Glaube und Ethos

Der Prophet Ezechiel und die christliche Berufung zum schützenden Dienst

Der damalige Priester und spätere Prophet Ezechiel war im Jahre 597 v. Chr. Zeuge des Falls Jerusalems und der existenziellen Krise, die das Volk Israel an den Rand der Vernichtung brachte. Das Buch des Alten Testaments, das seine Worte wiedergibt, schildert diese Katastrophe, aber auch die Berufung zum Wächtertum und zum schützenden Dienst. Die Wächter seien jene, die Gott damit beauftrage, Krisen frühzeitig zu erkennen und die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, damit „mein Volk Israel in Sicherheit wohnt“. […]

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Charles Péguy: Das Christentum als Festung im Meer des Chaos

Der französische Schriftsteller Charles Péguy (1873-1914) veröffentlichte kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs einen weitsichtigen Aufsatz, in dem er „bisher ungekannte Prüfungen“ für das Christentum ankündigte. Angesichts der bevorstehenden Verwerfungen gleiche das Christentum einer „Festung im Meer“. Es werde künftig kein unverbindliches Christentum mehr geben können. Jeder Christ werde an der Grenze des Königreiches stehen und Soldat im Kampf gegen die Mächte des Bösen sein. […]

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Josef Pieper: Der verborgene Dienst und das Geheime Deutschland

Der katholische Philosoph Josef Pieper (1904-1997) setzte sich in seinem 1955 erschienenen Aufsatz „Der Same bedarf des Erdreichs“ anlässlich des zehnten Jahrestags des 20. Juli 1944 aus einer christlichen Perspektive mit Grundfragen des schützenden und bewahrenden Dienstes am Gemeinwohl auseinander. Das Beispiel der Männer des 20. Juli 1944 zeige, dass das Gemeinwohl einen Dienst „verborgener Herkunft“ erfordere, der von „Schweigenden und Verborgenen“ im Hintergrund geleistet werde. […]

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Heinrich David: Das Herrentum des dienenden Mannes

Der katholische Theologe Heinrich David beschrieb in seinem ursprünglich 1953 im Herder-Verlag erschienenen und kürzlich neu aufgelegten Werk mit dem Titel „Das Bild des christlichen Mannes“ das katholische Ideal der Männlichkeit. Der Mann sei nur dort ein Herr, wo er im Dienst stehe. „Christliches Herrentum“ fände „sein Wesen und seine Erfüllung im Dienst am Kleinen und Hilfsbedürftigen“. Weil er der christliche Mann Verantwortung für die Schwachen trage, dürfe er selbst nicht schwach sein. […]

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Ulrich Lehner: Die liberale Häresie der Weichheit

Der aus Bayern stammende Ulrich Lehner lehrt Religionsgeschichte und Theologie an der jesuitischen Marquette University in den USA. In seinem kürzlich erschienenen Buch „God Is Not Nice“ setzt er sich mit liberalen Verfallsformen des Christentums auseinander, die dessen maskuline sowie harte, ernste und fordernde Inhalte ausblenden und durch die Suche nach angenehmen Gefühlen ersetzen würden. Strömungen dieser Art würden die Kirche in allen westlichen Gesellschaften zunehmend prägen und stellten eine „tödliche Gefahr“ für das Christentum dar, weil sie seinen Kern aushöhlten. […]

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Iwan Iljin: Das christliche Ethos des militärischen Dienstes

Der russisch-orthodoxe Philosoph Iwan Iljin (1883-1954) wurde 1922 aus der Sowjetunion verbannt und setzte sich in seiner Arbeit unter anderem mit Fragen der Bekämpfung totalitärer Ideologien auseinander. In seinem 1925 veröffentlichten und jetzt erstmals in deutscher Übersetzung erschienenen Werk „Über den gewaltsamen Widerstand gegen das Böse“ entwirft er ein christliches Ethos für die Verteidiger des Gemeinwesens in Militär, Polizei, Nachrichtendiensten und Justiz. […]

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Henri de Lubac: Europa braucht ein männlicheres Christentum

Kardinal Henri de Lubac (1896-1991) war einer der wichtigsten katholischen Theologen des 20. Jahrhunderts. In seinem 1944 erschienenen Buch „Über Gott hinaus – Die Tragödie des atheistischen Humanismus“ warnte er, dass die Abwertung männlicher Spiritualität und maskuliner Tugenden durch liberale Strömungen in der Kirche destruktive neuheidnische Ideologien begünstige. Viele Männer würden sich aufgrund unmännlicher Tendenzen in der Kirche vom Christentum abgestoßen fühlen und fragwürdigen Weltanschauungen zuwenden. Dieser Herausforderung wirksam zu begegnen erfordere ein „männliches und kraftvolles Christentum“. […]

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Das Verschwinden der Tapferkeit aus der deutschen Kultur

