Identitätsverlust

In einer heute gehaltenen Predigt über den im 2. Buch der Makkabäer beschriebenen Märtyrertod des Schriftgelehrten Eleasar sprach Papst Franziskus unter anderem über den Widerstand gegen Versuche, die kulturelle und religiöse Identität von Völkern durch „ideologische Kolonisierung“ zu zerstören. Eine Modernität, die Unterschiede einzuebnen versuche, komme kultureller Verfolgung gleich. […]

Glaube und Ethos

Bischof Hans-Jürgen Abromeit: Christen müssen bereit sein, für ihren Glauben zu sterben

Der evangelisch-lutherische Bischof Hans-Jürgen Abromeit hat in einer im Rahmen des ökumenischen Kongresses „Christenverfolgung heute“ gehaltenen Predigt dazu aufgerufen, die Worte Jesu Christi zum Martyrium ernst zu nehmen. Das Christentum sei keine „Wohlfühlreligion“. Christen müssten dazu bereit sein, für ihren Glauben notfalls auch zu sterben. Im Ernstfall „muss ich um der Nachfolge Jesu willen bereit sein, auch diesen Weg zu gehen. […] Es ist schon ernst gemeint, wenn Jesus sagt: Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir, der ist meiner nicht wert.“ […]

Christliche Impulse

Robert Spaemann: Die heilige Erzählung vom „tausendjährigen Abwehrkampf der christlichen Zivilisation“

Der katholische Philosoph Robert Spaemann ist ein Berater Benedikts XVI. und lehrte zuletzt an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im 2016 erschienenen zweiten Band seiner „Meditationen eines Christen“ schreibt er unter anderem über christliche Identität und ihre Weitergabe durch „heilige Erzählungen“. Dazu gehöre auch der „tausendjährige Abwehrkampf der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus“. […]

Glaube und Ethos

Romano Guardini: Der ritterliche Mann

Romano Guardini (1885-1968) lehrte katholische Weltanschauung an verschiedenen deutschen Universitäten und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter dieses Faches im 20. Jahrhundert. Sein Werk beeinflusste unter anderem Hannah Arendt und Papst Benedikt XVI. In seinem an junge Männer gerichteten Aufsatz „Vom ritterlichen Manne“, der im Band „Briefe über Selbstbildung“ enthalten ist, beschrieb er das traditionelle, das Dienstethos betonende abendländische Konzept von Männlichkeit. […]

Dienstethos

Philosoph Josef Pieper: Disziplin als christliche Tugend

Disziplin ist ein wesentlicher Bestandteil des militärischen Ethos. Die Auseinandersetzung mit diesem Ethos erfolgt in den Streitkräften westlicher Nationen zunehmend auf der Grundlage postmoderner Weltanschauungen. Dabei zeigt sich jedoch, dass diese aufgrund ihrer Betonung individueller Ansprüche als Grundlage eines Dienstethos ungeeignet sind. Dass das Christentum auch auf diesem Gebiet wertvolle Impulse liefern kann, belegt das Werk „Zucht und Maß. Über die vierte Kardinaltugend“ des katholischen Philosophen Josef Pieper (1904-1997). […]

Glaube und Ethos

Polen: 150.000 Menschen beten für den Schutz Europas

Am 7. Oktober haben in Polen anlässlich des Rosenkranzfestes ersten Angaben zufolge rund 150.000 Menschen im Rahmen der Aktion „Rosenkranz an der Grenze“ ein gemeinsames Gebet für den Schutz Europas durchgeführt. Die Organisatoren betonten, dass Europa gegenwärtig existentiellen Herausforderungen in Form des Wirkens eines radikalen Säkularismus sowie radikaler Strömungen im Islam gegenüberstehe. […]

Glaube und Ethos

Das Böse in der Welt und die christliche Berufung zum schützenden Dienst

Im Zusammenhang mit Terroranschlägen oder vergleichbaren Taten, bei denen zahlreiche Zivilisten getötet werden, wird häufig die Frage gestellt, wie diese aus christlicher Perspektive zu bewerten sind. Dabei wird das Geschehen teilweise zum Anlass genommen, an der Existenz Gottes zu zweifeln, von dem erwartet wird, dass er solches Geschehen verhindere. Das Christentum verspricht aber keine sichere Welt, sondern stellt dem Menschen in Aussicht, durch die Annahme der Berufung zum selbstlosen Dienst am Nächsten und damit verbundene Opfer Gott näher zu kommen. […]

Glaube und Ethos

Bischof Stefan Oster: Gegen einen christlichen „Humanismus der Nettigkeit“

Der Passauer Bischof Stefan Oster hat im Zusammenhang mit der abnehmenden Bindungskraft des Christentums in Deutschland und Europa auf das Problem der Tendenz zur Weichzeichnung Jesu Christi im Sinne eines „Humanismus der Nettigkeit“ hingewiesen. Für die Nachfolge Christi könne man Menschen nur gewinnen, wenn man Jesus Christus auch richtig und vollständig darstelle. […]

Glaube und Ethos

Glaube und Ethos: Gerechter Zorn im Christentum

Der Philosoph Marc Jongen sieht in einem Mangel an „Thymos-Spannung“, d.h. in einem Mangel an Zorn gegen bestimmte Mißstände und Fehlentwicklungen, einen wesentliche Ursache von Auflösungserscheinungen europäischer Gesellschaften. Was Zorn angeht, so können jedoch sowohl Mangel als auch Überfluss destruktive Folgen haben. Das Christentum hat in diesem Zusammenhang das Konzept des „gerechten Zorns“ geschaffen, das beide Extreme vermeidet und als ethische Grundlage für die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Verwerfungen geeignet ist, denen Christentum in Europa gegenübersteht. […]

Glaube und Ethos

Ernst Jünger: Die Idee der Unsterblichkeit und der unbesiegbare Mensch

Jede Kultur und jedes auf Dauer ausgelegte Gemeinwesen beruht zuallererst auf religiösen Bindungen. Größere areligiöse oder atheistische Gemeinschaften jenseits der Familie zerbrachen immer spätestens dann, wenn sich eine relevante Zahl von Mitgliedern von einem Festhalten an der Gemeinschaft keinen materiellen Vorteil mehr versprach. Religiöse Bindungen sind jedoch gleichzeitig mit dem Problem verbunden, dass sie kaum rational vermittelbar oder auf Nutzenkalkül zu begründen sind. […]

Glaube und Ethos

Bischof Fulton J. Sheen: Liebe und Ungleichheit

Zu den Aufgaben, die derzeit bei der Vorbereitung unseres Vorhabens seit einiger Zeit geleistet werden, gehört auch die Erschließung von Material, das die geistige Grundlage dieses Vorhabens bilden soll. Dazu ist es u.a. erforderlich, bestimmte Begriffe und Konzepte, die im Zuge moderner Entwicklungen teilweise entstellt wurden oder auch in Vergessenheit geraten sind, wieder freizulegen. Dabei geht es auch darum herauszuarbeiten, dass das Christentum als Kern abendländischer Kultur mit den vorhandenen geistigen Beständen auch eine wesentliche Grundlage entsprechender Vorhaben bilden kann und dazu besser geeignet ist als andere Konzepte. Eines von sehr vielen Beispielen für solche Bestände sind etwa die Worte des früheren amerikanischen Bischof Fulton J. Sheen über Ungleichheit als Voraussetzung von Liebe. […]