Erzbischof Gänswein: Weihnachten und die Verteidigung des christlichen Europas

Geertgen tot Sint Jans - Die Geburt Jesu (Ausschnitt, Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Erzbischof Georg Gänswein gilt als einer der engsten Vertrauten des emeritierten Papstes Benedikt XVI. In einer heute veröffentlichten Weihnachtsbotschaft betont er die Bedeutung des Christentums als Grundlage von allem, was im Erbe Europas „schön und groß und liebenswert“ sei.

In diesem Zusammenhang unterstreicht er die Ungleichheit von Christentum und Islam. Während der islamische Gebetaufruf „Gott ist der Größte!“ zum „Schreckensruf unserer Städte geworden“ sei, stehe das Weihnachtsfest für die „unfassbare Demut des Größten“. Diese sei auf „kostbarste Weise als Signatur eingeschrieben in jene Welt, die wir lieben und die gegen oft übermächtig scheinende Gegner mit unserem Zeugnis verteidigt werden will.“

In seiner Betrachtung schreibt Erzbischof Gänswein:

Die Geburt Christi ist der Referenzpunkt unserer Geschichte schlechthin. […] Es ist ein unfassbares Wunder, was Gott sich da angetan hat, und es ist dennoch […] der Kern unseres Evangeliums. Der König des Weltalls hat sich auf unsere Natur eingelassen. Ein größerer Liebesakt ist nicht vorstellbar. Deshalb wird dies leider auch von vielen und in vielen anderen Religionen als provokante Zumutung begriffen bis heute. Weltweit sind Christenverfolgungen ohne diese Herausforderung an den Verstand nicht zu begreifen. Dennoch hat keine Geburt die Welt je so verändert wie die des heiligen Säuglings aus Bethlehem. Und keine hat sie schöner und menschlicher gemacht als dieses Wunder in der Jungfrau Maria, in deren Leib der Erlöser der Welt heranreifte. Alle Schönheit Roms und Freiburgs verdankt sich diesem Liebesakt und auch der ganze Kosmos der abendländischen Kultur, Kunst und Musik. […]

Wer sehen will, was Europa schön und groß und liebenswert gemacht hat und was das „C“ ihrer letzten christlichen Parteien bedeutet, muss deshalb in diese Krippe schauen. Wer begreifen will, warum sich Millionen Menschen aufmachen und in ihrer Not nach Europa flüchten und nicht etwa nach China, muss auf dieses Kind blicken, dem wir die wichtigste Grundierung unserer westlichen Welt verdanken […].

„Allahu akbar!“ heißt dagegen der Gebetsaufruf der islamischen Welt. Das heißt auf Deutsch: „Gott ist der Größte!“ Da würden wir gern mit einstimmen. Aus dem Mund von Terroristen aber ist er inzwischen zum Schreckensruf unserer Städte geworden – wie eben wieder vor dem Straßburger Münster. Das Wimmern des Christkinds in der Krippe aber flüstert uns das Gegenteil ins Ohr: „Gott ist der Kleinste!“ Er selbst hat es so gewollt. Diese unfassbare Demut des Größten ist auf die kostbarste Weise als Signatur eingeschrieben in jene Welt, die wir lieben und die gegen oft übermächtig scheinende Gegner mit unserem Zeugnis verteidigt werden will.

Hintergrund

Im September 2018 hatte Erzbischöf Gänswein gewarnt, dass angesichts der gegenwärtigen Lage des Christentums in westlichen Gesellschaften „das ganze Projekt unserer Zivilisation auf dem Spiel“ stehe.

Die Kirche durchlaufe derzeit „eine wahrhaft endzeitliche Krise“. Die innere Krise des Christentums werde verstärkt durch äußere Bedrohungen bzw. durch die Tatsache, dass das Christentum „nicht nur in Europa […] seit Jahrzehnten wieder eine Völkerwanderung, die niemals mehr an ein Ende kommen wird“, erfahre. (ts)

3 Kommentare

  1. Ansonsten ist die Stellungnahme des Bischofs Gänswein natürlich hervorragend. Er ist wohl auch einer der wenigen, der sich Klarheit mit dem Blick auf den Islam bewahrt hat. Darum wäre ich persönlich mit Benedikt XVI. auch glücklicher gewesen. Dieser Papst nimmt mir die „Völkerwanderung“ als zu selbstverständlich hin. Die Ursachen dieser Wanderung werden viel zu wenig klar benannt.

  2. Ein wenig Widerspruch muss sein. Gott ist der Größte im Islam, Gott ist der kleinste im Christentum. Nein, dann schon eher: Gott ist auch im Klein(st)en der Größte. Dieses Oxymoron muss herhalten, denn Jesus ist ja nicht allein Gott. Darum die Dreieinigkeit Gottes. Der Geist und der Vater waren nicht in der Krippe sichtbar, höchstens mittelbar. Ein Teil des Kreises Gottes war sichtbar im Kind in der Krippe.
    Der Islam muss, um existieren zu können, Gutes mit Gewalt bewahren. Darum muss der Islam auch immer politisch sein, sonst ist das nicht möglich. Das Christentum muss, um existieren zu können, Gott mit einer neu-ursprünglichen Charaktereigenschaft belegen (aus der Sicht des Menschen in Jesus neu, Gott hatte diese Charaktereigenschaft schon immer) nämlich der liebenden Demut Gottes. Jetzt erst in Jesu Krippe, Kreuz und Auferstehung wird dem Menschen deutlich, was Vollkommenheit bzw. Erfüllung oder Vollendung des AT bedeutet. Allah wird niemals demütig sein können und liebend schon gleich garnicht. Darum sind diese Gottesbilder auch so unüberbrückbar verschieden. Es wäre vergebliche Liebesmüh, diese beiden Gottesbilder gewaltsam vereinigen zu wollen. Das führt nur zu Chaos und Verwirrung und zur Durchlöcherung der Vollkommenheit Gottes.

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