In der “Welt am Sonntag” beschreibt die Journalistin Sarah Maria Brech das Verschwinden der christlichen Kardinaltugend der Tapferkeit aus der deutschen Kultur. Sie stützt sich dabei auf die Erkentnisse von Historikern und Sozialpsychologen. Tapferkeit sei in Deutschland “aus der Mode gekommen”, würde als unerwünscht oder sogar als kontraproduktiv gelten und sei zum „Anti-Wert geworden“. […]

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Papst Franziskus: Dienst, Kampf und Opfer sind der Weg der Heiligen

In seinem heute veröffentlichten Lehrschreiben mit dem Titel „Gaudete et Exsultate“ äußert sich Papst Franziskus über die allgemeine Berufung des Menschen zur Heiligkeit. Dabei betont er, dass der Weg der Heiligen ein Weg des Dienstes, des Kampfes und des Opfers sei. Gott fordere vom Menschen die totale Indienststellung seines Lebens zum Wohl des Nächsten. Um diesen Auftrag ausführen zu können, müsse der aus eigener Kraft dazu nicht fähige Mensch diesen Auftrag annehmen und sich von Gott nach und nach verwandeln lassen. […]

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Oberst Beltrame: Soldat, Held und christlicher Märtyrer

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat den Opfergang des französischen Obersts Arnaud Beltrame in seiner Osterpredigt angesprochen. Dabei betonte er, dass Beltrame auch ein Held sowie „ein Beispiel für militärische Tugenden“, vor allem aber ein christlicher Märtyrer gewesen sei. Das Opfer Beltrames mache einen Teil des Ostergeheimnisses sichtbar, in dessen Zentrum der Dienst an anderen stehe. […]

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Frankreich: Der Opfergang des katholischen Offiziers Arnaud Beltrame

Der bekennende Katholik Arnaud Beltrame war als Oberstleutnant der paramilitärischen französischen Gendarmerie Nationale am vergangenen Freitag am Einsatz gegen einen islamistischen Terroristen im südfranzösischen Trèbes beteiligt. Nachdem der Terrorist in einem Supermarkt Geiseln genommen hatte, entschloss sich Oberstleutnant Beltrame dazu, sich als Austauschgeisel zur Verfügung zu stellen. Er wurde dabei durch den Terroristen, einen marokkanischen Muslim, tödlich verwundet. Seine Tat trug jedoch dazu bei, dass die meisten Geiseln gerettet werden konnten. […]

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Walter J. Ciszek: Die Konfrontation mit dem Bösen in der Gestalt des Kriminellen

Der katholische Priester Walter J. Ciszek (1904-1984) war von 1939 bis 1963 im verdeckten Einsatz als Missionar in der Sowjetunion tätig. Rund 20 Jahre dieser Zeit verbrachte er in kommunistischen Straf- und Arbeitslagern. Seine Erfahrungen schildert er in seinem Buch „Mit Gott im Gulag“. Dem Bösen sei er während dieser Zeit vor allem in Gestalt von Mitgliedern der russischen organisierten Kriminalität begegnet. […]

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Jordan B. Peterson: Der Kampf gegen das Chaos und die Berufung des Mannes

Der Psychologe Jordan B. Peterson lehrt an der Universität von Toronto in Kanada. In seiner Arbeit behandelt er mit Schwerpunkt den geistigen Kampf des Menschen gegen die chaotischen Kräfte, die seine Seele angreifen. Der Mensch brauche dazu Religion und Kultur. Eine Religion bilde den Kern jeder Hochkultur. Die Berufung des Mannes bestehe darin, Verantwortung zu übernehmen, das eigene Leben einer Ordnung zu unterwerfen und dem Wirken des Chaos in der Welt entgegenzutreten. […]

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Charles J. Chaput: Das Rittertum und die Berufung des Mannes

Charles Joseph Chaput ist Erzbischof von Philadelphia und einer der führenden katholischen Denker in den USA. Im Rahmen eines Vortrags behandelte er vor einigen Tagen die Berufung des Mannes zum Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen. Dabei erinnerte er daran, dass das Christentum in Form des Rittertums ein zeitloses Bild von dienstbereiter Männlichkeit geschaffen habe, das angesichts der sich ankündigenden Verwerfungen in westlichen Gesellschaften an Bedeutung gewinne. […]

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Daniele Giglioli: Der Verlust männlicher Tugend in der postmodernen Gesellschaft

Daniele Giglioli lehrt Literaturwissenschaften an der Universität Bergamo. In einem aktuellen Aufsatz kritisiert er, dass westliche Gesellschaften durch Anstrengungen zur Zerstörung ihres traditionellen Männlichkeitsverständnisses erhebliche Risiken eingingen. Die damit verbundene Tendenz zur Effeminisierung mache diese Gesellschaften zunehmend unfähig dazu, existenziellen Herausforderungen zu begegnen. […]

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Apostel Paulus: Das Problem der unmännlichen Weichheit und die Tugend der Härte

