Christentum und kulturelle Kontinuität in Krisenzeiten: Das polnische Vorbild

Józef Brandt - Polnische Truppen singen vor der Schlacht die Bogurodzica (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

In einem gestern in allen Kirchen des Landes vorgelesenen Hirtenbrief stellten die polnischen Bischöfe anlässlich des hundertsten Jahrestages der polnischen Unabhängigkeit die Bedeutung des Christentums für die Kontinuität der polnischen Nation und ihrer Kultur heraus. In den über 120 Jahren, in denen das polnische Volk nicht über einen eigenen Nationalstaat verfügt habe, sei die Kirche der wesentliche Träger und Bewahrer der christlichen Identität Polens gewesen.

  • Die Bischöfe betonen in ihrem Brief, dass die Liebe zur eigenen Nation so wie die Liebe zur eigenen Familie Teil der christlichen Nächstenliebe wären. Diese Liebe äußere sich in der Bereitschaft zu Dienst und Opfern für die  Familie, die Nation und das Gemeinwohl. Sie äußere sich außerdem in Solidarität über die Generationenkette hinweg sowie in der Übernahme von Verantwortung für die Schwächsten im Gemeinwesen.
  • Das polnische Volk habe seinen Nationalstaat im 18. und 19. Jahrhundert nicht nur in Folge äußerer Angriffe verloren, sondern auch in Folge des Versagens seiner Eliten. Auch Adel und Kirche hätten häufig eigene Interessen verfolgt, anstatt dem Gemeinwohl zu dienen.
  • Christliche Geistliche und Laien hätten auf diese Herausforderung auf der Grundlage der Erkenntnis geantwortet, dass die Wiedererlangung der nationalen Unabhängigkeit zunächst die kulturelle Erneuerung der Nation im Geist des Christentums erfordert habe. Sie hätten zahlreiche Organisationen und Bewegungen ins Leben gerufen, die zunächst in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gegen innere geistig-kulturelle und moralische Verfallserscheinungen vorgegangen seien.
  • Anschließend hätten sie über mehrere Generationen hinweg durch Dienst an Gott und dem Nächsten in Form von Gebet, bewaffnetem Kampf, politischem Engagement und des Wachhaltens des Bewusstseins für die christliche Identität und das christliche Kulturerbe der polnischen Nation den Nationalstaat wieder hergestellt.

Jede Generation sei von neuem dazu aufgerufen, diesen Dienst zu leisten. Polen stehe erneut vor großen Herausforderungen in Folge einer Tendenz zur Abwendung vom Christentum, welche die Familien und die Nation schwäche, gesellschaftliche Verfalls- und Auflösungserscheinungen fördere und das Bewusstsein für die Pflicht gegenüber dem Gemeinwohl reduziere.

Hintergrund

Der hl. Johannes Paul II. hatte auch vor dem Hintergrund seiner persönlichen Erfahrung mit dem Wirken von Nationalsozialismus und Kommunismus, welche die christliche Identität Polens zerstören wollten, die Bedeutung des Einsatzes für die kulturelle Kontinuität der christlichen Nationen Europas betont. Dieser Einsatz stelle einen christlichen Auftrag dar und sei eine Konsequenz aus dem vierten Gebot, das es Christen aufträgt, Vater und Mutter zu ehren.

Christliche Dissidenten wie Ryszard Legutko oder Václav Havel hatten in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass nicht nur totalitäre Ideologien, sondern alle modernen Ideologien die christlichen Grundlagen der Nationen Europas ablehnen und bekämpfen würden. Der tschechische Katholik und Dissident Václav Benda hatte während der kommunistischen Herrschft ein praktisches Konzept dafür entworfen, wie Christen den damit verbundenen Herausforderungen begegnen können.

Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, hatte vor einigen Wochen in Danzig den Einsatz polnischer Christen für ihre Nation gewürdigt. In diesem Zusammenhang rief er alle Christen dazu auf, „im guten Sinn des Wortes Patrioten“ zu sein. Dies sei Teil des christlichen Dienstes in der Welt. Der Kampf der polnischen Christen gegen den Kommunismus sei ein Beispiel dafür, dass es in der Geschichte immer wieder Momente gebe, in denen Christen Stellung beziehen und handeln müssten. (ts)

1 Kommentar

  1. Diesen polnischen Hirtenbrief kann ich nur unterschreiben. Der jetzige Papst betreibt hingegen eine gänzlich andere Politik. Die Flutung Europas vor allem mit Muslimen und ist ihm und den westlichen Bischöfen ein Herzensanliegen.

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