Abendländisches Erbe: Der Marsch des Brian Boru

Hugh Frazer - Die Schlacht von Clontarf (Ausschnitt/gemeinfrei)

Brian Boru (ca. 940-1014) war der Begründer der Dynastie der O’Brien und der einzige Hochkönig in der Geschichte Irlands. Er fiel am Karfreitag des Jahres 1014 in der Schlacht von Clontarf im Abwehrkampf gegen die heidnischen Wikinger. Die Schlacht beendete die Zeit der heidnischen Besatzung Irlands.

Der Überlieferung zufolge soll der Marsch des Brian Boru nach dem Sieg drei Tage lang an dessen Grab gespielt worden sein. Das Orchester der Nederlandse Fluit Academie erinnerte 2014 mit einer Aufführung des Marsches an den eintausendsten Jahrestag dieses Ereignisses.

Hintergrund

Die Wikingereinfälle zwischen dem achten und zehnten Jahrhundert stellten neben den islamischen und ungarischen Invasionen dieser Zeit eine existenzielle Bedrohung für das christliche Europa dar. Sie vernichteten unter anderem die irisch-schottische Klosterkultur, von der die Christianisierung großer Teile Westeuropas ausgegangen war.

  • Dem Historiker Christopher Dawson nach hätten die Wikinger im Zuge ihrer Invasionen nicht nur materielle, sondern auch weltanschauliche Motive verfolgt und gezielt das Christentum bekämpft. Sie hätten bei ihren Einfällen im Raum zwischen Irland, Schottland, Nordfrankreich und Norddeutschland „große Landstriche […] in Wüsten verwandelt“ und das gesellschaftliche und kulturelle Gefüge an vielen Orten aufgelöst.
  • Das christliche Europa habe damals die größte Krise seiner gesamten bisherigen Geschichte durchgemacht und am Rande der Vernichtung gestanden. Es sei „in die schlimmste Gesetzlosigkeit und Finsternis, die es vielleicht je erlebt hat“, eingetreten.
  • Zu dieser Zeit seien heute weitgehend vergessene Kriegerheilige hervorgetreten, die das Überleben des christlichen Europas gesichert hätten, bevor die kulturelle Strahlkraft des Christentums zur Konversion der Wikinger und ihrer Integration in das christliche Abendland geführt habe.

Bereits um das Jahr 880 stießen die Wikinger in Norddeutschland unter der Führung von Herzog Bruno von Sachsen und mehrerer Bischöfe auf Widerstand. Sie führten die „Ebstorfer Märtyrer“ an, die sich den Wikingern am 2. Februar 880 im Raum Stade entgegenstellten und dabei hohe Verluste erlitten. Die Gefallenen wurden als Märtyrer heilig gesprochen. (ts)