In einer der frühesten Schriften des Christentums, dem um das Jahr 54 n. Chr. entstandenen 1. Korintherbrief, rief der hl. Apostel Paulus christliche Männer dazu auf, Neigungen zu unmännlicher Weichheit in sich zu bekämpfen. Die Weichen würden nicht zu den Erben des Reiches Gottes gehören. Auch wenn man die Freiheit habe, sich für ein entsprechendes Leben zu entscheiden, so sei eine solche Entscheidung doch falsch. Christliche Männer seien zum vorbehaltlosen Dienst berufen, und dazu tauge nur, wer „standhaft und unerschütterlich“ sowie „mannhaft“ sei. […]

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Jesaja: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein großes Licht.“

Der Prophet Jesaja äußerte um das Jahr 700 v. Chr. die folgenden Worte, die wahrscheinlich über viele Jahrhunderte lang unverstanden blieben, bis sich vor rund zweitausend Jahren endlich ihr Sinn offenbarte: „Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären […]. Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein großes Licht. Die im Land der Finsternis wohnen, Licht leuchtet über ihnen.“ […]

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Hans Urs von Balthasar: Christ ist, wer im Dienst steht

Der katholische Theologe Hans Urs von Balthasar suchte 1965 in seiner Schrift „Wer ist ein Christ?“ nach dem Kern der christlichen Identität. Christ sei von Balthasar zufolge derjenige, der im Dienst stehe. Die Forderung nach Selbstlosigkeit und ständigem „Zur-Verfügung-Stehen“ im Rahmen einer dienenden Berufung würde die Identität des Christentums prägen. […]

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Herfried Münkler: Europa fehlt eine Kultur des Heldentums

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin und gehört zu den wenigen in seinem Fach in Deutschland, die sich mit Fragen im Bereich Strategie und Sicherheit auseinandersetzen. In einem aktuellen Aufsatz in der „Neuen Zürcher Zeitung“ schreibt er über die Verwundbarkeit der postheroischen Gesellschaften Europas und kritisiert, dass diesen „Heldenerzählungen“ und ein Konzept des Heldentums fehlen würden. […]

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Hans Urs von Balthasar: Der Ernstfall als Maßstab des Glaubens

Der Theologe Hans Urs von Balthasar veröffentlichte 1966 seine Schrift „Cordula oder der Ernstfall“. In ihr setzte er sich vor dem Hintergrund des kulturrevolutionären Geschehens der 1960er Jahre und dessen Eindringens in die Kirche in der Nachkonzilszeit mit der Frage auseinander, was der höchste Maßstab des Glaubens sei, mit dem man gute von schlechten religiösen Impulsen unterscheiden könne. Er kam zu dem Ergebnis, dass dieser Maßstab der Ernstfall und die eigene Bereitschaft zum Tod sei. […]

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Rolf Dobelli: Krisenerwartung als Voraussetzung wirklichkeitsgerechten Denkens

Christliche Weltanschauung rechnet grundsätzlich mit der Möglichkeit krisenhafter Verläufe des Weltgeschehens. Sie unterscheidet sich dabei deutlich vom Fortschrittsoptimismus säkularer Weltanschauungen. In einem Beitrag in der „Neuen Zürcher Zeitung“ erklärt der Philosoph Rolf Dobelli, der vor allem durch sein Werk „Die Kunst des klaren Denkens“ bekannt geworden ist, warum solche Krisenerwartung eine Voraussetzung wirklichkeitsgerechten Denkens und guter Entscheidungen ist. […]

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Viktor Frankl: Dienst und Opfer als Sinn des Lebens

Der jüdische Psychologe Viktor Frankl lehrte unter anderem an der Universität Wien und ist vor allem für seine Auseinandersetzung mit psychischen Herausforderungen in Extremsituationen bekannt geworden. In seinem Werk „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ beschreibt er seine Gedanken dazu, die auf persönlichen Erfahrungen im Konzentrationslager Auschwitz beruhen. Sein Werk stellt dabei keine Anleitung zum physischen, sondern zum seelischen Überleben dar. Er betont, dass der Mensch nur durch die Entscheidung zu Dienst und Opfer seine Würde auch unter extremen Bedingungen bewahren und dadurch zum Ziel seiner Existenz gelangen könne. […]

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Bischof Abromeit: Christen müssen bereit sein, für ihren Glauben zu sterben

Der evangelisch-lutherische Bischof Hans-Jürgen Abromeit hat in einer im Rahmen des ökumenischen Kongresses „Christenverfolgung heute“ gehaltenen Predigt dazu aufgerufen, die Worte Jesu Christi zum Martyrium ernst zu nehmen. Das Christentum sei keine „Wohlfühlreligion“. Christen müssten dazu bereit sein, für ihren Glauben notfalls auch zu sterben. Im Ernstfall „muss ich um der Nachfolge Jesu willen bereit sein, auch diesen Weg zu gehen. […] Es ist schon ernst gemeint, wenn Jesus sagt: Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir, der ist meiner nicht wert.“ […]